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erscheint laglic mit Ausnahme des Senntags.
Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Areis Gleßen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
In und bei Pont⸗à⸗Mousson.
Moseltal bei Pont⸗à⸗Mousson hat nach den amt⸗ lichen Berichten der schwere Artilleriekampf von neuem eingesetzt. Unterhalb Frouard, wo sich die von Paris kom- mende Schnellzugslinie in einen nördlichen Zweig nach 70 und einen südlichen über Nancy nach Straßburg teilt, verliert das Moseltal den industriellen Charakter, den es bis dorthin, etwa bei Toul, gezeigt hat. Immer breiter fließt der Strom dahin, die sanften Hänge steigen an beiden Ufern zu beträchtlichen Höhen hinan, an den Hügeln dehnen sich Weinberge, während im Tal Hopfenplantagen mit Ge⸗ treidefeldern und Obstgärten wechseln. Das ist das Bild des Moseltales bis zur deutschen Grenze, das nur bei Pont⸗a⸗ Mousson durch rauchende Fabrikschlote unterbrochen wird. Die Stadt ist gleichsam eine vorgeschobene Schildwache des französisch⸗lothringischen Industriegebietes. Nur 6 Kilo⸗ meter liegt ja die deutsche, dem Flüßchen Seille folgende Grenze entfernt, und von dem hohen Hügel von Mousson sieht man bei Tag die Türme der Kathedrale von Metz, bei Nacht die Lichter dieser gewaltigen deutschen eng deut⸗ lich schimmern. Blühende Dörfer liegen im Tale, so Norroy und Vandieres und hinter einer 9 des Stromes wer⸗ den die weißen Häuser von Preny sichtbar, über denen die Ruinen eines alten Schlosses ins Tal hinabgrüßen. Viel⸗ leicht hat es gerade der rege Grenzverkehr mit sich gebracht,
daß
Pont⸗à⸗Mousson eine der lebhaftesten und Ladendsten Städte des frang5stschen 8 ist. Im Bahnhofsviertel, stößt, tritt dieser Eindruck be doch hat die an denkwürdi
zugleich ein⸗ othringens geworden wo ein Neubau an den andern sonders stark hervor. Und igen Kirchen und e aller Art 5 Stadt sich jenes geschichtliche Aussehen zu wahren gewußt, das noch an die Zeit erinnert, wo sie dank der Blüte ihrer Universität als da„lothringische Athen“ bezeichnet wurde. Der große, nach dem hier geborenen General genannte Duroc-Platz mit seinen drei gewaltigen von Säulengängen eingerahmten Fassaden bildet den Mittel- punkt jener Altstadt, während die schöne, in vielen Bogen über die Mosel gespaunte Brücke an den Ursprung und Namen der Stadt erinnert. Von ihr man einen herr⸗ lichen Blick auf das Moseltal stromauf- und stromabwärts. Im Jahre 1572 hatte Papst Gregor III. die Erlaubnis
ur
Sie war als ein Bollwerk ge⸗
ung einer Universität in Pont⸗a⸗Mousson ge⸗ 1 gedacht, und es gesie
en den vordringenden
den geistlichen Herren von Pont⸗à⸗Mousson keineswegs, daß sie auch eine medi⸗ zinische und eine juristische Fakultät neben der katholisch⸗ theologischen einrichten wollten. Doch Karl III. bestand auf dieser Forderung und berief selbst Gregor von Toulbuse, sowie Toussaint⸗Fournier als erste Professoren des Rechtes und der Medizin und begründete damit den Ruf dieser
Unterdrücktes von Heinrich Heine.
