Ausgabe 
(11.1.1915) 8. Erstes Blatt
Seite
56
 
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am 18. d. in heutiger Nummer.

I Motszlar, 9. Jan.

7 Unterschmitten,

Mann namens

od e des Melde

1 gserklärung des Vaters g cheins zum freiwilligen Ein⸗ tritt sowie eines Lebenslaufes sind bis zum 15. Januar Fr richten an das Kommando des 2. Ersatz-Seebataillons Nr. 1, Wilhelmshaven. 5* Ein neuer Lazarettzug ist vom Vaterländischen Frauenverein Schöneberg in Verbindung mit den Berliner Vor⸗ ortgemeinden Friedenau, Steglitz, Lichterfelde und Zehlendorf, gestiftet worden. Der Zug wird unter Berücksichtigung der bisher gesammelten Erfahrungen nach ganz neuen Gesichtspunkten gebaut und es ist seitens des Vaterländischen Frauenvereins Schöneberg beabsichtigt, eine Denkschrift herauszugeben. Für alle diejenigen, die Interesse für die Ausrüstung weiterer Lazarettzüge haben, wird diese Denkschrift sehr wertvoll sein, zumal der neue Lazarettzug L 3% trotz seiner ungleich geringeren Herstellungskosten zweisel⸗ los der am zweckmäßigsten eingerichtete sein dürfte. Bei der sich einstellenden Kälte ist die Stiftung weiterer Lazarettzüge von be⸗ sonderer Wichtigkeit, zumal diese Züge nicht nur für den Transport der Verwundeten von den Kriegsschauplätzen nach den Innern des Reiches, sondern auch als stehende Lazarette in der Nähe der Kampfplätze Verwendung finden. 655 n 00 N Die deut⸗ esa im Haag(Holland), übernimmt die Weiterbeförderung von Briefen und Postkarten nach dem Ausland, besonders nach England. Die an die Gesandtschaft gerichteten Briefe müssen genügend frankiert sein und das für das Ausland bestimmte Schriftstück in einem zweiten, mit der genauen Auslandsadresse versehenen Briefumschlag enthalten. Briefe nach England(außer den⸗ jenigen an Gefangene) müssen in englischer Sprache ab⸗ gefaßt sein, 5 nach Frankreich in französischer Sprache usw. Die 19 5 müssen ferner kurz und deutlich ge⸗ halten sein und dürfen nicht verschlossen werden. Deutliche Adresse, lateinische Schrift! Jedem an die Gesandtschaft ge⸗ richteten Briefe muß ein Internationaler Ant⸗ wortsche in(für 25 Pfg. bei den Postämtern erhältlich) für die von der Gesandtschaft auf den Auslandsbrief zu klebenden holländischen Briefmarken beigefügt werden. Geld und Pabete werden durch die Gesandtschaft nicht weiter⸗ befördert. Für Gefangene bestehen hierfür besondere Ver⸗ 3 die bei den Postämtern erfragt werden kön⸗ nen. Die Dordtsche Bank im Haag, Kneuterdijk 12/14, übernimmt Geldsendungen nach England. N Reichsgründungsfeier. Wie in den ver⸗ 1 t Jahren hat auch dieses Jahr die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes die Veranstaltung einer allgemeinen Reichsgründungsfeier in die Hand genommen. stredner wird eiherr von Vietinghoff-Scheel⸗Wies⸗ en len Die Feier findet, wie stets, am Geburtstag des Reiches selbst, am 18. Januar, statt, diesmal im Saal des Gesellschaftsvereins in der Sonnenstraße. 0

Stadttheater. Man schreibt uns: Die Hauptrollen in der morgigen Aufführung von Grillparzers LustspielWeh' dem,

der lügt, sind folgendermaßen besetzt: Edrita.. Frl. Schild, Leon. Herr Steinhoser, Graf Kattwald.. Herr Schubert,

Bischos Gregor. Herr Dworkowski, Galomir.. Herr v. Roggenhausen, Atalus.. Herr Grosser⸗-Braun. Die Regie(Direktor Steingoetter) hat besonderes Augenmerk auf schnelle Verwandlungen gerichtet, soweit dies bei dem Wechsel im technischen Personal, hervorgerufen durch neue Einberufungen, mög- lich ist. Auf den Salzer-Abend am l sei

wiederholt hingewiesen.

