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nr. 2 SIpeites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗
fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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165. Jahrgang
Gießener Anzeige
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Aͤriegsbriefe aus dem Osten.
Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Einnahme von Lasdehnen. Gefecht am 30. Dezember.. Armee⸗ Oberkommando, 8, 31. Dez. 1914.
Die russische Kavallerie, die unserem nördlichsten Flügel an der ßischen Grenze gegenübersteht, war in verschiedenen Vor⸗ 1 Kavallerie(von denen ich einen, der die Russen bis he Pillkallen warf, ja schildern konnte) bedrängt und zurück⸗ . worden. Die Verstärkung der beiden russischen Divi⸗ ionen durch Infanterie, die sich in Lasdehnen festsetzte, und von dort sowohl Til sit, wie schließlich auch unsere linke Flanke be⸗ drohte, machte es notwendig, den wichtigen Straßenpunkt wieder u nehmen. Es wurden zu diesem Zweck größere Infanteriemassen nzentriert und die notwendige Kavallerie bereitgestellt. In der acht vom 29. zum 30. Dezember wurde der— 5 egen Las⸗ dehnen mit drei Kolonnen angesetzt. Die äußerste kechte, gleich⸗ —— die stärkste Kolonne rückte über die Straße von Groß⸗ smieningen gegen das Dorf. Sie hatte vermutlich den größten Widerstand zu überwinden, da ihr Vorgehen die Russen von der Verbindung mit ihren Hauptkrä ten in Pillkallen abschnitt. Die mittlere Abteilung wurde über Klein⸗Kackschen, Uszballen auf der direkten Provinzstraße nach Lasdehnen vorgeschickt, während— 5 mit späterer Abmarschzeit eine stärkere Abteilung von Richtung Gricklaugken, Maskutken angesetzt wurde. Den Russen blieb— bei rechtzeitigem Rückzug, für den sie ja ausgezeichnet zu sorgen pflegen, — nur die einzige Straße nach Osten, zur Grenze übrig. 1 am 9 Stabe an 5 5 605 2 g über Kraupischken nach Uszballen. Die breite Flußmün⸗ dung, die ich noch vor kurzem als weite Wasserfläche gesehen hatte, war jetzt mit Eis und Schnee bedeckt. Stellenweise war die Verschneiung des Weges so stark, daß alle Mann das Auto edurch die verschneite Stelle schieben mußten, bis die Räder wieder 9 konnten.
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ndplat errichtet n 5 f.
In dem Waldstück dahinter waren die ßen geräumigen Hütten, in denen die Jäger bisher auf Vorposten gelegen hatten. „Hier haben wir auch Weihnachten gefeiert,“ erzählte mir Haupt⸗ in von S., den ich neulich in Kraupischken getroffen hatte hier wieder bei der„Aufklärungsarbeit“ fand.„Es eine wunderschöne, stille Nacht,“ in der der Mond hell über ißen Schnee streifte Wir hatten Weihnachtsbäume; in jütte brannten die Lichter. Punsch und Pfannkuchen war feierlich wie ein Dom. Dort hinter der Tannen⸗
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den den Zaun zwischen
übergegangen.“ f 850* waren zwei Kompagnien angetreten, um den Wald 4 falls mit t aufzuklären. Kavallerieabteilungen zogen weiter rechts durch eine breite Schneise; da sie kein Feuer empfingen, war anzunehmen, daß sich der Druck der Seitenkolon⸗ nen 75 bemerkbar gemacht hätte und der Wald in seiner gan⸗ zen Ausdehnung frei wäre.. 5 Eine Kompagnie ging rechts und links der Straße in Schützen⸗ linie vor, die andere folgte etwas waiter zurück. Die Leute ka⸗ men bei dem hohen Schnee nur sehr langsam vorwärts; da ja außerdem schon Jäger den jenseitigen Waldrand erreicht hatten, beschlossen wir, Schützenlinie Schllbenlinie sein zu lassen und auf Lasdehnen unter der nötigen Vorsicht einfach vorzugehen. Unser Generalstabshauptmann war außerdem der Ueberzeugung, daß das Dorf schon in der Hand einer der Flügelkolonnen sein. müsse. So marschierten wir durch den stillen Winterwald, dem ein paar deutsche Granaten Wunden geschlagen hatten. Es roch
stark nach frischem Harz. 5 8.
