Ausgabe 
(15.1.1915) 12. Zweites Blatt
Seite
88
 
Einzelbild herunterladen

knochen, Muschelreste

Erschein täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen öeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Aus dem Reiche.

ie Tätigkeit des Roten Kreuzes nach dem Friedensschluß. Berlin, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Vom Zentral- kmitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz erfahren. 95 daß die dieser Gesamtorganisation aller deutschen Vereine vom ten Kreuz zugewiesene Aufgabe, auch nachdem Friedens⸗ Lu ß solchen bedürftigen Kriegsteilnehmern, welche infolge des Keges an ihrer Gesundheit geschädigt und dadurch in ihrem Er⸗ wb beeinträchtigt sind, und deren Hinterbliebenen Unterstützung zugewähren, 3 ihnen zureichende Hilfe nicht vom Reiche oder vr anderer Seite zuteil wird, in einer den heutigen Anschauu ülr private Fürsorge angepaßten Weise in freundschaftlicher Ver⸗

ung mit allen einschlägigen Organisationen unseres sozialen Lens unter möglichster Stärkung unserer Volkskraft von ihr zu lön beabsichtigt wird. Die Vorarbeiten dazu sind im Gange. Das Rie Kreuz wird sich an das deutsche Volk mit der Bitte wenden, ih die großen Mittel zu geben, die es hierzu braucht, und es stet zu erwarten, daß bei dem überall vorhandenen Willen insergänzung der Staatshilfe den Braven zu helfen, die für un ihre Gesundheit opferten, und die zu unterstützen, deren Er⸗ uclrer eingezogen oder gefallen sind, so reiche Mittel zusammen⸗ strmen, daß diese Aufgabe in einer des deutschen Volkes wür⸗ dien Weise gelöst werden kann.

*

Verbot der Verfütterung von Hafer.

Berlin, 14. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Seit November

1 die Verfütterung von Roggen und Weizen allgemein ver⸗

voten worden. Seitdem hat in vielen Teilen Deutschlands eine starke Zerfütterung von Hafer an Rindvieh und Schweine ein⸗ desetzt. Dies scheint im Interesse der Erhaltung genügender Hafer⸗ porräte für die Bedürfnisse des Heeres, zur Aussaat und zur Ver⸗ sorgung der im Lande befindlichen Pferde nicht unbedenklich. Durch die Verwendung anderer Futtermittel und soweit diese nicht verfüg⸗ dar, durch Einschränkung der ohnehin im Verhältnis zu den utterbeständen übergroßen Viehhaltung muß erreicht werden, daß

er Hafer den vorgenannten wichtigeren Zweckbestimmungen er⸗

halten bleibt. Demgemäß ist, wie wir hören, ein allgemeines Verbot der Verfütterung von Hafer an andere Tiere als Pferde

in Erwägung gezogen worden. 5

Berlin, 14. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Aufruf des Deutschen Städtetages, dem Ostheer zur Abwehr der Un⸗ bill des rusfischen Winters Pelzjoppen zu verschaffen, hat bei deut⸗ schen Städten und anderen Stellen so lebhaften Beifall gefunden, daß 5 der Ausschuß des Deutschen Städtetages, bestehend aus den Oberbürgermeistern von Dresden und Posen, Dr. Beutler und Tr. Wilms, und dem Geschäftsführer des Deutschen Städtetages.

Dr. Luther, dem Feldmarschall von Hindenburg eine Spende

ron zwei Millionen anzeigen und einen großen Teil der Pelzjoppen überreichen konnte. Der Feldmarschall nahm die Gaben mit herzlichsten Worten des Dankes entgegen und hob hervor, daß seine Truppen mehrfach Uebermenschliches geleistet hätten und daß deshalb diese für die Truppen sehr wertvollen Spenden ihm große Freude bereiteten und eine gern angenommene ng seiner

Arbeit für Kaiser und Reich seien. Die Sammlung wird fortgesetzt.

Berlin, 14. Jan. WTB. Nichtamtlich Zu dem Ver⸗ bot der Veräußerung von Decken wir von unterrichteter Stelle daß es sich hierbei um Mannschaftsdecken handelf, daß ein Verbot für das ganze Reichsgebiet angeregt worden ist umd daß bei der Bestandsanzeige auch die Art und. Menge der einzelnen Sorten anzugeben und daß alsbald nach erfolgter Bestandaufnahme eine weitere Verfügung ergehen wird.

