stehen In den anderen Abschnttten herrschte am 22. Januar
verhältnismäßige Ruhe, nur in einigen Gegenden dauerte
Geschütz⸗ und Gewehrfeuer fort. Deutsche Versuche, eine Teil⸗
ofsensive zu beginnen, wurden von unserem Feuer leicht 5 unterdrückt. In der Bukowina wird die Konzen⸗ 25 zentration bedeutender österreichisch-unga⸗ 25 n Streitkräfte an den Pässen immer N stär ker. Am 21. Januar griffen feindliche Truppen etwa 5 in der Stärke einer Infanteriedivision mit Artillerie unsere Front in der 2 von Kirlibaba an, wurden aber zurück⸗ geschlagen. Am Morgen des 22. behaupteten unsere Truppen 8— Stellungen noch. Wir machten in diesem Kampfe 200 Ge⸗ * a
ene. In den Karpathenpässen herrscht heftiger 1 Schneesturm.
2 Petersburg, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Mittei⸗ 8 lung aus dem Stabe der Kaukasusarmee: In der
7 755 jenseits des Tschoro setzen unsere Truppen den er⸗ bitterten Kampf gegen die Türken fort, die in gut verstärk⸗ 1 ten Stellungen stehen. Auf den anderen Fronten keine erheb— lichen Zusammenstöße, nur das übliche Feuergefecht.
. Angebliche russische Angriffspläne. . London, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korre— spondent des„Daily Telegraph“, Granville Fortescu, 5 telegraphiert aus Warschau: Vor Ablauf eines Monats beginnt die neue russische Offensive. Der Charakter * der Kriegführung wird besonders auf die Zusammensetzung 2 der rufssschen Armee Bedacht nehmen. Es wird kein Kampf in Laufgräben sein. Der Plan sieht eine gigantische Art des sammenwirkens der verschiedenen Truppenarten vor, wo⸗ ei namentlich die Lavallerie zur Geltung kommen soll. Das Land, über das die Kavallerie bei der neuen Offensive verteilt werden wird, wäre wenig geeignet für europäische Reiter; die russischen Kavallerieofftziere aber versichern, es sei gerade so, wie sie es am liebsten hätten. Der Plan des 99 ist, den Feind an der bisherigen Schlacht⸗ linie festzuhalten und möglichst viele Truppen für Vorstöße in dazu ausgewählten Gebieten freizubekommen. Während große Kavalleriemassen die Offensive beginnen, werden sich die Armeen hinter ihnen gruppieren. Der neue Plan sieht Phperationen vor, die mindestens sechs Monate dauern wer— den, aber die Zeit spielt keine Rolle, die Hauptsache ist, daß die Russen einen Plan haben, was seit der feindlichen Weich⸗
sel⸗Kampagne nicht der Fall war.
(Wir glauben, daß diese angebliche russische Offensive nur müßiges Gerede ist. Kavallerieangriffe großen Umfangs sind, das weiß ja auch allmählich der Laie, heutzutage ein Unding. D. Red.)
***
„ Der amtliche türkische Bericht. 0(WTB.) Konstantinopel, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Russische Torpedoboote dringen, wenn sie Gelegenheit finden, in offene und unver— teidigte Häfen des Schwarzen Meeres ein, bombardieren Priwatgebäude und bohren Fischerbartken in den Grund. Solchem ungesetzlichen Tun haben sie am 20. Januar eine neue Heldentat hinzugefügt, indem sie in der Nähe von Atina an Schwarzen Meere eine Fischerbarke aufbrachten und zwei junge Fischer, die sich darauf befanden, fortführten. Nach einer weiteren amtlichen Mitteilung haben die englischen KHriegsschiffe entgegen dem Völkerrecht und den Regeln der Menschlichkeit begonnen, gegen den Küstenstrich von Hedschas vorzugehen. Am 12. Januar versuchte ein Kreuzer aus Schaluppen im Hafen von Habia(2) in der Nähe von Dschida Truppen auszuschiffen. Als die Küstenwache Wider- stand leistete, bombardierte er diesen Hafen und entfernte sich dann in der Richtung auf Dahkiam(2). Die Angehörigen seindticher Länder in der Türtei. 8. Konstantinopel, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Pforte hat den Angehörigen der mit ihr im Kriege befind⸗ li Staaten in weiterem Umfange als die anderen Mächte die Abreise aus dem osmanischen Reich gestattet. Von dem System der Konzentrationslager ist abgesehen worden. Nur in ein⸗ zelnen Fällen wurden Angehörige feindlicher Staaten zum Auf⸗ enthalt an einem bestimmten Ort im Innern des Reiches ver⸗ pflichtet. Rücksicht hat die Pforte den russischen Juden be⸗ zeigt. Sie hat mit dem hiesigen russischen Oberrabbiner eine Ver⸗ einbarung getroffen, durch die den russischen Juden gegen Zahlung einer mäßigen Abgabe der Eintritt in den türkischen Staatsverband bhne weiteres ermöglicht wird. Juden, die Russen bleiben wollen, konnen natürlich nicht anders behandelt werden als die christlichen RNussen, die ausgewiesen worden sind. Das Verhalten der tür⸗ kischen Regierung gegen die Angehörigen der feindlichen Länder ist auch von den Vertretern der neutralen Diplomatie als einwand⸗ frei und als human gegenüber den Einzelheiten des russischen Ver⸗ fahrens anerkannt worden.
