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uni» n>i« ganz anders ist es dein» Erwachen! Mit dem Ankleiden ist man schon beim Erwachen fertig: die Totseite ist auch schneller erledigt als zu Hause. Alan knabbert fein Kommißbrot, denkt sich etwas Butter dazu und trinkl feinen Kaffee. Tiefe Mahlzeit genießen wir bei Tagesanbruch und zur Feierabendstunde. Beide­mal schlürft man die schwarze Bouillon mit gleichem Behagens nicht ettoa, weil die Milch oder der Zucker fehlen, sondern weil sie schön Heist ist und uns erwärmt. Tie dritte Mahlzeit nehmen wir mittags ein. Sie besteht ans einer guten, kräfttgen Suppe und reichlich Fleisch. Nachmittags, ivenn wir ins Quartter kom­men, wird ein feister Ochse requiriert, ihm eine Kugel zwischen die Hörner gesetzt, und eine Ltunde später wandert er schon in kleinen Stucken in die Kessel unserer Feldküchen. Das nötige Kraut und die Kartoffeln kommen dabei, und aut nächsten Morgen kann während des Marsches das Kochen vor sich ziehen. Nach 67 Stunden Marsch gabt es eine einstündige Rast. Das Koch- eschirr wird zur Hand genommen, und der Inhalt der Feld- ücheiikessel. die wir als ständige Begleiter sehr schätzen, seiner Bestimmung zugeftihrt. Weiter geht der Marsch. Im Quartier angekommen, werden die Postsachen, Liebcsgabenpaketchen nsw. ansgegeben. Wer dabei leer ausgegangen ist, vertraut sich einem an diesem Tage besser bedachten Kameraden an, der ihn natür­lich von diesem oder jenem mit kosten läßt. Ruch an heiteren Zwischenfällen fehlt es nicU. Erhielt da vor einiger Zeit ein Kamerad von Mutterl ein Paket mit einem Unterhosenbein. Er­staunt betrachtet er es von allen Seiten und schleppt es ein paar Tage mit. Schott wollte er nach Hause schreiben, was. er mit dem einen Bein des Bekleidungsstückes anfangen sollte, da kam die Aufklärung in Gestalt eines zweiten Paketes, In ihm befand sich das andere Bein, Nadel, Zwirn und ein Brief, in dem das besorgt« Mütterchen schreibt, daß sich ihr Sohn die Unterhose an der hinteren Naht znsamntennähen sollte; sür ein Paket sei sie zu schwer gewesen^

Wir sind vor der französischen Festung .... angclangt. Unser Mittagsmahl ist eingenommen. Wiederum kommt unser Kompagmesührer angffprcngt i,nd teilt uns mit, dast in der Mitte der Stadt der Kommandierende General mit seinem Stabe Ausstellung genommen hat, um tins im Vorbeimarsch zu be­sichtigen. Tie Regimentsmusik schreitet mit lustigen Klängen voran, die Fahnen ffattcrn im Winde, bewundernde Blicke der französischen Bürger aus sich fesselnd. ®a rechts sitzt er hoch zu Rost. IM strammen Paradeschritt marschieren wir an ihm vorbei. 'Sein durchdringender, entschlossen-er Blick gleitet von Reihe ztt Reihe. Alan sieht cs seinen Zügen an, dast er ver- anlwortuiigsreuhe Tage durchlebt, man sieht es ihm an, daß er Vertrauen hat ans sein« und aus unsere Kraft.

Im gleichen Tempo und mit den gleichen Abwechselungen geht unser Marsch weiter von Tors zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Tonnerstag nachmittag. Der zehnte Marschtag. Wir kommen nach R . . .Einige Stunden Ruhe," lautet das Kommando.Ruhe?", fragen wir uns verwundert. Aha!, die Ruhe vor dem Sturm. Wir empfangen unser Mittagessen. Hier hat man Gelegenheit, sich man­ches einzukausen: Wurst, Kerzen, Streichhölzer nsw. (Hier möchte ich einslechten: vergeht nicht, jedem Liebesgaben-Paketchen eine Kerze beizufügen: sie ist manchmal nötiger als Brot.)

