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Die Landwirtschaft auf der Uriegswacht. 5 Unter diesem Titel veröffentlicht der bekannte Biologe Geh. Rat Prof. Zuntz in der Umschau einen Vortrag, den er vor dem Klub der Landwirte zu Berlin gehalten hat, und gibt darin verschiedene wichtige Ratschläge, die die wirt- schaf Rüstung unseres Volkes stärken werden. Nach seinen Berechnungen über den Anteil des Auslandes an der Ernährung Deutschlands, für die er als einheitliches Maß die Milliardenkalorie gewählt hat, verbrauchen wir an pflanzlichen Produkten 61604000 Milliardenkalorien, von denen 5 Millionen aus dem Ausland kamen, an tierischen Produkten 26 987 000 Milliardenkalorien, von denen das Ausland 12 Millionen lieferte. 20 Proz. unseres gesamten Nährstoffverbrauches stammten also bisher aus der Fremde. 9 Mengen Futterstoffe aus dem Auslande bezogen wu„so wird die Tierproduktion eine weitgehende Ein— schränkung erfahren müssen. Wird nicht Ersatz für die aus- ländischen Futtermittel geschaffen, so ist mit dem Schlach⸗ ten von etwa einem Drittel unseres Schweinebestandes zu rechnen. Auch Zuntz betont das von den Behörden so nachdrück⸗ lich hervorgehobene Verbot, Brotgetreide an Tiere zu ver— füttern, denn es handelt sich dabei nicht etwa um Kleinig- keiten, sondern 2—3 Millionen Tonnen Roggen wurden bisher an Tiere verfüttert. In der Frage nach den Ersatz⸗ materialien für das Futter macht er darauf aufmerksam, daß bisher ganz ungeheure Mengen von Futter vergeudet wurden, besonders Rübenblätter und Rübenköpfe. Auch Kar⸗ toffelkraut kann in zweckdienlichster Weise als Futter ver⸗ wendet werden, wie die Versuche des Institutes für Gä⸗ rungsgewerbe bewiesen haben. Die Kartoffeltrocknung ist b wichtig, weil ohne diese für die Zeit vom März bis zur nächsten Ernte Verluste von 10—25 Proz. entstehen würden, so daß durch das Trocknen ganz gewaltige Mengen menschlicher Nahrungswerte erhalten bleiben. Wir müssen von vornherein damit rechnen, daß unsere nächstjährige Ernte geringere Erträgnisse liefern wird als gewöhnlich, denn in Teilen von Ostpreußen und dem Elsaß wird die Winterbestellung unterbleiben müssen, und auch bei der Sommerbestellung werden die* wohl nicht die sonst sewohnten sein. Zwar sucht unsere Technik für den hand⸗ ichsten Stickstoffdünger, den Chilisalpeter, Ersatz zu schaffen, aber dies kann nur in bescheidenem Umfang geschehen. Doch müßte der Staat ohne Rücksicht auf die Kostenfrage für die Erzeugung von Düngestoffen sorgen. Freilich können dazu auch die Landwirte viel tun, wenn sie nicht mehr so viel Stickstoff durch die schlechte Pflege von Dung und Jauche uden. Wenn nur 40, ja sogar nur 20 Proz. dieser Stick⸗ stoffmengen erhalten bleiben, so würde das die fehlende Einfuhr von Chilisalpeter vollkommen ausgleichen. Deshalb ist die Konservierung der eine der wichtigsten Maß⸗ nahmen, die sich die Landwirtschaft angelegen sein lassen muß. Und ebenso wie der Landwirt eine ganz neue Spar⸗ samkeit zeigen muß, so soll auch die Hausfrau die Verluste vermeiden, die bisher durch Sorglosigkeit und Unachtsam⸗ keit entstanden. Betragen doch die Fettmengen, die täglich von Tellern und Schüsseln weggespült werden, 7 Prozent unseres gesamten Nahrungsbedarfes. Das Wegwerfen von Brot muß als eine eee und
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schlechte Handlung aufgefaßt werden, so wie es unsere Vorväter getan haben. Auch die Liebhaberei für Tiere ist vielfach als eine Art Verschwendung anzusehen. So be⸗ kommen z. B. Pferde, die kaum arbeiten, bei manchen Land⸗ wirten so große Hafermengen, daß mehrere Milchkühe und ine davon ernährt werden könnten. Die Landwirt⸗ chaft kann auch viel dazu tun, um namentlich im Winter ie städtischen Abfälle auszunutzen. So sollte jeder Wagen, der Milch nach der Stadt fährt, gleich große Mengen an Futterstoffen zurückbringen..
