. Aus dem Reiche.* Berlin, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser geruhte, dem Oesterreichisch⸗ungarischen Hilfsver⸗ ein in Berlin zur Gewährung von Unterstützungen an hier zu⸗ rückgebliebene Familien österreichisch-ungarischer Krieger 40000 Mark zu bewilligen. 1 a
Berlin, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt zu der Frage der Festsetzung von Höchstpreisen für zuckerhaltige Futtermittel: Ob⸗ wohl die im Lande vorhandenen Mengen an Melasse und Brot⸗ zucker genügen, um auch den gegenwärtig stark gestiegenen Bedarf an zuckerbalt. en 1 zu decken, sind in letzter Zeit die Preise für 8 rzeugnisse in einem Maße gestiegen, das nach den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerechtfertigt ist. Man be⸗ schäftigt sich insolgedessen dieserhalb an maßgebender Stelle neuer— dings mit der Frage, ob nicht durch Festsetzung von Höchstpreisen Abhilfe geschaffen werden müsse. J g
Berlin, 25. Jan. Auf seiner Rückkehr aus dem Großen Jauptauartier traf gestern der österreichisch⸗ungarische Thronfolger A. dem Hauptbahnhof Frankfurt am Main ein, lurz nachdem der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Freiherr von Burian angekommen war, Der Thronfolger und Baron Burian hatten eine Unterredung, die ungefähr eine Stunde dauerte. Der Thronfolger setzte dann die Rückreise nach Wien im Sonderzuge fort, der Minister des Aeußern reiste nach dem Großen Hauptquartier weiter. i 8 5 Karlsruhe, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Karls⸗ ruher Zeitung“ veröffentlicht die Einberufung der außeror⸗ dentlichen Ständeversammlung auf Donnerstag, den J. Februar 9½ Uhr vormittags. Der Präsident des Staatsmini⸗ steriums, Dr. Freih. von Dusch, wird eine Ansprache an die Stände versammlung halten und nach erfolgter Eidesleistung die Versammlung für eröffnet erklären.
Aus Stadt und and.
Gießen, 25. Januar 1915.
25.
Deutschland steht gegen eine Welt von Feinden die es vernichten wollen. Es wird ihnen nicht gelingen, unsere herrlichen Truppen niederzuringen, aber sie wollen uns wie eine belagerte Festung aushungern. Auch das wird ihnen nicht glücken, denn wir haben genug Brot⸗ korn im Lande, um unsere Bevölkerung bis zur nächsten Ernte zu ernähren. Nur darf nicht vergeudet und die Brotfrucht nicht an das Vieh verfüttert werden.
Haltet darum Haus mit dem Brot, damit die Hoff⸗ nungen unserer Feinde zuschanden werden.
Seid ehrerbietig gegen das tägliche Brot, dann werdet ihr es immer haben, mag der Krieg noch so lange dauern. Erzieht dazu auch eure Kinder. 5
Verachtet kein Stück Brot, weil es nicht mehr frisch ist. idet kein Stück Brot mehr ab, als ihr essen wollt. Denkt immer an unsere Soldaten im Felde, die oft auf vorgeschobenen Posten glücklich wären, wenn sie das Brot hätten, das ihr verschwendet. 5
Eßt Kriegsbrot: es ift durch den Buchstaben K kenntlich. Es sättigt und nährt ebensogut wie anderes. Wenn alle es essen, brauchen wir nicht in Sorge zu sein, ob wir inmgerz barteffel erst schält und d locht det
e e und dann vergeude viel. Kocht darum die Kartoffeln in der Schale, ihr spart dadurch. a 1
Abfälle von Kartoffeln, Fleisch. Gemüse, die ihr nicht verwerten könnt, werft nicht fort, sondern sammelt sie als Futter für das Vieh, sie werden gern von den Landwirten geholt werden.
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* Der Dank der Ostpreußen. Dem Oberbürger⸗ meister ist unterm 20. Januar folgendes Dankschreiben zugegangen:
Sehr geehrter Herr Kollege! 5
Herzlichsten Dank für die mit Ihrem gefälligen Schreiben vom
13. ds. Mts. gütigst überwiesene weitere schöne Spende von 1000 Mark für die kriegs notleidenden Ostpreußen! g
Ich darf bitten, allen hochherzigen Gebern in geeigneter Weise
hiervon Mitteilung zu machen.
Mit kollegialem Gruß Dr. Körte, Oberbürgermeister.