Das hätte sich Heinrich Heine wahrlich nicht träumen assen, daß der Lieblingskomponist der Franzosen, Meyer⸗ „als der 8 wirklich preußische Komponist“ von ihnen bezeichnet und ihm die Ehrung entzogen werden würde, einer Straße in Paris seinen Namen zu geben. War Meyerbeer doch zu Heines Zeiten der einzige Komponist, n die Franzosen verstanden und liebten, ja begeistert feier⸗ ten. Seinen großen“ Nebenbuhler, Felix Mendelssohn, da⸗ gegen verabscheuten sie. Und Heine war so sehr im fran⸗ 155 Fahrwasser, daß auch er die herbsten und ungerech⸗ testen Urteile über Mendelssohn fällte. Heine schrieb im Jahre 1844 Musikkritiken für die„Augsburger Allgemeine Zeitung“. Aber sein Urteil über Mendelssohn wollte man dort nicht drucken. Gerade jetzt veröffentlicht Friedrich Hirth, der mit einer Heine⸗Ausgabe beschäftigt ist, im„Lite⸗ rarischen Echo“ eine Musikkritik Heines, deren Niederschrift sich im Besitz der Kaiserin Elisabeth befand. Sie wird hier zum erstenmal vollständig abgedruckt. Der Redakteur der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, Gustav Kolb, hielt es für taktvoll, den ungebührlichen Ausfall Heines gehen Mendelssohn zu unterdrücken. Man kann ihm nachträglich nur recht geben. Heute aber, wo Mendenlssohns Ruhm über alle Kritik seiner Zeitgenossen erhaben ist und den Meyer⸗ beers weit in den Schatten gestellt hat, haben Heines Worte nur mehr einen Kuriositätswert. Die unterdrückte Stelle lautet:
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is gegen unser ix Mendelsso
feperter Landsmann, den 1 9
0
königl. preußischer Mensch i i— 7 unser— 5 wir hier zunächst prechen müssen. Wir haben der Aufführung seiner Symphonie im Conservatoire⸗ de⸗Musik leider nicht beywohnen können. Sie erfreute sich des ausgezeichnetsten Fiaskos, wie alle Werke dieses Meisters ihn zu Paris eingeärndtet haben. Der Durchfall seines Paulus bl, uns noch frisch im Gedächtnis und wir haben zuweilen.
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General⸗Anzeiger für Oberhessen
Dienstag, 20. Januar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 5l, Schrift;
leitung: 12. Adresse für Drahtnachrichten⸗ Anzeiger Gießen.
beiden Fakultäten. Zwei Jahrhunderte hindurch blühte eir an tollen Ausschreitungen und Zeche auch durch seine wissenschaftlichen Arb
Königs Stanislaus die damal der Universität nach Nancy Hochschule vereinigt wurden.
Pont-à-Moussons heutige Röhrenwerken beherrscht, die, größten, so doch die ältesten ihrer Art in Europa sind Die gewaltigen, 1.80 Meter im Durchmesser faf rohre, die das Trinkwasser der Stadt Paris v
s noch bestehenden Fakultäten
Kanalisationsrohre, die die Straßen tinopels dur
halben als China⸗ und Japanwaren Absatz finden. trotz ihrer Industrie hat die alte loth stadt wenig von ihren geschichtlichen
Reizen eingebüßt, und man kann verst dem Kriege einer der beliebtesten Al wohner deutscher Grenzstädte und G
elagen reiches, aber h d 0 lrbeiten bekanntes Uni— versitätsleben in ihren Mauern, bis nach dem Tode des
verlegt und mit der dortigen
Industrie wird von seinen wenn auch nicht mehr die
senden Eisen⸗ on La Vanne herführen, stammen aus Pont⸗à-Mousson, ebenso wie die Roms und Konstan⸗ chziehen. Daneben erblühte in jüngster Zeit die Papierindustrie, die sich vorzüglich mit der Herstellung lackierter Papier- und Pappgegenstände befaßt, die allent⸗ Doch ringische Universitäts⸗
und landschaftlichen tehen, wenn sie vor isflugsorte der Be— renzgarnisonen war.
