Ausgabe 
19.12.1914
 
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ein Gedicht Mrückgibt, kann sie nicht literarische Untersuchung gen an diese Tatsache knüpsen, ebensowenig wie sie der Ab­lehnung eines Petroleum-EmgesmMS lange handelstech-. nische Betrachtungen beigeben'kann. Darum sei hier fest gcslellt: Wir nehmen gerne gute Gedichte aus, soweit es der Raum gestattet, noch lieber Einsendungen von gemein­nützigem Wert, solange uns Raummangel und Zensur nicht im Wege stehen, und sind höflich genug, am Telephon in beschränktem Matze Rede und Antwort zu stehen. stkur soll man einsichtsvoll genug sein, von einer Zeitung nicht zu verlangen, datz sie mit der Aufnahme eines Gedichts einen ästhetischen Selbstmord begeht oder den Abonnenten L. sofort anruft, wenn eswas Neues" gibt.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Gefr. Albert Bietz, Lehrini.-Bat-, ans Manderbach. Herm. ft r e i i d> l a t> ans Frohnhausen (Dill>. Re!. Joh. Otliman », Jnl.-Regt. 118, auS Worms. - 3)(iiSf. Phil. Oben an er, J««I.» Regt. 118, an» PjedderSheim. Rej. Phil. König, Jni.-Reqt. 118, ans Monsheim. Unteroff. Heinr. A l t, Res.-Ini.-Regt. 116, ans Schotten. Landwehrm. veinr. P e p p e l, Landw.-Jns.-Regt. 116, ans Ober-Seemen. Lt. d. Res. L a n d s ch n tz, Feld-Arl.-Regl. 61. Res. ftriedr, Wilh. Heu brich, Jns.-Regt. 118. Res. Peter Gernsheimer, Jnk.-Rcgt. 118, aus WormS-Pfifflighcim. KttegSireiw. Herm. Schucb Hardt, Res.-Jägcr-Bat. Marburg, ans Marburg. Unteroff. Johs. B o d e n b c n d e r, Feld-Art.- Regt. 8s, ans Rieder-Weimar. Unteroff. d. Landwehr Jean Mehling, Res.-Jnl.-Regt. 118, ans Oberolm. Unteroff. der Reserve Hermann Er am er, Nes.-Jns.-Regt. 221, ans Offen­bach a. Al. Oberlt. d. Res. Hugo Schneider, Res.-Int - Regt. 221, ans Offenbach a. M. Kriegsfreiwilliger cauä. ebein. Fritz A d e I m a n n, Jni.-Rgt. 83, aus Hanau. Kriegssrcnv. Heinz Rieder, Res.-Jns.-Rgt. 221, ans Tarmstadt.

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** Dichtervortrag in der alten Klinik. Den Verwundeten der alten Klinik wurde gestern ein eigenartiger Genutz. Ludwig Nüdling, der in manchen Kreisen noch nicht so bekannt ist Ivie seine Schöpfungen (z. B. der LyrikbandFallende Blätter", dessen Gedichte sich durch Gemütstiefe und Formvollendung auszeichnen) verdienten, trug den Verwundeten einen Teil seiner ernsten Kriegs- gedachte, heiteren Kinderlieber und lustigen Soldatenschnur­ren vor. Die Vorträge fanden auf den breiten Gängen des Lazarettes statt, wo die Vernmndeten sich versammelt hatten. Die Türen nach den Zimmern, in denen noch Verwundete zu Bett lagen, waren geössnet. Schallendes Lachen unter­brach mehrfach die Vorträge des Dichters und dankte ihm zum Schluß nebst einem begeisterten Bravo für seine genuß­reichen Darbietungen.

** Einquartierungsgelder. Im Anzeigenteil gibt der Oberbürgermeister die Termine für die Auszahlung der Quartiergelder für das Landsturmersatzbataillon bekannt.

** Freie landeskirchliche Vereinigung für das Großhcrzogtum Hessen. Die freie landeskirchliche Ver­einigung hält ihre Hauptversammlung am 2. Januar im Hotel Großherzog von Hessen in Gießen ab. Herr Geh. Kirchen­rat v. Eck wird in ihr einen Vortrag halten. Der Versammlung geht eine Vorstandssitzung inr selben Lokale voraus. Näheres über Zeit usw. wird dieser Tage im Gietzener Anzeiger bekannt gegeben.

