Ausgabe 
(3.2.1915) 28. Zweites Blatt
Seite
20
 
Einzelbild herunterladen

** 1 N wir standen zwischen vier nadten Wänden. Gegen 5 Uhr kam ein

N

schaftlich die Türe ein.

und Wied ..der es verstand, mit dem

Hier im Breuil waren wir vollständig isoliert. Wir lagen in einem

damals nicht beschieden, dem Vaterland den höchsten Dienst zu und Tiraillierkunststücke üben. Nur einmal kam er als Führer

in Versailles geboren wurde, da brach aus seiner Seele, in der sich

dende Zeit von 6 Jahren verbrachte, vollzog sich ein

Wagen Stroh für die Frauen. Man warf es auf den Fußboden und auf die Holzbritschen und so war das Nachtlager für die vaches de prussiennes bereit. Zum Glück mußten auch die sich ohne Decken und Kissen darauflegen, die vorher so laut:vive la France geschrien hatten. Natürlich konnten nicht alle auf den Britschen liegen, viele mußten auf dem steinernen Boden über einer Handvoll Stroh schlafen. Wir Männer mußten die erste Nacht ohne alles zubringen. Um 6 Uhr wurden einige Brote verteilt, für jeden etwa 1 Pfund pro Tag. Am Tage unserer Ankunft bekamen wir außer diesem nichts weiter. Man konnte auch nichts kaufen, denn eine Kantine war nicht vorhanden. Morgens wurde uns nie etwas verabreicht. Die erste Mahlzeit war nachmittags um 2 Uhr, bestehend aus einem kleinen Stück Rindfleisch und etwas vollständig ungenießbarem Reis. Das Abendessen bestand in einem Tellerchen Fleischbrühe, die jedoch derart war, daß sie Schweine 8 gelassen hätten. Dies war monatelang unser tägliches Seitdem wir hier in sind, ist die Zubereitung etwas besser und wir bekommen statt Reis öfter Kartoffeln. Das Essen wurde jetzt von Leuten, die sich freiwillig meldeten, bereitet. Außer Kochherd und Kesseln war in den Küchen nichts vorhanden. Den freiwilligen Küchenmeistern wurde jeden Morgen Fleisch mit Reis oder Kartoffeln geliefert. Wie sie die 1500 5 damit satt bekamen, war ihre Sache. g Beim Reinigen der Küche inLa Courtine die übrigens aussah, als wäre sie seit 10 Jahren nicht benutzt worden habe ich auf einer der Wände folgende Inschrift gelesen:parti pour la guerre le 27 Juillet 1914 undparti pour Verdun le 27 Juillet 1914 Weitere Zeugnisse für die geheime Mobilisierung vor der Kriegserklärung. 8 Am zweiten Tag nach unserer Ankunft erkrankte mein Sohn an Röteln und wurde sofort in einem leerstehenden Gebäude isoliert. Außer meiner Frau und mir durfte niemand zu ihm. Die vom Militärarzt verschriebene Arznei sollte der Apotheker noch am selben Tage bringen, aber erst um 12 Uhr des folgenden Tages hatte ich sie in Händen. Auf meine einfache ruhige Bemerkung, der Kranke hätte nach Aussage des Arztes die Arznei schon tags zuvor haben sollen, wie sie bestellt war, wurde ich in frechem Tone angeschrien: e'est bon, des observations, je n'en recois pas und machte mir einen ganz unverschämten Preis. Mit der Arznei sollte sich der Kranke die Gurgel auspinseln, sonst war ihm nichts verordnet wor- den. So oft ich den Arzt traf, frug ich ihn, ob er meinen Sohn, nicht einmal besuchen wolle, und jedesmal erhielt ich die Antwort: Ich gehe gleich zu ihm hin. Dabei aber blieb es. Das Ge⸗ t meines Sohnes war dick angeschwollen, er durfte nichts essen und mußte sich sehr vor Erkältung schützen. Er lag nun auf seinem Strohsack, den er inzwischen bekommen hatte, ohne Decke in einer kühlen Unteroffizierstube. Wir brachten ihm heiße Milch und Tee Ein Soldat hatte uns für schweres Trinkgeld und bei entsprechender Preiserhöhung eine Spirituslampe besorgt. Als wir drei Tage später des Morgens den Kranken besuchen wollten, fanden wir die Türe des Hauses verschlossen. Niemand schien mehr zu wissen, daß ein Kranker darin lag; er war vollständig vergessen. Wir mußten ihm durchs Fenster Milch reichen. Den ganzen Morgen lang ging ich auf die Suche nach dem Arzt. Gegen Mittag fand ich ihn. t nachdem er erfahren, mein Sohn sei eingeschlossen, ent⸗ schloß er sich endlich, mit uns zu gehen. Wir brachen gemein⸗