8 aße waren frische Blutspuren auf dem weißen Schneegrund. Zuweilen fanden sich Aus rüstungsstücke, die von den Russen als auf dem Marsche überflüssig fortgeworfen waren. In Schonung stand Vieh, das man wohl mit hatte zurück⸗
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treiben Fellen. und das hier bei einiger Eile der Zurückmar⸗ schierenden ausgebrochen war. Da kein erheblicher Angriff von dieser Seite aus stattgefunden hatte, mußte dieser schnelle Rückzug auf Einwirkung der Seitenkolonnen zu schreiben sein 8 auf eine schnellunderfolgreiche. t Am Waldrand machten wir Halt und richteten die Gläser auf Lasdehnen, vor denen 52 Kavallerie 7 die auf uns zu galoppierte. Bis auf ein paar hundert Meter war nicht zu unterscheiden, ob es russische oder deutsche Rei⸗ 5 ö So blendete und irritierte der Schnee. Nach ein, genblicken ziemlicher Spannung erkannten wir die deut⸗ chapkas Lasdehnen, wenigstens der Teil des Ortes, lag, mußte in deuts. Besitz sein. 5 gen im flotten Marsch auf das Dorf A Infanterie⸗ arschierten jetzt von allen ten ein. lerie hielt arktplatz. Gewehre wurden zusammengestellt und auf e Quartier belegt. 1 8 nicht einfach war. Das Dorf sah völlig„russisch“ aus. te jeden 8 7 765 ih fab ee e 5 in dieser gen, die ah.„Schweine e!“, sagte tenadier, der bei Wermeningen, wo die Russen Widerstand gel hatten, mit gestürmt hatte.„Schweinebande!“ und er spuckte rechts und links aus. Ich persönlich trank den Rest meines ee Lgffa ben! er waren noch aren Kan en in „als das Signal zum Rückzug kam, die Russen ließen . a 5* einem en sie aus j die Feder herausgerissen... Es ist ja nichts mehr darüber zu i war unser. Die Rückzugsstraße nach Osten, die wir noch ein Stück— war besät mit Brotbeuteln, fort⸗ fenen Feldkesseln, Stiefeln und Zeltbahnen. Nur an einer b— bei Wermenin,— überhaupt hatten die Russen 1 Widerstand zu leiten. 5 5 5 wir zurückfuhren, kamen wir an den Gefangenen— ein 4— 1 Sie 1 n lachten. Sie wieder ein„Glück gehabt.“ „In Lasdehnen werden a
n wir nun Silvester sein!“ sagte der ann und sah ernst vor sich hin, da klang,— wir lächeln— aus einem Haufe Klavierspiel. Ein Husaren⸗ 0 ast“ ganzes Klavier entdeckt. Er spielte einen
urückgestellt an 19 war ohne Schuß vor⸗ 83 Jahr,
Kompagnie, die ihre Gewehre zusammengesetzt hatte und auf mäch⸗ tigen Strohlagern der Dinge harrte, die da kommen sollten, pfiff es mit.
Z Also.. ein gutes neues Jahr.“ Das Auto sprang an und der Fahrtwind ging hart um meine Schläfen.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Uriegsbriefe aus dem Westen.
Von unserm Kriegsberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Am Fuße der Südvogesen. Mülhausen, in den Weihnachtstagen 1914. (Schluß.)
