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1 Drittes Blatt Etrscheint tazlich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
zießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 9. Januar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten⸗ Anzeiger Gießen.
Der Panamakanal im Kriege. Ein Deutschameritaner, der über die Verhältnisse und über gewisse Geheimnisse des Panamakanals gut e ist, 1 uns: 90 Wee 20 ist eine traurige mie ichte, der Panamakanal in dem Wagen für— Sudden gu⸗ lich wurde, als es keinen Handel mehr für ihn gab. 2 Krieg hat die Frage abgeschnitten. Der Krieg hat aber auch neue, sehr. 2 gestellt. Wie wird es mit der n durch den Kanal? Dürfen die kämpfenden er, wenn sich der Seekrieg— wohl erst im kommenden Sommer— so richtig entwickelt, ihre Kreuzer Fan Dreadno„ihre Torpedo⸗ und U-Boote durch den a 3 rigieren? Wie denkt man in Washington darüber? nicht dun passiv und harmlos die Zeitung liest, findet den Schlüssel zu diesem Rätsel in den neuesten „beunruhi Nachrichten über Erdrutsche im Culebra⸗ chnitt. Wie oft hat man das schon hören müssen! Und jedesmal versicherte Oberst Goethals, die 3 hätten nichts zu sagen, man werde der Schwierigkeit schon 25 werden. Diesmal erklärt der Gouverneur der Panama⸗ malzome das Gegenteil. Die Erdrutsche seien bedenklich. Der al müsse wahrscheinlich gesperrt werden. Insbe⸗ sondere sei die Durchfahrt für— Dreadnoughts in — gestellt. Versteht man? Ahnt man, daß nicht die der Natur, sondern politische Er wägun⸗ gen, hervorgerufen durch den Weltkrieg, der freien Durch⸗ ahrt durch den Kanal gefährlich zu werden drohen? Gewiß, ie Erdrutsche sind Tatsache. Es sind im Oktober und im November v. J. wieder Böschungsabstürze vorgekommen, wie sie bei keinem anderen Tiefbauunternehmen der Erde zu beobachten sind. Man hat über alles bedacht und be⸗ 70 Die Durchfahrt wurde bei Curacka auf Schiffe bis 9,10 Meter Tiefgang beschränkt. Das genügt schon für 0 große Schiffe, z. B. für die Größe der„Kronprinzessin 0 cilie“ vom schen Lloyd, und es genügt für al le schiffe. Warum also soll auf einmal die Durchfahrt von Dreadnoughts in Frage gestellt sein? Politis Gründe! Amerika hat, um sich in einem rie ge Vorteile des neuen Wasserweges zu sichern, Peutralisierung des Kanals durch internationale Ver⸗ abgelehnt und es hat bekanntlich zu seinem utze idi anlagen größten Stils angelegt. ö den Widerst Großbritanniens. Goethals hat fich. im seinen Berichten und Vorträgen über diesen Punkt mit stecht immer 5 ausgeschwiegen. Mam weiß nun folgen⸗ 855 7— fahrten des Kanals sowie die Schleusen en
ke ts mit Ri ü von 35,6 Zentimet erie, 4 enter rie vor⸗ n. Im amerikanischen Kongreß e über diese
seinerzeit ja ein heftiger Streit. N.. 5— nur ein Werk des Friedens bedeuten, nur der f 2 sanstch Sie 225 sich scho 7 Nusbruch ich n 1 U. Weltkrieges mit dem Gedanken, den Kanal im Kriege
u perren! Das geht schon daraus hervor, daß der satz in time of war and in time of peace“ im letzten Ver⸗ trag* der Union e 5
ö nun Europa, ja di t in Flammen gesetzt wurde machte man so unter der Hand der Wilsonschen 09 0 der Benutzung des Panamakanals
schiffe fremder Staaten folgenden Statuten⸗ Die Kriegsschiffe jeder der Nationen, die
jetzt „können den Kanal unter bestimmten Beb g
sind, in⸗
b ö en; dabei ist ihnen natürlich verboten, ihn zu blockieren, in ihm irgend ein Kriegsrecht auszuüben oder ine feindselige 9 zu vollbringen. N
der Kriegführenden dürfen sich na
nicht nit Lebensmitteln oder i
— den Bestimmungen lchen Waren ver⸗
