Ausgabe 
(21.1.1915) 17. Erstes Blatt
Seite
122
 
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kate beschlossen. als sich die Notwendigkeit hierzu ergeben sollte. Mitteilungen, die über die in Oesterreich noch verfügbaren Ge⸗ treidevorräte erfolgt sind, lassen die Behauptung zu, daß der Stand der Vorräte als überaus befriedigend anzusehen ist und daß eine eventuelle Requisition ganz erhebliche Resultate erzielen würde. In der Sitzung wurde auch eine Verordnung betreffend die neuen Back vorschriften besprochen. Allerseits wurde die feste Entschlossenheit ausgedrückt, die zur Sicherheit der notwendigen Maßnahmen mit vollster Energie zu treffen.

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Die Kämpfe in Westgalizien.

Berlin, 20. Jan.(Priv.⸗Tel.) DieB. Z. meldet aus Westgalizien über die Kämpfe bei Zaklizeyn noch folgendes: Die Russen hielten die dortigen Stellungen für einen der Haupt- stützvunkte an der ganzen Front und griffen sie deshalb uner⸗ müdlich immer wieder an. Besonders war es ihnen um eine Höhe zu tun. zu deren Eroberung ein Waldraum durchschritten werden mußte. Unsere Truppen erhielten Kenntnis davon, daß nach den K mehrtägigen vergeblichen Angriffen zu einer bestimmten Nacht stunde ein entscheidender Sturm dreier russischer Regimenter er- 8 folgen sollte. Der Artilleriekommandant ließ nun die ganze ver⸗ flügbare Artillerie sich auf den Waldraum einschießen und er⸗ p5ffnete auf diesen ein derartig vernichtendes Feuer, daß die rus⸗ 5 sischen Regimenter fast völlig aufgerieben wur⸗ den. Allein von einem Bataillon fielen vier Kompagnieführer.

Milderung der österreichischen Zensur?

8 Wien, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zufolge erschien gestern der Präsident des Abgeordneten phauses, Sylvester, mit den zwei Vizepräsidenten bei dem Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh, um über eine Mil- derung der Zensur zu verhandeln.

140 Gefangene aus Rußland entwichen? Basel, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer hier zoxliegenden Blättermeldung aus Krasnajarek in Sibirien sollen aus dem dortigen Gefangenenlager 140 deutsche, öster⸗ reichische und ungarische Gefangene entwichen sein. Sie hätten die Wachposten getötet und wären auch im Besitze von Waffen.

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4 Sondersteuern für belgische Flüchtlinge. 5 Brüssel, 20. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Seit Ausbruch des Krieges waren etwa eine halbe Million Belgier ins Ausland geflüchtet. Die wohlhabenden unter ihnen sind bisher nicht zurück⸗ gekehrt. Sie haben sich so nicht nur einer Reihe von Verpflichtungen entzogen, welche ihren Mitbürgern im Laufe des Krieges erwachsen sind, sondern sie schädigen auch die Interessen ihres Vaterlandes erheblich. Einige belgische Stadtverwaltungen gingen daher mit der Absicht um, die Abwesenden mit einer Sondersteuer zu be⸗ legen. Diesen gesunden Gedanken aufgreifend, hat der General⸗ gouverneur diese Besteuerung seinerseits in die Hand genommen und einheitlich für das ganze okkupierte Zebiet geregelt. Laut Verordnung vom 16. Januar werden alle HGBelgier, welche nach Kriegsausbruch freiwillig ihren Wohnsitz aufgaben und bis zum 1. März 1915 nicht zurückkehren, zu einer Sondersteuer in Höhe des Zehnfachen der für 1914 veranlagten Personalsteuer herangezogen. Um nur die Wohlhabenden zu treffen, ist eine nach der Bevölkerungszahl der Gemeinden abgestufte Mindeststeuergrenze festgesetzt worden. Der Ertrag fällt zur Hälfte den Gemeinden und zur Hälfte dem Generalgouvernement zu für A3Zbwescke der Verwaltung. Es ist zu hoffen, daß die Verordnung dem Lande eine Anzahl steuerkrästiger Bürger zurückführen oder Mittel schaffen wird, um eine weitere Belastung möglichst entbehr⸗ lich zu machen.

Brief eines Deutschen an seinen Sohn.