Es gibt freilich auch andere, Leute, die immer und zuweilen recht offen nach der Rückkehr der Franzosen gerufen haben, Leute, beren Töchter beim Einmarsch der Franzosen den„Befreier“ in weißen Festkleidern mit Blumensträußen begrüßt haben. Ihre Villen am Rehberg stehen jetzt leer, die Besitzer sind verreist, nach Frankreich oder nach der Schweiz; verreist vermutlich und hoffentlich für immer.
Mein Quartier war bei einem weißhaarigen Greise, einem Manne der feinen alten Art, die, ob man gleich spürt, daß man in eine absterbende Welt blickt, doch bezaubern kann durch die Fülle von Ueberresten einer großen und ehedem siegreichen Kul⸗ tur.„Reden wir so offen,“ sagt er zu mir,„wie Sie es von einem Manne meines Alters erwarten müssen. Als Mülhausen deutsch wurde, war ich in französischer Staatsstellung, hatte fran⸗ zösische Schulen besucht, in Frankreich studiert und war schon zu reif an Jahren, um noch umzulernen. Ich bin immer Fran⸗ zose geblieben, aber ich habe von hier aus die Dinge nüchterner betrachtet, als meine Verwandten in Frankreich. Darum habe ich 2 1 7 als Frankreich den Krieg begann. Ja, das war ein Traum, daß ich noch einmal den Einzug der Franzosen in Mülhausen erleben würde Aber dos i⸗ ihn wirklich erlebt habe, das ist fer mih eine Tragödie. Ob ich den Krieg noh ganz bis zum Ende sehen muß? Wie bir“ Frankreich zusammen⸗ brechen! Der Gedanke an die Wiedergewinnung des Elsasses durch Frankreich war so schön, daß man ihn eine Legende hätte bleiben lassen sollen, um die Gefühle der alten Franzosen im Elsaß zu schonen und Männer wie mich in Hoffnung sterben zu lassen. Nun ansehen zu müssen, daß die Franzosen das Elsaß verderben, ohne daß sie die Besetzung ganz Ostfrankreichs durch deutsche Soldaten verhindern können!“
Ter Greis horcht auf, denn draußen, trabt eine Abteilung Ulanen vorbei und leise zittert das Kreuz der Ehrenlegion, das an seinem Bande bei zwei gekreuzten Offt⸗ ziersdegen unter dem Kupferstich der Schlacht an den Pyra⸗ miden hängt. eines tröstet mich,“ sagt er.„Man muß sich in igkeiten trösten können. Hier in Mül⸗ —— Aufschriften verboten. Jetzt lese
vor seinen Fenstern,
großem Unglück mit Klei hausen sind alle französi ich eine große süddeutsche Zeitung, da man ja französische Blät⸗ ter nicht bekommt. Hören Sie das Deutsche der Deutschen: reva⸗ ieren, devastieren, Bataillon, Cadres, enorm usw. in jeder Zeile, Wenn das so fort geht, wird die französische Kultur, während das deutsche Heer das französische aufreibt, die deutsche Sprache auf⸗ fressen, und man wird zuletzt nicht mehr Deutsche von Fran⸗ zösische unterscheiden können. Dann waren wir doch die Klü⸗ geren, wir Alten, die wir nur französisch gesprochen haben.“ Und er kichert kurzatmig in sich hinein, das Kichern eines Greises von en. Sein Grab ist nicht mehr weit, aber das Kichern wird noch über seinem Grabe klingen, wenn wir Jungen ihm Anlaß dazu geben.
Am heiligen Abend fahre ich südwestlich durch den Sund⸗ gau. Auf den Schollen der Aecker glänzt schwacher Reif, dann schlägt sich eine Nebeldecke über das ganze Land, und kaum er⸗ kennt man auf der Weiterfahrt, daß die ersten Jurahügel beginnen. In der vorgeschobensten Ecke zwischen der Schweiz und Frankreich machen wir in einem Dorfe Halt, in dessen Straßen unsers Truppen, Aktive, Landwehr und Landsturm, marschfertig Spa- lier bilden. Ein Kommandoruf, hart und hallend, ersetzt die Christkindelglocke. Die Züge schließen sich zusammen, und ohne Tritt geht es zur Kirche, deren für das kleine Torf schier allzu massiger romanischer Turm seinen alten Zweck als Wächter des Friedens und Diener des Krieges noch unbekümmert erkennen läßt. Wie ein alter Landsknecht sieht er aus, der in geistlichen Stand getreten ist, aber den Harnisch unter der Kutte weiterträgt.
