Ausgabe 
(6.1.1915) 4. Zweites Blatt
Seite
27
 
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Duchene tglich mit Ausnahme des Sonntags.

5 DieSdepener Famsllenblütter werben dem .Anzeiger utermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den kreis Gießen zweimal wöthentnch. DieTandwirtschastlichen zeit⸗ fragen erschemen. monatlich gwermal.

Von hessischer Tapferkeit.

Reichstags abgeordneter Dr. Werner übersendet uns die Abschrift eines aus Rußland an ihn gelangten Briefes und bittet uns, dem Leserkreise unserer Zeitung davon Kennt⸗ Znis zu geben.

Pabiamice bei Lodz, den 25. 12. 14. .Lieber Doktor!

A1 bin in Russisch⸗Poten, das einem einzigen Schlachtfeld

Schritt für Schritt haben die Deutschen die Russen von un⸗ seren Grenzen zurückdrängen müssen. Ende Oktober mußten wir vor Halt machen, um der Massenbewegung der Russen aus e entgegenzutreten und der Umgehung vorzu

gen. Die sen haben von Norden bis Süden(an unserer Grenze den Bogen ausfüllend) starke Massen vorgeschoben. Ihre Infanterie kämpft stets aus Löchern; jeder Soldat gräbt sich so⸗ sort ein Loch und kämpft dann aus gedeckter Stellung. Fürchter⸗ liche Kämpfe haben hier überall stattgefunden. Unsere Wackeren aber haben Heldenhaftes geleistet.

Nun zum Grund meines Schreibens. Ich besuchte die Umgegend hier, die ein einziges Schlachtfeld ist.

wohne bei einem Mann, dessen Schwiegervater Heinemann, aus Wymislow bei Pabiamice, auch mit den Seinen hier weilt. Mit ihm war ich in seinem Heimatsdorf, das eine deutsche Ansiedlung ist. Die Urgroßväter sind einmal hier eingewan⸗ dert; das jetzige Geschlecht weiß allerdings nicht, woher in Deutsch⸗ land die Vorfahren kamen, aber ihre deutsche Gefin nung haben sie hochgehalten.

Mit dem Alten war ich nun auf seiner Geschäftsstelle. die nur noch ein Schutthaufen ist. Und da erfuhr ich denn aus e des alten Mannes folgendes über die Schlacht, die dort 9 5

Die Russen 8 alle Gehöfte und die Zwischenräume stark be⸗ setzt. Die Deutschen standen in Markowka(Hochwald nennen es die Deutschen, deren Vorfahren einst(1703) von jenseits des Rheins gekommen sein sollen), und die weite Ebene zwischen bei⸗ den Dörfern bildete den verschanzten Russen ein gutes Schußfeld gegen die von Markowka her vorgehenden Deutschen. Daher konnte jeder Ansturm über die Ebene nur mit unzähligen Opfern enden.

Von Wymislow aus liegt Markowka nach Osten. Ungefähr 500 Schritt hinter dem Grundstück des Heinemann steht eine ein⸗ same Tanne, ziemlich hoch, mit breiten Zweigen, von ferne mehr wie eine Eiche aussehend Während des Kampfes beobachteten zwei Söhne des Heinemann, die sich in einem stark verdeckten Erdloch auf ihrem Gehöft ein, graben hatten, daß sich 810 Deutsche an die einsame Tanne geschlichen hatten und von dort aus die Russen

dem Heinemannschen Grundstück beschossen und auch zum Teil

In der Nacht waren die Braven vorgekrochen über ein Feld von ungefähr 1 Rute Größe und in Deckung der ne, rechts davon, vonHochwald her, hatten sie sich einige Löcher gegraben. Die Russen haben dann, als sie die Tollkühnen gewahrten, ein mörderisches Feuer auf diese eröffnet; die Tanne zeigt die Spuren des wütenden Bleihagels. Ein Grab birgt jetzt 3 Mann,

rechts davon auf dem Feld. 1

Das ein liegende ausgerissene Blatt lag jetzt allein in einem der Schützenlöcher.

