. Velen Jen
beer
c
Nr. 24
Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sießener Famillenblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗
att für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäfts stellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Sießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Erstes Blatt
TB.) Großes Hauptquartier, 28. Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
An der flandrischen Küste wurden die Ortschaften
Middelkerke und Slype von feindlicher Artillerie beschossen.
Auf den Craonner Höhen wurden dem Feinde weitere, an die vorgestern eroberte Stellung östlich anschlie⸗ ßende 500 Meter Schützengraben entrissen. Französische Gegenangriffe wurden mühelos ab gewie⸗ sen. Der Feind hatte in den Kämpfen vom 25. bis 27. Ja⸗ nuar schwere Verlufte. Ueber 1500 tote Franzosen lagen auf dem Schlachtfelde, 1100 Gefangene, ein⸗ schließlich der am 27. Januar gemeldeten, fielen in die Hände unserer Truppen.
In den Vogesen wurden in Gegend Senones und Van de Sapt mehrere französische Angriffe unter erheb⸗ lichen Verlusten für den Feind abgeschlagen, ein Offizier, 50 Franzosen wurden gefangen genommen. Unsere Verluste sind ganz gering.
Im Ober⸗Elsaßgriffen die Franzosen auf der Front Nieder⸗Asbach—Heidweiler—Hirzbacher Wald unsere Stel⸗ lungen bei Asbach, Ammerzweiler, Heidweiler und am Hirz⸗ bacher Wald an. Ueberall wurden die Angriffe mit schwe⸗ ren Verlusten für den Feind abgewiesen, besonders stark waren seine Verluste südlich Heidweiler und südlich Ammerz⸗ weiler, wo die Franzosen in Auflösung zurückwichen. Fünf französische Maschinengewehre blieben in unse⸗ ren Händen..
Oestlicher Kriegsschauplatz. Unbedeutende feindliche Angriffsversuche nordöstlich Gumbinnen wurden abgewiesen. Bei Biezun nordöstlich Siernz wurde eine russische Abteilung zurückgeschlagen. keine Veränderung. Oberste Heeresleitung.
* 5*
Die Craonner Höhen, auf denen die Franzosen so große Verluste erlitten, liegen etwa 30 Kilometer nordöstlich von Soissons, und man ersieht daraus, daß unsere Heeres⸗ leitung an der Aisne planmäßig vorgeht und zwischen Soissons und Reims das Gelände von den Franzosen zu säubern beginnt. In kurzer Frist hatten die Franzosen auf dem Kampfplatze 1500 Tote und 1100 Gefangene. Auch an andern Stellen, in den Vogesen und im Oberelsaß, wo die Franzosen es neuerdings mit der Offensive versuchten, wurden ihnen, nach dem heutigen amtlichen Tagesbericht, schwere Verxluste beigebracht. In seinem eigenen Bericht verdunkelt General Joffre die Lage; da werden kleinere „Vorteile“ zu Siegen aufgebauscht, und wenn man die deutschen Berichte damit vergleicht, sieht man genau, daß Joffre in Siegesrausch schwelgt, wenn er von deutschen Toten reden kann, was doch wahrlich nichts beweist. Außer⸗ dem sind wir gewohnt, daß der Feind im Westen unsere Verluste übertreibt und seinen Landsleuten tröstenden Schwindel vorzusetzen geneigt ist.
