Nr. 302
ter »iehener Lnzelqee
erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen- viermal wöchentlich
SlehenerZamiliendlätter;
zweimal wöchenll.Ureii- blatlfürdenitreisSiehen
(Tienstagund Freitag); zweimal monatl !and> wirtschaftliche Zeiksragen Fernsprech-Anschlüsse: IürdieLchriltlcüungII2 Verlag,Geschäitsstelleöl ?ldresse lür Dralitnach- richtem Anzeiger Sieben. Annahme van Anzeigen lür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Erstes Blatt *64» Jahrgang Bonnerttag, 24. Dezember J9J4
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rolationrtzruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schulftr. 7.
iei >: monatl. 75 Ps., viertel»
jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Ps.; durch diePost TU. 2 .— viert el- jährl. ausichl. Bestellq. Zeilenpreis- lokal 15 Ps„ ausiv. 20 Pi. — Haupt- schriitleiter: Aug. Goetz. Berant,»örtlich für de>> polil. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes" unü.Gerichts- saal": Karl Jlcnralh; lür .Stadt und Land": Otto Braun; für den Anzeigenteil: y. Beck.
Uriegsweihnachten!
Heule abend wird unserem unvergleichlichen Vaterlande neuer Glaube, neue Zuversicht cingeläutet! Es sind dieselben Glocken, die uns befreiende Siegesbolschaslen zugetragen haben, aber ihr eherner Ton hat heute einen Widerhall auch in den stillsten, verborgensten Winkeln unseres Herzens. Er klingt in allen Häusern und Hütten und ist erweckend auch in den Geistern jenes großen .Heeres der Mühseligen und Beladenen, das n i ch t in Feindesland steht. Es ist kein Jubelschall, sondern ein Geläute des Trostes. Aus weltenferner Vergangenheit spricht durch die Wirren der Zeit eine Stimme zu uns, nach der wir uns sehnen und der wir gehorchen.
Die rauhen Schrecken des Krieges haben den inildcn Christensinn nicht niedergerungcii und vertilgt. Bei aller stolzen Erfüllung ihrer Kriegerpslicht haben unsere Streiter ihn mit hinaus gebracht in Feindesland, und wo es der Person des Einzelnen gestattet war, frei und selbständig zu walten, da haben wir von erhebenden Beispielen edler Menschlichkeit gehört. Auch die deutschen Heeres verbände haben, wo es nur anging, Milde und Barmherzigkeit walten lassen. In den eroberten Landen wird unseren Landsturmleuten Lob gezollt. Oft teilen sie ihr Brot mit den Armen und erweisen Freundlichkeit den Kindern und Frauen ihrer Feinde. Aber die unvermeidlichen Greuel des Krieges nehmen dennoch chren Lauf. Gehen sie wider das christliche Gebot?
Jesus hat wohl Haß und Hader unter den Meirichen bekämpft, aber nie gegen den Krieg geeifert, der aus den Einrichtungen und Bedingungen der Staaten hcrvorgcht. Einen lehrreichen historischen Abriß der Beziehungen christlicher Gedanken zu dem Zweck und Zwang des Krieges findet man in Theodor Kappsteins kleinem Buche „Der Krieg in der Bibel" (Verlag von F. A. Perthes, Gotha), rvorin dargelegt wird, daß Jesus durch und durch unpolitisch war, daß er weder Beziehungen zum Kriege noch zum Gelde hatte, das für ihn „Mammon" war. Jesus war kein Soldat und kein Mann der Obrigkeit. Beide aber sind notwendige Träger des Staatswesens, das uns schützen soll vor Frevel und Ungemach. Ein kluges Wort Luthers, aus seiner Schrift „Die Grenzen des Gehorsams gegen die weltliche Obrigkeit", lautet: „Tn wendest ein: warpni haben denn Christus und die Apostel nicht das Obrigkeitsamt geführt? Antwort: Sage mir, warum er nicht auch ein Weib genommen oder warum 'ist er nicht ein Schuster oder Schneider geworden?! Sollte darum ein Stand oder Amt nicht gut sein, weil Christus selbst es nicht geführt hat?"
