Ausgabe 
18.12.1914
 
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Der Eindruck der Siegesnachricht in Berlin.

Berlin, 18. Dez. Unter der llederschriftDir Sieges­feier in Berlin" schreibt dieVossische Zeitung":

Hätten unsere lieben Feinde doch diese Stunden des gestrigen Tages in Berlin erlebt! Wir haben eben eine besondere Art, unsere Freude auSzudrücken, kein Geschrei, lein Getaumcl, keine hochtrabenden Reden von improvisierten Kanzeln, nur ein halb« Lächeln.Unter den Linden" war es infolge des Dezemberregens säst leer und in der Friedrichstraße sah man vormittags nur flüchtig Passanten auf eiligen Gcschästswcgcn. Da verbreitete sich die Siegesnachricht auf mysteriöse Weise. Plötzlich war die Menge da, im Nu bildeten sich ganze Knäuel von Menschen. Kurz vor >/»2 Uhr wagten sich die ersten Fahnen aus den Fenstern und immer schärfer dob sich das Schwarz, das Weiß und das Rot aus dem wieselnden Grau hervor.

In ihrem Leitartikel sagt dieVossische Zeitung": Ist auch die russische Offensive völlig zusammengcbrochen, so ist das doch noch nicht das Ende. Der Ausspruch Napoleons ,Im Kriege ist, so lange twch etwas zu tun bleibt, noch nichts getan," ist richtig verstanden, ein treffender Grundsatz für einen Feldherren wie Hindenborg. Er wird nach diesen Worten handeln, davon ist alle Welt überzeugt. Unsere Feinde werden genötigt werden, dem Wahn oder deni Gaukelspiel zu entsagen, ajls ob die Russen unaufhaltsam nach Berlin marschierten und des Deutschen Reiches Untergang besie- gell sei.

Im vorwärts" wird der irrigen und verwirrenden An­schauung gegenübergetreten, als ob dieser Krieg mit wenigen Schlägen beendet sein könne. Die Entscheidung bleibt abhängig von dem Endergebnis. Dann sagt das Blatt: Auch solltat wir meinen, daß der jetzige Zusammenbruch der mit so gewaltigen Streitkrästen eingesetzten russischen Offensive gegen das deutsche Gebiet schon ein Erfolg ist, der sich sehen lassen kann.

Der Eindruck in London.

Berlin, 18. Dez. Ans Kopenhagen wird demBer­liner Lokalanzeiger" telegraphiert: Der Eindruck, den die Beschießung der englischen Küste in ganz England gemacht hat, ist kaum wiederzugeben. Mcht nur in den beschossenen Städten ist der Schreck und die Ueberraschung ungeheuer, sondern auch die Londoner Bevölkerung ist aufs höchste er­regt. Das Ge spen st des deu t sch« n Ein falle s macht heute die Engländer mehr erzittern denn je. Es herrsche Mißtrauen gegen die englische Motte, zumal man erst ge­hofft hatte, daß es den englischen Kriegsschiffen gelungen sei, den deutschen Kreuzern den Rückzug abzuschneiden, was sich jedoch später als trügerisch erwies. Die deutschen Kreu­zer schossen mit großer Treffsicherheit. Die Geschütze der Festungen waren vollkommen machtlos.

Eine Stimme aus Schweden.

Berlin, 18. Dez. Der Marinemitardeiter eines Stockholmer Blattes schreibt: Noch einmal haben die Engländer d e n t s che «Unternehmungsgeist und deutsche Angriffslust fühlen müssen. Deutsche Kriegsfahrzeuge sind zu einer Aktion gegen englische Häfen geschritten, unbekümmert um die englische Herrschaft zur See. Es scheint, als ob dieser Vorstoß bezweckte, einen Teil der englis chenFlotteausihren Verstecke n he r- auszulockcn. Beschließt nun die englische Admiralität, den deutschen Vorstoß mit Kraft zu beantworten, dann imlß sie starke Kräfte vorschicken, allerdings mit dem Risiko, den Unterseebooten uno Minen reiche Beute zu geben. WM sie sich aber relativ abwartend verhalten, damit einer ängstlichen Volksmenge trotzend, daß die Deutschen auf dem cingeschlagenen Wege fortfahre,,, ein Zustand, der im höch­sten Grade den englischen Stolz beugen mutz. Die aller­nächste Zukunft wird Klarheit darüber geben.

