'„Jck> habe mit Ihnen zu sprechen", sagte er. „Da unser Klan, mit Hilfe des Oesterreichers »ach Sarajevo zu gelangen, fehlgeschlagen ist, müssen wir auf andere Mittel und Wege sinnen. Ich kenne da einen jungen Menschen, den Sohn eines hiesigen Universitätsprofessors. Ten will ich Ihnen vorstellen. Er ist ein Schwärmer, natürlich ein großer Patriot, und wird, wenn Sie es ein bißchen geschickt anfangen, leicht dazu zu bringen sein, Sic auf geheimen Wegen nach Sarajewo zu begleiten."
„Gut. Ich will mein Möglichstes tun. Wann wollen Sic mir den jungen Mann bringen?"
„Sind Sie heute nachmittag zu Hause?"
„Ja."
„So werde ich ihn noch heute bringen. Ich glaub«, er will sich sowieso einer der Banden anschließen. Sie sehen, diese Ausgabe ist nicht so schwer. Und Zeit genug haben Sie ja. Ich selbst fahre heute nach Cettinje, uni den Fürsten zu einer Allianz mit Serbien zu bringen. Das ivird eine harte Nuß zu knacken geben. Die Serben haben in ihrem Größenwahn oder vielmehr Vergrößerungswahn dem alten Herrn mit ihren ewigen Verschwörungen recht übel mitgespielt, und er wird mir keine angenehmen Dinge über sie sagen. Aber ich werde ihn bei seiner schwachen Seite, bei seiner Popularität unter den slawischen Balkanvölkern packen. Da wird er mir nicht auskommcn."
(Fortsetzung folgt.)
Ein Marsch durch Nordfrant eich und ein Sturmangriff eeqen die cngliichen Steilungen.
Einer unserer Angestellten, der zuletzt an den Kämpfen gegen die Engländer in der Nähe von Bvern teilgcnommen hat, entrollt »ns in nachstehendem einige Bilder vom westlichen Kriegsschauplatz.
„Rechts ran", wird von hinten nach vorne durch die säst endlos erscheinende Marschkolonne das Kommando weitergegcben. Mechanisch wenden sich die Köpfe der durch das anhaltende Marschieren crmildeten Soldaten nach links. Ein Auto rattert vorbei; ein zweites und drittes folgen. Ganz vorne an der nächsten Biegung der mit hohen Pappeln bewachsenen Landstraße, die wie viele französische Straßen mit hochgewölbtcn Steinen gepflastert ist und dadurch das Marschieren zur Qual inacht, halte» die Kraft wagen. Unser Kompagnicsührcr kommt angesprengt und ruft uns zu „Tritt gesaßt, Gewehr anziehcn, Köpfe hoch." Wir reißen »ns zusainmcn und versuchen, trotz der Anstrengungen der letzten Tage einen möglichst frischen Eindruck auf unseren Brigadekom- mandenr, der dem Auto entstiegen war. zu machen. — Ter Vorbeimarsch war erfolgt. Weit hinter uns beratschlagt der Brigade- Kommandeur mit den Regiments-Kommandeuren. Immer weiter geht der Marsch. Den Mick unverivanüt aus die Feldflasche oder das Koppel des Vordermannes geheftet, so schleppen wir uns sort. Das Gewehr waichert von der linken Schulter aus die rechte, drückt aber ans der einen Seite so hartnäckig wie aus der anderen. Tew Tornister zieht, als wäre er mit einer Blcimenge gefüllt, die sich vergrößerte, je länger der Marsch anhält. Ae Füßp leiden sehr aus diesen nicht für's Marschieren geeigneten Landstraßen. Ein tüchtiger Schluck aus der Feldflasche;, die man ssich abwech- selnd mit Rotwein, an dem es nicht sehlt, mit Kassee oder Wasser füllt, läßt aus eine kurze Spanne Zeit das Drücken des Tornisters scheinbar absckuvächcn. Man richtet sich auf und läßt den Blick etwas abseits schweifen. Da sieht nvin weidende Kühe und Pferde, im Felde arbeitende Frauen. 'Aus den ersten Blick scheint es, als herrschte hier tiefster Frieden. Sieht man aber näher zu, so entdeckt man doch bald) daß da noch manches im arge» liegt. Die Felder sind teilweise noch unbestellt. Tas Getreide ist zwar abgemäht, sitzt aber noch in großen, runden Hausen aulfgetürmt im Felde und manches Kvrn wird deni Mänsesraß zum Opfer fallen.