Warmes Frühstück in den Schulen. Zu unserer Mitteilung vom 5. Januar über Verabfolgung eines warmen Frühstücks an bedürftige Schüler ist mitzuteilen, daß die Kosten hierzu aus den Zinsen von erheblichen Stiftungen sowie durch

milde Spenden gedeckt werden.

* Stenographen⸗Gesellschaft Gabelsberger. Am 9. Januar hielt die Stenographen⸗Gesellschaft Gabelsberger in ihrem VereinslokalZum Gambrinus ihre diesjährige ordent⸗ liche Hauptversammlung unter zahlreicher Beteiligung ab. Aus dem durch den 2. Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ging her⸗ vor, daß die Unterrichtstätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahr, ja sogar während der Kriegsmonate, recht rege war, und daß sich die Mitgliederzahl in erfreulicher Weise auf 161* 5 hat. Der zur

ahne einberufenen 34 lieder wurde zu hnachten durch Uebersendung einer Liebesgabe gedacht. Mit Rücksicht darauf, daß der Wesellschaft nunmehr auch eine größere Anzahl Damen angehört, wurde beschlossen, eine Damenabteilung zu gründen, die durch zwei ihrer Mitglieder im Vorstand vertreten werden soll. In den Vor⸗ stand wu gewählt: Polizeih⸗Asp. Alex. Karn bach, 1. Vor⸗ sitzender, Prokurist Heinrich Rau, 2. Vors. Bureaugehilfe Friedr.

Kopp, 1. Schriftführer, Handlungsgehilfe August Siebert, 2. Schriftf., Kaufmann Ludwig Gravel ius, Rechner, Frl. Anna

Krauskopf, Bibliothekarin, Prokurist Karl Heinr. Kuhl, Ge⸗ richtsschreiber Asp, Wilhelm Peppler, Frl. Lina Brasch,

Beisitzer. Einem mehrfach W Wunsche entsprechend, den in kaufmännischen Betrieben, Bureaus usw. Beschäftigten auch während

der Kriegszeit die Erlernung der Kurzschrift zu ermöglichen, soll

wieder ein Anfängerkursus beginnen.(Siehe Anzeige

)

Landkreis Gießen. a Der Ersatzreservist Heinr. Vogel Sohn des Landwirts Ludwig Vogel III., von der 4. Kompagnie

des Reserve-⸗Insanterie⸗Regiments Nr. 222, ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.

8 Kreis Büdingen.

9. Jan. Vizeseldwebel Diehl mann von hier hat sich als Fahnenträger im Butzbacher Ba

taillon des Inf⸗Rgts. 168 das Eiserne Kreuz erworben.

Stockheim b. Ortenberg, 9. Jan. In der hiesigen Holz- schneiderei ist auch eine Schrotmühle im Betrieb. Dort war ein sriedrich Gerlach beim Schroten seines Getreides

behilflich. Der Regulator der Lokomobile versagte, der Betrieb der

Schrotmühle beschleunigte sich plötzlich und der Mühlstein sprana

e

cke. Ein Steinstück flog dem Gerlach wider den Kopf

tötete den Mann auf der Stelle. Gestern wurde der Ver

ckte unter großer Teilnahme der Gemeinde beerdigt. Gerlach läßt eine Witwe und mehrere Kinder.