sorgen, die über das Maß hinausgehen, das sie notwendig brauchen. Die Durchfahrt solcher Fahrzeuge soll mit mög⸗ lichster Beschleunigung erfolgen und nur mit solchen Unter⸗ brechungen, wie sie durch den Dienst im Kanal erfordert werden. Keiner der Kriegführenden darf hier Truppen, Munition oder Kriegsmaterial einladen oder ausladen. Außerdem wird gefordert, daß die Kriegsschiffe eines krieg führenden Staates in den um den Kanal herumliegenden. Gewässern nicht länger als 24 Stunden bleiben, ausgenom⸗ men im Falle einer Schiffskatastrophe. Ein Kriegsschiff einer kriegführenden Nation darf den Kanal nicht passieren, bevor nicht 24 Stunden seit der Durchfahrt eines Kriegs- schiffes einer anderen kriegführenden Nation verstrichen sind.“ Wilsons Berater, Oberst Goethals hat sich sehr energisch gegen diese Kanalpolitik während des Krieges ausgesprochen und damit der Welt von neuem bewiesen, daß der Panamakanal in erster Linie nicht aus kommer⸗ ziellen, sondern aus strategischen Gründen erbaut ist. Die Amerikaner haben für die Kanalbefestigungen allein nicht hundert Millionen Dollars geopfert, wenn sie nicht den größten und einzigen Vorteil für sich beansprucht hätten. Jedenfalls wäre es gut, von dem naiven Bedauern über die neuen Erdrutsche zu einer offenen Aussprache über das Problem„der Panamakanal im Kriege“ überzugehen.
Brotgesetze in früherer zeit.
Die Beschränkungen, die durch die neuen Backverord⸗ nungen den Weißbrotessern auferlegt werden, können nur in unserem verwöhnten Zeitalter ein gewisses Aufsehen erregen, denn dem Menschen der Gegenwart ist ja das Weißbrot ein gewöhnliches Nahrungsmittel geworden, wäh— rend es vor 100 Jahren noch als eine Delikatesse galt, Der Kulturhistoriker Gustav Klemm, der uns in die Haus⸗ haltung zur Zeit der Befreiungskriege einen sp intimen Einblick tun läßt, berichtet, daß damals noch vielfach zu Hause gebacken wurde; selbst in den großen Städten, wo der Einzelne keinen Backofen mehr hatte, kaufte man sich noch das Korn selbst auf dem Markte, ließ es dann in der Mühle mahlen und trug das Mehl zum Bäcker, der daraus das Brot für eine bestimmte Familie herstellte. Ueberall han⸗ delte es sich dabei um Schwarzbrot, das allein auf den Tisch kam. Nur für Kranke oder bei besonderen Gelegenheiten gab es Weißbrot und Semmeln, die nicht im Hause selbst ge— backen wurden, sondern die man beim Bäcker für teures Geld einkaufte. Das Schwarzbrot, von dem man gleich auf einmal eine 5 Menge herstellte oder beim Bäcker backen ließ, wurde n„eingemacht“, d. h. verschiedenen Proze⸗ duren unterworfen, die es möglichst lange frisch hielten. Zahlreiche Mittel dieser Art waren im Schwange, und die Hausfrau war auf, ein besonders gutes„Broteinmachez vezept“ sehr stolz. Zustände, wie sie jetzt herbeigeführt wer⸗ den, wo man alltäglich sein frisches Weißbrot ins Haus bekommt, wenn nicht gleich frühmorgens, würden daher den Menschen vor 100 Jahren als ein großer Luxus a der sein. Das Wachsen des Weißbrotverbrauches ist sehr allmählich im 19. Jahrhundert eingetreten. Otto Bähr in seinen ilderungen einer deutschen Stadt etwa aus dem Jahre 1830 teilt mit, daß die wohlhabenderen Leute damals morgens Weißbrot zum Kaffee aßen, aber meist ohne Butter. Kindern gab man wohl einen„Wecken“ mit in die Schule, und das war dann für die Kleinen ein be⸗ sonderer Leckerbissen. Am Nachmittag aber war noch all⸗ gemein Schwarzbrot üblich.
Das Hauptgewicht legten demnach auch die Brotgesetze der Vergangenheit auf den Roggen, der stets das eigent⸗ liche Brotgetreide gewesen ist. Solche Brotgesetze sind im 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert des„patriarchalischen Absolutismus“, in dem der Herrscher sich als der gute Hausvater seiner Untertanen fühlte, besonders reichlich er⸗ lassen worden, und durch sie griff der Staat noch ganz anders in die Gewohnheiten und die„Geschmäcker“ der Einzelnen ein, als es heute selbst in Kriegszeiten der Fall ist.