5 . .
8*
1 Der französische Tagesbericht. 3(WTB.) Paris, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 3 Uhr nachmittags. Die Tätigkeit unserer In⸗ * terie war auf beinahe der ganzen Front der Ausbesserung deer durch das sehr schlechte Wetter der Vortage an unseren Schanzarbeiten angerichteten Schäden gewidmet. Im Gebiete von Lombardzyde rückten wir etwa 100 Meter vor. In den Abschnitten pern, Arras, Albert, Roye und Soissons Ar⸗ tilleriekämpfe. Wir hatten an mehreren Stellen Vorteile. Berry-au⸗Bac wurde von den Deutschen heftig beschossen. Nordwestli eguséjour unternahm der Feind einen An— Nordwestlich Beauséjo hm der Feind ei 1 00 welcher abgewiesen wurde. In den Argonnen miß⸗ langen deutsche Angriffe auf Fontaine Madame, wie gestern .. wurde, vollständig. Ein feindlicher Angriff auf 1 t. Hubert gab Anlaß zu einem Infanteriekampf, der noch nicht beendet ist. An der Maas zwang unser Artilleriefeuer den Feind, ein Munitionslager zu räumen und beschäbdigte schwer seine Laufbrücken. Vor St. Mihiel und im Elsaß dauert der Artilleriekampf um den Hartmannsweiler Kopf sort. Im Walde ist man aneinander, die Aktion dauert un⸗ unterbrochen. Bei Sennheim wurde die Höhe 425 vom Feinde erfolglos angegriffen. Weiter südlich rückten wir in der Rich⸗ tung Klein⸗Kallberg nördlich der Aspachbrücke vor.
(WB.) Paris, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 11 Uhr abends. In den Argonnen dauerte der Kampf um Fontaine Madame und St. Hubert die ganze Nacht * rch an. Alle Versuche des Feindes wurden abgewiesen. 5 e früh begann der Kampf von neun, Ueber die heutigen
perationen an dieser Stelle liegen loch keine Nachrichten vor, ebensowenig über den heute fortgesetzten Kampf ane Hartmannsweiler Kopf.
Verstärkung des französischen Heeres durch Senegaltruppen?
Paris, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Blättermel⸗ dungen zufolge ließ Millerand vom Präsidenten Poin⸗
2
E.
schützen in Marokko entsprechend den Ergebnissen der Aushebung festzusetzen. In dem Bericht, welcher das Dekret begründet, hebt Millerand hervor, Französisch⸗Westafrika könne eine Menge Senegalschützen stellen, die in Marokko auszubilden seien, wo sie sich am besten an das europäische
In der günstigen Jahreszeit könnten die Truppen dann nach Europa gesandt werden. Die endgültige Ausbildung und die Formierung der Bataillone zu Linienregimentern sei in Frankreich in kurzer Zeit durchzuführen.
Neue Verstärkungen der Engländer?
Berlin, 25. Jan. Nach übereinstimmenden Mitteilungen verschiedener Berliner Morgenblätter erhält der„Nieuwe Rotter damsche Courant“ von seinem Berichterstatter aus Le Havre zen— surierte Mitteilungen über starke englische Truppen, die in der letzten Zeit in französischen Häfen gelandet seien. In einem einzigen Hafen trafen angeblich während 24 Stun⸗ den 28 Schiffe ein. In wenigen Tagen seien auf diese Weise meh⸗ rere Hunterttausend Mann in Frankreich gelandet worden.