Zuntz wendet sich zuletzt gegen den Vorschlag, für die nächstjährige Ernte den Bau von Zuckerrüben einzuschrän⸗ ken, da man ja Zucker genug habe und die so frei werdenden Felder für die Getreideproduktion oder für Hülsenfrüchte nutzbar gemacht werden könnten. Nun ist aber der Anbau für Hülsenfrüchte unsicher, und das Zuckerrübenfeld liefert etwa—.—1 so viel Kalorien, wie das gleich große Ge⸗
treidefeld und auch mehr Eiweiß. Anstatt den Zuckerrüben⸗
bau einzuschränken, sollte man vielmehr in Deutschland mehr Zucker essen der bis jetzt nur 5—6 Proz. unserer
Nahrungsmittel, in England da Amerika 12 Proz. ausmachte. Der Zuckerverbrauch bei uns könnte z gut um das Doppelte steigen, und man sollte diese günstige Gelegenheit, den Zuckerkonsum zu erhöhen, nicht unbenutzt lassen.„Es ist. ein Verbrechen,“ sagt Zuntz,„daß man jetzt, nachdem das Ausfuhrverbot für Zucker noch besteht, den Zucker einsperrt, um die Preise auf ihrer relativen Höhe zu lassen und nicht den Konsum zu unserer Tierhaltung zugute kommen, da man die Melasse, das billigste Futtermittel, mehr ausnützen würde.
Dermischtes.
* Großfeuer in Kottbus. Aus Kottbus wird vom 11. Januar gemeldet: Heute abend gegen 6 Uhr kam in der Woll⸗ spinnerei von Wilhelm Müller am Ostrower Damm Groß⸗ feuer aus, das sich über das ganze Anwesen auszudehnen beginnt. Sämtliche Feuerwehren der Stadt fuhren zur Brandstätte, doch
5 scheint eine Bekämpfung des Feuers sehr schwierig. Bandel.
In Preiserhöhungen. Der Verband der Fabriken für elektrische Installationsartikel hat infolge Mangel und Preis- steigerung von Kupfer und Gummi die Fabrikate um 10 bis 20 Proz. gesteigert.— Der Bleiweißverband hat infolge der Steigerung der Rohbleipreise mit sofortiger Wirkung den Preis für trockenes Bleiweiß um Mk. 2 per 100 Kgr. erhöht.— Der Verband deutscher Tuchversender und Grossisten hat eine Erhöhung der Preise für Zivilstoffe eintreten lassen. Für Muster der Winter- stoffe aus 1914 werden 10 Proz. mehr berechnet. Futterstoffe und Baumwollwaren erfuhren eine Steigerung von mindestens 6 Proz. Alle Schneiderbedarfsartikel sind um 16 Proz. gestiegen.— Der Verein der Spachtel⸗ und Tambur-Industrie beschloß, seine Fabrikate um 10 Proz. teurer zu vexlaulen. ———
2 Märkte. 3 FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 11. Jan. Auftrieb: Rinder 245(Ochsen 54, Bullen 20, Kühe und Färsen 171), Kälber 385, Schafe 64, Schweine 802. Markverlauf: Mittleres Geschäst; Markt geräumt.