Aerztliche Sprechstunde in China.
Seltsam fr ige und komisch bunte Szenen schildert Dr. H. Vyrtisch van Vloten, der lange Zeit als Missionsarzt in f ig gewesen ist, in der Deutschen Medizinischen Wochen⸗
er fahrungen aus seiner Sprechstunde wiedergibt. unt sich z. B. folgendes Gespräch mit einem Patienten: t's deinem Edelsteinleib““„Ach, mein„Hausfloh“ hat
immer; kannst du ihm
des Hauses würden gleich die bösen Geister
N K sich seiner Seele zu bemächtigen.“
Dami
des
durch*:„pi sang tshoi nai li: heilen des Leben wo? d. h. Arzt, wo bist du?“ und dabei wird ärger ge⸗
4 f. nur Kettchen oder Oesen haben, um mit einem Malschloß bei Nacht geschlossen werden zu können. Ich komme dem und Schreienden zit Hilfe. Mit Bück⸗
und nach den„tausend Goldstücken“(den Töchtern). Er fragt 8 viel Geld mein Rock kostete und wie lange ich im„Blumen⸗ 7 weile, wie alt ich sei und ob es solche Spitäler wie Ver in meinem„wehrten Reich“ gebe(dabei wußten die Chi⸗ 3 1
nesen vor uns kaum etwas von einem richtigen Spital!)? End⸗ ich rückt er heraus, daß sein Sohn einen bösen Zahn habe 7 Uebelstand war gleich abgeholfen, und da der Zahn bereits wackelte, war's ohne Schmerz gegangen. Glücklich und verwun⸗ dert sieht's der Vater und läuft plötzlich zur Tür hinaus. Und dann kracht's draußen: ein, zwei⸗ bis hundertmal! Es war ein Paket Feuerfrösche, die der dankbare Vater mir zu Ehren anzündete— das Geld wäre mir, d. h. meinem Spital, lieber gewesen!“ N
Ein Mann, den der Arzt von der Wassersucht heilte, kam einmal mit einem langen Zuge von Pfeifern und Trommlern zu ihm, nachdem er erst durch die ganze Stadt gezogen war, um für das Missionsspital Reklame zu machen.„In der Verkleidung eines hohen Gelehrten, um mich besonders zu ehren, neigte er sich vor mir und ließ mir nebst einer Ehrentafel mit goldenen Zeichen noch etwa zehn Geschenke überreichen, worunter ein ge⸗ chmortes Spanferkel, Reiswein, Kuchen und Eierwaren.“ Aber nicht alle Chinesen sind so dankbar; für eine Konsultation zahlen sie höchstens 20 Pfg. und manchmal auch gar nichts. So ließ sich einmal ein Patient von Dr. Vortisch untersuchen, der hatte, weil es Winter war, zwölf Röcke übereinander gezogen. Als er das Honorar von 20 Pfg. erlegen sollte, klagte der Rockreiche: „Ich habe kein Geld bei mir.“„Ich muß meine Arznei doch auch kaufen“. antwortete der Arzt.„Wer 12 Röcke hat, hat doch ge⸗ wiß auch Geld darin.“ Er beteuerte nochmals, keins zu haben. Dann aber leuchtete plötzlich sein gelbes Antlitz auf; er zog sich ein Paar Hosen aus— wie viel er anhatte, wissen die Götter— legte sie auf den Tisch und sagte freudig:„Nimm dies als Bezahlung, großer Mann.“ Der Doktor aber wollte dies Honorar nicht, und so zog er glücklich seine Beinhüllen wieder an.
