Ausgabe 
(22.1.1915) 18. Erstes Blatt
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Aus dem Reiche. Scheidemanns Neujahrsgruß. Die Leipziger Volkszeitung schreibt:Genosse Philipp Scheide⸗ mann, Mitglied des Parteivorstandes, hatte an seine Solinger Wähler einen tiefgefühlten Neujahrsgruß gesandt, den dieBergische Arbeiterstimme auch prompt veröffentlichte. Im Inseratenteile stand der Gruß, neben den Glückwünschen der Bäcker, Fleischer und Gastwirte an ihre Kunden. Die Solinger Wähler sind ihrem Abgeordneten aber gar nicht dafür dankbar. Kürzlich waren die dortigen Parteigenossen zu einer Versammlung zusammen, und da wurde an dem Insergt Scheidemanns eine lebhafte Kritik geübt. 5 Redner äußerten sich zu der Sache, aber nur einer versuchte, ihn zu verteidigen; dieser eine meinte, Scheidemann werde so etwas gewiß nicht wieder tun. Es wurde gewünscht, daß Scheidemann in einer Parteiversammlung das Inserat doch einmal näher er läutern sollte. g 5 g

Wenn man weiß, daß Reichstagsabgeordueter Dittmann, ein intimer Freund Liebknechts und der Rosa Luxemburg, Chef- redakteur der. Arbeiterstimme ist, so kann man ver- stehen, daß Herrn Scheidemann nur der Inseratenteil des sozial⸗ demokratischen Blattes in Solingen zur Verfügung stand, wenn er seine Wähler zumAusharren bis zum Siege Deutschlands er⸗ muntern wollte. Hier ist sicher der alte Spruch angebracht:Das läßt tief blicken.. 0

Die Leipziger Frühjahrsmesse.

l 1 21. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Als ein Be weis für die Kraft und Stärke des Wirtschaftslebens in Deutschland ist der kürzlich vom Rat der Stadt Leipzig im Einvernehmen mit den Aussteller- und Einkäuferkreisen gefaßte Beschluß anzusehen, die Leipziger Frühjahrs- messe in den Tagen vom 1. bis 15. März abzu⸗ halten. Die an dem Messeverkehr beteiligten Geschäfts

treise werden nach den Versicherungen ihrer Fachverbände wie in Friedenszeiten durch zah

reiche Aussteller vertreten sein und ebenso ist auf das Erscheinen zahlreicher Einkäufer nicht nur aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn, sondern auch aus den neutralen Ländern Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, den Vereinigten Staaäten von Nordamerika, Italien usw. mit Bestimmtheit zu rechnen. In Leipzig selbst wird den Ausstel lern von den Messehausbesitzern und auch vom Rat der Stadt durch Ermäßigung des Mietzinses für die Ausstellungs räume um 50 Prozent in weitgehendstem Maße entgegen ekommen werden. Auch gelangen in den Hotels und Gast öfen die normalen Preise wie außerhalb der Messezeit zur Anwendung.

Berlin, 21. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen

Bundesratssitzung gelangten zur Annahme: Der Ent⸗ wurf der Bekanntmachung betreffend vorübergehende Abgaben freiheit für Salz, eine Aenderung der Salzabgabenbefreiungs ordnung und die Ausführungsbestimmungen betreffend das Ge setz über die Erhebung einer Abgabe von Salz; der Entwurf einer Verordnung über eine Aenderung der Bekanntmachung über das Verfüttern von Brotgetreide, Mehl und Brot vom 5. Januar 1915; der Entwurf einer Verordnung über eine Aen derung des Gesetzes betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1914, der Entwurf eines Beschlusses über die Sicherstellung des Hafer bedarfs der Hceresverwaltung; der Entwurf einer Bekannt- machung wegen vorübergehender Einfuhrerleichterungen für Fleisch usw.; die Vorlage betreffend Errichtung einer Untersuchungs stelle für ausländisches Fleisch in Saßnitz; der Entwurf eines Besoldungs⸗ und Pensionsctats der Reichsbankbeamten mit Aus nahme der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums für 1915; der Entwurf einer Bekanntmachung über die Geltendmachung von Ansprüchen von Personen, die im Auslande ihren Wohnsitz haben, und der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Fristen des Wechsel⸗ und Scheckrechts für Elsaß⸗Lothringen, Ost⸗ preußen usw. Berlin, 21. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DerReichsan⸗ zeiger veröffentlicht eine Verordnung des Reichskanzlers, wo⸗ durch die Aus⸗ und Durchfuhr von elektrischen Glüh- lampen sowie deren Bestandteile verboten wurde. Ferner wird eine Bekanntmachung veröffentlicht, betreffend die Anrech nung des Kriegsdienstes auf die medizinische Ausbildungszeit.