* Postdienst an Kaisersgeburtstag. Am 27. Ja⸗ mar findet eine einmalige Brief⸗, Paket⸗ und Geldbestellung statt. Die Postschalter sind von 8—9 Uhr vormittags und von 11 Uhr vormittags bis 1¼ Uhr nachmittags geöffnet.
Stadttheater. Zur Erstaufführung von Heinrich Lees Schauspiel aus dem Befreiungsjahre 1818,„Grüne Ostern“, im morgigen Dienstag⸗Abonnement sei aus einer Besprechung der „Post“ über die Berliner Erstaufführung folgendes angeführt: „Unter den Stücken, die dem Sinn unserer Zeit entsprechen, wirkt Heinrich Lees fünsaktiges Schauspiel„Grüne Ostern“ als eines der erfreulichsten. Es hat nicht nur den erwünschten patriotischen Rhythmus, sondern es befriedigt auch als künstlerische Leistung. Seine Stärke ruht in den Genrebildern und in den gut geschauten Typen, die stets wirken. Die anheimelnde Stimmung bleibt das ganze Stück hindurch und schwillt am Schlusse zu der gewaltigen vaterländischen Melodie an, die wir jetzt wieder recht verstehen.“
Die vereinigten Posaunenchöre von
Gießen und Umgegend brachten am Sonntag nach⸗
iellale
vergehen noch bis Räumungs-Verkaufes,
A SALOMON CIE.
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mittag den in der alten Klinik untergebrachten Verwundeten ein Ständchen und boten dadurch unseren Vaterlands— verteidigern eine angenehme Abwechselung. Außer den Ver— wundeten hatten sich vor der alten Klinit zahlreiche Zuhörer eingefunden, so daß die Liebigstraße ein sehr belebtes Bild bot, wie man es nur von der Gewerbeausstellung ßer kennt. Die einzelnen Darbietungen des aus ca. 50 Personen bestehenden Bläserchors verdienen Anerkennung, besonders wenn man berücksichtigt, daß es sich bei den Mitwirkenden meist um Dilettanten handelt. Den Reigen der Darbietungen eröffnete das Lutherlied„Ein feste Burg ist unser Gott“. Es folgten eine Anzahl sonstiger Choräle(„Lobe den Herrn, o meine Seele“,„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ und andere), die sämtlich sehr wirkungsvoll vorgetragen wurden! Besonderen Eindruck hinterließ auch das Nieder- ländische Dankgebet. Auch die vorgetragenen patriotischen Lieder„Deutschland, Deutschland über alles“ und„Heil dir im Siegerkranz“ paßten gut in den Rahmen des Ge⸗ botenen.
** Verwertung der Küchenabfälle. Wie wir hören, beabsichtigt die hiesige Stadtverwaltung, eine Ver— wertung der Küchenabfälle in aller Kürze vor⸗ zunehmen. Der Durchführung dieser Maßnahme stehen nicht geringe Schwierigkeiten entgegen. Sie wird namentlich ohne verständnisvolle, opferwillige Unterstützung un serer Hausfrauen kaum möglich sein. Wahrscheinlich wird zunächst in einem Stadtteil der Versuch gemacht werden.
** Unglücksfall. Bei der Glätte verunglückte am Freitag nachmittag ein Soldat beim Exerzieren. Er rutschte bei einer Wendung aus und brach das Bein. Er wurde ins
Lazarett geschafft. Landkreis Gießen.
( Burkhardsfelden, 24. Jan. Wie man schnell und gut die Wollsachen zu Teppichen fürs Rote Kreuz her⸗ stellt, schreibt man uns von hier: Das Hilfskomitee stellte zwei Schneider meister, welche in den Wohnungen die passenden Stoffe zu Teppichen aussuchten und in den Schul⸗ saal sandten. Hier waren die Schwestern und zwei Oberklassen von Schulmädchen anwesend, trennten die Stoffe auf und bügelten die Teile. Dann wurden die Stoffe nebst den dazu passenden Unterlagen in den Ort gesandt, wo innerhalb drei Tagen von den Jungfrauen 70 prächtige warme Tep⸗ piche hergestellt wurden. Bei dieser Sammlung ergaben sich weiter 20 Zentner Lumpen im Wert von 83 Mark, die zum Ankaufe für Strickwolle fürs Rote Kreuz dienen werden.
