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i« Zimmer in dem Hause neben dem der Offiziere. Gin vstei« stand vor ihrer Türe, einer vor de» Fenstern. Klein War der Raum und wie alle in diesen kleinen, niedrigen! Hütten voll schlechter Luft aber in ihrer Seele war ein! Mbcl und Lachen.

Stojan nahmen Franz und Desider in ihr eigenes Haus. Das Fieber hatte sich über seinen geschwächten Kör­per geworfen und schüttelte ihn in glühenden Phantasien. Mehr der Form halber stellten sie einen Posten vor die Türe, hinter der der Todkranke lag. Sie wußten ja beide, daß er ihnen nicht entkommen konnte, ihnen nicht und nicht dem Tode.

Wir müßte» doch eigentlich einen Arzt für ihn haben," sagte Desider.

Franz schüttelte den Kops.

Dem kann auch kein Arzt mehr helfen," erwiderte er. Sft auch am besten für ihn. Wenigstens entgeht er so dem »krlegsgericht."

Desider stöhnte dumps auf.

Ist es nicht wie ein Fluch?" rief er.Sag selbst, Kranz! Muß gerade ich ihn sanken, in den Tod hiueiu- petzen! Wie soll sie je darüber hmwegkommen!"

Mein lieber Junge," sagte Franz.DaZ Schicksal fragt nicht viel darum, ob es uns leicht oder schwer wird, diig Pflicht zu erfüllen. Mau ist eine Zifser, die einen bestimm­te» Platz ausfüllen muß. Ist mau zuviel, wird man einfach Wegradiert." ,

Das ist Hassans Lebensanschauung. Kismet!"

Nenn's, wie du willst. Oder kannst du's etwa ändern? Ja, du kannst es. Nimm einen Wagen, lege den arme«» Kerl drauf und kutschier' ihn hinüber. Dann wird dir

S eine Schwester um den Hals fliegen aber aus unser«, lode» zurückzukommen, diese Mühe kannst du dir sparen!"

Hör auf," murmelte Desider.Ich komm' mir oh««ehin schon selber wie ein halber Hochverräter vor."

Narr," brummte Franz.Was soll ich erst sagen..." Er verstummte plötzlich, von seinem Gefühl übermaunt. 8l»s Fenster trat er, um dem Freunde die Erregung zu verbergen, die mit einemmal über ihn gekommen ivar. Lange stand er so und starrte in die Nacht hinaus. Ms er

B umwandte, zuckte es noch in seinem Gesicht, >«»ld die hsam niedergedrückte Glut leuchtete durch seine Augen. Wenn ich dran denke," sagte er mit knirschenden Zähnen,im Haus nebenan Himmelherrgvtt, unsereins ist doch nur ein Mensch, und nicht aus Holz zusammen- aetleistert! Da im Hans nebenan. Keine zehn Schritt Hab' sch zn gehen ... u««d ich weiß, sie wartet aus mich. Sie hat Mich ein paarmal so angcschaut, weißt du... sie hat sehen müssen, was in mir vorgeht... Himmelherrgott... Desi... ich Hab' so verflucht wenig Talent zum Verzichten!"

Einen Moment laug schwiegen sie beide, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Dann aber sprang Franz lauf und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die kleine asthmatische Oellampe in bedenkliche Schwankungen geriet.

Wir sitzen da und flennen uns gegenseitig was vor, tvie die richtigen Waschlappen," rief er.Komm, ich weiß ein gutes Mittel, «in« uns aufzuheitern. Wir werden den hohen Herren in Sarajevo einen eingehenden Bericht ab­fassen. Das wird uns auf andere Gedanken bringen." Desider winkte mechanisch.

Ja, das müssen wir tun," sagte er.

Na, Gott sei Dank, daß du das einsiehst! Eklig ist nur die Geschichte mit dem armen Bojau. Wir können sie nicht verschweigen. Das sollen sie dann in Sarajevo besorgen.

K glaube, wir werde» morgen beim Befehl auch unsere ite zum 'Schweife» darüber verhalten müssen. Na, und dann müssen «vir ,a wissen, was mit den Gefangenen ge­schehen soll. Wir haben doch anderes zu tun, als Gefängnis­wärter zu spielen ..

In der Weise redete er aus Desider ein, bis er diese«» etlvas in die Höhe gerissen hatte. Sie aßen ihr Abendbrot, bestehend aus zwei harten Eiern, einem Stückchen Speck! und trocknem schwarzen Brot, und machten sich dann an ihren Bericht. Ms sie damit fertig waren, staub der Mond hoch am Himmel... Mitternacht war nicht mehr loeit.

Na, ich denke, heute haben «vir Ms das Bett ehrlich verdient," sagte Franz, seine »lusttltöscn Glieder reckend. Servus, mein Jung«! Kopf hoch!" Und dann ging er in sein Zimmer hinüber. lFortsetzung folgt.)

Nummer vierzehn.

Ein« Episode aus der Weihnachtsrett von 1914,

Von Feilst Frhr, von Stengltn.

Sn einem großen Mietshanse von Berlin W. Ivar ein La- «arett eingerichtet. Im oberen Saal, wo sich 'vor dem Kriege ein Kino befand, waren dreißig Verwundete untergebracht, untei« zehn.