** Stadtthcater. Auch die gestrige Wiederholung des fröhlichen Spieles von Kehm u. FrehseeAls ich noch im Flügel kleide" hat starken Besuch und außerordentlichen Bei­fall gefunden, so daß auf die morgige Ausführung des heiteren Stückes mit gutem Gewissen hingewiesen werden kann.

** Ermittelter Dieb. Vor einigen Tagen kamen einer auswärtigen Dame am hiesigen Dahnhofe mehrere Ringe abhanden. Den Bemühungen der Polizei gelang es, die Person, die die Ringe an sich genommen batte, zu ermitteln. Sic wurden der Eigentümerin zugestellt. Diese gab aus Erkenntlichkeit einen Betrag zu wohltätigen Zwecken, der dem Roten Kreuz zugesührt wurde.

** Zwei Feldpostbriefe, der eine von einem aktiven 116 er, der andere von einem 222 er (man vermute keinen Fehler: Ihre Existenz braucht nicht länger umschrie­ben zu werden), liegen uns vor. Beide stammen aus dea< jüngsten Zeit und geben anschauliche Bilder davon, was die Regimenter, die mit Gießen am engsten verbunden sind-, augenblicklich treiben, d. h. soweit man bei der Dauer der Nachricktenübermittelung vonaugenblicklich" sprechen kann. Der 116 er schreibt:

Liebe Eltern!

Tie Zeitungen geben schon seit Wochen so viele Kriegsbilder, daß es Euch erwünscht sein muß, einmal eine Schilderung anderer Art zu erhalten. Und dazu habe ich eben die beste Gelegenheit. W i r leben hier wie im Frieden. An die Stelle des Notauar- tiers in Scheunen und Kellern oder in der Stube eines halbzerstör­ten Hauses wie in unserem bisherigen Aufenthaltsorte während der Ruhetage ist eine Unterkunft getreten, die sich von der im Manöver in nichts unterscheidet. Während man bisher die weni­gen zurückgebliebenen, vor Schmutz starrenden Einwohner in respekt­voller Entfernung von sich hielt, freut man sich, hier in der Unter- halmng nrit der sauberen Quartierwirtin die Männer sind ja meist im Krieg sein mehr oder minder schlechtes Französisch an den Mann, bezw. an die Frau bringen zu können. Meine Hausfrau trägt ihr Geschick mit Würde. Ihr Mann steht bei den Territorial- truppen (Landwehr), und sie hat seit Augitst nichts mehr von ihm gehört. Bei unserem Eintreffen morgens gegen 4 Uhr empfing sie uns mit kalter Höflichkeit. Diese wich im Lause der Tage einer ruhigen Freundlichkeit. Tie Ruhe verläßt sic auch nicht. Wer es wäre falsch, deshalb bei ihr auf Gefühllosigkeit zu schließen. Tenn als gestern unsere Regimcntsmusik ihre flotten Märsche erschallen ließ, war sie nicht zu bewegen,, sie anzuhören, denndie Musik stimme sie traurig uird bringe sie zum Weinen". Mlcs in allem eine Frau, die Bewunderung verdient, besonders, toenn man sie mit ihren Landsmänninen vergleicht, die eben noch in Tränen schwim­men und malheur, malheur schreien, um gleich daraus hellauf zu lachen und mit den Soldaten zu kokettieren. Zu dem Bilde, das ich von Frau Valentine entworfen habe, paßt denn auch der Umstand, daß sie ihre drei Kinder, einen Knaben von 10 und zwei Mädchen von 9 Jahren, in strammer Zucht hat. Sie gehorchen aufs Wort: Drohungen oder gar Strafen hat sie in den 6 Tagen, die wir hier sind, nicht angcivendct. In dem Häusck>«n. in dem wir, dre, an der Zahl, liegen, ist alles von peinlicher Sauberkeit, was wir beson­ders zu schätzen wissen, da wir bisher in Frankreich und erst recht vorher in Belgien andere Erfahrungen gemacht haben. Ein Exem­plar der bisher gewohnten Art sehe ich täglich in Gestalt eines Bengels von etwa 10 Jalxrem, häufiger mit der brennen­den Stummelpfeite im Mund, durch die Straßen strei­chen Andere Länder, andere Sitten! Inmitten solcher Verhältnisse also haben wir jetzt unser Heim aufgcschlagen. Ter Dienst wird in derselben Art und ebenso pünktlich gehandhabt, wie in der Garnison. -Morgens früh klopft noch in der Dunkelheit der Unteroffizier vom Dienst an den Laden und inahnt, daß es Zeit ist sich aus den Federn man denke sich, welche Wohltat, nachdem man drei Monate lang die Stiefel nicht von den Füßen bekommen hat außer bei Behandlung der Füße und beim Wech­seln der Wäsche oder vom Stroh zu erheben. Dann wird ei» strammes Exerzieren abgchalten, bei dem die Kasernenhofblütcn so gut wie in der Garnison Triumphe seiern. Nach dem Mittagessen jäßt sich wieder Musik, diesmal ArtUlorienrusik, hören. Ob das Venuslicd aus demTannhäuser" gerade die geeignete Förderung für die Verdauung des Mittagessens ist, darüber läßt sich immer hin streiten, und cs bleibe dahingestellt, ob Wagner seinen Pilger chor als Begleitmusik für Soldaten geschrieben hat, die zum Nach- mlltagsdicnst ausrückcn. Sicher ist, daß die Mulik geeignet i,t, den Reiz der Ruhe iwch weserrtlich zu erhöhen, und man kann sogar jetzt .Puppchcn" ertragen. Sehr schnell schivindct der Tag, und