Wi) Berlin, 14. Jan.(Amtlich.) Der Bundesrat beschloß, die Menge des bis Ende April zum steuerpflichtigen Inlandsverbrauch abzulassenden Zuckers um 10 Hundertteile zu erhöhen. Die sog. sperrfreie Menge für die ersten acht Monate des vom 1. September 1914 laufenden Betriebsjahres beträgt also 40 Hundertteile des Kontingents.

Berlin, 15. Jan. Aus Halle an der Saale wird ge⸗ meldet: Bei Parey(Bezirk Magdeburg) werden demnächst 8 00 Fat fel der. Lerdrelbel unge etden ses fc werden. Sie

en bei erbreiterung en iff⸗ sahrtskanals beschaftigt werben. 5

Das erste große steinzeitliche dorf am rechten Neckarufer. a Heidelberg, 12. Jan.

Auf Beranlassung der Stadtverwaltung werden zurzeit auf dem Zentralfriedhofe e e ver⸗ anstaltet, die bereits hochinteressante ebnisse zeitigten und die nach ihrem jetzigen Stande zweifellos dazu angetan sein werden, der archäologischen und der Geschichtswissen⸗ schaft wertvolle Dienste zu leisten.. Schon in den Jahren 1898 bis 1901 hatte f. Dr. Karl Pfaff als Mitglied der städtischen Kommission für Geschichte der Stadt Heidelberg mit Erlaubnis der städti⸗ schen Verwaltung in und um Heidelberg Ausgrabungen veranstaltet und an zahlreichen Stellen Siedelungs⸗ reste ermittelt, jedoch nirgends in größerem Zusammen⸗ hang die Aufdeckung derselben unternommen.

Den nun im Auftrage der Stadtverwaltung von Dr. Wahle besorgten und nun schon im dritten Monat stehen⸗ den Ausgrabungen von bis jetzt 42 Gruben liegt nach dem Heidelb. Tagebl. eine Siedelung und zwar aus der jüngeren Steinzeit zugrunde. Nach den vorgefun⸗ denen Resten darf man auf das dritte Jahrtausend v. Chr. zurückgreifen. Die Fundstellen bilden Gruben, deren verschiedene Grundrisse an der verschiedenen Färbung des gewachsenen und des ausgefüllten Bodens erkennbar sind. Als Kulturreste zeigen sich Scherben, sehr viele Tier⸗ und Steingeräte, aus dem in hiesiger Gegend sehr selbenen Feuerstein. Schmucksachen sind kaum vorhVon besonderem Werte dürfte die Aufdeckung zweier Gräber aus der La⸗Tene⸗Periode, den letzten vor⸗ christlichen Jahrhunderten, der Blüte der Keltenherrschaft sein. In einem Grabe, aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammend, fand man eine vollständige Waffenausrüstung.

Nach den bis jetzt vorliegenden Er, sebnissen stellt die Ausgrabung das er ste 1 e i Dorf am rechten Neckarufer dar, während ihr gegenüber

auf der linken Neckarseite eine offenbar noch größere, aber erst teilweise von Pfaff untersuchte

. ise von Ansiedlung gegenüber⸗ liegt. Steinzeitliche Gräber wurden von Pfaff nur auf dem Grubenbofe aufgedeckt. i

.

Gießen

165. Jahrgan

P ̃ unn. ĩᷣͤ v ³³³vDv!

0 4 b f Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ N

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Freitag, 15. Januar 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. a

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift; leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Sitzung der Stadtverordneten.

Die erste Sitzung der Stadtverordnctenversammlung im Jahre 1915 eröffnete Oberbürgermeister Keller mit folgender An⸗ sprache: ö

Wenn ich Ihnen zu Beginn der ersten Sitzun g im neuen Jahre den üblichen Gruß entbieten soll, so schließen sich in dieser ernsten und großen Zeit alle guten Wünsche zusammen in dem einzigen 1 unsch, der in allen treuen deutschen Herzen glüht, dem Wunsche, daß das neue Jahr uns den Sieg und den Frieden gewähren möge, der uns vor jedem Ueber- lall unserer Feinde sichert und verbürgt, daß mit deutschem Fleiße, deutscher Treue und Opferwilligkeit deutsche Kultur in allen ihren Beziehungen nur immer kräftiger und machtvoller sich gestalten möge. 5

