Nn ötn Akern der Drins.
Noma,, aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetumg.)
Hassan mußte ja, daß Ljuba nicht der Mörder mar; aber er ivollte durch diese Beschuldigung die Wahrheit auS dem gcängstigte» Weibe herauslocken. Und das gelang.
„Nein!" schrie sie schaudernd, als sie den Toten erblickte. „Das hat der Ljuba nicht getan. Nein, Gospodin, ich schtvöre eS dir beim Leben meiner Kinder, er hat es nicht getan. Das müssen die Fremden auf dem Gewissen haben."
„Was für Fremde?" fuhr Hassan auf sie los.
Das Weib sah, daß es sich verraten hatte. .Einen Moment lang zuckte ein harter Droh um ihre dürrnen Lippen. Mer Hassan mar unbarmherzig. Er riß sie mild in die Höhe und schüttelte sie. ,
„Weib," sagte er, mit unheimlich ruhiger Stimme, „mein, du nicht sofort die Wahrheit sagst, bei Allah, dann nagle ich dich an den Türstock deines Hauses."'
„Gospodin," jammerte das arme Weib, „sei doch barmherzig! Ich bin doch schuldlos. Ich Hab' ja so viel schon geweint, daß der Ljuba mit den Fremden fort ist. Ich Hab' ihn gebeten, daß er es nicht tun soll. Die Herren in Sarajevo, die würden es doch erfahren. Und die sind so streng; Aber er hat ja nicht hören wollen. Und nun ist das Unglück ,da."
In wilder Verzweiflung rutschte sie auf den ÄUien vor Desider und Franz hin.
„O, Sie sind so große mächtige Herren," flehte sie, „tun Sie ifmt nichts! Er hat gesagt, er muß es tun, er kann sich dem Befehl, den sie ihm gebracht haben, nicht widersetzc». Sonst kommen die Komrdatschi heimlich von drüben und zünden uns unser Haus an. O, Gott, es ist doch so ein Unglück!"
Der Jannner des Weibes mar ivirkltch rührend. Selbst der grimmige Hassan empfand das. Er hob sie auf und ließ sie los
„Nun hör' mit dem Heulen auf," knurrte er, „und erzähle den Herren Offizieren genau, wie sich alles zugetragen hat."
„Geschieht dem Ljuba nichts?" fragte sie mit verhaltenem Atem
„Das hängt davon ab, ob du die Wahrheit sagst."
„Ja, ja, ich will alles sagen, alles," rief sie hastig. „Heute früh, wir Ivollten gerade aufstehen, da klopft es Mi die Tür. Der Ljuba geht hin und Pracht auf. Da steht ein alter Bauer davor und fragt ihn, ob er der Ljuba Ljubanovic ist. Und dann hat er ihm ein geschriebenes Papier gezeigt. Darauf ist dann der Ljuba her ein ge kommen, hat seinen Rock genommen und wollte fort. „Ich muß!"
hat er mir gesagt. Und dann hat er mir noch gesagt, er muß die Freinden übers Gebirge nach Sarajevo führen..."
„Welchen Töeg?" unterbrach sie Hassan.
„Ich glaube, Gospodin, den über Orahovica, Palez und über den Paß... In zehn Dagen längstens ist er zurück, hat er gesagt."
„Hast du auch die Frau gesehen?" fragte Franz.
„Ja, Gospodin; ich wunderte mich über sie. Alt schien sie und hatte doch Bewegungen wie eine Junge. Ich Hab' ihnen noch rasch eine heiße Suppe gekocht, bevor sie fort sind, da Hab' ich sie gesehen.";
Franz und Desider wechselten einen raschen Blick.
„Wann siud^ sie fort?"
„Vor drei Stunden ungefähr."
„Dann holen wir sie noch vor Pale» ein," sagte Efghi Hassan. „Wo haben sie den Wagen gelassen?"
„Der steht hinten bei uns im Schuppen," antwortete das Weib.
„Meine Herren," sprach nun der alte Gendarm zu den Offiziere», „jjetzt müssen wir zu Fuß weiter. Wir werden die Säbel bei den Dragonern hier lassen."
„Was geschieht mit dem armen Bojan?"
„Werden wir gleich machen, Herr Oberleutnant. Her mit dem Serdar!" schrie er den Dörflern zu.
Der Serdar kam, furchtsam und scheu.
„Hast wohl ein schlechtes Gewissen, alter Fuchs," herrschte ihn Efghi Hassan an.
„Gospodin," jammerte der Bauer, „das Unglück____
das Unglück! Wir sind nicht schuld daran..."
„Halt's Maul," schrie der Gendarm. „Paß auf, was ich dir sage. Du wirst den Taten aus deinen Wagen laden und nach Racoooc bringen. Ein Dragoner wird dich begleiten. So, vorwärts marsch, sonst spann ich dich in den Wagen!"
Franz und Desider waren inzwischen vom Pferde ge-
Dann wandelten sie los.
mußte
Winter, wo der unsicher tastende Fuß nirgends einen Halt fand, sondern aus dein gefrorenen Boden und dem EiS- geröll immer wieder abglitt.
„Ein tollkühnes Wagnis von der Frau," sagte Franz, „um diese Zeit den Weg zu riskieren. Mint hat sie... . Himmelherrgott!"
Desider erwiderte nichts. Er hastete mit verbissener Wut vorwärts, lief oft dem führenden Hassan voraus und trieb die Gefährten zu immer größerer Eile an.
Sie kanien nach Orahovica, einem kleinen Gebirgsneste. Hier erfuhren sie, daß die Flüchtlinge vor ungefähr anderthalb Stunden durchgekommen seien. Zwei Männer und eine Frau.