Reue Kämpfe bei Upern.

Berlin, 18. Dez. Ueber neue Kämpfe bei Dpern wird aus Sluis gemeldet: Die Deutschen suchen die Trup­penzufuhr nach Dpern dadurch zu erschweren, daß sie die Station vor Apern vernichteten. Auf der ganzen Linie wird hartnäckig gekämpft, namentlich bei Langemarck, Passchendaele, dem Gehölz von Sonnebeck und der Front von Zillcbeeke und Hollebeeke, also nördlich und südlich Ppern. Die Stadt selbst wird auf das heftigste beschossen. Die Truppenbewegungen nach der Front dauern an. An der Wiederherstellung der Wege wird mmnterbrochen ge­arbeitet.

Der amtliche französische Bericht.

Paris, 17. Dez. (WTB. Mcht amtlich) Amtlich wird gemeldet: Man meldet einen leichten Fortschritt bis an die Nordsee ösllich Nieuport, südöstlich Dpern und längs der Eisenbahnlinie in der Richtung La B-assöe. Kein Zwischen­fall auf der übrigen Front.

Die französischen Abgeordneten im Felde.

Paris, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich) Die Zahl der unter den Waffen stehenden Deputierten beträgt 190. Sie wurden benachrichtigt, daß sie in der Kanüner- sitzung nur Zivilkleidnng ttagen dürfen.

Finanzielle und wirtschaftliche Maßnahmen Frankreichs.

Paris, 17.Dez. Die von den Kammern für das erste Halbjahr geforderten Kredite betragen 8 525 264 407 Fran­ken, was einer Mehrausgabe von 5 929 442 885 Franken gegenüber den, gleichen Zeittaum des Borjahres entspricht. Die Mehrausgaben umfassen 5 428 602 304 Franken für Kriegsausgaben. Der Regicrungsentwurf verschiebt die Einführung der Einkommensteuer auf das Jahr 1916. Befreit von der Erbschaftssteuer iverden die Erben in direkter Linie und die Gatten aller Militärpev- sonen, die vor dem Feind gefallen sind oder während des Krieges und des darauf folgenden Jahres an den erlittenen Verletzungen oder Krankheiten versterben, die sie sich wäh-, rend des Mllitärdienstes zugezogcn haben. Diese Maßnahme findet auch auf Milidärpersonen der verbündeten Armeen Anwendung. Frist den Wiederaufbau der infolge des Krieges zerstörten (stebäude und zur Unterstützung der durch den Krieg Geschädigten ist ein Kredit von 300 Millionen vor­gesehen. Der EntUturf erhöht den Höchstbetrag für die Aus­gabe von Schotzschetuen während des ersten Halbjahres 1515 auf zwei Milliarden.

P a r i s, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Minister­rat hat beschlossen, von den Kammern eine Kreditgewäh­rung zu verlangen, um die Bevölkerung der besetz­ten Gebiete zu unterstützen. Präsident Pvincarß Unterzeichnete ein Dekret, durch das das Moratorium für alle unter den Waffen befindlichen französffckien Bürger und die Bewohner der besetzten Gebart« in Kraft bleibt. Für alle an­deren Personen kann die Fälligkeit der Zahlnngsvcrpflichtim- gen durch Entscheidung des Vorsitzenden der 'Zivilgerichte! in kostenlosem einfachen Rechtsversahren ausgesprochen iver­den. Die Vorsitzenden der augerufenen Gerichtsinstanzen können auf Autrag dem Gläubiger die Beitreibung fälliger Forderungen gestatten. Durch den Erlaß werden alle sowohl vor als nach Kriegsausbruch eingeleitetrn Verfahren berührt.

Die Grabstätten der Gefallenen.

Brüssel, 17. Dez. (WTB. Richtmatlich.) Die Prä­sidenten der Zivilverwaltungen der belgischen Provinzen wurden vom Berwaltungschef des Generalgouverneurs an­gewiesen, für die Erhaltung und Pflege der Grab­stätten der Gefallenen Sorge zu tra^u. Die Grä­ber sind zu bezeichnen, bezw. sind die vorhandenen Bezeich­nungen wetterfest zu machen und durch Eintragung in ge- meiudeweise anzufertigende Karten festzulegen. Den Ge­meinden wird ferner aufgegeben, ein Verzeichnis zu führen. Ihre Vorstände wurden für die Erhaltung der Krieger­gräber verantwortlich gemacht.