Die Staatseinnahmen Frankreichs.
Kopenhagen, 23. Jan. WTB. Nichtamtlich.)„Ber⸗ lingske Tidende“ meldet aus Peris: Ein französischer amtlicher Bericht weist eine starke Ab nahe aller Staatsein na hmen sowie den Niedergang des Geschäftslebens nach. Gegenüber 1913 haben die Zolleingänge um 176 769 000 Frs., die Stempelabgaben um 43 679 500 Frs., die Registriekgebühren um 218 660 000 Frs., die indirekten Steuern um 151 252 000 Frs., die Posteinnahmen um 33 998 000 Frs., die Telephoneinnahmen um 12 413 200 rs. die Erträge aus der Zuckersteuer um 31 400 000 Frs. und die Einnahmen aus der Salzsteuer um 1522000 Frs. abgenommen. Insgesamt beträgt der Einnahmeausfall 658 Millionen.
Paris, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Temps“ veröffentlicht die Finanzverwaltung eine Uebersicht über das Steuererträgnis 1914. Die indirekten Steuern weisen gegenüber dem Budgetvoranschlag einen Ausfall von 108 689 000 Millionen Franks auf. Die indirekten Steuern und Monopole ergaben 3 224 166 900 Franks gegen⸗ über dem 1 3 664 934690 Franks. Der Fehlbetrag gegenüber dem Budgetvoranschlag beträgt 640 767 790 Franks gegenüber 657 933 100 Franks im Jahre 1913.
Aus Australien.
Melbourne, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Hauptstadt der Vereinig⸗ ten Staaten von Australien ist von Melbourne nach Sydney verlegt worden. Die Verl ung verfolgt den Zweck, die Regierung mit den Erfordernissen aller Staaten Australiens vertraut zu machen; sie ist nur vorüber⸗ gehend.
Kriegsbriefe aus dem Often.
Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.)
Mlawa. Mlawa, den 18. Jauuar 1915.
„Napierken liegt hinter mir. Die Bergreihe, die vor drei Wochen die Russen hielten, wird von unserem Auto schnell be⸗ fahren, der Wind bläst stärker über das flache, trostlose Land. Kuklin— halb zerschossen, dreckig, mit niedrigen Holzhäusern— guscht porüber, Uniszki Zawadzkie wird erreicht, ein schlechter Wald liegt jetzt zu beiden Seiten der Straße, die, breit und ver⸗ hältnismäßig gut gehalten, durch den Forst zieht. Polnische Ar⸗ beiter unter Aufsicht von deutschen Posten fällen kleine, zerpauste und verkrüppelte Kiefern für die Zwecke der Heeres verwaltung. Das Waldstück ist nicht breit, schon kauchen zwei schöne, blauweiße Türme auf, Häuserreihen heben sicha us dem schmutzigen, schmelzen⸗ den Schnee der Felder: Mlawa, i 5 Wie so viele dieser polnischen Städtchen, wie Wilkowischki, wie Suwalki sieht das Fernbild lockend und schön auf den An⸗ kommenden. Die Kirchen und die paar Regierungshäuser ver⸗ sprechen mehr aus der Ferne als die Nähe nachher halten kann, oder wie unser liebenswürdiger militärischer Führer, für dies⸗ mal Leutnant B. es kurz und militärisch knapp charakterisierte: „Sie denken, es ist eine Stadt, aber es ist eine Mistfinkenhöhle“
2 schlimm war Mlawa nun nicht. Es steht ja auch seit
dem 22. Dez wieder unter deutscher Verwaltung. Die Straßen, durch die wir zum Stab des Oberbefehlshabers der in Mlawa liegenden Truppen fuhren, waren auffallend sauber und ordentlich. Der Marktplatz wimmelte von Menschen, überall an den Türen stand die jldische Bevölkerung und sah auf die fremden Autos mit der Flagge des Armee-Oberkommandos. An den kleinen Ver⸗ kaufstischen, die in den Hausfluren oder auch direkt auf der Straße standen, drängten sich die Soldaten, Tee zu trinken oder Backware zu kaufen. Wir hatten noch nicht Zeit, Studien zu machen, da wir uns zunächst beim Stab melden mußten. 