Weitershain, 25. Jan. Reichlich waren hier die Spenden an Wollsachen anläßlich der Reichs wollwoche. Ein ganzes Lager wurde in dem zurzeit leerstehenden Schulsaale der zweiten Klasse aufgestapelt. Frauen und Jungfrauen sind allabendlich damit beschäftigt, die einzelnen Stücke in Decken umzuarbeiten.— Der Gemeinderat bewilligte 200 Mk. für die Notleidenden in Ostpreußen, außerdem 5 Mk. für jeden von hier im Feld stehenden Familienvater.— Eine von der Ortsbehörde angeordnete Goldsammlung ergab den Be⸗ trag von über 3000 Mark. f
-m. Hungen, 24. Jan. Der Anregung, alte Wollsachen zur Anfertigung von Decken für unsere Truppen im Felde zu sammeln, wurde hier bereits Folge geleistet und durch Schulkinder eine Sammlung vorgenommen. Das Ergebnis waren zwei hoch beladene Wagen voll solcher Wollsachen.
Starkenburg und Rheinhessen.
m. Offenbach, 25. Jau. Um eine Zentrale für gegen ⸗ seitige Anregung und gemeinsame Arbeit zu schaffen, ist die Offenbacher Frauen-Kriegshilse gegründet worden, ein Zusammenschluß aller Frauen, die in der Kriegszeit ihre Arbeit
in den Dienst des Vaterlandes gestellt haben. 8 5 Hessen⸗Nassau. X. Hanau, 23. Jan. Die Altiengesellschast Hanauer
Kunstseidesabrit in Groß⸗Auheim bei Hanau schlägt der am 30. d. Mts. stattfinden en 5. ordentlichen Generalversammlung die gesetzliche Auflösung des Unternehmens vor. Die an- gestrebten Verkaufsverhandlungen sind trotz allen Mühen nicht zum Ziele gelangt und bei Kriegsausbruch vollständig abgebrochen worden. Der vorhandene Verlust von 1335027 Mk. hat sich er- höht. Im Jahre 1914 ist ein weiterer Verlust von 252 442 Mk. hinzugetreten, so daß sich der Gesamtverlust nunmehr auf 15 87 460 Mk. beläuft.
m. Kirchhain, 21. Jan. In der Sitzung der Stadt⸗ verordnetenversammlung vom 20. Januar, der ersten im neuen Jahre, gab vor Beginn der Sitzung Stadtverordnetenvorsteher Jung dem Wunsche Ausdruck, daß in diesem Jahre unserem Heere entscheidende Siege beschieden sein möchten und daß der Krieg bald durch einen dauernden und für uns ehrenvollen Frie⸗ den sein Ende finden möchte. Sodann wurde zur Tagesordnung eschritten. Die Vergütung für eine zunächst probeweise anzu⸗ steflende Handarbeitslehrerin wurde festgesetzt, die Vertretungs⸗ kosten für einen zur Fahne einberufenen Lehrer der Rektorat⸗ schule bewilligt und die Vergütung für eine Aushilfe im Elek⸗ trizitätswerk bestimmt. An Schulgeld der Rektoratschule sollen die gleichen Sätze wie im vorigen Jahre erhoben werden. Für die Unterbringung eines schwerhörigen Schülers in einer Anstalt wurden die nötigen Mittel bewilligt und der Abtretung kleinerer städtischen Flächen an Metzger Georg Ziegler, Gerichts- sekretär John und Schreinermeister Nau wurde zugestimmt. — Wegen bewiesener Tapferkeit bei einem Sturmangriff bei
welcher
zum Beginn unseres grossen für Giessen und die weiteste Umgebung eine Sensation bilden wird
Beginn am Freitag, den 29. januar
Reims wurde der Ersatzreservist Wilhelm Stöhr von hier mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet.— Herr Rechtsanwalt Langerfeld, der sich auf dem westlichen Kriegsschauplatz be⸗ findet, ist zum Leutnant d. L. I. Aufgebots befördert worden.
Gießener Strafkammer.
