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»cn Lichter gebraucht. Ta- war durchaus feine glänjfiibf Beleuch­tung I Aber die Leute oben waren froh, wenn sie Oel kür ihre Stallichter und Laterne» und mrr Schmälzen ihrer rauhe» Kar- rossel und Mehlspeisen batten! Deshalb bliebe» >ic den« aus den c,roßen Waldungen der- Gebirges leicht und lail kostenlos zu ge­winnenden Liästwa» treu, der schon den Alwvidercn die Nach! erheNk hatte. Wahrend seines Brennens inmitten der Wohnstuben über einem Kübel voll Wasser, in das seine Abfälle siele», mußte rr unausgesetzt von einem der Hausgenossen bedient werden.

Alte Männer und ilue.be», aus deren Hilfe beim Verdienst nicht gerechnet wurde, batten dadurch ihre nützliche Beschäftigung, indessen die übrigen Glieder der Familie spanne», Lössel schnitzten! oder Körbe flochten Bon diesem Tors an senkt sich der Fahrweg allmählicb, um in rascher Auseinandersolge durch zwei weitere Dor­ier zu sühren, che er an der Staatsstraße endigt, die den stark von Handele juden -bewohnten Marktilccke» Gcdcr» mit dem Kreisstädt- chen Schotten verbindet. Das letzte dieser an deni Fahrweg gelege­nen Dorier ist das größere und wohlhabendere: und durch seine von der Nidder durchzogene Gemarkung, bic in« Grunde fruchtbar ist, streichen die Gebirgslüste schon bedeutend milder als eine Stunde weiter oben. Das Tors besteh! ans einer langgestreckten, von dem Fahrweg gebildeten und dem Back) iolgenden, Hauvistrasze, die in der Mitte von einer kurzen Gasse durchkreuzt wird. An diesem Punkt, dem Hauptvlatz des Lries, sieht die Kirche: und wen» man der an ihrer Schmalseite derziehenden Gasse, der P'arrgasse, folgt, ist man bald an den letzte» größeren Häuiern angelangt. Zur Liu- I>» sind es zwei Bauernhäuser: zur Rechten »and bis zum Schluß der sechziger Fahre iwch das alte, stattliche Psarrhaus. Es hatte lihon einer großen Folge von Psarrleuten, die mir der in früheren Feiten, besonders in solchen Häusern übliche«, große» Kinderschar gesegnet waren, als geräumige Wohnung gedient einem dieser Geistliche» halle e§ sogar »och Raum zu einer Erziehungsanstalt sür Knaben geboten aber als eS erbaut wurde, hatte es sich nicht träumen lasse», das: es als Pfarrhaus enden würde. ES soll nämlich früher ein Fagdichloßchen gewesen sein; und man konnte ihm seine ursprüngliche Vornehmheit auch noch anmerkcn, trotz der durchaus unarisiokratischcn Lchar von Pjarrbubcn und Mädchen, die sicl: jetzt darin herumtriebcn. Stattlich und würdig sah es mit seiner Vorderseite aucl: dann noch jedem Herannahenden entgegen, als es, der Gebrechen seines Alters wegen, Hinte» schon mit starken Stützen versehe» war. Hinter diesen Häusern setzt sich die immer enger, steiniger und steiler werdende Gasse noch ein Stückchen fort, >s liegen noch kleine Häuschen zur Rechten wie zur Linken, ehe sie am Eingang des zum Pfarrhaus gehörigen schönen Grasgartens endigt, in welchem an einem hohen Waliiußbaum, sowie an etlichen Birnen und Pflaumenbäumen in guten Jahrgängen auch Früchte reiften, zur Freude der jeweiligen Psarrkindcr.

Fn diesem Tors, in dieser Gaise habe ich einst Bild um Bild in mich ausgenommen und sie im Gedenken bewahrt; auS welchem Grund die mm folgendenBilder aus dem Nidderlai" ausstcigcn werden.

Allein die dazu gehörigen Menschen sind sclüichtc Leute: Bauern »nd Hirten, Dorskinder und Arme, die vor den Türe» um ein Srück- lei» Brot baten.

Nicht zu vergessen der Piarrersleute, die auch schlicht im bcsicn Sinne des Wortes sein oocr werde» mußten, wenn sic der Genieinde etwas sein wollten.

Wer also von so schlichten Leuten nichts hören mag, lege ruhig diele Blätter beiseite!

Ein Abschied.

