Ausgabe 
(13.1.1915) 10. Erstes Blatt
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nr. 10

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen:

Erstes Blatt

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165. Jahrgang

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General⸗Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

Mittwoch, 15. Januar 1915

Zezugsvreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ durch

Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Fortschritte in West und Ost. Ein guter Bericht unserer österreichisch⸗ungarischen Bundesgenossen.

.(WTB Großes Hauptquartier, 12. Jauuar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich des Kanals von La Bassée fanden geringfügige Kämpfe statt, die bisher ohne Ergebnis waren. Nördlich Crony griffen die Franzosen gestern abend an, wurden aber unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Heute früh lebten die Kämpfe hier wieder auf. Ein gestern nachmittag in Gegend östlich Perthes unternommener französischer Angriff brach in unserem Feuer zusammen Der Feind hatte sehr schwere Verluste. In den Argonnen wurde an der Römerstraße ein französischer Stütz⸗ punkt erobert, zwei Offiziere und 140 Mann fielen dabei in unsere Hände. In den Kämpfen im östlichen Teile der Argonnen sind den Franzosen seit 8. Januar(einschließlich

der gemeldeten) ein Major, drei Hauptleute, 13 Leutnants, 1600 Mann an Gefangenen abgenommen, sodaß ihr Gesamt⸗

verlust einschließlich Toter und Verwundeter in diesem be schränkten Gefechtsraum auf 3500 Mann geschätzt wird. Französische Angriffsversuche bei Ailly, südlich St. Mihiel, scheiterten. f- Oestlicher Kriegs schauplatz. In Ostpreußen nichts Neues. Russische Vorstöße im nördlichen Polen hatten keinen Erfolg. Unsere Angriffe im Gebiet westlich der Weichsel machten trotz des schlechten Wetters an einigen Stellen Fort

schritte. Auf dem östlichen Pilicaufer keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.

Es hat seine gute Berechtigung, daß wir gegenwärtig in erster Linie auf die Wirkung des Kanonendonners lauschen, der über unseren Grenzen und weit in den Orient hinein erschallt, denn davon hängt schließlich alles ab, was irgendwie mit Politik Zusammenhang hat. Der Boden unseres innerpolitischen Lebens hält einen ruhigen und gesunden Winterschlaf; er gleicht dem Landschaftsbilde, das ö ie Blätter und Halme und aller Farben Pracht von sich abgestreift hat. Aber eine geheimnisvolle Macht schafft

und webt doch auch in diesem scheinbar leblosen Reiche, und wir wissen es, daß die deutsche Erde sich neu kleiden. wird, in ihrer stolzen Schönheit, wenn der Friedensbote ihr die ersehnte Siegeskunde bringt. Wir hoffen auf den Frie den und Sieg wie auf den Frühling, der kommen muß. Und wenn die innerpolitische Flora in Deutschland sich nicht gleich bleiben wird, so sehen wir doch in freudiger Ahnung schon allgemeine Umrisse und festigen in uns die Ueberzeugung, daß der neue deutsche Voltsfrühling uns ge fallen wird. ö Den inneren Frieden, nicht nur einen schetnbaren Burgfrieden, haben wir beinahe schon gewonnen. Zwar hat der Reichskanzler recht, wenn er voraussagte, die Par- teien würden und müßten wiederkommen. Aber, so dürfen wir hinzufügen: sie werden ein anderes Aussehen bekom- men. Die Ereignisse sind zu riesengroß, als daß die kleinen Balken der Parteiprogramme und Grundsätze sie noch tragen könnten, und die Stunde wird endlich kommen, wo die Fragen der Zeit in einheitlicherem Geiste gelöst werden als in den Jahren bisher.

So verzeichnen wir es denn mit Befriedigung, daß die Voss. Ztg. als einsamer Vogel in den kahlen Aesten der inneren Politik einen, freilich etwas verfrühten, Frühlings- gesang angestimmt hat, der mit folgendem Verbrüderungs gruß schließt:Unterdessen aber reichen wir allen inner politischen Gegnern von gestern und von morgen die Hand als unsern Freunden und Brüdern von heute, und sind einig mit ihnen in dem Wunsch:Zuerst und zunächst

llen wir siegen, siegen über den äußeren Feind, über die Welt von Feinden!

