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vichterludiläen.
(Henckell und Flaischlen,
Bor zw« Jahren schrieb ich hier über Johannes Acklas uni» wies aus dessen überragende Bedeutung in der modernen Literatur hin Schlots 50. Geburtstag ging damals völlig unbeachtet vorüber. Uni so uiehr l>abe ich mich gewundert, daß in diesen! Jahr die suntjigsten Geburtstage von Henckell und Flaischlen soviel Beachtung' sanden. Denn diese beiden lassen sich tvirNich beim besten Mllen nicht mit Schlot vergleichen lieber Stuct Henckells Stellung in der Dichtung der Gegenwart braucht man itberhauvt kein Won zu verliere». Die ganze, neuerliche Produktion Henckells ist völlig bedeutungslos und wertlos Line gewisse Rolle in der Entwicklung »er modernen Literatur kan» matt ihm dagegen nicht ahspreclzc» Er ivar einer der ersten, der das soziale Moment in die Dichtung brachte. An sich — aus ihrem zeitlichen Zusammen- Ihaiig gelöst, — lind aber auch diese sozialen Gedichte wertlos. Stein Gedickt Henckells wird — das dari man ruhig sagen — aus die Nachwett komme»
Und Caesar Flaisckzlen? Auch er lvird maßlos überschätzt. Man pslegt Ihn als tiefen Weltanschauungsdichter zu charakterisieren. Und in der Tal liebt er es, leine Gekickste, namentlich seine Mrosagedichte und sonstigen Schritten mit Ideen, Lebenslveisheiten und Wahrheiten zu versehen.
Aber diese Wahrheiten und Erkenntnisse sind Plattheiten, Selbstverständlichkeiten. Nur die Form, besser gesagt: die Ausmachung, in der Flaischlen seine Maximen zum besten gibt, vermag das einige Zeit zu verdecken.
Geht man der Sache aus den Grund, untersucht inan seine Ideen aus ihren Gehalt, so erschrickt man über di« Leere und Alltäglichkeit.
„Es ist so einfach alles, wenn man fpfön nur es eüisach nimmt,"
„singt" Flaischlen Er tut's. Aus seine Einsachheit, die geistige Leere ist, sind viele lzereingesallen und nennen sie Tiefe und Schlichtheit. Ich will ein Beispiel hersetzen. Flaischlen schreibt im Goethekalender 1910: „Mensch Und Dichter ist nicht ztveierlei! und ist nicht zu trennen! und wer als Mensch nnll ist, ist auch «s« Dichter null! und ivenn es Leute gibt, die anderes behaupten, dann irren sie! Und wenn sie sangliche Literaturbücher der Welt Herbeihotei,: Mensch und Dichter sind auseinander zu halten! Dann sind sämtliche Literaturbücher der Welt eben salsch und müssen umgeschcieben werden. Es wäre so wie so langst Zeit dazu." Welche neue, welterschutlernde Entdeckung: Mensch »nd Dichter sind nicht zu trennen! Und lvieviel Worte, uin dies zu verkünden! Niemand hat das vor Flaischlen geahnt! Nicht wahr, so tut ec dach, in dem er sich in Gegensatz zu „sämtlichen Literaturbüchern der Welt" bringt? Und ivelckser Mut gehört wieder hierzu! Müssen tvir ihn nicht üeivunder»'? Dutzende solche ausgebanschten Plattheiten könnte ich ansühren. Dies Beispiel mag genügen
Ich toill nid» ungerecht sein. Flaischlen lzat manches schöne Gedicht gemacht Ich nenne: „Im Kahn", „So regnet es sich langsain ein". Manches seine Stimmungsbild ist ihn, gelungen. Manche seine Scelenanaltzse. » Für sein bestes Werk Halle ich immer noch das Schauspiel „Martin Lehnhardt", das sich durch ante Charakterschilderung anszeichnet, >ven» auch die Berquickung des im Bvrdergrund stehenden religiösen Probleins mit einer ziemlich peinlichen Liedesgeschichte keinen reine» Einbruck aus- konline» lässt. Aber ein großer Dichter, ein Weltanschauungs- dichler ist Flaischlen nicht Dazu ist er nicht lies, nicht innerlich genug <o«ine Weltanschauung läßt sich wirklich mit eignen Sdstag- worten charakterisieren:
„Freut Euch des Lebens!" oder: „Laßt Sonne herein!" oder: >,Es lebe das Leben!"
