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— die Truppen, aber auch für die Einwohner zweckmäßigen K eg zu lenken. Vorläufig sind die meisten Nahrungsmittel reich⸗ lich vorhanden. Fleisch, Brot, Gemüse, Kuchen wird auf den vielen Tischen und Tischchen, die längs der Straßen einen Ver⸗ kaufsladen darstellen sollen, feilgehalten, Butter, frische Eier, Schmalz sind leicht zu bekommen. Ich für meine Person konnte mich allerdings nur zu dem Kauf von Eiern entschließen, weil 5 man ja dahinein durchaus keinen Schmutz praktizieren kann. 2 Die Soldaten stehen in Gruppen vor den Tischchen und . trinken den ausgezeichneten Tee, der mit 10 Pfg. für das große Glas berechnet wird. Wer sich dazu nicht entschließen kann hat Gelegenheit zum Teetrinken in der einzigen Konditorei 2 am irktplatz. Die Scheiben sind zerschlagen und mit Brettern ö ausgebessert worden, aber die Inneneinrichtung ist unbeschädigt. KAaffeetische mit„Marmorplatten“, Wiener Stühle. Der Wirt it ein Pole, der einzige, den ich in der Stadt selbst mit Be⸗ wußtsein gesehen habe. Ich habe den Verdacht, daß der Kuchen, der auf der Theke steht, keineswegs in der einigermaßen sauberen Konditorei gebacken wäre, sondern aus zweiter Hand stamme, die erste Hand wäre dann eines der„Geschäfte“ auf der Straße. Mann versichert mir aber mit viel Temperament, daß dies aausgeschlossen wäre, und ich glaube ihm, nicht so sehr, weil ich überzeugt bin, sondern weil es mir angenehm ist, von dem 5 zu essen. Ich glaube, nach einiger Zeit, in Polen schenkt man sich auch die Anfragen, und noch etwas später. 5 Um fünf Uhr wird die Beleuchtung entzündet. Eine fast armdicle Kirchenkerze ist in einem Blumentopf mit Erde gepflanzt, der auf dem Mitteltisch steht. In dem grellen, warmen Licht sitzen Offiziere und Soldaten, trinken Tee, rauchen und schreiben. Einen dicken, blutjungen und semmelblonden Gefreiten sehe ich, mie er vorsichtig dem Licht die beste Seite abgewinnt, er schreibt einen langen Brief, nach der Art, wie Kinder schreiben, indem er den Kopf bei schwierigen Stellen seitwärts neigt und den Mund dazu spitzt Dann sieht er in das flackernde Licht mit fremden und sehnsüchtigen blauen Jungensaugen. Ein Kamerad schlägt ihm auf die Schulter, er faltet den halbfertigen Brief bdusammen und läuft im Sturmschritt zu dem Krümperwagen, der wieder zur Front fährt. „„Ich trete auch aus dem Qualm der Stube in die kühle * Klarheit des Abends. Das Rathaus sieht alt und schwer in dem matten Licht auf die niedrigen Häuser. Die schwarze In⸗ schrift auf weißem Grund, die den Sims umzieht, ist noch zu entziffern: 5 Providentia Divina Regnaute Serenissimo Stanislao Augusto Rege Poloniae M D L. stante Protectione Magnifieis 8 Adami Felieis Bini Nominis Piotrowiez Capitanei Mlarensis Sumptibus Totius Civitatis Sacrae Regni 0 Majestatis Mlawae Diligentia Autem Et Cura Ipectabilis Ad Famati Stauislai Krokvinski 1 Proconsulis Mlavaensis hoc domum acdivicata est. 4 JNominam Miseris Ouam Divitibus In Quam 4 Adventibus Fiat Aequalis Justitia Anno Domini ubecLXXXIX. FEhrlich gestehe ich, daß ich keinerlei Hilfsmittel hier habe, die 7 Inschrift zu kommentieren. Stanislaus Augustus starb 1798 in Grodno als König ohne Land, es scheint, eine polnische Obstruk⸗ tionsinschrift zu sein. Das Rathaus und die— 2 2 Kirche und die Häuser um den Marktplatz dessen Mittelpunkt die beiden Gebäude bilden, stehen iu verblüffendem Gegensatz zu den niedrigen, schmutzigen Hütten der Nebenstraßen. Die Mieten in diesen Schmutzlöchern, die meist in größerer Anzahl irgend einem reichen Felle oder