Ausgabe 
(2.1.1915) 1. Erstes Blatt
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Stadt und Caud Gießen, 2. Januar. 1915. 8 Das Zukünftige. Eine Neujahrsbetrachtung von Jürgen Jürgensen. Du stehst in deinem Schicksalsjahre, deutsche Jugend! Das auf ungezählten Schlachtfeldern vergossen wird, das teure deutsche Blut, es fließt für dich, denn wir lämpfen nicht um alle Schätze und alle Herrschaft der Welt,sondern das Zukünftige suchen wird. Du aber, deutsche Jugend, bist unsere Zukunft. Bedenkst du das? Prüfst du, ob du dessen würdig bist? Das deutsche Heer kämpft nicht für sich, nicht für das . t, sondern für die Zukunft. Ob aber die Zukunft das 2 er seiner Kämpfe, seines tausendfachen Sterbens, der un⸗ ermeßlichen, wenn auch noch so stolz und stumm getrage⸗ nen Trauer der Volksgesamtheit, die ihre Besten dahingibt, 4 sein wird, das zu entscheiden, deutsche Jugend, steht r! N Ich wende mich an euch, die ihr daheimgeblieben seid, weil ihr noch zu jung wart, um mitlämpfen zu können, weil i ie euer icksal euch hinter der Front fest⸗ gehalten hat. Die draußen ihre Pflicht tun bis zum Siege 5 oder bis zum Tode, die bedürfen meiner Worte nicht. Ihnen . ward das edelste Glück, Taten vollbringen zu dürfen, an . deren schlichter Größe kein Deuteln möglich ist. Sie reiften schon heran ernster Männlichkeit in der Gefahr des 5 ehrenvollen Dienstes. Sie boten uns Erfüllung, wo ihr f 9 1 ihr Jungen, noch einzig eine Hoff⸗ b nung sei J Noch forderte Deutschland keine Taten von euch, aber es fordert eure Bereitschaft. Und es fordert mehr! Es ver⸗ langt, daß ihr euch in diesem Schicksalsjahre, während der für eure Zukunft tobt, die die deutsche Zukunft sein wird, für oder wider diese Zukunft entscheidet.

Ob ihr es, vor diese Entscheidung gestellt, die täglich und stündlich im Kampfe mit euch selber, aufs neue getroffen werden will, schwerer habt, als eure jungen Brüder im Felde, die der stürmische Atem der großen Zeit hinreißt und

mitreißt, das darf euch nicht kümmern, noch uns. Wir sehen nur die eine Forderung, die euch allein gilt, die ihr allein erfüllen könnt: Die deutsche Zukunft muß der Opfer würdig sein, die ihr in Ost und West, ja auf dea ganzen Erde fallen.

Wenn die Saat aufgeht in ihrer ganzen Fülle und Köstlichkeit, die jetzt der Tod in blutige 0 streut, dann werdet ihr reife Männer und Frauen sein. Dann müßt ihr zurückblicken können auf die Taten und Siege, auf das tiefe Leid, auf die unerhörte Todesernte dieses Schicksals⸗ jahres, 2 erröten zu müssen in bitterer Beschämung, weil i s Pfand, das schwer erworben wurde, vertan habt. Dann müßt ihr euch sagen lönnen in Stolz und De⸗ mut:Wir haben in Krieg und Frieden das bluterkaufte deutsche Vaterland wehr geliebt als uns.

(Aus demVortrupp, Verlag A. Janssen, Hamburg.) *

Auf dem Felde der Ehre gefallen. 5(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Ger. Karl Nörpel, Pionier-Bat. 21, aus Darmstadt. Ersatz⸗Res. Ernst Henne, Rel.⸗Inf.-Regt. 116, aus Offenbach a. M. Leutnant d. Res. Gerichtsassessor Fritz Hinckel, Zäger-Bat. 8, aus Wetzlar. Res.-Unteroff. Karl Bielecke, 1. Garde-Ers.-Rgt., aus Ehringshausen. Bürgermeisterei⸗Sekr. Wilh. Zörb, Res. Juf.⸗Regt. 81, aus Hohensolms. Landwehrm. Friedr. Diesfen⸗ bach, Inl.-Regt. 116, aus Berstadt. Musket. Reinhold

ung-Regt. 88, aus Manderbach. Gefr. d. Res. Jof.