Am 13. 8. erhielten wir endlich alle Strohsäcke. Die Frauen hatten vier Tage zuvor Decken bekommen.

Am andern Morgen wurden 60 deutsche Männer, darunter auch ich, aufgefordert, sich mit Gepäck und Strohsäcken vor der Kaserne aufzustellen. Nachdem dies geschehen, wurden wir von einer Abteilung Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr ein⸗

chlossen und nach einem 1 Kilometer 8 Orte des Lagers, Breuil, abgeführt, den Strohsack auf dem Rücken und das in der Hand. So waren wir denn vollständig von Frau Kindern getrennt. Wie ich später erfahren, galten wir als verdächtig und bildeten nun die Gruppe 25. ImBreuil an⸗ kommen, mußten wir wieder, wie bei unserer Ankunft im Lager, Kaserne fegen. Es war alles noch viel schmutziger als dort. er mußten wir das Kochen selbst besorgen. Wir hatten das Glück, einen gelernten und sehr tüchtigen Küchenchef unter uns zu 5 wenigen, was uns zur Verfügung and, ein recht schmackhaftes Essen zu bereiten. Durch Herstellen von Extraportionen, die er an besser Bemittelte verkaufte, erwarb er Geld, das er wieder dem allgemeinen Wohl zukommen ließ.

Tal, das durch ein kleines Wäldchen von dem übrigen Lager ge⸗ trennt war. Außer einem Arzt und einem Lazarettgehilfen, der uns gegen hohes Trinkgeld Tabak besorgte, bekamen wir niemand zu sehen. Ein kleiner Raum, etwa 75 Schritte lang und 25 Schritte breit, stand uns zum Spazieren 1 zur Verfügung. Hier liefen denn von morgens bis abends hr 60 Mann wie wilde Tiere in ihrem Käfig auf und ab und wehe dem, der die Grenze über⸗ schritt, die an jedem Ende durch eine Schildwache mit aufgepflanztem Seitengewehr bezeichnet war. An den Längsseiten standen zwei, etwa 75 Schritte lange Gebäude. Das Schrecklichste für uns aber war, von unseren Familien getrennt zu sein. Als zwei ältere

mit meinem Blute habe ich den Grundstein kitten geholfen, auf dem sich Deutschlands Ehren erheben. Ihm selbst war es auch

leisten; er mußte Freiwillige ausbilden und seine altenExerzier⸗

eines Ersatztrans portes auf kurze Zeit nach Frankreich hinein. Aber während die Waffen tatlos in seiner Hand ruhten, be⸗ gann es im Herzen mächtig zu arbeiten. Als das Deutsche Reich