7 Kreis Alsfeld. h. Nieder⸗ Gemünden, 10. Jan. In einer unserer Nach⸗

*

bargemeinden liegt seit dem Kriege die kirchliche Fürsor ge sehr n Argen. Ter Ortslehrer, der sonst Vorlesegottesdienste hielt, weilt im ege. Ein Nachbarkollege, der ihn bis jetzt vertrat,

0

38. Hauptversammlung ab. Der Verein umfaßt 17 Ehren-, 256 ordentliche, 20 außerordentliche, im ganzen 293 Mitglieder. Sein

kann wegen eines Fußleidens nicht mehr kommen. Und der schon bejahrte Pfarrer ist dienstlich so sehr in Anspruch genommen, da er nicht nach dem Filialorte wandern kann. So war das D lirchlich verwaist. Da erbot sich der Metzgermeister des Ortes zur Abhaltung der Lesegottesdienste. Und so geschah's. Der Pfaxrer gab seine Zustimmung. Seitdem singt der stimmbegabte Meister die Choräle vor, dann liest er eine Predigt, und die Ge⸗ meinde sitzt fast vollzählig in der Kirche und hört ihrem Metzger⸗

meister gern zu.

Kreis Friedberg. r. Bad⸗Nauheim, 10. Jan. MilitärvereinHassia hielt

Der Krieger⸗ und gestern abend seine

Vermögen beträgt zurzeit 3530 Mk., das Vermögen der Sterbe⸗ kasse 1023 Mk. Außerordenlliches leißsete der Verein für die err Familien seiner im Felde stehenden Mitglieder. Außer einer laufenden Unterstützung von 6 Mk. monatlich erhielten die Frauen eine Weihnachtsgabe von 25 Mk. aus der Vereins⸗ kasse und 20 Mk. aus der Verbandskasse. Ferner wurde jedem im Felde stehenden Kameraden, dessen Angehörige nicht besonders auf verzichteten, ein Paket mit Liebesgaben gesandt. Sieben ameraden sind bis jetzt auf dem Felde der Ehre gefallen und nf mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. In Anbetracht der n Zeit wird der Verein von einer Festlichkeit zu Kaisers

Geburtstag absehen, nur ein gemeinsamer Kirchgang vereinigt die Kameraden an diesem patriotischen Gedenktag. Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M., 11. Jan. Emme schwere Blutta aus Eifersucht spielte sich in der Nacht zum Sonntag in der GastwirtschaftZum Wildhof in der Waldstraße ab. Der In- haber dieser Wirtschast, Heinrich Alte meier, der beim Land- sturm eingezogen ist und auf urlaub nach Hause gekommen war, war nach reichlichem Alkoholgenuß mit seiner Frau, die ni mehreren jungen Leuten Karten spielte und gegen die er Eisersucht begte, in Streit geraten. In der Eisersucht zog ker sein Messer und brachte damit seiner Frau zwei Stiche bei, von denen der eine in den Kopf, der andere in den Arm traf. Die Frau wurde in lebensgefährlich verletztem Zustande ins städtische Kranken- haus gebracht. Der Messerheld wurde bald nach der Tat von der Polizei verhaftet und gestern der Militärbehörde überwiesen.

m. Offenbach a. M., 11. Jan. Im Offenbacher Hochwassergebiet, das neben dem Stadtgebiet den Stadt⸗ teil Bürgel sowie das benachbarte Rumpenheim umfaßt, ist über Nacht das Hochwasser erheblich gestiegen und hat nach dem Pegelstand über einen halben Meter zugenommen. Während der Main am Samstag nur vollufrig war, ist er Sonntag über die Ufer getreten und hat weite Strecken unter Wasser ge⸗ setzt. Das Gebiet des Offenbacher Hafens steht jetzt völlig unter Wasser, ebenso sind im Stadtteil Bürgel und im Nachbarort Rum⸗ penheim, wo das Hochwasser bereits bis an die am Ufer gelegenen Häuser heranreicht, weite Strecken überflutet. Der Fährbetrieb, der am Samstag noch durch 2 lange Kähne aufrecht erhalten werden konnte. mußte infolge der geregelten Strömung sowohl in Offen⸗ bach wie in Rumpenheim eingestellt werden, Da ein weiteres Steigen der Fluten befürchtet wird, wurde bereits in der Sonntag⸗ nacht der Duchgang des Hafendammes an der Ueberfähre mit einer dichten Lettigschicht abgesperrt, um eine Ueberflutung des am Main gelegenen Stadtteils zu verhüten. Mit Rück⸗ sicht auf die außerordentlich große Militär⸗Effekten⸗Fabrikation. zu der die gesamte hiesige Industrie nach Ausbruch des Krieges übergegangen ist, und im Hinblick darauf, daß die Industrie dabei auf die Mithilfe der jugendlichen Arbeiterschaft angewiesen ist wurde der gesamte Fortbildungsschulunterricht auf einen Nachmittag von 58 Uhr zusammengelegt. Befrei⸗ ungen vom Unterricht 875 allerdings nunmehr nicht mehr statt.