Die anderen Gefallenen sind unweit davon in einem gemein⸗ samen Grabe beerdigt. Schreibe an die Angehörigen, damit sie wissen, daß ihre Lieben auf dem Grund und Boden eines deut⸗

1 schen Mannes liegen(Wildemann heißt der Besitzer des Landes dort); ich bedauere, daß die Gefallenen nicht auf dem nicht weit davon liegenden evangelischen Friedhof beerdigt wurden.

Die braven Hessenstarben den Heldentod. Viele,

viele Gräber sah ich. Doch dieses Buch interessiert Dich und unsere

Freunde in Hessen, darum nahm ich's an mich. Veranlasse bitte,

das weitere. Der junge Reinhold Heinemann hat am 13. Dezember

die Braven mitbeerdigt; ein Leutnant hat die Namen auf⸗ geschrieben.. N

5 Soweit der Brief. Das darin mehrfach genannte Buch

5 ist einFeldgesangbuch für evangelische Mannschaften.

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mutziger silbriger Himmel nieder, der kaum höher zu sein scheint * eine graue Zimmerdecke. Im Norden strecken ein paar Bäume izkre nackten Zweige in die Oede hinein und malen einen schwarzen Fleck auf die Leindwand von Grau und Weiß Daß ist die Schlacht⸗ llandschaft. Hinter den Bäumen da fließt die Bzura. Vor uns dehnt sich die Ebene, flach und leer: hie und da schwarze Punkte, 5 einzelne Gehöfte, während im Süden die Straße nach Kalisch läuft, 1 von einer langen Linie lautloser Bäume eingefaßt. Im Westen 0 liegt Sochaczew, ein dunkles Gewirr von Häusermassen nahe an 65 dem Wege, der zum Fluß sich hinzieht. Durch diese Landschaft kriechen hie und da Gestalten. Es sind müde Reiter, deren kleine

. Pferdchen 1 E

die Nase tief auf den Boden hängen lassen. Auch die

Kanoniere an der Batterie zur Rechten sind müde, und nur selten

bört man die dumpf dröhnende Stimme ihrer Geschütze Hinter

dem Horizont im Norden rollte wie Donnerhallen der vielstimmige

95 von en; aus der Baumgruppe kommt ein anderes Ge⸗

sch. Pop, pop, nop, popaaaaun es ist der Ton des Gewehr⸗

1. Das knattert schon den ganzen Morgen, aber ich kann mir

g aussehen, ohne einen Soldaten zu erblicken. ff der

. 45 sind mir 2 worden, aber das ist der Kniff der

S ö sie ihre Gräben fast unkenntlich anlegen. Stunde auf

Stunde antwortet so Kanone auf Kanone über die Ufer der Bzura.

Granate an Granate wühlt sich in den weichen Boden. Die Gewehre

knattern unaufhörlich. Gewinnen wir? Verlieren wir? Es scheint,

daß die Den

ihre Granaten schlagen uns nach S

genden Stra

treifen, der jetzt hm errungen hat. Kahle braune Bäume recken sich am .

ießener

General⸗Anzeiger für Gberhessen

andern denen

bs. Jahrgan

zeiger

Mittwoch, 6. Januar 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Giepen.

Darin stehen folgende Namen: Julius Karl Klingel- höfer, Eibelshausen, Dillkr.: Familie Hofmann, Klein⸗Linden, Kirchstraße; Philipp Horst, Nieder⸗ Gemünden, Kreis Alsfeld; Georg Bayer, Gießen, Frankfurter Straße 101; Heinrich Grün, Lollar; Hein⸗ rich Bergen, Allendorf a. d. Lumda: Adam Eiden⸗ müller, Vilbel, Hessen; August Heppner, Stein- brücken, Dillkreis.

