nr 11 AIZpeites Blatt
1 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gleßener Lamillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
Gold und Eisen für den Krieg.
Ver will es leugnen, daß Eisen und Gold die beiden wichtigsten Faktoren sind, die auf die Entscheidung im gegenwärtigen Kriege den bestimmenden Einfluß ausüben werden? Einen Krieg, in dem solche Massenheere wie heute aufgeboten worden wären, hat die Weltgeschichte bisher nicht zu verzeichnen. Man wird nicht zu hoch schätzen, wenn man das gesamte Menschenaufgebot aller Kriegführenden in der Mindestzahl mit 15 Millionen und in der Höchstzahl mit 20 Millionen Soldaten annimmt, wobei auf Deutschland und Rußland, die beiden stärksten Militärmächte, allein etwa zweidrittel des Gesamtaufgebots entfallen dürften. Diese Heere wollen verpflegt und sie wollen vor allem mit Waffen und Munitiou ausgerüstet werden. Zu beidem gehört aber Gold und— Eisen. Und man hat in England nicht so unrecht, wenn man die Anschauung vertritt, daß der Krieg mit der letzten Milliarde entschieden wird. Die Frage ist nur, wer diese letzte Milliarde aufbringen kann: England oder wir. In Rußland und Frankreich bestehen heute schon bedenkliche Geldsorgen und Geldnöte. England muß aushelfen; es hat für 10 Millionen Pfd. Sterling fran⸗ zösischer Schatzscheine letzthin übernehmen müssen. Ruß⸗ land. e scheint der Brite aber die Taschen zuzu⸗ halten. Wenigstens mußte Rußland von der Unterbringung einer Anleihe am englischen Markt Abstand nehmen, weil die estellten Bedingungen derartig demütigend waren, daß Nine Großmachtstellung darunter gelitten hätte. Die Be⸗ schaffung der weiter erforderlichen Milliarden stößt also auf recht ernste Schwierigkeiten, da Rußland selbst ein kapitalarmes Land ist, das die weiteren Lasten des Krieges nicht tragen kann. Milliarden-Anleihen kann es nicht auf⸗ bringen. Die unverkennbare Friedensneigung, die zweifels⸗ ohne in führenden Finanzkreisen Rußlands herrscht, ist deshalb wohl verständlich. Bezeichnend für die russische Stimmung ist ein in einem Moskauer Blatt, dem„Rußkoje Slowo“, das führenden politischen Kreisen nahestehen soll, erschienener Artikel, der außerhalb Rußlands starke Beach⸗ tung gefunden hat und mit folgendem Stoßseufzer schließt: „Wir brauchen nun Geld, und das beste, wenn nicht das einzige Mittel wären langfristige Anleihen in Frankreich und England, den reichsten, geldbeladensten unter unseren Verbündeten. Wir bitten nicht um Almosen— Rußland ist gut als Land für Geldanlagen. Wir brauchen einen Schutz— mantel für unser Heldentum, man sollte uns von der zehrenden Geldsorge befreien!“
Aber es fehlt auch das Eisen, um die nötigen Waffen und Munition zu beschaffen. Auch darin sind England und Frankreich insofern besser gestellt als Rußland, als ihnen die Beschaffung von auswärts in weitgehendem Maße mög⸗ lich ist. Die Haupt⸗Eisendistrikte in Rußland sowohl wie in Frankreich sind von uns besetzt. Die eigene Erzeugung, die an und für sich in beiden Ländern kaum zur Versorgung der großen Heeresmassen ausreichen würde, ist also noch mehr beschränkt. Nimmt man nun noch hinzu, daß die russi⸗ schen Einbußen an Waffen- und Geschützmaterialien in den großen Kämpfen in Ostpreußen und Polen ganz gewaltige gewesen sind, so wird man den oft auftauchenden Gerüchten über Mangel an Artillerie und Gewehren, an Munition im russischen Heere Glauben schenken dürfen. Die Einfuhr ist stark erschwert, da Rußland nur ein einziger Hafen, Archan⸗ gelsk, als Zufuhrstraße übrig bleibt, nachdem die Darda⸗ nellen und die Ostsee für die Zufuhr gesperrt sind. Dieser ist im Winter aber wegen des Eises schwer zu passieren. Nachdem alle Länder mit stärkerer Eisenerzeugung am Kriege beteiligt sind, bleiben auch nur die Vereinigten Staa⸗
