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Glaubst du jetzt noch, daß Rußland in rührender Selbstlosigkeit sich hinopfern würde, um ein solches südslavisches Reich ju er­richten?

Frage: Beleuchte unser Thema doch einmal von einer anderen Seite. Kannst du mir noch eine weitere Ursache des Krieges nennen?

Antwort: Nun, Deutschlands Gewaltakt gegen die Neu­tralität Belgiens.

Frage: Rief diese Handlungsweise nicht helles Entsetzen bei Engländern und Franzosen hervor?

Antwort: Tos tat es und mit besonderem- Rechte, scheint es: hatte doch England schon vor fast zwei Jahren seinen Trup­pen in Irland befohlen, sich bereitzuhalten zum Ausschiffen nach Antwerpen, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Dreißig Straft» wagen mit französischen Offizieren eilten nach Belgien, che der Krieg begann. Französisch:« Soldaten waren in den Festungen von Lüttich und Namur. Tie Festungen Belgiens waren aus­schließlich zur Verteidigung gegen Deutschland errichtet.

Tie Tatsachen haben beioiesen, daß die Engländer planten, Triippen zu landen und zwar nicht in Frankreich, sondern in Belgien. Tie französisch« Taktik aber hat bewiesen, daß die Franzosen erwarteten, ilyre ganze Straft frei zu haben, um Elsaß- Lothringen anzugreifen, während Engländer und Belgier ihre nordwesttickien Grenzen schützen würden.

Ja, ja, du verstehst, der deutsche Gewaltakt gegen belgische Neutralität war unerhört!

Frage: Sollte aber Deutschland, als es sah, daß seine Nachbarn zrmr Schwerte griffen, geduldig gewartet haben, bis die Franzosen vor otraßburg standen, bis Belgier und Eng­länder Aachen und Köln bedrohten und die Russen von Danzig aus nach Berlin nrarschierten, statt seinerseits die Unhöflichkeit zu begehen und ihnen allen zuvor zu kommen?

Antwort: Wenigstens sind Franzosen, Russen und Briten dieser Ansicht.

Frage: Welche Stellung nimmt England zu diesem Kriege

ein?

Antwort: Mein Gott, du kannst dir vorstelleti, daß es furchtbar dagegen ist.

Frage: Woher wissen wir das?

Antwort: Nun, als das erste, lvirklich große deutsche Linienschiff vom Stapel gelassen wurde, schrieb die tonangebende englische Zeitung:Deutschland nruß vernichtet werden "

Es ist bekannt, daß die Teutschen auf geschickte Weise den Etlgl ändern den W:ltmarkt streitig machten, wo immer sie Ge­legenhit hatten, sich mit ihnen zu messen. Und du weißt, das ist unerhört, besonders Ivcnn niau bedenkt, wodurchdiese deut­schen Bettler" ihre Erfolge erreichten: Sie waren gewissenhafter, arbeiteten ang«irengter, hoten mehr Verstand und w nigcr Hoch­mut mif, zeigten größere Geschäftstilchtchkeit und Zuvorkommen­heit und verließen sich nicht auf Rum, Bibeln undErpcdftions-

Die besten uuparteiischcu Schristsiellcr behaupten, daß hierin die eigentliche Ursache des .Krieges zu suchen sei: bei reiflicher Uebmlegung stimmt man ihnen zu und wenn man auf die hämi­schen Freudenäuf^erungen der Etigländcr achtet, sobald Berichte über gefangene oder oe-'unkene deutsche Sckpffe eintresten, so wird es cinenr zur Gewißheit Außerdem hat England von jeher gnnäß seiner bekannten Handelspolitik sc neu bed utm^steu N ben- buhler vernichtet und zwar mit kaltblütiger Ueberleguug und ohne jedes Erbarmen.

Es vernichtete Spanien mit Hilfe von Seeräubern und glück­lichen Orkanen, es vernichtete das Napoleonische Frankreich da­durch, daß es das Übrig« Europa gegen ydapoleon hetzte. Ruß­land schwächte es mit Hilke der Türken und Japaner. Jetzt kommt Deutschland au die Reihe.