Wir wollen hier keine Verherrlichung des Krieges schreiben: seine Wirkungen sind auch heute verhüngnisvoll und erschütternd, und sie gehen gegen die göttliche Weisung, die Friede auf Erden predigt. Aber der Krieg scheint doch eben ein notwendiges Nebel zu sein. Dürfen wir die einsältige Frage stellen, ivarum Gott, der Allmächtige, die Menschen nicht alle gleich milde geschaffen habe, ivarum er so oft, scheinbar, den Bösen triumphieren, den Unschuldigen leiden läßt? Manchem mögen die Zerstörungen einer Schlacht minder abscheulich erscheinen als airderes von der „Zeiten Spott und Geißel": „des Mächtigen Truck, des Stolzen Mißhaichlungcn, verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub, der Uebermut der Aemter." Herr v. Bethniann-Holl- weg hat neulich im Reichstag erleichtert darüber aufgeatmet, daß die öde, dumpfe Zeit vorüber sei, in der es am innere n Friede fehlte. Ja, haben wir nicht sonst, wen» am Christabend die Glocken läuteten, oft ängstlich und bedrückt uns gestanden, daß der „Friede auf Erden" noch nicht eingekehrt sei? Tann hat uns aber die niilde Weihnachtsbotschaft mit ihrer Erweckung innerster Herzensbedürfnisse immer wieder erquickt und über die Verdrießlichkeiten der Welt erhoben. Und in mutigem, festem Kampfe für die ewigen Ideale richteten wir unsere Herzen empor. Was sollen die vermessenen Fragen nach Gottes unerforschlichen Ratschlüssen? Er hat die Menschen nicht gleich gemacht und auch wohl nicht beabsichtigt, uns in paradiesische Zustände hineinzusteUen. Er hat uns aber die chrisUiche Lehre in die Seele geschrieben und uns die Sonne der Liebe und Milde verliehen. Was iväre unser Leben ohne diesen Glanz, der es durchströmt? Wir wollen nicht klagen darüber, daß die Welt anscheinend nicht vollkommen ist. Freue dich, o Christenheit, daß der Weihnachtstag wieder gekommen ist, der unsere Seele neu beschwingt und dessen Sterne über die Wettkriegsschauplätze mit ewiger .Klarheit herniederbticken!
Milde und Barmherzigkeit gegenüber feindlichen Völkern, die uns bedrohen, haben jetzt keinen Raunt bei uns. Der Christ ist gehalten, so schreibt Kappstein in seiner Schrift „Ter .Krieg in der Bibel", „dem Nächsten, der ihm den Rock ivegnimnit, seinen Mantel dazu zu geben und dein, der ihn auf die Wange schlägt, die andere Wange zum zweiten Schlage hinzuhaltcn. Will sich aber der Staat durchsetzen, so ivird nian den, der uns auf die Backe schlägt, ivieder schlagen und zwar aus seine sämtlichen verfügbaren und erreichbaren Backen!" Es ist übrigens charakteristisch daß jener unbctanntc deutsche Mönch, der uns im 9. Jahrhundert das Heldengedicht „Heliand" schuf, den Ausspruch Jesu vom Hinhalten oer linken Backe unterdrückte; sein eigenes, deutsches Empsinden inag dabei stark mitgesprochen haben. Im Leben und Streit der B ö t- k c r wäre der erwähnte milde christliche Grundsatz vollends unmöglich. Nur durch den Kampf kommen wir zum erwünschten Frieden Frankreich läßt dies, wenn wir es noch nicht gewußt hätte.!, in einer eignen, besonderen Weihnachtsbotschaft weithin verlündeu. Tie Erklärung der französischen Regierung bei der Eröffnung der Kammern — wir geben sie nachstehend ausführlich wieder — unterstellt dem Deutschen Reiche, ohne den Versuch eines Nachweises, daß cs während mehr als 40 Jahren unablässig das Ziel verfolgt habe, „Frankreich zu vertilgen, um die W c l t z u unterjochen!" Alle Schuld, diesen Welt
krieg entfesselt zu haben, wird auf uns Deutsche abgewälzt. Wir brauchen diesen Phrasen des französischen Kabinetts keine langen Gegenausführungcn zu widinen. „Erbitterter Kamps" gegen uns wird proklamiert, „bis zur vollständigen Befreiung Europas". Bis in die letzten Tage hatte sich in deutschen Gemütern Frankreich gegcnicher ein getvisses Gefühl der Nachsicht herausgebildet, da wir in England die treibende Kraft erkannt hatten. Wir sehen jetzt, daß Freiherr v. Zedlitz recht hatte, als er jüngst in einem Aufsatz davor warnte, Frankreich vorzeitig Sonderfriedenspläne vorzuschlagen. Man würde dies dort nur als Schwäche auslegcn und das Gegenteil von dem würde erreicht werden, was man beabsichtigte. Erbitterter Kampf bis zur endgültigen Entscheidung muß auch unsere Parole sein.