Hessen⸗Nassau. 4

X Hanau, 10. Jan. Durch einen raffiniert ausgeführ⸗ ten Schwindlertrick hat ein sicher auftretender Mensch, der sich fälschlich als Diamantenhändler Eduard Rieß aus Hamburg bezeichnete, zwei Hanauer Diamantschleiferei⸗ besitzer, die Herren 12110 und Ries, um Diamanten im Werte von etwa 12110 Mk. geprellt, und zwar ist der erstere um 10 500 Mk., der andere um 1610 Mk. ge⸗ schädigt worden. Der Schwindler war in einem der ersten hiesigen Gasthöfe abgestiegen und hatte die beiden Diamant⸗ schleifereibesitzer zu verschiedenem Zeitpunkte mit der Ware zu sich bestellt, da er Käufer sei. Durch einen Gaunertrich war es ihm im Laufe der Verhandlungen gelungen, die mit den echten Diamanten gefüllten versiegelten Briefumschläge mit anderen zu vertauschen, die wertlose Glasstückchen enthielten. Als man handelseinig geworden war, bestellte der Schwindler die Verkäufer zur Empfangnahme des Gel⸗ des und zur Ablieferung der Steine auf den anderen Tag wieder in das Gasthaus. Als nun am anderen Tage die Diamantschleifereibesitzer erschienen, war der indler abgereist. Bei dem Oeffnen der versiegelten Briefum⸗ schläge ergab sich der Betrug.

[[Goßfelden, 10. Jan. Am Dienstag unternahm der 63 Jahre alte Schneider Maurer einen Geschäftsgang nach Mar- burg, von dem er nicht wieder zurückkehrte. Er wurde zuletzt auf dem Heimwege zwischen Werda und Goßfelden gesehen, dort fand man auch an einem Baum hängend seinen Schirm. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Mannes sind bis jetzt erfolglos gewesen. Es wird vermutet, daß er im Hoch wasser umgekommen ist. *

Gießener Strafkammer. g th. Gießen, 8. Jan. Verbrechen aus 58 218 des Str. G. B.

Die erste Verhandlung vor aftammer im neuen Nas behandelte eine vom Gesetz mit Zuchthaus bedrohte Tat. Unter schluß der Oeffentlichkeit wurde den ganzen Vormittag gegen die Landwirts⸗Eheleute S. von Langd verhandelt. Eine große Reihe Zeugen war zur Sache aufgeboten. Die Anklage stand oder fiel mit der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin, einer ehemaligen Dienstmagd der Angeklagten, deren Bekundungen aber durch Ge⸗ richtsbeschluß unvereidet blieben, weil die Zeugin mit ihrem ehe⸗ maligen Dienstherrn nach dem Dienstaustritt nicht im besten Ein⸗ vernehmen geblieben ist. Das Urteil lautete nach langer Beratung auf kostenlose Freisprechung. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher erklärte, der Gerichtshof habe sich nicht ent⸗ schließen können, auf die unvereidigte Aussage einer einzigen Tat⸗ zeugin eine Verurteilung der Eheleute S. eintreten zu lassen, wenn dieselben auch der Tat mehr wie dringend verdächtig erscheinen.

