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gei'eiil waren, noch nie eine Eisenbahn und Noch viel weniger ein Schiss gesehen hatten — nicht.
Als ans Amerika die versprochene Beisteuer zur Reise an- gekommen tvac, hatten es Mutter und Töchter sür ihre Plicht gehalten, sich so sein wie möglich zu der Reise nach den, „seinen Amerika" und zur Ankunst bei der Tante - die ihnen aus der PKotographie so vornehm erschienen war ■— a»Szurüsten. Darin waren sie von dem jüdischen Kaufmann im Marktslecken, bei welchem sie die Stosse zu den Kleidern gelaust hatten, und von der Näherin, die sie allgefertigt hatte, noch bestärkt worden.
Nu» waren sie zum erstenmal damit geschmückt: und alle Leute die zum Lebewohlsagen kamen, sahen die jungen, in hellfarbige Sommerstosfe gekleideten Mädchen wie fremde Erscheinungen an. So schone Kleider hatte inan in diesem Dors noch nie gesehen!
Während aber modischer Putz die ineistcn Bauernmädchen
weniger gut kleidet als ihre volkstümliche Tracht, war er hier die passende Umrahmung sür die judendschöne Gestalt und sanfte Schönheit der ältesten Tochter.
Die Türen in dem Allswandererhäuschen blieben weit geöffnet, denn es war ein fortwährendes Kommen und Gehen derer, die den Scheidenden noch einmal die Hand drücken wollten und meistens der Arbeit halber wieder bald nach Hause eitle»:
die Frauen, indem sie mit der über ihre Alltagsgewanduirg
gebundenen besseren Schürze die reichlich sliestenden Tränen trockneten. (Fortsetzung folgt.)
Erinnerungen eines alten Musikers.
Wilhelm Ganz, ein Mainzer Kind, kam 1818 als vierzehnjähriger Junge nach England, das ihm zur zweiten Heimat
? geworden ist, und eroberte sich bald als Klavicrkünstler, Orchcstcr- eiter und Lehrer eine hervorragende Stellung im Londoner Musikleben, die er ein halbes Jahrhundert lang ehrenvoll behauptet hat. Mit besonderem Eifer ist Elanz allezeit sür die Einführung deutscher Musikwerke in England tätig gewesen. Hochbctagt hat er seine Erinnerungen an die zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten des europäischen Musiklebens, denen er auf seinem laugen Lebenswege begegnet ist, in einem hübschen unterhaltenden Buche niedcrgelegt (Memories of a Musician, erschienen bei John Murray in London). Wen hat dieser Patriarch der Mnsikwelt nicht alles gesehen, gekannt, gesprochen! Richard Wagner lernte er zum ersten Male im Jahre 1877 in der englischen Niederlassung des Musikverlages Schott kennen, als der Meister nach London gekommen war, um eine Reihe seiner Werke in Konzerten zur Aussührung zu bringen. Wagner trug, als Ganz ihm vorgestellt wurde, Filzschuhe, weil er an Gicht litt. Ganz konnte ihm durch Vorlegung inner Anzahl seiner Kvnzertprogramme zeigen, >vie viele seiner Schöpfungen er in seinen Konzerte» den Engländern bereits besannt gemacht hatte. Wagner antwortet hieraus: „DaL freut mich wirklich sehr, denn wir brauchen arg Geld". In besonders enger Verbindung stand Ganz mit einem der bedeutendsten Verkünder und Dolnietscher der Kunst des Meisters, mit Hans Richter. Richter schrieb Ganz nach der Aussührung des Ringes im Covent Garden-Thealer im Jahre 1908 einen sehr bezeichnenden Brief, den Ganz im deutsche» Wortlaute mitteilt. Er lautet: „Für mich war das Schönste und Erfreulichste das Publikum: weiche weihevolle Stille während, und tvelchcr Enthusiasmus nach den Akten! Wenn man Wagnerverehrungen erleben will, must nian wahrlich ins Ausland gehen. Noch immer werden die Schüler der Berliner Musikschule vor deni Besuche der Waguerschen Werke gewarnt: selbst in der Feit der tiefsten Verkennung Berlioz hätte es kein Professor oder Direktor des Pariser Conservatoire gewagt, die Schüler von deni Besuche Berliozscher Ausführungen abznreden: aber in Deutschland ist cs noch heute — zwanzig Jahre nach des Meisters Tode — möglich, unehrcrbietig über Richard Wagner reden zu hören."