Oft braucht man einige Tage, um hinter die volle Wahrheit zu kommen. Zwar sind in die amtlichen deutschen Meldungen keine Zweifel zu setzen, aber die Engländer verstehen das Lügen so gut, daß sie sich öfter selber wider⸗ sprechen und überführt werden können. So verbreitet sich jetzt allmählich Klarheit über die Seeschlacht in der Nord⸗ see. Was uns heute der Admiral Beatty berichtet(Siehe die folgenden Nachrichten!), klingt doch etwas anders als die erste Reutermeldung von der Unversehrtheit des eng— lischen Geschwaders. Der englische Admiral gibt zu, daß das große Schlachtschiff„Lion“ sehr schwer beschädigt und kampf⸗ unfähig gemacht wurde und daß auch der„Tiger“„dem E. ierten Feuer der deutschen Schiffe ausgesetzt“ war, so daß er„wiederhergestellt“ werden muß, was angeblich „binnen kurzem“ erfolgen könne. Ein Hauptgeständnis aber ist noch folgendes:„Die Anwesenheit feindlicher Untersee⸗ boote nötigte uns sodann, das Gefecht abzubrechen.“ So ist also die deutsche Flotte doch nicht zurückgeschlagen wor⸗ den, wie die triumphierenden englischen Blätter behauptet hatten. Sie werden jetzt wohl etwas kleinlaut werden. Ge⸗ nauere deutsche Mitteilungen, die an unterrichteter Stelle vorliegen, stellen dem englischen Bericht noch folgende Fest⸗ stellungen gegenüber:
Das Teuer dax Engländer richtete sich sichtlich sehr stark auf das Schlußschiff, den„Blücher“. Sehr bald hatte der „Blücher“ eine Maschinenhavarie, offenbar durch Schuß verletzung, und blieb zurück. Die anderen Schiffe des deutschen Geschwaders setzten das Gefecht fort und konnten natürlich auf das zurück⸗ bleibende Schiff keine Rücksicht nehmen. Der„Blücher“, der somit allein blieb, legte sich über, fuhr aber fort zu feuern. Die englischen leichten Streitkräfte, die Torpedobootszerstörer be⸗ nutzten diese Gelegenheit, um dem„Blücher“ Torpedobootschüsse beizubringen. Um 11 Uhr 37 Minuten e man eine
ige Explosion auf dem„Blücher“. Dann sank das Schiff.
8 steht fest, daß der„Blücher“ porher zwei von den englischen Torpedobvotzerstörern vernichtet hat. Ebenso steht fest, daß ein dritter Torpedobootzerstörer von einem deutschen Unterseeboot vernichtet worden ist. Die englischen leichteren Streitkräfte gingen dann an die Stelle, wo der„Blücher“ gesunken war, heran und nahmen die Ueberlebenden auf.
Das Gefecht ging weiter auf südöstlichem Kurs und wurde
von dem englischen Admiral abgebrochen. Welche Gründe
den englischen Admiral zu diesem Abbruch des Gefechtes bewogen. oder nötigten, kann nicht ohne weiteres entschieden werden. Viel⸗ leicht erschlen ihm die Annäherung an die deutsche Bucht bedenklich.
N
n
Gießen
165. Jahrgang
er Anzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei n. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u.
Freitag, 29. Januar 1015
Zeingsbo rei: monatl. 75 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H.
Druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen.
Wahrscheinlicher aber ist noch, daß ihn der Zustand seines Ge⸗ schwaders dazu zwang. Das erste Schiff, der„Lion“, lag über. Auf dem zweiten, dem„Tiger“, war ein großer Brand bemerk⸗ bar. Die englische Linie war am Schluß des Gefechts auseinander⸗ gerissen und in zwei Gruppen geteilt, was auf Maschinenhavarien schließen läßt.
Ein Schiff der englischen Marine blieb zurück. In diesem Augenblick fand eines der deutschen Torpedoboote Gelegenheit zum Schuß. Es gab auf das englische Schiff, das bereits über⸗ liegend war, zwei Torpedoschüsse ab. Nach dem zweiten Schuß sank das englische Schiff. Das wurde gleichzeitig von dem an⸗ greifenden Torpedoboot, von dem Panzerkreuzer„Moltke“ und einem Luftschiff beobachtet, so daß man an den informierten Stellen jeden Zweifel an der Richtigkeit der Meldung für aus⸗ geschlossen halten muß. Die leichten Streitkräfte sind auf beiden Seiten nicht weiter in Aktion getreten.
Unsere Schiffe haben nicht wesentlich gelitten. Nur ein Schiff hat einen Volltreffer erhalten, der geringen Materialschaden und einige Menschenverluste verursachte. Von den deutschen Torpedo⸗ booten ist keines gesunken. Auch ist dort kein Menschenverlust zu beklagen. Von den kleinen Kreuzern hatte nur einer eine leichte Schußverletzung und zwei Tote. Auf der englischen Seite hatte der„Lion“ Unterwassertreffer erhalten und mußte ins Schlepp genommen werden. Auf dem„Tiger“ sind nach englischen Be⸗ richten 23 Mann getötet und 12 verwundet auf dem„Lion“ 17 Mann verwundet, und schon aus diesen Zahlen kann man schließen, wie stark auch die Schiffe getroffen sein müssen. Das Gefecht war gegen 1 Uhr beendet, hatte also ungefähr 4 Stunden gedauert.
