Ausgabe 
(3.2.1915) 28. Erstes Blatt
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Vortr

ereine 300 Mk., Angehörige der Heeresver

. aller waltung 150 Mk., das Rote Kreuz 150 Mk., den Töchterhort

50 Mk. und für die Sanitätskolonne vom 20 Mk. Ferner wurde beschlossen, Frühgemüse und ühkartoffeln den Kleingartenbau der Eisenbahner durch Anpachtung geeigneter unbenutzt liegen- der Landflächen tatkräftigst zu unterstützen. Hierfür würde eine Kommission, bestehend aus den Herren Compter, Kliffmüller und Walther gewählt, die sofortige vor bereitende Schritte unternehmen wird. Die wackere Gesangs⸗ Abteilung trat zum Schluß mit patriotischen Liedern auf.

gur Verwertung der Küchenabfälle veröffent⸗ licht der Oberbürgermeister im Anzeigenteil vorliegender Nummer einen Aufruf an die Hausfrauen, der der Aufmerksamkeit dringend empfohlen sei.

Die Bezirkssparkasse Gießen macht in vorliegen⸗ der Nummer bekannt, daß sie vom 4 d. M. ab ihre Zahlstunden auf die Vormittage vom 81 Ühr beschränken muß.

Eine zweite Fahrkarten⸗Druckmaschine ist seit einigen Tagen an den Fahrkartenschaltern unseres Bahnhofs in Gebrauch genommen worden. Während bisher nur drei Klassen gedruckte Fahrkarten von dem Verkäufer maschinell hergestellt wurden, stellt die neue Maschine für 1900 Stationen, deren Zahl auf gesteigert werden kann, Karten 1. bis 4. Klasse her.

Landkreis Gießen.

B. G. Großen ⸗Buseck, 3 Febr. Am vergangenen Sonntag ersolate hier eine Zusammenkunst der Jungmannschasten Großen Buseck, Beuern, Reiskirchen, Hatten rod usw., um des Geburtstages des Kaisers zu gedenken. Auf dem Anger fand eine Paradeausstellung mit einer zündenden An sprache des Herrn Wachtmeisters Glaub, Reiskirchen, statt, daran anschließend ein Vorbeimarsch unter Vorantritt der Spielleute der Jugendwehr Reiskirchen. Alsdann war Kompagnieexerzieren und Sturmangriff auf den Hohen Berg. Bei einem gemütlichen Zu sammensein im Saale Brück forderte Wachtmeister Glaub auf, in dieser ernsten Zeit zusammenzustehen wie eine Mauer, denn nur dadurch werde es uns ermöglicht, einen glänzenden Sieg davon zutragen. Herr Berlin trug vaterländische Gedichte vor und Herr Kaufmann Rühl schilderte den jungen Leuten die Schwere des wirtschastlichen Kampfes gerade mit England. Aus unserer Gemeinde sind bis jetzt sechs Krieger mit dem Eisernen Kreuz

und ein weiterer mit dem Bayerischen Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet worden.

E Göbelnrod, 2. Febr. In welch reichem Maße auch in kleineren Landgemeinden für unser liebes Vaterland an Liebes- gaben gespendet wird, zeigt sich auch in unserer Gemeinde. Hier wurden vor lurzem für Ostpreußen 115 Mk., für den 2. hessischen Lazarettzug 60,70 Mk. gesammelt. Ebenso gingen in der Reichs- wollwoche eine große Menge Tücher, Decken, Kleider u. dergl. als Gaben 910 f 1 80