Alle diese Namen sind von einer nicht ungewandten Hand mit Tintenstift aufgeschrieben worden. Wie viele von den Genannten die Erde deckt, konnte ich noch nicht erfahren: jedenfalls aber ist Heinrich Grün aus Lollar gefallen; ich konnte seinen trauernden alten Eltern das aus seinem Kriegstagebuch gerissene Blatt, das seinen Namen trägt und im Schützengraben lag, als letztes schmerzliches Exinnerungs zeichen übergeben. Wem aber gehört das Feld⸗ gesangbuch? Wie mir die Eltern des gefallenen Grün mitteilten, bedeuten die Namen in dem Buch eine treue Kameradschaft im Leben und(nun wohl auch) im Tode. Es wäre mir daher lieb, wenn ich den Angehörigen des Eigen tümers das regenzerwaschene, teure Andenken übermitteln könnte. Hoffentlich gelange ich auf diesem Wege zu entspre chender Nachricht. Dr. Werner.

Wieder vor Warschau.

Ein militärischer Mitarbeiter schreibt uns:

Erinnert man sich noch der Oktobertage vor Warschau? Es war kurz nach dem Falle von Antwerpen. Die Russen unternahmen auf der Linie Jwangorod Warschau mit etwa acht Armeekorps einen Vorstoß über die Weichsel. Die Vor⸗ bereitungen für jenen Angriff waren von langer Hand ge⸗ troffen, sonst hätte der Weichselübergang nicht so schnell von⸗ statten gehen können. Da außer in Warschau und Iwan⸗ gorod keine festen Brücken vorhanden sind, mußten für einen großen Teil der heranfahrendenDampfwalze erst Brücken geschlagen werden. Aber die russische Kriegführung hatte sich wieder einmal verrechnet. Unsere braven, herr⸗ lichen Truppen warfen den Vorstoß auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten für die Russen zurück. Und dann ging es in Eilmärschen gegen Warschau. Die russische Füh⸗ rung war lange Zeit im unklaren über die Absichten der Verbündeten. Nun erst erkannte sie die Gefahr, die War⸗ schau drohte. Ueber achtzig Infanteriedivisionen wurden

jetzt von den Russen zwischen Nowogeorgijewsk und den] kam

Karpathen bereitgestellt. ßland schwächte sein gegen Ost⸗ preußen verwendetes Truppenkontingent zugunsten einer über Warschau zu führenden Offensiwe und zog aus Galizien etwa zwanzig Divifionen nach dem Raume Warschau Iwangorod. Gegen eine solch ungeheure Ueberzahl mußte der deutsche Vormarsch ei werden. Wohl mancher siegesfrohe Landwehrmann da gebrummt und im Stillen mit denOberen gehadert. Aber dieelastische Methode Hindenb war nur A wache Der gro Enderfolg stand auf dem Spiel. Man durfte sich vor War⸗ schau nicht einkesseln lassen. Also vorläufig zurück. Nur vorläufig. Auf anderen Wegen hat sich das zähe, unber⸗ windliche Ostheer Deutschlands wieder gegen Warschau vor⸗ searbeitet. Ueber die Bzura und Rawla ging es unter 7 5 heißen Kämpfen. Schon ringen unsere Feldgrauen östlich dieser Flüsse mit der russischen Hauptmacht. Die ganze, in mehreren Linien ausgebaute Stellung der Russen scheint bereits von den Deutschen überrannt zu sein. Denn sonst hätten wir nicht den überaus wichtigen, am stärksten besestigten Ort Borzymow in Besitz. Auch östlich der Stadt Rawa sind unsere Truppen vovangegangen und damit hat sich unsere breite Kampffront so weit nach Osten vorge⸗ schoben, daß den Russen bald nichts anderes übrig bleiben wird, als sich auf den Mittelpunkt ihrer polnischen Kriegs⸗ bühne zurückzuziehen. Von dem genannten Ort Borzymow bis an die Außenwerke Warschau sind es nur 48 Kilometer. Jede Stunde kann neue Meldungen bringen, daß diese Raumspanne sich verringert.