Fluchtversuch französischer Offiziere.

München, 17. Dez, (WTB. Nichtamtlich) Wie aus Füssen im Mgän gemeldet wird, wurden fünf aus dem Gefangenenlager in Ingolstadt entflohene französische Offiziere, weiche Ztvilkleidung trugen, bei dem Ver­such, die österreichische Grenze zu erreichen, festgenvm- men und wieder in Füssen eingeliefert.

Die englischen Berluste.

London, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Presse­bureau teilt mit, daß das englische Expeditions­korps bis zum 14. Dezember 3871 Offiziere ver­loren hat, nämlich 1133 Tote, 2225 Verwundete und 513 Vermißte oder Gefangene. Bis zum 11. November hatte der Verlust 2420 Offiziere betragen. Die Verlustliste enthält 15 Generale, 108 Oberste, 322 Majore, 1123 Hauptleute und 2303 Leutnants.

Die österreichische Kriegsanleihe.

Wien, 17. Dez. (WTB. Nichtamtl.) Die bei den Post­sparkassen bisher verrechneten Zeichnungen auf die Kriegs-^ auleihc belaufen sich auf 2135 Millionen Kronen. Von diesen sind 400 Millionen voll eingezahlt. Die erste am 4. Dezember fällige 30 proz. Ratenzahlung beläuft sich auf 471 Millionen Kronen.

Errichtung einer türkischen Moschee in Budapest.

Budapest, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Ge­meinderat bewMigte unter lebhaften Sympathiekund- gebun^n die Kosten für die Errichtung einer türki­schen Moschee mit Rücksicht darauf, daß sich in Buda­pest zweitausend Mohammedaner ständig auftzalten. In der Sitzung wirrt)«« 10000 Kronen für den Roten Halb­mond gewidmet. Das ungarische Rote Kreuz spendete für den Roten Halbmond 25 000 Kronen.

Ausfuhrverbot Schwedens.

Stockholm, 17.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Re­gierung hat ein Ausfuhrverbot für Kartoffelmehl, Graphid- mafse, Tiegeleisen, Manganeisen, bearbeitetes Blei, Platten, Röhrenteile, Draht und Stangen aus Blei erlassen.

Eine russische Kriegsanleihe.

Basel, 17. Dez. (WTW. Nichtanttlich.) Rach einer Lon­doner Meldung verhandelt Rußland mtt Londoner Banken wegen der Emission von vierzig Millionen Pfund russischer Kriegsanleihe in England.

Das schweizerische Bundespräfidium.

Bern, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die vereinigte Bundesversammlung wählte zum Bundespräsideuten für 1915 Giuseppo Motto (1871 im Kanton Tessin geboren, katholisch-konservativ, Mitglied des Bundesrats seit 1911, Vorsteher des Finanz-Zolldepartements), zum Vizepräsiden­ten des Buudesrats Eanrille Decoppet (1862 im Kauton Waad geboren, freisinnig, Mitglied des Bundesrats seit 1912, Vorsteher des Militärdepartements-). Die Bundesver- .sanrmlnng bestätigte auch die fünf übrigen Bundesräte Mül­ler, Forrer, Hoffmaun, Schnltheß und Ealonder für die neue dreijährige Züntsdancr.

Erörterungen nn italienischen Senat.

Rom, 17. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Senat erör­terte die Interpellationen über den Zwischenfall von Hö­bet da. Marrgidano erklärte, Jtsllen habe ein Recht darauf, zu verlangen, daß seine Flagge nicht ungestraft beleidigt werde. Der Redner sprach der Regierung volles Vertrauen ans und sagte, er sei sicher, daß sic es verstehen werde, das Ansehen der Flagge bochzuhalteu. (Beifall.) M o r r a erklärte, daß Worte wenig wett seien, imd daß man, falls es notwendig sei, handeln müsse. Mit den langen Ansflüchten, wie sie die Türkei zu machen gewohnt sei, müsse aufgeräumt werden. Er erinnere an das Wort Viktor Ema- tntel II.: Italien müsse nicht nur geachttt, sondern auch ge­fürchtet werden (Beifall). Earafa sagt«, daß es sich um einen im türkischen Reiche gewöhnlichen Zwischenfall handle.