oth ch Id. Inf.-Regt. 116, aus Alsteld. Vizeseldwebel Dr. phil. Carl Dlenstbach, Res.⸗Ins.⸗Regt. 222, aus Weilburg. Feldwebel d. Rel. Architekt Will! Kaspart, Pionier⸗Regt. 28, aus Weilburg. Musk. Karl Alt, Inf.⸗Regt. 168, aus Groß⸗ Eichen. Landwehrm. Heinrich Wahl, Res.⸗Inj.⸗Regt. 116, aus Renzendorf. 8

* Das Paradies der Erde nennt sich der neue Roman, den wir von heute ab unseren Lesern in der Unter haltungsbeilage bieten. Die eigenartige Schöpfung Ada v. Gersdorffs, der berufenen Schilderin unserer Offiziers⸗ kreise, wird, des sind wir sicher, die Aufmerksamkeit des Lesers in hohem Maße fesseln. Das Motiv, das die Dichterin behandelt, ist von hohem, vielseitigem Reiz; in bunten, leuchtenden Farben stellt sie das Herzenserlebenis eines jungen, vom Geschick und den Menschen bevorzugten Offiziers hin, 5 das die ganze, reiche Skala reiner Empfindung von der Ge

walt siegender Leidenschaft bis zu der Zartheit heimlich er blühender Zuneigung durchläuft. Ueber die reich bewegte Handlung, die an Abgründen ebenso sicher wandelt wie sie über dem Banalen steht, breitet die meisterliche Sprach beherrschung der Verfasserin den verklärenden Schimmer eines echt dichterischen Stimmungsgehalts, dessen Eindruck man sich nie entziehen kann. Wir können die reife, von wohl tuender Lebensbejahung getragene Arbeit der Anteilnahme unseres Publikums warm empfehlen. * Studenten siehn ins Feld. Von den im

Felde stehenden Mitgliedern der Universität sind als Ant⸗ wort auf die Zusendungen des Reltors eine große Zahl von

Feldpostkarten und Briefen eingelaufen, die den Angehö⸗ rigen be rs auch unserer Studenten im Sekretariat . straße 22 zur Einsicht aufliegen. Als Beispiel sei folgende Postkarte aus dem Westen mitgeteilt:Am Weih⸗ 0 beim brennenden Baum haben wir Gießener

1 enten Leiblompagnie 116 mit kriegsmäßigen sfebre⸗ rn und Kochgeschirrdeckeln auf unsere ewig ge⸗ lebte Alma mater Ludoviciana einen donnernden Salamander gerieben. K. Haggen müller, Cand. phil, Dr. Wolf, Adolf Bitsch, med., H. Schleen⸗ becker, med., Wehrgeim(Alemannia), Fritz Horst

(Frankonia), Friedrich Lohnes(Frankonia), Lucius. Der Geist unserer Studenten lebt auch im Feld.

Von den 222 ern. Wir lesen in einem uns über⸗ gebenen Feldpostbriefe:

Gestern erhielten wir die langersehnte Po st. Für mich waren einige Paketchen dabei Ich habe gestern abend und heute morgen ununterbrochen gegessen. Was ich für einen d habe, könnt Ihr Euch aus früheren Erfahrungen denken... Von mei⸗ ner Verbindung erhielt ich eine.(Schreiber ist bis zum krieg Student in Gießen gewesen.] Ihr hättet gestern