Lich, 2. Febr. Am Sonntag beging die Jugendwehr des Bezürks Lich die Feier des Geburtstags des Kaisers. In fröhlichen Scharen zogen die Jungmannschaften mit ihren er an der Spitze dem Festsaale zu, wo um Uhr der Oberleiter der Uebungen, Forstmeister Heimburg, seine Begrüßungs⸗An⸗ sprache an die Festteilnehmer, wohl 600 an der Zahl, richtete. Auf den Wert und den Zweck der llebungen der Jugendwehr in dieser sehr ernsten Zeit näher eingehend, betonte er, daß es gerade⸗ K einer Schande gleich sei, wenn sich gesunde junge Männer diesen

ngen, die sür den demnächst folgenden Militärdienst von bohem Wert seien, unter nichtigen Gründen fernhielten. Er for⸗ derte alle Anwesenden auf, an ihrem Teil dazu mitzuhelfen, daß auch die den Uebungen bisher Ferngebliebenen sich regelmäßig und pünktlich beteili sollten. Die von Wärme und e durchwe te Ansprache dürfte ihren Zweck kaum verfehlt haben. Ein kräftiges Hoch auf das liebe deutsche Vaterland durchbrauste den Saal, und feierlich erscholl die deutsche Hymne: Deutschland, Deutschland über alles. Nach dem nun folgenden Vortrag des Gesangvereins Cäcilia:Gebet vor der Schlacht erhielt Pfarrer Freytag das Wort zur Kaiserrede. Hier redete ein echter Patriot, der es verstand, die gewaltige Zu⸗ hörermenge so zu fesseln, daß lautlose Stille in dem weiten Raume herrschte Er feierte unsern geliebten Herrscher als Kaiser des Frie⸗ dens und als Kaiser des ieges, der in echt kameradschaftlicher Weise unter seinen Truppen weilt und auch die Strapazen und Entbehrungen mit ihnen trägt, die das Kriegsleben mit sich bringt. Seine Rede klang in ein kräftigesHurra auf unseren obersten Kriegsherrn aus, und dasHeil Dir im Siegerkranz schloß sich als allgemein gesungenes Lied an. Die nun folgenden rträge des Gesangvereins Cäcilia:Reiters Morgenlied von A. Kirchl undHeimatlied von Wengert, fanden großen Anklang. Beide waren so recht passend zu der herrschenden Stimmung und wurden mit großem Geschick zu Gehör gebracht. Nunmehr ergriff Leutnant der Reserve Dr. Meyer von Gießen das Wort zu seinem Vortrag über Kriegserlebnisse. In außerordentlich anschaulicher Weise er⸗ zählte er Selbsterlebtes aus den Kämpfen bei Craonne an der Aisne, in denen er als Kompagnieführer mitgekämpft und sich das Eiserne Kreuz erworben hat. Nach dem gemeinsamen Lied:Es braust ein Ruf wie Donnerhall erhielt Dr. Meyer nochmals das Wort zu einer herrlichen Würdigung der Kriegslieder, die so gerne von unseren Soldaten im Felde 1 werden und deren tiefer Sinn erst jetzt in der schweren Kriegszeit von vielen richtig verstanden wird Das Schlußwort bekam der Vertreter des Großh. Kreisamts Gießen, Kreisschulinspektor Prof Dr. Alles. Er wies nochmals auf den Wert der Jussendpehrübungen für die Wehrkraft unseres Volkes hin, dankte allen denen, die zur Ver⸗ en schönen Feier mitgewirkt hatten, dankte den Jung⸗ mannschaften und allen Anwesenden für ihr Erscheinen. Ganz besonderen Dank zollte er dem Feen Wag ene Heim⸗ burg, und dem Oberführer der Uebungen, Wachtmeister Weber, die sich großer Mühe für das Gelingen der guten Sache unter⸗ r 6 Gegen 7 Uhr erreichte die in allen Teilen würdige Feier r Ende.

Kreis Lauterbach.

O Lauterbach, 2. Febr. Die Turnhalle ist in ein Lazarett umgewandelt worden. Es befinden sich bereits 30 verwundete Soldaten aus hiesiger Gegend darin. Die Leitung des Lazaretts hat Herr Dr. med. Pyreth übernommen.

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Verluftliste. Infanterie-Regiment Kaiser-Wilhelm Nr. 116. Gefechte am 19. u. 20. I. 15.

3. Kompagnie. Musk. Heinr. Albohn, Hattenrod, Ober⸗ schenkelschuß, z. Zt. in der Münchener Poliklinik.

9. Kompagnie. Musk. Phil. Greb, Eichelhain, Lauter⸗ bach, lyw. Musk. Herm. Schenk, Hamburg, low. Res. Konrad Klee, Holzheim, Gießen, gestorben an seinen Wunden Laz. Omen⸗ court 20. 1. 15.