Holzhändler gehören, sind erstaunlich hoch. Für eine Wohnung von zwei Zimmern— die Ausdrücke Wohnung und Zimmer sind sehr stark B**— muß der Mieter Mark 3 Mietzins geben. Raum mit Küche kostete 110 Mark. Die jüdischen Handwerker, die in diesen Löchern hausen, müssen dabei noch zu⸗ frieden sein, daß man ihnen die Räume abvermietet, denn es war vor dem Kriege ein gewisser Wohnungsmangel in Mlawa. Das einzige Lokal, das geöffnet ist, macht einen solchen Eindruck, daß die Militärbehörden ein Kasino für Offiziere und Soldaten gründeten. Es ist in einem großen Hause schräg 1 7 er der orthodoxen Kirche untergebracht. Der Raum für Offi⸗
Büchse tondensierter Milch dazu herumgereicht wird. Es herrscht. wie gast
den, aber jedesmal, wenn man in diesen Kreisen sitzt, faßt es auf's
Wanner ihre Pflicht— ob groß, os len,— erfüllen. Der 2 kleinen Tisch, der den Lale hatte, vor einem Sopha zu
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5— erhält, habe ich in Mlawa nichts gehört, ich habe so viel 1 nswürdige Anregung und belebte Gastfreundschaft kaum je 1 Ueber einige dieser Stunden, so über die Ausführungen, die mir Prof. Michaelis bei einer Schale Ter über die Aufgaben der Hygiene im polnischen Feldzuge machte— Aufgaben von aller⸗ größter und weittragendster g, wie leicht einzusehen ist— wird im besonderen Zusammenhange— reden sein. 5 Als wir das Kasino verlassen, ist Mlawa in noch größerer Auf⸗ regung als bei unserer Ankunft. Die fremden Militär⸗Attachés, die wir schon in Allenstein gesehen hatten, und die nun Mlawa/ besucht haben, fahren zu ihren Salonwagen nach dem Bahnhofe zurück. Es sind acht Herren, die in ihren verschiedenen Uniformen Eder Chilene wäre von einem Preußen kaum zu unterscheiden— ein buntes Bild in die abendgraue Mlawensische Hauptstraße beingen. Amerika ist vertreten, Schweden, Spanien, Italien, .—— Rumänien, Chile, die Schweiz. Auch ein amerikani⸗
ournalist, Mr. Bennet, ist angekommen. Der Besuch hat großen Eindruck auf die Judenschaft gemacht. Sie stehen in gestikulierenden Gruppen vor den Haustüren. Ich möchte gern wissen, wie sich die Tatsache des Attach⸗Besuches in ihren Köpfen malt. Als wir Vertreter der Presse gestern mit un⸗ seren gelben Binden über Land fuhren, hielten uns die Leute 15 die deutsch⸗österreichische Abgrenzungskommission und hatten die merkwürdigsten Wünsche für uns bereit.. 5 Deer Sohn unseres Hausherrn legte den Band Puschkin beiseite, als ich ihn fragte, für was er die fremden Herren gehalten habe, er lachte, sah mich von der Seite an und sagte:„Nu!“ Weiter war aus ihm in dieser Angelegenheit nichts herauszubekommen. Aber er erzählte mir, daß die Bibliothek, die in meinem Zimmer 2 von ihm und seinen Brüdern von ihren Ersparnissen ge⸗ kauft wäre. Ich blätterte in den nicht sehr sauberen Bänden, die unordentlich durcheinander lagen, aber alle viel benutzt waren: Puschkin, Tschechow: Gesammelte Werke; D'Annunzio„Die tote Stadt“, Danilewski:„Das tote Haus“; Lermantow: Werke; Zola, Oskar Wilde: gesammelte Werke, eine gute deutsche Aus⸗ gabe von Schiller und Descartes: Grundlage der Philosophie. 5 5 Ich wurde nachdenklich vor dieser Bibliothek. Aber es scheint mir keineswegs Gelegenheit, sehr alte Probleme, die mit dieser Bibliothek zusammenhängen, zu erörtern. Draußen vor meinem Jenster formierte sich ein Bataillon, das nach vorn gehen sollte. Sie sangen:„Als ich vom Liebchen fortgemüßt, hat sie noch ein⸗ mal mich geküßt Der Gesang brach plötzlich, ich weiß nicht ob auf Befehl, ab und man hörte nur den Takt, den die schweren Stiefel auf das Pflaster schlugen.
