Icitmäfrige Ueberkgenheit gegenüber Deutschland und Oesterreich sei bedeutend vermindert.
Die Schweiz gegen törichte deutschfeindliche Gerüchte.
Bern, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Tos Presse- burcau des schweizerischen Arnrecstabes Plaut aus Anlaß der leichtfertigen Verbreitung von Gerüchten über angebliche "Greueltaten der deutschen Truppe» durch Schweizer Bürger eine vorläufige Untersuchung auf Grund der Militärstrafprozeßordnung und zitiert dabei eine bundcsräliiche Verordnung vom li>. August 191-1, die für derartige Fälle eine Bestrafung vorsieht. Das Presseburean führt unter den Beispielen daS (tzerücht auf, deutsche Schwestern des Roten üreuzes Hütten den Verwundeten Gift statt Serum cingeimpst. Diese Gerüchte haben sich wie die anderen alle als gänzlich haltlos herans- gcstellt. Die Mitteilung, schließt, Ohne aus der Reserve der Neutralität herauszutreten, kaim die Militärbehörde nicht umhin, angesichts so lehrreicher Beispiele der Presse und der Bevölkerung klar zu legen, gegen solche sensationellen Gerüchte auf der Hut zu sein. Die geistige Wapp- nung gegen tendenziöse Beeinflussung gehöre mit zu den Aufgaben der Neutralität.
Der französische Bericht.
Paris, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) 13. Dez., 3 Uhr nachmittags, amtlich. Ter gestrige Tag verlief besonders ruhig. Tie Tätigkeit des Feindes bestand hauptsächlich in einer zeitweilig aussetzenden Kanonade an verschiedenen Stellen der Front. Ter Feind unternahm im Gebiet südöstlich Ppern drei heftige Jn- fanterieangrisfe, welche a b g e w i e s e n wurden. Im Le Pretrc- Wald rückten wir merklich vor. In den Vogesen griff der Feind verschiedentlich das Signal de >a märe Henri nordwestlich Scno- nes an, nmrde jedoch zurückgeschlagen,
11 Uhr abends, amtlich. Von beiden Fronten wird ein Mißlingen deutscher Angriffe gemeldet. Einer erfolgte nordwestlich Ppern, der andere gegen den Bahnhos Aspach.
Ein neuer Beweis von der Feindseligkeit Belgiens vor der Mobilmachung.
Berlin, 14. Dez. (Amtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt über Englands Spiel mit derNcutralitätBelgiens:
Für die englisch-belgische Komplizilät ist cm neuer schwerwiegender Schuldbcweis gesunden worden. Vor einiger Zeit wurde in G r ü s se l der englische Legationssekretär Grant- W a t s o n feslgenommcn, der im englischen GesandtschaftSgcbäudc geblieben war, nachdem die Gesandtschaft ihren Sitz nach Antwerpen und später nach Le Havre verlegt hatte. Ter Genannte wnrde mm kürzlich bei einem Versuch ertappt, Sck>riftstücke, die er bei seiner Fesmahnre unbemerkt aus der Gesandtschaft mitge- ftihrt hatte, verschwinden zu lassen. Tic Prüfung der Schriftstücke hat ergeben, daß es sich um Schriftstücke mit Daten intimster Art über die belgische Mobil- lnachu n g und die Verteidigung Antwerpens ans den Jahren 1913 und 1914 handelte. Es befinden sich darunter Zirkutorcrlasse an die höheren belgischen Kommandostellen mil der faksimilierten Unterschrift des belgischen Kriegsministers und des belgischen Gencralskabschess. ferner eine Aufzeichnung über eine Sitzung der „Kommission für die Verpslegungsbass« Antwerpens" am 27. Mai 1913. Tic Tatsache, daß sich diese Schriftstücke in der belgischen .Gesandtschaft besandeir, zeigt hinreichend, daß die belgische Regierung in militärischer Hinsicht keine Geheimnisse vor der englischen Regierung hatte, und daß vielmehr beide Regierungen dauernd im engsten militärischen Einvernehmen standen. Von besonderem Interesse ist auch eine handschriftliche Notiz, die bei den Papieren gesunden wurde, um deren Vernichtung der englische Sekretär besorgt war. Sic lautet folgendermaßen:
Renseignements: l. les Offiziers franqais on re?n ordre de Rejoinäre dds le 27. apresroidi;
2. le meme jonr. le chet de gare de Feignies a re?n ordre de concentrer vers Manbeuge tous les wagons fermes disponibles, en vne detrnnsport de Troupes. Communiqnfi par la Brigade de Gendarmerie de Frameries.