Einen ausführlichen Rückblick zu werfen auf die Eutwick lung unseres kommunalen Lebens im vergangenen Jahre scheint mir kaum am Platze; alle Begebenheiten, so bedeutsam sie an sich sein mögen, treten zurück gegenüber den gewaltigen weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich vollziehen. Aber die Pflicht des Dankes gebietet, daß wir rückschauend des Mannes geden⸗ ken, der vor Jahresfrist an dieser Stelle gestanden hat, des verdienstvollen Oberbürgermeisters Mec um, der nach arbeits⸗ reicher, segenvoller Tatigkeit am 1. April 1914 infolge ge⸗ schwächter Gesundheit vorzeitig in den Ruhestand treten mußte. Am 3. Mai verstarb der Stadtverorduete Dr. Gutfleisch, um unsere Stadt so reich verdient, daß ihm die Würde eines Ehrenbürgers zuerkannt worden ist. Unerwartet entschlief am 26. September Stadtverordneter Helm, der eifrige Förderer des Verkehrswesens unserer Stadt. Am 8. Dezember starb, kaum in den Ruhestand getreten, der Hauptlehrer der Stadtmädchen⸗ schule Schaaf, am 21. Dezember erlöste von langem Leiden der Tod den Stadtgeometer Wißner. Beide in jahre⸗ zehntelanger Tätigkeit der Stadt sehr ersprießliche Dienste ge⸗ leistet. 155 Kampfe für das Vaterland fanden den Heldentod am 3. Oktober der Wagenführer der städtischen Straßenbahn Schmidt, ein pflichttreuer Bediensteter, am 14. Oktober der Betriebsingenieur der städtischen Straßenbahn Schmitz, ein 14 1 voller, sehr verdienter Beamter, am 31. Oktober der dehrer Hertlein, ein vorbildlicher Erzieher der Jugend. Den Verstorbenen und Gefallenen wird die Stadt Gießen stets ein ehrendes, dankbares Andenken bewahren. g

Zu Beginn dieses Jahres konnte der städtische Bautechniker Altvater auf eine 40 jährige Tätigkeit im Dienste unserer Stadt zurückblicken. Dem verdienten Beamten habe ich bei diesem Anlaß die Glückwünsche der Stadtvertretung übermittelt.

Der Krieg hat die Organisation der städtischen Verwaltung merklich verändert. Eine große Zahl städtischer Beamter, Bediensteter und Arbeiter ist zum Heeresdienste einberufen. Hierdurch und namentlich durch die auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge den Städten erwachsenen zahlreichen Aufgaben ist den verbleibenden Beamten eine sehr beträchtliche, zum Teil äußerste Kräfteanspannung erheischende Arbeitslast aufgebürdet wor⸗ den. Ich spreche den Beamten für diese Tätigkeit meine volle An⸗ erkennung aus.

In dieser Stunde muß ich dankbar der Opferwilligkeit gedenken, welche die hiesige Bürgerschaft namentlich in den ersten Wochen der Mobilmachung betätigt hat. Aber ich will meinen Mit⸗ bürgern auch zurufen: Helfet weiter! Saget nicht, Ihr hättet ben Die draußen ihr Blut und Leben ein⸗

setzen, sagen auch nicht, wir haben schon gekämpft. Wir wollen durch⸗ halten und müssen durchhalten und darum müssen wir Opfer bringen in jeder Beziehung, auch in Bezug auf unsere Lebens⸗ weise. Denn dieser Krieg wird nicht nur mit den Waffen geführt: unsere Volkswirtschaft will man zerstören und durch Not und Hunger uns niederzwingen. Darum ist jeder einzelne Bürger zum Kampfe aufgerufen. Ich erachte es für meine ernste Pflicht, die Bürgerschaft dringend zu bitten, spar⸗ samundhaushälterischmitden vorhandenen Na h⸗ rungsmitteln umzugehen und Kriegsbrot zu essen. Von dem Gemeinsinn, der in jeder Innung herrschen muß, erwarte ich, daß die von der Bäckerin nung gestern über das Ausbacken von Brot gefaßten Beschlüsse und die Verordnungen des Bundes⸗ rates von jedem Bäckermeister ohne jede Ausnahme befolgt wer⸗ den. Eine gewisse Sorglosigkeit des Publikums hat neue Ver⸗ ordnungen der Reichsbehörden auf dem Gebiete der Versorgung mit Brotgetreide notwendig gemacht. Weitergehende Maßnahmen werden sich erübrigen so hoffe ich, wenn immer mehr die Erkenntnis durchdringt, daß wir neben dem Sieg der Waffen auch 1 der deutschen Volkswirtschaft gewinnen en.