bei traulichem Lampen- oder Kerzenlicht falls man welches hat, denn an Beleuchtungsmatcrial herrscht großer Mangel

findet man sich um den runden Tisch zusammen. Man plaudert deutsch und französisch oder singt bei Kaffee, Tee, Schokolade oder auch Bier aus der Heimat die traulichen Lieder, an denen die Kin­der ihre Freude habcn^Noch mehr aber belustigt diese Onkel Au­gust, der Fresser und Söffer lsprich: Ogüst där Fressör mrd Sös- tör). Tagsüberverdrückt" dieser bei den einzelnen Mahlzeiten 2 bis HStiche" oderRotten" «'Portionen», während für de» Durchschnittssoidatcn eine ausrcicht. Dann aber schiebt er zwischen den fünf täglichen Mahlzeiten nochVcrbindungsrolten" ern, um einem Schwächcansall vorzubeugcn. Abends aber bläst er den Rauch seiner Zigarre in so schönen Ringen in die Luft und ver­dreht dabei die Augen, daß er eines ununterbrochenen Lachersol- ges bei der kleinen Gesellschaft sicher ist. Aehnlich geht es jeden Tag, bis plötzlich der Befehl komntt, der uns ivieder nach vorne bringt. Und so schwer es uns werden wird, unser jetziges gcmiit liches Heim mit all seinen Annehmlichkeiten gegen die Fährlich- keitcn des Krieges und die Unbilden der Witterung cinzutauschen: der Gedanke wird uns wohl alle beseelen, daß wir auch weiterhin unser redlich Teil dazu beitragen wollen, den Geg­ner, welcher es auch sei, schnell niedcrzuringen »nd unserem Bater- laude zu cineni günstigen und dauernden Frieden zu verheilen.

In diesem Sinne herzlichen Gruß für heute Euer S.

Das andere Schreiben lautet:

Eben habe ich Zeit und benutze gleich die Gelegenheit, Euch zu schreiben. Wir liegen nämlich am Waldrand zur Deckung für unsere Artillerie, die rechts und links feuert, und haben uns eti- was cingegraben. Gestern n>ar ein schlimmer Tag. Schon am Abend vorher wollten wir einen Angriff aus die Russen machen, die, loie wir meinten, de», Waldrand vor uns besetzt hatten. Bei Hel­lem Mondschein waren wir ausgeschwärmt: da brachten österreichi­sche Reiter die Meldung, daß der Wald frei sei. Nun ging unser 1. und 2. Bataillon vor, und wir sammelten uns und durften uns im Walde hinlegen. Glücklicherweise war auch unsereHungcr- abwehrkanone" so nennen wir die Feldküche, bald da und so gab's auch etwas zu essen. Tie Nacht verging uns natürlich wenig ge­mütlich. So in der Kälte liegen zu müssen, ist eine üble Sache. Deshalb ging es auch schon früh wieder weiter. Allem Aussehen nach sollte es wieder einen größeren Marsch geben. Doch schon nach einer halben Stunde bekamen wir mitten im Walde Jnfan- teriefeuer von halbrechts. Nun sofort Kompagnie weit auseinander­gehen und hinlegcn. Die beiden anderen Bataillone vor uns. Wir waren also Reserve, wurden aber mit Geschossen überschüttet, da die Russen meist zu hoch schießen. Lange Stunden lagen wir so in der Kälte, bis allmählich das Feuer verstummte. Die Russen zogen sich zurück. Nun vormittag hinterher über freies Feld. Ich bin bei der Patrouille, die auökuichschasten muß, ob das Ge­lände frei ist. Ueberall liegen Tornister und Gewehre herum. Tic Verwundeten werden verbunden. Tie russischen Gewehre werden alle von uns zerstört. Das nächste Tors ist frei und so warten wir auf unsere Kompagnie. Von rechts tönt das Geknatter der Ma­schinengewehre zu uns herüber, wahre Höllenmaschinen, links heu­tiges Infanterie- und Granatfeuer. Plötzlich bekommen wir über das Tors Schrapnells, und Jnfanteriegeschosse schlagen überall ein. Gedeckt gehen wir durch das Dorf dem Feinde entgegen. Nun heißt es Seitengewehr auspslanzen, dann ausschwärmcn und mit Hurra erst durch das Dickicht, dann durch Waid auf den Gegner los. Nachdem wir ungefähr zwei Kilometer gelaufen waren unter fort­währenden Hurrarufen, kamen wir an eine offene Stelle, und da konnte man die Russen laufen sehen. Nun noch einige Abschieds- salvcn. Unsere Aufgabe, den Wald zu säubern, hatten wir erfüllt. Das alles war so schnell geschehen, daß man gar nicht zur Be­sinnung gekommen war. Ten Eindruck, den mir das Kcunpffeld ge­macht hat, will ich Euch nicht beschrechen. Nachher sammelte sich das Bataillon, und wir rückten zusammen in dasselbe Dorf, durchs das wir gekommen waren, in die Quartiere. Aus der ganzen Kampf­front sollen 1500 Russen gefangen worden sein und vier Kanonen und sieben Maschinengewehre, erbeutet. Am Abend bekamen wir dann wieder einmal Brot, seit zwei Tagen zum ersten Male, und gutes Essen. Es ist wohl das erstemal, daß ich wirklich Hunger lechen mußte, aber wir haben ja trotzdem einen schönen Eüsolg davongetragen."

** Sieges st immun g im Stadttheater. Di­rektor Hermann Steingoctter sprach vor Beginn der gestrigen Vorstellung zur Würdigung des bedeutsamen Sieges in Polen und des Anteils der hessischen Regimenter daran folgenden von ihm selbst verfaßten Prolog:

Wenn heut im Land die Siegesfahnen flattern.

Ein froher Wind ans O st e n macht sie webn

Und naht der Ostwind sonst mit Schnee und Eis

Ter Wind von dorten glich wohl Lcnzessäuseln,

Auftauend löste er in Jubels Wärme Ter bangen Wochen cingcprcßt Gefühl:

Ter Sieg ist unser, laßt die Fahnen weh'n!"

R o t w c i ß laßt flattern in bewegten Lüften!!

Tenn aus Alldeutschlands tapfrer Hcldenschar Ward unsres Landes hochgemuten Söhnen Ter Siegespreis vor allen zuerkannt!

Dank sei den Hechen, Dank und ewiger Ruhm Und Nachruhm allen, die nicht wiederkehren!

Rot floß ihr Mul in schneeig weiß Gejild Tie .Landesfarbe grüße .ihre «Schallen:

Rotweiß laßt flattern in bewegten Lüften! Und gehn mir durch« die flaggenfrohen Straßen Heut dünket traulich uns ein jedes Haus,

Dem wir sonst eilig keinen Mick geschenkt;

Ein freudig Raunen webet durch die Stadt«

Selbst wer den Trauerflor am Arme trägt.