6 Zervelatwürste gestohlen hat der geständige 15 Jahre alte Wilh. A aus Gießen. Er hat die Tat mit dem noch nicht strafmündigen E. H. gemeinsam durch ertrümmern einer Fensterscheibe und Einsteigen in das Lager der irma Theisebach verübt und will 4 machen, H. habe ihn zu dem Streich verführt. Man hat dann den Raub verteilt. Der Angeklagte will dann eine Wurst sofort, die beiden anderen Würste am andern Tage verzehrt haben, um seinen Hunger zu stillen. Der Wert der 6 Würste beträgt etwa 10 Mark. Der Gerichtshof konnte die Tat als Mundraub nicht ansehn und verurteilte den Burschen wegen gemeinschaftlichen Einbruchsdiebstahls zu 3 Tagen Gefängnis, obgleich der Staatsanwalt den Streich mit 14 Tagen gesühnt wissen wollte. Wegen Vergehens wider die Maßregeln gegen die Verbreitung der Maul⸗ und Klauenseuche wurde der 41 Jahre alte, noch unbestrafte Handelsmann H. M. von Nieder⸗Mockstadt zu einer Geldstrafe von 15 Mark oder 1 Tag Gefängnis verurteilt. Der vom persönlichen Erscheinen vor Ge⸗ richt entbundene Angeklagte war Ane am 23. April ein Rind vom Viehmarkt in Hanau eingeführt dasselbe in sein Gehöft eingestellt zu haben, in welchem sich noch weiteres Klauenvieh be⸗ fand. Er hat somit gegen die Verordnung des Kreisamts Büdingen verstoßen, welche verlangt, daß eingeführtes Klauenvieh, ehe es in ein Gehöft eingestellt wird, eine Zeitlang in Quarantäne gehalten werden muß. 5 Rückfälliger Dieb wegen 40 Pfg.

Der 33 Jahre alte Arbeiter Georg K. von Bernsburg, ein wiederholt wegen Betrugs, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Bet⸗ telns und wegen Diebstahls im Rückfall vorbestrafter Mensch, ist im Vogelsberg beim Betteln abgefaßt worden und hat, nachdem er 10 Jahre hindurch sich sonst straffrei gehalten, am 29. November in e beim Wirt Schäfer 40 Pfg., den Inhalt aus einer unverschlossenen Sammelbüchse der Baseler Mission, an sich ge⸗ nommen. Der Angeklagte ist geständig und versichert, wenn er gewußt hätte, daß das Geld für fromme Zwecke gespendet sei, hätte er sich an demselben nicht vergriffen. Der Gerichtshof faßte die Tat milde auf und erkannte wegen des Bettelns auf eine Woche Haft, wegen des Diebstahls im wiederholten Rückfall auf die ge⸗ ringst zulässige Strafe von 3 Monaten Gefängnis. Die Haftstrafe und ein Monat der erkannten Gefängnisstrafe kommen für die er⸗ littene Untersuchungshaft in Abzug.

Hochwasser.

w Berlin, 9. Jan. DasBerl. Tageblatt meldet aus Coblenz: Das Hochwasser der Mosel erreichte eine solche Höhe, daß der Verkehr auf der Moseltalbahn streckenweise ein gestellt werden mußte.

Berlin, 11. Jan.

Der Hochwasserzuwachs des Rhein und Ma in betrug am 10. Januar 90 Zentimeter. Der Rhein-

egel zeigt 2,30 Meter, d. i. 1,2 Meter über normal. Der Neckar ist im Fallen begriffen. Im Taunus herrschen heftige Schneestürme.

Vermischtes.

* Von einer Lawine verschüttet. Aus Da vos wird vom 10. Januar berichtet: 22 Schüler der Anstalt in Schiers unter⸗ nahmen am 10. Januar früh in Begleitung zweier Lehrer eine Schitour in der Richtung der Parsenhütte, oberhalb Davos. Die erste Abteilung geriet in eine Rutschlawine und wurde ver⸗ schüttet; die zweite Abteilung begann sogleich unter Mithilfe einer Rettungsmannschaft die Bergungsarbeiten. Alle Verschüt⸗ teten bis auf einen, der wahrscheinlich tot ist, konnten ausgegraben werden. Einer der Ausgegrabenen war tot, ein zweiter starb au dem Transport. Die übrigen wurden gerettet.