5 Der Chef des Stabes, Oberstleutnant W., empfing uns mit sehr großer Liebenswürdigkeit und versprach, daß man uns alles zeigen wolle, was sich irgend mit den militärischen Interessen vereinigen ließe. Es wäre ja auch hier nicht viel Bewegung. Immerhin, die Kavallerie nimmt eine gewaltsame Erkundung bis zur Weichsel vor und man weiß nicht, was sich daraus entwickelt. „Unsere Hauptstellungen werden Sie morgen sehen und lleberzeugung kommen, daß wir Mlawa, das wir zum fünften Male haben, jetzt vermutlich für die Dauer des Krieges behalten werden. Mindestens.“ Der Oberstleutnant sprach dann von dem Rückzug am 15. De⸗ zember, der in den russischen Zeitungen und natürli auch in den Organen der Dreiverbandspresse als großer russischer Erfolg gegen die deutsche Mlava⸗Armee hingestellt wurde. Die Russen meldeten vor allem, daß ihnen große Mengen Kriegsmaterial, edikamente, Lebensmittel üsw. in die Hände gefallen wären. Wir haben tatsächlich nichts verloren! Zwei Eisenbahnwagen mit Brot entgleisten und waren nicht schnell genug fortzubringen. Darauf wurden den vorbeimarschierenden Truppen die Vorräte freigegeben. Die Mannschaften nahmen sich natürlich ordentliche Rationen mit auf den Marsch, so daß die Wagen in kürzester Zeit geleert waren, und die ganze Beute der Russen z wei leere Eisenbahnwagen bildeten, dazu noch ein paar hundert Spaten, die in einem Keller vergessen worden waren. So sah die Siegesbeute der Russen in Wirklichkeit aus! Ihre Freude, Mlawa wieder zu besitzen, dauerte ja dann auch nur sechs Tage und die hier eingesetzten deutschen Truppen hatten die Russen veranlaßt, ihrer Front in Südpolen beträchtliche Kräfte zu entziehen, um sie gegen Mlawa— ohne jeden dauernden Nutzen einzusetzen. 5 5 5
Inzwischen sind unsere Truppen ja weit über Mlawa vor- geschoben worden. An der Hand ausgezeichneter Karten, zu denen man die russischen, die man nach unserer deutschen Auffassung verbessert und verändert hatte, als Grundlagen benutzt hatte. zeigte uns der Oberstleutnant unsere 5 175 Positionen und orientierte uns über das Gelände. Gleichzeitig stellte er jedem von uns fünf Berichterstattern eine Karte zur Verfügung.„Ge⸗ neral Suren wird sich freuen, sie nachher zum Frühstück be⸗ grüßen zu können.“ Unser Antrittsbesuch war beendet.
Wir gingen in die mit aufmerksamster Fürsorge vorbereiteten Quartiere. Der Ortskommandant hatte in einem der großen, recht städtisch aussehenden Häuser am Markt drei Schlafräume und einen Wohnraum für uns belegt und zwar bei dem Hausbesitzer selbst, der Firma Frank und Pissitz. Die sechs Söhne des Hauses in langen schwarzen Röcken standen da, die kleinen schwarzen Seiden
u der
bar ein Dekret unterzeichnen, welches den Kriegsminister ermächtigt, die Zahl der Bataillone der Senegal⸗
kappen— ähnlich in der Form wie manche unserer Studenten⸗ mützen, aber mit Schirm Gis demselben Stosi— in der Hand
Klima und an die europäische Kriegsweise gewöhnen könnten.
Herr Frank und Pissit nebst Frau begrüßte uns freundlich. Sie versicherten uns sofort: 1. 8 „Hat gewohnt in diese Quartiere n Ae feiner Herr, a nobler Herr! Hat er gesagt, daß die Quartiere seien aus⸗ gezeichnet. Werden Sie sagen dasselbe.“ 5
Die Familie Frank und Pissitz— 1 nie herausbe⸗ ommen, wie sie einzeln hieß— zog sich zurück, und wir richteten uns ein, wobei un ern bete daß wir in der Tat fürstlich unter⸗ gebracht waren. Die mächtigen russischen Oefen mit den mauer⸗ steingroßen Kacheln und dem vorzüglichen Verschluß pusteten Wärme, wir konnten uns für Mlawa„vorbereiten“,
Unten an der Ecke, an der wir auf den Stadtkommandanten, der uns ein waar Baulichkeiten zeigen wollte, warteten, las ich den Grund der auffallenden Sauberkeit der Straßen. war ein Kommandanturbefehl des preußischen Ortskommandanten an⸗ geschlagen. Ich möchte den ganzen Anschlag hier wörtlich wieder⸗ geben, weil er deutlicher als alles andere zeigt, mit welchen Sorgen und Fragen die deutsche Verwaltung in von uns besenler Teilen Polens zu en hat: Beschl.