bisher nur unklare und unfertige dichterische Ahnungen geregt hatten, ein ganz neuer gewaltiger Ton; ein choatischer Wirrwarr dröhnender Worte und pathetischer Bilder brauste in dem Gedicht Deutschlands Jubellied hervor.Das war wie der Ausbruch eines Vulkans, schildert eine bekannte Dame sein damaliges Wesen. Sein 3 Innere entlud sich in einer erhitzten Kriegs⸗ poesie, und aus diesem Sturm der Gefühle wurde der vaterländische Dichter in ihm geboren. Als er nach dem Kriege als Referendar in dem stillen Frankfurt a. O. eine für seine Entwicklun a ärungs⸗ und Läuterungsprozeß, der ihn Vaterland und Volk als höchsten und einzigen Inhalt seines Schaffens erkennen ließ. Aus der Stimmung des deutsch⸗französischen Krieges ist im Winter 1871 alsdas erste Zeugnis seiner neuen Persönlichkeit die Dichtung Die Söhne der Sibyllen und Nornen entstanden, ein noch ju⸗ lich unausgeglichenes, aber großangelegtes Werk, in dem die ämpfe und Kulturarbeit der Germanen und Romanen durch das Mittelalter verfolgt werden bis zu den Tagen, da Deutschland und Frankreich im großen Kampf sich messen und der Franke unterliegt. Einen bedeutenden Schritt weiter auf dem neuen Wege war das im Frühling und Sommer 1873 entstandene Heldenlied Vionpille, in dem ein Stück jüngster Vergangenheit mit präch⸗ tiger Leidenschaft zum Kunstwerk gestaltet wurde. DasHelden⸗ lied, das er als sein eigener Rapsode vortrug, brachte ihm den ersten Ruhm und machte seinen Namen in weiteren Kreisen be⸗ kannt. Er durfte es auch dem Kaiser vorlesen und war durch dessen Beifall tief gerührt.Zweimal reichte er mir seine Hand, und mir war zu Mute, als wäre ich nun erst geadelt worden. Das zweite Mal geschah es, als er hinausging. Er drehte sich herum und dankte mir für das Gedicht. Ich packte zu, jedenfalls ganz geen die Etikette, und drückte tüchtig drauf los, denn, dachte ich, wird wohl nicht wieder vorkommen, daß Du dem Sieger von Sedan die Hand drückst. Sein zweites HeldenliedSedan hatte weniger äußeren Erfolg, zeigte aber sein Reifen und Erstarken als patriotischer Dichter. Damals hatte er bereits die hohe Aufgabe in Angriff genommen,dem politisch geeinten und reif gewordenen Teutschland ein politisch⸗historisches Drama zu schaffen. Wir alle wissen, wie ihm dies gelungen, und gedenken in Verehrung dieses teuren Geisteskämpfers, der bescheiden von sich gesagt hat:Ich will nichts weiter sein als der Mann, der sich den einen Ruhm zu⸗ schreibt, daß er mitten in das Dunkel hineingestürmt ist und dem deutschen Volle zugerufen hat: mir nach, hinter dem Dunkel kommt

W 3

die ältere, ob ihr Mann bei den Frrdächg gene sei. 5 Mädchen und 0 ihr, e ihr im

ihr eindringlich, sich nicht zu widersetzen. Die frevelhaften Ab⸗

Am 24. August läßt mir meine Frau durch einen Lazarett⸗ gehilfen ein Briefchen zukommen, worin sie mir mitteilt, daß alle Frauen derVerdächtigen beim Obersten eine Petition eingereicht hätten, zu uns herüberziehen zu dürfen, worauf sie 8 erhalten hätten, ihr Wunsch solle baldigst erfüllt werden.