Schaut heute heller aus verweinten Augen,

Gesellen möchten wir uns jedem Leide Und jeder Freude fühlen loir verwandt Und ein Gedanke jedes Herz bewegt:

A l l d e u t s ch l a n d st e h l t, n d w i r d i m K a m p f b e st e h n!

Und eint des Reiches Banner alle Stämme

Zum heiligen Werk im Zeichen schwarz-weiß-rot,

Deut gilt noch sondrer Stolz und sondre Freude,

Daß Hessens Söhne Asien besiegt,

Drum denk ich, allen klingt es aus dem Herzen:

Rot weiß laßt flattern in bewegten Lüsten!!

Landkreis Gießen.

ä. Saasen, 18. Dez. Bis jetzt erhielten zwei Krieger aus unserer Gemeinde das Eiserne Kreuz, nämlich Heinrich Schmitt und Ludwig Hetterich.

Kreis Friedberg.

b. Bad-Rauheim, 18. Tez. Unsere Weltbadestadt trug bisher den ausländisckieu Badegästen in mehr alz nötiger Weist dadurch Rechnung, daß die Gasthäuser sich mit s r e »> d l ä » d i fch e » Bezeichnungen schmückten. Ter Krieg hat jetzt anch hier bessernd eingegriffen: denn o»f Anregung maßgebender Kreis- Habe» sieb die GaslhauSbesitzer bereit erklärt, Bezeichnungen wie Bellevue", «Princ oi Wales", .Hotel de l'Eurove" usw. vcr- schwinden zu lassen »nd an ihre Stelle gute deutsche Rainen zu setzen.

Starkenburg und Nheinhcsse».

X Tarmstadt, 18. Tez. Ein schweres ft lieg er- u» gl ü ck ereignete sich heute voriniltag aus dem Flugplatz der Fliegerstation bei Darmstadt. Rach 8 Uhr war der ftlugzeng- lührer Gruse mit dem Kriegsfreiwilligen Kohl aus Lampert- heim als Beobachter aufgeslicgcn. Bei der Landung siog der Apparat so beltig zur Erde, daß er beschädigt und der Beobachter Kohl getötet wurde. Gruse erlitt ziemlich bedenkliche Ver­letzungen. Ter in ärmlichen Verhältnisse» jebende Gärtnerei- besitzer I. W. A l h e u e r erschoß heute, nachdem er seine älteste, etiva II Jahre alte Tochter zu einer Besorgung weggeschickt Halle, seine Frau durch einen Schuß mit einer Jagdflinte in ben Kops, tötete seinen noch im Bett liegenden, etwa 4 Jahre alten Knabci, durch einen Schuß in die Herzgegend und richtete dnnii die tätliche Waffe ans sich selbst. Er wiirdc, als ,iach kurzer Zeit die Tochter von den, Aiisgang znrückkamnd die Türe ver- schlosseii jand, aus dem Bett liegend, cbensallS tot aulgesunden.

Hessen-Nassau.

X Hanau, 17. D^. In der Hauptsstzung der Hanauer Handelskammer wurde ein in den Einzelheiten vertrau­licher Bericht über die Einwirkungen des Krieges ans In­dustrie und Handel im Handelstämmcrbczsrk Hanau erstattet. Dieser Bericht zeigte, von der Edclmctattindustrie abgesehen, im ganzen ein verhältnismäßig rcchl günstiges Bild, nament- lich, stweit Beschäftigung sür direkten oder indirekten Hcercsbedars und Sendungen ins Feld in Betracht kommen, aber auch hin­sichtlich der Zahlungs- und Kredilverhaltnissc. Erneut konnte sesl- geltellt werden, daß die Vermeidung eines Moratoriums in Deutsch­land von unabsehbarem Vorteil für unser Wirtichaitsleben sich erwiesen hat. Diesen Standpunkt hat die Handelskammer Hanau von Kriegsbcginn an energisch vertreten. Hinsichtlich der Vergebung von Heercsliescrungen hat die Handelskammer verschiedenen Verbcsserungsvorschlägcn zugcstimmt mit der Maßgabe, daß der reguläre Groß- und Kleinhandel weiter entsprechend berücksichtigt werden und die Vergebung mancher Artikel planmäßiger als bis­her und besonders nicht mit übermäßig kurzen Lieferfristen ge­schehen möchte.

