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Auch mit der materiellen Seite der Sache werden Sie sehr zufrieden sein. Gehalt, Tantieme, Wohnung, Fuhr­werk usw. wird ganz und gar nach Ihren Wünschen ge­regelt. Man sucht eine hervorragende Kraft allerersten Ranges und ist froh, wenn man sie bekommt. Schreiben Sie mir einige Tage, ehe Sie von Seraing abfahren, damit ich auf Ihr Kommen vorbereitet bin. Geben Sie mir ungefähr den . Tag Ihrer Ankunft an. Nehmen Sie in Dasburg Quartier in Friedrichs Hotel imd telepho­nieren Sie mich von dort zu jeder beliebigen Tageszeit an." Dieser Brief hatte noch eine Nachschrift, die lautete: Aus Ihr Buch:Die Stahlindustrie Nordamerikas" können Sie lvirklich stolz sein. Ich habe es mit großem Interesse und auch mit Vergnügen gelesen. An einzelnen Stellen erhebt sich Ihre Darstellung zu poetischem Schwung. Man freut sich unwillkürlich über die hellaufloderude Be­geisterung des Fachmannes, der all das Großartige und Schöne, das ihm da im seinen Lande geboten wurde, nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem Herzen geprüft

f lat. Es wird Sie erfreuen zu ersahren, daß auch bei un- eren Bergbehörden Ihr Buch Aussehen gemacht und große Anerkennung gefunden hat."

Neuenburg! Umsteigen nach Dasburg!" riesen die Schassner draußen auf dem Bahnsteig.

Werner nahm feinen Lodenmantel und seine Hand­tasche und verließ den D-Zug, um nach dem Bahnsteig hinüberzugehen, an dem der Lokalzug stand, der über Das­burg weiterfahren sollte.

Bis zur nächsten Station blieb Werner allein. Dann kam eine Dame, gefolgt von einem Gepäckträger, der einen großen Lederkoffer trug, und stieg in das Abteil. Ter Gepäckträger verstaute den Koffer im Gepäcknetz in der Ecke, die entgegengesetzt von der lag, in welcher Werner saß. Der Gepäckträger verließ das Abteil, und unmittel­bar darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Die Loko­motive ruckte aber ziemlich ungeschickt mehrmals an, ehe sie in volle Fahrt kam. Die Wagen wurden heftig hin und her gestoßen, ehe sie ihren ruhigen Lauf begannen, und der Koffer, der sich über dem Play der Dame tu der Ecke befand, stürzte krachend herab auf den Boden des Wagenabteils. Der Koffer sprang auseinander, und sein Inhalt wurde auf dem Boden herumgestreut.

Es war selbstverständlich, daß sich Werner bemühte, der Besitzerin des Koffers behilflich zu sein, ihre Effekten zusammenzusuchen und wieder in den Koffer hinein- zupacken.

Ich danke Ihnen, mein Herr," sagte schließlich die Dame;soviel ich weiß, fehlt nichts mehr."

Werner bückte sich indes und suchte auf dem Bodenj unter dein Sitz herum. Er fand auch, glücklich noch eine silberne, runde Büchse, wohl vom Toiletten-Mcefsaire der Dame.

Ich danke Ihnen bestens," erklärte die am Anfänge der Dreißiger stehende, dunkelhaarige Dame, die einen et­was fremdklingenden Dialekt sprach.

Das Kofferschloß ist gebrochen," sagte Werner, nach- dem er den flächen Kabinenkoffer untersucht hatte;aber die Riemen werden genügen, um den Verschluß zu halten. Die Riemen waren nur nicht zugezogen, sonst wäre pr nicht aufgesprungen."

Er half der Dame beim Schließen des Koffers, zog energisch die Riemen fest, verstaute ihn wieder oben im Gepäcknetz, und auf den nochmaligen Dank der Tarne ant­wortete er mit einen, kurzen:Hat nichts zu sagen, meine Gnädige; ich freue mich, Ihnen einen kleinen Dienst er­wiesen zu haben."

Tann zog er sich diskret in seine Ecke zurück, um der Dame nicht durch eine Unterhaltung lästig zu fallen und aufdringlich zu erscheinen.

Werner nahm den Brief Karstens noch einmal heraus, weniger um sich mit dem Inhalt vertraut zu machen, den» den kannte er bereits auswendig, sondern um ihn als Deckung zu gebrauchen, während er die Dame in der anderen Ecke des Abteils beobachtete.

Diese Dame war eine sehr stattliche, volle Figur, hatte zu ihrem dunkeln Haar einen auffallend hellen, weihen Teint, dunkle, von lange» Wimpern beschattete Augen, ein regelmäßiges, ja edles Profil, und ein Hauch von Vornehmheit ruhte über ihrer ganzen Erscheinung.