Mehr verniag uns Flaischlen über di« letzten Fragen nicht zu sagen. Und das ist verdammt wenig.
Burkhard Thurn,
vermischte».
M. Biegsame Steine. Felsenfest, steinharl — diese Wörter sind von den bckannlen Eigenschastcn der Slelne abgeleitet. Gibt ei aber auch Steine, die nicht steinhart und lelsensest, sondern geschmeidig und biegsam ivie Gumnii sind? Bon Glimmerplättcheu und Asbestsädeu ist bekannt, dab sie eine gewisse Biegsamkeit und Elastizität besitzen. Cs gibt aber auch eine Art Gestein, die sich in dicken Plalteii durch ihr eigenes Geioichl dnrchbiegt. Diese »>erk- wllrdige Erscheiniiiig findet sich bei gewissenArte» des Ilaloloniits (.Gelkiikguarz'). Jlatolvniit, so schreibt l«r. F. Hart int .Prometheus» (Verlag voi> Otto Spanier, Leipzig) ist eilt hellgelblicher bis hellrötlicher Saildsicin voii schielrlger Struktur, dein zahlreiche Glimmer- plättche», Talk- und Ehloritkörnchen ciiigelageit siiid, soivie änbersl seine Feldspatparstkelchen. Daneben finde» sich in ihm noch Eisenglanz, Maaneletsen soivie gediegenes Gold. Auch gilt der Jtakoloniit als das Miiltergestelii der brasilianische» Diamanten. In Brasilien tritt der Jtakolomil in großeii Blasse» auf Gneis lagernd, mit kristallinischen Schleiern verknüpft ans. 1780 stiest ma» zuerst aiis Schichten, in denen diese biegsame Art gesunde» ivnrde. Denn nicht jeder Jtakotoniit ist bicgsaiii nnb elastisch. Da Glimmer in dünnen Plättchen biegsam
und zähe gegen Bruck« ist, so könnte ,i,an verflicht sein, den etn- getagerlen Gtimmerschschten die Btegsaiiikeit des JtakolomltS »>,-
ziischreiben. Daß dem aber iiicht so ist, lenchlet am klarsten daraiiS hervor, dast selbst sehr glinunerreiche Jtakoloiiitle auch nicht die Spur von Btegsaiiikeit answcijc», soiideri, hart nnb fest sind wie aiidere Gesleiiie. Betrachten ivir mm ei» feti,geschlissenes Plättchen der bieg- saiiieii Jtakolomtts unter bent Mikroskop, so satten iins besonders dis kstnarzkörnchen ans. Diese sind voii bizarrer Gestalt mit ein» und aus* springenden Ränder». Die ttörnchei, liegen dicht beieinander, und ihre gezätiiiten Ränder greise» gelenkartig ineinanber, ivie mau etiva die Finger der einen Hand zipische» die der e.iideren schiebe» kaiiii. Indem mm alte oneinnuber liegende Lluarztöriiche» so inetuander ein- avetten, resiiliierl die Bleglamkeit etnet ganzen Platte. Ein« aufrecht- stehende Jlakoloniitvlalte schnxintt htii nnb her ivie eine Lederhaut. Eine dicke, an vcidei, Enden unterslützl« Platte biegt sich konkau durch, ivird sie zeüorh iinr in der Mitte unterstützt, so biege» sich die beiden Endcii iiach ntiten, sodaß die Gestalt konver ivird. Kleinere Plalteii von mehreren Zenliiiieter» Ticke iu»b 16 — 29 cm Länge lassen sich mit den Händel, biegen ivie eine Guminiplatte.