N einmal die Kompagnie sehen sollen, als die Post kam. Ein Haufen Verrückter kann nicht anders aussehen. Heute futtert alles, 5 was nur in den geht. Rußland ist ein elendes Land. Kalt 5

ist es nicht allzusehr. Vente regnet es wrr.. Vorhm hape un endlich wieder einmal Orgel gespielt. Hier ist eine sehr schöne Kirche. Das schönste dabei wax, daß ich das Präludienbuch von Kern fand, was auch wir zu Hause haben.(Präludien von dem verstorbenen Lehrer K. Aug. Kern aus Laubach!) Ich bin froh, daß ich meine Pfalmen bei mir habe. Wie viel Trost kann man sich daraus holen.... Schickt mir doch einmal eine Photo- graphie aus Metz. Ich möchte mich gerne einmal vor dem Feldzus und jetzt im Spiegel sehen. Wir sind feine Kerle. Mein Bard macht sich auch. Es ist schade, daß er nicht schwarz ist. dann wäre er noch viel schöner. Nun für heute genug. Es geh heute noch Post ab, da muß der Brief mit. Schickt ruhig mitzliche, eßbare Dinge und Batterien weiter, aber keine großen Pakete Militärische Ausbildung der Jugend. Die nächste Uebung findet nächsten Sonntag, 3. Januar, 2 Uhr, statt. Sammelpunkt ist der Hof der Zeughauskaserne Am 3. und 10. Januar können ältere Teilnehmer noch neu angenommen werden.. * Deulmal für Landgraf Ludwig V. Auf die Bitte des Rektors der Universität unter den Ankündigungen ser verwiesen.

* Der Hessische Vereinslazarettzug, der vor den Feiertagen einige Hundert Verwundete von der Westfront nach Darmstadt ablieferte, die er in Dun, Stenay und Montmedy aufgenommen hatte, ist am Silvesternachmittag nach gründlicher Reinigung, Reparatur usw. wieder zur Aufnahme neuer Verwun⸗ deter an die Westfront abgegangen.

Stadttheater. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die morgen nachmittag bei Volkspreisen stattfindende Auf⸗ führung von SudermannsSchmetterlingsschlacht überhaupt die letzte des interessanten Werkes ist. Heinrich Lees Volkslustspiel, Ter Schlagbaum, das am morgigen Abend gegeben wird, hat am Mittwoch in Marburg wieder einen so außerordentlichen Hei⸗ terkeitserfolg erzielt, daß es sicher auch am Sonntag durchschla⸗ gende Wirkung haben wird.

* Gemeindesteuer-Rückstände. Unter den heutigen amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Gießen befindet sich auch die Mahnung für das 4. Ziel Gemeindesteuern und Kanalgebühren für das Ri. 1914. Die Zahlung kann noch bis zum 16. Januar 1915 ohne Kosten bei der Stadtkasse erfolgen. Nach uf dieser Frist erfolgt die Beitreibung, wobei Pfändungskosten erhoben werden.

Kreis Schotten.

Schotten, 1. Jan. Das besliische Lehrer he im Vogelsberg wurde auf drei weitere Jahre an den bis

herigen Pächter, derrn Rudolf Müller, zu den gleichen Ve-

dingungen wie seither verpachtet. Das Heim ist auch während der Wintermonate geöffnet. Kreis Wetzlar.

w. Wetzlar, 1. Jan. Ter Kreistag beschloß in seiner letzten Sitzung, verschiedene zum Bahnbau Albshausen-Gräven⸗ wiesbach erforderlich gewesene Grundstücksvarzellenteile in der Gemarkung Vurgsolms unentgeltlich an die Eisenbahn verwaltung abzutreten.

O Aus der Bürgermeisterei Atzbach-Launs⸗ bach, 1. Jan. Welche Goldvorräte noch in den Gemeinden vorhanden sind, läßt sich d aus erseben, daß bei einer Samm- lung in der Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach nicht weniger als 19850 Mark Gald in Papiergeld umgetauscht werden konnte. Dabei ist sicherlich der Goldvorrat bei einigen ganz be sonders Aeugstlichen noch lange nicht erschöpft.