en 11 Proz. und in
in Kleinvieh wurde der Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht-
gewicht. vollleilsge, Suspend, zöchsten edi 5 ollfleischige, ausgemästete, höchsten acht wertes im Alter von 4—7 Jahren 5. 54—58 92—102 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere age ee„ 50—84 88-94 2 Bullen. Voollfleischige, ausgew. höchsten Schlachtw. 44—48 79—86 8 Färsen. Kühe. Volfleischige, ausgemästete Järsen höchsten „ nn
Schlacht wertes
steigern.“ Der größere Verbrauch von Zucker würde auch.
Voll fl ischige ausgemästete Kühe böchsten
Schlachtwertes bis zu 7 Jahren— 75—82 Wenig gut entwickelte Färsen.. 44—48 88— 92 Kälber. Feinste Mastkäl ber 5800 97—00 Mittlere Mast- und beste Saugkälber.. 54—56 92— 94 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 49—54 84-92 Sch a fe. Mastlämmer und Masthammel.. 44,00 46,00 92—94 Weidemastschase: Sch weine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewichghgnhe 63—64% 81—83 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 62-63 7781 Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendgewicht. 64 ¼—66 81-83
Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendge wicht. 60-81 77—79
la, Frankfurt a. M., 12. Jan. Heu- und Strohmarkt. Man notierte eu 40,0 0,00 Mk., Stroh(Kornlangstroh) 0.00 bis „00 Mk., Wirrsiroh 0,00—0,00 Mark. Alles je 50 Kiio. Ge schäft flolt. Die Zuführen waren aus den Kreisen Friedberg, Hanau und Dieburg.
wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 53. Woche. Vom 27. bis 31. Dezember 1914. Einwohserzahl: angenommen zu 329(inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitszisfer: 19,00%, nach Abzug von 9 Ortsjre inden: 4,74%, Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.— 15. Jahr:
Altersschwäche 1(00 10)—— Divhtherie 2(2)—— 2(2) Tuberkulose der
Hirnhäute 10)—— 1(1) Krankheiten der Kreis-
lausorgane 2 2—— Krankheiten des
Nervensystems 100) 0—— Krankheiten der
Harnorgane 2(2) 2(2)—— Kriegsverletzungen 2(0) 20)—— Perniciöser Anämie 1(81) 10)——
Summa: 12(9) 9(6)— 3(3)
1) darunter 1 Kriegsgefangener.
) darunter 1 Kriegsgefangener.
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 13. Januar 1915: Bedectt, zeitweise Mederschläge, westliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Die Kämpfe im Westen.
Kopenhagen, 12. Jan.„National Tidende“ meldet aus Paris: Trotz des schlechten Wetters werden die Kämpfe auf der ganzen Front fortgeseßzt. Sie gehen mit besonderer Heftigkeit bei Soissons, Perthes und in der Nähe von Reims vor sich, welche Städte der Schau- — 5 ununterbrochener Zusammenstöße sind. Aufmerksam⸗ eit erregt es, daß die Deutschen fortfahren, gewaltsame Angriffe gegen uns im Argonner Walde zu richten. Auch im Küstengelände entwickeln die Deutschen eine fieber⸗ hafte Tätigkeit. Zwischen Knocke und Heyst, Zeebrügge und Blankenberghe wird im Augenblick mit großer Heftigkeit gekämpft.
Prahlereien über die neue französische Offensive.