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— Das Mozarteum in Salzburg. Am 14. Aug. 1914 sollte das schöne, dem Andenken und der Pflege Mozarts gewidmete Gebäude in seiner Vaterstadt Salzburg in feierlicher Weise eingeweiht werden, aber der Krieg ließ diese friedliche Feier als unpassend erscheinen, und so hat man im Herbst 1914 das Mozarteum ohne alles Gepränge seinen vielfachen Bestim⸗ mungen übergeben. Salzburg ist dadurch um ein Bauwerk be⸗ reichert worden, das sich ebenbürtig seinen besten Architektur⸗ denkmälern anreiht, und so wird trotz der ganz anders gestimm⸗ ten Zeit eine genauere Schilderung dieser segensreichen Stiftung interessieren, wie sie Georg Jacob Wolf im neuesten Heft der Dekorativen Kunst bietet. Auf Grund eines internationalen Wett⸗ bewerbs wurde der Münchener Architekt Richard Berndl nrit der Ausführung des Baues betraut, dessen Stil sich an
Ein bezeichnendes Beispiel dafür bieten etwa die Maßnah⸗ men, die Friedrich der Große sogleich bei seinem Regie- rungsantritt 1740 ergriff und die Ernst Consentius in seinem inhaltsreichen Werk über das Alt-Berlin von Anno 1740 ausführlich dargestellt hat. Der Sommer 1740 lieferte eine sehr schlechte Ernte, und da schon vorher das Getreide „extraordinair theuer“ gewesen war, so stiegen die Preise noch immer mehr. Der Scheffel Roggen, der am J. Juni 1 Tir. und 12 Gr. kostete, hatte Mitte November den Höchstpreis von 1 Tlr. und 21 Gr. erreicht. Für den Scheffel Weizen zahlte man gar 2 Tlr. und 18 Gr. Nun wurden zwar sofort die königlichen Kornmagazine geöffnet, die Getreide als Vorschuß„gegen ein gar geringes Auff-Maaß zur Wieder⸗Erstattung nach der Erndte“ abgaben, aber selbst diese Maßregeln nützten nicht viel, da die staatlichen Ge⸗ treidevorräte bei weitem nicht ausreichten. Deshalb schritt man zu der Erlaubnis der freien Zufuhr von Korn aus anderen Ländern, die vorher mit einem hohen Zoll belegt worden war. Aber auch damit wurde dem Uebel nicht abgeholfen, denn das Getreide war überall knapp. Es wurde fast gar nichts zur Stadt gebracht. Der General; fiskal„gab scharf Achtung“, daß die„Auftreibung“ des Marktpreises unterbliebe, aber als ihnen die Preise fest⸗ gesetzt wurden, brachten die Bauern erst recht nichts mehr zu Markte. Nun erhielten die Kriegs- und TDomänenkam⸗ mern den Auftrag, nachzuforschen,„ob Getreide etwa mit Fleiß zurückbehalten und aufgeschüttet werde, um solches zum Nachteil des gemeinen Besten auf Wucher zu legen und dann desto teurer zu verkaufen.“„Da denkt kein Mensch an die Billigkeit, da ist im Handel und Wandel keine christliche Liebe mehr zu spüren“, klagt ein Bericht über dieses„gott⸗ lose Zurückbehalten des Korns“. Von nun an durfte der Landmann an Getreide und Erbsen, an Fourage und Viktua⸗ lien nur behalten,„was zu eigener Konsumption und Wirt- schaft notwendig gebraucht wird“; alles andere gehörte auf den Markt und wurde, wo nötig, durch„hinlängliche Zwangsmittel“ nach den Städten gebracht. Den Bäckern wurde befohlen, Gerstenmehl in den Brotteig zu schütten, denn die Ernte hatte so wenig Roggen gebracht, daß auch „den Deputanten meliertes Getreide, nämlich halb Roggen und halb Gerste“, gegeben wurde. Allen Branntweinbren?s? nern war der Verbrauch von Roggen verboten; dafür durfte fremder Branntwein gegen 9 Pfg. Akzise fürs Quart in alle Städte eingeführt werden. Der Torschreiber, der sonst die Brot bringenden Bauern am Schlagbaum wenig höf⸗ lich angelassen hatte, mußte jetzt laut königlichem Befehl zu dem Landmann, der Getreide oder Brot hexeinbrachte, sehr liebenswürdig sein und durfte ihm keine Weitläuftig⸗ keiten und keinen Aufenthalt machen. Den Hausfrauen aber befahl das Brotgesetz„allezeit Brot auf Vorrat zu legen, damit es jederzeit altbacken zu genießen wäre“, denn dann wurde mit dem Brot„weiter gereichet, als wenn das Ge⸗ sinde das Brot frisch weg isset und ein ziemlich Teil mehr aufzehret.“ Erst die gute Ernte von 1741 m der Not ein Ende, und nun war man der Brotgesetze und der strengen Kontrolle durch den Staat wieder einmal auf einige Zeit enthoben. 1 l g.
der Jar und der Halbmond im Naukasus.
