Ausgabe 
18.12.1914
 
Einzelbild herunterladen

Die StgTrantgStoriogc, betr den Entwurf /ines Gesetzes über die Aendrrung des Fi n an z ge setze ?J[ü r das Etats- jahr 1914 beantragt der Ausschuß, Berichterstatter Abg. Dr, Osann, unverändert anzunehmen. Wie der letztere nusführte, bandelt es sich hier nicht um neue Verwilligungen in Höbe von 98 Millionen Mark, sondern um Deckung her von den Landsländen bereits verwilligtcn Ausgaben in der gekannten Höhe. Dir Re­gierung empfiehlt diese Deckung nicht durch eine förmliche Staats­anleihe, sondern durch Ausgabe von Schatzanweisungen und Wech­seln. Bisher hatte die Regierung die Möglichkeit, Schatzaniveisun- gen nur in Höhe von 10 Millionen Mark anszugcben. Nunmehr wird in der Vorlage die Ermächtigung ersucht, auch sür die bereits beschlossenen Verwilligungen über 10 Millionen hinaus ebenfalls Schatzanweisungen und weiter Wechsel ausgeben zu dürfen.

Nachdem aus Antrag Dr. Sd)mitt die Dringlichkeit der Vor­lage beschlossen worden ist, wird sie ohne Debatte c i n st i m m r g dem Ausschußantrag gemäß genehmigt.

In der Regierungsvorlage, betr. die Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten des Hostheaters stellt die Regierung den Dtkrag, der Großh. Kabinetts- und^Hos- hifsc Mr Dockung des aus hem -Betrieb des Hostheatcrs rn der Spiel­zeit 1914/15 zu erwartenden Fehlbetrags aus der Staatskasse einen einmaligen Zuschuß von 50 000 Mark, sowie ein Darlehen von weiteren 50 000 Mark, verzinslich zu 3Vr Prozent, und rück­zahlbar längstens innerhalb 18 Jahren, zu gewähren. Der Alts- scharst, Berichterstatter Tr. Osann, beantragt einstimmig, die Anforderung der Regierung zu bewilligen und das Haus beschließt ohne Debatte demgemäß, lieber den Gesetzentwurf, betr. die Gewährung von Dar­lehen an Gemeinden nud Gemeindcverbände und die Vorlage, betr. die Bereitstellung von Mitteln zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, hat Abg. Dr. Osann schriftlich Bericht erstatt« und die Annahme beider Ge- setzenttvürfe beantragt. In crsterem Gesetzentwurf wird der Regie­rung bekanntlich ein Kredit bis zn 8 Millionen Mark ringeräumt und im zweiten Entwurf die Vornahme einer Anzahl Neubauten usw. genehmigt, d«en Kosten aus 1 127 000 Mk. berechnet sind.

Die Kammer stiunnte auch diesen Gesetzcirtwürsen nach den Ausschußanträgen cinstimirrig und ohne Debatte zu.

Damit ist die Tagesordnung erledigt und d« Präsident schließt die Sitzung um 12V- Uhr.

Zur Erledigung der beiden in der Sitzung zitrückgestellten Gesetzentwürfe wird eine neue Sitzung heute nachmittag 3i/r Uhr anberaumt. ^

Nachmittags sitzung.

Die Nachmittagssitzung wurde um 3V« Uhr vom Präsidenten Köhler «össn«. Er teilte zunächst das soeben eingelauscne Telegramm der Obersten Heeresleitung mit, worin es heißt:Die von den Russen angckündigte Offensive gegen Schlesien und Polen ist völlig zusammcngebrochen", und worin zrmr Schluß gesagt wird, daß bei den letzten Kümpfen in Nordvolen die Taps«keit west- Vrcußisck.« und hessischer Rcgim«ck« die Entscheidung brachte. <Das Haus hatte sich erhoben und brach in lebhaften Beifall aus.) Präsident: M. M.! Wem drängt sich hierbei nicht in Begeist«ung rin Name auf den Mund: Hindenburg. (Bravo!) Lassen Sie uns dieses großen Führers in uns«« Versammlung gedenken und rufen: Er und die tapferen Truppen, die diese große Tat im Osten vollbracht haben, insonderheit aber uns«e wackeren Hessen, sie leben hoch, hoch, hoch! Das Haus stimmte begeist«t in dieses Hoch ein.

Zur Beratung kam dann die Regierungsvorlage, betr. die Berufungen und Wahlen zum 37. Landtag. Zuerst werden die ein­zelnen Artikel und dann die Vorlage im ganzen einstimmig angenommen. Ein hierzu gestellt« Untertmtxag des Abg. Dr. Fulda wurde abgelehut.

Die Regierungsvorlage, b«r. ein vereinfachtes Ent- eignungsversahren zur Beschauung von Arbeftsgelcaen- beit und zur Beschäftigung von Kriegsgefangenen, wird ebenfalls ohne Aussprache einstimmig angenommen.