Wir kommen durch ein guoßcs Tors. Ein alter Franzose und seine Frau bringen in zwei Eimern Wasser, niit dem wir begierig unsere trockenen Kehlen netzen, denn die Feldflaschen sind schon lange leer. Unsere Regimentsmusik läßt Beim Durchmarsch ihre Weisen ertönen. Die Leute treten ans chren Häusern heraus? und beobachten neugierig unseren Durchzug. Wir sind aber nicht die ersten: schon viele, viele sind vor uns hier gewesen. — Welchen Eindruck bekommt man von der Bevölkerung? Was die Männer anbetrisst, so sind begreiflicherweise nur noch wenige da; Kinder und Greise. Wie uns die Leute erzählen, sind alle Männer in Nordfrankreich von 19 bis 19 Jahren eingezogen worden. Tie Frauen stehen da — teilnahmslos und meist mit bleichem, sorgenerfüllteni Antlitz. Haben doch auch die meisten von ihnen ihr Teuerstes im Felde stehen, dessen Schicksal ihnen unbekannt ist und hier, in den von den Deutschen besetzten Gebietsteilen auch noch eine Zeitlang nichekannt bleiben wird. Not und Armut treten häufig zutage Die dürftige Kleidung von Frauen und Kindemz Und der Umstand, daß des öfteren die Leute an unS berankom-
men und von uns Brot fordern, bilden die besten. Beweise dafür.
!! n ' e , re Kriegszwiebäcke geben sie willig Wein, Zigarren und was sie sonst alles erübrigen können. Unser Durchmarsch und die Klange der Musik bringen uneder für Augenblicke ein frohes Leuchten in die Augen mancher jungen Mademoiselle. Blicke, wie mau sie ini allgemeinen Feinden zuwirst, sieht man liier selten. Winkt mal einer von uns in seinem jugendlich«!» Uwermut so einer „Schönen" zu (unsere lieben deutschen Mädchen brauchen deswegen nicht eifersüchtig zu werden), so wird in den meisten Fällen der Gruß freundlich erwidert. Es sind dies natürlich nur Stiiiv- mungen des Augenblicks. Aus die wirkliche Gesinnung des Volkes kann man daraus nicht schließen. Trotzdem muß ich sagen, daßl ich bei unseren Märschen durch Frankreich — wir haben doch immerhin etwa vierzig Ortschaften und Städte berührt — keinerlei Kundgebungen, die sich gegen uns richteten, beobachten konnte. In Belgien sah ich einmal bei einer Iran und zweimal bei Männern die Bewegung des Halsäbschnerdens. Wie gesagt, man kann aus dein Benehmen der Lelute keine Schlüsse auf diö wirkliche Volksstimmung schließen. Unter dem Truck der Verhältnisse sind schließlich die Leute zum Heucheln genötigt, und so wird auch in vielen Fällen die Freundlichkeit gegen uns, die manchmal sogar übertriebcir ist, geheuchelt sein. — Dort, Ivo der Krieg keine Verwüstungen angerichtet hat, wo keine Pserdehuse das Feld zertrampelten und noch keine Granate in das Dors cin- schlug, stehen die Leute vor ihren Däusern und besehen sich mit achtungsvollen, nicht gehässigen Blicken unseren Vorbeimarsch. Tort aber, wo sich ein Gefecht entspann, wo Freund oder Feind genötigt waren, ein Dors in Brand zu schießen, wo d!ie Ernts und die Felder verwüstet Ivurden, da loeichen uns die Leute aus, da stehen sie mit ängstlichem und scheuem Blick abseits, und teilweise schreien die Kinder bei unserem Ankommen. Tg kanl» main sehen, was die Leute den Kinder» ülbler die nahenden deutsch«» „Barbaren" alles vorgemacht haben mußten. Einmal kamen wir durch O. Bor der Stadt ist an. einer Wegkreuzung ein kleiner Friedhof angelegt. Mehrere Lorbeerkränze zieren die Gräber und
ein schlichtes Holzkreuz trägt die Inschrift: „Hier ruhen.....