Hessen⸗Nassau. 5

h. Frankfurt a. M., 1. Jan. Bei der Heimkehr von einem Jagdausflug verunglückten am Donnerstag nachmittag drei bekannte Frankfurter Persönlichkeiten. Zwischen Langen und Mör⸗ felden versagte plötzlich die Steuerung des außerordentlich schnell fahrenden Automobils. Dieses schlug um und begrub die fünf Insassen unter sich. Der Privatmann Henning aus der Gutzkowstraße war sofort tot. Die Kaufleute Karl Nagel, Niddastraße und Richard Haak, Elisabethenstraße erlitten lebens⸗ gefährliche Verletzungen. Die übrigen Mitfahrer kamen mit leich⸗ teren Verwundungen davon.

h. Bad Homburg v. d. O., 1. Jan. Pfarrer Füllkrug wurde als Militärpfarrer nach Brüssel berufen.

Spielplan des Gießener Stadttheaters

Direktion: Hermann Steingvetter.

Sonntag, den 3. Januar, nachmittags 335 Uhr, bei Volks- preisen:Die Schmetterlingsschlacht. Ende nach 6 Uhr. Abends Uhr, bei kleinen Preisen:Der Schlagbaum. Ende gegen 10% Uhr. Dienstag, den 5. Januar, abends 8 Uhr(außer Abonne⸗ ment), bei kleinen PreisenAls ich noch im Flügelkleide'. Ende nach 10% Uhr. Freitag den 8. Jauuar, abends 8 Uhr(7. Freitag⸗ Abonnements-Vorstellung), bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt): Der Schlagbaum. Ende gegen 10¾ Uhr. Soumtag, den 10. Jan., nachmittags Uhr, bei Volkspreisen:Colberg. Ende 6 Uhr. Abends Uhr, bei kleinen Preisen:Als ich noch im Flügel- kleide. Ende nach 10% Uhr. Voranzeigel Freitag, den 15. Januar, abends 8 Uhr: Vaterländischer Abend in Erust und

Scherz von Prosessor Marcell Salzer.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 3. Januar 1915: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, mild, südwestliche Winde.

Tegse Nachrichten.

(Wr.) Großes Hauptquartier, 2. Jan. vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Angriffe gegen unsere Stellungen in und an den Dünen nördlich Nieuport wurden abgewiesen. In den Argounen machten unsere Truppen auf der ganzen Front weitere Fortschritte.

Heftige französische Angriffe nördlich Verdun, sowie gegen die Front Ailly⸗Apremont, nördlich Commercy, wurden unter schweren Verlusten für die Franzosen abgeschlagen, drei Offiziere und 100 Franzosen gefangen genommen. Es ge. lang unseren Truppen hierbei, den heiß umstrittenen Bois Brülé ganz zu nehmen. Kleinere Gefechte südwestlich Saar⸗ burg hatten den von uns gewünschten Erfolg. f

Die Franzosen beschießen in der letzten Zeit sustematisch die Orte hinter unserer Front. Im Unterkuuftsraum einer unserer Dipisionen gelang es ihnen 50 Einwohner zu töten. Die französischen amtlichen Berichte melden, daß die Fran⸗ zosen in dem Dorfe Steinbach Schritt für Schritt vorwärls kämen. Von Steinbach ist unsererseits kein Haus verloren. Sonstige französische Angriffe auf den Ort sind zurückgewiesen

Oestlicher Kriegsschauplatz. An der ostpreußischen Grenze ist die Lage unverändert. Oestlich des Bzura⸗ und Rawka⸗ Abschnittes gingen unsere Angriffe bei einigerwaßen günstigem Wetter vorwärts. In Polen, östlich der Pilica, keine Ver⸗ änderung. 5 Oberste Heeresleitung.

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Der Kaiser an den Erzbischof von Köln.

Köln, 31. Dez.(W. B. Nichtamtlich.) DieKöln. Volksztg. meldet: Auf die vom Kardinal v. Hartmann de m Kaiser aus Anlaß des Jahreswechsels ausgesprochenen Glückwünsche lief aus dem Großen Hauptquartier folgendes Antworttelegramm ein:

Ich danke Ihnen herzlich für die mir zugleich im Namen der datholiken des Erzbistums Köln zum Jahreswechsel daxgebrachten Segenswünsche. Gott der Herr schenle naseren zum Schutze des überfallenen Vaterlandes erhobenen Waf E auch ferner den Sieg ind tröste alle an den schweren Opfern des Krieges Beteiligten mit himmlischem Troste. Wilhelm I. R.