Ein strahlender Augullmorgen im Fahre 1858 war bis zur »ibiitcn Stunde vorgeschritten. Das war eine Stunde, in welcher während des Sommers das Dors gcwolnilich wie auSgcstorbcn schien, wenn sich nicht gerade die Schule entleerte, oder ein leerer Ernte­wagen ratternd hinaussnhr. Heute war es anders! Man sah Män­ner und noch viel mehr Frauen und Mädchen, die alle kein Ar- beilsgeräte in den Händen trugen, von der Hauptstraße über die sldidderbrücke »a.h einem kleinen, ab'ei's von vor Straße etwas- er­höht stehenden Bauernhaus gehen

Was mochte diese Leute, die sich so scknver von der drängenden Erntearbeit losznreißen pflegte», veranlassen, es jetzt zu tun? Eine Beerdigung, die einzige Feier, die auch am Werktag vorgcnomnien werden mußte, war es nick», denn alle Leute trugen Alltagskleider. Aber dennoch war ein Abschied die Ursache und zwar voraussicht­lich einer au: Nimmerwiedersehen. Eine Mutter mir vier erwach- scnen, wen» auch noch recht jugendlichen Kinder» von welchen das zweite ein Sohn und die anderen Töchter waren schickte sich au zur Reise über das große Wasser, und die Leute, die kamen, sollten den Scheidenden ein letztes Lebewohl sagen. Tas waren in erster Linie Leute, die ihnen immer nahe gestanden hatten: Ver­wandle, Freunde und Paten der eiindet, aber auch iolche, denen erst die nahende Scheidestnnde das Bewußtsein der Znsammcnge- börigkeit mit der aus der Toriqemeinschast krheidrndeu Familie ge- schärst batte. Und auch au bloß Ncngler.gcn, welche di? Sucht, etwas Außergewöhnliches zu erleben, das Wohlgefallen an Rühr szencn hergctriebe» Halle, fehlte es nicht.

Tie zur Answendernng bereite, in den mittleren Fahren llihenvc Frau war seit neun Führen Witwe, und trotzdem sic es tvider an Fleiß noch an Sparsamkeit hatte fehlen lassen, war scitden:

t>e Rot langsam aber unerbittlich a» f ic herangetrete»; und die Not des Lebens HKtr es, die sie zwang, die Heimat verlassen.

3» den reichen Bauer» hatte» sie und ihr Man» nie gehört, aber ebensowenig zu den ar»:e». Sie hatten sich schlecht und recht durchgeschlagen, dis Krankheit und in ihrem Gefolge Doktor u»c ^ Npothekcrrcchuuiigeu ins Haus gekommen waren. Bor allein aber hatte nach ihres Mannes Tod dessen Arbeitskraft gefehlt, durch, welche vorher des bißchen Wohlstand hatte bestehen können! Di; .Kinder im Alter von 5 10 Fahren waren noch keine Stütze in: die Witwe gewesen so früh diese auch in: Vogelsberg z:> allen möglichen Arbeiten herangezagcu werden! Tie ältesten hatten das Vieh an die Weide getrieben, allein zur Feldarbeit inußten oft Tag­löhner genommen werden; und wenn auch der damals übliche Tag­lohn uns heute äußerst gering erscheint, kostete er doch die Witwe mehr, als sie entbehren konnte. Man ineiß bedenken, wie rar da­mals das Geld in der Welt ivar und wie wenig gerade sür die Produkte, die der Vogclsberg ansiührk, bezahlt wurde!

Als noch ei» Mißjahr und Unglück mit der Viehzucht dazu lan:, mußte die Witwe ihren Besitz mit einer Schuld belasten, die durch allerlei unsaubere Knifse des Handelsjudc», bei dem sie in Er­mangelung reeller Hilsskasscn das Geld geborgt hatte, rasch verhältnisinäßig stark «»wuchs, so daß sie und ihre mm heraugc- wachsene:: Kinder das ganze Fahr in der Furcht vor de»: Jude» zngebracht und nur iür diesen gearbeitet hatten.