Zu den begeistertsten Vorkämpfern sür den Meister von Bayreuth und seine Sache hat bekanntlich vor seiner „Umkehr" auch HanS v. Bülow gehört. In dieser seiner Wagncrzcit schrieb Bülotv, der ja in seinen Aeustcrungcn ebenso extrem wie geistreich zu sein pslegtc, einmal einer jungen Dame in ihr Stammbuch den gctvagten Satz ein: „Bach, Beethoven, Brahms et tous lcs autrcs sont des crstins".. Der witzige Moszkowski hat diese kühne Behauptung, als er ihrer ansichtig wurde, sehr niedlich karikiert, indem er unter dieses Bülow Wort den — nicht minder gewagten Satz schrieb: „Mendelssohn, Mcnerbecr, Moszkowski et tont lcs autres sont — des ChröticnS". A propoü Mendelssohn! Ganz tveist ein amüsantes Bülow-Wort zu berichten, das diesem Tonmeister gilt. Eines Tages, als er bei einem Schüler cinlrilt, hört er ihn Mendelssohns Lieder ohne Worte spielen, wozu er prompt die Bemerkung machte: „Mendelssohn! Das ist eine Krankheit sür die Jugend!" Blilows Ironie traf aber nicht nur andere, er besäst auch die Gabe der Selbstironie. Bei einem Konzerte, das er leitete, Ivirktc auch Fra» Clara Novello mit, die ebenso stattlich Ivie Bülow schmächtig von Gestalt war. Das bewog ttm an den Oheim des Erzählers, der als Konzertmeister bei der Aussührung mit wickle, die bricsliche Frage zu richten: „Must ich bei meiner anli Murphy-Statur Madame Elara Novello vors,ihren? Oder wird sich nicht ein besserer Kavalier zu dieser Repräsenlatio» ans
treiben lassen?" Hierzu ist zu erinnern, das; besagter Mnrphh seinerzeit ivegen seiner riesenhaften Figur als Sehcuswürdigkcit durch die ganze Welt geführt lvurde.
Ein Nebeirbichler Büloivs auf dem Gebiete witziger Antworten ist der berühmte Wiener Klavicrmeister und Klavierpädagoge Leschekitzli, der Lehrer Padercwskis. Eine Amerikanerin richtete an ihn einst die höchst amerikanische Frage, ob er Waguer oder Brahms vorziehe. Leschetitzki gab ihr die überraschende Antwort: „Tschaikowskh!" Einen alten Klavierkünstter, der sich noch immer sür einen tüchtigen Spieler hielt und öffentlich auftrat, kennzeichnete er mit dem hübschen Satze: „Er spielt die leichtesten Sache» mit der grössten Schwierigkeit." Als in Leschetitzkis Gegenwart einmal von den, Vermögen gesprochen wurde, das Piauo- bauer sich erworben hätten, machte der Künstler ein allerliebstes Wortspiel: „Chi fa piano, va sano", — Uwe Pianos macht, geht gnt: wir brauchen kaum daraus hinzuweisen, dast Leschetitzk, sich hier eine geistreiche Variation des bekannten italienischen Sprichwortes „Chi va piano, va sano", erlaubt hat.