th. Gießen, 23. Jan. In der gestrigen Strafkammersitzung standen fünf An⸗ lagen zur Verhandlung an, von denen aber drei Sachen abgesetzt wurden. Von der Anklage der Körperverletzung 8 waren der Landwirt Wilh. K. II. und dessen Sohn aus Get⸗ 4 tenau vom Schöffengericht freigesprochen worden. Die l 1
Staatsanwaltschaft verfolgte hiergegen Berufung. Die Strafkammer stellte fest, daß der Verletzte den Streit be⸗ gonnen hat und mit einer Axt auf die Angeklagten ein⸗ gedrungen ist. Wenn diese nun zum Angriff übergingen, um dem Gegner die Axt zu entwinden, so war dies ihr gutes Recht. Es mußte darum auf Verwerfung der Berufung der Staatsanwaltschaft erkannt werden, wobei die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last fallen. Auf Einbruchsdiebstahl in wiederholtem Rückfall
lautete die Anklage gegen den 37 jährigen Tagelöhner Th. H. aus Nieder⸗Florstadt. Es handelte sich um die Entwendung von ca. 10 Pfund Wurst, die H. einem Metzgermeister mittels Einsteigens durch ein Fenster entwendet hat. Der Angeklagte, der wiederholt, darunter mehrere Male wegen Eigentums⸗ vergehen, vorbestraft ist, war im vollen Umfang geständig. Er erklärt, er sei verheiratet, Vater von vier Kindern und verdiene jetzt die Woche etwa 6 Mk. In seiner Familie 1— Not geherrscht, denn der Laib Brot koste 70 Pfg. Besonders die Kinder waren ganz entkräftet und so habe er für diese die Wurst genommen. Es war die Tat auch sehr leicht aus⸗ zuführen, indem das Fenster zu dem Raum, in welchem die Würste hingen, weit offen stand. Der Gerichtshof ließ Milde walten und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von fünf Tagen.
Ber mischtes. f
5 Hungerbrunnen. In den Tälern der Schwäbischen Alb gibt es eine Reihe von Bächen und Quellen, die ost jahrelang vollständig trocken sind, um dann anscheinend ohne sichtbaren Anlaß, ost monatelang große Wassermassen zu führen, die nicht selten sogar zu Ueberschwemmungen führen. Einen solchen rälselhasten„Hunger brunnen“ gibt es im Lonsinger Tal; dieser begann im Sommer dieses Jahres wieder zu fließen, nachdem er jahrelang versiegt war, und so hat sich plötzlich das bisher trockene Tal völlig verändert. Weitere Hungerbrunnen gibt es bei Aglishardt, bei Großenstingen, am Ulmer Felsen, im Oberamt Geislingen, bei Heuchlingen im Oungerbrunnental, den„Leeraus“ bei Königsbronn usw. Worauf dieses merkwürdige Verhalten der Hungerbrunnen beruht, dafür gibt der„Prometheus? eine eimleucktende Erklärung, die von Th. Maute stammt. Dieser Forscher nimmt eine eigentümliche Grottenbildung zur Erklärung au, bei der ein großer unterirdischer Wasserbehälter mit einer saugheberartigen Felsenspalte in Verbindung steht, deren unteres Ende die Quelle darstellt. Es kann eine Reihe von Jahren er orderlich sein, bis der große Wasserbehälter so hoch ge- füllt ist, daß sein Wasserspiegel in gleicher Höhe mit dem höchsten Punkte des Saughebers liegt; wenn dessen Knie mit Wasser gefüllt ist, beginnt das Wasser zu fließen und der Wasserbehälter leert sich so lange, bis sein Wasserspiegel soweit gesunken ist, daß er den unteren Ansatz des Heberrohres erreicht. Es tritt dann Lust in das Heberrohr und daher versiegt der Brunnen.
i Geschenk der Königin Elisabeth an Rumänien. Wie aus Bukarest berichtet wird, hat die Königin Elisabeth an den Ministerpräsidenten Bratianu folgenden Brief ge⸗ richtet:„Lieber Herr Ministerpräsident! Eine alte Ueberlieserung will, daß das Gedächtnis derer, die in die Ewige Stadt eingezogen sind, durch die Errichtung eines Brunnens verewigt werde. Dieser altüberlieserten Sitte gemäß will ich zur Heranleitung des Wassers in Curtea d' Arges beitragen, wo ich entschlossen bin, fortan einen großen Teil meiner Tage beim Grabe meines vielgeliebten Gatten zu verbringen. Zu diesem Zwecke halte ich zur Verfügung des Ministers des Innern die Summe von 300 000 Franken, die ich nach Maßgabe der Ausführung der Arbeiten bezahlen werde. Ich hoffe, daß durch diese wichtige Arbeit die Gesundheit der Unglisck⸗ lichen in Curtea d' Arges wirksam geschützt wird, und daß diese alte und schöne Residenz gedeihen und ihren Glanz von ehemals zurückerobern kann, da es mein einziger Wunsch ist, fortan die letzten Jahre meines Lebens der Tröstung der Leiden und dem Glück unseres lieben Vaterlandes zu widmen. Mit der Versicherung meiner aufrichtigen Zuneigung Königin Elisabeth.“
Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 26. Januar 19152 Wolkig, doch meist trocken, wechselnde Winde, Temperatur wenig geändert.
Wer mit dem Brote spart, erwirbt sich ein Verdienst vor dem Vaterland. 3
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