Hierzu ist zu bemerken, daß Feiguies eine an der Eisenbahn Maubeuge-Mons zirka drei Kilometer von der belgischen Grenze in Frankreich gelegene Eisenbahnstation ist. Frameries ist an derselben Botin in Belgien 10 Kilometer von der französischen Grenze gelegen. Aus dieser Notiz ist zu entnehmen, daß Frankreich bereits am 27. Juli seine ersten Mobilmachnngsmaßnahmen getroffen hat, und daß die englische Gesandtschaft von dieser Tatsache von belgischer Seite sofort Kenntnis erhielt. Wenn es noch wefterer Beweise für die Beziehungen bedürfte, die zwischen Eng- laiü> und Belgien bestanden haben, so bietet das ausgesundene Material in dieser Hinsicht wertvolle Ergänzungen. Es zeigt erneut, d-aß Belgien sich seiner Neutralität zugunsten der Entente begeben hat, und daß es ein tätiges Mitglied der Koalition geworden ist, die sich zur Bekämvfung! des Deutschen Reiches gebildet hat. Für England bedeutet die belgische Neutralität tatsächlich nichts weiter als einen „Scrap os paver", worauf es sich berief, soioeit dies seinen Interessen entsprach, und loorüber es sich hinwegietzle, sobald dies seinen Zlveckcn dienlich erschien. Es ist offensichtlich, daß die englische Regierung die Verletzung der belgischen Neutralität b-nrtf) Deutschland mir als Vorwand benutzte, um den Kaien gegen ims vor der Welt und >wr dcnl englischen Volke als gerecht erscheinen zu lassen.
Die Eröffnung des türkischen Parlaments.
Ko n st an tin op e l, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Eröffnung des Parlaments hat mit glänzenden Zeremonien stattgeftinden. Daran nahmen sämtliche hohen Geistlichen, an ihrer Spitze der Scheik ül Islam und die Staatsund Hoswürdcnträger, teil. Das Bild wurde farbenprächtig durch die Anwesenheit der Generalität und der Diplomatie, darunter des deutschen Botschafters mit dem Botschaftsrat Dr. Kühlmann und dem Dragoman Weder, sowie der deutschen Militärmission in einer besonderen Loge. Pünktlich um 1 llhr erschien der Sultan in Begleitung des Thronfolgers und der anderen Prinzen sowie des Khe- diven, mit den: der Sultan sicii vor der Einnahme seines Platzes ungewöhnlich lange imterhielt. Im Mittelpunkt des Interesses stand von der Goltz Pascha, der ich in der Begleitung des Sultans befand und in der Hofloge Platz nahm Nachdem der Sultan nach allen Seiten huld- vollft gegrüßt hatte, fand die Verlesung der Thronrede statt, die der Tradition entsprechend schweigend ent- gegenqenommcn würde. Nur eine gewisse Bewegung ging durch die Versammlung, als der .Heilige Krieg und die glorreichen Waffentaten der deutschen und österreichischungarischen Bundesgenossen erwähnt imorden. Das der Thronrede folgende Gebet wurde zum erstenmal in dem türkischen Parlament in arabischer Sprache gesprochen. Nach der Abfahrt des Hofes und des diplomatischen Korps in der üblichen farbenprächtigen Form begann die erste Sitzung unter der Leitung' des früheren Präsidenten Halit Bey.