wache— ins Gelände geritten, Arbeiten persönlich zu überzeuge würdige Kommandierende gab mir über die Stellungen und den Stand der Gefechte bei Radzanowo und Biczun, dessen Ergebnis ja inzwischen amtlich gemeldet sein dürfte, weitere eingehende Erklärungen. Der General meinte aber gleich, daß mit dem Auto nach Biezun schlecht durchzukommen sein würde, denn rus⸗ sische Wege wären eben russische Wege, und Panne bliebe Panne, immerhin stellte er anheim, den Versuch zu machen
Schon die vielen Kolonnen, die sast ebenso schnell wie unser Auto fuhren, zeigten, daß das Gefecht zum Stillstand, wenn nicht zum endgültigen Stillstande gekommen sein müsse. Denn man zieht keine Bagage nach, wenn der Kampf nicht entschieden ist. Der Spiegel der versumpften und trägen Mlawka steht, stellenweise kaum einen halben Meter unter dem Niveau der Landstraße. Der Rückzug der Russen am 22. Dezember muß unter großen Verlusten stattgefunden haben, denn wenn die Straße mit Artillerie belegt wird, wie es deutscherseits geschah,
um sich von dem Fortgang der n. Der außerordentlich liebens⸗
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muß die Wirkung auf die zurückgehenden Truppen dezimierend sein. Die russischen Verluste lassen sich nur vermuten, sie sind
schwer genau festzustellen, weil die Russen,
c N wenn sie nur irgend können, auch die
Toten und Schwerverwundeten mit zurückführen.
Seit dem gestrigen Abend hatte leichter Frost eingesetzt, so daß die Wege überfroren waren. Wir kamen also mit dem Auto intmerhin vorwärts. Es war nur schwer zu übersehen, wie weit die gefrorene Oberschicht grundlose Löcher überspannte. Unweit
—
Kriegsbriefe aus dem Osten. Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Gefechte bei Radzanom und Biezun.
Ratowo bei Radzanowe, den 19. Januar.
Die deutschen Hauptstellun
kreis um die Stadt Mlawa in Ent
von Kilometern. Im Osten und Nordoster
einen Angriff fast zur Unmöglichkeit.
Biezun sind die Verteidigungsanlag gebaut.
Wir fuhren in der Frühe, die Stellun
gleitung unseres Kürassierleutnants vom
hat Zeit und R ist über 30 Kilometer weiter vor gezeichnete Anlagen mit
Schützengrabenkrieg gezeiti Reserve liegenden Truppen räume in die leicht ansteigenden Erdwellen eingegraben. ch sah einen Raum, der für zwanzig Mann bestimmt war. Ein langer Laufgraben, die tie Eingang, den eine sauber Wände innen waren s.
rückwärtigen Seite hatte
gt hat, herstellen können. Für die in
sezimmerte Tür ordentlich verschloß. Die
man einen schmalen Schacht durch das
eingenommen. Gegenüber dem Eingang stand ein wei
ßer einfacher Kachelofen, um den herum Platz für tannene
Bänke ausgespart
war. Ueber e Lagerplatz war ein Brett und ein Haken für Sachen und Tornister, außerdem lief ein breiter Holzbord längs der ganzen Alles war auf Zweckmäßigkeit gestellt und
trotzdem war der Eindruck des Raumes ausgesprochen künstlerisch. als ob die Abmessungen und die Raumverteilung von einem Raum⸗ künstler vorgenommen worden wären und nicht von einem Pionier⸗ leutnant. Den gleichen Eindruck hatte ich bei einem kleinen Raum. für Offiziere. Es hat mit der Kriegsführung nichts zu tun diese Sauberkeit und diese Schönheit der Nützlichkeit, aber sie gehört ebenso zu unserem endlichen gewissen Sieg wie die schmalen Bände von Goethe und Schiller, von Bismarck⸗Briefen und natur⸗ wissenschaftlichen Schriften, die auf den glatten, tannenen Borden liegen werden.