Am 26. August um 1 Uhr. sahen wir sie denn auch wirklich mit Sack und Pack, von Soldaten begleitet jedenfalls damit sie nichts ausspionieren oder entfliehen konnten in der Ferne die Straße des oberen Lagers herunterziehen. Welche Freude, uns nach 12tägiger e Dieses Glück, wieder alle beisammen zu sein! ein Sohn war wieder hergestellt, aber ganz abgemagert, ganz ohne Kraft. Er hätte nun einer kräftigen Nahrung bedurft. Aber wie sie ihm geben! Mit 125 Gramm Rimdfleisch, einem Teller Suppe und etwas Gemüse, was jeden Tag verabreicht wurde, konnte er schwerlich neue Kräfte sammeln. Das einzige, was wir tun konnten, war, ihm jeden Morgen einige Eier und etwas Milch zu kaufen. Aber immer war das nicht möglich, da nur zwer Bäuerinnen mit Milch und Eiern zu uns kamen. Sie wurden jedesmal mit großer Sehnsucht erwartet und von allen um⸗ zingelt. Jeder wollte zuerst sein und alles für sich haben. Es kam oft vor, daß viele nicht einmal ein Ei bekamen.

Eines Tages kam der sous⸗prefet in den Breuil. Als ihn mehrere frugen, ob sie nicht zu Verwandten gehen könnten, schrie er sie an:Von Euch hier im Breuil kommt keiner fort. Vous etes tous bouches jusqu'a la fin de la guerre! In Breuil sind wir bis zum 9. September geblieben. Dann wur⸗ den wir wieder zu den andern geführt und mit diesen in einem noch weiter entlegenen Orte des Lagers in Pferdeställen unter⸗ ebracht, da 9 Landwehrleute die Kasernen beziehen sollten.

s kamen aber nur 45 Mann, für die nicht einmal Kleidung da war. Man sah während der ganzen Zeit, die wir noch in der Courtine geblieben sind, die Leute in Zivilkleidern herum⸗ laufen, die einen mit einem Kepi, die andern mit einer roten Armbinde, zum Zeichen, daß sie Korporal waren. Neben den Ställen, in die wir eingepfercht worden waren, standen 6 leere Kasernen, die wie die andern 26 nie bewohnt worden sind. Und hier in den Ställen, auf gepflastertem Boden mit einem Strohsack und einer leichten Decke müssen Frauen und Kinder, 70⸗ und 80⸗ jährige Greise bei naßkalter Witterung, heftiger Zugluft ausgesetzt, die oben unter dem Dach und unter den Türen hereinpfiff, ihr elendes Dasein fristen! Ein Achtzigjähriger hat es nicht ertragen können und ist nach 8 Tagen beerdigt worden. Und dieses Volk schimpft unsBarbaren! i Von jetzt ab mußten wir Männer auch arbeiten. Von 6 Uhr morgens ab hatten wir unter Aufsicht bewaffneter Soldaten Stroh⸗ säcke zu stoyfen. Der Hauptmann, der das Ganze leitete, die meiste eit aber betrunken war, benutzte jede Gelegenheit, uns tief zu zänken. Eines Morgens, als wir zum Magazin geführt wurden, stand er wieder betrunken am Tore und schrie uns an:un peu plus vite que ca. Als wir natürlich keinen Schritt mehr machten, brüllte er in Pariser Argot:si vous ne vous depechez pas plus vite, on vous ferra creber de faim. Ein andermal:on va vous 1* 75 dans les paillasses aver votre empereur et one y mettra le feu.

Die Nahrung war wieder ungenießbar. Wir bekamen fast jeden Tag verschimmelten Reis und altes verschimmeltes Brot. Unsere Lage war wie nie zuvor. Die Behandlung und Verpflegung un⸗ menschlich und schier unerträglich. Da beschlossen wir uns am 12. September, eine Beschwerdeschrift an Se. Exzellenz den Bot⸗ schafter der Vereinigten Staaten zu richten, die wir 60Verdäch⸗ tige alle unterschrieben. Als vorstehender Bericht seine geheime Reise nach Deutschland antrat, stand die Antwort noch aus. Bis zum 21. September mußten sie in den Ställen aushalten, dann wurden sie weitergeschoben. Wieder fanden sie nichts vor Die erste Nacht mußten Männer und Kinder auf dem nackten Boden schlafen, ohne Stroh und ohne Decke. 5 l

Damit bricht der Bericht ab. Die weiteren Ergebnisse sind bei der nächsten Gelegenheit zu erwarten. Möchte bald eine Wendung zum Besseren eingetreten sein und den Obdach⸗ losen vor allem Mittel an die Hand gegeben worden sein, sich vor der Nässe und Kälte des Winters zu schützen; denn bald ist es genug des Grausamen und Barbarischen, und jeder Deutsche weiß nun zur Genüge, welch leere Begriffe den Franzosen Zivilisation und Humanität sind.

