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ETCenMjen. Wäre dieser nM)t durch die Unzahl gekünstelter Und warmer Speisen und Getränke verwöhnt worden, waren wir von Kindheit an aus den Genuß ungekochten Obstes und roher Feld- rrüchle hingewiesen -vorden, >oic es die wilden Naturmenschen früher waren und zun, Teil heute noch sind, so würde die Frage, ob rohes Obst gesund sei, erst gar nicht gestellt werden, Obst war ein« Urspeise des Menschen, und auch heute noch spielt dort Obstgennß bei manchen Völkerstammcn eine große Rolle, Die Bedeutung des Obstes als Nahrungsmittel nimmt im allgemeinen in dem Grade zu, als man sich dein Aequator nähert, , In den tropischen Und subtropischen Klimaten ist das Obst ein allgemeines Nahrungsmittel, Bei >ms schäpt man es als solches kau.,» und genießt es in den meisten Fällen nur als Leckerbissen, Unser Magst» ist so nervös und geschwächt, daß sogar für den Obstgcnuß besondere Vorsichtsmaßregeln nötig sind. Genießt man reichlich Obst, so muß man mit dem Wassertrinken vorsichtig sem, erst nach fivn bis drei Stunden dars man trinken, Hierauf sollte man besonders die Kinder aufmerksam machen, die ja von Natur ans alle große Liebhaber von rohem Obst sind, und die es auch in den meisten Fällen gut vertragen. Bekommt daher ein Kind »ach dem Genuß von rohem Obst Durchfall, so hat es sicher zu früh oder zu viel Wasser getrunken, Ueberhaupt müssen Vegetarier es streng vermeiden, während der Mahlzeit viel zu trinken- sie müssen Bier, Wasser und Wein meiden, weit dann die Ver>- dannng besser vonstatten geht. Wer sich des Trinkens längere Zeit enthalten kann, der wird eine tüchtige Gemüsemahlzeit oder einen reichlichen Obstgenuß besser verdauen und keine Beschwerden hoben, Gemüse und Obst enthalten Wasser genug, um der Magen- vcrdaming das nötige Lüsungsmaterial darzubieten. Zu frühes und starkes Trinken würde nur die Verdauung stören, den Magensaft zu sehr verdünnen und so seine Wirkung schwächen.
Alle Früchte, seien es Aepsel, Birnen, Pflaumen, Psirsiche, Aprikosen, Erdbeeren, Kirschen, Heidel- oder Preiselbeeren, alle enthalten sie Wein-, Zitronen- und Apfelsäure, und sind daher mehr oder weniger saure Früchte, die kühlend auf das Blutleben berubigend wirken. Ein Apfel oder höchstens zwei Aepsel, abends vor dem Schlasengehen genossen, wirken ber vielen Menschen beruhigend und schlasbringend. Jedenfalls ist es rin besseres Rezept als medizinische Schlafmittel, wie Morphium und Veronal, oder als schivcrc Weine, wie Sherry und Portwein,
Die Hygiene erteilt dem Apfel unter allen Früchten den ersten Preis zu. Auch für den Laien ist der Apfel das nutzbarste Obst, Auch die Sporttreibenden lieben den Apfel als kühlendes Und durststillendes Mittel sehr. Die Beliebtheit des Apfels hat ein großes Alter, denn schon die alten Römer schätzten ihn sehr hock>. Sie aßen nach der Mahlzeit nicht, wie wir, Käse, sondern, Obst, am liebsten ?lepsel. Wie hoch sie den Avfel schätzten, beweist ihre Redensart: „ab ovo usquc ad mala", vom Ansang des Essens bis zum Ende, oder wörtlich: vom Ei bis zum Apfel, ! Aus dem wilden Holzapfel hot die Kultur eine große Zahl angenehmer Sorten hervoraebracht, aber eine Sorte, die man als die beste Unbedingt empfehlen könnte, gibt es nicht, denn eine jede ist das Ergebnis ihrer Scholle, Selbst die beste taugt nichts, bringt man sie in ungeeignete Berhältntsse, Berühmte Sorten sind: „Schöiistv von Boscoop", ein großer, prächtig gefärbter Apfel aus der Art der Reinetten, „Wintergoldpormäiie" heißt jener prachtvolle, vrangeaelbe Apfel mit rotgestreiftcn Backen, der jetzt überall auf den Märkten angeboten wird. Andere beliebte Sorten sind: „Boumauus-, Champagner- und Goldreinette", ferner: Weißer Klarapsel und „Kaiser-Merander-Apfel".