Wo der zu der jetzt entdeckten Siedelung gehörige Friedhof liegt, ist noch nicht bekannt. Seine Aufdeckung, wird zweifellos erschwert dadurch, daß nach jener Zeit der Neckarschlick darüber in einer Höhe von durchschnittlich 80 Zentimetern abgesetzt hat, wodurch überhaupt viele Stellen schwerer zutage treten, als es bei einfacher Boden⸗ bearbeitung der Fall wäre. Steht somit der Schlick der archäologischen Erforschung dieses Geländes erschwerend 88 1 ist doch andererseits diesem Umstande zu ver⸗ anken, daß von den steinzeitlichen Siedelungsresten uns Einzelheiten erhalten sind, die sonst nicht festgestellt wer⸗ den könnten. Zu der Zeit, als eine keltische Bevölkerung jene eben annten Gräber in diesem Gelände anlegte, ist der Neckarschlick bereits gelockert gewesen.

Es sollen nun auf Grund der Kartenanlagen Gips⸗ modelle angefertigt werden, die dann zusammen mit Plänen und Querschnitten in den städtischen Sammlungen

r Aufstellung kommen, und die zur Belebung des auszu⸗ tellenden neuen Materials dienen werden..

*

DieKriegssuppe der Pariser Künstler. Der Parifer Berichterstatter eines römischen Blattes zeichnet folgendes Bild aus dem Leben der französischen Hauptstadt: Die Boulevards wurden leer. Das müßige Herumschlendern, das den Mittagsstunden vorhergeht, ging zu Ende. Zwei Künstler, ein holländischer Maler und ein italienischer Bildhauer, waren in der Avenue de l'Opéra angelangt und wollten sich trennen.Sie gehen nach dem Mont⸗ parnasse? fragte der Bildhauer den Maler.Nein, ich klettere zum Montmartre hinauf, meinte der Italiener.Wohnen Sie denn nicht mehr in der Rue Campagne Premieère?Da wohne ich wohl noch, aber ich gehe zum Frühstück in die Rue Caulincourt. Schau an, Sie gehören also zu denen, die sich diesen Luxus noch erlauben können, sagte der Holländer, indem er die Pfeife aus⸗ klopfte, um sie neu zu füllen.Das Geschäft geht nicht gar zu schlecht.Gratuliere. Aber warum steigen Sie zum Montmartre hinauf? Haben Sie dort ein billiges Restaurant gefunden?Nein, dort habe ich eine hübscheSuppe entdeckt. Ach, Sie wissen nicht, was eine Suppe ist? Höchst einfach. Einige reiche Künstler aus verschiedenen Ländern geben jeden Monat, sagen wir: hundert Franks. In eines der Ateliers bringt dann ein dienstbarer Geist einen großen Korb mit Gemüse, Fleisch und Brot, und aus all diesen schönen Sachen wird in einem Riesenkochtopf eine hervor⸗ ragende Suppe, gutes Suppenfleisch und eine gute Beilage bereitet.

Zu Mittag richtet dann der dienstbare Geist den Tisch für 15 oder

Nun zum Schluß noch eines: möge das anbrechende bedeutungs⸗ volle Jahr uns alle stark und bereit finden, mit aller Kraft die Aufgabe zu erfüllen, daß die Wunden, die der Krieg Bürgern unserer Stadt geschlagen hat, geheilt werden, und daß unsere aus dem Felde dereinst zur gewohnten Arbeit heimkehrenden Krieger unser Gemeinwesen ebenso beschirmt wiederfinden, wie sie mit Leib und Leben unsere Sicherheit und unseren wirtschaftlichen Fortgang verteidigt haben. a

In den letzten Monaten ward es offenbar, daß dem deutschen Volke, über Parteien und Interessen erhoben, die höchsten Güter gemeinsam sind. So lassen Sie uns das, was in 4 diesem Raume zu unserem Teile unser höchstes Schaffen und Streben ist, immer uns allen gemeinsam sein: das Glück und die Wohlfahrt der Stadt Gießen.