Rom, 12. Jan. Ein Pariser Brief des„Mattino“ schreiht über die Seelenstimmung der Franzosen, daß die große Volksmasse das Hinauszögern der erwähnten Riesenoffensive als geradezu schmerzlich empfindet. Der Korrespondent berichtet über die eifrig fortschreitenden Vorarbeiten zu dieser Offensive, die erfolgen werde, sobald die Millionen der neu einberufenen drei Jahresklassen ausgebildet seien. Diese Ausbildung müsse sich dies⸗ mal mit furchtbarer Bewaffnung und mit der Hoffnung paaren, daß die Waffen und die Geschütze der Deutschen bis zum entschei⸗ denden Augenblick schadhaft geworden und daß die Deutschen dann absolut minderwertig sein werden. An schweren Geschützen werden täglich drei gegossen, so daß also im Verlaufe von 159 Tagen 450 neue schwere Geschütze hergestellt werden. Auch seien die französischen Festungen mit neuen Kanonen ausgestattet worden, welche den deutschen gleichkommen.
Verdun ernstlich bedroht.
Berlin, 11. Jan. Die Stadt und die Umgebung von Soissons werden von deutschen schweren Geschützen neuer⸗ dings wirksam beschossen. Die Aktion der Deutschen bei Four de Paris und westlich Boureilles einerseits, bei Aprémont dererseits und die bereits errungenen Vorteile ver⸗ anlassen den Militärkritiker Rousseaut, zuzugestehen, daß das systematische deutsche Zusammenwirken im Argonner⸗ walde in der Richtung von Verdun bereits größere Fort- schritte gemacht habe und daß diese Stadt neuerlich ernst—⸗
lich bedroht sei. Russische Berichte.
Petersburg, 12. Jan. Der letzterschienene russische Be⸗ richt besagt u. a.: Auf dem linken Üser der Weichsel herrschte in den letzten Tagen fast vollständige Waffenruhe, nur an der Front⸗ stellung Sucha⸗Bolimow fanden erbitterte Kämpfe statt. Es gelang hier den Deutschen, einige Vorteile zu erringen. Ber dem Dorfe Sucha selbst kam es zu einem Bajonettkampf zwischen un⸗ seren Truppen und dem Gegner. Es gelang uns, einige von den Deutschen eroberten Laufgräben wieder an uns zu reißen. In Galizien haben keine besonderen Veränderungen in der Front statt⸗
gefunden. Der deutsche Ansturm auf Warschau.
London, 12. Jan.„Daily Telegraph“ meldet, daß lein Zweifel bestehen könne, daß die Deutschen nach wie vor den größten Wert auf den Besitz von Warschau legten. Es werde dieses zur Genüge durch die andauernden erbitter⸗ ten Kämpfe bei Sochaczew erwiesen. Die Deutschen kämpften Tag und Nacht. Es komme vor, daß sie an einem einzigen Tage mehr als 10 Sturmangriffe an verschiedenen Stellen der Front unternehmen.
Amerika und England.
London, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich. Reuter meldet aus Newyork: Staatssekretär Bryan sagte: Er wünsche eine Aeusserung zu der Antwort Greys auf die amerikanische Note zu verschieben, bis er den vollständigen Text erhalten haben würde. Hohe Regierungsbeamte halten jedoch den Ton der Antwort für durchaus freundlich und glauben, die Erörterung werde in gleicher Weise fortgesetzt werden. Die Kontroverse werde sich nicht in eine Prinzipienfrage auflösen, sondern eine Frage von aktueller Notwendigkeit behandeln. Bezüglich der Kupfer⸗ ausfuhr sind sie der Ansicht, England solle wirksame Vereinba⸗ rungen mit den an die Kriegführenden grenzenden Neutralen treffen. Im ganzen wird die Antwort als befriedigend angesehen, obwohl das Staatsdepartement eine Statistik beibringen wird, die den von Grey angegebenen Ziffern widerspricht.(Wohlgemerkt, es handelt sich hier um eine Stimmungsmache des Reuter-Bure⸗ aus. Red. des Gieß. Anz.)