Mannheim, 21. Jan.(Priv.⸗Tel.) Für die Hinden⸗ burgspende wurden nach derNeuen Bad. Landes ⸗Ztg. von Mannheimer öffentlichen Körperschaften, wie Stadtgenkeinde, Han⸗ delskammer und Rotes Kreuz 39 000 Mk. bewilligt. Durch Pri⸗ vatspenden wurden 39 500 Mk. von einem kleinen Kreis Mann- heimer Persönlichkeiten aufgebracht, so daß jetzt im ganzen die Hindenburgspende 78 500 Mk. beträgt. a

Aus Stadt und Cand.

Gießen, 22. Januar 1915. Die Fürsorge für Kriegs beschädigte.

8. Darmstadt, 22. Jan. Unter dem Vorsitz des Geh. Regierungsrates Dr. Dietz fand gestern im Sitzungssaale der Landesversicherungsanstalt in Darmstadt eine Bespre⸗ chung betr. die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten statt, zu der von seiten der Regierung die Ministerialräte e und Dr. Weber sowie Obermedizinalrat Dr. Balser vom Königl. Sanitätsamt Frankfurt, Generalarzt Dr. Lindemann vom 18. Armeekorps ent- sandt worden waren. Weiter waren vertreten u. a. Ober e Köhler-Worms, Oberbürgermeister Dr. Dullo⸗ Offenbach, Oberbürgermeister Keller-Gießen, Veig. Dr. Külp⸗ Mainz, Oberkonsistorialrat Nebel für das Rote Kreuz, Kommerzienrat Fröhlich für die Han⸗ delskammer, Oekonomierat Leithiger für die Landwirt- schaftskammer sowie Gewerberat Falk-Mainz für dieHand werkskammer, eine Reihe von Aerzten, Industriellen, auch eine Anzahl Damen.. Der Vorsitzende der Landesversicherungsanstalt Dr. Dietz begrüßte die Versammlung und machte sie mit dem Zweck der 1 belaunt, der darin bestand, einen Ausschuß zu wählen, der die Fürsorge unserer hessischen Kriegsbeschädigten baldigst in die Hand nimmt. Denn die Frage bedarf rascher Lösung, die Fürsorge muß schon mit Beginn der Heilung eintreten. Vielfach sind im Reiche schon Vorbereitungen getroffen, und die Kaiserin hat veranlaßt,

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daß die Friedenserfahrungen der Deutschen Fürsorge auch für die Kriegsbeschädigten bereit gehalten werden. Die Mili⸗ tärbehörden treten in entgegenkommenster Weise für die Heilung der Verkrüppelten ein, doch bleibt noch eine Haupt- aufgabe, diesoziale Fürsorge. Es muß ein möglichst hoher Grad der Erwerbsmöglichkeit geschaffen und vor allem den Beschädigten selbst der feste Wille dazu beigebracht werden. Die Leute sind möglichst ihrem Beruf zu er⸗ halten. Hierzu müssen Aerzte, Schwestern, die großen Arbeitgeber, wie Staat und Gemeinde und die Arbeitneh merverbände mithelfen. Die notwendige Ueberführung in andere Berufe müsse schon im Lazarett beginnen, und man hat z. B. in Wiesbaden mit Unterricht schon sehr gute Erfolge erzielt. Der zu bildende Ausschuß hat die Hauptaufgabe, die Fragebogen über die einzelnen Verwundeten entgegenzunehmen und dann durch Vermitt- lung der einzelnen Lokalausschüsse die Verhandlung mit den Militär- und anderen Behörden in die Wege zu leiten. Unter Kriegsbeschädigten sind nach der Ansicht des Redners 5 die infolge von Erkrankung Erwerbsunfähigen zu ver tehen.

In der Aussprache versprach Generalarzt Dr. Lin- demann⸗ Frankfurt das weitgehendste Entgegenkommen der Militärverwaltung, das aber der Mithilfe der Zivil behörde und der Bevölkerung nicht entbehren könne. An der Aussprache beteiligten sich noch Redakteur Knoblich Darmstadt, Medizinalrat Dr. Rebentisch-Offenbach, Tr. Dullo⸗Offenbach, Beig. Külp⸗Mainz sowie der Vor sitende. In den Ausschuß wurden gewählt: Geh. Reg.-Rat Dr. Dietz, Dr. Rebentisch, Oberkonsistorialrat Nebel, Generaloberarzt Dr. Grünert, Ober-Medizinalrat Dr. Balser, Falk⸗ Mainz, Fröhlich⸗Darmssad, Leithi ger-Darmstadt und die Oberbürgermeister der Städte Mainz, Darmstadt und Gießen.