Ufer empor. Kaum 400 Schritte sind wir von den deutschen Schützengräben entfernt. Das ist uns doch zu ungemütlich, und wir kehren wieder um. Wieder geht es durch das zerschossene Sochaczew; wir fahren zurück zu dem Hauptquartier der ersten Armee, unaufhörlich begleitet vom Kanonendonner, der den Grund⸗ ton in diesem einförmigen Schlachtenbild abgibt. Eine Patrouille mongolischer Kavallerie reitet vorüber. Sie tragen schäbige schwarze Papas, die russische Bezeichnung für ihre hohen Hüte, und lange purpurrote Mäntel, die der einzige Farbenton in dieser grauen Landschaft sind. Um das Hauptquartier stehen einige Automobile; es sind aber viel zu wenig, um bei dem Transport der Truppen mitzusprechen. Die Soldaten werden zumeist auf leichten Wagen transportiert, die vielfach von vier Pferden gezogen werden. Die halben Räder versinken im Schmutz. Enblose Reihen von sibirischen Ponnys bedecken alle Straßen und suchen mühsam ihren Weg. Große Schwierigkeiten bereitet das Ausheben der Schützengräben. Die Stiche der Spaten und die Schläge der Hacken kommen sehr leicht durch die Oberfläche des Bodens, aber lockern nur um wenige Zoll die gefrorenen Unterschichten. Das ist eine der härtesten Aufgaben. die der Winter dem Soldaten stellt. Es ist jetzt fast unmöglich. tiefere Gräben in der ganzen Front auszuheben, als solche, in denen man gerade knien kann. Die sibirischen Ponnys scheuen vor un⸗ serm Auto; sie sind an so etwas noch nicht gewöhnt. In der Feuerlinie sind gerade Leute mit dan Anlegen eines Feld⸗

telephons beschäftigt: sie führen die Drähte in der Richtung nach ge

Süden. Es ist ein Beweis, daß die Schlacht nach dieser Richtung sich hinzieht. Ueberall sieht man die hohen Stangen der Telephon⸗ anlagen herausragen. Anstelle der hin und her galoppierenden Ordonnanzen sind jetzt diese langen Linien Kupferdraht getreten. die zu jedem Winkel der Front führen. Nicht nur an den Ar⸗ tilleriestellungen findet man Telephon, sondern sogar an den vor⸗ geschobensten Schützengräben, und öfters trägt der Kupferdraht einen dringlichen Ruf um Verstärkungen in einer Spanne Zeit fort, in der eine Ordonnanz noch nicht einmal ihr Pferd satteln könnte. Das Feuer der deutschen Kanonen ist unerträglich. Die Nacht bricht dunkler und dunkler herein. Jeder hat genug für diesen Tagg

*

9 ee eee lee der deu isten, Kar mark, rch se 7 Taferl Nungekrittker in Wien viel zum Erfolg Rich.

Wagners beigetragen und ihm an der 8 in frũher Zeit

eine treue Gemeinde gesammelt, zu der Peter Cornelius, Karl Tau⸗ sig, Heinrich Porges und andere zählten. Wagner selbst hat Gold⸗ mark aber nur ein einziges Mal gesehen. Als er eines Tages den Ring entlang ging, sah er zwei Männer auf e er l von