Zur Beschießung von Whitdy. a
London, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Archi⸗
tekt John Bilson, zweiter Vorsitzender des englischen
archäologischen Instituts, hat einen Bericht verfaßt über den
Schaden, den die deutsche Beschießung vom 16. Dezember an
der Ruine der Abtei von Whitby angerichtet hat. Bilson sagt
darin, der Schade sei, obwohl beträchtlich, nicht so groß, wie
man hätte befürchten können. Der westliche Teil des Schiffes
der Kirche habe am meisten gelitten. Der schöne Chor sei aber fast ganz unbeschädigt geblieben.
Die deutschen„Barbaren“.
Basel, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Oberst Mül⸗
ler, der vor kurzem Gelegenheit hatte, mehrere von den
Deutschen besetzte französische Dörfer zu 0 dae
von dem Verhältnis zwischen der einheimischen. völkerung und den Deutschen folgende Darstel Ueberall hätten die Leute auf seine Frage, wie sie mit den Deutschen auskämen, versichert, diese seien sehr höf— lich, und der Verkehr mit ihnen gestalte sich sehr angenehm. In einem Hause, in welchem 20 Deutsche einquartiert waren, habe er die junge Frau nach dem Betragen der deutschen Soldaten gefragt. Diese habe lebhaft und nicht ohne Wärme geantwortet, sie seien sehr liebenswürdig und sehr anständig. Sie habe geklagt, wie groß früher die Not des Dorfes ge⸗ wesen sei, jetzt jedoch sei die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln, wie überall, wo die deutschen Truppen fran⸗ zösisches Gebiet besetzt hätten, geordnet; die Naturalien würden durch die Heeresverwaltung herbeigeschafft und an. die Bevölkerung abgegeben. Die deutschen Soldaten teilten selbst ihr Brot mit der Bevölkerung. Auf seine Bemerkung, die Deutschen seien also anscheinend keine Barbaren, habe sie mit Leidenschaft geantwortet: Sicherlich nicht, aber der Krieg regt die Leute so auf, daß sie sich gegenseitig ver⸗ leumden und übles voneinander reden.
Deutschland in englischer Beleuchtung.
Amsterdam, 12. Jan. Die„Daily Mail“ hat von ihrem Amsterdamer. eine Reihe von Artikeln über den Zustand in Deutschland veröffentlicht und faßt nun diese Mittei⸗ lungen in ihrem leitenden Artikel dahin zusammen: Es ist ein großes Land, nichts fürchtend, voll Vertrauen auf den Sieg, glän⸗ zend organisiert zum Siege, mit unglaublichen, wie es selbst glaubt unversiegbaren Hilfsquellen an Menschen- und Kriegsmaterial, das trotz der schweren Verluste ungeschwächt ist, das durch den ökonomischen Druck der britischen Uebermacht zur See bis auf ein⸗ zelne Ausnahmen noch nicht gebrochen ist. Es ist keine Spur von Mangel an Lebensmitteln zu bemerken. Deutschland ist von einem verzehrenden Haß gegen England erfüllt.
England braucht keine japanische Intervention.
Rom, 12. Jan. Wie aus London gemeldet wird, erklärte Premierminister Asquith den Vertretern der Presse, jede Ex⸗ örterung über die Berufung japanischer Truppen nach Europa sei vollständig unnütz. England bedürse Japans Hilfe nicht und werde sie nicht nachsuchen.
Englische Niederlage in Mesopotamien.
Konstantinopel, 11. Jan. Das Hauptquartier teilt mit: Die Engländer haben auf ihrem Vormarsch links des Tigris am Sonnabend nachmittag in Irak eine erhebliche Schlappe erlitten. Zwei Bataillone englischer Infanterie, unterstützt von zwei Gebirgs-Schnellfeuergeschützen, versuchten einen Ueber⸗ raschungsangriff auf ein Lager arabischer Stämme in der Gegend von Kiana. Die Engländer mußten jedoch nach zweistündigem Kampfe unter Zurücklassung von 125 Toten und Ver⸗ wundetenfliehen. Die Araber hatten nur 15 Verwundete.— Im Gebiete von Aserbeidschan dauert die Verfolgung der Russen, die sich aus Kot und Rumich zurückgezogen haben, an. — Die Petersburger Meldungen, die Russen. batten Divisions⸗ generale eines türkischen Armeekorps gefangen genommen, wird offiziell dementiert. Dagegen haben sich die Russen eines schwer⸗ verwundeten Divisionsgenerals dadurch bemächtigt, daß sie einen türlischen Verwundetentransport in einer russischen Stadt an⸗ griffen und die verwundeten Soldaten töteten.
