An ötn Akern der Drins.
k^omai, aus der Zeit, der Annexion von Ernst Klein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Desider konnte trotz der Nacht und des Tages, die eü hinter sich hatte, keine Ruhe finden. Es duldete ihn nicht in dein kleinen Zimmer. Er ivarf den Pelz um, setzte dw Kappe auf und trat ins Freie.
Eine wunderschöne klare Winternacht empfing ihn und legte wohltuend ihren lautlosen Frieden auf den Sturnr seiner Brust. Langsam ging er die schlafende Dorfstraße hinunter und ivnrdc iinmcr ruhiger. Ms er ioieder vor seiner Tür stand, ivar er ivirklich inüde und schläfrig.
Da sah er zivischen den Häusern eine Gestalt hervo» husche». Er sah sie nur ungenau, da sie sich im Schatten der Häuser hielt; erst als sie in einen freien Zwischenraum hinaustrat, erkannte er, das) es ein Weib ivar.
Sie schien im Orte fremd zu sein, denn von Zeit zu Zeit blieb sie stehen und schaute umher, um sich zu orientieren. Plötzlich sprang sie hinter einen Zaun zurück — am oberen Ende des Dorfes kam eine Patrouille daher. Desider hätte die Fremde nun verhaften lassen können, aber er zog es vor, sie noch weiter zu beobachten, um hinter ihre Absicht zu komme». Vielleicht war sie eine Spionin, die aus- geschickt war, Nachrichten über die Gefangenen auszukuud- schafteu. Er dachte ciuen Moment an dao Weib des Lzuba — aber die Fremde schien zarter und geschmeidiger als jene derbtiiochige Bauernfrau.
Fest preßte er sich in den dunkleii Rahmen seiner Tür rmd ivartete.
Die Patrouille verschivauo dem Flusse zu, und bald daraus ivagte sich die Beobachtete wieder aus ihrem Versteck. Leichtfüßig huschte sie die .Häuser entlang, sorgfältig jeden Lichtstreifeu vermeidend. Nun stand sie seinem Hause gegenüber. Vergebens strengte Desider die Angen an, um sie zu erkennen - er sah nur, daß ihr Gesicht in einen dichten Schleier gehüllt ivar.
,,Ei»e Botin für die Russin," schoß es ihin durch den .Kopf.
Die Fremde schien ihrer Sache nicht ganz sicher zu sein. Zaudernd staird sie in deiii Schatten des Hauses, augen- scheinlich im Zweifel, ob sie an der rechten Stelle wäre. Dann aber schnellte sie mit plötzlichem Entschluß über die Straße hinüber und verschivand in dem schmalen Durchgang zivischen den beiden Häuser».
Im Nu Ivar Desider hinter ihr. Das Mondlicht drang hier nicht herein, und so war der Fleck ziemlich dunkel. Lautlos schlick» sich der junge Offizier dem geheimnisvollen Weibe nach, das >etzi sich anschrckte, den niederen Zaun zu übersteigen. Mit einem Sprung war er bfii ihr und packte sie.
Sie stieß einen leichten Zchrei'der Neverraschung aus
und versuchte mit wilder Energie sich loszureißen. Desider widerstrebte es, ein Weib derb auzusasse», und so begnügte er sich nur damtlt, sie an den Händen sestzuhalten, viA sie müde werden und das Vergebliche ihres Widerstandes einsehei, Ivürde. Stumm rangen sie in der Finsternis miteinander — plötzlich entriß sie ihm die eine Hand, fuhr in den Gürtel . . . ein Dolch blitzte aus.
Da machte er Ernst. Er faßte sie am Handgelenk und drückte es so fest zusammen, daß sie mit ächzendem Wehlaut die Waffe fallen ließ.
„Seien Sie vernünftig," sagte er, „und zivingen Sie mich nicht. Ihnen nock) mehr weh zu tun."
Bei dem Klang ihrer Stimme ging ein Zittern und Beben durch den schlanken Frauenleib.
„Desider, . . du. . . du!"
Wie vom Blitz getroffen, fuhr er zurück.
„Helene ... I"
Eine Zeitlang ivar es totenstill zwischen beiden Nichts hörten sie in der iveiten schweigenden Nacht als das ungestüme Poche» ihrer .Herzen. Ihre Augen brannten ineinander, ihre Liebe riß sie zueinander hin, und doch stan» etwas zwischen ihnen, ivas sie voneinander schied.
„Wo ist er?" fragte sie endlich tonlos.
„Komm," antivortete er leise, „ich werde dich führen."
Da sie schon im Garten waren, ging er mit ihr durch die kleine Hintertür ins Haus Der Posten sah ihn verwundert an, als er mit dem Mädchen erschien.
„Es ist seine Schivester," sagte er dem Mann.
Dann ließ er sie eintreten.
Regungslos lag Stojan auf seinem Bett. Das Fieber glühte in dunklen Rosen auf seinen eingefallenen Wangen und seine wachssarbenen .Hände irrten zupfend und tastend aus der Decke umher. Sie hatten ihm einen Schnceumschlag aus den heißen Kopf gelegt, aber der Schiiee ivar längst zerronnen und das Tuch ganz worin.
Es war Helenens erstes, daß sie den Umschlag erneuerte. Ohne Desider zu fragen, eilte sie in den Hof hinaus und brachte eine Schissel voll Schnee mit, um den Umschlag frisch einzukühlen. Das zarte, weiche Mädchen hatte keine Tränen für ihr Leid, entschlossen und ohne Zögern ging sie ans Werk.
Desider stand an der Türe und sah ihr zu. Düster ivar der Raunt, den zivei Talgkerzen niit einem ungelvissen Lickt erfüllten. Gespenstige Schalten zeichneten sic auf die roie Decke, von der sich die .Hände des Sterbende» umso deutlicher abhobeu. Das ivar eine traurige Wiedersehensstunde.
„Darf ich hierbleiben? Fhn pflegen?" fragte sie vom Bett her.
Er nickte stumm und ging hinaus.
Ani nächste» Morgen trugen sie den von Helenens Bruder erschossenen Stojan zu Grabe. Uich in der Nacht darauf starb ailch sein Mörder
Desider hatte Helene bis dahin nicht tviedergesehen, denn geflissentlich W'lt er sich von dem Krankenzimm«