Im Anschluß an die Beratungen nahm Staatsminist« Dr. v. Ewald das Wort und brachte dem Hause folgendes Danktelcgramm des Krosthrrzogs

zur Kenntnis:

Staatsminist« v. Ewald, Darmstadt!

Wollen Sie beiden Kammern der Stände meinen aufrichtigen Dank für die an mich gerichteten Worte zum Ausdruck bringen. Möge d« wahrhaft patriotische Entschluß, die gewaltige Entfal­tung einmütig« deutscher Krait mit jedem Opf« bis zum end­gültigen Sioge fördern und unterstützen zu wollen, von Gottes Segen zu Deutschlands unantastbar« Größe gekrönt werden. Möge cs unser« gemeinsamen Arb«t gelingen, meinem Hessenland sür alles Gut und Blut, welches es freudig und opferwillig sür das große W«k eingesetzt hat, n«ie Kraft und frisches Leben entfalten, zu Helsen: Das ist der Wunsch, den ich aus tiefstem Herzen meinem geliebten Volk in schwerer, großer Zeit darbringe.

Ernst Ludwig."

Nach dem lebhaften Beifall, der dieser V«lesung folgte, sprach d« Staatsnrinister namens d« Grossst Regierung dem Hause für die Einmütigkeit, mit der das Haus den Vorlagen seine Zustim­mung gegeben bat. Dank aus. Die Regierung werde damit in den Stand gesetzt, allen Eventualitäten und wirtschaftlichen Stockungen wirksam zu begegnen, die der Krieg mit sich bringt. Bor allem be­grüßt es die Regierung dankbar, daß durch Hinausschiebung der Landkagswuhlen nicht der innere Friede gestört, sondern die volle Einmütigkeit un Lande erhalten worden ist. (Lebh. Beifall.)

Dann hielt zum Schluß der Sitzung Präsident Kühler folgende Rede: Meine hock verehrten H«ren. ich glaube in Ihrer aller Namen Sein« Exzellenz dem Herrn Staatsminister für die freundlichen Worte der Anerkennung, die er uns«« Arbeit soeben gezollt hat, den Dank aussprcchen zu dürfen. Aus einen besonderen Dank aber können die nicht rechnen, die die Ueb«zeugung haben, daß. sie mir ihre «Schuldigkeit getan haben. (Bravo!) W«rn die Auf­forderung an die Hessen ergeht, Treue zu halten, so haben sie noch niemals versagt, und auch in dies« ernsten Zeft werden wir durch die Haltung der Volksv«tretung zu deutlichem Ausdruck bringen, daß wir Hessen uns durch uns«e d«itschen Brüder nicht in der Treue übertreffen lassen wollen. (Lebhaft« Beifall.) Möge cs Gott gefallen, daß uns«« Wehr zu den großen Taten, denen wir an dem heutigen Tage Freude eine neue zugrfügt sahen, die sich würdig anschlicßt dem grwalffgen Anprall unser« Flotte vor wenigen Tagen an die Küste von England, wettere Erfolge erblühen, (Lebhaft« ®eifaTL) An die aber, die daheim geblieben sind, möchte ich von hier aus eine ernste Mahnung richten. Möchten sich alle, die nicht draußen vor dem Feinde stehen, von allen Klcinheften und Kleinlichkeiten des täglichen Lebens srrnhalten, möchten sie in dies« gewaltigen Zeit stets groß blechen, und möchten sie auch in d« schw«en Lage des Vaterlaiches allzeit opferbereit bleiben, wie sie es seither gewesen such! Tann d« Opfer, dre von dem deutschen Vat«lande gefordert werden, w«den noch vielerlei sein. Von dem Verhalten der Daheimgcblicbenen hängt aber zum guten Teil d« endliche Erfolg auch Mit ab. Das möge sich jeder sagen und nröge jeder in seinem Kreise wirken, daß das ganze Volk stets würdig der« sei, die da draußen vor dem Feinde fechten. (Bravo!) Wir als die Vcrtret« des Volkes wollen stets bereit sein, soviel es an uns liegt und soweit es in unser« Macht steht, mitzuhelfen, mftzuraten und mitzutaten, um in dies« schweren Zeit das Richtige vorzub«citen und durchzusühren dafür, daß unsere Volkswirtschaft in allen Teilen diese schw«e Zeft übcrstehen kann und nicht Not lech«. Meine Herren, wenn wir jetzt auseinandcr- gehen nach uns«« Arbeit, so wollen wir das tun mit dem Rufe: Deutschland, uns« Vaterland, unsere Heimat, für das wir kämpfen, für das wir siegen wollen, für das wir aber auch, wenn es Not tut, leiden und st«bcn wollen, es lebe hoch! hoch! hoch:

Die Versammlung stimmt in den dreimaligen Hochruf ein. (Allseftiges lebhaftes Bravo.)

Damft fand die Kriegstagmrg ihren Wschlnß.