» Humoristische Kriegszeitung. Die Kriegszei⸗ tung für das 15. Armeekorps, die in einer französischen Stadt herausgegeben wird, bringt in ihrer Weihnachtsnummer folgende Humoristische Ecke:Können Sie schwimmen, Gefreiter?Zu Besehl, Herr Leutnant!Na, dann holen Sie mir mal mein Fernglas aus dem Schützengraben! Schultze(beim Braten einer Gans):Wie ich ihr gekriegt hab'? Mein lieber Freund, streng reell. Also ich steh' auf Vorposten. Plötzlich schleicht sie sich heran. Ich rufe:Wer da? Aber sie gibt keine Antwort. Na, und da hab' ich sie dann erschossen! Starke Nerven. Vor Belfort liegt eine Schützenkette von Landwehrmännern. Eine Kugel schlägt einem der Leute den Helm ab. Gleichmütig bückt sich der Mann danach und setzt den Helm wieder auf. Das Gefecht geht weiter. Zum zweitenmal wird der Landwehrmann am Helm getroffen. Und wieder bedeckt er sich ohne eine Spur von Erregung. Aber der Gegner ist hartnäckig. Eine dritte Kugel durchbohrt die Pickel⸗ haube. Der Landwehrmann nimmt sie ab und legt sie neben sich. Abermals kommt eine Kugel geflogen. Sie streift die Schädeldecke des Landwehrmannes und zieht eine lange, blutige Rinne.Hähä! lacht da der Brave,diesmal seid ihr aber rinngefallen!

Löwen in Kriegsnot. Tausende von Nichtkombattan⸗ ten tragen auch das Kreuz des Krieges, wenn auch nur unsichtbar. Von einem solchen Mann erzählt das Berliner Tagebl. folgende, nicht alltägliche Geschichte: Der in Artistenkreisen bekannte 5 teur Joseph Kuschlan, gebürtig aus Istrien in Oesterreich, wu, auf der Tour nach Rußland mit seinen zehn Berberlöwen kurz vor der Grenze vom Ausbruch des Krieges überrascht. Alles

flüchtete, wer aber wollte sich dieses Mannes und seiner sonder⸗

baren Gesellschaft erbarmen? Er blieb mitten auf dem Wege liegen Russische Grangten schlugen links und rechts um seine Wagen ein, einige Treffer rissen sogar ein Loch in den Wohn⸗ wagen. Die durch den Kanonendonner arg verschüchterten Tiere erhoben ein furchtbares Gebrüll; nur der Kaltblütigkeit ihres Be⸗ sitzers war es zu danken, daß die Löwen in der allgemeinen Ver⸗ wirrung nicht ausbrachen. Die Gefahr vergrößerte sich, als der Löwenbändiger nun auch noch in das Feuer von deutscher Seite geriet. Tag und Nacht wachte der Alte bei seinen Tieren, er wäre sicherlich ein Opfer der schwärmenden Kosakenhorden geworden, wenn die Feiglinge es gewagt hätten, ihn aus dem Kreise seiner treuen Tiere herauszuholen; schon ihr Brüllen genügte, um die Feinde im weiten Bogen fernzuhalten. Dafür wurde er denn auch mit großer Freude von unseren Soldaten begrüßt, denen es eine rechte Ueberraschung war, solche Bundesgenossen im Kampfgewühl

vorzufinden. Nun hatten die Löwen, die sofort zuKompagnie⸗

löwen avancierten, gute Tage. Man grüßte sie aus respektvoller Entfernung und brachte ihnen jeden Tag frisches Fleisch von den im Kampf gefallenen Pferden. Ein Leutnant erbarmte sich schließ⸗ lich der Gesellschaft und ließ sie nach Marienburg schaffen, von wo sie auf Anordnung der Militärbehörden nach Berlin abge⸗ schoben wurde. Der Besitzer mußte Reguisiten, Garderoben und alles im Stich lassen und rettete nur sein nacktes Leben und das seiner Löwen. Auch seine Ersparnisse waren mittlerweile auf⸗ ebraucht, so daß er in Berlin nicht einmal mehr die Tiere von der hnbehörde auslösen konnte. In dieser großen Not erbarmte sich der Deutsche Tierschutzverein seiner, der a a eine Unterkunft verschaffte. Nun stehen sie auf einem verlassenen Rummelplatz des Volksgartens am Bahnhof Gesundbrunnen. Sie und ihr Herr leiden Not, denn die Einnahmen fließen spärlich

und es fehlt am nötigsten. n

Briefkasten der Redaktion.