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** Sicherstellung der Volksernährung während des Krieges. Die hessischen Han⸗ delskammern haben in ihrer Konferenz vom 19. Jan. 1915 folgende Erklärung einstimmig abgegeben:

Die hessischen Handelskammern geben der Ueberzeugung Aus- druct, daß, wenn auch genügende Mengen von Lebensmitteln in Deutschland vorhanden sind bezw. erzeugt werden können, um die Ernährung der Bevölkerung dauernd zu sichern, es zu diesem Zweck doch unbedingt notwendig ist, alle Maßnahmen zu treffen, um eine volle wirtschaftliche Ausnubung derselben herbeizuführen. Hierzu gehören weitere staatliche Anordnungen, wobei nötigen falls auch vor scharfen Eingriffen in die Privatwirtschaft nicht zurück uschrecken ist, ferner eine nachdrückliche und planmäßige Ein⸗ wirkung auf die möglichst reichliche Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte in richtiger Auswahl, endlich eine eingehende Auf- klärung der gesamten Bevölkerung über die sparsame und rich⸗ tige Gestaltung der Ernährung. Die Kammern erklären sich bereit. ihrerseits ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Sonderinteressen an der Erfüllung dieser Aufgaben, soweit sie dazu berufen und imstande sind, mitzuwirken.

Die Handelskammern haben gleichzeitig an das Mini sterium des Innern die Bitte gerichtet, wegen der Auf klärung der Bevölkerung eine Besprechung mit Vertre⸗ tern der beteiligten Kreise damit diese Auf⸗ klärung überall planmäßig und nachdrücklich geschieht.

, Die Sammlungen für die Reichswoll⸗ woche werden morgen Samstag, den 23. Januar, be⸗ ginnen. In einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in vorliegender Nummer werden die zu diesem Zwecke vor genommene Bezirkseinteilung sowie die Abholungszeiten für die Spenden bekanntgegeben. Das Einholen derselben hat die Jugendwehr übernommen.

Ueber Niedergang und Aufstieg im Leben der deutschen Sprache sprach gestern abend im Allgemeinen deutschen Sprachverein Geh. Rat Prof. Dr. Behaghel. Wie für so viele Erscheinungen des täglichenfLebens und der Entwicklung habe man, so sahrte der Redner aus, auch für die Geschichte der deutschen Sprache früher ein goldenes Zeitalter angenommen, in dem alles besser und schöner gewesen sei. Die fortschreitende Naturwissenschast hat in dieser Auffassung einen Wandel geschaffen, indem sie zuerst die Tatsache erwiesen hat, daß es früher genau so gewesen ist, wie heute, daß die Gegenwart die Lehrmeisterin für die Vergangenheit ist, daß das Zweckmäßige das Unzweckmäßige Zweckstrebigkeit das Wesen der Entwicklung sei. In diesem Sinne ist der Gegensatz zwischen alter und neuer Zeit nicht so groß ge wesen, wie man gemeinhin annimmt. Der Vortragende ging als dann den Gesetzen und Wegen nach, an die sich das Werden unserer Sprache im Emzelnen gehalten hat, dem Verblassen der sinnlichen Bedeutung der Wortbildungen zu gunsten der gedanklichen Beweg lichkeit der Sprache und der Entwicklungsmöglichkeitreligiöser und sitt- licher Anschauungen; er untersuchte sodann die Momente, die sür die Umformung der volltönenden, vokalreichen Sprache unserer Vorfahren in die beweglichere, tonlosere unserer heutigen Zeit maßgebend ge wesen sind, die Vorzüge der Wortzusammensetzungen, die letztere uns er laubt, die allmählichen Verschiebungen in Gebrauch und Bedeutung der Fälle, der Zeitkonstruktionen sowie der Wortableitungen, der Mehrheitsbegriffe usw., das vollkommene Verschwinden einzelnes Wortbildungen aus dem Sprachgebrauch. Alsdann bewies der Red ner unsere Pflicht zur Bekämpfung des in gottlob großenteils vergangener Schwäche des Volksbewußtseins liegenden Fremd- wörterunwesens. Schon die Tatsache, daß der Mann aus dem Volke so oft am Fremdworte scheitere, und daß ihm so die Freude an der Sprache als dem Verständigungsmittel mit den Volksgenos sen genommen und vergällt werde, lasse es als patriotische Pflicht erscheinen, wie im Tun und Denken, so auch im Sprechen deutsch zu sein. Die Versammlung dankte dem Redner durch herz lichen Beifall.

