Weibkr-Kelliment.
Koman von Oskar Klaußmann.
(Nachdruck verboten)
(Fortsetzung.-
Die in früher Morgenstunde angesetzte Vorstandssitznng des Musitvereins im Hotel Friedrich ivährte nicht allzulange. Außer Frau Glover ivaren nur Direktor Grau und Graf Klinter enchienen. Geheiinrat Kersten fehlte, weil er verreist tvar. Es handelte sich lediglich darum, in einer Besprechung mit den, Hotelier festzusetzen, wann der Saal frei sei, und in welcher Weife die Geselligkeit, die sich an die musikalische Ausführung anschloß, durchgeführt tverden sollte. Dar Datum war bald bestimmt, ebenso die Genüsse, die Küche und Keller nach der Musikaussührung bieten sollten. Friedrich tvnrde beauftragt, auch für ein Streichguartett zu sorgen, das nach dem Essen Tanzmusik inachen sollte. In einer halben Stunde war alles erledigt.
„Sind Sie zu Pferde hier?" fragte Barbara Glover den Grafen
„Jawohl, gnädige Frau."
„haben Sie so viel Zeit, um mich zu begleiten? Ich nrochte mit Ihnen sprechen."
„Ich stehe ganz und gar zu Ihren Diensten, gnädige grau."
hüttendirektor Grau beeilte sich, nach seinem Bureau zu kommen. Graf Klinker half Barbar« aufs Pferd, dann ritte» sie langsam durch die Strassen von Dasburg und schlugen den direkten Weg nach JverShofen ein.
„Sie waren verreist?" sagte Barbara.
„Ich bin erst heute nacht zurückgekommen. Ich war vier Lage fort."
„hoffentlich sind Sie von dem Resultat Ihrer Reise befriedigt," meinte Barbara, und um ihre Lippen spielte ein etgentüintiches Lächeln Dasselbe machte ihren Begleiter stutzig, und etwas unsicher autivortete er:
„Ich glaube wohl, gnädige Frau."
„Ich wollte in dringender Angelegenheit Ihres Freundes, des Bergrats Spatding, mit Ihnen sprechen. Er befindet sich in einem Zustande der lleberarbeitung, der mich besorgt inacht. Ich habe ihn vor noch nicht ztvei Ltunden in meiner Schonung in einem Zustand Vvi> GeisteSabivesenheit angetrofsen, der beängstigend war Wenn ich nicht genail wüßte, >oen ich vor mir hatte, hätte ich geglaubt, der gute Bergrat sei trotz des frühen Morgens stark betrunken. Als ich ihn anrief, erwachte er ivie au» einem tiefen Traum und sprach dann ganz vernünftig. Er erklärte mir, er habe sich ivieder mit seinen Projekten und Dieiistangelegenheiten auch beim Reiteii beschäftigt und habe dem Pferde vollständig die Zügel überlassen, so daß eS in die Schonung hineingeriet. Auf diese Weise wird er einnml verunglücken Ein Pferd ist «n allgemeinen ein unvernünftiges Tier, und weil» es merkt,
daß sein Reiter in Gedanken versunken ist, dann neigt eS zu Kapriolen."
„Spalding ist allerdings ein Arbeitssanatiker," erklärte Klinter; „er geht in seinen Arbeiten vollständig auf, und augenblicklich hat er ja ziemlich viel auf hem Kopfe. Er leitet ztvei groß« Werke und hat noch die Arbeiten des General-' direktors."
„Auch Fräulein Buchwald ist seit heute früh verreist, und seine Beranttvortung und Arbeit tvird dadurch wohl noch etivas größer tverden. Wir trafen kurz vor neun lshr die Damen von Saarkirchen, als sie zum Bahnhof fuhren "
„Die Damen sind verreist?" fragte Klinter überrascht. „Davon hatte ich keine Ahnung."
„Sie verreisen doch immer um diese Zeit "
„Allerdings, und sie müssen sich sehr plötzlich entschlossen habe». Mehr Arbeit hat ja tvghl durch die Abreise des Fräulein Buchwald Spalding nicht, aber noch mehr Verantwortung.'t
„Wir muffen etwas tun, mein werter Gras. Auch Geheimrat Kersten, der an mich geschrieben hat, bittet mich, hin und tvieder nach Spakding zu sehen, damit er sich nicht überarbeitet."
„Wie geht es dem Geheimrat Kersten?"
„Ihm selbst wohl ganz gut, aber nicht dem Sohn. Der Hauptmann hat einen schweren Fieberanfall und liegt tm Sanatoriuni in Meran. Indes geben die Aerzte Hoffnung auf baldige Besserung."
Das Pferd Barbaras fing an, unruhig zu werden, und ztvar schien sich die Unruhe von der Reiterin auf das Pferd zu übertragen. Es ist merkwürdig, lote ein gut gerittenes Pferd selbst auf die seelischen Erregungen des Reiters oder der Reiterin reagiert.
Der Graf Klinter und Frau Barbara Glover ritten einige Minuten Trab. Dann beruhigte sich das Pferd Barbaras tvieder, und Klinter setzte das Gespräch fort:
„Es ist sehr schtver, Spalding lvszureißen und von seinen Arbeiten abznbringen. Wenn man ihn tagsüber stört, holt er das Versäumte nachts nach. Ich zerbreche mir vergeblich den Kopf, lvic man ihn auf andere Gedanken bringen könnte."
„Die beste Zeit dafür ist wohl die Morgenstunde, in der er täglich ausreitet. Tie Hauptsache ist, daß man ihn wentg- stens für diese Stunde ans andere Gedanken bringt, daß man ihn zwingt, sich mit anderen Dingen zu beschästigen als mit seine» Dienstangelegenheiten Das märe eine geistige Erfrischung für ihn. Ich meine nicht, daß ivir so geistvolle Plauderer sind, um ihm diese geistvolle Erfrischung zu ge- tvähren; die entstünde von selbst durch die Abtvechslung. Die Morgenstunde sollte sich der Bergrat frei von allen dienstlichen Angelegenheiten machen, und ich meine, es könnte uns nicht schtver fallen, ihn zu beeinflussen. Wir müssen ihn nur begleiten und ivährend deS Schrittreitrns zum Plaudern veranlassen."