mmandantur⸗Be
1. Sämtliche Geschäfte sind auch am Sabbath offen zu halten. Wer diesem Befehl nicht nachkommt, wird verhaftet.
2. Der Ausschank und das Feilhalten von Spirituosen, wozu auch Grog und mit Rum oder Kognak vermischter Tee gehört, ist verboten. Nur der Ausschank von Bier und Wein ist ge⸗ stattet. Jede Uebertretung wird mit einer Geldstrafe von 50 Mk, im Wiederholungsfalle von 100 Mk. und mit Haft bestraft.
3. Der Kauf und der Verkauf von Pferden auf russischem Gebiet ist verboten. Bei Uebertretung dieses Verbotes werden Käufer und Verkäufer mit einer Geldstrafe von je 50 Mk., im Wiederholungsfalle von je 100 Mk. belegt. Außerdem werden die Pferde beschlagnahmt. Militärpersonen dürfen Pferde nur durch Vermittlung der tappenkommandatur abgekauft werden.
3304, Die Haus- und Hosbesitzer der Stadt haben die Hauser und Höse sowie die an ihren Häusern vorbefführenden Wer und Straßen einschl. der Rinnsteine bis zur Mitte der Straße ständig zu reinigen. Ebenso sind die Aborte rein zu halten und
täglich mit Kalkmilch zu begießen. Wer diesem Befehle nicht nach⸗ kommt, wird mit einer Geldstrafe von 10 Mi., im Wiederholungs⸗ falle von 20 Mark und mit Haft bestraft.
Königlich Preußische Etappen⸗Kommandantur. B.... Hauptmann und Etappen⸗Kommandant.
Wirklich der Befehl und die energischen Verfuche, ihm Gel zu verschaffen, hat Gaui bewirkt. Aber mit Schaudern el ich fest, daß die letzten zwei Satze, wenn man ihre Durchführung tatsächlich erzwingen wollte, Mlawa zur ärmsten Stadt Polens machen würde. Auch ein preußischer Ortskommandant kann hier keine Wandlung. schaffen! Immerhin hatten mich die Erfahrungen von andern Teilen Nordpolens her früher schon abgehärtet, das Judenbad von Mlawa ließ selbst die größte Abhärtung in diesen Dingen zu schanden werden.
„ deutsche Besatzung hat das Badehaus, das die Russen in einem unbeschreiblichen Zustand hinterlassen hatten, wieder in Ord⸗ nung gebracht. Es war die berühmte Herkules⸗Arbeit, die geleistet wurde. Ursprünglich waren die Einrichtungen gut, nur müssen sie jahrelang verwahrlost worden sein. Die Zellen sind gekachelt, die Wannen für die erste Klasse tief in die Erde gelassen mit schönem breitgemauertem Rand. Jetzt sieht das O fers und Mann⸗ schaftsbad recht erträglich aus. Als ich die Räume sah, wurden sie eifrig benutzt und mehr als zwanzig Grenadiere warteten auf das Freiwerden einer Zelle— die Wohltat dieser Einrichtung kann man nur richtig beurteilen, wemi man einige Zeit in den polnischen Dörfern gelegt hat. Ein Offtzier, der eben t hatte, meinte, daß es noch was Schöneres überhaupt nicht gäbe. Jedenfalls könne er es sich nicht vorstellen
Wir gingen in den anderen Teil des Hauses, den man den Juden gelassen hat. In einem großen Bassin schillerte eine schwarze Flüssigkeit.„Das ist ihr sser,“ sagt der Landwehrmann, der den Raum bewachte. Da steigen Dienstags und e 200 Personen, so viel nur hineingehen, hinab und baden. Sie den⸗ ken gar nicht daran, das Wasser zu erneuern.“
„Ta hinein?“ fragte ich.