* Wohltätigkeitskonzert. Das von den Ge⸗ sangvereinen Bürgergesellschaft, Gemütlich keit, Harmonie, Heiterkeit, Liederkranz und Maschinenbauer, denen sich noch eine Anzahlfrei williger Sänger zugesellt haben, mit Unterstützung der kriegsfreiwilligen Musikkapelle in Aussicht genommene Wohltätigkeitskonzert findet nunmehr endgültig am Sonntag, den 7. Februar, in der großen Aula der Universität statt. Die sorgfältig zusammengestellte Vortrags folge enthält auch eine, den heutigen Zeitumständen Rech

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nung tragende Ansprache, die in liebenswürdiger Weise Herr Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Eck übernehmen wird. Zum Vortrag kommen u. a. auch die prächtigen altnieber⸗ ländischen Volkslieder des kürzlich verstorbenen Kompo- nisten Kremser, in denen so recht die Stimmung un⸗ seres Volkes zur jetzigen Kriegslage einen mächtigen und ergreifenden Ausdruck findet. Die in dieser Sammlung enthaltenen Einzellieder werden von hiesigen geschätzten Kräften gesungen werden. Die nächste Gesamtprobe zu den Massenchören ist morgen Samstag abend 9 Uhr im Saale des Felsenkellers(s. Anzeigenteil).

Eine Annahme von Feldpaketen findet in diesem Monat nicht statt. 5

Warnung. Ohne irgendwelchen Auftrag und ohne Genehmigung sammelt eine unbekannte Frauensperson in der Stadt Geldbeträge angeblich für Liebesgaben. Da es sich offenbar um ein betrügerisches Unternehmen handelt, wird von der Polizei hiermit gewarnt. ö

g Kreis Alsfeld.

(X) Alsfeld, 20. Jan. Der Stadtvorstand zu Alsfeld, dem das Präsentationsrecht für die hiesige 2. Pfarrstelle zusteht, hat Pfarrer Christoph Möbus aus Üdenhau sen, Kreis Alsfeld, gewählt.

Starkenburg und Rheinhessen.

O Darmstadt, 21. Jan. Die heutige Stadtverord⸗ netenversammlung beschäftigte sich in einer sehr lebhaften Aussprache mit der unverhältnismäßigen Steigerung aller Lebensmittelpreise. Stadtv. Aßmuth wies auf Grund einer amtlichen Statistik nach, daß die Preise für Kartoffeln um 40 Proz., für Hülsenfrüchte um 80100 Proz., für Butter um 40 Proz., für Eier um 5080 Proz., für Fische um 80 bis 100 Proz. und für Leder und Schuhe um 40 Proz. gestiegen seien und daß auch die Schweinefleischpreise trotz des amtlich festgostellten großen Ueberangebots durch die Metzger von 90 Pfg. im Oktober auf jetzt 1,10 Mk. und für Speck auf 1,30 Mk. erhöht wurden. Der Obermeister der Metzgerinnung, Stadtv. Lautz, vermochte zwar die Berechtigung dieser plötzlichen unmodivierten Fleischverteuerung nicht nachzuweisen: er bestritt aber die allge⸗ gemein als feststehend bekannte Tatsache der Preiserhöhung um 20 Pfg. und gab nur 10 Pfg. Erhöhung zu, meinte aber, daß

an der ganzen Preiserhöhung nur die amtliche Feststellung des

Tleischreichtums und die Aufforderung Schuld sei, sich mit Schweinefleisch als Dauerware für später zu versorgen. Die ganze Haltung der Versammlung bewies, daß man die Verteidigung der hohen Schweinefleischpreise als vollständig mißlungen

betrachtete und es wurde besonders festgestellt, daß we⸗ der in Mainz, noch in Frankfurt jetzt so hohe Preise