Sießener Nonzertverein. „ Gießen, 17. Jan. 8 Ein lyrisches Intermezzo in der gewaltigen tragischen Symphonie des Schlachtendonners möchte ich den Liederabend nen⸗ nen, an dem wir hier in Gießen Frau Hermine Bosetti aus München kennen lernten. Mehr noch. Wie im tiefsten Frieden umfing uns dieser Gesang, als ob in der weiten Welt rings um uns alles eitel Liebesleid und Liebesfreud, Sonnenschein und linder Regen, Wehmut und Sehnsucht, Scherz und Uebermut wäre. Und doch stellte sich Frau Bosetti bei uns dankenswerterweise in den Dienst der vaterländischen Sache, wie der gute Besuch be⸗ wies, mit gutem und hoffentlich. auch klingendem Erfolg,— so klingend möcht' ich wünschen, wie diese Stimme. Und wiederum mag es den meisten gegangen sein, wie mir; sie wurden der über⸗ mächtigen Bilder des um uns tobenden Weltkrieges nicht ganz ledig und es blieb etwas in unserem Genießen, das heutigen Tags auf solche friedsamen Töne doch nicht recht eingestellt ist. Im Frieden wäre der Beifall für diese Liederspenden vielleicht nicht gerade wärmer, aber lauter, unermüdlicher gewesen. Wer Frau Bosetti von der Bühne her kennt, der weiß,, daß sie in ihrem ureigensten Gebiet, der Spieloper, heute kaum von einer Sängerin übertroffen wird. Die Vorzüge, die eine andere Vertreterin ihres Faches vielleicht aufweist, werden durch das ganze Wesen, in dem Frau Bosetti aus innerster Natur herauslebt und webt, reichlich aufgewogen. Aber dieses Wesen, ich muß es ehr⸗ lich bekennen, erleichtert Frau Bosetti den Schritt von der Bühne aufs Konzertpodium nicht. Forderungen und Aufgaben der Bühne stellen eben gerade an Sänger und Sän⸗ 3 Aufgaben, die sich mit der reinen Kunst 3 Liedgesanges nicht ganz vertragen. Schon im rein Stimmlichen ist das selbst bei einer so gesunden, klangvollen Stimme, wie Frau Bosetti sie ihr eigen nennt, merkbar; es ist da ein Rest Bühne in Technik wie Auffassung merkbar, der den anspruchsvollen Hörer auch bei einer so ausgezeichneten Künstlerin, wie Frau Bosetti, etwas stört. Man kann nicht einmal sagen, daß dies bedingungslos ein Fehler sei; auch unsere Meister des Liedes vertragen nicht nux, sie fordern in ihrer Eigenart verschiedene Tongebung, verschledenen Stimm⸗ klang und Ton⸗ wie Sprechansatz; und nicht jeder Komponist liegt dem Künstler gleichgut. Das gilt ganz besonders auch von Meistern des Gesanges. So war bei Frau Bofetti Hugo Wolf ausgezeichnet aufgehoben; ihm kam ihre Eigenart geradeswegs zugute und es ist bezeichnend, daß die Sängerin als Zugabe das cchöne Lied gerade dieses Meisters„Er ist's“ wählte. Auch die Strauß'schen Lieder, besonders das erste„Morgen“ gelangen vortrefflich. Thuille und Pfitzner waren für die heutige Zeit etwas gar zu wenig herzhafte Ware, sie können in dieser Zeit nicht wirken. Der Urgesundheit und Gemütstiefe unseres Schu⸗ bert dagegen blieb Frau Bosetti für mein Empfinden doch viel huldig: gewißß: Schubert lebte in Wien, aber er war schwerlich ei von den empfindsamen Wienern, wie wir sie uns vorzustellen N wie sie uns meist heute begegnen, ganz gewiß
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General⸗Anzeiger für Oberhessen
Montag, 13. Januar 1015
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ten von Amerika als einzige leistun ihige Ei und als Bezugsquelle für Waffen und Daß Frankreich und England sich von dorther sorgen, ist bekannt und gerade in diesen Tagen der amerikanischen Protestnote gegenüber den
Uebergriffen gegen die neutrale Schiffahrt von
Seite festgestellt worden. Ohne die amerikani
senerzeuger
Munition übrig.