Frage: ?lber kämpft denn nicht England für Freiheit, Fortschritt, Aufklärung, Demokratie und ähnliche edle Ziele?

Antwort: Gewiß, es kämpft innuer dafür, man möchte nur wünschen, daß es endlich damit fertig würde.

Frage: Welche Beispiele ließen sich etwa für die Freiheits­liebe der Briten ansühren?

Antwort: Nun, da ist z. B. Irland, wo im Laufe von 7 Jabrhunderten durch Mord, Raub. Brandstiftung, Bestechung oder Vergiftung eine höhere Kulttir allmäblich völlig vernichtet wurde, wo unter Androhung von Todesstrafe heimische Sprache, Gesetz«, Erziehung völlig unterdrückt wurden lDank den deutschen Gelehrten hat die Stuliur sich neuerdings wieder gehoben.)

Durch Hungersnot wurde dir Bevölkerung halbiert, wäbrend englische Soldaten die reichen Ernteerträge des Landes fortschlepv- ten. Durch harte Gesetze wurde die Industrie lahmgelegt, durch Bestechung und Gewalt wurde die Verfassung unterminiert, wurden die Politiker verderbt und heute so gut wie vor Jahren setzt Mt Tmannei ihr Werk fort, nur verfährt sie versteckter und geschickter dabet.

Dann ist da Indien. England bemächtigt« sich seiner, indem es die Eingeborenen an der Nase führte und die geliebten Frau- losen überall verdrängte. Die Ordnung wurde aufrechterhaiten durch Waffengewalt, durch Wucherzinleu, durch Vernichtung der ein­heimischen Industrie und durch Hungersnöte.

Und nun Aegypten. Die Engländer schmuggekteu sich in seinen Besitz unter der Versicherung, daß sie es nach hergestellter Ord­nung sofort wieder verlassen würden. Aber irgendjemand scheint d,e Zeiger der Uhr angehalten zu haben und so ist der Brite -immer noch in Aegypten, hat ungeheure Reichtümer angehäuft und im Suezkanal ein vorzügliches Mittel gefunden, um nicht nur den deutschen Handel, sondern auch denjenigen der teuren Verbündeten, Frankreich und Rußland, andauernd zu bedrohen und zu belästige». Ein scharfes Vorgehen gegen die Eingeborenen Hilst diesen, sich mit ihrer Lage abzufinden.

Endlich Süd-Afrika. Besiegt durch den unbeugsamen britischen Heldenmut, welcher der ganzen Welt zum Huhn, endlich die Heere der Buren durch ungefähr 30 000 Scharfschützen besiegle und die Bewohner dadurch beruhigte, daß die Burenfrauen und SÄnder nach England in Konzentrationslager geschleppt wurden, wo nach englischer Angabe 14 000, nach Angabe der Buren und Iren über 20000 an Hunger und .Krankheit jammervoll zugrunde gingen. Wie man aber auch die ganze Burengeschichle beurteilen mag. eng­lische Menschenliebe hat jedenfalls höchsten Triumph dabei gefeiert.

Oder nimm Schottland, wo ein tapferes, närrisches Volk, unter Drangabe seiner Nationalität, seines Landes und seiner Sprache, sich zu rührender Loyalität gegen England durchgerungen hat. Freilich gehen jährlich Tausende dieser Schotten übers Meer und überlassen ihre geliebten heimatlichen Hügel den Schneehühnern, die dann eines Tages von den dürrbeinigen Sprößlingcn eines neugebackenen Adels gesagt werden.

Oder sieh dich allüberall um, wo englisches Kapital arbeitet, denke an den Putamaja-Tistrikt von Peru, wo die eingeborenen Angestellten englischer Direktoren von diesen in keiner Weise daran gehindert wurden, alle gefangenen Indianer ohne Rücksicht aus Alter und Geschlecht in der gemeinsten Weise zu mißhandeln. Durch Auspeitschen, Verkrüppeln usw. quälten sie dieselben derartig, daß meist schon nach wenigen Monaten der Tod erfolgte.