* Einige Nulnmern niedriger Die Tochter eines seit kurzem reich gewordenen Mannes, deren Bildniig noch zu wünschen übrig ließ, kani kürzlich in ein elegaiites Schuhgeschäir
in Chirago und ließ sich eine Anzahl Muster vorlegen. „Ich denke, ich „ehnie dieses Paar," sagte sie schließlich. „Aber Louis X V-Absätze sind mir zu hoch. Geben Sie mir doch bitte eine Nuinmer niedriger oöer „och besser — gebe» Sie mir Louis XIII Absätze. Die luetbeit für mich auch hoch genug sein."
vüchertisch.
— Die Bände X »nd Xl der Bibliothek dev Unterhaltung u n d d e s Wissens .Union, Deutsckze Ber- lagsanstalt in Stuttgart» eiuhalten Ivieder, ivie auch die srühere», gilt« Roinane und Erzählungen, darunter: „Das Armband der Herzogin", von Fritz Sänger, „Rur eiii Traum", von W. Gran- tstlle Schniidt, „Der selige Maior" von Gg. Hartwig, „Liebs Sorgen" von Else Strafft, „Klaas Baaljens drei Bräute" von H. Traden, „Die Wette des Amerikaners" von W. Harb, „Die zunge stoniinandeuse" von Horst Bodemer. Weiter bringe» sie Aussätze mehr belehrenden Inhalts, so ziii» Beispiel „Die Körperkultur des Kindes, „Reue Brntapparate", »nd unter der Ueberschrist „Mannigfaltiges" finden sich znm Schluß eineLlnzahl kurze Erzählungen.
— Das literarische Echo. Halbmonatsschrist snr Lite- ratulsreunde »Begründet-von Dr. Joses Ettlinger. Herausgegebeni von Dr. Ernst Heilborn. Verlag: Egon Fleische! u. Co., Berlin W i)'. Das ziveite Juniheit ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Ottokar. Fisdzer: Anagnvrisis. Rudolf Pechel: Bettina und Alilinl. — Willi Scheller: Die Grschivister Brentano — Engen Köhler: Ein Buch liber Brunetiöre. — Leopold Hirschberg: Alt« ^?Mirakel"-Dicht»ngen — Erwin Ackerknecht: Bon Zielen und Wegen des modernen deutsche» Bibliothekswesens — Hermann Uhde-Bernays: Die Dichterbitdnisse aus der Tarmstädter Ausstellung — Zu Cäsar Flaiichleus 50. Geburtstag. — Echo der Zeitungen und Zeitschriften. Echo des Auslands. — Kurze Anzeigen. — Potizeu — Nachrichten. — Büchermarkt
Sitatenrätstl.
Ans jeden! der solgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, jo daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt? —
Sei lustig I Geht das nicht, so sei vergnügt!
3. Se»i oder Nichtsein, das ist hier dis Frage.
3. Glück ohne Ruh, Liebe, bist du!
4. Mehr Kredit als Geld: So konnnl inan durch die Welt.
6. Das geht nicht z» mit rechten Tinge».
6. Miltagsschlal ist ein brennend Licht mit Tage.
7. Im engen Kreis verengert sich der Sinn.
8. Müdigkeit schnnrcht an! dem Stein, nud Trägheit findet hart das Daunenbett,
9. Alles in der Welt labt sich eistragen.
10. Die Wahrheit ist vorhanden iür den Weisen Tie Schönheit für eln fühlend Herz.
Auslösung in nächster Nummer.
Aiiflösnng der Schach-Ausgabe in voriger Nummert
Weiß
1) 8 c 7 — b 5 K c 6 it. t» 5 oder A. u. B.
2) Dh3 — d7 4- ■ Beliebig.
3) D d 7 — a 4 setzt Malt.
A. X)...... Lflli.b5.
2) I) h 3 — c 8 -|- L d 8 — c 7.
8) 0-8 —«8 setzt Matt.
8. X) ..... . e6 — c4,
2) 886 — a!-f K c 6 — o6 oder — ei.
8) D U 8 — » 3 oder c 8 setzt Matt.
Redaktion» !4 Neurath. — Rotatlousdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitäti-Buch- und Stelndruckerel, R, Lange, Aleßettz