Sehr Vielerlei und Hübsches loeiß Ganz von der Patti zu erzählen, ürit deren glänzenden Ersolgcn in England er »abrzehntc- lang verknüpsl gewesen ist. Er machte ihre Bekanntschaft bereits ini Jahre 1861, als sie in Bellinis „Nachtwandlerin" zum ersten Male ln London auftrat und alsbald einen Ricscntriumph errang. Sie erzählte Ganz damals, dast sie über einen Spielplan von 39 Opern verfüge und alle völlig auswendig wisse, sowohl den Text, lvie auch die kleinsten Variationen und Kadenzen. Ihr Gedächtnis war überbaupt fabelhaft und vielleicht in der Geschichte der inodernen GesangcSgrvsten ohnegleichen. Dennoch lvar sie keineswegs von Kulissensieber frei, vielmehr befand sie sich ledes- ina!. bevor sie auftreten sollte, in lwchster Erregung und oft sagte sie dann zu Ganz: „Ganz, nms fall ich nur tun? Ich bin so schrecklich nervös, mein Herz klopft furchtbar." Ganz tat daun sein Bestes, sic zu beruhigen; stand die Patti aber erst ftitnial dranstcn Und begann zu singen, so lvar ihr Knlissensiebcr spnrloZ verschwunden. Sic erzählte Übrigens Ganz, dast Wagner wieder- holt die Einladung an sie gerichtet habe, die Soprmrrollen in Lohengrin und Tannhäuscr zu singen. Auch übte besonders di« Rolle der Elsa eine groste AnzielmngSkcaft aut sie ans, allem sie lvagte nicht, sich daran zu versuchen, weil sic fürchtete, dast Wagners dramatisäie Rollen ihrer Stimme schaden würbe». Bevor die Patti ihren berühmten Landsitz Craig-I-Nos erwarb, suäcke sie nach einem Besitze in Italien und fand auch virklich ein Schloh und Gut iit der Nähe voll Turin, das den orunkvollcit Namen Easa dc Val di Casotlo führte, klm die Künstlerin anzn- locken. Machte der Besitzer ile noch besonders daran! ansmerkiam, sie habe, lvenn sie das Schlost erwerbe, das Recht, sich Herzogin von Val di Casotto zu nennen. „Lieber Risotto", versetzte die Patti und nahm von dem Kaufe Abstand. Schliestlich sei iwch ein hübsches Wort des lvitzigcn Rossini berichtet, daS Ganz erzählt. Rossini liebte es ganz und gar nicht, lvenn die Sänger sich Aenderungen rn seiner Musik erlaubten. Einmal bemerkte er, das; der bekannte Moritz Strakosch in eine seiner Arien ein Staccato eingcsührt hatte, das Rossini nicht angegeben hatte. Rossinis Urteil über dieses Borgehen lvar kurz und schlagend: >,Das sind Strakoschonncriern I" _
Büchertisch.
— „Die kronvrinzlichen Kinder in Danzig- Lanasnh r" betitelt sich ein, aus Wunsch der Kronprinzessin von der Finna W. F. Bilrau, Danzig hcranSgegebcneS kleines Werk- chen, das 11 Ausnahmen der kronprinzlichc'n Kinder enthält. Die reizenden Ausnahme» zeigen die kronvrinzlichen Kinder in ihrem nngczwungenen Leben am Ostsecstraiidc. Den Alleinver- trieb für daS Deutsche Reich hat der bekannte Kunstverlag Harrst Rolbenbcrg ln Breslau übernommen, (Preis 1 Mk>.
— E i n e Fahrt aus hoher See glauben wir mit de»
Seegeschichten „U n t c r f a l s ch c r F l a g a c" von Richard K n a i zu machen, welche soeben i» Kürschners Bnchcrschatz Nr. 939 erschienen sind (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9). Mit Sturm und Wellen ist der' Beriasscr, ein erprobter Seeniann und Weltum- segler, ebenso vertraut, wie mit deni Meuschcnherzen in Stille und Aufruhr. _
Magischer Dreieck.
In die Felder nebenstebender Figur stich die Buchstaben ancpeekkllnrs m derart eiiizutragc», da» die einander entsprechenden wagercchte» und senkrechte» Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Wohlriechende Blume.
2. Biblischen Namen.
3. Stadt in Persien.
4. Teil vo» Kurdistan.
5. Eine» Buchstabe».
Auslösung in nächster Nummer
Auslösung des ZilalenrätselS in voriger Nummer,' Für die Jiu.ead iil das Belle gnt genug.
Redaktion: K. Neurath. — Nolaliousduick und Verlag der Bri'chl'schen ll»iv«rsitä!S-B»ch» und Steindrnckerel, R. Lange, lAlehett,