Berlin, 19. Jan.(Nichtamtlich.) Aus dem Großen ae uartier erfahren wir: Hier ist folgender Brief

N t geworden, den ein Vater an seinen im Großen Hauptquartier als Kraftwagenführer verwendeten Sohn ge⸗ schrieben hat: 5 f Klein⸗Strelitz, den 11. Januar 1915. Mein lieber Sohn! Deinen letzten Brief haben wir erhalten und uns gefreut, daß es Dir gut geht. Warum schreibst Du uns denn nichts vom Schlachtselde in keinem Brief? Kommst Du denn nicht in Feuer⸗ stellung bei Deinem Kommando? Wieso bist Du denn mit Teinem Regiment nicht ausgerückt zum Kampf gegen den Feind? Ware das nicht viel schöner für Dich gewesen, Dich durch eino mutige Tat 8 was Tu bei dem Kommando wohl nicht kannst. Sie Dein Bruder August freiwillig zum Patrolien⸗ gang gemeldet traf ihn die Feindeskugel gleich tödlich so leid es mir um ihn tut stolz bin ich aber daß er als braver Held Len n fürs Vaterland gelassen hat bei einer mutigen Tat. in Bruder Franz liegt auch im Lazarett und wird wohl

nicht mehr mitmachen können. Ich denke noch an Eure Dienst⸗ zeit wo ich stolz war daß Ihr alle drei zu Gefreiten ernannt worden seit noch größer wäre mein Stolz wenn Ihr Euch alle vor dem Feinde durch eine kühne Tat ausgezeichnet hättet. Ich würde wenn ich auf die Beine wegtönnte noch gerne mitmachen mir gehen so die ganzen Gefechte von 1870/71 im Gedächtniß durch. Lieber Sohn dann erfülle Du die Pflicht voll und ganz für Kaiser und Reich und wenn es Dein Leben kostet. Ich bin aber stolz sagen zu können, drei Söhne habe ich mir erzogen, e drei habe ich dem Kaiser gegeben zur Verteidigung des erlandes und alle drei haben ihre Pflicht getan als tapfere Soldaten. Also bitte lieber Sohn schreibe uns ob Du immer bei dem Komando bleibst oder zu Deinem Regiment zurück⸗ gehst und beschreibe uns auch alles was Ihr da macht. Aus 5 Nlein-Strelib sind schon sechs Mann gefallen und acht ver⸗ wundet. Anna war uns zu Weihnachten auch besuchen. Mutter kann ich garnicht beruhigen sie lann⸗ nicht darüber weg das August so jung sterben mußte. So behüte Dich Gott. Viele . aus der Heimat senden Dir Dein Vater und Deine Mutter. Kraftwagenführer Jaschko hat sich daraufhin zur Front gemeldet; seinem Ersuchen wird selbstverständlich echnung getragen. Der Brief legt ein herrliches Zeugnis für den Geist im Volke ab und mag allen unsern Feinden, 4 8 etwa von deutscher Kriegsmüdigkeit faseln, zu denken geben. 43 Das französische Unterseeboot Saphir. Paris, 20. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Amtlich. Das fran⸗ zösische UnterseebogtSaphir, das am Vormittag des 15. Januar eine Beobachtungsstellung am Ausgang der Dardanellen eingenom⸗ men hatte, ist seitdem nicht zur französischen Flotte zu rück⸗ gekehrt. Tie ausländische Presse meldet, daß es versenkt wor⸗ den sei. Tuürkische Boote hätten einen Teil der Besatzung auf⸗ genommen.

Die Zahl der beschlagnahmten oder zurückgehaltenen 5 Schiffe. g London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Jahres⸗ bericht der Londoner Versicherer gibt die Zahl der beschlag⸗ nahmten oder in Häfen zurückgehaltenen deutschen Schiffe mit 445 und den NR mit 1 004 826 Tonnen an. 506 deutsche und 50 öster⸗ reichische Schiffe suchten in neutralen Häfen Zu⸗ flucht. Bei Kriegsausbruch wurden 79 britische Schiffe mit 172988 Tonnen, die damals in deutschen Häfen sich befanden, aufgehalten, 45 britische Schiffe von langer Fahrt mit 200856 Tonnen die Fischdampfer

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Reauisition der in Oesterreich befindlichen Getreide vor-

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London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Admi⸗ ralität beschloß, eine Anzahl beschlagnahmter deut⸗ scher Kohlendampfer auf eigene Rechnung fahren zu lassen und zwar zunächst die Dampfer Henry Fürst und Albert Clement.