Das Blatt sieht in der Zukunft für Deutschland die Politik der einfachen Linie herandämmern. Es 5 eine Aeußerung des Blattes der Hirsch-Dunckerschen Metallarbeiter, worin es heißt, was ehedem unmöglich schien und unmöglich war, fei jetzt eine vollendete Tatsache, die verschiedenen Arbeiterorganisationen wirtten mitein ander ohne Kampf, ohne Haß. Die Arbeiterorganisationen würden nach dem Kriege vor von Grund aus veränderten Verhältnissen stehen. Dieser Zuversicht dürfen wir uns an schließen, hat doch die sozialdemotratische Partei Beweise dafür gegeben, daß sie künftig im deutschen Volksleben eine veränderte Stellung beanspruchen darf. Einer der Radi⸗ kalsten, Scheidemann, hat einen Neujahrsartikel ge schrieben, in dem es heißt:

Hut ab vor den Helden, die für unser Vaterland gefallen sind! Größer als die Sorgen und Schmerzen müssen unser unbeugsamer Wille, unsere unerschütterliche Entschlos⸗ senheit sein. Wir wollen die surchtbare Zeit nicht nur in Aarem Bewußtsein mit offenen Augen durchleben, wir wollen zuch die Absichten unserer Feinde zuschanden machen: wir wol⸗ len siegen! Und so wünsche ich zum Jahreswechsel allen die Kraft, Kummer und Schmerzen niederkämpfen zu können. Ich wünscke allen den unerschütterlichen Willen zum Durchhalten bis zum Siege! Unseren verwundeten und kranken Soldaten wünsche ich baldige und vollkommene Genesung. Ihnen und ihren Kameraden, die in den Schützengräben hausen, zur See oder auf der Wacht dem Vaterlande dienen ihnen drücke ich herzhaft die Hand! Ihnen ganz besonders rufe ich zu: Haltet aus! Von euch hängt es ab, was aus unserem Lande und was aus der deutschen Arbeiterschaft wird. Möge uns das neue Jahr baldigen Sieg und dauernden Frieden bringen. Das klingt doch wahrlichnational, und nach dem sieg reichen Frieden wird auch die Sozialdemokratie, wie alle

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übrigen Parteien, eine Umwandlung durchmachen. Das Leit⸗ motiv der einfachen Linie muß sich durchsetzen.Wer kann angeben, so ruft dieVoss. Itg.,wodurch sich noch die eine Fraktion von der anderen unterscheidet? Das gilt nicht nur hüben, sondern auch drüben. Und wenn in dem einen Fall die Scheidung überhaupt jede Berechtigung verliert, so wird billig auch der Gegensatz der großen, zusammengefaßten Gruppen zueinander nicht mehr jene Schärfe zeigen wie vor dem Kriege. In der Vereinfachung des Beamtenapparates, in der Verminderung kostspieliger Verwaltungsformen er blickt das Blatt gleichfalls eine nützliche Durchführung jener Politik der einfachen Linie.

Es ist interessant, neben diese Meinung einer prak tischen Kämpferin die prophetischen Darlegungen eines un serer bedeutendsten Historiker zu halten. Prof. Lamprecht hat am Samstag in der Aula der Leipziger Universität einen Vortrag gehalten über die deutsche Zukunft. Seine Gedanken gänge begegnen sich mit den oben angeführten und der Ge lehrte hat wohl dasselbe Friedensbild vor Augen wie der ge⸗ wesene Parteipolitiker derVoss. Ztg.. Nach einem Zei tungsbericht hat Lamprecht u. a. ausgeführt:

Einheitsbewußtsein und Nationalgefühl, Reichsbürgertum und Staatsbürgertum nähern sich einander immer mehr, und schon um 1850 scheinen sie einem gegenseitigen Verschmelzungsprozeß entgegenzueilen. Hat nun diese ungeheure und elementare Bewegung später etwa abge nommen? Oder ist sie seit 1850 oder nach Gründung des Reiches im Jahre 1870 schwächer geworden? Wir alle empfinden es mit jeder Faser unseres sittlichen Gefühls: nein, nein und tausendmal nein. Im Gegenteil. Immer mehr hat sich die Durchdrin⸗ gung von Nation und Staat vollzogen. Eben der heute tobende Krieg bildet in diesem engen Ineinanderverschmelzen von Volk und Staat vielleicht den erhebendsten Vorgang.

Ist es nun möglich, diesen jetzt anderthalb Jahrhunderte wäh⸗ renden, soeben in einem größesten Ereignis gipfelnden Verlauf klarer und mächtiger Tendenzen ohne weiteres zu unterbrechen? Unmittelbar ist sich jedermann bewußt, daß davon keine Rede sein kann. Ist dem aber so, so sind wir der wichtigsten Ereignisse unserer nächsten Zukunft sicher: sie werden in ihrem innersten Kern Ausdruck des heutigen Staatsbürgertums und des bestehenden Nationalbewußtseins sein und empfangen eben darin ihre entscheidende Sicherung.