Die Thwnrede des Sultans
lautet:
,Fsch sage Gott Dank, daß er nrir in seiner Gnade erlaubt hat, nach der dritten Erneuerungswahl die erste Session der Nationalversammlung zu eröffnen, und heiße Sie willkommen. Wir waren dabei, alle Anstrengungen zu machen, um den auswärtigen Schwie- riqkeften zuvorzukommen, indem wir die schwebenden Fragen zu bescftigen suchten, die von Zeit zu Zeit unsere Beziehungen zu den Mächten trübten, und den Reformen und dem Fortschritt im
Innern crnen frischen Ausschivung zu geben, um die Verluste und Hebel des Balkankrieges so bald als möglich zu heilen, als plötzlich die große Krise ausbrach, die aus einem Angriff in großeni Maßstab gegen den allgemeinen Frieden in Europa entsprang. Ta die Frage der Verteidigung und Wahrung unserer politischen Rechte und Interessen natürlich alles andere in den Hintergrund drängte, habe ich zugleich mit der Erklärung unserer Neutralität die allgemeine Mobilmachung aller unserer Land - und Scestreitkräfte befohlen. Während unsere kaiserliche Regierung fest entschlossen war, in ihrer bewass- nelcn Neutralität zu verharren, nmrde unsere kaiserliche Flotte im Schwarzen Meer von der russischen angegriffen und begannen England und Frankreich sodann tatsächlich die Feindseligkeiten, indem sie Truppen und Schisse an unsere Grenzen schickten. Daher habe ich unter der Gnade Gottes und mit der Hilfe des Propheten den Kriegszustand gegenüber diesen Mächten erklärt und den Vormarsch meiner Truppen, die sich an der Grenze befanden, befohlen. Da die Notwendigkcil, mil bewaffneter Macht die Zerftörungspolitik abzuwehren, die zu allen Zeiten von Rußland, Frankreich und England gegen die islamitische Welt verfolgt worden ist, den Charakter einer religiösen Verpflichtung angenommen hat, habe ich in Ueber- einstimmung mit den betreffenden Fetwas alle Mohammedaner zum Heiligen Krieg gegen diese Mächte und diejenigen, die ihnen zu Hilse kommen würden, aufgerufcn. Ter Mut und die Tapferkeit, von der meine kaiserlichen Heere an den Grenzen und unsere Flotte im Schwarzen Meere Beweise gaben, werden den hervorragendsten Platz unter den Heldentaten unserer Geschichte einnehmen. Die Ordnung und der Eifer, mit welchen man dem Mobilmachungsbefehl folgte, und die außerordentlichen Slnstrengungcn und die Bereitstellung der für die Armee nötigen Vorräte haben bewiesen, daß unsere Nation einen durch die Vaterlandsliebe zusammengehaltenen Block bildet, zum Heile unseres Vaterlandes. Diese schöne Handlungsweise patriotischer Hingebung ist ein wahrlich würdiges Beweismittel. Ich hoffe, daß unsere Volksvertretung in ihren Entschließungen und Arbeiten mir Proben von Einigkeit und Eintracht geben wird, und erwarte, daß sie rasch die notwendigen Aenderungen der Verfassung und die militärischen Kredite prüfen wird, die ihr durch unsere Exekutivregierung oorgelegt werden, ebenso die anderen Gesetzentwürfe, über die sie in gleicher Weise zu entscheiden haben wird. Ich bin überzeugt, daß unsere Kräfte zu Lande und zu Meer ebenso wie die mohammedanischen Kämvser, welche zum Heiligen Krieg gegen England, Frankreich und Rußland zu den Fahnen gerufen worden sind, glänzende Siege in Asien und Afrika den Siegen hinzufügen werden, die nacheinander in Europa von den glorreichen Armeen unserer Verbündeten, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, gegen die gemeinsamen Feinde errungen worden sind, und daß der Allmächtige eine Zukunft voll Glück und Ruhm unserm Reiche ebenso wie den Muselmanen der ganzen Welt bescheiden möge, welche die Waffen ergrissen haben, um Recht und Gerechtigkeit zu verteidigen. Tie besonderen Vorrechte, die ebedcm durch unsere Regierung den Fremden eingeräuml worden sind, haben mit der Zeit ihren Charakler und ihre Bedeutung verloren und eine schädliche, gegen unsere Hoheitsrcchte gerichtete Form angenommen. Ich habe also die Unterdrückung aller dieser Vorrechte angeordnet, die mit keinem Prinzip der Völkerrechte vereinbar warm und unter der Bezeichnung K a v i t u l a t i o n e n zu- sammmgefaßt wurdm. Ich habe in dem Gebiete meines Reiches nach dem Muster anderer Länder ftir die Behandlung der Fremden und ihrer Angelegenheiten die Bestimmungen des internaiionalen Rechts eingeführt. Ich stelle mit Befriedigung fest, daß unsere Beziehungen zu den Staatm, die an dein allgemeinen Kriege nicht teilgmommm haben, aufrichtig und freundschaftlich sind, daß sie es insbesond-ere sind mit unserem Nachbar Bulgarien.