In Beantwortung der Interpellation erklärte der Minister des Aeußerm S v n n i n o , er habe nach seinen in der Kammer ge­machten Mittrilnugen nichts weites mjtznttthen Zwischen dem italienischen Botschafter und der türkischen Regierung dauerten lebhafte Besprechungen fort. Die italienischen Forderungen be­träfen Freigabe des englischen Konsuls sowie Bestrafung der­jenigen, die an den gegen das itatzeirische Kvnslllat in Hodeida begarrgenen Ausschreitungen schuldig seien. Der Verkehr zwischen Avnstmrtinovel und Soitrtbo sei schwierig, da dir einzige tele­graphische Verbindung Aber das englische Kabel in Perim gehe. Infolgedessen habe sich IwLen bereit erklärt, dem Gouverneur von Bemen die Mitteilungen der Pforte zu übermitteln. Die türkische Regierung sei auf diesen Gedanken «umgangen und habe Italien 2 Depeschen zur Abseiüucng an den Gouverneur von Beinen über­geben, in denen er Anweisung erbäll, unverzügkich den engl. Konsul an das italienische Konsulat mtt-zu liefern und ferner einen Bericht über den Zwischenfall zu senden und die Urheber eventuell des Amtes z» entsetzen und dem Gericht zu übergeben. Jrgwischen habe man die Schritte auch in Hodeida unter Vermittlung des Konsuls Geschi und des Befehlshabers des SchiffesGiuliana" fortgesetzt. Italien habe erreicht, daß der verwundete italienische Kawaß ansgeliefert wurde. Stmmnv fuhr fort: Mit einem Wort, wir können annehmen, daß angesichts der von der türkischen Regierung gezeigten g-rten Achsichten der bedauerlich« Zwischenfall von Hodeida nun­mehr eine zufriedenstellende Lösung cntgegen- geführt wird. lLebhastrr Beisall.) Inzwischen freue ich mich, initteilen zu können, daß in diesen Tagen eine andere Frage, die sich drohend in ©tunen erhob, gelöst worden ist. Nach Nachrichten aus Beirut vom 12. Dez. war unser Konsulanttlich benachrichtigt morden, daß anfBesehl des Armoeführcrs in Syrien die Frenidenansnahmslos mit Einschluß der Konsulin der neutralen Senaten nicht mehr ins Ausland abreisen dursten und daß auch die Absackung der Post noch Europa suspendiert worden war. Ich ließ nach Kvn- swntinopel telegraphieren Und ans den ernsten Charakter dieser Nachrichten Hinweisen mit der Instruktion an unsere Botschast, sofort gegen di- unzulässige Lage, die so in Syrien geschaffen worden war, Widerspruch zu erheben imd die schleunige Wieder­herstellung des normalen Znstmides zu verlangen. Gestern ist die Antwort angelangt, daß die osmanische Regierung bereits die getroffenen Maßmahnren aufgehoben hat. Infolgedessen köirnen unsere Mitbürger ohne Behinderung abreisen, wenn sie es wün­schen. Die italienischen Dampfer werdet, in gewohnter Weise dem.Handelsverkehr obliegen können. Auch ivegen der Postver- bindungcn haben wir Zusicherungen erhalten. Mir scheint, daß diese Nachrichten geeignet find, alle Besorgnisse zn zerstreuen. Die vsnranische Regierung hat alles, was sie bis

zn diesem Augenblick kun kounk«, getan. Das

Ministettum hat das volle Bewußtsein seiner Verantwortlich­keit. Ter Senat kann sicher sein, daß es seine Pflicht erfüllens wird, (Allgemeiner Beisall.) Damit schloß die Besprcchlung.

Aus dem Reiche.

Bundesratsbeschlüsse.

B erli n , 17. Dez. (W. B. Amtlich.) Der Bundesrat ge- ftaltete heute durch eine Verordnung das Zwangsverfahren zur Uebernahme von Gegen st ändert, für die Höchst-