Ein Sohn des Reichskanzlers gefallen. a

Berlin, 1. Jan. Der Reichskanzler hat die Nachricht erhalten, daß sein ältester Sohn, Leutnant im Leibkürassier⸗ regiment, von dem kürzlich gemeldet worden war, daß er ver⸗ wundet in russische Gefangenschaft geraten sei, am 9. Dezember bei den Kämpfen in Polen gefallen ist.

Deutschlands unbesiegliche militärische Macht.

Stockholm, 31. Dez.(W. B. Nichtamtlich.) Sämtliche Stockholmer Zeitungen veröffentlichen heute einen zweiten Artikel von Oberstleutnant Bouweng, dem Chef der Kriegsschule, der kurz vor Weihnachten zurückgekehrt ist. Der Artikel rühmt die Wehr⸗ kraft und den Wehrwillen Deutschlands und entwickelt weiterhin die Ueberzeugung, daß Deutschland niemals militärisch besiegt werden kann. Schließlich polemisiert der Verfasser gegen die Auffassung, daß der ganze Kampf im Zeichen der Müdig⸗ keit enden werde.Ich weiß nicht, ob das für die übrigen Länder wahr ist, sagt er,aber wer das von Deutschland denkt, dürfte bei der Beurteilung der Stimmung dieses Landes einen ganz be⸗ denklichen Irrtum begehen. Kennt man den Willen der neuen Soldaten, die, wenn nötig, neue Armeen bilden werden, weiß man, was die Vaterlandsliebe bei diesen Jungen hervorbringen kann, dann bleibt die Vermutung der Müdigkeit in der Ferne. Wo ein Volk an eine Zukunft glaubt, dawerden keine Müdigkeits⸗ gefühle geboren.

Frankreichs finanzielle Einbuße.

Mailand, 1. Jan. Nach einer Drahtmeldung des Corriere della Sera veröffentlicht der Pariser 2 einen Brief einer hohen japanischen Persönlichkeit, in wel 5 der Schreiber sagt, daß er Frankreich baldigen Frieden wünsche, 1 schon aus materiellen Gründen, denn, wie ein französischer Staats⸗ f a

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mann ihm gesagt hätte, haben die fünf Monate des Krieges Frankreich an direkten und indirekten Verlusten bereits 48 Milliarden gekostet. ö Verstärkung des wirtschaftlichen Kampfes gegen England. Berlin, 1. Jan. Wie dieTägl. Rundschau erfährt, ist eine Verstärkung der wirtschaftlichen Maßnahmen gegen England in der allernächsten Zeit zu erwarten. Vielfach

ist man insbesondere der Ansicht, daß das deutsche Zahlungs 1 verbot gegen England eine schwächliche Gegenmaßregel darstellt. 1 die dringend der Verschärfung bedürfe. Es bleibt abzuwarten, wie 50 weit die zu erwartenden neuen Bestimmungen dieser Ansicht ent⸗ a gegenkommen werden. 5 f

*

0 Berlin⸗Wien. 1

Berlin, 31. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Der Oberbürger. meister von Berlin, Exzellenz Wermuth, hat an den Bürger⸗ meister von Wien, Exzellenz Weißkirchner, folgende Be⸗ f grüßung gerichtet: In Treue verbunden wie nie zuvor, findet unsere beiden Reiche und ihre Hauptstädte das in die Weltgeschichte eintreende Jahr. Dieselbe Schicksalsfrage der Selbstbehauptung ist beiden Völkern gestellt. Einmütig haben sie die Antwort g Der Wille zum Sieg geht durch das Land, Schulter an ter ringen wir heiß um ihn. Daß auf gemeinsamer schwerer Opfer⸗ Saat die volle Frucht reife, daß sich an der Jahreswende der eine große Wunsch in Nord und Süd so ganz erfülle, begrüßt Berlin heute die Schwesterstadt an der Donau. Beschlagnahme eines französischen Lenkballons bei Koblenz.