An unsere postbezieher. Mehrfache Anfragen nach unserem

Wandkalender 1915 veranlassen uns zu dem Hinmeis, daß der

Versand gleichzeitig mit der Freitags nummer vom 8. Ja⸗ nuar erfolgte.

pp ß

Bandel.

Das Mitteldeutsche Zement⸗ Syndikat er⸗ höhte die Zementpreise um 18 Mark pro Ladung von 200 Zentnern und erhöhte den zurückzuvergütenden Teuerungszuschlag für den Sac um 30 Pfennig.

Ai Preiserhöhung für Braunkohlen. Eine Ver⸗ treterversammlung von Werkgruppen der mitteldeutschen Braun⸗ kohlenindustrie beschloß eine Erhöhung der Preise um Mk. 1,50 pro Tonne mit Inkrafttreten am 1. April. Einzelne Werke ließen einen Ausschlag von Mk. 1. pro Tonne schon jetzt eintreten. Be⸗ gründet wurde der Ausschlag mit Arbeitermangel und höheren Gestehungskosten.

e Märkte.

ch. Bingen, 8. Jan. Marktpreise. Weizen Mk. 27,50 Korn Mk. 23,50, Gerste Mk. 24,50, Haser Mk. 22,25, Heu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 8,00, Erbsen Mk. 0,0), Linsen Mk. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Mk. 48,00, Roggenmehl Mk. 37,00; alles für 100 Klar. Butter 1 Klgr. Mk. 2,20, Milch 1 Liter 21 Pig., Eier 10 Stück Mk. 1.20.

Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 12. Januar 15: Zeitweise auiheuend, dann unbeständig, Schneeschauer, nordwest⸗

Letzte Nachrichten.

Die Russen wollen Warschau räumen?

Wien, 11. Jan. Wie polnische Blätter melden,5 der Sberbefehlshaber der russischen Armee, Großfürst Nikglaus, eine lange Besprechung mit General Roßki. Wie man sich in Warschau darüber erzählt, haben die russischen militärischen Be⸗ hörden beschlossen, Warschau zu räumen, sobald die Deutschen die Beschießung der Stadt beginnen sollten.

DieBarbaren Amsterdam, 11. Jan. Der Vorsitzende der Unter⸗

stützungskommission für Belgien, Herbert Hoover, ist von einer Reise durch Belgien nach London zurückgekehrt.Vater⸗

land zitiert aus dem von ihm veröffentlichten Bericht fol⸗ gende Stellen: 4 g

Das deutsche Besatzungsheer gewährt den notleiden⸗ den Belgiern viel mehr Hilfe, als man von einem Heer in Kriegszeiten billigerweise erwar⸗ ten dürfte. Der größte Teil des belgischen Gebietes sei durch Landsturm besetzt, dessen Offiziere und Mannschaften, selbst aus ihrem häuslichen Kreise gerissen, mehr Mitgefühl bekunden, als manche aktiven Soldaten. An der Verteil von Lebensmitteln und anderen Gaben haben sich vie Offiziere beteiligt. a

Englands Gerichte. 5 g

Amsterdam, 11. Jan. Ein deutscher Penstonsbesitzer in Holt in der Grafschaft Norfolk verklagte eine Engländerin auf die Zahlung des Pensionspreises von ungefähr 150 Mk. Der Richter sprach ihm 90 Mk. zu, entschied aber, daß das Geld nicht an ihn zu zahlen sei, da das Eigentum der Deutschen unter den obwaltenden Umständen eventuell von der Krone eingezogen werden könne und die Deutschen daher kein Recht mehr auf ihr Vermögen hätten.

Winter im Schwarzwald. 1

Karlsruhe, 11. Jan. In den Hochvogesen und im Hoch⸗ schwarzwald sind große Schneemassen. Auf den Kammhöhen beträgt die Schneehöhe bis einen Meter. Di

Vogesenflüsse führen teilweise Hochwasser.

auch den Löwen

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