Reserve⸗Infanterie-Regiment Nr. 116.

6. Kompagnie. Musk. Otto Michel, Röthges, Gießen, low. 2. 1. 15, gemeldet vom Res.⸗Feldart.⸗Rgt. Nr. 25.

Aus Mexiko. London, 2. Febr.(W. T. B. Nschtamtlich.) DieDaily Mail meldet aus der Stadt Mexiko: Carranza schlug die Anhänger Zapatas in der Vorstadt Mexiko und versolgte sie. General

Roten Kreuz zur Beschaffung von

Obregon hat einen Erlaß veröffentlicht, durch den das unter 115 n Villas herausgegebene Papiergeld für ungültig er⸗ rt wird.

Vermischtes.

Angstträume englischer Soldaten. Ein Mit⸗ arbeiter der englischen medizinischen Wochenschrift The Lancet, der als Arzt an der Front tätig ist, hat die psychischen Folge⸗ erscheinungen der Aufregungen untersucht, die der Krieg mit sich bringt. Er konstatierte bei den englischen Soldaten einen häu⸗ figen nervösen Zusammenbruch.Manche solcher Fälle sind sicherlich hoffnungslos, aber es gibt auch andere, und 15 sind glücklicherweise in der Ueberzahl, so daß aus diefen psychisch Er⸗ krankten bei guter Behandlung noch wieder nützliche Bürger werden können. Man sollte solche günstigeren Fälle nicht so⸗ gleich in Irrenhäuser unterbringen. Die Schwierigkeit für die als untauglich von der Front zurückgeschickten Soldaten, im bür⸗ gerlichen Leben Beschäftigung zu finden, ist ohnehin sehr groß, und man sollte daher diesen nervös Erkrankten nicht das Stigma eines Aufenthaltes im Irrenhause aufprägen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Soldaten von nervöser Veranlagung reagieren in sehr Aarker Weise auf den jähen Schrecken, den eine Explosion in unmittelbarer Nähe hervorruft. Bei manchen entwickelt sich dann eine Tendenz zum Nachtwandeln. Man begegnet ihnen mit allen Zeichen des Entsetzens und der auf den Zügen in halb bewußtlosem Zustande, wie sie nach ihrem Regiment suchen. Die Furcht davor, von den Kame⸗ raden getrennt zu werden, tritt überhaupt mit fehr großer Häu⸗ ligkeit auf, und dieses Grauen vor dem Alleinsein spielt eine Hauptrolle in den häufigsten Angstträumen, die man bei Sol⸗ daten in der Feuerlinie beobachtet. Sie träumen, daß sie end⸗ lose Schützengräben entlang wandern, die wie die Irrwege eines Labyrinths in ewiger Folge ineinanderlaufen, oder daß sie durch einsame dunkle Wälder eilen auf der Flucht vor einem un⸗ sichtbaren Feind, der ihnen dicht auf den Fersen ist. Das leiseste Geräusch während des Schlafes ruft Visionen von explodierenden Granaten oder den Eindruck von dem Tritt marschierender Regi⸗ menter hervor. Die Träumenden stoßen dann laute Angstschreie aus und wecken dadurch die neben ihnen liegenden schlafenden Gefährten. Ein anderer gewöhnlicher Alptraum des englischen Soldaten ist der, daß plötzlich Alarm geblafen wird und er nun seine Waffen nicht finden kann, in steigender Angst nach ihnen sucht und schließlich durch das heftige Hin⸗ und Herwerfen, von kaltem Schweiß bedeckt, aufwacht. Andere Leute träumen, daß sie einem Feinde das Bajonett in die Brust gebohrt haben und nun nicht imstande sind, es wieder herauszuziehen, während sie selbst von allen Seiten angegriffen werden. Das häufige Auf⸗ treten solcher Träume ist ein Anzeichen für eine schwere hyste⸗ rische Erkrankung, wie deren der Artz einige beobachten konnte. Die Kranken leiden an Schlaflosigkeit und Unruhe; in einigen Fällen wurden Sehstörungen und die Unfähigkeit, Buchstaben zu Worten zusammenzusetzen, beobachtet.