H a l i l Bey erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, wie die Türkei zum Kriege gez-wungm wordm sei. Er hob hervor, daß der Unterschied mit -dem vorhergegangenen Kriege darin bestehe, daß sehr starke Gründe die Ueberzeugung der Osmanen, daß sie siegreich sein würden, st ü tz e n. Die !Balkanstaaten hätten die Türkei mittm in der Revolution und in einer Umwandlung aller politischen Verhältnisse angetroffm und deshalb von ihnen selbst nicht .erträumte Siege erringen könnm. Diesmal, so sagte er, wurde imsere Mobilmachung in dein rechten Augenblick mrgeorduet und in Ordnung vollendet. Alle, die Reichen wie die Armen, grifsm zu dm Waffen. Unsere Armeen, welche den Feind aus furchtbar starkm Stellungen mit dem Bajonett verjagm, sehen heute die ruhmreichsten Traditionen der Geschichte wieder auftebm, und selbst unsere Feind« sind gezwungen, dieses anzuerkmnen. Der Krieg von hmbe gilt nicht der Lösung einer einzelnen Frage, nicht der Wiederherstellung der angegriffenen nationalen Ehre, es ist kein vorübergehender Krieg der Verteidigung einer Provinz, sondern ein Kampf um die Existenz. Daher müssen wir uns, wmn mich in Trme und Vaterlandsliebe, um unseren Herrscher scharm und nnt Einsetzung alles dessm, was wir haben und was wir sind, dm Krieg dyrchhalten, bis wir uns einen dauer- liaften Frieden gesichert haben, der noch unserm Enkeln erlaubt, ihre zivilisatvriichm Pslichtm ungestört zu erfüllm. Früher haben wir den Moskowitern, die seit 2 1/2 Jahrhunderten in dm tyran- mschen Verlmigm, den Occident zu beherrschen, mit dem einen Fuß gegen die Meerenge und Konstantrnopel, mit dem anderen gegen das Baltische Meer fortschreitend, uns augriffm, mir unsere Brust Und unsere Waffm entgegenzusetzem gehabt, künftig aber werdm die Zivilisation mtb die Freiheit des Occideifts und des Orimts mit dm Deutschien verteidigen, welche nicht mir auf dem Schlachtfeld«, sondern mich auf wirlschriftlichem Gebiete, und dem der Berwaltnngsvrganisativn die Ueberlegenh eit ihres Geistes bewiesen haben, mid mit ihnen die großm und sieg- reichm Verbündeten, die Oesterreicher und unsere Brüder, die Magyaren. Ich bin sicher, daß nackt dem Kriege auch di« Franzosen und Engländer, welche mit Bitterkeit erkennen werdm, daß die Fortschritte der Deutschen nicht mit Gewalt verwebtet werden könnm, eine Einigung mft uns suchm werden, halft Bey schloß mft einer ergreifenden Anrede au die türkische Armee uud Marine und die tapferen Armem der Verbündeten der Türkei, indem er den Siegern Heit wünschte und allm im Heiligm Kriege Gefallenen die Gnade Gottes.
