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nt. 25 SZheites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit fragen“ erscheinen monatlich zwenmal.
General-Anzeiger fü
105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
ir Oberhessen
Samstag, 30. Januar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ·
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e 51, Schrift ⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen.
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Die Rämpfe im Argonner Walde.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
15 1 Der Beginn der Operationen.
Im Kriege 1870 haben die Argonnen keine Rolle gespielt. Das Waldgebirge wurde zwar bei dem Marsch auf Sedan von deutschen Truppen durchzogen, die dabei wegen der spärlichen Ortschaften und des wenigen Wassers Mangel litten, es fanden darin aber keinerlei Kämpfe statt.— Solche gab es auch nicht, als die Armee des Kronprinzen von Preußen zu Anfang Sep⸗ tember 1914 zwischen Argonnen und Verdun südwärts gegen die Marne vorrückte. Auch Mitte September noch war der Wald frei vom Feinde gewesen.— Die Sache änderte sich, als zu Beginn des sich nunmehr entwickelnden Stellungskampfes das deutsche Westheer eine Linie eingenommen hatte, die von Reims her in west⸗östlicher Richtung nach der Maas bei Consenvoye führte. Zwar erwartete man anfänglich auch jetzt noch keine Waldkämpfe — die deutschen Truppen führten vielmehr bei Binarville auf der Westseite und bei Chatel auf der Ostseite der Argonnen ihre Stellungen bis dicht an die Waldränder heran, während man das Gebirge selbst durch Detachements sperrte. Als aber die Franzosen namhafte Kräfte in den Wald führten, in der augen⸗ scheinlichen Absicht, aus diesem heraus eine umfassende Bewe—
gung gegen einen der am Walde angelehnten deutschen Flügel
einzuleiten, da war der Augenblick gekommen, wo die Argonnen eine neue militärische Bedeutung gewinnen mußten.
II
Das Waldgebirge der Argonnen.
Der Beschreibung der Kämpfe sei eine kurze Charakteristik der Argonnen vorausgeschickt. 1
Das Waldgebiet erstreckt sich in einer Tiefe von etwa 40 Kilo⸗ meter in nordsüdlicher Richtung und hat eine wechselnde Breite von 8—12 Kilometer. Es wird durch das Tal der Biesme in eine nordöstliche und südwestliche Hälfte von annähernd gleicher Größe geteilt und außerdem durch Bahn und Straße Clermont en Ar⸗ gonne—St. Menehould in einen kleineren Südteil und einen größe— ren Nordteil zerlegt. Für den Argonnenkampf kommt nur der nördlichste Teil des Waldes in Betracht; mit ihm die beiden Straßen Clermont—Fléville und Clermont—Le Four de Paris— Vienne le Chateau, von denen erstere außerhalb der Argonnen, letztere im Tale der Biesme führt. An besseren Querverbindun durch den Nordostteil der Argonnen bestehen nur die Sträßchen Montblainville—Servon und Varennes—Le Four de Paris, als Nord⸗Süd⸗Verbindung nur die auf dem Kamme des Waldgebirges laufende alte Römerstraße. Außerdem sind natürlich eine Unmenge von Holzabfuhrwegen vorhanden von mehr oder weniger frag⸗ würdiger militärischer Brauchbarkeit. Diese ist von der Witterung sehr bedingt. Bei feuchtem regnerischen Wetter verwandeln sich die Wege wegen der lehmigen lose Sümpfe.. 5 5 f
Das Waldgebiet ist eine Mittelgebirgslandschaft, die etwa den flacheren Teilen des Thüringer Waldes entsprechen dürfte. Nach Osten fällt es steil und plötzlich zur Aire ab, im Inneren weist es 1 1 Täler und Schluchten auf; hier tritt überall der kahle Fels zutage. Die Argonnen sind ein echt französischer Wald, der bekanntlich vorwiegend aus dichtem Busch und Buchen, Erlen, Eichen und Birken besteht, und alle 15 Jahre geschlagen wird, wobei das gewonnene Krüppelholz in den Kamin wandert. Nur einzelne Eichen und Buchen läßt der Tranzose stehen und sich zu vollem Wachstum entfalten. Um diese Stämme scheingen sich die im französischen Walde so zahlreichen Kletterpflanzen wie der Efeu und die Waldrebe. Erstere bedeckt große Flächen des Waldbodens und diesem entwachsen in den Argonnen— besonders schön und zahlreich ein kleiner immer- grüner Strauch, die sogenannte Stechpalme, und der Besenginster.
r Wald ist A. bewohnt. Nur Köhler, Holzhauer und Jäger gehen dort ihrer Beschäftigung nach. Das Innere des Waldes wird, schon seiner Undurchdringlichkeit wegen, von der Bevölkerung gemieden. Auch die Namen„ruisseau de Neurissons“,„la Fille morte“,„Moulin de l'Homme mort“ weisen darauf hin.