Ein ziemlich langer unterirdischer Gang führt lichen Laufgraben, der in den Schützengraben mün völlige unterirdische Stadt vorbereitet; können, ohne daß der Feind es nur im die vorderste Linie gebracht werden. Der eigentliche Schützengraben hat ein flaches Gelände vor sich, eine kleine Welle, die einzige Stelle, an der ein Angriff ver⸗ sucht werden könnte, kann in Flankenfeuer genommen werden, da man ein richtiges Fort angelegt hat, das sich vor die Stellung hinausschiebt und von drei Seiten mit dem breiten Stacheldraht⸗ gitter geschützt ist. Bataillone von Armierungsarbeitern arbeiteten an den Stellungen, als wir sie besichtigten. Zufällig kam General Suren mit seinem Adjutanten— hinter sich die berittene Stabs⸗
zu dem eigent⸗ det. Es ist eine Ablösung und Verstärkung geringsten denken kann, in
Frankreich nur Gähnen und Achselzucken hervorbringt. Haben die Franzosen vielleicht weniger Sinn für das Religiöse und finden die frommen Melodien keinen Eingang in die stählernen Herzen des Unglaubens? Ich weiß nicht. Vielleicht liegt auch vieles in dem zufälligen Umstand, daß mit den hiesigen Conzert⸗ sälen, nicht wie in Deutschland, ein Buffet in Verbindung steht, wo man während den Pausen sich erfrischen kann durch Punsch, Bischof, Cardinal und sonstige geistliche Getränke, welche die Stimmung für Kirchenmusik unterhalten, wo nicht gar steigern. Es wird noch eine geraume Zeit verfließen, ehe man hier der Mendelssohnschen Musik Geschmack abgewinnen möchte. Unter⸗ dessen aber lassen sich die Beförderer derselben nicht abschrecken.“
*
— Hans Pagay, der in den letzten Tagen verstorbene berühmte Schauspieler, nahm im Jahre 1869 an einer Tournee durch Rußland teil, die Felir Schweighofer damals mit einem Operettenensemble veranstaltet hatte. Beide Künstler verband seit den Anfängen ihrer Kunst bis ins Alter hinein dauernde Freund⸗ schaft. Diese Tournee hatte den besten Erfolg, und die Künstler konnten nicht nur flott in Rußland leben, sondern auch allerlei Anschaffungen machen. Die meisten kauften sich allerlei Mode⸗ artikel, besonders feine Juchtenstiefel, von denen einige Herren sechs bis acht Paar hatten, Hans Pagay stöberte in jeder Stadt die ältesten und originellsten Uhren auf. Diese Leidenschast für Uhren, die er zu zerlegen und neu zusammenzustellen liebte, hatte sich Pagay bis in sein Alter bewahrt, eine Liebhaberei, die bekanntlich auch die Dichterin Ebner⸗Eschenbach hat. Pagay und Schweighofer erinnerten sich der eigenartigen russischen Er⸗ lebnisse— nach einem Menschenalter stets gern, und wenn sie zusammentrafen, kamen sie immer wieder auf diese Fahrten zurück, die ihren Höhepunkt in der großen Zarenstadt Elisabeth⸗ grad erreichten, wo das Gastspiel gerade in die Zaren-Manöver fiel. Sie hatten das 2000 Personen fassende Theater gepachtet, und das Geschäft ließ sic zunächst glänzend an, da viele Fremde schon im Hinblick auf das Manöver vorher dort eingetroffen waren. Da sollte der Zar Alexander II. die Parade abnehmen, und kaum hatte er sich aufs Pferd gesetzt, einen arabischen Voll⸗ bluthengst, den er vom Sultan als Geschenk erhalten, da machte dieser Arge, warf den Zaren ab, und dieser ward noch etwa zwanzig Schritte vor der Front seiner Truppen und unter den
gen liegen in unregelmäßigem Halb⸗ fernung von einer ganzen Anzahl 1 macht sumpfiges Gelände Nach Richtung Radzanow und en außerordentlich stark aus⸗
gen zu sehen in Be⸗ Armee-Oberkommando 8 und eines Generalstabshauptmannes von der Mlawa-Armee. Man uhe gehabt auszubauen, denn die eigentliche Linie geschoben, so hat man ganz aus⸗ Benutzung aller Erfahrungen, die der
sind ganze Erdwohnungen und Schlaf⸗