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der mentlich die in oberhessischer
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Aus Stadt und Fand. Gießen, 29. Januar 1915.
Ritter des Eisernen Kreuzes: Feldwebel⸗ Leutn. Oberpostassistent Schlie aus Gießen, Landw. ⸗Inf.⸗ Regt. 116. Gefr. Ernst Naumann aus Pohl⸗Göns, Inf. Regt. 111. Feldw-Leutn. im Inf.⸗Regt. 168, Eisenbahn⸗ praktikant Wilhelm Karbach aus Offenbach. Uffz. d. L. im Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116 Otto Friedrich Kralle aus Hau⸗ sen bei Offenbach. Res. im Inf-Regt. 168 Adam Rau aus Mühlheim a. M. Off. Stellv. L. Luckhard aus Wetzlar, Inf.-Regt. 83. Leutn. d. R. Regierungslandmesser Karl Andrs aus Wetzlar, Res.⸗Jägerbat. 16. Uffz. Lehrer Boch aus Niederbiel, Inf.-Regt. 16. Vizefeldw. Gros aus Butz⸗ bach, Inf.-Regt. 168. Uffz. Heinrich Wolf aus Gambach, beim Stabe des 6. Garde-Feldart.-Regt. Uffz. Jakob Schmitt aus Hangenmeilingen, Garde-Gren.⸗Regt. 5. Res. Johann Theodor Molsberger aus Oberbrechen, Garde⸗ Gren.-Regt. 5. Leutn. Curt Dornfeld, früher an der Unteroffizierschule in Wetzlar. Uffz. d. R. Siegel, Ver⸗ walter auf der Domäne Konradsdorf. Gefr. Hermann Werner aus Marburg, Jägerbat. 11. Dragoner Heinr. Rapp aus Okarben. Bezirksfeldwebel Steinacker aus Kirtorf, zurzeit Feldwebel bei der mob. Etapp.-Komm.
„ Auszeichnungen. Die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille wurde verliehen: dem Sanitäts⸗Unter⸗ offizier Stud. med. Rud. Schmidt im Res.⸗Inf.⸗Regt. 222 aus Gießen, dem Unteroffizier Karl v. Diemar im Landw.⸗ Inf.⸗Regt. 116 aus Eberstadt; dem Reservisten Otto Döll im Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 aus Borsdorf.
Amtliche Personalnachrichten. Die Groß⸗ herzogin hat am 26. Januar den Vorstand des Polizeiamts Darmstadt Regierungsrat Heinrich Gennes zum Kreisrat des Kreises Offenbach mit Wirkung vom 1. Februar 1915 ernannt, den Direktor des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt Geheimen Schulrat Dr. Gustav Forbach auf sein Nachsuchen unter An⸗ erkennung seiner langjährigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. April ds. Is. in den 1 ver⸗ setzt, den Direktor des Gymnasiums zu Offenbach Ludwig Buchhold zum Direktor des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt. den Direktor des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach Dr. Hugo Müller zum Direktor des Gymnasiums zu Offenbach, den Ober⸗ lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt Professor Friedrich Henk zum Direktor des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach— sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1915 an ernannt, dem Direktor des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt Geheimen Schul⸗ rat Dr. Gustav Forbach anläßlich seiner Versetzung in den Ruhe⸗ stand das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Groß⸗ mütigen verliehen, den Oberlehrer an der Oberrealschule zu Gießen Professor Dr. Philipp Wiederhold auf sein Nach⸗ suchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung des Charakters als Geheimer Schulrat mit Wirkung vom 1. April ds Is. in den Ruhestand versetzt, den Oberlehrer an der höheren Mädchenschule zu Gießen Professor Dr. August Buchhold auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang⸗ jährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Charakters als Geheimer Schulrat mit Wirkung vom 1. April 1915 in den Ruhe⸗ stand versetzt, den Lehramtsassessor Dr. Jakob Berg aus Für⸗ feld zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Alsfeld ernannt.