Kleine CTageschronik.

Mannheim, 2. Febr.(Priv.⸗Tel.) Als heute früh um 71% Uhr der von der Staatsanwaltschalt Pforzheim wegen Mordes an seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern verfolgte Kaufmann Johann Friedrich Poth aus Ersenbach von zwei Polizeibeamten in einem Hotel verhaftet werden sollte, brachte er sich einen scharsen Revolverschuß in die Stirn bei. Lebensgefährlich verletzt wurde er mit dem Sanitätswagen ins Allgemeine Krankenhaus gebracht.

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a Märkte. 3285 c. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 3. Febr. Ausgetrieben waren 211 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 70.00 73.00 Mk., Schlachtgewicht 9 00 92.00 Mk. vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 70.00 00.00 ait 150 fe 90.00 00.0 Mt. vollfleischige Schweine von 100120 kg bendgewicht 70.00 73.00 Mk., Schlachtgewicht 90.0092 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Lebendgewicht 70.00 73.00 Mk., Schlachtgewicht 909.00 Geschaft lebhaft. 1 l le. Frankfurt a. M., 3. Febr.(Orig.⸗Telear. desGiez. Anz.) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen(hiesiger) Mk. 27.9000 00, Kurhessischer Mt. 27.80 00.00, Roggen Mk. 90.00 00.00, Gerste Mk. 0.00, Mais Mk. 3940, Haser Mk. 22.30. Alles ab den Stationen des Höchstpreisbezirks Frank⸗ furt a. Ml. zuzüglich der gesetzlich zulässigen Provision per 100 kg. Futtermittelmarkt und Mehl. Kleie Mt. 13.00 13.50, Bier- treber Mk. 27.0028, Weizenmehl 0 Mk. 00.00 00, Roggenmehl Mk. 00.00 00. Alles per 100 kg. se. Frankfurt a. M., 3. Febr.(Orig.⸗Telegr. des Gieß. Anz.) Kartoffelmarkt. Kartoffeln im Großhandel Mt. 7,00 bis 8,00, Kartoffeln im Kleinhandel Mk. 8,009,00, Alles per 100 Kg.

Wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 3. Woche. Vom 10. bis 15. Januar 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 22,46%,

Nach Abzug von 8 Ortsfremden: 9,50.

Er-. Kinder

Es starben an Zus. wachsene im 1 8 Un. Lab Diphtherie 100 10) Unterleibstyphus(Feinde) 2() 2 2) Lungenentzündung 3(1 Feind) 2( Feind) 1 Krankheiten d. Nervensystems 2(J) 2() Krankheiten der Verdauungs-

organe 10) 101) Masidarmkrebs 1 1 8 Kriegsverletzungen 2(1 Feind) 2(1 Feind) anderen Krankheiten 2(U) 10) 1

Summa: 14(8) 11077 1 2(J)

Darunter 4 kriegsgesangene Feinde.

Anm: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Kirchliche Nachrichten Evangelische Gemeinde.

Heute abend 8 Uhr: Kriegsbetstunde im der Johanneskirche. Pfarrer Ausfeld.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 4. Febr. 1915: Vorubergehend aufheiternd, dann Zunahme der Bewölkung, trocken, westliche Winde.