Auf dem Gottesacker, über den eingesunkenen Grabhügeln von längst aus ihrer Heimat abberufenen Sundgauer Bauern. werden die Gewehre zusammengestellt. Eine Wache bleibt ber den Waffen, die anderen drängen in das Haus des Herrn, durch das warmer weicher Lichterglanz fließt. Des Schnitzwerk des Altars, die Krippe, in der die Hirten den als Bettler unter die Men s chen getretenen Gottessohn anbeten, die Heuigenbilder und die Sta⸗ tionen des Leidens Christi, alles schwimmt im sanften Halb⸗ dunkel der Wachskerzen, die jede Kontur mit einem schmalen Goldrande umzeichnen, als ob ein himmlischer Schein über die Betenden am heiligen Abend ausgegossen sei. Vor dem Altar haben auf Stühlen die Offiziere, unter ihnen der Brigadekom⸗ mandeur, Platz genommen. In den vordersten Bänken sitzen die Knaben und Mädchen des Dorfes, hinten unter der Orgelempore, auf der eine während des Feldzuges neugebildete Regiments⸗ kapelle aufgestellt ist, die übrigen Dorfbewohner, zwischen ihnen, jeden Platz ausfüllend, die Krieger. Und in aller Mitte steht der Tannenbaum. Er ist schmucklos, und nur wenige kleine Lichtlein strahlen aus seinem dunklen Nadelgeäst. So ist er allen nah und bleibt doch ein ferner Heimatstraum, der heute nicht das werden kann, was er sonst zu Hause ist.
Nachdem die Musik„O du fröhliche Weihnachtszeit“ gespielt hat, betritt der Pfarrer die Kanzel. Er ist ein betagter Mann, der seine Jahre mit starrem Nacken trägt, ein rechter Sund⸗ gauer, der mit kräftiger Art den Acker des Herrn bestellt, wie seine Brüder und Vettern die schweren Schollen der Felder vor dem Dorfe pflügen und säen. Er weiß auch mit den rechten Worten zu den Kriegern zu sprechen.„Und Friede auf Erden“ — die frohe Botschaft, die sonst alle eint, die sich als Ehristen bekennen. Wir dürfen wir sie heute hören? Wo der Glanz des Weihnachtsbaumes überleuchtet wird von dem Kriegsbrande, der die Welt in Flammen setzt? Und dennoch hat der rechte christ⸗ liche Soldat den Frieden auf Erden, mitten im Kanonengebrüll und Kugelregen, wenn seine Seele im Frieden mit dem allmäch⸗ tigen Gott lebt. Es ist Gottes Wille, daß jeder alles und sein Leben für unser geliebtes deutsches Vaterland einsetzt und her⸗ gibt. In tapferem Kampfe aber, wo selbst heute, in der Geburts⸗ nacht des Herrn, das Blut so vieler Söhne und Väter fern der Heimat fließen muß, hoffen wir auch den irdischen Frieden wie⸗ der zu erobern, der uns im Weihnachtsevangelium verheißen ist und den uns die leiblichen Feinde nicht lange entreißen können, wenn wir den Frieden mit Gott behalten. Ehre sei Gott in der Höhe!“ 3
Kinderstimmen singen unterm Weihnachtsbaum:„Stille Nacht, heilige Nacht!“ Kommen sie nicht aus ferner He mat zu den einsamen Vätern geflogen, die hier in Waffen kampsbereit zur Schlacht stehen? Da geht eine Bewegung durch die harten
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Montag, 4. Januar 10
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul?