* Kaiser⸗Geburtstags⸗Feier im Sol⸗ datenheim. Die Kunde von der Veranstaltung einer Feier von Kaisers Geburtstag hatte vorgestern eine außerordentlich große Zahl von Verwundeten und Angehö⸗ rigen der Gießener Garnison, gegen 150—200 Besucher, in den Räumen des Café Ebel versammelt. Die Räume hätten doppelt so groß sein dürfen, um alle Gäste zu fassen. An langen Tafeln saßen unsere Feldgrauen und Landsturm⸗ leute in dem festlich hergerichteten Saale, den das Blumen⸗ haus Dietz mit Blattpflan, und eine Freundin des Heims mit Fahnen geschmückt hatte, und ließen sich den vom Soldatenheim gespendeten Kaffee mit Semmeln und mit Zigarren gut munden. Die musikalischen Vorträge(Trios für Klavier, Violine und Cello, Violin- und Cello-Stücke) hatten Fräulein Holzapfel und Velke, Geh. Rat Haupt und cand. theol. Wallau übernommen. Der kleine Sohn des väterlich für das Soldatenheim sorgenden Herrn Horst trug ein Gedichtchen auf den Kaiser vor, worauf Herr Geheimer Kirchenrat D. Schlosser in tief empfun⸗ denen, zu Herzen gehenden Worten unsern Kaiser feierte. Dem von der Versammlung begeistert ausgebrachten Hurra auf unsern geliebten Herrscher folgte der gemeinschaftliche Gesang des Kaiserliedes und der von Frau Rechnungsrat Kalbfleisch begleitete Gesang des sog.„Bundesliedes“ der treuen Stammgäste des Soldatenheim. Herr Oberlehrer Leh⸗ nert und Dr. Lehnert führten zum Schluß eine Reihe von Lichtbildern vor, vorwiegend Ansichten von den Kriegs⸗ schauplätzen im Osten und Westen. Großen Beifall fanden die von einigen der Gäste* Dichtungen, na⸗
Mundart verfaßte poetische Kriegsschilderung des Gefreiten Heß von unserem Kaiser⸗ Regiment, deren köstlicher Humor stürmische Heiterkeit aus⸗ löste, und die prächtigen Gesangsvorträge eines Landsturm⸗ mannes.— Wir dürfen an dieser Stelle wiederholt alle Freunde unserer Krieger an die werktätige Förderung un⸗ seres Soldatenheims erinnern, dessen Einrichtungen in
geworden sind. Weitere Spenden für die Unterhaltung des oldatenheims werden im Cafe Ebel, in der Universitäts⸗ bibliothek und von der Geschäftsstelle des Gießener An— zeigers gerne entgegengenommen.
Konzert⸗Verein. Als Genossin von Frau Elly Ney wird sich im Konzert vom nächsten Sonntag, den 31. Januar, die jugendliche Sängerin Fräulein Hedwi Rode aus Osnabrück hier einführen. Fräulein Rode ist aus der Schule der Gesangsmeisterin Frau Doktor Stüve hervorgegangen und hat fleißig und mit starkem Erfolg in verschiedenen Städten des Rheinlandes, in Darmstadt, Bre⸗ men u.a. konzertiert. Hervorragende natürliche Stimm⸗ begabung und künstlerisches Feinempfinden wurden ihr allenthalben nachgerühmt und ihrer voluminösen und doch schmiegsamen und weichen Altstimme mit besonderem Lobe edacht. Fräulein Rode wird Lieder von Schubert und Brahms singen.