vreise festgesetzt sind, wesentlich wirksamer. Das Zwangsver­fahren wird von der zuständigen Behörde dadurch cingeleüet, daß sie an den Besitzer eine Aufforderung erläßt, in der der Antrag-, steiler und die Umstände bezeichnet werden, unter denen er die Gegenstände übernehmen will. Kommt eine Verständigung nicht zustande, so ordnet die Behörde nach Prüfung ttwaiger Einwen­dungen die Ueberlassung der Gegenstände an. Damit der Besitzer nicht die Möglichkeit hat, über die Gegenstände in der Zwischenzeit anderweitig zu verfügen, kommt die Aufforderung der Behörde in ihrer Wirkung eitrcr Beschlagnahme gleich. Rechtsgeschäft­liche Verfügungen über die beschlagnahmten Gegenstände, sowie Ber- sügungen, die im Wege der Zwangsvollstreckung oder Arrestvoll- zichung erfolgen, sind nichtig. Entziehung aus der Verstrickung wird tinter Strafe gestellt. Auch gemeinnützige Organisationen er­halten das Recht, derartige Aufforderungen zu erlassen, die auf die Tauer einer Woche dieselbe Wirkung haben, wie die behördliche Aufforderung, zu weiterer Geltung aber der Bestätigung durch die Behörde bedürfen. Wem die Anordnung zugegangen ist, der ist verpflichtet, dir Gegenstände, deren Enteignung ausgesprochen wor­den ist, bis zum Ablauf der behördlich festzusetzenden Fttst zu verwahren. Für dir Verwahrung kann ihm eine Vergütung gewährt werden. Weiter ist in der Verordnung noch das Zwangsvere fahren für ungedroschenes Getreide geregelt.

In der heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur An­nahme: die Aendcrung des Gesetzes, bctr. Höchstpreise vom 4. August 1914 usw., die Vorlage, betr. Aenderung der Gebühren­ordnung für die Untersuchung iws in das Zollinland gehenden Fleisches, der'.Entwurf zu den Bestimmungen über die Ver­wendung der Reichsmittel, die für die von den Gemeinden ttn- gcrichtele Kriegswohlsahrtspflegc bertttgestellt sind, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Vertretung von Genossar in der Generalversammlung der Erwerbs- und Wirt-- schafts-Genossenschaft, der Entwurf einerBekanntmachmrgz bctr. Fristen für Wechsel und Scheckkrcdü für Elsaß-Lothrin­gen, Ostpreußen usw,

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Berlin, 17. Dez. (SB, B. Nachtamllich.) Heute mittag wurde'

in der Kuppelhalle des Reichstagsgebäudes die Ausstellung für Verwundeten- und Krankensürsorge im Ktteg« in Gegenwart der Prinzessin Este! Friedrich seierlich eröffnet.

Aus Stadt «nd Canft.

Gießen, 18. Dezember ISIS. Die Ausnutzung der Feldpost.

Di« Feldpost wehrt sich. Sicher nicht ohne Grund und: siieschick. Man lese: Für das, was der Feldpost zugemutet wird, einige schlagende Beispiel«: Den Rekord eines jungen: Mädchens aus Höchst a. Main mit 184 Briefen, die übteigens alle! ankamen, schlug bald eure andere Braut, die binnen Monats fttst 250 Feldpostbriefe uiü> Päckchen an ihren Bräutigam absandte. Und diese Leistung ist nun wiederum durch eine neue Mittttkinp. in den Schatten gestellt. Es sind nämlich Fälle bekannt geworden, daß etn einzelner Soldat an einem Ruheüige bis 160 Pvstbrtten nach Hause geschrieben hat.

Hier beginnt ttn direkter Mißbrauch der Feldpost,und hier ist eine der hauptsächlichsten Quellen für die Ueberbttastnng zu suchen, unter der Feldpost wie Truppentttle direkt geschLnM' werden zum Nachteil der Beförderung der übttgen Korrespondenz.

Hier ist der Punkt, wo ttne nntetttützende Tätigkeit des Publi­kums ttnsetzen sollt«. Es kann außerordentlich viel in dieser Richtung tun. Ein jeder kamt gegen die unüberlegte Bielschreiberei, oder vielmehr Biclsenderei auftrcten. Wozu jebat Tag Karten oder Päckchen senden, da doch die Wahttcheinlichkeit vorliegt, daß der Adreffat nicht jeden Tag errttchbar oder auch nur in der Lage ist, einen Brief zu lesen. Besser alle drtt bis vier Tage funü länger schrttben. Niemals dulden, daß innerhalb einer Familie nicht alles in einen llwschlag kommt. Es ist durchaus falsch, lieber viele Sen­dungen zu schicken, damit wenigstens ttnige ankommen. In der ersten Kttegszttt habat viele Bttefe sittlich bis 4 Wochen gebraucht. Das lag an mllüättschen Verhältnissen, TrtippenLewegungen usw. Jetzt ist aber sttt ttner ganzen Reihe von Wochen, von Polen noch abgesehen, die Beförderung geregelt, wie es nur mög­lich ist. Man übettcge sich anch, daß man nur Nötiges senden sollte, man denke an di- Bedürsitisse, an die Fvrtschaffunysmögllch-> kttten des Soldaten. Ein Kanonier erhielt z. B. einen Schlafanzug.