stark ver⸗ aus Anlaß englischen deutscher sche Unter⸗
stützung würden die drei Verbündeten wahrscheinlich noch
stärker an Munitionsmangel leiden als dies sch Fall ist. Für Rußland ist der überseeische Bezu den erwähnten Gründen sehr erschwert.
e Wie ist nun Deutschland in Bezug auf Gold gestellt? Unser Goldvorrat bei der
on jetzt der g aber aus
und Eisen
Reichsbank hat sich seit
Kriegsausbruch bisher um rund 800 Millionen vermehrt.
Er ist noch ständig in der Vermehrung begriffe steht fest, daß besonders in den ländlichen Be ziemlich viel Gold im Umlauf ist, das nur lang
n; denn es zirken noch sam an die
Reichsbank gelangen kann. Es fehlt leider an der nötigen
Organisation, die sich mit der Einsammlung u rung befaßte. Die Leute auf dem Lande wissen n nicht, welche Bedeutung dem Gold in der geg Kriegszeit innewohnt. stärkt, wenn es durch Vermittlung der Post oder lichen Kassen der Reichsbank zugeführt wird, da Zweck aber nicht erfüllt, wenn es von dem Ein gehalten wird. Reichsbank in ihren Kassen hat, desto mehr (Banknoten und Kassenscheine) kann sie in Umlau die Zahlungsmittel vermehren. Nach
nd Abliefe⸗ och vielfach enwärtigen
Daß es unsere Kriegsbereitschaft
der öffent⸗ ß es seinen zelnen fest⸗
Je mehr Metall(Gold und Silber) die
Papiergeld fsetzen und
den Berechnungen vor
Ausbruch des Krieges beträgt der deutsche Goldvorrat etwa
4 Milliarden. Davon sind 2,2 Milliarden jetzt bei bank, etwa 1 Milliarde vatbanken sein, Händen von Privatleuten zerstreut im müssen, deren Herausgabe hofft
wird. Mit 3 Milliarden oder 3000 die Reichsbank über einen Goldbestand verfüge weder die Bank von England noch die Bank von aufzuweisen haben. dem letzten Ausweis über rund 1, Milliarden Grund dieses Goldvorrates sind wir in der Zahlungsmittel in Papiergeld noch bedeutend
der Reichs-
dürfte in Händen der großen Pri⸗ so daß immer noch 0,8 Milliarden sich in Lande befinden entlich nach und nach gelingen Millionen Mark würde
n, wie ihn Frankreich
(Die Bank von England verfügt nach
Gold.) Auf
Lage, unsere
zu erhöhen
und den bereits im Umlauf befindlichen 4,7 Milliarden noch
eine weitere Milliarde hinzuzufügen. Auch d unseres weiteren Kriegskredits duͤrfte nach Erfolge der ersten Kriegsanleihe von 5 Millia
ie Deckung
dem großen
rden kaum
Schwierigkeiten bereiten. Daß das Reich für Kriegszwecke eine neue Anleihe aufnehmen muß, gilt als sicher, nachdem
die bisherigen Kriegsausgaben den bereits überschritten haben. Vor März wird die der Anleihe aber nicht erfolgen.