Zwei englische Dampfer gestrandet. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtl) Die Dampfer Penar und George Royale sind in Sheringham in Norfolk gestrandet. 42 Personen sind umgekommen.

Portugal im Aufruhr. Wien, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DasWiener Tagblatt hat von zuverlässiger Seite folgende Nachrich⸗

herrschte in allen Kasernen Portugals heller Aufruhr, der sich auch auf die Straßen fortpflanzte, als weitere Truppenteile nach den afrikanischen Kolo⸗ nien verschickt werden sollten. Tatsächlich hatten die Trup⸗ pen niemals die Bestimmung, nach Aegypten zu gehen, wie das Volk befürchtete, sondern sie sollten nach den Kolonien gebracht werden. Die Volksmenge verhinderte die Einschiffung der Truppen, während auch die Offiziere sich anscheinend nicht die geringste Mühe gaben, den Wider- willen der Mannschaften gegen den Krieg zu bekämpfen. Trotz aller Energie vermochte die Regierung kaum weitere 7000 Mann frischer Truppen aufzubringen, da der größte Teil der Wehrfähigen das Land fluchtartig verließ. In den portugiesischen Gewässern gebärdet sich die englische Flotte seit längerer Zeit als unumschränkte Herrin. Dem Ministerium Coutinho scheint keine lange Dauer beschie den zu sein. Infolge der geringen Einfuhr- und Ausfuhr⸗ möglichkeiten sind die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes die denkbar traurigsten. Aus dem Reiche. Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir erfahren, ist die falsche Blättermeldung vom Tode eines Sohnes des Ge neralstabschefs von Falkenhayn auf eine Verwechslung mit dem Fliegerhauptmann Vogel von Falkenstein zurück⸗ zuführen, der gefallen ist. Die Flieger Hauptmann und Leutnant von Falkenhayn sind dagegen wohlbehalten.

Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir hören. haben die durch besondere Verordnung nachträglich zugelassenen Zeichnungen von Angehörigen des Feldheeres auf die Kriegs- anleihe den Betrag von rund 20 Millionen Mark ergeben, so daß die Gesamtsumme der Einzelzeichnung auf nahezu 4481 Mil⸗ lionen gestiegen ist. Die Zahl der Einzelzeichnungen beträgt 8891. Die nachträgliche Zeichnungserlaubnis bezweckte nicht, das Ergebnis zu erhöhen, sondern ausschließlich die Wahrung der In⸗ teressen der Angehörigen des Feldheeres. Der Höchstbetrag der Zeichnung für einen einzelnen Zeichner war auf 10 000 Mark be⸗ schränkt. Berücksichtigt man dies, sowie den Umstand, daß viele Feldzugsteilnehmer schon bei der Hauptzeichnung sich beteiligen konnten, so darf das erreichte Resultat der Sonderzeichnungen als sehr erfreulich bezeichnet werden.

Berlin, 20. Jan. WB. Nichtamtlich.) Der Reichs⸗ kanzler ist zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Es werden gegen⸗ wärtig in großen Massen Postkarten mit dem Kaiserbildnis und vorgedrucktem Glückwunschtext vertrieben, die dem Kaiser am 27. Januar durch die Feldpost mit Namensunterschrift zu⸗ gesandt werden sollen. Die Firma, die diesen Verkauf betreibt, gibt an, den Reinertrag dem Roten Kreuz zufließen lassen zu wollen. Die Bevölkerung wird dringend gewarnt, auf den wohl gut gemeinten Plan einzugehen, der aber im Widerspruch steht mit dem kaiserlichen Erlaß vom 15. Januar, in dem der Kaiser bat, von Glückwünschen abzusehen, die zu Störun⸗ gendes postalischen Dienstverkehrs im Felde führen können. Wer anläßlich des Geburtstages des Kaisers dem Roten Kreuz Zuwendungen zu machen wünscht, tue es unmittelbar. Der mit dem Postkartenvertrieb eingeschlagene Weg ist durchaus zu verwerfen.

München, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Heute vormittag 11 Uhr fand in Gegenwart des Königs paarxes, der Mitglie⸗ der des königlichen Hauses, der Hohenzollernschen Familie und deren Gefolge durch den Minister des königlichen Hauses und des Aeußern, Grafen Hertling, im Beisein des Reichsherolds v. Donle der standesamtliche Akt der Eheschließung des Fürsten von Hohenzollern mit der Prinzessin Adelgunde von Bayern in den Reichen Zimmern der Residenz statt. König Ludwig und Prinz Karl von Hohenzollern fungierten als Trauzeugen. Hannover 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Weiter⸗ erscheinen desVolksfreundes(sozialdemokratisches Or⸗ gan für das Herzogtum Braunschweig) bat der kommandierende General des X. Armeekorps bis auf weiteres verboten, weil die Zeitung trotz wiederholter Verwarnung verhetzende, den inneren Frieden störende Ausführungen gebracht hat.

Hildesheim, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vor⸗ stand der hiesigen Handelskammer hat beschlossen, ab Ostern die türkische Sprache als Unterrichtsfach aufzunehmen.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. Januar 1915.

Die deutsche Mode.

h. Frankfurt a. M., 20. Jan. Zur Schaffung einer vom Ausland völlig unabhängigen deutschen Mode sind schon mancherlei Schritte unternommen worden; aber immer wieder .. die Versuche an der Vorliebe der deutschen Frauen und änner für fremdländischen Tand und der sklavischen Nachäffung Pariser und Londoner Modetorheiten. Erfreulicherweise scheint jetzt der Krieg auch auf diesem Gebiete reinigend und läuternd wirken zu sollen. 5 Ein guter vielversprechender Ansatz zur Befreiung des deut⸗ schen Schneidergewerbes vom Ausland wurde heute in einer hier abgehaltenen aus ganz Deutschland starkbefuchten Versammlung acht. Auf der Tagung, die in der Loge Karl unter dem Vor⸗ itz von Schambeck(München) ihre Beratungen begann, waren u, a. vertreten der Verband der Tuchhändler, der band der Großhändler für Schneiderartikel, der Verein deutscher Tuchsabri⸗ kanten, Sitz Prag, der Bund deutscher Schneiderinnungen und der Verein deutsche Mode. In seinem einleitenden Vortrag führte Herr Schambeck aus, daß es gegenwärtig gelte, die Richtlinien und Aufgaben einer deutsch⸗ nationalen Mode festzulegen. Jedes Kleidungs⸗ stück eines deutschen Mannes oder einer deutschen Frau müsse deutschen Ursprungs sein, nicht der kleinste Knopf entstamme dem Ausland. Den Tuchfabrikanten erwachse dadurch eine schöne Auf⸗ gabe, daß sie nicht mehr blindlings den Engländern die Muster nachwebten, sondern bestrebt sein sollten, Neues, echt Deutsches zu schaffen. An den deutschen Schneidern liege es dann, das hervor⸗ ragende deutsche Material so zu verwerten, daß eine Mode von S Jönbest und vollendetster Eleganz geschaffen werde. Alljährlich soll zweimal eine Ausstellung in Herrenkleider mo⸗ dellen stattfinden, für die ein besonderer Ausschuß erster Schnei⸗ der und Künstler die Modelle auszuwählen hat. leberHer⸗ renmode und Stoffarten sprach Tuchfabrikant h⸗ lenmeister Aachen). Seine Ausführungen gipfelten darin, daß das deutsche Tuch gegenwärtig nicht als deutsch-typisch gelten könne. Englands Cheviote seien bis heute unerreicht. Jetzt aber bestehe Hoffnung, daß Deutschland auch in diesem Artikel führend werde. Verbandssyndikus Müller(Berlin) forderte in scharser Weise die Beseitigung aller Fremdwörter aus dem Modegebrauch und die Schaffung von Qualitätsarbeiten. Unter lebhaftem Beifall

nicht eingerechnet either von deutschen Kriegsschiffen weggenommen.

sprach der Vorsitzende des Bundes deutscher Schneiderinnungen, Liebrecht(Magdeburg), für ein geschlossenes einnütiges Vor-

ten aus Lissabon erhalten. Vom 20. bis zum 31. Dez.