Nun zu den Beschwerden! Zunächst dasNicht An-l kommen" der Sendungen. Wenn ttn Soldat den Empfang nicht: prompt meldtt, nimmt man nur zu häusig an, es stt nicht stnge»-> kommen. Da beschwert sich der Vater eines Fahnensimkers gleni» zwttmal, btt der Rttchspost mW der Feldpost, sein Sohn habe sttt Monatssiist keinerltt Post bekommen Btt der Untettuchung er­klärte der Feldwebtt wie der Fahnarjnickr^ es stt diesem veggh mäßig eine sehr starke Post zngegangen Eine Gntsbesitzerssraw beklagt sich bitter, ihr Mann habe von 35 Päckchen nur drtt pr» halten. Die Ansiage beim Truppentttl ergibt, daß der Mann alltt Päckchen bis ans zwtt erhalten hatte; die würden, wie er ivttnte, wohl auch noch kommen. Eine Frau Gehttmrat schreibt der,: Rttchspost, die Fttdpost versage völlig; ihr Sohn, Regie- nmgsrat und Obetteutmntt d. R. v. L. habe sttt fünf Wvcheu wedeft von ihr noch von seiner Frau Bttesi, .Karten oder Päckchen er halte» Die Feldpost fand die ttugesandte Adresse ttchtig. Ansiage beim! Truppentttl. Antwort: Oberleutnant v. £. empfängt seine Post re­gelmäßig nnd hat erklärt, daß er sich nicht beschwert hat.

Eine Ehefrau bttchwert sich im Namen aller Frauen ihres Orts, sämüiche von ihnen gttandten Paketchen wären nicht a*» gekommen. Die Prüfung ergab, daß niemand im Orte um die Beschwerde gewußt hat, daß es sich nur um die Päckchen an dem Mann der Klägerin lzandttt, und daß dies« sie sämtlich be­kommen hat. Ein Herr S. in Bettin glaubt, sich nnt Recht: darüber beschweren zu müssen, weil er auf seine am 18. und 21. Qk» tober nach Bttgien aufgeltefettrn Btttte am 23. Oktober noch keine Antwort hatte.

Mlzn leicht ist dos Publikum auch genttgt, ohne weiteres von Diebstählen zn reden, wenn Feldpostsachen. die den Adrttsaten nicht errttchten, auch dann nicht zurückkamai, wenn der Absender' angegeben war. Es hat sich aber btt den Truppenteilen der Brauch ansgebildet, unanbttngliche Sendungen nicht zurückzngeben, sondern an Bedürftige der Truppe zu vertttlen. Auch Verabredetat sich Soldaten, die im Felde Freunde geworden, oft vor einem Gchecht, der Ueberlebarde solle strr den Gttallenar noch Eingehendes als sttn Eigentum betrachten^ So erklärt sich die Mehrzahl der Verluste. Wenn der Soldat nach Hanse, schreibt, es habe ttwas im Päckchen gefehlt, pflegoi die Sünder sofort Schlimmes zu wittern Nicht sorgfältig Verpacktes geht aber oft ans dem wtttai beschwerlichen Wege entzwtt. Das passiert auch bei in Matge hergttlttlten, an diaS Publikum verkauften Feld- vostfendtingen. Ein bekanntes großes Zigarrenge- schäst beschwerte sich, ein Feldpostbrief stt sttnes Inhalts be­raubt! Die Firma könne mit einerg an zen M u ste r sa m m- lnng gleichartiger Fälle" auftvartrn. Die Unter­suchung ergab, daß die angewandte Verpackung den Jnbalt in keiner Weise vor Verlust oder Be­schädigung schützen konnte und daß migenscheiitlich deshallt ein Teil des Inhalts herausgttallen war. Im übrigen vermochte die Firma nur noch zwei gleichartige Fälle nachzuweisen, aber auch hier war cs um die Verpackung nicht anders b e st e l l t ge w ese n. So sah es also mit jenerMustersmiinckma" von beraubten Sendungen aus.

Nach all dem mich inmi den Eindruck kckonümm, daß die Feld-.