sind Nicht minder günstig gestellt gegenüber unser in
wir in Bezug auf die Beschaffung unseres
Betrag jener Anleihe
Auflegung
en Gegnern Kriegs-
materials an Geschützen, Waffen und Munition. Unter allen
kriegführenden Staaten stehen wir in erzeugung bei weitem an erster Stelle. Unsere Pro
Bezug auf die Eisen—
duktion hat
die englische im Laufe des letzten Jahrzehnts um 7 bis S Mil—
lionen Tonnen überflügelt, soweit die Menge
in Frage
kommt. Und in Bezug auf die Güte unseres Stahls wird
Krupp bekanntlich von keiner Fabrik der ganzen
Welt über⸗
troffen. Riesenbetriebe, wie Krupp, Thyssen, Phönix, Gelsen⸗
kirchen, die je 30-bis 50 000 Arbeiter beschäfti weder England noch Frankreich noch Rußland a Alle diese Betriebe und die Hunderte mittlerer,
gen, haben ufzuweisen. kleiner und
kleinsten Betriebe, wie sie in Rheinland, Westfalen, Sieger⸗ Lo
land, erschlesien, an der Saar, in Lothringe
können der Liefe
groß er ist! K g
Es ist an dieser Stelle schon oft der wunderbare Begleitens gedacht worden, die immer und immer w erfreut und wärmt, wenn Herr Prof. Traut m Amtes als Begleiter waltet. Ich durfte kürzlich an
rung für Kriegszwecke dienstbar gemacht wer—
n bestehen,
n Kunst des ieder innigst ann seines dieser Stelle
über Backhaus! nie versagende Technik schreiben— wenn ich ihm
noch einen weiteren Vorzug zu seinem Spiele hi könnte, so wäre es dieser einzig dastehende warme, s. Anschlag Trautmanns.
lichen Pianisten gehört, viers an unserer Kunststätte spielen hören, ich weiß in diesem Punkte Trautmann erreicht. allem obengesagten Schuberts zum Höhepunkt dieses Konzertes.
* Darmstädter Theaterbrief. Darmstadt, 1 Die rührige
den Krieg nicht abhalten, stets Neues und Wertvolle
nzuwünschen ammetweiche
Wir haben hier schon manchen vortreff⸗ wir haben die größten Meister des Kla⸗
keinen, der
r Das machte diesmal trotz Lied„Auf dem Wasser zu singen“
o
6. Jan.
Intendanz des Hoftheaters läßt sich auch durch
5 zu bieten.
Zwei interessante Neu⸗Cinstudierungen erschienen diese Woche im Spielplan. Am Mittwoch kam Gluck's„Orpheus und Eu⸗
rydike“ Gastieren des
spielen dieses Sommers geplant war!
zu Gehör und zwar in der Gestaltung, die für ein Darmstädter Personals bei den Salzburger Fest⸗
Der Wert der Gluck'schen Oper liegt in der instrumental und musikgeschichtlich interessanten Partitur, in der Gluck zum erstenmal mit der Tradition der rein unterhaltenden Spieloper bricht, in der der musikalische Teil nur den Wert der Begleitung hat.
Der K zum Ausdrucksmittel 0 die Brücke zum neuen Musikdrama der
omponist hob hier die Musik zum gestaltenden Faktor, von Handlung und Stimmung, und schlug so Ideen Richard Wagners.
Das hat der mehr als 150 Jahre alten Oper ihren Wert geprägt.