**
die Seeschlacht in der Nordsee.
London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily News“ melden aus Harwich: Die britischen Matrosen zollen dem„Blücher“ für seine feemän nische Tapferkeit, mit der er dem Ende entgegenging, großes Lob. Das Schiff leistete bis zum letzten Augenblick Widerstand und ging ohne jede Panik unter, selbst als jeder Mann 2 daß das Ende gekommen sei. Die Kanonen des Hinterschiffs feuerten noch in der letzten Sekunde.
London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein in Edin bu rg befragter eng⸗ lischer Matrose erklärte, daß die deutsche Flotte dreißig Meilen von der englischen Küste in Sicht kam. Der Schieß⸗ abstand betrug während der Schlacht immer mindestens 14 Kilometer. Die britischen Zerstörer hatten stets Angriffe der deutschen Unterseeboote abzuwehren.
Ein Bericht des englischen Admirals Beatty.
London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Presse⸗ bureau veröffentlicht folgenden Bericht des Admirals Beatty: Die Zerstörer sichteten den Feind um 7½ Uhr früh vierzehn Meilen östlich von unserem Schlachtkreuzergeschwader. Die Zerstörer er⸗ hielten den Befehl, den Feind zu verfolgen, der anscheinend zurück⸗ zugehen begann. Die Schlachtkreuzer fuhren in südöstlicher Rich⸗ tung mit der Absicht, dem Feinde den Rückzug abzuschneiden, sie 1 eine Schnelligkeit von 18 bis 19 Knoten und eröff⸗ neten auf 18 000 Pards ein langsames, nicht heftiges Feuer. Als sich der Abstand bis zu 17000 Hards verringert hatte, begannen die Schüsse das Ziel zu treffen, worauf der Feind das Feuer beantwortete. Der„Lion“ und„Tiger“, die an der Spitze fuhren, waren dabei allein in Aktion, so daß diese Schiffe einige Zeit dem konzentrierten Feuer des Feindes aus- gesetzt waren. Besonders der„Lion“ hatte sehr dar⸗ unter zu leiden. Als unsere Schiffe herankamen, mußte der Feind auch ihnen seine Aufmerksamkeit widmen. Der Angriff der deutschen Zerstörer wurde abgewiesen. Gegen 11 Uhr be⸗ schädigte ein glücklicher Schuß des Feindes unglücklicherweise die Kessel des„Lion“, wodurch die Maschine an Backbord außer Tätigkeit gesetzt wurde. Zugleich wurden feindliche Unter⸗ seeboote an Steuerbord signalisiert, so daß der Kurs geändert werden mußte, um ihnen zu entgehen. Der„Blücher“ befand sich jetzt in einer kritischen Lage; die„Indomitable“ erhielt den Befehl, ihn in Grund zu bohren. Der Rest des Geschwaders griff darauf die Nachhut des Feindes an. Der„Lion“ dampfte mit einer Eskorde in nordwestlicher Richtung. Admiral Beatty ließ die Admiralsflagge auf die„Princeß Royal“ bringen. Der dem „Lion“ beigebrachte Schaden verhinderte uns offenbar, einen größeren Sieg zu erfechten, und die Anwesenheit feind⸗ licher Unterseebootenbtigte uns sodann, das Ge⸗ fecht abzubrechen. Das Ergebnis der Seeschlacht ist, daß der Blücher“ zum Sinken gebracht und daß zwei andere Schlacht⸗ kreuzer, die in Brand standen, ernstlich beschädigt wurden. Da der Schaden an den Maschinen und der Steuerbordseite des „Lion“ uns Schwierigkeiten hätte bringen können, schleppte„In⸗ domitable“ den„Lion“ in den Hafen. Die Beschädigungen des „Tiger“ sind nicht ernstlich; das Schiff kann binnen kurzem wieder hergestellt werden. Der Rest des Geschwaders ist nur leicht be⸗ schädigt, während Menschenverluste auf diesen Schiffen nicht zu beklagen sind. 1 1 4
Berlin, 29. Jan. Wie in holländischen Blättern nach der„Tägl. Rundschau“ festgestellt wird, finden die Angaben der deutschen Admiralität über die Verluste der englischen an der Seeschlacht westlich Helgoland beteiligten Kriegs⸗ schiffe eine Bestätigung durch Reisende aus London.
