Ausgabe 
21.12.1914
 
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An örn iäftrn der Drins.

IRomatt aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.

(Nachdruck verboten^

(Fortsetzung.)

13. Kapitel.

In Racovac spürte man von dem Sturm, der sich neuer­dings erhob, nicht viel. Der Dienst ging seinen gleichmäßigen Mang weiter. In, Gegenteil, Franz und Desider verdoppel­ten noch ihre Wachsameit. Sie wußten ganz genau, welch wertvollen Gefangenen sie in der Gräfin hatten, und waren jeden Tag darauf gefaßt, daß der eine oder andere Veiffnch zu ihrer Befreiung gemacht werde.

Als sie die Gefangennahme der Gräfin und ihrer bei­den Begleiter gemeldet hatten, war der Befehl gekommen, Ljuba unter sicherer Bedeckung nach Blasenice zu transpor­tieren, von wo er nach Sarajevo gebracht werden sollte. Be­treffs der Gräfin wurde nur angeordnet, daß sie bis auf weiteres in Rarovae. zu verbleiben habe.

Himmelherrgott!" fluchte Franz.Die Herren in Sara­jevo machen sich die Sache verdammt leicht. Weil sie augen- schetnlim nicht recht wissen, tvas sie niit dem ungebetenen Gast ansangen sollen, müssen wir hier Gefängnisaufseher spielen."

Ich verstehe auch nicht," stimmte Desider bei,warum sie gerade uns oie Gräfin anvertrauen. In Sarajevo haben sie doch solidere Gefängnisse als wir hier."

Vielleicht wollen sie die ganze Geschichte vertuschen, uni die in Petersburg nicht noch mehr zu giften. Wenn das aufkäme, daß die österreichischen Behörden eine russische Geheimagentin hopp genommen haben, dann ist der Teufel los."

Ich ivoltte, er wäre schon los!" rief Desider.

Ich auch. Wissen möcht' ich," polterte der Kamerad, wovor wir Oesterreicher uns eigentlich fürchten. Wir sind ja die Stärkeren. Und der Stärkere hat immer recht."

Auf Recht oder Unrecht, glaube ich, kommt es hier nicht an. Sondern darauf, wer der Schlauere ist. Wir Sol­daten kommen erst zum Wort, wenn sich die Diplomaten nichts mehr zu sagen haben."

Ich fürchte, darauf können wir noch lange warten. Da werden wir noch oft die geliebte Straße nach Bitkovici hinunter und hinaufreiten, ehe dieser Fall eintritt."

Leider," seufzte Desider.

Herrjeh, gleich wird er weinen," spottete Franz gut­mütig.

Weinen nicht," erwiderte der andere ernst,aber ich kann dir nicht sagen, wie ich den Krieg herbeisehne. Weißt du, es klingt wie eine hohle Phrase aber du bist ja mein Freund und wirst es mir glauben, wenn ich eL- dir sage: Mir ist, als nrüßte ich etwas abwaschen, ich bin nicht mehr das, was ich war," *

Ach, rede keinen Stiefel..."

Nein, Franz, ein Offizier, der vor dem Feinde steht, darf das nicht tun, was ich getan habe..."

Ein Mädchen küssen, das er liebt? Na, das wär' noch schöner! Geh', Desi, du red'st wie die Katz' um den Brei herum. Du bist melancholisch, weil du dich nach ihr sehnst das ist alles!"

Desider lächelte trübe.

Du willst mich nicht verstehen," sagte er.Aber ivenn du der Ansicht chist, warum gehst du dann der Grekow aus dem Wege?"

Ah, lieber Freund, das ist ganz ettvas anderes. Die Grekow wollte aus mir einen Hochverräter machen und glaubt sicher heute noch, daß es ihr gelingen wird. Sie hat mir die schwerste .Kränkung angetan, die man einem Mann zufügen kann. Ein Mann, der nur ein bißchen Stolz besitzt, kann das nicht vergessen. Aber dein Mädchen hat von dir nichts anderes wollen als Liebe und nur Liebe ein Narr wärest du, Freunderl, hättest du sie ihr verweigert."

Aber Desider war nicht zu überzeugen.

Du bist einer von den Starken," entgegnete er,die sich nicht von sich selbst unterkriegen lassen. Du hast dir esagt, ich darf das Weib nicht lieben. Und du hast dir ge- orcht. Aber ich habe nicht die Kraft dazu. Ich weiß ganz genau, ich darf dieses Mädchen nicht lieben, das da drüben einer feindlichen Bande angehört o, ich weiß es! Und doch komm' ich nicht über diese Liebe hinweg Wenn ich an jene Nacht znrückdenke, Franz... wird niir die Brust zu eng vor Seligkeit. Und dmin, dann... in dieser Nacht Hab' ich meine Pflicht als österreichischer Offizier verraten. Glaub' mir, für mich gibt's nur einen Ausweg die Kugel. Und wenn sie nicht von drüben kommt..."

Hör' auf, du Narr!" rief Franz dazwischen.Wenn der Krieg konimt, dann banst du deine Seelensckimerzen dem geehrten Herrn Gegner in den Schädel hinein. Na, und haben wir das Pech, und kommt der Krieg nicht, dann gehst hu halt nachher hin und machst .Hochzeit."

Aber wie er auch redete, ernst, heiter, spöttisch oder tadelnd er konnte Desider nicht mehr umstimmen wie früher. Immer düsterer wurde der Freund, und oft sah Franz in seinen dunklen, verträumten Augen ein heimlich Flackern, das ihn erschreckte.

Er selbst hatte längst sein Gleichge,vicht wiedergefmiden. Desider hatte recht: er war einer von den Starken, die sich nicht von sich selbst unterkriegen lassen. Selbst wenn jene Frau keine Feindin Oesterreichs gewesen wäre, hätte er sich ihr nicht mehr genähert. Die Schmach, die sie ihm i» ihrem Boudoir angetan, die vergaß er nicht. War ihm auch der Kampf im Anfang schwer geworden, v.vit, da er sich dnrch- gerungen, hatte er für Olga Grekow nichts als jene kränkende Erinnerung.

Drei Wochen saß sie schon in dem kleinen Bauer,izimmer in Racovac gefangen. Eine verläßliche Bauernfrau war ihr als Dienerin zngewiesen. und wenn sie Wünsche anssprach.