f eingeschnitten war, führte zu dem ältig mit Brettern verkleidet, nach der
Erdreich gegraben und ein kleines Fenster angebracht. Rechts und ber in der südlichen Flanke angegriffen. links war der Raum zu drei Vierteln von abgeteilten Strohschütten Plock, die alte Residenzstadt der Herzöge von Polen und
Sdrensk erreichte uns das Schicksal, die Vorderräder saßen in einem Schlammkessel, der überhaupt keinen Grund zu haben schien. Wie immer halfen unsere Bemühungen, unser ruckweises Schieber, das Unterlegen von Bohlen und Brettern gar nichts. Erst ein paar tüchtige Gäule von einem vorbeifahrenden Bagagewagen 8 den Wagen mit Hot und Hüh, aber ohne jede Anstrengung eraus. Wir zogen von jetzt an den Fußmarsch vor. Patrouillen über⸗ holten uns, Infanteriezüge marschierten vor uns, Feldküchen wur⸗ den herangezogen. Das Gefecht war zu Ende, die Russen hatten ihren Vorstoß über den Wkra⸗Abschnitt von Plock her aufgegeben. Am heftigsten waren die Kämpfe um das Vorfeld der Hügel 105 und 155 nördlich von Biezne. Die Russen hatten dabei eine große Anzahl von Ge⸗ fangenen gelassen. Das Gelände ist unübersichtlich dort, es geht teilweise um einen Kampf unt Einzelgehöfte. Ein Unteroffizier und ein Gefreiter von der leichten Munitionskolonne nahmen allein fünfzig Russen in einem Gehöft gefangen. Die beiden deut⸗ schen Artilleristen hielten das Gehöft für frei, schritten durch den Hofraum und sahen die Russen beim Schlachten:„Hände hoch! Ergebt euch ihr Schweine!“ schrie der Unteroffizier und der Ge⸗ 2 freite legte den Karabiner an. Da die Russen überzeugt waren, daß geladene Karabiner auch losgehen können, ließen sich alle 1 fünfzig Mann gefangen nehmen. Sie wurden mit den anderen nach Mlawa abtransportiert. 1 Die Entwicklung der Gefechte ergab sich aus der deutschen Kavallerie⸗Erkundung nach der Weichsel. Die Er- kundung wurde mit vorzüglichem Resultat durchgeführt, aber bei dem Zurückgehen auf ihre Linie wurde die Kavallerie von Plock
Masowen, Bischofssitz, ist auch im Frieden mit starker Garnison belegt. Eine Kavalleriebrigade, die 15. Dragoner Pereiaslam und das 15. tartarische Ulanenregiment sowie die 10. reitende Artillerie⸗Division stehen dort. Jetzt sind vermutlich gegen zehn⸗ tausend Mann dort zusammengezogen, wobei freilich viel Reserven und auch Reichswehr sein mögen. Auf jeden Fall griff neb starker Kavallerie mindestens eine Infanteriedivision unsere Ka⸗ vallerie an, die zurückgehen mußte und um Infanterieunterstützung
bat. Deutsche Infanterie wurde angesetzt und in den Kämpfen bis zum 19. wurden die Russen blutig zurückgeworfen, wobei unsere Verluste verhältnismäßig gering waren. Unsere Stellung war außerdem wieder nach vorn geschoben worden. 7 In dem Gutshaus, in dem ich weilte, konnte man das deutlich
feststellen, denn die Reserven, die hier lagen, wurden nach vorn gezogen, die ganze Linie verschob sich um ein paar Kilometer. Der Oberstleutnant, an dessen gastfreundlichem Tisch wir unsere Konserven aufwärmen konnten, war ursprünglich Artillerist. Er führte jetzt interimistisch ein Infanterie-Regiment. Man hatte hier gut gelegen in dem verhältnismäßig großen Gut. Jetzt gings vor⸗ wärts, in das Ungewisse hinein. Ehe aber der Oberstleutnant sein Regiment in die neuen Quartiere führen konnte, meldete die Or⸗ donnanz irgend eine wichtige Mitteilung. Der Oberstleutnant ver⸗ schwand für einige Zeit dienstlich. Dann sagte er: Nach Südpolen, wieder Artillerist.. Das Regiment war angetreten. Die lange dunkle Linie ent⸗ wickelte sich auf der Landstraße. Wir standen am Fenster und sahen den Zug, wie er im Weißgrau der polnischen Ebene ver⸗ schwand. Der Oberstleutnant ging auf sein Zimmer. Aoschied vom Regiment. Rolf Brandt, Krlegsberichterstatter.