Unsere Weihnachtsgedanleu weilen heute draußen, in den Schützengräben, bei unseren deutschen Brüdern, denen wir Gottes .Hilfe erflehen. Wir wissen es, daß auch sie heute in Gedanieu bei uns weilen werden — soweit das blutige Feld der Gefahr es zuläßt. Im Kanonendonner begrüßen sie die Geburt des Heilandes. Dahinter aber steht als Ziel und Preis des Kampfes ein herrlicher Friede, dem wir in treuem Christensinne entgegenharren zur Neubelebung deutscher Kultur und Sitte!
* * *
(WTB.) Großes Hauptquartier, 23. Dez. vormittags. (Amtlich.) Angriffe in den Dünen bei Lombart- zydc und südlich Birschotc wiesen unsere Truppen leicht ab.
Bei Richebourg l'Avotte wurden die Engländer gestern wieder aus ihren Stellungen geworfen: Trotz verzweifelter Gegenangriffe wurden alle Stellungen, die zwischen Richebourg und dem Canal Ü'Aire ä la Bassse den Engländern entrissen waren, gehalten und b e s e st > g t. Seit 20. Dezember fielen 750 Farbige und Engländer als Gefangene in unsere Hände. 5 Maschinengewehre und 4Mincnwcrfer wurden erbeutet.
In der Umgegend des Lagers von Ehslons entwickelte der Feind eine rege Tätigkeit. Angriffe nördlich Sillerp südöstlich Reims bei Louain und Perthes wurden von uns. zum Teil unter schwerenVcrlustenfürdie Franzosen, abgeschlagen.
In Ost- und Westpreußen blieb die Lage unverändert.
Die Kämpfe um den Bzura- und Rawka-Abschnitt dauern fort, auf dem rechten Pilica-llscr ist die Lage unverändert. Ober st e Heeresleitung.
* . *
Ein Erfolg der österreichisch-ungarischen Aotte.
Ein französisches Unterseeboot von den Lestcrreichern vernichtet.
(WTB.) Wien. 23. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaulüart: Das französische Unterseeboot „C u - r i e" wurde, ohne zu einem Angriff gekommen zu sein, an unserer Küste von Strandbattericn und Wachfahrzcugen beschossen und zum Sinken gebracht. Die Besatzung wurde gefangen genommen.
Unser Unterseeboot „12" griff am 21. Dezember in der Otranto-Straße die französische Ftoltc, bestehend aus sechzehn großen Schiffen, an und torpedierte das Flaggschiff vom Typ „Courbct" zweimal und traf beide Male. Die darauf in der feindlichen Flotte entstandene Verwirrung, die gefährliche Nähe einzelner Schiffe und der hohe Seegang bei unsichtigem Wetter verhinderten das Unterseeboot, über das weitere Schicksal des betreffenden Schiffes Gewißheit zu erlangen.
Wien, 23. Tcz. WTB. Nichtamtlich.) Der Erfolg: der österreichisch-ungarischen Flotte wurde mittags durch Extrablätter bekannt unv rief in allen Kreisen der Bevölkerung außerordentliche Genugtuung hervor, der die Abendblätter übereinstimmend Ausdruck geben. Sic betonen, daß sich die österreichisch-ungarische Flotte, die bewies, daß in ihr der alte Heldengeist weiterlebt, sich des uneingeschränkten Vertrauens und des großen Ansehens, das sie bei der ganzen Bevölkerung genießt, würdig crwieien habe. Tic Blätter schätzen den Ersolg des Unterseebootes „12" umso höher ein, als anzunehmen sei, daß, wenn schon der getroffene Dreadnought nicht gesunken sei, seine Kamvst- sähigkeit für die Tauer des Krieges wohl unbedingt vernichtet sei.