Mürtte.

Gleiten, 19. Tez. Marktbericht. Aul dem heutigen Wochemnarkie kostete: Butter das Pkund 1,101,20 Mk.: Hühner­eier 1 Stück 12!3 Pka., 2 Stück 00 Piq.: Enteneier 1 8t. 0 Big.

2 St. 00 Piq.: Gänseeier 1 Et. 0 0 Plq., 2 St. 00 Piq.: Käse

das Stück 78 Psg., Kälematte 2 Stück 30 Pfg.: Tauben das Paar 1,001,40 Mk., Hühner das Stück 1,00>2,50 Pik., Hahnen das Stück 1,00 2,50 Mk., Enten das Stück 2,503,00 Mk., Gänse das P!d. 8070 Pig.: Wellche45Mk.: Ochiensteisch bai-Hrb. 8696 Pig., Rindfleisch das Piund 9094 Psa., Kuhfleisch 8090 Psg., Schweine­fleisch das Pkund 8080 96 Pkg , Kalbfleisch daS P>d. 80-84 Pig., Hammelfleisch das Plnnd 7090 Pig.; Kartoffeln 100 Kilo

7.00 Mk., Weißkraut daS Stück 815 Pig.: Zwiebeln der Ztr

12.00 15,00 Alk.: Alilch das Liter 22 Pkg.: Aepstl der Zentner

1520 Mk.: Birne«, das Pkund 1215 Pfg^ Nüsse 100 Stück 4050 Pig. Marklzeit von 8 bis 2 Uhr.

StanScstinitsneichrsckiten.

Gießen.

Eheschließungen: Tez. 12. Adam Heinrich Ommert, Schreinermeister, mit Minna Karoline Lehrmnnd, beide in Gie­ßen. Jakob Heinrich Emit Haardt, Kaufmann, mit Anna Joseph« Herr, geb. Kuhnert, beide in Gießen. Ludwig Dudcn- höser, Bahnarbeiter, mit Luise Leib, beide in Gießen. Friedrich Fritzges, Schneider, mit Wilhelmine Seipp, beide in Gießen. 16. Georg Pfeil, Vizefeldwebcl, mit Elisabeth Fischer, beide in Gießen. Hermann Herbert Wilhelm Ludwig Lener, Leutnant in Schlettstadt, mll Hedwig Schwörcr in Gießen.

Geburten: Dez. 7. Dem Oberleutnant und Adjutanten Franz Louis Wilhelm Johann Procop von Holly und Ponientzietz ein Sohn, Eberhard Axel Heinrich Franz Procop. 8. Der Witwe des Schneiders Karl Johann Georg Daniel ein ehelicher Sohn, Wilhelm Karl Georg. 9. Dem Kaufmann F-rrcdrich Wilhelm ein Sohn, Otto Heinrich. 13. Dem Kutscher Heinrich Haussaner ein «Lohn, Wilhelm Erwin Heinrich.

Stcrbefälle: Tez. 14. Marie Margarete Möhl, geb. Siegstied, 92 Jahre alt, Westanlage 30. 15. Sophie Juck, Ober.n im lathol. Schwesternhaus, Ordensstau, 74 Jahre alt, Liebigstraße 24.

Im Felde gefallen: ?lug. 22. Leopold Oskar Felix von Normann, Hauptmann, 42 Jahre alt, Ostanlage 36, bet Anloy gefallen. Wilhelm Karl Ludwig Baller, Installateur, Gefreiter, 21 Jahre alt. Neuen Baue 2, bet Maissin gefallen. Olt. 21. Johannes Götz, Vizcfeldwebcl, 33 Jahre alt. Land- grof-Philipp-Platz 4. 31. Heinrich Ludwig Hemeck, Student, Kriegsfreiwilliger, 21 Jahre alt, Roonsllaße 32, bei le Quesnoy gefallen. Nov. 2. Karl Alexander Adolf Adrian Freiherr Schilling von Canstatt, Major, 47 Jahre alt, Stephanstr. 27«, bei le Ouesnon gefallen. 12. Joseph Maria August Schroeder, Major, 45 Jahre alt, Micestr. 13, bei Oosttavcrnc gefallen. Horst Schrocder, Leutnant, 20 Jahre alt, Alicestr. 13, bei Ka- pellerie gefallen.