LingesanSt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Lumdamühlcn und Mahllohn.

In Erwid«nng aus das Eingesandt in Nr. 289 deSGieß. Anzeigers" sei auch einem Müller das Wort erlaubt. Vor längeren Jahren las ich einmal in ein« alten Chronik von einer Dorsmühle die solgenden Verse:

2« Müller arbeitft Tag und Nacht und ivird von jedem Bauer veracht!

Und sitzt der Bauer bei Bier und Wein, ' der Müller sein Gespött muß sein.

Jedoch der Bürger und Bauersmann den Müller nicht entbehren kann.

Man sieht, war war auch in früheren Zeiten nicht immer mit dem Müller zufrieden.

Zur Sache selbst sei folgendes bemerkt: T« bare M a h l - lohn wurde einige Tage nach Kriegsausbruch aufgehoben. Es sollte alles Mahlgut gemöllert werden. Dieses beruht aus der einfachen Erivügung, daß der Aiüller durch diesen Möller in der Lage ist, den mehlkausenden Leuten, welche wenig od« überhaupt kein Getreide ziehen können, Mehl zu verschaffen, denn viele Mchlhänül« und sogar manche Konsumvereine bieten kein Mehl mehr zum V«kauf an. Ta die Mül!« im Interesse der Nebcnmciischcn, welche ihr Brot kaufen müssen, gehandelt zu haben glauben, sollte man diesen Beschluß der Mütter 'nicht als Mißstand bezeichnen. Die vom Einsender angestelltc Berechnung des Möllers mit 4,36 Mark, ist nicht stichhaltig. Jeder richtig kalkuli«cnde Müller rechnet heute durch die intensivere Putzern des Mahlguts, für Verstäubung und Abfall, dn, er nicht wieder ««wenden kann. 5 Prozent V«lust. Mithin verblechen dem Müller bei 15 Prozent Molt« noch 10 ProzeM gleich 10 Pfund Mehl zu 1,70 Mark und 10 Pfund Kleie zu 80 Psg. g«echnet, zusammen 2,50 Mark von 100 Kilo. Dieses wäre ein angemessener Mahllohn bei normalen Zeiten. Der Müller erzielt durch das Maltern heute 50 Psg. mehr als bei Barzahlung mft 2 Mark. Dahingegen muß n auch heute für viel höherell u kosten in seinem Betrieb aufkommen. Ein Appell an die R c g i e r u n g von seiten der Land­wirte um Regulierung deS Mahllohns wäre den Müllern sehr er­wünscht, denn dadurch würden sich« bessere Verhältnisse auch zu­gunsten der Müller Antritten. Was die Genossenschafts- Müllerei anbetrifft, so möchte ich anraten, sich an den Lunida- müllerv«cin zu wenden, denn hier sind einige Müller bereit, ihr« Mühlen zu verkaufen. Hi« könnte die (Genossenschaft als­bald auf eigene Rechnung arbeiten. Sollte ein solches Unternehmen zur Ausführung kommen, so wünsche ich demselben einGlück zu!"

Ein Müller.

Märkte. ff

di. Bingen, 16. Tez. Marktpreis«. Weizen Mk. 00,«v, Korn Mk. 23,60, Gerste Mk. 24,00, Hafer Mk. 22,00, Heu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 6 , 00 , Erbsen Mk. 00,00, Linien Mk. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Alk. 40,00, Roqgenmebl Alk. 85,00; alles sür 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Alk. 2,9C, Milch- 1 Liter 23 Mg., Eier Stück Mk. 1,60.

Ic Wiesbaden, 17. Tez. Heu - und Stroh markt. Angeiahren waren 19 Wagen mit Heu und Stroh. Man noti«>e: He» 3,80 4,30 Mk., Stroh (Richtstrob) 2,703,10 Mk., Krumm­stroh 2,002,70 Pik. Fruchtmark!. Haser 11,60-11,80 Alk,, Alles je 60 Kilo.

Verantwortlich fürFeuilleton",G«ichtssaa1" u.Vermischtes"!

I. V.: A u g u st G o e tz. i

10 000 Tafeln Schokolade sowie einen namhafte« Geldbetrag hat als Weihnachtsgabe die Hohenlohcsche Nährmittel- sabrik A.-G. zu Gerabronn in Württemberg, Kassel und B«lin für uns«e tapferen Krieger im Felde gespend«. Zum Nachbandeln empfohlen! 18 /uss.

Trotz kolossaler Preissteigerung

sämtlicher Schuhwaren findet der Verkauf meiner enorm großen Lager, solange Vorrat reicht, zu den altbekannt billigen Preisen ohne Aufschlag statt.

wenn Sie Ihren Be­darf sofort decken!

Umtausch nach dem Feste gestattet » Günstige Gelegenheit für Wiederverkäufer

Frankfurter Schuhlager

Giessen

Mäusburg 12 Tel. 2010