Die Schiffahrt im Suezkanal.
Haag, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Ministerium des Aeußern teilt mit, daß die englischen Militärbehörden Maßnahmen ergriffen haben, um die Schiffahrt im Suez⸗ kanal zu schließen. Die Kanalgesellschaft lehnte die Ver⸗ antwortung für eine Verzögerung oder Beschädigung ab. Seit heute nachmittag lönne kein Schiff in den Suezkanal einfahren.
2*
Gute Erfolge im Westen. Die Russen in den Karpathen zurückgeworfen.
Der Kaiser im Felde.
München, 28. Jan.(WB. Nichtamtlich.) In den „Münchener Neuesten Nachrichten“ beschreibt Ludwig Ganghofer einen Abend bei dem Kaiser im Felde folgendermaßen:
Bei dem Kaiser ist nichts von einem großzügigen Haushalt zu gewahren. Die wenigen Gäste der Abendtafel versammeln sich im kleinen Empfangsraum. Der Kaiser tritt in einer feldgrauen Generalsuniform mit ruhigem, elastischem Schritt ein.„Na, Gang⸗ hofer, Ihre Bayern, prachtvolle Leute! Die haben feste und tü⸗ tige Arbeit gemacht! Und vorwärts geht es überall, Gott sei Dank.“ Dann ein Erinnern an die letzte Begegnung im Frühjahr. Mit langsamer strenger Stimme sagt der Kaiser, wer hätte damals ahnen können, was jetzt gekommen ist, und daß wir uns in Frank⸗ reich wiedersehen würden! So!“ Dann wird im Speisezimmer eine kurze, rasche Mahlzeit eingenommen, an die sich eine Plau⸗ derstunde in dem kleinen, netten Wintergarten anschließt. Gegen die elfte Abendstunde wird für den Kaiser und eine Anzahl hoher Offiziere ein militärischer Vortrag angesagt, der in einem nahen Hause unter Vorführung von Lichtbildern von einem Offizier ge⸗ halten wird und eine neue, wichtige und für die Kriegführung hilfreiche Sache behandelt. Immer wieder und wieder stellt der Kaiser mit raschen, knappen Worten eine Zwischenfrage, worauf der Offizier antwortet. Nach Schluß tritt der Kaiser auf den jungen Offizier zu, reicht ihm die Hand und sagt:„Ich danke Ihnen, das ist eine gute Sache, glauben Sie, daß uns die Fran⸗ zosen das nachmachen können?“ Der Offizier antwortet lächelnd: „So schnell nicht, Majestät, wir haben das jetzt erst erfunden!“
Das Gefecht von Hurtebise am 25. und 26. Jauuar
Berlin, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Gro⸗ en Hauptquartier wird uns geschrieben? Einen knappen Tagesmarsch von Soissons entfernt, also nicht allzu weit von dem Kampffelde vom 13. und 14. Januar, über das wir erst vor kurzem berichteten, hatten die Sachsen am 25. ihren Ehrentag. Die Kämpfe fanden auf der Hochebene von Craonne, also auf historischem Boden, statt. Das jöft Hurtebise, um dessen Besitz am 6, und 7. März 1814 die Franzosen und Russen erbittert kämpften, bis es von den letzteren angezün⸗ det und geräumt wurde, liegt— auch heute von französischer Artillerie gänzlich zerschossen und ausgebrannt— als trauriger Mauerrest dicht hinter der Mitte der deutschen Stellungen, aus denen heraus der Angriff erfolgte. Ost⸗ und westwärts an das Gehöft anschließend, folgten die deutschen Schützengräben dem Chemin des Dames, einem die Hochfläche von Craonne entlang führenden Höhenwege, der 1770 von dem Besitzer des nahe gele⸗ genen Schlosses Le Bove für die Prinzessinnen von Frankreich angelegt wurde. Den deutschen Gräben dicht gegenüber lagen die französischen in dreifacher Reihe. Die vorderste Linie der letz⸗ teren nahm ganz ähnlich wie bei Soissons den