Pn onteressenten Schließlich wurde ein Aus

die 0 11 gewählt, ine die Richtlinien für die neue Mode vorlegen soll.

deutsch werden. Das beweist die gegenwärtig hier stattfindende Modellhutausstellung. 9 Stoff, die Ausführung. Und es ist alles recht gut, geschmackvoll und viel, viel billiger als die Pariser und Londoner Hütte. Hoffent⸗ lich bleibts so immerdar. 5

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Die Bevölkerungsbewegung in den hessisschen Städten. Zu unserer in Nr. 15 desGieß. Anz. über diesen Gegenstand veröffentlichten Notiz wird uns aus Darmstadt geschrieben: Die Tabelle, unter der das Ministerium des Innern die alljährliche Bevölkerungs⸗ bewegung in den größeren hessischen Städten in der Darmst. Itg. bekanntgibt, leidet schon seit einer Reihe von Jahren an einer Unklarheit, indem dafür der gleiche Vordruck genommen wird wie bei den Berichten über die wöchentlichen Bevölkerungsberichte. So steht über der Rubrik der im ganzen Berichtsjahre Geborenen Lebendgeborene der der Berichtswoche vorausgegangenen Woche. Auch die in dem Jahresbericht angegebenen Ster b⸗ lichkeitsziffern sind nichtalle richtig. Für Offen⸗ bach ergibt sich bei richtiger Rechnung nämlich statt 9,5 aufs Jahr und das Tausend der Bevölkerung 10,5 und für Worms statt 6,6 15,2.

* Reservelazarett Wind hof. Seit dem 11. d. M.

ist der Windhof als Reservelazarett für Leicht⸗

verwundete eingerichtet worden. Der früher so besuchte Gießener Ausflugsort, der vor zwei Jahren in den Besitz des Grafen von Schlitz gen. von Görtz übergegangen ist, ist von dem Grafen der Militärverwaltung zur Verfü⸗ ung gestellt worden und eignet sich mit seinen luftigen Räumen ganz besonders zum Lazarett. Es können bis zu 150 Verwundete dort untergebracht werden. Die oberen Räume sind als Schlafsäle, Verbands- und Arztzimmer ein⸗ gerichtet worden, während sich unten die Tagesräume, Speisezimmer, Geschäftsräume, die Zimmer des Lazarett⸗ inspektors und des Polizeiunteroffiziers befinden. Dem Opfersinn der Gießener Bürgerschaft, der sich an den anderen Lazaretten schon in so reichem Maße bewährt hat, bietet sich hier ein neues dankbares Feld.

* Ehrenzeugnisse für die 222er. Die Ge⸗ rüchte, die vor einiger Zeit unsere Stadt beunruhigt haben, sind natürlich auch an die Führer des Reserve-Regiments Nr. 222 gekommen und haben bei diesen lebhafte Ent⸗ rüstung erregt. Wir können es uns nicht versagen, einige

Aeußerungen der Offiziere unseres Reserve-Regiments hier

wiederzugeben. 1

»Ich versichere Sie! so schreibt einer derselben,daß das Regiment Nr. 222 marschiert und gekämpft und all die un⸗ sägliche Mühsal der letzten Wochen geleistet hat, wie es kein anderes Regiment besser machen kann.

Und was den Mut und das Draufgehen betrifft, so habe ich es miterlebt, mit welcher Begeisterung und Todesverachtung unsere Leute auf die Russen losgegangen sind, ungeachtet des Geschütz⸗ und Maschinengewehrfeuers, und überall die Russen glatt geworfen haben. Der Anblick unserer stürmenden Leute ist herzerhebend und überwältigend.

Und weiter. Es ist das Zeichen einer Kerntruppe, wenn sie wochen: und monatelang ohne Ruhe und Rast kämpft und marschiert, die Nächte draußen liegt im November und Dezember und friert, wochenlang niemals in der Lage ist, ausgezogen zu ruhen, in den dürstigsten Hütten und Scheunen bei Nacht unter- kommt, und alle diese Drangsale und Strapazen mit Humor er- trägt, ohne zu wanken und zu weichen. 3

Die kräftigen Ausdrücke, mit denen sich diese Briefe über die ihnen zugekommenen Gerüchte aussprechen, über⸗

ehen wir, so gesund es auch manchem wäre, sie zu hören.