Schon inchrmals hatte sic ihren: in jungen Jahren nach Anic- rika ausgcwanderkeil Bruder ihre Not geklagt, aber dieser, in der neuen Welt vrak:isch und vermögend gewordene Mann, war nicht willens gewesen, ihren ivankcnden Besitz mit seine,i Mitteln zu hal­ten. Das verbot ihm einerseits die Rücksichtnahme auf seine eigene Familie und anderseits die Ilebcrzcngnng, daß sich sür seine jungen Verwandten bessere Möglichkeiten zum Borwärtskommcn in Ame- rifß bieten würden als an: den: kleinen Glut, ans welchem sich die Mutter nicht hatte halten können. Dementsprechend schrieb er seiner Schwester:Verkaufe alles ivas du hast, bezahle die Schulde» und ko»,me mit Deinen Kindern herüber. Das ist der beste Rat, den ich sür Dich habe. Deine Kinder sind jung, kräftig und nnver- wöhnt; solche Leute kann man hier brauchen! Du bist auch noch jung genug, »in etwas leisten zu können, und Ihr werdet Euch hier, wo Euch kein Gläubiger drückt, wohler fühlen als zuhause.

Deine Töchter werden ihre Partien machen und zwar um so bessere, je tüchtiger »nd häuslicher sie sind Diese Eigenschaften gelle» hier als Vermögen und wenn sie Männer bekommen, die viel Geld verdienen, tonnen sie seidene Kleider »::d goldene Broschen.

Uhren und Ketten tragen wie meine Fra»."

Au einem Fanrilicnbild, das der Onkel einmal geschickt hatte, hatten die Witwe und ihre Kinder den Schmuck am Anzug der Schwägerin und Taute gebührend bewundern können, de:»: aus den Photographien, die damals ans Amerika in bäuerliche Familien kanrcn, war immer der Goldschmuck durch Goldsarbe bezeichnet.

Außerdem hatte der Onkel noch geschrieben, dost er der Witwe und ihre» Kindern zu einem guten Anfang behilslich sein und auch einen Beitrag zu den Reisekosten schicken wolle.

Was blieb der Frau anderes übrig, als seinem gut gemeinten Rat zu folgen.; mochte sic sich auch noch so schwer von der .Heimat trennen! I» der damalige» Feit, wo das Gebirge noch nicht durch Kleinbahnen erschlossen war, sing sür die meisten seiner Bcivohuec die Fremde schon jenseits des Kreises an, aber zur Auswanderung »ach Amerika entichlosscn sic sich verhältnismäßig leichter als zur Ilebersiedclung in einen nur einige Meilen cntscrnlen Ort. In i'stuerita datten sie Bekannte und Verwandte, und weil sic von den Gröhcvcrhällnilsen der Staaten keinen Begriss hatten, Hoisten sie allen dorr so sicher zu begegnen wie einst den Vorangegangenen im Jenseits.

Fm Frühjahr hatte die Witwe den Brief aus Amerika erhallen und im Sommer Acker und Wiesen mit der daranistchenden Ernte verlaust. Auch Haus und Hof, mit allem, was dazu gehörte, hatte seinen Käufer gesunde», und nur die selbstgespoirnencn Lcincnvor- räte und etwas Bettzeug zur Ncbersahrt in: Zwischendeck sollte nebst den Kleidern mitgenommen werden.

Nun war alles zur Abreise bereit und die Scheidestunde nahte, hl,» frühen Morgen ivar die Witwe mit ihren Kindern aus de» er­höht über dem Torse gelegenen Friedhof gegangen, dessen uralte, hohe Bäume die Dorfbewohner aus ihren Feldern und mitten in ihrer Lebensarbeit an diejenigen erinnern, die dort davon ausrnhen.

Bon wie manchem Grab halte sie hier Abschied zu nehmen! Und ihre Tranen wcrcn stärker geflossen bei dein Gedanken, daß sic ihre letzte Ruhestätte im fremden Lande finden würde. Und dann halten sie alle ihre Blicke noch cinnral über das Hcinrattal und die es umhegenden Höhen schweife» lassen bis hinauf zu dem Berg, au: welchem die Häuser des höchstgclegenen Vogelsberger Torfes in der klaren Morgenbelcuchlung deutlich zu erkennen waren. Zun: letztenmal! Warum schzeu auck: die Sonne so golden über diese Höhe», über alle Dächer des Torfts und bis ins grüne Tal der Nidder hinein? Tas machte ja das scheiden noeh viel, viel schwerer!

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Nach der Rückkehr von ihre:» letzten Gang in der Heimat Nei­deten sich die Auswanderer zur Reise an, indem sie ihre besten Kleider dazu anlegteu: neue, modisch gcnrachte Kleider. Wie sehr diese unter dem Kohlenstaub und -Dunst der Eisenbahnen und der .Hafenstadt leiden würden, ahnten die Landlcute die noch nie