Lamprecht glaubt auch an eine Kräftigung derWurzel eines erhöhten Persönlichteitsdaseins und besprach in seinem Vortrage auch den geschichtlichen Beruf Preußens im neuen Deutschen Reiche. Auch er befürwortet in seiner eigenen Weise die Politit der einfachen Linie und erklärt, es müsse eine enge Durchdringung preußisch-tolonialen und mutterländisch-gemeindeutschen Wesens erfolgen:

Wer die Jahre seit 1870 her bis zur Gegenwart politisch bewußt durchlebt hat, wird sagen vuͤrsen, daß diefe Durchdringung rasche und starke Fortschritte gemacht hat. Das alte Deutschland ist dabei zum Teil ein anderes geworden, unter dem gleichzeitigen Einflusse namentlich eines reißend steigenden Wirtschaftslebens, das im Verkehr wie in der Industrie Großsorganisattonen erforderte, hat es sich beträchtlich dem preußischen Wesen genähert, das sich von jeher auf dem Gebiete der Organisation auszeichnete. Aber nicht minder hat sich Preußen verändert und ausgeglichen. Ja, im ganzen darf man wohl sagen, daß Preußen mehr in Deutsckland, als Deutschland in Preußen aufgegangen ist.

Preußen muß, unter Drangabe so manchek seiner spezifischen Lebensformen und selbst Lebensinteressen, noch mehr in das Reich hinein wachsen und mit der Nation verschmelzen, zumal dieser Prozeß sich vielfach der Hauptsache nach nur noch mehr auf auffallende Formen seines Sonderda⸗ seins bezieht, denn auf dessen tieferen Inhalt. Und es ist selbstverständlich, daß sich daran durch den Krieg vieles ändern wird: nur beschleunigt könnte der bisherige Verlauf noch werden durch die wunderbare Einheit der kriegstätigen Nation selbst hinaus über die Grenzen des Reiches.

Gewiß, nicht nur die Parteien, sondern auch die deut schen Bundesstaaten müssen bei aller Wahrung berechtigter Eigenarten, doch alles aus dem Wege räumen helfen, was der erstarkten Einheit des Reiches noch im Wege steht. Das würde auch eine leichtere Lösung der wirtschaftlichen und so zialen Fragen ermöglichen. Wir können mit Scheidemann schließen: zunächst müssen wir alle Kräfte zusammenraffen, um zu siegen!

Der französische Bericht.

Paris, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Be⸗ richt von 3 Uhr nachmittags: Zwischen dem Meere und der Lys eine zeitweilig aussetzende, wenig heftige Kanonade. Im Gebiete von Ypern erwiderte unsere Artillerie wirksam derjenigen des Feindes: sie konnte ein gutgezieltes Feuer gegen die deutschen Schützengräben richten. Zwischen der Lys und der Oise im Gebiete von La Boiselle nahmen wir nach heftigem Kampf einen Schützen⸗ graben. Nordöstlich Soissons, auf der Spitze der Höhe 132 schlugen wir gestern einen deutschen Angriff ab und griffen darauf selbst an. Wir eroberten auf einer Front von ungefähr 500 Metern zwei Linien feindlicher Schützengräben, verlängerten dadurch gegen Osten die am 3. Januar eroberten Schützengräben und sicherten uns so den ganzen Besitz der Spitzen der Höhe 132. An der Aisne, in der Champagne bis Reims Artilleviekämpfe. Zwischen Reims und den Argonnen beschossen wir die feindlichen Schützengräben der ersten Linie und die Unterstände der Reserven. Nördlich Perthes rückten wir vor. Nachdem wir gestern abend die bereits gemel deten Gegenangriffe abgewiesen hatten, gewannen wir eine Linie von 200 Meter Schützengräben. Nördlich Beaussjour versteifte sich der Feind darauf, die Feldbefestigung, die er gestern verlor, wieder einzunehmen. Seine Gegenangrifse, alle mit je zwei Bataillonen,

der zweite in geschlossenen Formationen ausgeführt, wurden ab⸗ gewiesen, wobei der Feind große Verluste erlitt. In den Argonnen einige kleinere Gefechte. Wir behaupteten unsere Stellungen. Zwi⸗ schen der Maas und der Mosel ein ruhiger Tag. In den Vogesen herrscht dichter Schneefall. Einige Granaten fielen auf Altthann und die Höhe 425. Ein deutsches Flugschiff in Feindeshand gefallen.

Paris, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Ein deutsches Flugzeug wurde bei Amiens von französischen verfolgt und zur Landung gezwungen, wobei es in die französischen Linien siel Ein deutscher Offizier wurde getötet, ein anderer verletzt.

Die Angst vor deutschen Fliegern.

Berlin, 13. Jan. Ueber Amsterdam wird verschie denen Blättern aus Paris gemeldet: Das ganze Interesse konzentriert sich auf die Expedition der deutschen Flie⸗ ger an die französische Nordtüste. Wegen der Angst, daß die Deutschen ihre Juftangriffe auch auf Paris wiederholen werden, sind neuerdings mächtige Schein werfer auf den Höhen von Montmorency, St. Cloud und Belleville angebracht worden.

