Bffijirratödjtrr.

Roma» von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Gerda antwortete nicht gleich. Im ersten Impuls hatte es sie freudig durchfahren: die Anerkennung gerade <ni* dieseni Munde tat ihr wohl. Aber gleich kam wieder die Nachprüfung dieses Gefühls durch ihre strenge Selbstkritik: Warum das? Wie Kyllburg über jenen dachte, konnte ihr doch im Grunde ganz gleichgültig sein, lind überhaupt was ging sie gehler an? Da bekamen ihre Mienen wieder das kühl Abweisende, und aus ihrer Stimme klang sogar leise Ironie, als sie nun mit leichtem Lächeln sagte:

Dieses Urteil über Herrn Keßler macht Ihrer Objek­tivität gewiß alle Ehre ich erkenne es bereitwilligst an. ?lber sagen Sie mir: Unterschätzen Sie nicht vielleicht etwas die Bühnensähigteiten und Geivohnheiteu dieses Herrn?"

Sie meinen cs wäre nur eine kleine Komödie von seiner Seite gewesen?"

Run ja ein Schauspieler bleibt doch wohl immer etwas im Beruf, selbst außerhalb der Bühne."

Es war ihr plötzlich wie eine innere Entlastung, als sie das gesagt hatte. Ja, eine kleine, grausame Freude war in ihr. Als wenn er es häite höre» können, dem cs galt. Wie ein Wettmachen war ihr das- für den Bann, in den er sie neulich gezwungen, so gegen den Willen ihrer stolzen Natur, llnd eine Revanche für dies törichte Erröten bei dem unvermuteten Begegnen gestern.

Wieder traf Gerda jetzt der fragende Blick Kyllburgs. Daun erwiderte er aus ihren Einwand:

Der Gedanke, den Sie da eben lzaben, ist mir gestern auch gekommen. Aber ich bin dann doch anderer Meinung geworden."

Gerdas Mienen bekamen etwas Nachdenkliches. Sie griss nach einer Fieder des neben ihr hängenden Akazien, bäume-. Gedankenverloren pflückte sie die Blätter ab. lind so fragte sie nach einer Weile:

Si^ glauben also wirklich, es gäbe das? Bühnen-t menschem die nicht auch im Privatleben mehr oder minder Komödianten sind'?"

Warum nicht, Fräulein Gerda?" Er sagte cs etwas zö­gernd, als übernähme er mir seiner Erkkärung irgendeine Verantwortung ihr gegenüber.Es gibt ehrliche Nature», vollkommene Gentlcmen sicher auch in dem Beruf, >vie in jedem."

Wieder wollte es in ihr auswallcn in heimlicher Freude. Doch abermals unlcrdrückte sie das und legte einen ironischen Zweifel in ihren Ton.

Sie batten also Heinz Keßler für einen solchen Geulte man?"

Seine Hand, die er aus die Maucrbrüstung gelegt hatte, hob sich ein wenig.

lim das ivirklich beurteilen zu können, kenne ich diesen Herrn doch zu wenig. Aber ich möchte es ihm zutrauen. Schon seiner ganzen Herkunft nach."

Gerda horchte auf.

Wieso das?"

Nun, es ist schon etwas dran an dem Gerede, von dem Ihr Fräulein Schivester neulich sprach. Keßler ist in der Tat Militär gewesen. Allerdings nur sehr kurze Zeit. Er stand als Avantageur bei den Darmstädtcr Dragonern, bekannt lich einem sehr exklusiven Regiment. Aber schon als Fähnrich hat er seinen Abschied genommen, nehmen müssen. Wegen eines Sturzes vom Pferde."

Das ist ja in der Tat ganz interessant."

Gerda sagte es leichthin, aber es klang jetzt doch etwas wärmer.

Es entging ihm nicht, und mit einem langen, stillen Blick sah er sie an. Dann richtete er sich von der Mauer­brüstung auf.

Gerdas Auge suchte ihn, aber ein wenig unsicher.

Sic wollen weiter?"

Ja."

Was haben Sie heute abend vor?"

Ich gehe heim - arbeiten. Was soll man sonst an­fangen?"

Und er reichte ihr die Hand hinauf. Es war wie ein ge­heimes Bitte» in ihrem leisen Gegendruck. Aber er schien cs nicht z» gewahren. Er legte nur noch grüßend die Rechte an die Mütze und ging dann.

Gerda blickte Kyllburg nach, als er langsam die Straße binabschrilt, die einförmige, nüchterne Straße gradlinig »nd trist, ivie es sein Weg durchs Leben fortab sein wurde, llnd eine Trauer um ihn kam über sie.

Gesenkten Hauptes saß sie so, bis die Dunkelheit sie ins Haus trieb.

Drinnen, mit dem hellen Licht, drängten sich ihr andere Gedanken empor: seltsam treibend und doch auch Widerstand herausfordernd.

An das, ivas Walter Kyllburg eben über Keßler gesagt, mußte sie denken, in einem fort. ES >var, als ob er nun zu ihnen gehörte, zu ihrem Lebcnskreise, und sie sich nicht mehr deklassierte. Das hob Schranken ans, vor denen ihre Gedan­ken bisher immer Halt gemacht hatte».

Aber dann regte sich doch wieder der alte Stolz in ihr. Gegen den allzu verwöhnten Künstler und Fra >e»bcsieger. Sie da auch mittun? Wenn auch nur in Gedanken - - nein, dessen sollte er sich nicht rühmen dürfen!

Und so nahm sie denn ein Buch und zivang sich in eine ganz andere Gedankenwelt hinein. Aber doch slog ihr Blick von Zeit zu Zeit auf die Uhr an bfcr Wand. Ob denn dav Theater noch nicht bald aus war uüd sic Näheres erfuhr von Astrid?