Boden fortgeschleift. Der Erfolg war: Absage der Mänöver und aller Festlichkeiten. Der schöne Gewinn, der bereits gemacht war, konnte die eingegangenen Verbindlichkeiten nicht decken, und die Gesellschaft wäre in Not gewesen, wenn ihnen nicht ein Oberst in echt russischer Weise zu Hilfe gekommen wäre. Dieser 8 Oberst war Direktor einer eben eröffneten Bahnlinie, die sie benutzen wollten. Die Reisekosten hatten die armen Mimem nicht mehr, aber der Oberst⸗Direktor war ihnen gewogen und wußte Rat: da die Gesellschaft zu den Manövern hatte spielen wollen, so erklärte er sie zu einer Militärtruppe und gewährte ihr freien Militärtransport. In Krementschug, wo der Kälte. wegen das Theater tief in die Erde hineingebaut war, waren, nur wenig Leute, die die deutschen Künstler verstanden. Das Theater war aber doch gut besucht, und die Gesellschaft fand Beifall und Anerkennung, denn dem Publikum wurde die Kon⸗ zession gemacht, daß nach jeder Witzpointe ein Dolmetsch den Witz erklärte, worauf das Publikum lachte und Beifall klatschte.
Berlin, 25. Jan.(W. B Nichtamtlich.) Der Senat der Kaiser⸗Wilhelm⸗Gesellschaft hielt am 23. Januar un⸗ ter dem Vorsitze des Präsidenten, Exzellenz von Harnack, in der Königlichen Bibliothek eine Sitzung ab. Es wurde einstimmig beschlossen, die Errichtung des geplanten Kaiser⸗Wilhelm⸗Instituts für Physiplogie und Hirnforschung alsbald in Angriff zu nehmen. Die dazu erforderlichen Mittel wurden bereitgestellt. Mit der endgültigen Feststellung der Baupläne wurde der Ausschuß betraut. Der Senat nahm ferner von der bevorstehenden Er⸗ öffnung des in Dahlem errichteten Institutes für Biologie Kenntnis und beschloß, von der Einberufung einer Hauptversamm⸗ lung in diesem Jahre abzusehen.
— Berlin, 25. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser ernannte den ordentlichen Professor der Universität Berlin, Geh. Justizrat v. Gierke, nach erfolgter Wahl zum stimmberechtigten Ritter des Ordens„Pour le mérite“ für Wissenschaften und Künste. 9 — Berlin, 25. Jan.(WTB. Nichtamtlich) Gestern ver⸗ starb in Lichterfelde der Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Professor Auwers, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Kanz⸗ ler der Friedensklasse des Ordens„Pour le mérite“. 4
ern derüber nachgedacht, warum dieses Prachtwerk geistlicher 8 Mat ds n Tland so viel Begeisterung erregt, 8 in
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Augen der ihm zu Hilfe eilenden Umgebung im schlammigen