Daitschland sein großes Mausenfall. 2 Königsberg. Pr., 1. Febr.

Die kleine Feste Lötzen, die einen wichtigen Uebergang 1 zwei großen Seen sperrt, und schon seit Kriegsbeginn

n Ansturm der Russen aushält, kann den Ruhm für sich in An⸗ spruch nehmen, daß ihre Besatzung als erste deutsche Garnison auf den Gedanken gekommen ist, eine Kriegszeitung herauszugeben. Sie ist im Osten wohl bisher auch die einzige ihrer Art geblieben. Als Probe des guten Humors, der auch in der Feste Lötzen hoch⸗ gehalten wird, geben wir folgendekleine Episode aus dem Ta⸗ tareneinfall in Ratzeburg wieder, die der Kriegsfreiwillige Otto Neumann einem Bürger nacherzählt: 5 Die Russen kommen! Ein pompöser Einzug. hen e. Am folgenden Tage werden alle halberwachsenen männli Per⸗ sonen zusammengetrieben, um als Gefangene je nach Alter aus⸗ sortiert zu werden. Ich entfleuche rücklings und eile schnurstracks zu meinem guten alten Bekannten, dem Hotelwirt Rennekamp, um mich hilfesuchend in seinen Schutz zu begeben. Als heller Masure verspreche ich mir viel Gutes von seinem Namen. Richtig. Ein Trupp Offiziere kommt, deutsch gebrochen mauschelnd, heran. Is sich wohl Verwandter vom großen General Rennekamp? Jawohl, ist mein Onkel, erwiderte prompt mein Freund. So, so, großer Onkel, jawohl, sehr großer Onkel! Haben sich auch Wuttkt von guten Altens?, begleitet von einem verständ⸗ nisinnigen Klopfen des Daumens an die ausgepichte Kosaken⸗

der Tag!

mps, der sich kurz vorher 400 Flaschen echten russischen Wutll,

l.Aber j iderte de se N ane er jawohl, exwiderte der famose Neffe Renne⸗ alen unb für Brot festgescht. Gs keen dag

noch mit russischem l versehen, über Wirballen men lassen.Hat sich der große Onkel alles seinem lieb geschickt, wo ich sein so gut russisch. Der Schnaps win 0 holt, und nach Prüfung der echt russischen Etikette setzt sich die ganze Gesellschaft um den großen runden Hoteltisch, um den Onkel und den Neffen gebührend zu feiern. Einmal Kaffee 70 1215 ung,