MIe dies« Sorten enrosiehll auch die Medizin zu einer Kur, Und zwar bei Neigung zu Verstopfungen, bet Gicht und Rheumatismus, Vollblütigkeit und Hämorrhoiden, Ferner hat man fest- gestellt, daß nach längerem Gebrauch von guten, kernigen Aepseln, wie die oorgenaimten, der stets mangelhafte Appetit der Bleich- süchtigen sich bedeutend hob imd ein Aufblühen der bleichen Wangen slattfand,
Reise, im Munde schmelzende Birnen sind gleichfalls eine große Eranickung, doch stehen sie in hygienischer Hinsicht dem Apfel weit nach, auch die besten unter ihnen, wie: Clapps Liebling, Williams Christbirne, Pastoren- und Butterbirne, Jedes Obst zerstießt Um so schöner im Munde, je ärmer es an Zellulose oder Holzfaser- und Gallertstoffen ist Erdbeeren, Reineclauden Und Psirsiche zeichnen sich namentlich dadurch aus, daß sie auf der Zunge leicht zerstießen, während Heidelbeeren und Kirschen ein entgegengesetztes Verhalten zeigen. Als vorzügliches Mittel gegen die böse Gicht gilt auch der reichliche Genuß von guten und reifen Erdbeeren, Merkwürdig ist es, daß manche Personen nach dem Genuß von Erdbeeren einen rosenroten Hantausschlag bekommen. Der Einfluß der Erdbeeren aus das Blutleben scheint bei manche» Personen ein großer zu sein, Fni allgemeinen müssen Menschen mit träger Magenfunktion im Genuß von Erdbeeren vorsichtig sein. Bei Fieberhitze gelten in Wasser zerdrückte Erdbeeren, also Erdbeerwasser, als ein sehr berrihigcndes und bekömmliches Getränk,
In hygienischer Hinsicht steht dem Apfel am nächsten die Weintraube, Ihr reichlicher Genuß ist ein gutes Mittel gegen Gelbsucht, Gicht, Häinorrhviden und Unterleibsstockungen, Außerdem haben die Weintrauben noch eine höchst wertvoUe Eigenschaft: sic enthalten in hohem Maße die stnchtigen Wut- oder Er-i
nährustgssalze, namentlich die phosphorsaüren Verbindung«,, die so wertvoll für die Nerven- und Gehirnsubstanz sind Ist e« doch schon ein uraltes Wort: „Ohne Phosphor kein Gedanke," Sehr beliebt ist zwar die sogenannte Traubenkur, doch sollte sie ohne ärztliche Leitung nicht unternommen werden da sie nicht für jeden Magen geeignet ist. Zn einer richtigen Kur gehören täglich 3—5 Pfund Trauben, eine Menge, die nicht jeder miodeaie Magen verträgt. Besonders dürfen Blutarme keine Traubenkur gebrauchen, sie würden deren Blut noch mehr verdünnen.
Die Pflaumen sind roh, gekocht imd getrocknet sehr beliebt, doch sffch sie im rohen Zustande schwer verdaulich, dagegen steht das Pstaumenkompott als Berdauungsmittel schon seit langen Zeiten in hohem Ansehen.
Die Aprikosen sind auch eine Pstaumenart, Und sind, mäßig genossen, bekömmlich und durststillend. Diese angenehm« Frucht kam zur Jeit Alexanders des Großen nach Rom, wo sie bald großen Be,fast fand und Frühapfel genannt wurste, arbor prascox. woraus der Name Aprikose entstand. Eingemacht« Früchte gelten mit Recht als eine gesunde Delikatesse. Der über die süßen Aprikosenkerne abgezogen« Branntwein ist der echte Ratafia. Aus den bftteren Kernen bereitet man in Frankreich einen sehr beliebten Likör unter dem Namen Aprikosenwasser, Italien treibt einen schwunghaften Handel mit getrockneten Aprikosen, die zu diesem' Zweck vorher ausaekernt und gespaltet weroen.