Neue Schlachten im Osten.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W i r n, 23. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vertautbart: 23. Dez. mittags. Unsere Operationen in den Karpathen nehmen einen günstigen Verlauf. Im Latorczagebiet wurde ein russischer Angriffsverfuch bei Botacz (Volovcz) abgcwicfcn. Im oberen Ung-Tale machten unsere Truppen gestern 300 Gefangene bei Aenpvosvölgh und drangen weiter vor. Auch nordöstlich des Lupkowcr Paffes in der Richtung gegen Lisko gewann unser Angriff Raum. Das offizielle Communigue des russischen Gcncralstabs vom >8. Dezember behauptete, daß uns an dieser Front 3000 Gefangene und auch Geschütze und Maschinengewehre abgenommen wurden. Diese Angaben sind erfunden. Unsere hier austretcnde Kampfgruppe verlor an Toten. Verwundeten und Vermißten -usammcn zwei Offiziere und 305 Mann, nicht ein Gesch - nicht ein Maschinengewehr fiel in die Hände des Feinde-
Die heftigen Kämpfe bei.Krosno, Jaslo. Tuchow und am unteren Dunajec halten an. An diesem Fluß erneuerten die Russen auch in der vergangenen Nacht ihre vergeblichen verlustreichen Angriffe. An der N i d a steht vorerst der Kanipf. Nächst brr Ntündung dieses Flusses wurde eine Brücke des Feindes über die Weichsel in Brand geschossen. Südlich To maszow wurde vo» unseren Truppe»
ein Nachtangriff kaukasischer Regimenter abgeschlagen.
Die Kämpfe unserer Verbündeten um den Rawka- und de» B z u r a - A b s ch n i t t dauern fort. An der ganzen Front ist somit eine neue Schlacht im Gange.
Der Stellvertreter des Ehefs des Gencralstabs: v. Höfcr, Fcldmarschalleutnant.
Die günstige Lage der deutsche» Heere.
i. Köln, 21. Dez. Tie „Köln. Ztg." meldet: Der militärische Mitarbeiter des Mailänder „Sc colo" führt aus, er habe die Auffassung, daß es den Deutschen gelingen werde, die neue französische Offensive zum Stehen zu bringen. Die g le i ch c Ansicht vertritt der militärische Mitarbeiter der „P c r s c v e r a n z a", der hinzusügt, zwischen Rußland und Frankreich bestehe eine gewisse Spannung, weil Frankreich verlange, daß die Russen ans dem kürzesten Wege in denffches Gebret einfallen sollen, während Rußland darüber unzufrieden ist, daß der französische Generalissimus Josfre bisher unbeweglich hinter seiner Besestigungslinie geblieben sei. Die LagederDeutschenseibedentendgünftiger als die der Verbündeten.
Die Beschießung von Alexandrette
Konstantinopel, 21. Dez. Tie Beschießung der Küste von Alexandrette, die wirkungslos verlies, wurde nach kuitzer Zeit eingestellt. Ter Oberkommandierende Tjemal Pascha ließ, den englischen Geschlvaderchef wissen, daß für das Leben eines jeden durch die Beschießung offener Küsten- städte gefährdeten ottomanischen Untertanen, Vergcltungsmaß?- regeln an den Engländern in den Konzentrationslagern genommen werde. Der amerika nische Botschafter legte Protest gegen das schon cinmat angedrohtc Vorgehen ein.
Aus Italien.
R o m, 23. Tcz. Prioattclcgrmam.) In demschen Zeitungen finden sich vielfach Nachrichten über Aeutzeruirgen deutsch» feindlicher Gesinnung in Italien, die damit auch die Stimmung in Deutschland gegen Italien beeinflussen. So fanden sich Unlängst in verschiedenen Blättern Meldungen von einer angeblichen BoNkottiernng der deulsckien Musik in^ Italien. Dem gegenüber genügt der Hinweis darauf, daß die „Scala" in Mailand ihre Spielzeit mit der Aufführung von Wagners „R Heinz old" beginnt. Ferner wurde verbreitet, in Perugia und anderwärts fanden Deutsche in den Hotels keine Ausnahme mehr. Auch diese Nachricht ist natürlich unzutreffend. Das erwähnte angebliche Verfahren der Hotels.in Italien würde auch dort den bestehenden gesetzlichen Vorschriften direkt zuwiderlausen. Auch die Nachricht vou einer angeblichen G rcnz sperre bei Ala ist selbstverständlich vollständrg unrichtig. Solches Gerücht mag auf eine vorübergehende Verkehrsstörung zurückzusühren sein, auf deren Behebung ita» lrenischcrseits kein Einfluß gewonnen werden konnte.