dann wieder Schnaps mit Kaffee, in rührender Ah sie alle steif Nef wie die Igel. Zwischendurch eine sehr erbau⸗ liche Unterhaltung:Hier jetzt sein alles russisch; über eine Woche kommt russische Polizei, dann wird kommen russische Ordnung: aus Magazine werden verkaufen wir. Unser Zar sein so groß (Bogen), euer sein so klein(Punkt). Wo 9 überhaupt Pruß? Ist sich Pruß hier? Ist sich sein dort? Wo ist sich Pruß? Hier ein Vogelche hupf, dort ein 8 hupf hier, dort, Pruß Ai nirgends. Wir jetzt alle nach Berlin, und dann alles sein russisch. Wir sein alle russisch, auch Schnaps sein russisch. 3 Nach einiger Zeit rückt alles in die große Schlacht. Zwei bis drei Tage sind vergangen, und schon hofft man, von der russischen Plage befreit zu sein. Unser guter Bürger ist gerade in die Stadt spazieren gegangen, als er voll staunender Ueberraschung einen Zug von etwa 80 Mann russisches Militär in einem Fastnachtsaufzuge auer über den gepflügten Acker in einem Tempo, was Zeug und Le⸗ der hält, ankommen sieht. Drei Kanonen waren auch 9 da, doch ohne Protzen. Einer ritt mit Sattel, der andere ohne, cher Deb Artillerie und auch Kavallerie, alles in hübscher russischer Ord⸗ nung durcheinander. Auf dem Marktplatze Halt! Kontribution. Man muß doch Reisegeld haben, und Väterchen Zar ist weit! Zwischendurch ein Erholungstrunk von dem anstrengenden Aus⸗ reißen der Herren Offiziere, und natürlich beim guten alten Renne⸗ kamp. Zufälligerweise trifft auch unser guter Bürger, der inzwischen auch zu Kaffee gegangen ist, unter den Herren einige, mit denen er vor Tagen so famos gezecht hat. Erstauntes Fragen seinerseits, woher, wohin?Ja, Väterchen Zar hat uns gerufen, wir müssen nach Haus.Nun, bleiben Sie doch hier, wo doch hier sein jetzt alles russisch..Nein, nix hierbleiben, ist sich sein hier großes Mausenfall. Ist sich sein Pruß überall. Kommt sich hier, ist sich Pruß, kommt sich dort, ist sich Pruß. Kommt sich wieder her, ist sich wieder Pruß, und dort sein sich vieles, vieles Wasser. Ist Nix wissen wollen von Nun, Lötzen wäre sich doch

sich sein großes Mausenfall, Daitschland. Pruß, nach Rußland! auch schönes Stadt?Nein, nein, nix Lötzen, sein sich dort vieles Wasser, Lötzen sein sich auch großes Mausenfall. So zogen sie weg, die Helden, die mit den geprägten kmünzen ihres. zuges in Berlin in unser Ostpreußen gekommen waren. Eine Har⸗ lekinade. Die Kanonen zoddelten hinterher, hopla, querüber ma⸗ surischen Sturz.

Aus Hessen. Aus der Zweiten Kammer.

Der Abg. Senßfelder hat in der Zweiten Kam⸗ mer folgende Anfrage betr. die Verwertung des fiskali⸗ schen Gutes Sensfelder Hof bei Gräfenhausen (Gemarkung Wixhausen) eingebracht:

Wie n verlautet, haben weder die Verkaufsverhand⸗ lungen, noch die Verpachtung des oben genannten Besitztums zu einem Ergebnis geführt. 1 davon ist, daß das Gut vollständig in unbebautem Zustande sich befindet, so daß jeder Landwirt ermessen kann, mit welcher Schwierigkeit es in einen bebauungs- und ertragsfähigen Zustand wieder versetzt werden kann; zumal es sich hier größtenteils um einen Sandboden handelt, der sehr leicht verunkrautet und verqueckt, so daß die Instand⸗ setzung zu brauchbarem Ackerfeld mit viel Arbeit und Mu! seligkeit verbunden ist. Es ist aber klar, daß ein derartiger Zustand nicht länger fortdauern kann, wenn nicht noch größere Schäden entstehen sollen, und der Allgemeinheit dadurch Nachteile erwachsen, die nicht verantwortet werden können. Ganz besonders aber in heutigen Ta⸗ gen, wo unsere Volksernährung doppelt hohe Ansprüche an Grund und Boden stellt, kann das Brachliegenlassen einer Bodenfläche von ca. 280 Morgen unter keinen Umständen gerechtfertigt erscheinen, Der Unterzeichnete richtet daher an Hohe Regierung die 5 Frage: Was sie zu tun geneigt ist, um jenem Zustande ein zu bereiten und das Gelände des genannten Gutes zu einem er⸗ tragreichen umzugestalten? 5

Die Abg. Calman und Schott haben folgende An⸗ frage an die Regierung gestellt:

Die Unterzeichneten fragen bei Großh. Regierung an, ob nun⸗ mehr Maßregeln getroffen sind, welche die fortdaue Da m m⸗

. auf den Strecken Alzey- Mainz und

Alzey

orms endgültig unmöglich machen. 8 BB

Aus Stadt und cand. Gießen, 3. Februar 1915.