Persiens Haltung zum Dreiverband.
Genf, 12. Jan. Der„Herold“ meldet, daß neuer⸗ dings Schritte Rußlands und Englands bei der persischen Regierung bevorstehen. Namentlich der letzte Be⸗ such des englischen Gesandten in Teheran, Persien auf die Seite des Dreiverbandes herüberzuziehen, sollen Erfolg ge habt haben. g
Kriegsreden in Italien.
Rom, 12. Jan. In Mailand, der Hochburg der italieni⸗ schen Kriegshetzer, sowie auch in Turin wurden gestern Volks⸗ versammlungen gegen den Krieg abgehalten. In Mai⸗ land srrach der Abgeordnete Belmonte für die Neutralität, die allerdings nicht absolut sein dürfte, da sonst das italienische Volk einschlummern und impotent er cheinen könnte. In Turin sprachen sich die Sozialisten gegen den Krieg aus. Die Nationalisten ver⸗ anstalteten eine Gegenkundgebung. Die Polizei mußte einschreiten.
Der Nachfolger A. v. Werners. f Berlin, 12. Jan. Professor Arthur Kampf, der bekannte
Berliner Maler, ist als Nachfolger für den verstorbenen Geschichtss 2
maler Anton v. Werner kommissarisch mit der Leitung der aka⸗ demischen Hochschule für die bildenden Künste betraut worden.
Hochwasser.
Dresden, 12. Jan. Hochwasser ist jetzt auch im Elbegebiet eingetreten. Der Fluß hat in Dresden einen Pegelstand von 1,65 Meter überschritten. Auch im Gebiet der Nebenflüsse sowie in der Lausitz ist infolge der Schneeschmelze Hochwasser eingetreten. An manchen Stellen sind die Flüsse weit über ihre Ufer getreten.
Gegen den Aberglauben.
Limburg, 12. Jan. Zur Beseitigung des Aberglaubens at das bischöfliche Ordinariat in Limburg einen Erlaß an die Lehörden gerichtet zur Unterdrückung abergläubischer Gebete und die sogenanntlen Haus- und Sckhutzb iese, die sowohl in der Heimat als auch bei unseren Truppen im Felde verbreitet werden und die hochwürdige Geistlichkeit aufgefordert, in Predigt, Christenlehre und Religion, Unterricht und Ansprachen diesen sündhaften Unfug kräftig zu bekämpfen. Die Gläubigen besonders auch von der Zu⸗ sendung gottloser Briefe an unsere Krieger ab⸗ und zur Ver⸗ nichtung aller abergläubischen Dinge anzuhalten.
Falceaer feln
Dlr.: Hermann Steingoetter.
Dienstag, 12. Jan. 1915 abends 8½¼ Ubr
Allexbeste Taschenlampen⸗
Batterien
für unsexe Krieger.— Bei Uebernahme der regelmäßig. Zusendung ins Jeld 10 Ig.
für Porto. 0106. l 2 Cari Schunck G but Weefse erm i Kricaslieserant. Weh' dem, der lügt!
Lustspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Ende gegen 11 Uhr.
Soldaten vom Feldwebel ab⸗
wärts zahlen bei allen Vor⸗
stellungen auf 2. u. 3. Parkett
nur halbe Preise. 4660
SSS 5 Wärmeöfchen; 7 Schunck, Bahnhollstr.—