So beruhte der Hauptreiz der Aufführung in der
glänzenden
Leitung des Orchesters durch Herrn Hofrat Ottenheimer, die den
musikalischen Glanz und Schmelz der Gluck'schen S
chöpfung in 5
den, sodaß wir auch darin völlig unabhängig vom Ausland ganz auf uns selbst gestellt allen Bedürfnissen des Kriegs ge⸗ recht werden können. Die Organisationen, die zur Sicherung der metallischen Rohs für, daß keine Verschleuderung Fall die überseeische Zufuhr, die von Schweden und Nor- wegen heute noch stattfindet, ins Stocken käme. Die Lage un⸗ serer Eisen- und Stahlindustrie, die in vollem Gange sich be⸗ findet, ermöglicht es, den ganz gewaltigen Bedarf unserey Heere vollkommen ausreichend zu decken. Und schließlich hal⸗ ten wir, wie schon oben erwähnt, die bedeutendsten französi⸗ 8 schen und russischen Industriebezirke, sowie speziell auch die belgischen besetzt und können zur N Zwecken dienstbar machen, wie es in Belgien geschieht. Gold ö und Eisen reichen also für die ö
unserer Seite vollkommen aus.* Krieg zwanzig 5 Wir können es g halten, vielleicht noch besser. 5
888
toffe ins Leben gerufen sind, sorgen da⸗ derselben stattfindet, für den
8 . 8 8 0 l 5
Not auch diese unseren
Fortsetzung des Kriegs auf Die englische Drohung, den Jahre fortzusetzen, schreckt uns deshalb nicht. zum mindesten ebensogut wie England aus-
der Oberbefehlshaber im Osten eigentlich fertig bringe, neben seiner immerhin zeitraubenden Tätigkeit als Schlachtenlenkern noch Muße zu finden für die Beantwortung von Briefen, für Audienzen Besuche im Hauptquartier kann ich heute keine andere Antwort geben als die: Er hat eben für alles Zeit!— Immerhin habe ich es wohl hauptsächlich einer über⸗ aus warmherzigen Empfehlung des schlesischen Generalober— sten zu verdanken,(die ich ihm nie vergessen will!), daß meine Bitte um Gewährung einer Sitzung so über Erwarten rasch erfüllt wurde.
meinem Wege ins denn als Generalfeldmarschall nicht nur voll freundlichem Entgegen— kommen, sondern in geradezu glänzender Laune, vermutlich infolge des bereits gemeldeten allgemeinen Rückzuges der russischen„Dampfwalze“, von dem die Welt zwei Tage später erfreuliche Kunde vernahm. wohl ihren haben, denn 2 Fensterseite des Empfangszimmers im Königlichen Residenz⸗ schlosse zu... tine Silhouette eine plötzliche und zufällige Sinnestäuschung war, sondern auch bereits von andern empfunden worden ist, hat mir der Marschall im Laufe eines späteren Gesprächs selbst bestätigt.
ich sage: wir, hatte ich zu meiner lebhaften Freude auch meinen ehemaligen Studiengenossen Prof. Karl Ziegler wiedergefunden, mit dem ich vor mehr als einem Vierteljahrhundert die Kompo⸗ sitionslehren Antons v. Werner gehört hatte. Auch Zieg⸗ ler war mit der Gewährung einer Sitzung beglückt worden, um das Bild des Heerführers für sein auf dem Schlachtfelde gesammeltes„Kriegs-Skizzenbuch“ festzuhalten. Das„Ate⸗ lier“ war im Augenblick geschaffen: Mappen dienten die Lehnen hoher Stühle, und mit begreif⸗ licher Hast raschelten unsere Zeichenstifte über das Papier. In zwangloser Haltung stand der„Marschall Vorwärts unserer Zeit“ vor uns, und mit herzgewinnender Natürlichkeit unter⸗ hielt sich Se. Exzellenz mit uns über persönliche und künst⸗ lerische Dinge, die anscheinend Gelegenheit berichtigte er auch die weitverbreitete Meinung,
allen Schattierungen fein herausarbeitete. Den„Orpheus“, den meist eine Altistin singt, hatte diesmal der lyrische Tenor 1— Globerger) übernommen, der die
lichen Schwierigkeiten sehr anerkennenswert durchführte. Marx(Eurydike) und Frl. Stimme und fügten sich mit sicherem musikalischen Können in das Gesamtbild ein. einen Schauplatz verlegt worden, so daß der störende Szenen⸗ wechsel vermieden wurde und sich licher Folge abwickelte. Verein mit Hoftheatermaler Kempin hatte ein sehr schönes Bühnen⸗ bild geschaffen, von Frau Ehrle einstudierten Tänzen und Gruppierungen bot!