Gegen 7 Uhr abends, die Dunkelheit und ein seiner Regen haben eingesetzt, kommt der Befehl zum Weitermarsch. Wir ver­lassen die Stadt. Es wird immer dunkler und der Regen heftiger. Links und rechts im Graben liegen zertrünunerte Wagen und ein Auto, dott ein totes Pferd; die ersten Anzeichen vom Gesechtsseld. Das Donnern der Geschütze, das ivir ja in den letzten Tagen fast immerzu härten, wird heftiger. Das Blitzen der Kanonen in der Ferne lästt uns ausmerken. Wir überschreiten eine Brücke, die von unseren Pionieren angelegt worden war, und kommen völlig durch­näßt in ein Dors. Artillerie-Kolonnen rase» im Sturmschritt vor­bei; Pserdegetrappel, Kommandorufe. Das dumpfe Donnern der Kanonen, dem wir immer näher kommen, und manches andere sor- en daftir, daß man nicht zur Ruhe kommt. Man bleibt in ficder- aster Aufregung und Tätigkeit. Noch in der Dunkelheit wird weiter vorgedrungen. Wir beziehen unsere Stellungen, die die ganze Zeit über von anderen Truppenteilen und teilweise sogar von Kavallerie gehalten ivorden waren. Am Freitig und in der Nacht gibt es schon zwei Sturmangriffe, bei denen wir ein gutes Stück vorwärts kommen.

(Schluß folgt.)

verinlscbte».

"Der Tezember in dentscben Sprichwörtern. Allzu groß« Kälte bringt der Tezcmber gewöhnlich noch nicht. In den Auge» der Landwirte schadei das nicht viel, ivenn auch ein Frost im Tezember immer »och lieber gesehen wird als längere Zeit andauernder Regen oder ganz milde Witterung. Vor allem aber wünschen die Landleute während des Dezembers eine dichte Sümeedecke sür die Wintersaat. Tieier besondere Wnnsch konintt i» einer ganzen Reihe von Sprichwörtern der ländlichen Bevölke­rung zum Voricheiii. Co heißt es in Cachseii »»d in Thüringen r »Tezember mit recht vielem Schnee gibt Korn und Gras aiis jeder

Höh', andere Sprichwörter, die in den verschiedensten Teilen Teiilschlands zu hören sind, heißen: .Biel Schnee im Tezeinber und lruchlbare« Jahr waren vereinigt schon immerdar", und iveiter:Dezember, der uns bringt viel Schnee, dem solgt ein Jahr mit reichem Korn und Klee". Die Beobachlmig, daß du milder Tezeinber recht oft einen harten nnd langen Nachwinter im Frühjahr briiigt, kommt ln so manchen Sprichwörtern zm Ausdruck. So heißt es:Bleibt der Wiiiler im Tezember sein, koiiinit li» März und April der Nachwiiiter gern', und:Wenn lii, Tezemberniond nicht Frost kommeii will, so koinnit er geiviß noch int Monat Avril". Manche Leute sind jedoch auch der Meinung, daß ei» Winter, iit dem der Monat Dezeiiibcr keinen Frost und Schnee bringt, uberhauvt nicht mehr hart werden föttne, und so benutzen sie das Spricbivoit:Wenn der Dezember ist ohne Schnee und lind, dann wird der Winter mild wie ein Kind". Ein nasser, schmutziger und nebliaer Tezember führt belonders häufig zu Erkrankungen, und deshalb heißt es auch nicht mit Unrecht i Dezemberwelter » und weich das macht den Kirchhof immer reich.'

VNchertisch.