Man schreibt uns: 4
Das wild zerklüftete, zwischen dem Schwarzen und Kas⸗ pischen Meer gelegene Gebirge, mit seinen steilen Abhängen, schroffen, jach ansteigenden Bergen, an deren Fuß des Sü⸗ dens üppigste Pracht lacht, während die Gipfel in ewig Schnee und Eis gehüllt, ist zum vorläufigen Schauplatz des Krieges geworden, der die endgültige Antwort darauf geben soll: ob Rußlands uralter Traum— Konstantinopel zu besitzen— unmittelbar vor der Erfüllung steht oder in ein Nichts ver⸗ sinken wird. Die Türkei und des Zaren Heere stehen sich hier jetzt in heißem Ringen gegenüber. 5
Russischer Besitz ist der Entscheidung Ort, denn seit gut über hundert Jahren gehört der Kaukasus— dies vorher
das prächtig alzburger Spätbarock anlehnt, ohne deshalb seine moderne Selbständigkeit zu verleugnen. Da das Mozarteum zu⸗ bleich eine Musikschule, das Mozartarchiv, die Bibliothek und die Sitzungsräume der Mozartgesellschaft aufnehmen und einen großen Festsaal für Mozartkonzerte enthalten soll, mußte die Architektur sich ganz verschiedenen Zwecken anpassen. So ent⸗ standen zwei verschiedene zu einer glücklichen Einheit zusammen⸗ gesügte Bauten, der Festsaalbau und der Schulbau, wober der reicher ausgeführte Saalbau mi seiner prächtigen Fassade an der Straße liegt, während der Schulbas von der Straßenflucht zurücktritt und eine einfachere ruhige Villenforn: gewann.„Von welchem Standpunkt aus man die imposante Gebäudesruppe des Mozarthauses auch betrachten mag,“ urteilt der Verfasser,„mmer ergeben sich schöne Bilder, gute Ueberschneidungen, eine glücl⸗ liche Gesamtwirkung im städtebaulichen Sinne. Die Bäume sind, soweit es irgendwie möglich war, erhalten geblieben und ihr Laubwerk tritt nun in schönen Akkord zu dem zart nuancierten Grau, Gelb und Kalkweiß der Gebäulichkeiten, deren vielge⸗ staltiges Ausführungsmaterial: Marmor, Konglomerat, Back⸗ stein mit Kalkmörtelverputz, Beton, in der Hauptsache in seiner Materialwirkung gezeigt wird und wohlbedacht zusammengestimmt ist mit der Patinawirkung der Bronzen und dem satten Dunkel der zur Dacheindeckung benützten Platten.“ Im Erdgeschoß des Sckulraumes befinden sich die geräumigen und hellen Schul⸗ räume; im Obergeschoß reihen sich an die in der Farbenzu⸗ sammenstimmung ausgezeichnet gelungene Bibliothek, der in edlen Materialwirkungen ꝓrangende Sitzungssaal, sodann verschiedene
Verwaltungs- und Proberäume und endlich der sog.„Wiener Saal“, ein kleinerer Konzertsaal für Kammermusik und Ver⸗
anstaltungen intimeren Charakters, der eine besondere Stiftung der Wiener Mozartgemeinde ist. Der Saalbau birgt ausschließ⸗ lich den großen Konzertsaal, der durch seine gewaltige Raum⸗ stimmung und heitere Festlichkeit entzückt, und ausgedehnte Neben⸗ räume. Dieser Saal, der bis zum Gewölbescheitel 11,60 Meter, in der Lange 29,18. Meter, in der Breite 14,86 Meter mißt. und durch Zurückklappen der Eingangstüren sowie durch Ein⸗ beziehung der Wandelgänge noch vergrößert werden kann, um
faßt bequem 1200 Personen und stellt sich den schönsten der Musilpflege gewidmeten Festsälen europäischer Großstädte würdig zur Seite. Der herrliche dekorative Schmuck, die Statuen, die
in sinnpoller Beziehung zu dem Genius dieses Bauwerkes stehen und an den Fassaden wie im Innern reiche Schönheit schaffen sind von vorzüglichen Künstlern ausgeführt, unter denen wir die Plastiker Wackerle, Römer, Buchner und Wadere und die Maler Klemm und Dietz hervorheben. 5
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DS——