** Vom städtischen Schlachthof. Die Schlach⸗ tungen in unserer Stadt stellten sich im abgelaufenen vierten Quartal 1914 wie folgt:(Die in Klammern gestellten Zahlen sind das Ergebnis des gleichen Zeitraums 1913.) Ochsen 315(273), Bullen 100(63), Kühe 235(192), Rinder 351 316), Großvieh zusammen 1001(844); Kälber 941(1277), Schafe 454(307), Ziegen 37(10), Schweine 3769(3246), Kleinvieh zusammen 5201(4840). Die Pferdeschlachtun⸗ en betrugen 29(51). Die Mehrschlachtungen gegenüber 1 Vorjahr betragen: Großvieh 157 Stück, Kleinvieh 381 Stück, bei Schweinen allein 523 Stück, denen ein Weniger von 336 Stück Kälbern gegenübersteht. Interessant dürfte sein, daß die Schlachtungen im Januar, soweit sich dies bis jetzt überblicken läßt, von Woche zu Woche langsam zurückgegangen sind, soweit es sich um Großvieh handelt,
1 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
aber sich auch bei Schweinen nicht steigend bewegen und
jüngster Zeit für eine Reihe anderer Städte vorbildlich
knapp deu Durchschnitt der monatlichen Schlachtungen aus dem 4. Quartal(1250 Stück) erreichen werden. 5 ** Die Ueber führung von Gefallenen in die
Heimat. Das Stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps gibt folgende Verfügung des Kriegsmi⸗ nisters bekannt: 2
„Die Rückführung von Leichen vom Kriegsschauplatze nach der Heimat muß auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben. Der für das Vaterland Gefallene ruht am ehren vollsten im Soldatengrab, wo er stritt und fiel, inmitten seiner Kame⸗ raden, deren Ruhe nicht um eines willen gestört werden darf. Dort baben Kameradenhände an vielen Grabstätten bereits harmonisch wirkende Anlagen geschaffen, die erhalten bleiben sollen. Eine Ueberführung von Leichen ist nur möglich, wenn es sich um ein Einzelgrab handelt, Massen⸗ und Reihengräber dürfen nicht geöffnet werden.
Gesuche um Rückführung von Leichen sind an das stell⸗ vertretende Generalkommando zu richten, das für den Wohnort des Gesuchstellers zuständig ist. In den Gesuchen muß dargelegt sein: a) wo das Grab liegt— die Angabe muß so 2 irgend möglich sein, tunlichst ist eine Skizze beizufügen; bei kleinen, schwer auffindbaren Orten ist auf die nächste größere Ortschaft(Stadt usw.) Bezug zu nehmen; b wer die lleberführung bewirken sol!— grundsätzlich muß ein Verwandter oder Freund 88 werden, der bei Erkennung der Leiche mitwirkt; bei egräbnisanstalten ist deren Vertrauenswürdigkeit darzulegen; e) daß sich der Gesuch⸗ steller allen Bedingungen unterwirft, die von der Militärbehörde im folgenden aufgestellt sind.. 3
Für die Genehmigung geeignete Gesuche geben die stellver⸗ tretenden Generalkommandos an die Etappen⸗Inspektio⸗ nen weiter, in deren Bereich das Grab liegt. Gesuche von Aus⸗ ländern gehen durch den Generalquartiermeister im Großen Hauptquartier an die Etappen⸗Inspektion.
Die Etappen ⸗Inspektionen prüfen unter Heranziehung der Etappen⸗Kommandanturen die tatsächlichen Verbältnisse; ob das Grab im Bereiche der Etappe liegt; ob es ein Einzelgrab ist und kein Zweifel besteht, daß der gesuchte Tote in diesem Grabe liegt: ob ausreichende Transportmöglichkeit vorhanden ist; ob nicht 1 Gründe die Ausgrabung verbieten. Liegt das Grab im
perationsgebiet, so leitet die Etappen⸗Inspektion das Gesuch an das Armee⸗Oberkommando weiter, das unter Heran⸗ ziehung der Truppe entsprechend verfährt und das Gesuch dann wieder der Etappen⸗Inspektion für weitere Behandlung zurückgibt.