In den deutschen Wäldern wachsen zwei wertvolle Beeren, die Heidel- und Preiselbeere, Weit diese nicht in so reicher Füillck vorkommt wie die Blau- oder Heidelbeere, so ist sie nicht ganA so populär. Das hat außer ihrem geringeren Vorkommen auch noch einen anderen Grund, 'Die Blaubeere ist nicht nur die Frstnw» din der arMen Leute, weil sie von diesen leicht gesammelt und verlaust werden kann, sondern auch, weil sie ein so angenehmes und billiges Obst ist. Man kann sie von den niedrigen Dtränchevnl pflücken und gleich in den Mund stecken. Die Preiselbeere dagegen ist in rohem Zustande ungenießbar, sie will umständlich und kostspielig behandelt werden. Sie verlangt reichlichen Zuckerzusatz find will lange gekocht werden. So kommt sie seltener in di« Hütte der Armut als ihre bescheidene, blaue Schwester,
T-ie Preiselbeere ist in der besseren Küche sehr beliebt, »veil siez sich leicht kochen läßt und sich gut hält, Eingeniachte Preiselbeeren geben zu mancherlei Fleischgerichten ein gesundes und schmackhaftes Kompott, Der Name Preiselbeere hängt mit dein mitteldeutschen „brozzen", das heißt hervorsprießen, zusammen. In Mecklenburg heißen sie Tütenbeeren, von dem schwedischen Tyte baere, weil ftüher Schiff« die Früchte nach dort von Schwedeül in Fässern brachten. Der gleichfalls häufige Name .Kronsbeere, das ist Kranichbeere, soll andeuten, daß sie eine Lieblingsspeise ber Kraniche sind, Tie jungen Blätter einer in Kleinaffen wachsenden Art liefern, leicht gerüstet und gerollt, den bekannten kaukasischen oder Batum-Tee, den man auch häufig zum Verfälschen des chinesischen benutzt.
An Nahrungswert steht die Preiselbeere ihrer blauen Schwester weit nach, doch rühmt man ihr eine blutreinigende Kraft nach, weshalb sie bei Furunkulose und ähnlichen Krankheiten mit Erfolg benutzt wird.
Es gibt wohl keine Obstart, die dem Menschen nicht von Nutzen ist. Wer daher kein rohes Obst vertragen kann, trainier« sqineü Magen so lange, bis er es wieder verdaut. Hier kann auch der Sport sehr gute Dienste leisten. Die Ausübung eines Sport» im Freien stärkt den ganzen Berdanungsapparat so sehr, daß er bald imstande ist, rohes Obst zu verdauen. Der echte Sporttreibende genießt jedes Obst mit der Schale Und verdaut alles. Während man ber Sporttouren nichts genießen dars, macht das Obst darin eine Ausnahme, es kann auch während der Radfahrt, Rudersahrt oder bei Bergwanderungen ungestraft genossen werden.
Nönig Wilhelm, Königin Augufta und Bismord in den Iulitagen 1870.
In sehr eingehenden Untersuchungen studiert der Hallenser Geschichtsforscher Richard Fester in der „Deutschen Rundschau" die Genesis der Einser Depesche, wobei ft die ganze Geschichte
jener ewig denkwürdigen Krisis, die im Sommer 1870 zum Ausbruche des deutsch-französischen Krieges sührtc in den Bereich seiner Darstellung zieht. Eine der merkwürdigsten und interessantesten Episoden dieser Krisis bildeten die Tage vom 9. bis zum 14, Juli, wo König Wilhelm die Verhandlungen mit dem französischen Botschafter Benedetti persönlich führte, während Bismarck, das „ministerieNe BeNcidungsstÜck". mehr oder weniger ausgeschaltet war, Zwischen der Auffassung des leitenden Ministers und der des Königs bestand damals 'ein nicht zu übersehender Gegensatz, Bismarck betont« und forderte nämlich in der die deutsch-französischen Verhandlungen beherrschenden Frage der spanischen Thronkandidatur des Prinzen von Hohenzollern die „abstention" (Enthaltung) der Bundesregierung, während König Wilhelm in jenen kritischen Tagen seinen Kurs vielmehr dahin richtete, daß er den Verzicht des Prinzen Leopold ans den spanischen Thron zwar nicht direkt befehlen, aber doch durch seinen Einfluß hcrbeffnhren wollte. Was war geschehen, um den König von der Linie der Bismarckschen Politik abzudrängen? Es ist,


