Ausgabe 
2.5.1914
 
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kpielzene, - notobcnc, wenn cs gerade liebenswürdig auf gelegt ist."

Heinz, das sind ja schreckliche Worte!"

Für Fraucnohren vielleicht. Aber es ist doch nn» >»al so. Wenigstens ich kann mir nicht Helsen. Ich gestehe dir auch ganz offen: das ist nicht mein Ehrgeiz gewesen, als icl, heiratete, um den Vater zu spielen, so vald als möglich Bitte, laß mich ansreden. Ich Hab' geheiratet, um meine Fra» für mich zu haben. Aber was Hab' ich so von ihr'? Seit einer Ewigkeit ist Werda einfach nicht mehr für mich da. Mutterpflichte» und kein Ende. Der Mann kann sehen, >vo er bleibt. Na, sag' selbst, Astrid, Hab' ich da Grund, so sehr entzückt zu sein?"

Gewiß, Heinz, ein SViiib fordert auch Opfer, nicht nur von der Frau, die übrigens denn wohl doch noch ganz etwas anderes dabei hergibt, sondern auch voiil Mumie. Aber - "

Kein Aber, Astrid! Ich bin nun einmal kein Normal­bürger, der in der .Kinderstube daheim Ersatz für alles andere findet. Nein, ich habe andere Lebensbedürfnisse. Wer kann für seine Natur? Und entsagen - verzichte»? Das hat mir nie gelegen!"

Astrid schüttelte bekümmert den Kopf. Endlich sagte sie: Mit solchen Ansichten da hättest du aber nie heiraten, dürfen."

Ta magst du wohl recht haben."

Sie erschrak über das Wort, noch mehr aber über seinen Don. Wenn das die Schwester hätte mit anhören müssen! Und ihr erschien plötzlich diese Ehe unglückselig hoff nungslos.

(Schluß folgt.)

Der Geigenbogen.

Novelle von P aal E r » st.

Man kann einem Schauspieler ja sei» Alter nicht ansehcn: ein Schauspieler hat das Alter seiner Rollen. ES gibt ein Beispiel von einem siebzigjährigen Leander, der io feurig spielte, daß eine Köchin in einem' herrschaftliche» Hanse ihn, eine» Kalbsbraten schickte: der Doktor sah schon mit zivanzig Fahren so all aus, daß eine Mutter ihn warnend ihrem Sohn zeigte, der durchaus zur Bühne gehen wollte, und ihm sagte:Sichst Tu diesen gebeugte» Rücke», diesen schleppenden Gang, diese tiefen Runzeln, hörst Du diesen Husten, der den ganzen arme» Mensche» erschüt­tert? So gehl es dem alten Komödianten: er muß noch immer spielen, während andere Leute in seinem Aller sich Schlafrock und Troddeliiiütze hallen, im Lehnstuhl sitzen und ihren Kamillentee trinke»."

Der Doktor hatte aber mit neunzehn Fahren ausgesche» tote ein anderer junger Mensch von neunzehn Fahren. Damals war er »och nicht Schauspieler gewesen, sondern Geiger bei der Truppe. Es war ein sehr guter Geiger damals, und er spielte nicht mir im Theater, sondern auch in der Stadl bei oornehmen Familien, wenn Feste gegeben tvurden.

Einnkal halte er bei einer Herzogin gespielt: diese Herzogin war verwitwet und besaß eine einzige sehr schöne Tochter, aus die sic sehr stolz war, denn alle Leirtc sagten, sic sei so schön, tpie sie selber gctvescn in ihrer Jngend. D-a war rin großes Fest in denr Palast, und viele Künstler zeigten sich und übten ihre Kunst aris, bekamen dann vorr, Haushofmeister ihr Geld, aßen in der Küche imb gingen nach Hanse. Der Geiger aber war wieder in den Saal gekoniinen, wie er fein Geld und sein Esse» erlkalten: lind da niemand aus ihn achtete, so durste er bleiben: »nd so stellte er sich allein in eine Ecke und sah dein Tanze zu und blickte immer ans die junge Herzogin. Einmal lvar die inngc Herzogin zn ihni getreten und fragte ihn:Weshalb

sehen Sic mich so an?". Er aber hatte geantwortet:Ich bin

ja nur ein Geiger," und blickte sie sehnsüchtig an: da ic^t« sie:

Nimm mich." In deni Gewühl waren die beiden zusammen

ans der Tür gegangen, sie hatte ein Tuch über beu Kops gcwor scn, seine» Arni genommen, und so verließen sie den Palast, ohne daß jemand sic bcnrerkte, und dann lebten sie zusammen in seiner Stube. Wie ihre Mutter erfuhr, >vo sie war, tn schickte sie ihr den Hansbosmeister und ließ sagen, daß sie nicht inieder zu ihr kommen dürfe: da hatte» die beiden über bei, kölnischen Diener gelacht. Wie es ihnen dann schlecht giiig, ivcil der Geiger nicht viel verdiente, da tvar das Mädchen als Schauspielerin ausgetreten, als Jsabella. Ihren ersten Satz sagte sic: als sie aber fort fahre» sollte und sage»:Leander, Dir allein gehört mein Herz", da hatte sie ihre Rolle vollständig vergesse». Leander wollte ihr Iielsen, er nackte sie bei der .Hand, zerrte sie nach vorn nbr iicu Soufsteiirtasleii und schrie sie an:Was ivillst Tn mir sagen?" Aber das tvar wohl uugcfdjicfi von ihm gewesen, denn irun ver­lor sie auch Noch ihre letzte Besonnenheit, auch der Soussleur konnte ihr nicht helfen, und sie sagte ganz ängstlich, wie ein kiel «es Mädchen:Heute früh habe ich es noch gewußt." Das Pu

blikum lachte, der Direktor kam wütend vor ünd sagte dein Publt» kuin, daß die Dame krank sei, der Vorhang siel, und sic durste nie wieder austreten.

Sit twinte, und ihr Man» küßte ihr die Tränen fort. Heimlich verskhasstc sie sick» Wäsche zum Waschen und wusch in den' Stirn - den, wo sie allein war, um wenigstens etwas Geld für die Wirtschaft zn verdienen. Aber als dann das Kind erwartet luiitbf, befiel sie mit einem Male ein heftiges Fieber: sie redete irre, sie ließ die Hand ihres Mannes nie au 3 ihrer Hand, sie sagte immer:Dich siebe ich so sehr, D,i bist so gut zn niir", imb dann kamen ihe die Träne». So starb sie: sie wurde vor dem Tor ans dein Anger begraben, ivcil sie zn den Schauspielern gehörte: ein Hügel ivurde nicht aus das Grab gemacht: man ftampstc die Erde fest und warf den überflüssigen Boden auseinander: ihr Gatte pslanzte ein Ahornbäumchcii auf die Stelle, unter der ihr Herz unten lag, denn ein Rosenbulch oder ein anderer schöner Blumenstock wäre 311 auffällig gewesen, es war verboten, die Gräber der Komödianten 311 bezeichnen. In diesen Tagen, so erzählten die Schauspieler, soll er sein altes Gesicht bekommen haben. Damals tat er auch einen Schwur, niemals mehr für andere Leute Geige zu spielen, 1111b weil er Talent hatte, und mit seinem alten Gesicht so komisch aussah, so ging er nun als Schauspieler und spielte die Nolle» des Doktors: er spielte sie lange Jahre hindurch und machte den Leuten viel Vergnüge». Bis zu seiner Beit tvar der Doktor immer nur eine Nebensigur gewesen, aber weil er ein so guter Schauspieler war, so würden jetzt auch Stücke geschrieben, in denen der Doktor die Hauptrolle hatte. Zuweilen geigte er noch für sich allein, toeim er in seinem Zimmer tvar und niemand ihn hörte.