Amerika und England.
London, 23. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Tie „Mor- ningpost" meldet aus Washington vom 21. Dezember: Tie „Washington Post" setzt ihren Angriff ans den britischen Militarismus zur See fort und schreibt bezugnehmend aus Aeußerungen Lord Churchills:
Großbritannien geht aus das Ziel absoluter Tceherrschvft los. Ter Militarismus zu Lande ist etwas Hassens- wertcs, das bekämpft und vernichtet werden muß, und wenn alle Nationen Europas dazu helfen müssen: aber Militarismus zur See ist etwas Bewundernswertes, solange cs ein britischer Militarismus ist. Das ist die britische Auffassung, welche die Welt annehmen soll! -Tie „Washinglon Post" fragt, wie sich die Vereinigten Staaten angesichts der britischen Flotte sicher sühlen iönnen. Tie britische Flotte sei für Amerika eine größere Bedrohung als die deutsche Armee, Tic britische Flotte könne den Panama- kanat und die amerikanische Küste bedrohen, die deutsche Armee könne dies nicht, da sie nicht transportiert werden könne. Tie Vereinigten Staaten würden sich nie unter die britische Oberherrschaft beugen. Ein britischer Angriff und eine britische Einmischung in den amerikanischen Handel seid» geradeso unerträglich, als es ein deutscher Angriff und eine deutsche Einmischung sein würden. Wir haben, so schließt das Blatt, einen britisckien! Angriii gehabt, während die deutschen Einmischungen unaginär sind. Wenn .England über Deutschland ^triumphieren und ver- inchen sollte, eine Oberherffchast zur Sec unter Mißachtung der Rechte und Interessen Amerikas auszurichten, würde die amerikanische Nation wrcder mit England Krieg führen.
' . *
Der Feldzug gegen Serbien.
Wien, 23. Dez. «WTB. Nichtamtlich.) Meldung des k. k. Korr.-Bur. Amtlich wird bekannt gegeben:
Tic nach dem siegreichen Vorgehen in Serbien erfolgte Zurücknahme unserer Kräfte hat verichicdcne, teilweise ganz unbegründete Gerüchte entstehen lassen. Es soll datier hiermit auf Grund jener Erhebungen, die ohne Verzug aus allerhöchsten Befehl von einer hohen militärischen Vertrauensperion an Ort und Stelle ge- pstogen worden sind, Aufklärung gegeben tverden. Nach den erkämpften Erfolgen hat das Obcrkonimando der Balkanstreükrästc die Erreichung des idealen Zieles aller Kriegführung, die völlige Niederwerfung des Gegners, ins Auge gefaßt dabei aber de« zu überwindenden Schwierigkeiten nicht genügend Rechnung getragen. Jniolgc der Ungunst der Witterung waren die ohnehin durch unwirtliches Terrain führenden Nachschublinien in einen solchen Zustand geraten, daß es unmöglich wurde, der Armee die novoendige Verpflegung und Räunition zuzusührcn Ta gleichzeitig der Feind neue Kräfte gesammelt Ijattc und zum Angriff überging, muhte di« Offensive abgebrochen werden. Es war ein Gebot der Klitghcit, die Armee nicht unter den ungünstigen Verbältnisscn zum entscheidenden Kampfe zu stellen. Unsere in Serbien eingedrungrnen Strerlkrästc sind, der» widrigen Verhältnissen nachgebcnd, zurückgegangen ; sic sind aber nicht gcsckilage». Sic sehen ungebrochenen iOhiteg neuen Kämpfen entgegen. Wer unsere braven Truppen nach dem bcschloerlicken Rückzüge gesehen hat, der mußte erkennen, welch hoher Wert ihnen inncwvhnt. Daß wir bei diesem Rückzug