der eine wie ein Betrunkener aus vollem se vor sich hin⸗

ße] mäßig gehaltenes kurzes Vorwort beigegeben

Der deutsche Vormarsch wird sich zuerst mit Nowo⸗ georgijewsk herumschlagen müssen, das der Festung War⸗ schau vorgelagert ist. Nowogeorgijewsk liegt an der Ein⸗ mündung des Narew⸗Bug in die Weichsel und soll die beiden über den Bug führenden Brücken(hiervon eine Eisenbahnbrücke) schützen. Kein anderer als Napoleon I. hat im Jahre 1807 diesen Flügelstützvunkt bauen lassen. Die alte Zitadelle am rechten Weichselufer ist gerade gegen⸗ über der Narew⸗Bug⸗Mündung gelegen, während zum un⸗ mittelbaren Schutz der beiden Brücken eine Befesti dient, die auf der vom Narew⸗Bug und der Weichsel ge⸗ bildeten Landzunge bei Nowydwor angelegt ist. Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erhielt die Festung einen Gürtel von 8 vorgeschobenen selbständigen Werken, die im Durchschnitt etwa 7 Kilometer von der Kernbefestigung entfernt liegen. In den letzten Jahren ist ein neuer, weit hinausgeschobener Fortsgürtel angelegt worden, der den modernsten Anforderungen entsprechen soll. Aber was man davon zu halten hat, zeigen die Ueber⸗ raschungen unseres 42-Zentimeter-Geschützes im Westen. Man hat sich nun in Warschau, offenbar unter dem waltigen Eindruck jener Ueberraschungen bemüht, den Be⸗ festigungen durch ausgedehnte Erdarbeiten rings um die ganze Stadt nachzuhelsen. Und man hat natürlich auch alles getan, um die Besatzung in die nötigeSieger⸗ stimmung zu bringen.

Bei dem wohl auch in Polen herrschenden überaus

schlechten Wetter wird das Vordringen der deutschen Trup⸗

pen mit den schwersten Strapazen verknüpft sein. Aber der Preis ist hoch. Es winkt ein Erfolg, der in kurzer Frist auf dem östlichen Kriegsschauplatz die große endgül⸗ tige Entscheidung bringen dürfte. Unterrichtete Stim⸗ men berichten Seltsames, für deutsche Ohren Erfreuliches: Durch die russische Armee gehe ein Flüstern und Raunen. Sie wollen nicht weiterkämpfen! Nur bis zu Neujahr, ihrem russischen Neujahr, soll der unbeliebte Krieg dauern. Ist bis dahin der Sieg nicht errungen, dann ergeben sich die Regimenter des Zaren kolonnenweise. Nun, zum russi⸗ schen Neujahr hoffen unsere Feldgrauen vor Warschau so⸗ weit zu sein, daß der Russe an keinen Sieg mehr denkt.

* ä

Die wirtschaftliche Lage in hessen. Seit einer Reihe von Jahren erscheint in Hessen einWirt⸗ schaftlich⸗Statistisches Jahrbuch, das gemeinsam von den Handels

mern des Landes, der Landwirtschaftskammer und der Hand⸗ werkskammer herausgegeben wird. Es ist auch diesmal wieder pünktlich beim Jahreswechsel zur Ausgabe gelangt, so daß man Gelegenheit hat, bei einem Rückblick auf das verflossene J die darin enthaltenen Ergebnisse in Betracht zu ziehen und auf Grund der vielen umfassenden statistischen Ermittelungen sich ein klares Bild über die wirtschaftliche Lage der hauptsächlichsten Erwerbs⸗ weige im Großherzogtum zu machen. Was das Studium dieses ehr sorgfältig 1 Materials einigermaßen er⸗ schwert, ist der Umstand, Werke nur ein ganz geschäfts⸗ 5 wurde. wahrend es doch für den Ma Bearbeiter kaum schwer halten dürfte, dir statistischen Ergebnisse auch in einer kurzen übersichtlichen Gesamt⸗ darstellung der breiten Oeffentlichkeit vor Augen zu führen. Be⸗ merkenswert aus der Einleitung ist, daß die im vorigen Jahr⸗ gang ausgedrückte Hoffnung, auch über die neuen Gemeindesteuern und deren Wirkung jetzt nähere Uebersichten geben zu können, fi nicht erfüllt hat, da das Finanzministerium bei der Arbeitsbelastung der Finanzämter im 5* davon Ab⸗ stand nehmen mußte, eine eingehende statistische Ex hebung darüber anzuordnen. Auch die zugesagte kurze Uebersicht über die Ergebnisse der Gemeindebesteuerung und des Wehrbeitrags konnte noch nicht 5 werden; man hofft, sie demnächst als Nachtrag liefern zu

nnen.