Hier lag a««ch ein junger Soldat, der durch seinen Ernst und seine Stille auffiel. Seine Armwunde war zwar nicht ganz leicht, aber manche, die ähnliche Wunden hatten, sangen und rauchte», lasen Bücher oder erzählten sich ihre Erlebnisse. Ost gingen die Augen des stillen, jungen Soldaten mit einen« Ans­druck der Sehnsucht zu jener Gruppe hinüber, die sich da gewöhn- lich um den großen runden Tisch in der Mitte versammelte. Mehr als einmal halte Schwester Agnes, die Stationsschwester, ihn gefragt, ob er .Schmerzen habe oder irgend einen Kümmert Er wich mif solche Fragen immer aus.. Wenn sie dann aber gehen wollte, bat er flehentlich, sie möge noch, etwas bei ihm bleiben. Wenn er Hilfe brauchte, wünschte er wie ein verzogenes Kind sie nur von ihr. Sie war bestimmt und energisch in ihrem Wesen, aber ihre Hände waren so sanft wie die keiner änderest Schwester, und in ihren Augen lag, wem« sie bei ihrer Arbeit Ivar, ein Mglanz mütterlicher oder schwesterlicher Güte, War es das, was ihn so oft »ach ihr verlangen ließ? ^

Das Weihnachtsfest ivar nahe. In den Straßen standen die Weihnachtsbäunle zum Verkauf. Zwei stattliche Fichten waren schon für das Lazarett gestiftet und lagen in einen« Nebenraum bereit. Manche der Verwundeten hatten schon Sendungen von ihren Angehörigen erhalte«».

Heute bin ich gar nicht mit Ihnen zufrieden, Krüger," sagte Schwester Agnes zu dem jungen Soldaten.Sie haben ja Fieber, und zwar ohne innere Berechtigung. Zur Strafe komme ich heute gar nicht mehr zu Ahnest. Erst müssen Sie sich wie eiir gebildeter Mensch betragen, denn das sind Sie doch, soviel ich weiß."

Sic kam auch «virklich eine ganze Wefle nicht in seine Nähe, trotz seiner siebenden Blicke. Auw sie hatte mehrmals zu ihm hin­gesehen. Endlich, nach einigen Stunden, trat sie aber doch «vieder an sein Bett.

Na, jetzt scheint es ja zu gehen. Wir wollen mal messen."

Sic steckte ihm das Thermometer unter den Arm und ging. Als sie nach einer Weile Ȋchgesehen hatte, meinte sie befriedigt:

Ein Lob! Das Fieber ist heruntergeganaen."

Ein schwaches Lächeln verklärte sein hübsches Knabengesicht er war erst siebzehn Jahre alt, und dann streichelte er leise, zaghast ihre Hand.

Ich liebe Sie nämlich, Schwester Agnes."

Na, ja, Sic großer Junge," antwortete sie derb,bekanntlich liebt man immer seine Peiniger."

Damit wandte sie sich schnell ab. Er solgte ihr mit seine» Blicken, voll Zutrauen und Bewunderung.

Die uin den runden Tisch hoben den Kopf, als sie in ihrer geraden Haltung vorüberging. Ter Oberlehrer mit der Brille nickte ihr gar zu und sagte:

Schwester Agnes, Ihr Verband sitzt aber großarttg. Morgen kann ich doch wohl Urlaub bekommen."

Nichts da, Nummer 16, vor Sonntag nicht!" erwidert« sie kurz.

Der junge Krüger «vandle den Kopf auf die andere Seite und stuszte.

Man «vußte nicht, was Man aus ihm machen sollte. Nieniand hatte ihn bisher besucht, und dabei hatte er doch gesagt, er habe seinen Ellern, die in Berlin wohnten, geschrieben. Das loar auch die Wahrheit; er verschwieg aber, daß er seine Adresse ntcht an­gegeben hatte.

AM nächste:« Tage um die Mittagszeit ließ sich ein Herr der Schwester Agnes melden.

Womit kann ich dienen?" fragte sie wie jeniand, der nicht viel Zeit hat.

Mit einem kleinen Lächeln sah er sie prüfend an. Sie hatte ihre hübschen Augen schon wieder abgewandt und lies, sie über den Raum und die Kranken hinschweifen. Ihre Blicke hatten etwas Unpersönliches angenommen in tzen zehn Jahren, da cs ihre Aufgabe war, bei Leidenden zn wachen. Ta hörte sie dm Herrn sagm:

Schwester Agnes, kennen Sie mich nicht mehr?"

Sie sah ihn an.

,Llch kmne so viele"

Auf Ihres Bruders Beerdigung"

Ta wurde sie sehr ernst und ließ das Haupt sinken.

Ich erkenn« Sie . . ."

Sie gab ihm die Hand. Schioester Agnes Gedanken gingen weit zurück. Mir dem Bruder hatte sie das letzte Glück verloren. Damals war sie Schwester geworden.

Sie sagte ihm deryleickien.

Und Sie haben inemandcn gefunden" fragt- v't.

Wenn wirklich das kommt und gehl. Es sind alles mir Nummern. Bei einer alten .Berwandtcn häb ich mein Absteige-