Jedenfalls aber haben die Eltern und Freunde unserer nun schon schlachtgewohnten jungen Truppen allen Grund, auf diese wahrhaft glänzenden Zeugnisse stolz zu sein. Kommt einst der Friede ins Land, so sollen sie als Helden von uns empfangen werden!

Das Gewicht der Brötchen in Gießen dürfte jetzt in der teueren Zeit allgemein interessieren. Von einer statistischen Erhebung, die ein über die nötige freie Zeit verfügender Mitbürger vorgenommen hat, wird uns das Folgende berichtet: Gestern nachmittag wurden durch Boten bei 40 Bäckern in unserer Stadt je 2 Brötchen gekauft und sorgfältig gewogen. Tatsache heraus, daß das Brötchengewicht zwischen 55 bis 37½ Gramm schwankt. Es ist dies ein Gewichts⸗ unterschied von rund 30 Proz. Das schwerste Brötchen liefert ein Bäcker im Mittelpunkt der Altstadt, dann kommt das Konsumvereins-Brötchen mit 52½ Gramm, es folgen dann einige Bäcker mit 49⸗Gramm-⸗Brötchen, und dann stuft sich bei der Mehrheit der Bäcker das Brötchengewicht bis zu 37½ Gramm ab. Die Bäcker⸗Innung würde gut tun, hier einmal zu bestimmen, wie schwer ein Normalbrötchen bei der

teuern Zeit eigentlich wiegen soll, damit der Konsument für

gleiches Geld auch überall gleich große Ware erhält.

* Gießener Volksbad. Im abgelaufenen Viertel⸗ jahr wurden in der Anstalt im ganzen 23317 Bäder gegen 31436 Bäder im gleichen Zeitraum des Vorjahres, mithin 8119 Bäder weniger, abgegeben. Die Bäder verteilen sich auf: Schwimmbäder 9482(15697), Volksbäder à 10 Pfg. 2972 (3134), Wannenbäder 1. Kl. 716(997), 2. Kl. 3005(3751), 3. Kl. 1124(219), Brausebäder 5812(7051), Dampfbäder 206(587). Die Personenwage wurde benutzt 379 mal(400). Den größten Ausfall haben danach die Schwimmbäder auf zuweisen. 193

* Vom Regen in die Traufe. Beinahe 40 Jahre hat, so erzählt uns ein Mitarbeiter, ein verheirateter Kauf⸗ mann in einer hessischen Stadt seinen Wohnsitz inne. Er ist Reisender in der Modewarenbranche und selten, höchsteus

während der Feiertage, zu Hause. Der Mann ist noch nie

jemand lästig gefallen, er hat pünktlich seine Steuern be⸗ zahlt und lebte mit seinen Mitmenschen in Frieden. Da brach der Krieg aus, die bösen Engländer sperrten in England unsere deutschen Landsleute in die berüchtigten Lager ein, und da der Sohn des Kaufmanns, der einen echt deutschen Namen führt, in England sein Brot erwirbt, so wurde derselbe auch mit eingesperrt. Als der Vater von dieser Tatsache Kunde erhielt, da fiel ihm ein, daß die Internierung seines Sohnes in England zu Unrecht geschehen sei, weil er, der Vater, obgleich er ca. 40 Jahre in Deutschland weilt, doch noch Rußland, wo er von russi⸗ schen Eltern geboren ist, sein Vaterland nennt. Der Kauf⸗ mann begab sich auf das Polizeiamt und bat um einen

amtlichen Ausweis, daß sein in England weilender, im Groß⸗

herzogtum Hessen geborener Sohn auf Grund der Natto⸗ nalität seines Vaters russischer Untertan sei. Die Polizei erklärte aber, daß sie eine Legitimation für einen in England wohnenden Russen nicht gut ausstellen kann, da müsse dieser sich an eine russische Behörde wenden. Dom Gesuchsteller aber wurde bedeutet, daß er als feindlicher Ausländer, der er nach seiner eigenen Angabe ja sei,

Auch auf dem Gebiete der Damen hutmode will man Alles ist hier deutsch; der Entwurf, der

Es stellte sich dabei die überraschende

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