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Letzte Nachrichten. Ganghofers Schilderungen aus dem Großen eee

München, 3. Febr. Ludwig Ganghofer fährt mit seinen Perbfsenllich gen über seinen Besuch im Großen Hauptauartier fort. Er gibt zunächst eine Charakteristik des Reichskanzlers und einige seiner Aeußerungen und kommt dann auf sein neuliches Zu⸗ sammensein und sein Gespräch mit dem Kaiser zurück. Er sagt: Ich sah und hörte da ein für uns alle sehr lehrreiches Beispiel von des Kaisers Ruhe und Geduld gegenüber den Verleum⸗ dungsbomben. Diese Dinge erbittern. Die Stirne brennt; aber auch in der höchsten Erregung verließ ihn nicht die Herrschaft des Wortes: Ich hörte den Kaiser in einem Fall sagen: Das ist stark, aber dumm ist es auch Ein Glück, daß die Wahrheit auf die Dauer klüger ist und schnellere Beine hat. Ritterliches Verhalten einzelner Gegner erfreut ihn, und noch kaum einem Deutschen habe ich über die guten Eigenschaften, zähe Tapferkeit und kriegs⸗ technische Leistungen des Feindes so objektiv, gerecht und aner⸗ kennend urteilen hören wie den deutschen Kaiser. Auch 992 die Engländer hörte ich von dem Kaiser kein im Zorne maßloses Wort.

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Jedes Urtel, das er ausbricht, so streng es guch manchmal klingt ist immer innerhalb der Grenzen einer vollkommenen Zurückhal⸗ tung, doch klingt, wenn von den germanischen Vettern über dem Kanal die Rede ist, aus seiner Stimme ein leises, kaum merkliches Vibrieren. Im Gespräch mit dem Vertreter eines neutralen Staates sagte der Kaiser: Sie sind doch Sportsmann; wenn bei einem Wettrennen nach und nach alle schwächeren Konkurrenten ausschie⸗ den und es ringen nur noch die zwei stärksten Pferde um den Sieg, haben Sie da schon einmal gesehen, daß der Jockey des Pferdes,

welches nachzulassen droht, mit der Peitsche nach den Pferde des Jockeys schlägt, welches ehrgeizigen und besser bei Kräften ist?(Kopfschütteln des Sportsmanns.)

Nun, warum schlägt England nach uns, warum schlägt es nicht nach seinem fauler werdenden Gaul? Und noch ein anderes Wort von ihm: Viele von den Leuten, die uns Deutsche nach den Aeußer⸗ lichkeiten des Schliffs beurteilen und uns Barbaren nennen, scheinen nicht 0 wissen, daß zwischen Zivilisation und Kultur ein großer Unterschied ist. Die Engländer sind gewiß eine höchst zivilisierte Nation, im Salon hört man es immer; aber Kultur haben be⸗ deutet, tiefstes Gewissen und höchste Moral besitzen. Und Moral und 5 5 5 haben meine Deutschen. Wenn man im Ausland sagt. ich hätte die Absicht, ein Weltreich zu gründen, so ist das der krasseste Unsinn, der je über mich geredet wurde, aber in der Moral 1 Fleiß liegt gewiß eine Kraft, die uns die Welt erschließen wird.

Ganghofer schildert dann noch jenen Abend in dem kleinen französischen Winterquartier, an dem das Gespräch mit dem Kaiser stattgefunden hat. Außer dem Großadmiral waren hierbei als Gäste noch anwesend zwei Offiziere, von denen der eine ein Kurier aus Konstantinopel und der andere aus dem Osten vom Heere Hinden⸗ burgs gekommen war.

Göhre als Landstürmer.

Görlitz, 2. Febr. Der sozialdemokratische Reichstagsabge⸗ ordnete Göhre der sich trotz seiner 51 Jahre als Krie 1 williger meldete, tritt als Unteroffizier bei einem Bautzener Landsturmbataillon ein.

Deutsche Flieger über Nancy und Lunsville. Rom, 3. Febr. Ein deutscher Flieger warf Bomben über Nancy ab, durch welche im Bahnhofsviertel schwe⸗ rer Schaden angerichtet wurde. Auch über Lune ville und Pont⸗à-Mousson warfen deutsche Flieger Bom⸗ ben ab, durch welche mehrere Personen getötet bezw. ver⸗ wundet wurden.

Eine amerilanische Neutralitätsliga.