schwender“, der in einer von Herrn Baumeister verständnisvoll geleiteten Aufführung am Freitag in Szene Stück ist über 100 Jahre alt; 1814 wurde es in Wien zum erstenmal mit ungeheurem Erfolg gegeben. Man kann auch heute noch mit Vergnügen die anspruchslosen Ges dichters sehen und sich an der reichen Handlung, dem bunten Wechsel von ernsten und heiteren Szenen erfreuen. gute Besuch des Hauses und der lebhafte Beifall.
Kurt Ehrles in der Titelrolle, dem N tin“ wirkungsvoll assistierte, sowie die schöne Ausstattung ver⸗ halfen zu einem vollen Erfolg. Den musikalischen Teil leitete Kapellmeister Lert mit viel Temperament. 6 im 4. Akt brachte Lieder, Tänze und ein Cellosolo, ausgeführt von ersten Kräften des Theaters.
—
—
Bei Hindenburg.* Man hat häufig die verwunderte Frage gehört, wie es
und sogar— Malersitzungen. Trotz mehrfacher
auf diese Frage
Es muß aber wohl noch ein anderer guter Stern über 5 östliche Hauptquartier geleuchtet haben, ich am 14. Dezember dort eintraf, fand ich den
ihm. Die Größe des Erfolges muß Abglanz auf seine ganze Erscheinung geworfen als der Feldherr uns zur Begrüßung von der
2
entgegentrat, glaubte ich Bismarcks gewal⸗ wiederzuerblicken. Daß dieser Eindruck nicht
Wir standen dem gewaltigen Manne also gegenüber;
denn im Vorzimmer des ersten Adjutanten
Als Staffelei für unsre
sehr interessierten. Bei dieser
Rolle trotz der großen gesang⸗ 1 ö Frau Schreber(Eros) waren beide gut bei Die Handlung war in geschickter Weise auf i das Spiel in klassisch einheit- Die Regiekunst des Herrn Nowack im
das einen stimmungsvollen Hintergrund zu den
In die Welt der alten Märchen führte Raimunds„Ver⸗ũ
ging. Auch dieses
talten des österreichischen Volks⸗
Das zeigte ber Das flotte Spiel: Bruno Harprecht als„Valen⸗
Eine Konzerteinlage
Dr. P. **
Zum 18. Jauuar.
Es rollen dröhnend der Kanonen Donner,
Granaten zischen blitzend hoch empor
Und wühlen tief sich in der Erde Schollen.
Es stebn der Schützen endlos lange Ketten
Von Pulverdampf umhüllt im Grabenlauß,
Und knatternd fliegt die Kugelsaat hinüber. 10 Den Säbel blank, das Bajonett gefällt,
So geht's im Sturm dem bittren Feind entaegen:
Mit der Verzweiflung Mut kämpft Mann gen Mann, Und Faust mit Faust reicht bis zur letzten Kraft.
So tobt die Schlacht im sernen West und Ost
An jenem großen, denkwürdigen Tage,
Wo Preußen sich zum Königreich erhob.* Um weiter noch und höher noch zu steigen,
Bis sie in Femdesland einst seinen König
Nach siegesreichem Kampf zum Kaiser krönten
Des Deutschen Reiches, einig, stark und frei.
Und jener Tag, der beides Große schuß,
Er mög' den Sieg verleihen Deutschlands Waffen! Und ist's auch schwer, und kostet es viel Blut,
Der herrlich große Sieg muß uns doch bleiben! 8
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