Wie der Ahornbaum, der ans dem Herzen seiner Geliebten wuchs, in den langen Fahren immer größer wurde, da sah er einmal an ihm einen schönen geraden Zweig und dachte: der würde doch einen guten Bogen abgeben. So schnitt er ihn ab, nahm Um nach Hause, ließ ihn gut austrockncn und schnitt dann ans ihm einen Bogen, drechselte die Ringe und die Schraube, dann bc- spannte er ihn: und wie alles fertig tvar, bestrich er die Roß­haare mit Kolophonium Und geigte mit ifjm; da schien ihm sein Strich viel schöner wie vorher.

Nun muß man bedenken, daß mit den Fahren aller Gram vergeht, und zuletzt tat cs dem Doktor leid, daß niemand mehr sein Gcigenspicl hören sollte. Wie einmal der Geiger kraut ge­worden war, sagte er zn dem Direktor, er solle seine Rolle heute einem' anderen geben, denn er möchte gern wieder einmal vor dem Publikum geigen wie i» seinen jungen Jahren, wo er der be­rühmte Geiger von Rom. gewesen sei, daß sogar junge Herzo­ginnen sich in ihn verließt hätten. Der Direktor lachte, wenn er sich vorstellte, daß eine junge Herzogin sich in de» närrischen: Doktor verliebt haben sollte, aber weil er ein gutmütiger Mann tvar, so gab er nach, lind so geigte denn der Doktor an dem Abend.

An demselben Abend aber war die Mutter seiner verstorbenen Geliebten, die nun inztoischc» eine ganz alte Frau geworden, in das Theater^ gegangen. Sie saß vornehm in ihrer Loge in einem schwarzen Samiiiclktcid, mit der seidenen Maske vor dem Ge­sicht und hinter ihr stand ein Verwandler, von deni man sagte, daß er ihr Erbe sei.

Wie der Bogen strich, der aus dem' Grabe ihres Kindes ge- wachsen tvar, da Ivurde der Dame Ivniiderlich zn Mute: sic lüstete die Maske und trocknete sich die Tränen. Der Herr beugte sich vor und lauschte aus die Töne des Geigers.

Wie der Geiger geendet hatte und der Vorhang hochging, stand sie auf, nahm den Arm des Herrn und ging aus ihrer Loge: im Gehen sagte sie leise zu sich:Fürwahr, ein gesalleneS Kind ist besser wie keines!"

Hoofcuelt aus der )aguarjagd.

Roosevelt, der in den ersten Berichten über seine südamerik, nische Forschungsreise hauptsächlich Schilderungen von Land uv > Leuten und zoologischen Beobachtungen mitgeteilt hatte, kommt i ' seinem neuesten Berichte, den derDailb Telegraph" verössen - licht, zu Fagdabenteuern, und erzählt unter anderem, wie er m.t seinem Sohne Kcrniit ans die Jagnarjagd gezogen ist.

Die eingeborenen Begleiter hatten frische Jaguarfährten ans- gespürl: morgens um 2 Uhr, bei Sternenlicht, brach Roosevelt und sein Sohn Kernsit, in Begleitung des Obersten Rondo» und -weier Eingeborener mit seiner Hundemeute auf. Sic stiegen in den Sattel, und ihre kleinen Ponnies, die an das sunipsigc Ge­biet, in denk man sich anshielt, gewohnt waren, trugen sie rasch von dannen. Es ging durch Sumpf, durch Wasscrläufe, man schenckle schtascnde Alligatoren ans. Stunde aus Stunde verging, die ersten Vögel wurden wach, die Assen begannen z» schreien, und als die Sonne sich über den Horizont erhoben hatte, tvar ma» in der Nähe, wo die Jaguarfährten gefundcil worden waren. Tie beiden Hunde, die schon öfter zue Jagnarjagd mitgenommen waren offenbar gehörten sie den Eingeborenen - gaben Lank, sie wurden losgekopmtt »nd sauste» mit der Nase am Bode» davon. Auch die anderen fungeübten 1 Hunde wurden losarlasseu iiiid^solqte» ihnen lärmend. Die Jagd ging häufig durch Wasser und Sumpf, augenscheinlich hatte der Jaguar das Wasser durchaus nicht ge-