So sieht der Wald aus, der seit nunmehr vier Monaten Tag und Nacht widerhallt vom Lärm der Waffen und der durch die Erdarbeiten der waffen ein ganz neues Gepräge erhalten hat.
III. Pioniere an die Front!
Als Ende September die ersten deutschen Truppen aus dem Airetal in westlicher Richtung in die Argonnen vorgeschoben wur⸗ den, hatten die Franzosen, nachdem sie aus den östlichen Waldteilen surückgeworfen worden waren, den südlich Binaxville gelegenen Waldteil stark besetzt und namhafte Kräfte aus dem Tale der Biesme nach Barricade Pavillon, St. Hubert Pavillon und Bagatelle Pa⸗ villon vorgesandt. Diese Truppen legten bei den dortigen Wald⸗ hütten Verhaue und Schützengräben an und richteten sich darinnen zur Verteidigung ein. Vor diesen Sperren fanden die deutschen Jägerabteilungen Ende September ernsthaften Widersand, so daß Berstärkungen in den Wald geschickt wurden, um den Feind zurück⸗ zuwersen. Da aber auch dieser weitere Truppen dem Walde zuführte, so entspannen sich hier lebhafte Kämpfe, die auf beiden Seiten mehr und mehr den Charakter des Stellungskrieges annahmen. Mitten im Walde entstand Schützengraben hinter Schützengraben, die durch Laufgräben untereinander verbunden wurden. Es wur⸗ den Unterstände gebaut, und als das Laub fiel, auch Geschütze in den Wald gebracht. Neben der natürlichen Beschaffenheit des Waldes erschwerten Verhaue und Drahthindernisse dem Gegner die Annäherung an die künstlich geschaffenen Anlagen, Es begann nun ein Kampf von Graben gegen Graben, vielfach von Schritt zu Schritt. Um unnötige Verluste zu vermeiden, griff man zur Sappe. Mit ihr stellten sich auch die starken Kampfmittel des 1 wie Minenwerfer, Handgranaten, Revolperkano⸗ nen, ben, Sandsackpackungen usw. ein und die Tätigkeit deutung. Diese Waffe schritt dann auch zum Minenangriff, wenn andere Mittel nicht zum Ziele führten. Aus allem i ein sehr langsames Vorschreiten des Angriffs und ein ungewöhnlicher Zeitverbrauch, da nur sorgfältige. wohlüberlegte 2 zum Erfolge führten. Zuerst hatte man keine Artillerie im Walde, dann ließ man sie auf Wegen und Schneisen vorkommen, endlich lernte man es, sie überall im Walde zu verwenden. Eine Sonderheit bildeten bei den Franzosen die sogenannten„Eselsbatterien“(Gebirgsgeschütze), eine Bespannungs⸗ art, die unseren Soldaten neu war. Die Bev
tahlblen der Pioniere gewann eine erhöhte
denbeschaffenheit bald in grund
daten und die Verwüstungen der Feuer⸗
Eine amtliche Darstellung.
elegentlichen Gegenstößen, in die Defensive gedrängt wurde. Der eind vermochte unseren Angriffen nicht zu widerstehen, so daß unsere Truppen in zwar langsamem, aber ununterbrochenem Vor⸗ rücken geblieben sind, trotz der starken Kräfte, die der Feind uns nach und nach entgegenstellte. IV. Die deutsche Offensive.
Um die Wende der Monate September und Oktober setzte der Beginn der größeren deutschen Angriffe ein. Auf dem 5 Flügel drangen unsere Truppen von Binarville aus in die West⸗ argonnen ein und warfen hier den Feind allmählich südwärts zurück. In der Mitte des Waldgebietes wurden Mitte Oktober dem Feinde Barricade Pavillon und St. Hubert entrissen, nach⸗ dem um die letztere heftig gekämpft worden war. In den nächsten Tagen drang man von hier aus weiter nach Westen vor und näherte sich dem Biesmetale in Richtung auf Le Four de Paris an welchen Ort man bis auf 400 Meter herankam und wo man sich festsetzte und sich hielt trotz aller Gegenangriffe, welche die Franzosen seitdem hierher gerichtet haben. Auch Bagatelle Pa⸗ villon, einer der stärksten Stützpunkte der Franzosen im Walde, mußte vom Feinde am 12. Oktober aufgegeben und dem deutschen Angreifer überlassen werden. Die Wegnahme der drei erwähnten Pavillons war ein großer moralischer Erfolg. Man begnügte sich nicht mit ihrem Besitze, sondern trug die Offensive weiter vorwärts. Aber auch für diese blieb, wie bei den bisherigen Kämpfen, der schrittweise Angriff bestehen. Die Infanterie sappte und schanzte unentwegt, vielfach bei Nacht, um unnötige Verluste an Menschenleben zu vermeiden. Dem Infanteristen reichte der Pionier die Hand, der dem ersteren Jehrte, Bergmannsarbeit im felsigen Boden zu leisten und den Stollen unterirdisch weiter zu treiben. Bei den Kämpfen und Stürmen kämpften und stürm⸗ ten beide Schulter an Schulter. Auch der Artillerist stellte sich im Schützengraben ein. So entstand ein enges kameradschaftliches Serhältnis, wie es selbst im Frieden kaum zustande gekommen war, einer dem anderen vertrauend, jeder auf die Unter Fützung des anderen bauend, sie alle jederzeit dem Tode ins Auge schauend.