Auf dem Felde der Ehre gefallen. AKAus Hessen und den Nachbargebieten.)

Landwehrm. Adam Horn III. aus Horchheim. Landwehr⸗ mann Friedrich Däu mer, Inf.-Rgt. 81, aus Garbenheim. Gardist Karl Mäußer, 5. Garde⸗Agt. z. F., aus Bonbaden. Ersatz⸗Res. Joh. Wilh. Schnorr, Res.⸗Inf.-⸗Rgt. 222, aus Schwalbach. Musketier stud. theol. Heinr. Pfeiffer, Inf. Rat. 116, aus Greisenstein. Landwehrm. Adam Grünewald, Res.⸗Inf.-Rgt. 116, aus Heimertshausen. Kriegssreiwill. Eduard Soeder, Res.-Inf.⸗Rgt. 221, aus Offenbach. Gefr. d. Res. Adam Lotz, Inf.-Rgt. 168, aus Offenbach a. M.

4 1

* Einberufung zum Heere. Das Bezirks⸗ kommando Gießen macht wiederholt darauf aufmerk⸗ 4 105 suche im Augenblick der Einberufung unzu⸗

ässig sind.

88 tadttheater. Man schreibt uns: Der Vortrag, den Herr Norbert Jacques morgen auch in Gießen über eine Erlebnisse in Paris und London während

es E 1914 halten wird, hat in Frankfurt a. M. im Saalbau ein ausverkauftes Haus zu 8 Beifall ae Sicher wird sich auch hier ein zahlreiches Publi⸗ um einfinden, denn das zeitgemäße Thema des Vortragen⸗ den, dessen Artikel in der Frankfurter Zeitung auch hier viel gelesen worden sind, beansprucht ja allgemeines Interesse. Der Anfang ist um 8 Uhr.

Was im Krieg nicht alles passiert. Ein Leser teilt uns folgenden ergötzlichen Zwischenfall mit: Der Gefreite S. gibt einem verwundeten Kameraden einen Brief mit nach Gießen, mit der Bitte, ihn seinen Eltern s zu übergeben. Der Verwundete erledigt sich seines Auftrags, Nele in das Elternhaus des Gefreiten und wirft dort den

rief in den Kasten. Die Eltern finden den Brief und lesen erstaunt die inhaltsreichen Worte:Seid so gut und nehmt den Ueberbringer dieses Briefes recht freundlich auf, er wird Euch alles andere mündlich erzählen.

Landkreis Gießen.*

( Beuern, 2. Febr. 1 5 Feier von Kaisers Ge⸗ burtstag veranstaltete der Jungfrauen⸗Verein am Sonntag für die Angehörigen aller Vereine einschließlich der Jugendwehr einen Familienabend. Lebende Bilder führten deutsches Familienleben vor Augen. Zwei Festspiele, Der Königin Traum undGermanias Erwachen, ver⸗ setzten die Zuhörer in die große Zeit vor 100 und vor 44 Jah⸗ 5 Die Ansprache forderte, in unserer jetzigen schweren Zeit,

reu zu un klangen und mit einem Hoch auf Deutschland schloß die Ver⸗ anstaltung.

Kreis Alsfeld. sofortiger Wirkung hat das Kreises Alsfeld Höchst⸗

1

h. Alsfeld, 2. Febr. Mit Kreisamt für den Bereich des

reise für Schweinefleis und Schweine-

Kaiser und Reich zu stehen. Vaterlandslieder er-

Neffen wird ge⸗

en munen

1

*