> Von A. KleinschmidtsIm Forsthaus Fal­ke u h o r st" (Verlag von Emil Roth-Gießen) ist soehen der 6. Band (Preis geh. 4 Mk.) erschienen. Schulrat Or. M o s a v p in Stutt­gart widmet ihm folgende Besprechung: Mit dem schon mehrfach preisgekrönten Werke des als Schulmann hochgeschätzten Verfas­sers, dessen sechster, abschließender Band soeben erschienen ist, ist der reiferen deutschen Jugend beiderlei Geschlechts ein Jugend­buch geschenkt, das den Bedürfnissen und Neigungen dieses Alters aufs beste enigegeukommt. Wenn schon gegenwärtig der Weltkrieg die Jnieressen unserer Knaben und Mädchen vorwiegend gefangen nimmt, so geht er doch wills Gott auch wieder vorüber, und auch solange er währt, kann er doch noch ein wenig Svielraum lassen sür andere Interessen. Tas Eigenartige des Kleinschmidtschen ist, daß es in unvergleichlich schöner und feinsinniger Weise emführt in das vielgestaltige Leben der Natur, aber nicht in dem trockenen belehreitden Ton eines Lehrbuches, sondern in der lebendigen span- nenden Erzählung. Das Leben einer Familie fern von der großen, lauten Welt, in einsamem Bergwald, spiegelt sich vor uns ab, aber sein .Hintergrund ist ein reiches Wald- und Flurleben, daS mit klarer Nüchternheit und doch mit echter Poesie in edel erziehe­rischem Sin» geschildert wird. Liebenswürdiger Humor, tief, inner­lich, iricht aufdringliche Frömmigkeit und reiches Gcmüislebcn eincs echten deutschen Hauses tveht uns warm entgegen. Aber daneben tveiß das Werk eine reiche Fülle naturgeschichtlichcr Kenntnisse spielend zu vermitteln, bei denen seine Beobachtungsgabe, heiße Liebe zur Natur und gereiftes Verständnis sür ihre Schönheiten wie für ihre Bedürfnisse die Feder sühren. Hat man in nnserein Zeitalter die Natur nicht bloß mehr ergründet, sondern auch mehr schätzen und lieben gelernt, als in früheren Zeiten, so greift man dankbar zu einem solchen Buch, das schon die Jugend erfüllen mutz mit heiliger Liebe zu der herrlichen Schönheit, dem geheimnis­vollen Walten und der zweckmäßigen Tiefe der Natur! ilebrigensl wird nicht bloß die Jugend die gediegenen Lektüren liebgewinnen' auch Erwachsene werden die prächtigen Schilderungen mit Genug lesen. Nur kurz sei noch auf die prächtige bilderreiche Ausstattung mit farbigen und schwarzen Bildern hingewiesen, sowie darauf, daß jeder Band in sich abgeschlossen ist.Im Forsthause Falken­horst" ist ein Geschenkbuch von bleibendem Wert, zu dem jeder jugendliche Besitzer immer wieder gern zurückgreiien wird: es ist ein Werk, dem in erster Linie ein Platz in den Schulbibliotheken höherer und niederer Schulen gebührt, in denen keines nach meinen Ansicht fehlen sollte. _

Anagramm.

Aus se zivei der nackisolgenbe» Wörter soll durch Umstellung der Zeicben ein neues Wort gebildet werden. Sind all« Be­deutungen richtig gefunden, so ergeben die Ansangsbuchstaben der neuen Wörter ein Sprichwort.

den esche, eine Stadt.

sein dich, schlechte Eigenschaft,

esel dich, findet inan am Wageit,

er die, ein Fluß,

ale gern, iniiilärische Rangstufe,

% nun arg, ein Land,

tan bern, eine Frucht,

rad »ase, männlicher Vorname,

»il saboS, eine Stadt,

bilse the, weiblicher Vorname,

see deich, ein Tier,

ruhe schwach du Handwerker,

Hund steige, hohes Gut, weg unrein, berühmter Wein, an tinte, Göttergeschiecht.

Auflösung in nächster Nummer,

Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummert Die Schere.

Schristleitinig: Ang. Goetz. - RolationSdrnck »nd Berlaa der Brühl'schen NniversttätS-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.