Oder nimin England selbst. Quadratmeile über Quadratmcile ffndest du mit Stadtteilen bedeckt, in denen unausdenkbares, surcht- barstes Elend herrscht. Schlimmste Erniedrigung und entsetzlicher Mangel treten hier überall in erschreckender Weise zutage. Die ländliche Bevölkerung verschwindet immer mehr und damit gehen zugleich Gesundheit und Kraft verloren.

Was an Landbevölkerung bleibt, zerfällt in die großen Besitzer, die kaum noch ein anderes als das pekuniäre Interesse am Boden haben in Pächter, deren politische Seele seit Jahrhunderten zu einem philisterhaften Torysmus verknöchert ist, und in Ar­beiter, welche in öffentlichen Angelegenheiten kein Wort mitzu- reden wagen. To gibt es eine Torypartei von bourbonische« Narrheit, eine liberale Partei, welche aus den großen Industriellen besteht und durch die geheimen Fonds der Rothschild«, Saisons und Samuels regiert wird. Wahrhaftig, die Engländer haben recht, nirgends gedeiht die Freiheit s o. wie sie in England und seinen Kolonien gepflegt wird Gott sei Dank, sage ich.

Frage: Wie sind denn nun eigentlich die Deutschen?

Antwort: O, das sindwilde Horden",rohe Bantus", Mörder".Pöbel",Barbaren".

Frage: Woher wissen wir denn das?

Antwort: Nun, sie sind die Wurzel, aus der alle moderne Zivilisation emporgewachsen ist. Ihr Blut und ihr Geist retteten die verfallende lateinische Welt zu der Zeit, als die Nationen ein völliges Chaos bildeten, sie schufen Spanien, als Spanien seinen Höhepunkt erreichte, sie schufen Frankreichs Größe, sic flößten der Lombardei und Toskana in der Rcnaissancezeit ihren Geist ein und trugen'sogar zu Englands Größe nicht wenig bei. Im Norden Europas rief sie eine neue eigenartige, solide Zivilisation hervor, sie entwickelten in sich selber alle die Fähigkeiten, welche die Menschheit je hervorgebracht hat, sie nahmen in sich alle Eigenschaften vergangener Zeiten aus, welche sich als nützlich und erstrebenswert erwiesen. Sie befestigten die Kirche, früh zeichneten sie sich in Industrie und ehrlichem Gewerbe aus. Sie errichteten wahre Freiheit in ihren herrlichen Städten, sie aründeien Uni- veriitäten und bildeten Gelehrte, sie haben der Welt einige deck

i irößten Dichter, Philosophen und Dramatiker geschenkt. Seiidcm ie eine natHMlc Einheit bilden, ist ihre Ueberlegenheit in Wiiien- chast und ETnebungsweirn so groß geworden, daß die ganze Welt ans diesen Gebieten ihnen Dank schuldet. Mele Millionen von Auswanderern haben sie den Vereinigten Staaten geschickt und mit Ausnahme einer kleinen Mehrzahl rollt ihr Blut durch die Adern aller unserer Mitbürger

Wenn man ihre Geschichte, ihre Institutionen betrachtet, Ivcnn man sich in ihre Bücher vertteft oder ihre Universitäten besucht, wenn man mit ihnen in ihrem eigenen Lande verkehrt, wenn man sich an ihren Frieden, ihrer Wohlhabenheit, ihrer Genialität, ibrein guten Leben miterfteut, wenn man ihre Liebe zur Kunst, ihre Ehr­furcht vor Bildung kennen lernt, wenn man ihre Opern besucht, wenn man geschäftlich mit ihnen in Amerika zu tun hat, oder die eiaenen Kinder mit dm ibrigm zur Schule schickt, wenn man teilnebmen darf an ihrem köstlichm Familienlebm, oder wmn man Einkäufe macht in ihren vcrschiedenstm Lädm immer würde man denken, ..welch' ein gebildetes, herrliches Volk!"

Aber dem ist nicht so. Die Engländer behaupten es und die am rckani'che Presse beet es ihnen nach Sie sagm, daß dies« halben Deutschen eine Horde von Barbaren seien und einzig darauf bedacht, da? Licht der Welt auszublasen.