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deshalb war sie angeblich nach Neuenburg gefahren, uin dort Einkäufe zu machen.

Am nächste» Morgen nach sehr unruhiger Nacht stieg Werner wieder in den Sattel, und nahm seinen Weg absicht­lich nicht über Saarkirchen, um nicht etwa Dora zu begegnen, wenn sie zur Eisenbahn fuhr. Er vermied auch Dasburg, weil wahrscheinlich vom dortigen Bahnhof aus Dora abreiste. Er ritt direkt hinüber nach Jvershosen, am Schlosse der Frau Glover vorüber und in den Hochwald. Hier, in der Einsam­keit des Waldesrauschens kaum ein neuer, unerträglicher An­fall von moralischem Katzenjammer über ihn. Ein Jahr seines Lebens hätte er darum gegeben, wenn er dadurch die Szene aus dem Hofe der Kleinkinderschule hätte ungeschehen machen können. Groll gegen sich selbst und gegen das Schick­sal, tiefe Niedergeschlagenheit über den unglücklichen Zufall und den einen Augenblick der mangelnden Selbstbeherrschung rüttelten sein Inneres durcheinander.

,,Aber Herr Bergrat!" rief eine Frauenstimme.Aber Herr Bergrat! Sie reiten ja fortwährend in meiner Tannen­schonung herum! Ich hätte wirklich Lust, Sie zu pfänden und Ihnen zum mindesten Ihren Hut wegzunehmen. Danken Sie Gott, daß mein Förster Sie nicht gesehen hat! Ich beob­achte Sie schon seit einer Viertelstunde. Sie sind ja geistes­abwesend und lassen das Pferd laufen, wohin es will."

Frau Barbara Glover ries diese Worte von dem Sattel ihres hohen Rosses herab, mit dem sie am Rande der Scho­nung hielt, in welcher kaum spannenlange Bäumchen standen.

Werner batte alles um sich her vergessen; er hatte dem Pferde die Zügel gelassen, und dieses war in die Schonung hineingegangen und langsam durch dieselbe hindurch­gebummelt.

Erschreckt riß Werner den Kops des Pferdes hoch und mit der andern Hand den Hut von seinem Kopfe.

Guten Tag, gnädige Frau! Ich bitte tausendmal um Entschuldigung. Ich muß wirklich ganz geistesabwesend ge­wesen sein, und das törichte Pferd neigt, wie alle Geschöpfe, zum Abweichen vom geraden Pfade."

Er kam mit zwei Sätzen aus der Schonung heraus und bat Frau Glover nochmals um Entschuldigung.

Die schöne Frau sah aber gar nicht so ärgerlich aus. Ihr Blick ruhte mit unverkennbarem Wohlwollen auf Wer­ners Gesicht, als sie jetzt erklärte:

Sie arbeiten zu viel, Herr Bergrat. Wir haben das schon längst befürchtet, sowohl Ihr Freund Graf Klinter wie ich. Sie ruinieren sich mit dem übertriebenen Arbeiten. Man hat Ihnen allerdings in letzter Zeit so viel aufgehalst, daß Sie kaum mehr mit den Arbeiten durchkommen können. Sie müssen aber Rücksicht nehmen auf sich selbst!."

Werner lächelte matt.

Es ist nicht so schlimm, gnädige Frau. Augenblicke, in denen man rief in den Gedanken versunken ist, hat jedler Mensch. Es gehen mir da ein paar Projekte betreffs unserer Werke durch den Kopf, die mich stark beschäftigen."

Ihre Worte beweisen nur, daß ich recht habe. Sie soll­ten doch wenigstens in den Augenblicken der Erholung, auf Ihren Spazierritten, sich nicht derartig in Ihre Dienst­angelegenheiten vertiefen. Aber ich werde Ihnen Gras Klinter aus den Hals hetzen. Ich will nach Dasburg; wenn cs Ihnen paßt, können wir zusammen reiten."

Mit größtem Vergnügen!" erklärte Werner, den ein Blick auf leine Uhr belehrte, daß es sowieso für ihn die! höchste Zeit war, nach Hause zurückzukehren.

Das Pferd Barbaras war recht unruhig, und fiel von selbst in scharfen Traich Auf der glatten Chaussee, die östlich von Jvershosen nach Dasburg führte, fanden die Reiter auch kein Hindernis. In der Nähe des Bahnhofes begegneten sie dem Automobil von Saarkirchen. Dora und Frau Schot- telius saßen in demselben, und ein kleineres Auto folgte mit großen Koffern. Man grüßte sich gegenseitig, und Frau Glover bemerkte:

Tie Dame» verreisen, wie es scheint. Sie geben immer um diese Herbstzeit auf Reisen. Wir haben in Friedrichs Hotel eine Komitee-Sitzung. In sechs Wochen ist unsere erste große Ausführung im Musikverein; ich hoffe. Sie werden sich auch diesmal aktiv daran beteiligen."

Frau Glover reichte Werner die Hand und bog in eine Seitenstraße ein, während Werner so rasch wie möglich nach seiner Billa ritt.