Die Entscheidung der Etappen⸗Inspektion wird an das stellvertretende Generalkommando zurückgeleitet, welches den Ge⸗ suchsteller bescheidet. Die Erlaubnis muß stets folgende Punkte ent⸗ halten: a) daß sie zurückgezogen werden kann, wenn sich bis zur tatsächlichen Ausgrabung die Verhältnisse geändert haben sollten: bd) daß jegliche Haftpflicht der Militärbehörde abgelehnt wird, oJ für welchen Zeitraum die Erlaubnis erteilt wird— in der Regel muß die Ausgrabung innerhalb eines Monats stattfinden—, d, Einzelbestimmungen über den Weg in das Etappengebiet; über Mitnahme von Särgen, die den Vorschriften für Leichentransport auf Eisenbahnen entsprechen: wo und bei wem im Etappengebiet Meldung zu erfolgen hat: welche Transportmittel zur Verfügung stehen; daß die Ausgrabung nur im Beisein eines Kriegsgerichts⸗ rats, ausnahmsweise eines Offiziers(nicht Offizier⸗Stellvertre⸗ ters) erfolgen darf, welcher ein Protokoll aufnimmt. e) Hiernach stellt das stellvertretende Generalkommando einen mit allen vor⸗ stehenden Angaben versehenen und den sonst erlassenen Bestim⸗ 5 entsprechenden Geleitschein aus. 5 5
ach Meldung des Gesuchstellers bei der befohlenen Dienst⸗ stelle im Etappengebiet hat diese unter nochmaliger Anhörung eines Militärarztes für die erforderlichen Transportmittel und die nötige Begleitung(siehe Ziffer 5 Fer zu ee Des⸗ gleichen vermittelt sie die Anmeldung der Leiche zum Eisenbahn⸗ transport bei der einladenden Linien⸗Kommandantur oder Mili⸗ tär⸗Eisenbahn⸗Direktion. Der Etappenbehörde fallen alle diese Maßnahmen auch dann zu, wenn das Grab im Operationsgebiet liegt(siehe Ziffer 4); der Truppe darf bei der Ueberführung kei⸗ nerlei Arbeit erwachsen. Das über die Ausgrabung aufgenommene Protokoll bleibt bei der A Etappen⸗Inspektion aufbe⸗ wahrt Reise und Ueberführung dürfen nur mit der Eisenbahn und Pferdefuhrwerk geschehen. Die Verwendung von Kraft⸗ wagen ist verboten. Die Beförderung der Leichen auf den im Militärbetrieb befindlichen Bahnen erfolgt frachtfrei, auf den übrigen Bahnen nach den Bestimmungen der Verkehrsordnung.
Für Ueberführung der Leichen der an übertragbaren oder
emeingefährlichen Krankheiten Verstorbenen gelten die gleichen enungen wie im Frieden.
5 Landkreis Gießen.
r. Muschenheim, 28. Jan. Aus unserer Gemeinde sind bis jetzt sieben Kriegsteilnehmer gefallen, nämlich: Unteroffizier Hermann Kaus, Unterossizier Otto Becker, Lehrer, Feldwebel Heinrich Becker. Otto Magern, Ludwig Bam berger, Karl Jakob und Wilhelm Steul. Für diese Ge. sallenen sand gestern in der Kirche eine Gedenk eier statt. Krieger⸗, Gesang- und Turnverein stisteten den Gefallenen einen Lorbeerkranz, der in der Kirche aufgehängt wurde. Der Orts- ausschuß des Roten Kreuzes wird den Hinterbliebenen ein Gedenk⸗
blatt überreichen. Kreis Wetzlar.
w. Wetzlar, 28. Jan. Der Viehversicherungs⸗ verein des Kreises Wetzlar zählte bei der Rindviehversicherung 1429, bei der Schweineversicherung 3389, bei der Perdeversicherung 550 und bei der Ziegenversicherung durchschnittlich 582 Mitglieder im abgelaufenen Geschästsjahr. Es galt insgesamt 597 Schaden- jälle in einer Höhe von 71942,24 Mk. zu decken. Aus der Vieh⸗ leihkasse, die aus Kreismitteln gegründet ist und den Zweck hat, bedürstigen Landwirten zur Beschassung des in ihrer Wirtschast notwendigen Viehbestandes Unterstützung zu gewähren, warer Ende des Geschäftsjahres 13 091,53 Mk. ausgeliehen.
——.— 2 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
2.„„„ Jan. Z- 8 S 2 2 82 2 S3 SSS 2 Welter 145[ 8 f S3 S 5 Br 4 ö 28 2% 36,— 1.5 23 55 NE 2 1 Sonnenschein 28. J 88— 81 28 7 N 21 77 37,5— 100 1, 88s WJ W 2 0 * 0
0 ö 27. bis 28. Januar 1915= + 2
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