Von allgemeinem Interesse ist in dem neuen Jahrbuch zu⸗ nächst die Uebersicht über die drei großen wirtschaftlichen Orga⸗ nisationen selber. Wir ersehen da, daß die sieben hessischen Han⸗ delskammern bei einer Einwohnerzahl von 1 282 051 Köpfen im Jahre 1913 über 81 147 Gewerbesteuerpflichtige mit einem Steuerkapital von 9 533 428 Mark verfügten Im Jahre 1908 waren im Großherzogtum 80 817 Steuerpflichtige mit einem Steuerkapital von 8 973 502 Mark vorhanden, im Jahre 1910

sang. Es war Wagner, der einem Freunde vorführte, wie der Chor im zweiten Akt des Lohengrin bei der Aufführung in der Hofburg hätte genommen werden müssen. Wagners Freund erkannte Gold⸗ mark, stellte ihn Wagner vor, und alle drei gingen in die Wohnung des Meisters, der fortfuhr, sich bitter über die widerlichen Verhält⸗

nisse, die Schikanen der Direktoren und seine Geldnot zu beklagen. Goldmark war sichtlich gerührt und meinte:Aber Meister, finden

Sie denn nicht Befriedigung im Bewußtsein der Unsterblichkeit? Da fuhr Wagner zornig auf:Kommen Sie mir nur damit nicht! Auch Cherubini tröstete man mit der Unsterblichkeit, als er auf dem Sterbebette lag und durchaus nicht sterben wollte. Da rief erUn⸗ sterblichkeit! Ich bitte Sie, machen Sie keine schlechten Witze! Ueber Goldmarks Stellung zu Mozart und Beethoven hatte er in einem kurzen Aphorismus sein Bekenntnis niedergelegt:Die Musik Mozarts ist der hehrste Ausdruck veredelster Menschlichkeit. Die Musik Beethovens der hehrste Ausdruck einer Gottähnlichkeit. Bei seinem hohen Idealismus hat der Komponist derKönigin von Saba trotz großer Erfolge doch ständig mit Geldsorgen zu kämpfen gehabt. Als er noch einfacher Geiger in Wien war, erhielt

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den Besuch seines Vaters aus Ungarn. Während

sie fich in Karls dürftiger Mansardenstube unterhielten, erschien ein junger Mann, mit dem sich der Sohn eindringlich im Flüster⸗ tone unterhielt. Als sich der junge Mann nach mehrfachem Zögern wieder entfernt hatte, meinte der alte Goldmark:Ich habe alles hört und bin sehr betrübt, daß du ein solch leichtsinniges Lehen in Wien führst. Du hast Schulden, die dich sehr drücken müssen. Ich habe ja selbst nichts, aber ich will dir wenn ich es kann, aus 85 weise helfen. Was bist du dem Manne schuldig?Zwei Kreuzer! antwortete wahrheitsgetreu der. leichtsinnige Sohm. Und in Gmunden, wo Goldmark, als Freund der Natur und des ländlichen Stillebens, seit Jahren eine Villa besaß und in der freien frischen Luft der Berge seine geistigen Kräfte jung 1 hatte er vor noch nicht langer Zeit folgendes Erlebnis, das er f mehrfach erzählte. Sein Freund, der Cellist David Popper, beglei⸗

tete ihn von einem Spaziergang nach Hause und als sie vor der

Gartenpforte Goldmarks standen, meinte er:Du Karl, wenn dünn nicht mehr sein wirst, wird an dieser Villa eine Tafel angebracht Aber David, laß mich mit solchen Sachen in Ruh.Willst du mich nicht zu Ende sprechen lassen, 2

Goldmark unterbrach ihn:

du weißt ja gar nicht, was ich sagen wollte!Nun 9 Also. 5 mit folgender Inschrift:Diese mieten oder zu verkaufen!! 3

Berlin, 5. Jan.(Priv.⸗Tel.) DieVoss. Zeitung meldet: Richard Dehmel, der bei Ausbruch des Krieges freiwillig als Gemeiner in die Armee eingetreten ist, erwarb sich im Westen vor dem Feind das Eiserne Kreuz. Dehmel wurde kürzlich zum Vizefeldwebel befördert.. 1

Villa ist sofort zu ver⸗

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