Die Versammlung nahm die Worte des Vorsitzenden mit lebhaftem Beifall auf 5 N Oberbürgermeister Keller teilte alsdann mit, daß das Ge⸗ such um Gewährung einer Zuschußerhöhung für die höhere Mädchenschule von der Regierung dahin beschieden worden sei, daß dasselbe bis zum nächsten Rechnungsjahre zurückgestellt werden müsse. Von den im Felde stehenden Beamten und Arbeitern der Stadt, denen die Verwaltung Weihnachtsgaben ge sandt hat, sind ausnahmslos herzliche Dankschreiben ein⸗ gegangen. Von dem Ausschuß für Arbeitsgemeinschaft im Bau⸗ gewerbe ist ein Antrag auf Beschaffung von Arbeitsgelegen⸗ a heit eingegangen, mit dem sich die Baudeputation befassen wird. 1 Der Oberbürgermeister gab sodann Kenntnis von dem Erfolg des Antrages des Beig. Grünewald betr. die Abände⸗ rung der Städteordnung, wonach die Gießener Stadt⸗ verwaltung nunmehr für die Kriegsdauer praktisch bereits be⸗ schlußfähig ist, wenn 12 Stadtverordnete anwesend sind. Wir haben über den Antrag wie über seine Entscheidung seinerzeit aus⸗ führlich berichtet.

Stadtv. Vetters macht auf den hexrschenden Arbeitsmangel 5 im Holzgewerbe aufmerksam und bittet, städtischerseits für Arbeit sorgen zu wollen. Der Oberbürgermeister sagt Erwägung zu.

Für die Einzäunung des Militärwohngebäudes wird alsdann eine Abweichung von baupolizeilichen Vorschriften genehmigt. Die Verbindungsstraße zwischen Kaiser⸗Allee und Licher Straße am neu zu errichtenden akademischen Sportplatz vorbei soll mit Bäumen bepflanzt werden. Von den Kosten in Höhe von 1000 Mark hat der Rektor der Universität Geh. Med. Rat Dr. Sommer den Betrag von 750 Mark übernommen. Den 4 Restkredit von 250 Mark bewilligt die Versammlung. Wie im Vorjahre wurden auch für 1915 im Sinne des§ 139 der Ge⸗ werbeordnung für Gießen 18 Tage festgesetzt, an denen die offe⸗ nen Verkaufsstellen bis 10 Uhr abends geöffnet bleiben dürfen. Die Punkte 69 betrafen die Rechnungsablagen 2 für die Gas-, Wasser⸗ und Elektrizitätswerke sowie für die Straßenbahn für 1913. Da noch nicht alle Rechnungen zur Vor⸗ lage gekommen sind, wird die Erörterung über diese Punkte einst⸗ 3 weilen nach dem Vorschlage des Oberbürgermeisters zurück gestellt... 5

Die Versammlung befaßte sich sodann mit dem seit langerer Zeit schwebenden Plane, an der Licher Straße und am Wißmarer Weg von seiten der Stadt Gärten auf städtischem Ge⸗ lände anzulegen und zu verpachten. Die landwirtschaftliche De⸗ putation hat die Angelegenheit beraten, ist aber noch zu keinem endgültigen Resultat gekommen. Sie hat deshalb den Interims⸗ antrag eingebracht, das Gelände am Wißmarer Weg zunächst ohne die beabsichtigte Einfriedigung und ohne Gartenhäuschen in Par⸗ zellen aufzuteilen und zu verpachten und das Grundstück an der Licher Straße in Größe von 2200 am in städtischer Regie mit Kartoffeln zu bebauen. Der Dezernent Beig. Grünewald ist krankheitshalber am Erscheinen in der Versammlung verhindert, und der Vorsitzende hält es deshalb für rätlich, von einer umfang reichen Erörterung der ganzen Frage für die heutige Sitzung ab zusehen. Es entstand gleichwohl über den Gegenstand eine aus⸗ gedehnte Debatte, in deren Verlauf Stadtv. Simon bat, die An⸗ gelegenheit wegen ihrer sozialen Bedeutung nicht auf die lange Bank zu schieben. Man solle sich nicht auf die vorgesehenen engen Grenzen beschränken, vielmehr ein möglichst ausgedehntes Gelände der öffentlichen Wohlfahrt und dem Arbeitswillen des Einzelnen dienstbar machen. Das Interesse, das man in der Bürgerschaft an dem Plane nehme, sei so groß, daß eine möglichst baldige Er⸗ ledigung unbedingt am Platze sei. Im wesentlichen der gleichen Meinung waren auch die Stadtv. Plank, Löber und Dr. Sommer. Stadtv. Winn stellte zur Geschäftsordnung den An⸗