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S951, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
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„Wir treten zum Beten“,„Deutschland, Deutschland über alles“,„Heil Kaiser Dir“, und dann, mit Orgelwucht und Po⸗ saunendröhnen der wie aus Felsen iffen getürmte Ambrosiani che Lobgesang: das sind heute alles Kirchenlieder, Kriegslieder, heute die rechten Weihnachtslieder. Mit Gebet und Segen entläßt der Geistliche seine Gemeinde. 5 3
Die Gewehre werden aufgenommen, Befehle klingen durch die Weihenacht, dann marschieren die Truppen vorwärts. der nahen Kampfesfront zu. Tenn diese Weihnachtsfeier im außer⸗ sten Südwestwinlel zwischen der Schweizer und der französtschen Grenze haben wir im Schußbereich der feindlichen Heschütze ge 55 feiert, und es ist wohl möglich, daß die Franzosen die heilige Nacht zu einem plötzlichen Angriff, hier oder an einer anderen Stelle der Front verwenden. 1 Das ist denn auch geschehen. Gerade als ich auf der Rück⸗ fahrt in ein kleines, in tiefer Stille liegendes Dorf kam und aus jedem Hause einen Lichterbaum glänzen sah, rol te der erste sranzösische Kanonendonner vom Gebirge her in den Weihnachts⸗ frieden des Elsaßlandes. Ueberall wurden die Fenster aufge⸗ rissen, daß die Tannenbaumkerzen im Zuge der lalten Nacht⸗ luft erschrocken aufflackerten, und erregte Eltern und angstvolle Kinder lauschten auf den Lärm. Krach auf Krach tönten die Kanonen herüber. Da rief ein alter Bauer in heller Wut in seinem rauhen Sundgauer Deutsch:„Ja sin denn deß noch Chrischtemensche, odder sin sie schun ganz Vieh, die gottlose Tranzose? De Weihnachts heilige Fridde mit Morde ze stere? Isch deß erheert! Der Hergott sell sie strofe!“ 3
Landwehr, die als Reserve vorrückt, kommt mir entgegen. Und eisenhart steht in den Gesichtern der bärtigen Mäuner, die eben noch unterm Weihnachtsbaum vom fernen Heim, vom lieben Weib mit glockenfrohem Kinderlachen geträumt haben, der Schw 15 eingegraben:„Der Herrgott soll sie strafen!“ 2
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. 7
Aus Stadt und gans 5 Gießen, 4. Januar. 1915.
Hohe Anerkennung von seiten des Kaisers, des Großherzogs, sowie der Kommandeure der betreffenden Regi⸗ menter wurde dem Verein ehemaliger 116 er zuteil, welcher die am 1. November gelegentlich des Reformationsfestes von Herrn Pfarrer Bechtolsheimer gehaltene Predigt unter dem Titel:„Die Glaubenszeugen der Vergangenheit“ in Druck legen ließ und mit einem entsprechenden Weihnachts⸗ gruß an die Angehörigen unserer Regimenter für die Fest⸗ lage zum Versand gebracht hatte.(Fragliche Predigt ist in den hiesigen Buchhandlungen zum Preise von 30 Pfg. noch er⸗ hältlich. Die Danktelegramme bezw. Schreiben haben fol⸗ genden Wortlaut:*
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Verein ehemaliger 116er 5 2 8 Gießen Großes Hauptquartier, 28. Dez.(3 Uhr 45 Min. 1 Seine Majestät der Kaiser lassen für Weihnachtsgruß— Vorlage der Reformationsfestpredigt danken. 9 3 Der Geheime Kabinettsrat. 1 von Valentini. 1 An den Verein ehemaliger 116er 5 1
Dem Verein ehemaliger 116er Gießen haben g
im Höchsten Auftrag den besten Dank Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs für die mit dem Thronschreiben vom 25. d. Mts. eingesandte Predigt hierdurch ergebenst auszusprechen und
mitzuteilen, daß unser allergnädigster Herr sich mit warmer An⸗
erkennung über den guten Gedanken des Veteins ausgesprochen hat, diese erhebende und der jetzigen ernsten Kriegszeit so wundervoll angepaßte Rede den im Felde stehenden tapferen Hessen als Weih⸗ nachtsgruß zu übersenden. 1
Mit vorzüglicher Hochachtung
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f a e Römheld.“ Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm.* (2. Großh. Hess.) Nr. 116.