Da hinein,“ sagte der Mann. 3 Ich verließ fluchtartig den Raum und noch am Abend durch⸗ hllosen Teestuben saßen 5 g. erwünschung im Scherze 1 Sie im Judenbad zu Mlawa!“ Es war ein sehr harter Scherz. Er fiel in der merkwürdigsten Umgebung. ür hatten beim Stah gegessen— General Suren empfing uns mit liebenswürdiger Ansprache—, waren durch die Stadt ge⸗ bummelt, vorhei an den vielen kleinen Laden und Lädelchen, den Ständen mit Brot, den Tischchen, auf denen der Samovar brodelte
und drei, vier Tassen oder Gläfer für den Vorübergehenden be⸗ reit standen, und nun nach zehn Uhr abends waren wir in ein Teehaus gegangen. Das klingt sehr verheißungsvoll, aber man muß alle Begriffe, die sich sonst mit dem Wort verbinden, über Bord werfen, wenn man die schmale, ausgetretene Stiege zu dem Mlawensischen Teehaus hinaufsteigt. Eine kleine, ursprüng⸗ lich weiße Fahne mit einer Ente darauf hängt über der Tür, die so niedrig ist, daß ich mich beim Eintreten beugen muß, ein dunk⸗ ler Flur, der bis zu dem Hof auf der Rückseite des Hauses führt eine Tür zur Rechten, die sich in eine niedrige Stube öffnet. Auf dem opalen Tisch brennt eine Kerze, ihr flackrichtes Licht geht über die dunkle Gestalt des Wirtes, der am Ofen lehnt und mit tiefer Verbeugung grüßt. Er ist Schuster.„Nix zu tun in dem
Krieg“, sagt er. Seine klugen, braunen Augen taxieren uns ab. Zwei Töchter, blonde indische Schönheiten, fragen nach unserem Wünschen. Die Mutter setzt den Kessel auf den niedrigen Herd, den 3— 6 1 2 offene ee 1 50 Mensch 1
nist erstaunlich, wie ruhig und klug diese Menschen sprechen.
Nur einmal muß ich lachen, als der Jute mir erklärt, daß ja Deutsch große Aehnlichkeit mit dem Jiddischen habe.„Se sagen: ia mir sagen; gebuden, Se sagen Tee, mir sagen Nee Dann erzählt der Mann von dem Rückzug der Narew-⸗Armee nach der Schlacht von Tannenberg.„Mer haben gewußt, daß ist geschehen ein graußes Unglück. Sie sind gekommen durch Mlawa zehn Täg und zehm Nächt. Dam sind sie zurückgekom⸗ men wieder, einen Täg, eine Nächt und noch einen halben Täg. Haben mer gewußt, daß ist esc en das Unglück. Hat uns keiner gebraucht zu sagen. esind gekommen einzeln. einer hat gehabt ä Gewehr, der andere hat ge⸗ habt nix, der eine hat aufgehabt ä Hut, der andere ist gegangen mit a iiddische Kappen. Haben se nir gesagt und sind se gegangen weiter. Müde sind se gewesen, sehr müde, meine gute Herr. Dann am anderen Tag waren da die preußischen Husars.“
Ich sah das Bild der geschlagenen, vernichteten Armee, es stand riesengroß vor mir in dem Dunst der kleinen Stube und die tiefliegenden Augen des armen jüdischen Schusters funkelten wie in Genugtuung. 85 ging auf die 1 Gasse. Sie lag in undurchdringlicher Finsternis. Fern vom Marktplatz her, auf den sie führte, leuchtete das matte rote Licht vor dem Hause der Etappe. Ich ging in die Dunkelheit hinein nach der anderen Richtung. Da horchte ich auf, Kanonendonner. Und mit einem Male wurde der Himmel hell. Eine weiße Strahlengarbe huschte sern über die grauen Vorhänge. Ein russischer Scheinwerfer. Der Kanonendonner war jetzt deutlich und stark, das Schein⸗ werferlicht überflackerte unruhig den Horizont. Die Russen hatten unsere Kavallerieerkundung aufgehalten. Sicher. Draußen in der fernen grauen Ebene begann das Gefecht. ging weiter und weiter und plötzlich fand ich die Richtung nicht mehr. Meine Taschenlaterne nutzte nicht viel. Hinter einem der Fensterladen schimmerte Licht. Ich klopfte an.„Mer schlase schon.“„Ich will Tee,“ sagte ich, da bine ch bee n junges Mädel das Fenster.„Wo komme ich hier hin?“ fragte ich und 2 1 N 1 27 3 125 n Sie 1 den Kopf:„Da e 5 r.„mein guter Herr..
dengen Erd ac mach dung das gepirre ber Caen pu
Langsam mi. Gewirre der Gassen zurü „Das ist die Straße nach Warschau, mein guter Herr...“ 1
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
—*
schauerte es mich, als wir in einer der und ein Kollege mir als gräßlichste zurief:„Baden sollen
—— 4