7. 1 8 20 Personen her, und um Uhr ist die Fütterung der Raub⸗ tiere. Die Raubtiere sind alle Künstler, sowohl die reichen, die nicht bezahlen, weil sie am Anfang des Monats bereits 100 Franks gegeben haben, als auch die andern, wie ich, die, ehe sie sich zun Suppe niederlassen, 25 Centimes geben.Wieviel?25 Cen⸗ times, einen viertel Franks.Sie scherzen.Nicht im mindesten. Solange der Krieg dauern wird, sollen in den verschiedenen Pariser Vierteln dieSuppen für die Künstler gegeben werden. Es gibt 3 solche auch in Montparnasse, aber ich ziehe es vor, zu alten Freun⸗. den nach dem Montmartre zu gehen. Entschuldigen Sie, ich möchte 1 nicht neugierig sein, aber haben Sie 25 Centimes in der Tasche? Ich glaube ja, antwortete der Maler.Nun, wenn Sie dann mit mir kommen wollen, können Sie essen, soviel Sie wollen, und werden dabei viele sympathische Künstler kennen lernen. Es sind 7 Franzosen, Engländer, Russen und Spanier.Und in welches Atelier kommen heute die Raubtiere zur Fütterung?In das von Zulo agg 9 . Wann wird der Dom von Drontheim fertig? Die Wiederherstellungsarbeiten an dem Dome von Drontheim, der berühmtesten Kirchenruine des ganzen skandinavischen Nordens, sind jetzt bereits 45 Jahre im Gange, da sie unter der Leitung des Baumeisters Christie im Jahre 1869 begonnen worden sind. Auch für das Jahr 1915 hat die norwegische Regierung zur Fortsetzung der Arbeiten im Staatshaushalte wieder 100 000 Kronen an⸗ gefordert, deren Bewilligung an die Bedingung geknüpft ist, daß 5 aus privaten Quellen noch weitere 34000 Kronen aufgebracht wer⸗ den. Bei dieser Gelegenheit haben sich nun die leitenden Archi⸗ tekten über die Frage geäußert, zu welchem Zeitpunkte auf die Vollendung der Arbeiten am Drontheimer Dome zu rechnen f 0 Sie nehmen noch eine Dauer von 24 Jahren dafür in Aussicht. so daß dann also im ganzen zur Wiederherstellung des Domes rund 70 Jahre gebraucht sein würden. Angenommen, daß auf die Bau⸗ arbeiten selbst in Zukunft jährlich 127000 Kronen verwendet wer⸗ den, so wird noch eine Summe von 3 048 000 Kronen für das Domwerk aufzuwenden sein. Nicht hierbei eingerechnet ist die Aus⸗ schmückung des Baues mit Bildwerken und Glasmalereien. Man schätzt allein, daß der Skulpturenschmuck an der Westfront des 8 Domes 250 000 Kronen kosten dürfte. Hierfür stehen vorläufig nur die recht bescheidenen Summen zur Verfügung, die sich aus 5 den Eintrittsgeldern und aus gelegentlichen Spenden angesam! 5 haben. Dagegen hat man mit Hinblick auf die spätere Aus⸗ schmückung des Baues mit Glasgemälden schon jetzt bei der Kirche eine Werkstatt für Glasmalerei angelegt, der jährliche Bewilligun⸗ gen zugewandt werden. Zu den Gönnern des Drontheimer D werkes gehört bekanntlich auch der Deutsche Kaiser, der bei sei Besuchen in Norwegen regelmäßig 1000 Kronen für die Arbeit zu spenden pflegte.

*

b 1