Wetteraussschten in Hessen am Soiiutag, den 20. Tez. uil: Trüb und regnerisch, mild, Winde auS westlichen Richtimgen.

Letzte Nachrichten.

(WTB.) Großes Haiiptlsiiarticr, 19. Dez. vorm. (Amt-' lich.) Im Westen erfolgten gestern eine Reihe von scindlichci, Angriffen. Bei Niruport, Birschoolc und nördlich La Baffer wird noch gekämpft. Westlich Lens, östlich Albert und west­lich Noqon wurden die Angriffe abgeschlagen.

An der ostprcnßischen Grenze wurde ein russischer Kavallerie- Angriff westlich Pillkallcn znriickgcwicsen. In Polen wurde die Versolgiing fortgesetzt.

Oberste Heeresleitung.

Seltsame Kunde von dem englischen Dreadnought Andacious".

Mailand, 19. Dez. Nach einem Telegramm an den GenueserCaffaro" aus London wird der gesunken ge­glaubte englische DreadnoughtA u d a c i o u s" bald wieder auf der BUdsläche erscheinen. Das Schiff konnte angeblich durch Schließen der wasserdichten Schotten vor dem Untergang bewahrt und guf die Sandküste von Long Swillp gebracht werden. Dort habe man bei Ebbe vor­läufige Ausbesserungen vorgenommen und schließlich sei der Panzerlreuzcr bei Flut durch die ,Qlympic" der White Star Line ins Dock nach Belfast gebracht worden (Ter Ver­lust desAudacious" ist von der englischen Admiralität überhaupt nicht angezeigt worden: die Meldung deS iialie- nischen Blattes Ningt indessen sehr unwahrscheinlich. DieOlympic" hatte seinerzeit die Mannschasi desAuda­cious" an Bord genommen und diese erste Hilfeleistung wird der Grund für die neue stlachricht sein, daß derAu­dacious" im Schlepptau derOlympic" ins Dock gebracht worden ist.)

England sucht Freiwillige außerhalb.

K o n st a n t in o p c l, 19. Tez. Tic englische Regierung hat in Athen das Ersuchen gestellt, in Griechenland Freiwillige anwcrben zu dürstn. Tic hellenische Regierung hat daraus geant­wortet, das; die griechischen Staaisangchörigen bis zu 45 Jahren schon in Griechenland nach dem Gesetz Militärdienste tun müssen, so daß nur die über 45 Jahre alten Leute für die vng- lischc Anwerbung in Frage kämen. Die Engländer haben nunmebr in Kreta und Kephalonis zwei Anwcrbcstcllen sür griechische Frei­willige gefchassen. Tie englische Regierung hatte in Athen anch gebeten, eine Funkenspruchstation sür die Flotte aus Korfu betreiben zu dürfen, doch wurde dieses Ersuchen von Griechenland abgelehnt,

Bawn Korff.

Wien, 19. Tez. Russischen Meldungen zufolge soll durch Vermittlung der Vereinigten Staaten die Freilassung des in deutsche Gesangensckrast geratenen Gouverneurs von Warschau, Baron Korn, bei der deutschen Regierung an - gestrebt werden. Sic wird damit begründet, daß sich der Gou­verneur zur Zeit seiner Gefangennahme auf einer Organisatwns- reise sür das Rote Kreuz befand und sich auch eines Automobils des russischen Roten Kreuzes bediente.

Graf Henckel von Donnersmark.

Breslau, 18. Tez. (WTB. Nichiamllich.) TieSckstcszickie Volkszcitung" meldet: Lazarus Gras Henckel von Donncrs- m a r I ist >m Alter von 80 Jahren hier gestorben. Er «xu (kr letzte der noch lebenden Gründer der Zentrumssrakllon.