Schweigend fuhr man vis zur nächsten Station. Dann fühlte sich die Dame wohl veranlaßt, den Mitfahrendcn,

der ihr eine Freundlichkeit erwiesen hatte, nicht weiter zu ignorieren, indem sie bemerkte:

Ich hoffe, wir werden jetzt für einige Tage gutes Wetter bekommen. Das Regenwctter der letzten Wochen hat besonders für die Landwirtschaft manche Unbequem­lichkeit gebracht."

Sie hatten schlechtes Wetter hier?" fragte Spalding verbindlich.Wir hatten in Belgien, woher ich komme, sehr trockenes Wetter, und man fürchtete dort bereits für die Fcldjrüchtc, die im Frühjahr, wie die Landwirte be­haupten, Regen brauchen."

Wir haben hier ei» anderes Klima," bemerkte die Dame;der Bergwald enthält viel Feuchtigkeit, und Trocken­heit herrscht selten."

Es entwickelte sich dann zwischen Werner und der Dame ein langsam und mit einer gewissen Vorsicht ge­führtes Gespräch über Witterung, Landwirtschaft, Klima, das gewissermaßen zu nichts verpflichtete und eigentlich! nur ein .Höflichkeitsakt zwischen den beiden Mitreisenden; darstellte.

In Buchivald, der Station vor Dasburg, stieg die Dame ans. Ein Diener stand aus dem Bahnsteig und kam eilig herangelansen, sobald er am Wagenfenster die Dame erblickte. Er nahm ihr die Handtasche sowie ein Futteral mit Schirmen ab.

Ter Zug hatte nur zwei Minuten Aufenthalt. Werner sah, wie die Dame, die sich mit einigen freundlichen Wor­te» und einem ebenso freundlichen Lächeln von ihm ver­abschiede! hatte, bis zum Ausgange des Bahnhoss schritt, und gerade als sich der Zug in Bewegung setzte, sah er sie in einem eleganten, großen Automobil davonfahreu.

Eine Viertelstunde später landete Werner in Dasburg, nahm in der Gepäck-Expedition nur eine» seiner großen, als Pajsagiergut aufgegebenen Koffer in Empfang, fuhr mit diesem und seinem Handgepäck nach Friedrichs Hotel, das ihn durch sein stattliches Aeußere und feine eleganten Einrichtungen überraschte, und telephonierte von dort aus den Geheimen Bergrat Kersten an.

Ter alte Herr schien sehr erfreut über Werners An­kunft und sagte ihm telephonisch:

gleidcn Sie sich zu einer Visite um, ich hole Sie in einer halben Stunde ab."

Werner ging nach seinem Zimmer, um sich hier den Gehrockanzug und den Zylindcrhut zurechtzulegen und sich, nach einer gründlichen Reinigung von dem Reisestaub, um­zukleiden.

Er war gerade damit fertig, als es an seine Zimmer­tür klopfte und der Geheimrat Kersten eintrat.

Ter schlanle, hagere, hochgewachfene Mann mit denk bartlosen Gesicht, in dem ein Paar buschige Augenbrauen anssielen, deren weiße Haare sich scharf von dem stärk ge­rötete» Gesicht abhoben, reichte Werner die Hand und ries:

Willkommen! Sie sind zu so günstiger Zeit einge- troffe», daß wir sofort an die Arbeit gehen könne». Frische Fische, gute Fische; ich weiß, das ist auch Ihr Grundsatz. Ich habe den Damen bereits telephoniert, daß wir hinkönr- men, und wir sind willkommen."

Den Damen?" fragte Werner etivas erstaunt.

Ja, den Damen," antwortete sehr ruhig der Geheim­rat.In Betracht ftir uns kommt ja eigentlich nur eine, die Besitzerin der gesamten Werke, Fräulein Dorothea Buch­wald. Ihre Tante, Frau Schottelius, ist nur Komparserie. Sie ist die Gardedame der Besitzerin und hat in geschäft­lichen Dingen nichts mitzureden."

Also Wecherregimcnt!" sagte etwas betreten Werner.

(Fortsetzung folgt.)

3m vogelrberg.

Von T h. E c l l a r i u s. lFortsetzung und Schluß.)

I», Jahre 1865.

Das war ein gesegnetes Jahr, das Jahr !885: ein Jahr wie es der Liederdichter Gerok noch cünnal zu erleben wünschte,um als satter Zecher vom Tisch des Lebens aufstehen zu können", ein Jahr mit einem Frühling ohne Nachtfröste und einem Sommer voll Sonnensegen, jedoch ohne Dürre.

Da brachte die Erde Frucht und Gras in Menge hervor und in den Weingegenden reisten die Trauben zu dem edelsten Wein der »weiten Halste des Jahrhunderts.