tapserer Landwehrleute, gefallen am . . . ." ustv. Hier sind auch die Gräber der armen Verwundeten, die von den Einwohnern dieser nahe an der belgischen Grenze gelegenen französischen Stadt so schrecklich verstümmelt wurden. Es handelte sich, wie man weiß, um ganz schändliche Verbrechen, die sich ein Teil der Einwohnerschaft dieses Ortes hatte zuschulden kommen lassen und wegen denen bekanntlich die deutsche Regierung eine Protestnote versaßt
f iatte. Die Stadt bot einen furchtbaren Anblick. Fast könnte man agen: „Es ist kein Stein aus dem andern geblieben". Tatsache ist icdoch, daß etwa vier Fünftel der Häuser niedergebrannt sind — eine gerechte ©träfe. Bei O. war es auch, wo am letzten Mittwoch des Monats Oktober bei einer nächtlichen Bahnwache einer unserer Landsturmlcute von einem Bewohner der Stadt oder dieser Gegend hinterlistig erschossen wurde. Hier wie auch in anderen Orten zeigt eS sich, mit ivelchem Gerechtigkeitssinn die deutschen Truppen hei der notwendigen Verhängung ihrer Strafgerichte vorgingen. Besonders in Belgien konnte man das gut beobachten; da stand z. B. ein Haus unangetastet, während die beiderseitigen Nachbarhäuser niedergebrannt waren. Aus letzteren wurde aus unsere Truppen geschossen, während der Besitzer des unversehrten Hauses sich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Man sicht also, und das kann nicht oft genug wiederholt werden, daß seitens unserer Truppen »lcht blindlings vorgegangen wird, sondern daß säst ausnahms- jos nur den Schuldigen die gerechte Strafe trisst. An vielen Haustüren sieht man die Kreideinschristen: „Gute Leute, schonen!" oder „Hier haben die Leute alles hergegeben!" usw. — Viele Leute sind vor de» nahenden Deutschen geflüchtet. Ihr Hab und Gut haben sie im Stich gelassen oder einem weniger ängstlichen Nackchar anvertraut; die Fensterläden sind dort geschlossen. Bezahlen kann man überall mit deutschem und französischem Gelbe, soweit überhaupt noch etivas zum kmisen da ist. In größeren Orten oder Städten kaust man Brot, es gibt aber nur Weißbrot, das ungesalzen ist, und Wein, der meistens vorzüglich schmeckt (Flaschg 1 Mark). In kleineren Orten gibt es höchstens »och Bier; das ist aber säst ungenießbar, denn es ist gallebitter und wird aus ossenen Bottichen geschöpft; also ohne Schaum. Einmal wurde uns als Apfelwein ein Gemisch von Essig und Wasser vorgesetzt. Zucker ist bei uns begehrt (für den Kassee), aber wenn man irgendivo eine Quelle entdeckt, so muß man schon achtzig Pfennig il Frank) für das Pfund anlegcn.
Nachts schlafen ivir meistens in Scheunen. Solange ja der Wind nur von der einen Seite hiueinbläst, geht es noch; aber wenn die Scheuer ans beiden Seiten offen ist, dann sorgt öiters die Kälte für ein unfreiwilliges Erwachen und man zieht bald dem einen, bald dem anderen der schlafenden Kameraden von seiner Strol.portivn etwas >veg, um die Beine, die Füße oder lvas gerade fröstelt, besser zu bedecken. Manchnial marschieren wir am Tage, manchmal nachts. Am liebsten ist uns das Marschieren am Tage, denn dann kommt man nachts etwas zur Ruhe. Beim ersten tzahnenschrei öffnet sich die Türe — vorausgesetzt, daß eine solckx vorhanden ist — unseres Schlaf-, Ankleide-, Wasch- und FrühstücksraumeZ und mit den Worten: „Aus stehe», Kaffee holen" werden wir vom diensttuenden ttnterotfijier aus unserem Traumland gerissen. Welche heitere, sonnenvolle Bilder von Heimat und Frieden umgaukeln uns da manchnial,