Koblenz, 1. Jan, Direktor Rumpfwinkel von der Traß⸗ Industrie(Koblenz) macht derFrankf. Ztg. folgende Mittei⸗ lungen: Gestern ist auf unserer GrubeIdylle bei Kruft ein französischer Lenkballon niedergegangen, und zwar gegen 6 Uhr abends. Eine Gondel war nicht vor⸗ handen, das Schleppseil riß einen Leitungsmast von der Start⸗ strom⸗ und Lichtleitung aus und setzte sich auf einem Gebäude sest. Der Ballon schwebte über unseren Grubenfeldern. Das Bezirks⸗ 1 Generalkommando erhielt Mitteilung davon, und es wurden darau⸗ hin 200 Mann alarmiert. Nachts gegen 12 Uhr war der Ballon glücklich heruntergeholt, ex war ungefähr 1820 Meter laug(2) und hatte einen Durchmesser von 15 Meter. Der Ballon wurde vom Militär verladen und nach Koblenz gebracht. An der Landungsstelle fand man franztsische Karten, Instrumente und ein Signalhorn, ferner zwei Flaggen, eine deutsche und eine franzöfische.

Die Minengefahr. 97

Amsterdam, I. Jan. Gestern ist lt. Tant, Ztg. wie- derum ein großes Dampfschiff, dessen Name und Herkunft nicht bekannt ist, an der Ostküste von England bei Flamborough Head auf eine Mine are und gesunken. Man befürchtet, daß die Besatzung ertrunken ist.

London, 1. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kapitän des holländischen DampfersLeersum, der in der Nordsee auf eine Mine geriet und sank, berichtet, daß er am Samstag abend vor fing Schiff einen anderen Dampfer habe sinken sehen.

ondon, I Jan(WTB. Nichtamtlich.) Der Fischdampfer Ivy aus Lowestoft ist in der Nordsee auf eine Mine gelaufen und mit der ganzen Besatzung gesunken. 77

Ein Aufruf der Burengenerale.

Rotterdam, 1. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DerNieuwe Rotterdamsche Courant veröffentlicht eine Proklamatiun De Wets und Beyers vom 28. Oktober 1914. Die Proklamatson lautet: Hiermit wird allen Bürgern der Union bekannt daß, nachdem die Regierung der Union beschlossen hat, Teubsch⸗ 8 Südwest zu erobern und der Beschluß auf unrichtige Berichte und Behauptungen von Parlamentsmitgliedern der südafrikanischen Partei bestätigt worden war und nachdem gegen den gottlofen Ueber fall auf Deutsch⸗Südwest gegen ein Volk, dag uns nie Böses tat, sondern uns alle Zeit gut gesinnt war, protestiert wor⸗ 5 den war und nachdem die Regierung das Recht des Publikums, 15 den Protest fortzusetzen, durch die Proklamation des Kriegsrechtes verhindert hat, so protestieren wir mit den Waffen in der Hand schtn ein so gefährliches Prinzip, das die Regierung gegen die Ab⸗ sicht und den Willen des Volkes ausführen will, da wir überzeugt sind, daß unser Volk in großes Unglück und Elend gestürzt wer⸗ 2 den wird und daß wir uns Gottes Fluch zuziehen werden. Ta un⸗ ser Protest nicht darauf ausgeht, Bruderblut zu vergießen, son⸗ dern vielmehr solches möglichst zu vermeiden und keinesfalls an⸗ greifend aufzutreten, so rufen wir alle Bürger auf, alle Kräfte an⸗ zuspannen und ihren Einfluß zu brauchen gegen die Erobe⸗ 1 rung von Deutsch⸗Südwest und sich gleichzeitig zu wei⸗ gern, sich von der Regierung gebrauchen zu lassen, um mit den Waffen zu kämpfen. 1 2

Steenbok Fontein, 28. Oktober 1914. (gez.) De Wet. Beyers. Generale protestierender Bürger,

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