Südrand der Hochfläche ein und war damit eine für Infanteriewirkung und Artilleriebeobachtung günstige Stelle. Dazu stützte sich der linke Flügel auf ein starkes, wohlausgebautes Erdwerk, und die Mitte besaß in der Höhle von Creute einen bombensicheren Unterschlupf für starke Reserven. Diese geräumige Höhle, eines der zahlreichen großen Pariser Kalksteinbecken, diente einst den Bewohnern als Weinkeller, später als Wirtschaftsraum und Stallung. Hier such⸗ ten 1814 die Einwohner während der Schlacht von Craonne Schutz vor dem Artilleriefeuer. Bei dem gegenwärtigen Stellun kampf war der Besitz eines derartigen Raumes von nicht zu unterschätzen⸗ der Bedeutung. Es galt, den Franzosen die erwähnten Stellungen samt dem Erdwerk und der Höhle zu entreißen. Nach ausgiebiger artilleristischer Vorbereitung schritt unsere Infanterie, die unter den Befehlen der Generäle v. Gersdorff und v. d. Pla⸗ nitz stand, während der Oberbefehl in den Händen des Generals der Infanterie d Elsa lag, auf der ganzen Linie zum Angriff. Binnen wenigen Minuten waren das Erdwerk und die durch das Feuer unserer Artillerie stark erschütterte er ste französische Linie erstürmt und kurz darauf war auch die z weite Linie in deutscher Hand. Ueber die Höhe hinweg ging dann der Sturm gegen die dritte und letzte Stellung des Feindes. Binnen einer halben Stunde war der Angreifer im Besitz des Erdwerkes und der drei Linien mit Ausnahme des linken Angriffsflügels, wo der Feind erbitterten Widerstand leistete. Auch die Höhle selbst, die nur einen nach Süden gerichteten schmalen Aus⸗ gang hatte, war noch in französischem Besitz. Wäh⸗ rend sich unsere Truppen bereits südlich der Höhle in den eroberten Stellungen einrichteten, wurde der Höhleneingang umstellt und unter Maschinengewehrfeuer genommen. Es wurde Mitternacht, bis sich die hier eingeschlossene Besatzung von rund 300 Köpfen ergab. Auf dem linken Angriffsflügel dauerten die Kämpfe bis zum 26. Januar 5 Uhr morgens. Zu dieser Stunde war auch der Widerstand des Feindes endgültig gebrochen und der Angreifer auf einer Frontbreite von 1500 Metern im Besitze des von ihm gesteckten Zieles, der drei französischen Linien. 5 Offiziere, 1100 Mann, 8 Maschinengewehre, ein Scheinwerfer und ein großes, in der Höhle angelegtes Pionierdepot fielen in deutsche Hand. Was von den französischen Verteidigern noch ent⸗ lam, flüchtete den Hang hinunter und grub sich dort ein, den Deut⸗ schen nunmehr die Hochfläche und damit ausgezeichneteneue Stellungen überlassend. Bei den französischen Gefangenen und Toten— die letzteren werden auf min destens 1500 geschätzt— wurden die Nummern der Regimenter 18, 34, 49, 143, 218 und 249 festgestellt; sie gehören zum 18. Armeekorps Der zum Teil den Pyrenäen entstammende Ersatz schlug sich in der Vertei- digung sehr tapfer, aber auch er vermochte der unvergleichlichen Angriffslust und Tapferkeit unserer Truppen auf die Dauer nicht zu widerstehen. f
Bom französischen Heer.
Berlin, 28. Jan.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Basel: Ein Artikel von Descaves im Pariser „Journal“ bestätigt, daß Tausende von französischen Sol- daten hinter die Front gebracht werden mußten, weil sie den Anstrengungen nicht gewachsen waren. Da
die Ausstattung der Depots ungenügend ist, wird das Pu- blikum aufgefordert, Geld dafür zu spenden..


