Ekkizierstöchter.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Koller Ucbermut ries Astrid den Vorübergehenden a». Dieser blieb sofort stehe», mit verbindlichem Lächeln. Aber nun getvahrtc er auch Gerda und machte Miene, erst zu dieser zu treten. Doch da sah er sic gerade einigen anderen ttanslustigen lächelnd den leeren Korb Hinhalten.
„Ausverkaust, meine Herren! Sie müssen schon warten, bid ich iviederkomme."
Und sie eilte davon.
Petersen blickte der Davongehenden »ach. War's nicht tvieder wie Absicht, das; sie gleich ging, sowie er nur kam? Aber dann wandte er sich alsbald dem Scktkiosl zu und der blonden Astrid, die ihn mit ihrem liebenswürdigsten Lächeln empfing, voll übermütiger Schelmerei:
„Na, Herr Petersen — wie ist das also mit uns? Sie tverden zum Wohl der armen Abgebrannten ain Bosporus doch sicher ein Gläschen Sekt leeren!"
„Das nicht — aber auf Jbr Wohl drei, wenn Sic cS befehlen."
lind seine Mienen bellten sich auf.
*0, o! Wie stürmisch!" Ihre lustigen Blauangen blitzten ihn an. „Kann ich das auch vcrantivorten?"
„Trauen Sie mir nicht nichr zu?"
„Ihnen? — Alles! Sie sind ja furchtbar nnterneh-c »inngslnstig heute."
„Vielleicht — ja."
Und er nahm den Sektkelch, den sie ihm zierlich kredenzte. ES war wohl nur ein Zufall, daß seine Finger dabei ihre Hand streiften. Doch jetzt verneigte er sich zu ihr hin:
„Also, das erste!"
Und während er daS Glas leerte, traf sie ein langev Bll».
„Prosit!" ertviderte sie lachend, aber das Herz tickte ihr doch ein bißchen schneller unter diesem Blick. —
Gerda hatte drinnen in der Orangerie, beim Schloß- gärtner, ihr Körbchen wieder frisch mit Rosen gefüllt und wollte sicl> von neuem in das Festtreiben mischen. Aber als sie noch den Seitengang zwischen den Taxushccken entlang schritt, bog aus dem Hauptweg vom Schioßpvptal herein Herr ei». Ein hochgewachsener Mann im hellgrauen Promenadenanzug. Sie sah sofort: Heinz Keßler.
Auch er erkannte sie jetzt, er tvar ihr ja vorhin wie allen mitwirkenden Damen von der Prinzeß vorgestellt worden; doch batte er noch keine Gelegenheit gehabt, sie anzu- spreche». Nun aber trat er auf sie zu.
„Eine glückliche Begegnung, mein gnädiges Fräulein. Darf ich uiu eine Rose bitten? Sie sehen, ich bin noch unversorgt."
Und er wies aus seine» noch leeren Rockaufschlag.
„Bitte — gern, S>crr Keßler."
Sic erwiderte es mit leichter Reserve. Aber wie sic ibm nun die Blume in dem hingehaltenen Ansschlag befestigte, traf plötzlich das Haargckräuscl aus ihrer Stirn ein tvarmek Hauch. Ein Atemzug aus seinem Munde. Heiß rieselte es ihr da vom Kopf den ganzen Körper hinab.
„Tausend Dank! Diese Dekoration ist mir eine Auszeichnung. Darf ich mir e» rsvanebs diesen kleinen Beitrag für Ihre Schutzbefohlene» erlauben?"
lind er überreichte ihr ein Goldstück.
Es lag etwas in dem respektvollen Ton, das seine Versicherung über den Wert der üblichen Höflichkeitsphrase hinaushob. lind er trat an ihre linke Seite, mit selbstverständlicher Sicherheit.
„Wenn Sie mir nun noch den weiteren Vorzug gewähren wollten, ein wenig mit Ihnen zu plaudern, meiil gnädigstes Fräulein, so wäre ich dankbar für den heutigeil Abend."
Sic fühlte tvohl die ehrerbietige Huldigung, die in jedem seiner Worte, in seiner ganzen Haltung lag; abev dennoch erwiderte sic:
„Ich bedaure sehr, Herr Keßler. Ich habe noch Pflichten zu erfüllen."
Sie wies auf ihren gefüllten Korb.
,.O — da weiß ich Rat - Sic erlauben."
Schnell entschlossen entnahm er seiner Brnsttasche einett blauen Schein und bot ihn ihr dar.
„Bitte geborsamst um alles, toas Sie noch im Korb haben."
„Ja — ich tveiß tvirklich nicht —"
„Aber ick bitte, mein gnädiges Fräulein!" Sei» Lachen gab ihr die Sicherheit wieder. „Der Wohltätigkeit sind doch keine Schranken gesetzt."
Da nahm sie dankbar die reiche Gabe entgegen,
„Sie sind ja ein Verschwender," lächelte nun auch sie.
„Wenn ich so froh bin wie heute, so viel Schönheit genießen darf — könnt' ich's wohl werden!"
Sein Auge leuchtete sie an. Dann aber griff er nach ihrem Körbchen.
„Diese Blumen sind nun mein — nicht?"
„Aber natürlich. Sie haben sie ja doch gekauft."
„Nun also!"
Und er nahm plötzlich den Korb und schüttete die duftenden Blüten vor sie aus den Weg.
„Was machen Sie da!" erschrak sie.
„Ich streue Ihnen Rosen. Ihre Füße sollten nie auf etwas anderes treten."
Und wieder traf sic das Aufleuchten seiner lebensprühenden Angen.
Sie sckiülteltc de» Kopf, aber ihr Herz schlug schneller,
„Sie sind wirklich ein Verschwender!"
Sie schritt nun weiter, über die Rosen hinweg.
„Die armen Blumen."