So war er ihr dennoch begegnet; noch ein letzter Blick aus sie war ihm vergönnt gewesen!

Werner berührte kaum das Frühstück und suhr dann nach der Iustinus-Grube, um sich dort umzuziehen und zur Untersuchung der Querschlng-Arbeiteu einzusahren.

Obersteiger Mandlick begleitete ihn und sagte, an einer Stelle des Querschlags stehen bleibende

Herr Bergrat, ich habe zu meiden, daß die Arbeiter! behaupten, der linke Stoß (Wand des Stollens) fühle sich warm an. Ich habe mir den Ert genau bezeichnen lassen, und Fahrsteiger Oswald hat mit Rötel hier dieses Kreuz an deir Stoß gemacht. Ich habe nngeordnet, daß ein Thermometer eingebaut ivird, und zwar so, daß es nicht beschädigt werden und daß diese Ablesung leicht erfolgen kann."

Das war recht!" antwortete Werner.Durch Ansühlcn mit der Hand kann »ran keine besondere Wärme seststellen, obgleich es mir auch vorkommt, als wäre der Stein nicht so kühl, wie er sei» müßte. Wir müssen die Thermometer- Beobachtungen recht häufig und genau vornehmen, uin sest- zustellcn, ob sich etwa eine Erhöhung der Temperalnr zeigt. Sind wir nahe am alten Brandselde?"

Nein, Herr Bergral. Aber man iveiß noch nicht, wie das Flöz im Innern des Gebirges geht, ob es nicht irgend einen Sprung macht oder eine Verwerfung hat und sich das. Feuer nach hierher ziehen könnte."

Wir können vorläufig nichts tun, als sorgfältige Ther­mometer-Beobachtungen anstelle». Sollte die Temperatur steigen, dann ivärc cs allerdings ein recht ungünstiges Zeichen. Wenn schon der Sandstein erwärmt ist, der doch wahrlich nicht als guter Wärmeleiter betrachtet werden kann, so wird es bis zum Feuer nicht nllzuiveit sein. Sorgen Sie nur dafür, daß das Thermometer sofort eingefügt ivird, ivenigsteiis im Lause des heutigen Tages. Wir können dann bis morgen früh die ersten Resultate der Beobachtung ergeben."

Die Meldung des Obersteigers beunruhigte Werner so, daß er ganz und gar seine Privatsorgen vergaß. Erst als cv wieder nach Hause fuhr, dachte er a» die Ereignisse de^ Morgens, und wie ein Trost klangen ihm die Worte Bari, baras:Die Tameu von Saarkirchen verreisen immer um diese Zeit im Herbst."

Als er nachniitlags um drei Uhr nach dein General­bureau kam, harrte seiner eine Uebcrraschung. Aus der Platte seines Schreibtisches lag ei» an ihn adressierter Brief, auf dem er sofort die Schristzüge Doras erkannte. Eine» Augen­blick lang fühlte er, wie sich sein Herz zusnmmenzog.

War das seine Entlassung und das schriftlich geänßerts Ersuchen, sofort seine Stellung anfzngeben und sich de» Rest seines Gehaltes auszahlen zu lassen?

Tief atmend griff Werner nach dem Bricfössner und riß den Umschlag aus.

Ter Brief lautete:

Werter Herr Bergrat! Tante Schottelius halte ihre asthmatischen Beschwerden plötzlich ivicder bekonnnen und miiß durchaus in andere Luft. Wir gehen nach Berchtes­gaden, und »nie lange wir fortbleibcn, läßt sich noch nicht bestimmen. Natürlich können ivir nicht eher wiederkehren, als bis sich die Tante vollständig erholt hat. Ich werde Ihnen meine nähere Adresse augeben, und Sie haben ivohl die Freundlichkeit, mir wichtige Sachen dahin zu schicken. Ich werde alle Sendungen umgehend erledigen. Ans Wiedersehen!

Dora Bnchwald."

Werner hatte das Gefühl, daß eine schwere Last vom seiner Brust sank. Er konnte wieder frei atmen.

'Fortsetzung folgt.)

Lin kattischer Nönigrgau?

(KD). Eine kleine Stunde Wegs von der Universitätsstadt Gießen Über die Lahn hinüber nach Norden za liegt eine von Westen nach Osten sich streckende Anhöhe. Von, Volke wird sie die sieben Hügel" genannt. In früheren Jahren hieß sie auch noch derWetteberg". Ihr langgestreckter Rücken ist niit Wald be­standen und zu dem Wald hinaus zieht sich Acker und Heide.

Von der höchsten Spitze genießt man da oben eine herrlich« Aussicht. Das Lahntal bis nach Marburg hin, die Stadt Gießen tmt denr dunkeln Schisfenberg im Hintergrnnde, iveit in der Ferne die Höhen des Vogelsberg, des Taunus, nahebei Glei­berg Und Vetzberg, die Höhen von Hohensolms, die Kuppen lund Täler des Hinterlandes und schließlich der dunkele DjlnS-, berg .... .

Bietet diese Rundsicht an sich schon einen Genuß, jo bieten die liebeu Hügel selbst noch interessantere Ausblick«, Ausblick»

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