gefordert würden. Die Versammlung verwies zum Schluß der Aussprache einstimmig einen Antrag Aßmuth an den zuständigen Ausschuß, in welchem die Stadtverwaltung ersucht wird, in An⸗ betracht der fortgesetzten, zum großen Teil unberechtigten Prais⸗ steiger ung aller Lebensmittel in weiterem Maße, als bisher, den Ankauf aller hauptsächlichen Nahrungsmittel zu betätigen und eine Detail versorgung der Stadt an Lebensmitteln herbeizuführen: 1. Durch direkte Abgabe an Minderbemittelte zum Selbstkostenpreis oder unentgetliche Ab⸗ gabe an Bedürftige, sowie Abgabe an Kleinhändler zu bestimm⸗ ten Verkaufsbedingungen und 2. die Schlachtung und Aufzucht von Schweinen im städtischen Schlachthof auf eigene Rechnung zu organisieren und die Waren zum Selbstkostenpreis an Minder⸗ bemittelte abzugeben. Wie von der Bürgermeisterei auf An⸗ frage mitgeteilt wurde, ist eine besondere Kommission mit der Feststellung desjenigen städtischen Grundbesitzes beschäftigt, der sich für die Bebauung mit landwirtschaftlichen Produkten verwenden läßt. Aus dem vom Oberbürger⸗ meister Dr. Glässing erstatteten Vortrag über den Stand der Gemeindeangelegenheiten Ende 1914 ergibt sich, daß sich die wirtschaftliche Lage in vielen Punkten wesentlich gebessert hat. Der Gesamtaufwand für Armen- und Unterstützungswesen betrug 1914 469 748 Mk. gegen 423 129 Mk. in 1913. Die Wochenunterstützungen sind auch während der Kriegsdauer bis jetzt nicht gestiegen. Der Aufwand der offenen Armenpflege stellte sich 1913 auf 1,52, 1914 auf 1,51 Mk. pro Kopf der Be⸗ völkerung. Die Neueinlagen bei der städtischen Sparkasse betrugen 1913 rund 10 570 000 Mk., 1914 dagegen 11000 000 Mark.

(Mainz, 20. Jan. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten teilte der Oberbürgermeister ein Schreiben des Feldmarschalls v. Hindenburg mit, in wel⸗ chem dieser für die Hindenburgspende der Städte, welche ins gesamt zwei Millionen betrage, seinen Dank ausspricht. Für die Kriegs-Getreidegesellschaft G. m. b. H. hat der Oberbürgermeister 100000 Mark gezeichnet. Die Städte erhalten das Geld mit 5 Prozent verzinst. Der Ueber⸗ schuß wird dem Reich für die Hinterbliebenen von Kriegs⸗ gefallenen überwiesen. Das Getreide kommt erst in den Han⸗ del, wenn das Brotgetreide von der letzten Ernte zu Ende geht. Die Stadtverordneten waren mit der Zeichnung ein verstanden. Die übrigen Gegenstände waren nicht von Bedeutung. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde be⸗ schlossen, zur Erbauung des Wasserwerkes das dem Hess. Staate gehörige GutSchönauerhof bei Nauheim an⸗ zukaufen. Die Stadt hat auf 30 Jahre jährlich an den Staat 25 000 Mark zu zahlen.

Der Amtsgerichtsgehilfe Raab, der auf dem Hypothe kenamt bedeutende Fälschungen vorgenommen und damit viele Landleute betrogen hat, wurde im Felde in Frankreich, wo er als Feldwebelleutnant stand, verhaftet und gestern hierher ins Untersuchungsgefängnis eingebracht.

Kreis Wetzlar.

w Weßlar, 20 Jan. An Stelle des am 22. August 1914 für das Vaterland gesallenen Kreis-Hochbaumeisters Eichhof ist der Regierungsbaumeister Diplom-Ingenieur Veit von Konstan; zum Hochbaumeister des Kreiskommunalverbandes Wetzlar

gewählt worden. Hessen⸗Nassau.

X. Hanau, 21. Jan. Die Stadtverordneten haben heute beschlossen, den Etat für das Jahr 1915 genau im Rahmen des Ctais für 1914 aufzustellen. Die Steuer soll wie alle Gebühren, Beiträge usw. mit den gleichen Beträgen wie im Jahre 1914 ein- gesetzt werden. Derjenige Fehlbetrag, den das Jahr 1915 durck Wenigereinnahmen und Mehrausgaben erbringt, soll ebenso wit der Fehlbetrag des Jahres 1914 durch Aufnahme eines Dar; lehens nach Beendigung des Krieges gedeckt werden.

Grösstes Leistungsfähigkeit durch Gross- Einkauf für eigene Geschäfte in:

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