Verdunkelung von Paris.

Paris, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DerTemps mel⸗ det: Die Bevölkerung von Paris wird binnen kurzem durch die Presse von Maßnahmen benachrichtigt werden, die für eine even- tuelle Verminderung der Straßenbeleuchtung getroffen wor⸗ den sind, um der Gefahr einer Beschießung durch Zeppeline und Flugzeuge zu begegnen.

Besorgnisse derTimes.

Berlin, 13. Jan. Nach den ungeheuren an Offizieren, welche die Engländer in Flandern erlitten haben, erwartet lautBerl. Tagebl. dieTimes, daß die neuen Offiziere, die an die Front gehen, hin⸗ reichend ausgebildet seien, um sich selbst und die Truppen mehr zu schonen. Eine neue Offensive sei wegen des Man⸗ gels tüchtiger Offiziere weit bedenklicher als für die Deutschen.

Die deutschen Unterseeboote im Aermelkanal.

Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) DieVoss. Ztg. mel⸗ det aus Hamburg: Nach Meldungen aus Flandern hat Eng⸗ land die weiteren Truppentransporte auf dem bisherigen Wege von Folkestone nach Dieppe eingestellt, weil, wie den Hamburger Nachrichten aus Brüssel gemeldet wird, den Aermel-Kanal durch die deutschen Unterseeboote unsichen gemacht wird. Die englischen Truppen werden jetzt von Ports⸗ mouth nach Le Havre und La Police geschickt.

Fluchtversuch englischer Offiziere.

Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) DasBerl. Tagebl. meldet aus Amsterdam: WieNieuwe van den Dag aus Groningen meldet, versuchten dort am Samstag vier internierte englische Offiziere in zwei Kraft⸗ wagen nach Harlingen zu entfliehen. Der holländische Ver- mieter der Wagen, der mißtrauisch geworden war, benachrich tigte die Polizei, welche die Offiziere verhaftete.

Ein englischer Uebergriff.

Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) 3. meldet aus Kristianiga: Der aus England eingetroffene Führer des nor⸗ wegischen DampfersHandchen aus Haugesund erzählt in der ZeitungAftenposten, der Dampfer wollte wegen Maschinen⸗ schadens den englischen Hafen Blyth bei sehr stürmischem Wetter anlaufen. Als der Kapitän den Hafen ohne Lotsen anzulaufen versuchte, wurde das Schiff, das neben der Lotsenflagge auch die norwegische Flagge führte, als es vor dem Hafenpier ankam, von den Soldaten sehr heftig beschossen. Die Beschießung hörte erst auf, nachdem es den Offizieren und Mannschaften des Schiffes, welche sich halb niederlegten, aber ihres Posten nicht verließen, gelungen war, das Schiff glücklich bis an den Hafen⸗ platz zu manövrieren. Das Schiff ist mehrfach beschädigt worden.

Eine bemerkenswerte italienische Aeußerung.

Berlin, 13. Jan.(etr. Blu.) DemBerl. Lokalanz wird eine bemerkenswerte Aeußerung des Mailänder Blattes Perseveranza, das in auswärtigen Angelegenheiten als gut unterrichtet gilt, übermittelt. Das Blatt sagt: Die Japaner mögen kommen oder nicht, das eine ist sicher: Die Russen, Fran⸗ zosen und Engländer können eher auf die Soldaten des Mikado rechnen, als auf Hilfe von Eu ro pa, insbe⸗ sondere von Italien. Und was Rumänien aubetrifft, so wird es tun, was ihm beliebt, allein oder in Gesellschaft, falls der Balkanbund, um den sich die Dreiverbandsmächte bemühen, wieder aufleben sollte, was wir bezweifeln. Italien betreibt eine ausschließlich italienische Politik.

Die deutschen Kriegsgefangenen in Gibraltar.

Berlin, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Beim Auswärtigen Amt sind Klagen eingelaufen, daß es den deutschen Kriegsgefangenen in Gibral⸗ tar verboten ist, in deutscher Sprache zu korrespondieren. Diese Angelegenheit ist durch Vermittelung einer neutralen Macht bei der britischen Regierung zur Sprache gebracht worden. Es ist darauf

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Verlusten

Die.

die Antwort eingetroffen, daß den Kriegsgefangenen der Gebrauch 1

der deutschen Sprache gestattet, ihnen nur anheimgegeben worden

ist, sich der englischen Sprache zu bedienen, falls sie Verzögerungen

bei der Zensur der Briefe vermeiden wollen. Ebenso können sie Briefe in deutscher Sprache empfangen, jedoch ist es ihnen nur erlaubt, wöchentlich zweimal Briefe abzusenden, die nicht mehr als zwei Seiten umfassen dürfen.

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