Rotterdam, 3. Febr. DieTimes melden aus Washing⸗ ton, daß das Mitglied des dortigen Abgeordnetenhauses Bar⸗ tholdt eine Versammlung von Deutsch⸗Amerikanern ge⸗ leitet habe, in welcher eine amerikanische Neutralitätsliga ge⸗ gründet wurde. Die Liga würde von den Vertretern der deutsch⸗ amerikanischen Vereine, die eine Gesamtzahl von 5 Millionen Mitgliedern haben, und von den unversöhnlichen Iren unter⸗ stützt werden. Zweck der Liga ist nach den Satzungen, eine wirk⸗ liche amerikanische Neutralität wieder herzustellen und jene Neu⸗ tralität von der Unterwürfigkeit den Forberungen fremder Mächte gegenüber zu befreien, ferner ein offenes Meer für den Handel der Union zu erwerben.

Die Beziehungen Rumäniens zu Bulgarien.

Sofia, 3. Febr. Der aus Bukarest hierher zu⸗ rückgekehrte rumänische Gesandte hatte eine lange Aus- sprache mit dem Ministerpräsidenten Rados lawow. Die Mitteilung, daß Rumänien die Erleichterung des bu i schen Durchgangsverkehrs durch Rumänien zugesagt habe, macht hier vorzüglichen Eindruck. Es wird mir versichert, daß sich die Beziehungen der beiden Länder wesent⸗ lich gebessert haben und lange nicht so gut waren als sie es jetzt sind.

Das Friedensgebet des Papftes.

Rom, 3. Febr. Das Friedensgebet, das nach der Anordnung des Papstes am nächsten Sonntag in allen katholischen Kirchen veranstaltet werden soll, scheint nicht nach dem Geschmack der französischen Regierung zu sein. Nach einer hier vorliegenden Mel⸗ dung wurde der Text des Gebetes in Frankreich kon⸗ fisziert und das Verbot soll solange aufrecht erhalten werden, bis eine amtliche Interpretation des Gebetes vorliegt.

ö Die österreichisch⸗russischen Kämpfe.

Wien, 3. Febr. Nach Mitteilungen von unterrichteter Seite beginnen die Folgen des Zurückwerfens der Russen in den östlichen Karpathen bereits an der e schen Front sichbemerkbar zu machen. unter⸗ bleibt jedes aktive Vorgehen der Russen von der Festung Przemysl seit jenen Tagen. Das Bewußtsein der eigenen Schwäche ist als eine Hinderung der Truppenverschiebung zu bewerten. Trotz der täglich steigenden Zahl der Gefangenen ist in der Festung Proviant in Hülle und Fülle vorhanden.

Militärbefreiungsschwindel in Rußland. ˖

Kopenhagen, 3. Febr DerRußkoje Slowo wird aus Petersburg berichtet, daß der Kriegsminister eine strenge Nachprüfung der Meldeliste der Offiziere und Aerzte der Reserve angeordnet habe, da er meint, daß viele aus Gesetzesunkenntnis ihre militärische Meldepflicht versäumt haben könnten. Aus Tula wird weiter gemeldet, daß die schwindelhaften Befrei⸗ ungen vom Militärdienst den Umfang des Pana ma⸗ skandals anzunehmen drohen. Eine große Anzahl von Personen besserer Kreise, darunter Fabrikanten, Stadträte, Hausbesitzer usw. und die Hauptschuldigen der Militär⸗ einziehungskommission sind verhaftet worden. Es werden täglich neue Verbrechen entdeckt. Enorme Bestechungen spie⸗ len dabei die Hauptrolle.

Der Zusammentritt des englischen Parlaments.

i. Köln, 3. Febr. DieKöln. Ztg. meldet aus Ko pen⸗ hagen: Der LondonerDaily Telegraph schreibt zum Zusammentritt des englischen Parlaments: Innerpolitische Fragen werden nicht angeschnitten werden. Man wird sofort zu den finanziellen Fragen übergehen, die mit dem Krieg zusammen⸗ Hängen. Der Friede zwischen Regierung und Opposition bleibt ungestört. Die Opposition hat der Regierung die freiwillige Unterstützung einer jeden mit dem Kriege zusammenhängenden Forderung versprochen. Die Tagung des Parlaments wird des⸗ halb vollkommen ruhig verlaufen.

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