An den Verein ehemaliger 116er, zu Händen des 2. Herrn Heinrich Boller
5 Gießen.
Dem Verein dankt das Regiment Kaiser Wilhelm herzlichst für
die Widmung der 500 Abdrücke der erbaulichen Predigt des He rn Pfarrers Bechtolsheimer am Tage des Reformationsfestes. Di er neue Beweis der Zuneigung und Anhänglichkeit des Ver ens wird von allen im Felde Stehenden auf das angenehmste einpfunden. Möge sich die Zusammengehörigkeit der alten und jungen Soldaten
auch in Zukunft aufs bewähren. 25 Herzlichst Grüße en sehr verehrten Verein von allen An⸗ gehörigen des Regiments. 1 Ihr ergebenster. 2
Rothardt, 1
Oberstleutnant und Regiments⸗Kommandcur. 55 Landsturm⸗Infanterie-Bataillon, Gießen. 5 1 Dem Verein ehemaliger 116er 2
Gießen.
Die mit Schreiben vom 24. 11. 1914 angemeldeten 500 S ück Predigten des Herrn Pfarrers Bechtolsheimer sind heute hier ein⸗ gegangen und an die Kompagnien des Bataillons zur Verteilung an die Mannschaften weitergegeben worden.
Die Predigten haben hier ungeteilten Beifall gefunden un werden im Verein mit den aus der Heimat eingetroffenen Zah. reichen Liebesgaben dazu beitragen, Festesstimmung auch im ein⸗ desland unter den Mannschaften des Bataillons hervorzurufen.
Im Namen des Bataillons gestatte ich mir, dem Verein ür Uebersendung der Predigten meinen besten Dank auszusprechen und die kameradschaftlichen Grüße und Wünsche vielmals zu er⸗ widern. von Knobelsdorff.
* Vortrasabend in der Universität. Noch⸗ mals sei auf den heute abend 8 Uhr im großen Hörsaal den Universität stattfindenden Vortragsabend zugunsten Soldatenheimszhingewiesen.— Herr Karl Höcher wird zuerst einige moderne Balladen bringen, denen sich eine Christus⸗ legende von Selma Lagerlöf anschließen wird. Den Schluß wer⸗ den Soldatenlieder von Eichendorff bilden. Herr Willy Werner Göttig wird sich mit Fedor von Zobeltitz's„Der lustige Vetter“ einführen. Er wird dann neue Sachen von v. Schlich Presber u. a. m. zum Besten geben. Auch unser alter Wilhe Busch wird nicht fehlen. Zeitsatiren werden den Schluß bi — Der Besuch dürfte also sehr zu empfehlen sein. Die noch vorhandenen Karten sind von 7½ Uhr an zu 30. Pfg. im Vestibül der Universität zu haben. 8
* Obstpflanzungen. die Verwaltung des Kreises Gießen, welche auf dem Gebiete der Pflege des Obstbat e. au den Kreisstraßen sich besonders hervorgetan hat, er⸗ weiterte in diesem Herbst ihren Bestand an Aepfelbäume indem sie die neue Straße Heuchelheim-Allendorf an Lahn, Strecke Heuchelheim bis zur Brücke bei Dutenhofen,
2 N 1
des
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Walzer, dann irgend ein sentimentales Lied. Die
Männer und wohl jeder wischt sich verstohlen über die Augen.
auf einer Seite bepflanzen ließ. Von der Brücke bis zur