Graben um Graben war so gewonnen, Bald war es einer, bald stürmte man eine ganze Gruppe von Schützengräben hinter⸗
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einander. Dementsprechend schwankte der Raumgewinn zwischen 25 und 1000 Metern. Manchmal wurden selbst größere Fort⸗ schritte gemacht, hie und da gelang es auch dem Feinde, vorüber⸗ gehende kleine Erfolge zu erzielen, oder unser Vorgehen durch Ge⸗ genangriffe zeitweise aufzuhalten. Beides vermochte jedoch nicht zu. verhindern, daß die deutschen Truppen im Argonner Walde in unausgesetzter Angriffsbewegung und zwar in langsamem, aber un⸗ unterbrochenem Vorwärtsschreiten begriffen sind.
Wie langwierig diese Angriffe sind, mag aus der kurzen Schil⸗ derung des Angriffes einer Pionierkompagnie gegen eine im Walde gelegene, beherrschende Höhe hervorgehen. Es galt, einn feindliche Stellung wegzunehmen, von der aus die rückwärtigen Verbindungen eines deutschen Abschnittes dauernd gefährdet wur⸗ den. Hierzu wurden am 7. Dezember aus dem deutschen Schützen⸗ graben drei Sappen vorwärts getrieben, am 18. Dezember war die linke Sappe bis auf etwa 8 Meter an die feindliche Sappe herangekommen, als die Spitze durch eine französische Minen⸗ sprengung auf 10 Meter Länge wieder eingeworfen wurde. Die beiden anderen Sappen waren am gleichen Tage bis auf etwa 20 Meter an den feindlichen Schützengraben vorgetrieben. Bis zum 19. Dezember war die linke Sappe wieder aufgeräumt und die beiden anderen bis auf 6 bis 8 Meter an den Gegner ge⸗ trieben. Von den Sappenspitzen aus wurden jetzt 3 Meter lange Stollen zur Aufnahme von Sprengladungen vorgetrieben, die am 20. zündfertig waren. 8 Uhr vormittags wurden die Minen ge⸗ zündet. Gleich darauf stürzten die in den Sappen und den an⸗ grenzenden Teilen der Schützengräben aufgestellten Sturmabtei⸗ lungen gegen den Feind vorwärts, ihnen voraus Picniere mit Handgranaten, Drahtscheren und Aexten ausgerüstet. Der durch die Sprengungen kopflos gewordene Feind wurde aus seinen Stel⸗ lungen geworfen. Die Sturmtruppen folgten über ein feindliches Lager hinweg dem fliehenden Feinde noch etwa 800 Meter, bis sie dichtes Gestrüpp zwang, von der weiteren Verfolgung Ab⸗ stand zu nehmen und sich einzugraben. Durch die Sprengungen und die geworfenen Handgranaten hatte der Feind eine größere Anzahl Toter, außerdem wurden 200 Gefangene gemacht, 4 Ma⸗ schinengewehre, 1 Revolverkanone und 8 Minenwerfer erbeutet. Die Besichtigung der genommenen feindlichen Gräben ergab, daß der Feind ebenfalls mit Minen gegen die deutschen Stellungen vorgehen wollte. Er hatte vier Schächte, je 4 bis 5 Meter tief, mit einem Durchmesser von 1,5 Meter, abgeteuft und von diesen aus Schleppschächte angesetzt, mit deren Fertigstellung nach Aus⸗ sage eines gefangenen Genieoffiziers in den nächsten Tagen ge⸗ rechnet worden war.
Diese Erfolge unserer Truppen sind natürlich unter mancher
Schwierigkeit, Gefahr und unter allerlei Entbehrung erzwungen worden. Aber die Schwierigkeiten wurden überwunden, den Ge⸗ fahren keck ins Auge gesehen und die Entbehrungen wurden freudig ertragen. Wo die Wege schlecht, ungenügend oder nicht vorhanden waren, wurden neue angelegt oder die alten ausgebessert; wo auch dies dem Bedürfnisse nicht genügte, schritt man zum Bau von Bahnen. Drang Wasser in die Gräben und Sappen ein, so erfand man bald Mittel und Wege, um den unerwünschten Eindringling zu beseitigen. Eine ausgezeichnete und reichliche Verpflegung sorgte dafür, daß die Widerstandskraft unserer Truppen andauernd auf der gleichen Höhe blieb; eine Reihe hygienischer Maßnahmen verhinderte das Ausbrechen von Krankheiten und Epidemien. Ir