Die Haltung Bulgariens.
Paris, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „PekilPckrisien" schreibt: Die bulgarische Regierung erklärte in der vevgangenen Woche den Dreive rb an dsmä ch te n wiederum, daß sie gewillt sei, die strengste Neutralität zu wahren. Das Blatt fügt hinzu: Die Verpflichtung, die Bulgarien dem Dreiverband gegenüber eingeganaen ist, wird diesem Laude künftig Nutzen bringen. "Die Verbündeten werden sicherlich die geleisteten Dienste anerkennen. Dem Kabinett in Sofia eröffnen sich glänzende Aussichten bezüglich Thraziens und, gewisser mazedonischer Gebiete.
Vom Burenkrieg.
(WTB.) P r ä t 0 r i a, 14. Dez. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unter den A u s st ä n d i s ch e n, die sich ergeben haben, befinden sich General Rautenbach, der Kommandant Jäger mit 30 Mann, die Feld- Kornette Eksteen und Debnsson. Der einzige bekannte Aufständische, der im Freistaat noch übrig ist, ist C 0 n r 0 y, Mitglied des Provinzialrates des Freistaates.
Die Seeschlacht bei den Falklaudsinseln.
Berlin, 15. Dez. Nach einer Meldung des „New Pork Herald" sind nach der Seeschlacht bei den Falklandsinsekn mehrere Kriegs schisse der verbündeten Flotte in neutrale sü dam c ri kan i s ch e Häfen einge- lausen, um notwendige Reparaturen vorzunehmen. Auch das feindliche Geschwader hat demnach gelitten.
Aus dem Reiche.
Berbotdcr „Staatsbürger-Zeitung" währe n d bc s Krieges. Der „Staatsbürger-Zeitung" ist folgendes Schreiben des Oberkommandos in den Marken zugegangen: „Die Nr. 174 vom 6. d. M. beweisls. dalß die „Staatsbürger-Zeitung" die Bekämvsung bestimmter Kreise deutscher Staatsangehöriger auch während des Krieges fort- zusctzen gewillt ist. Es ist Ihnen schon unter dem 21. August d. I. eröffnet worden, daß eine solche Haltung mit den während des Krieges zu beachtenden politischen Notwendigkeiten unvereinbar ist. Ferner verstößt die Nr. 184 in den Artikeln „Was werden wir fordern?" und „Was wird mit Luxenv- bnrg?" gegen den der Presse mehrfach vorgcschricbcnen Grundsatz, daß alle Erörterungen über etwaige spätere GebietscrWerbungen aus politischen 0) r ü n d e n z u » n t e r l a s s c n s i n d. Unter diesen Umständen wird hiermit das Erscheinen der „Staatsbürger-Zeitung" für die Dauer des Krieges untersagt."
Berlin, 14. Dez. lWTB. Amtlich.) In einem Erlas; des Ministers des Innern wird milgeteilt, daß den Kriegsgefangenen die Benutzung der Telegraphen- und Fernsprechanlagen in keinem Falle zugcstanden werden kann. Dagegen sei die Möglichkeit des Postanweisungsverkchrs der Kriegsgefangenen nunmehr dahin erweitert, daß von jetzt ab auch in Richtung aus Großbritannien Postanweisungen an britische Kriegsgefangene in Deutschland oder von deutschen Kriegsgefangenen in England nach Deutschland durch Vermittelung der niederländischen Postverwaltung zugelassen sind. In den Niederlanden werden Postanweisungen in niederländisch-deutsche Postanweisungen umgeschrieben und portofrei weiterbesördert.
Berlin, 14. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Im Landcseisen- bahnrat wurde heute seitens der Verwaltung der Preußischen Slaatseisenbahneii über die t a r i f a r i s ch e n K r i c g s m a ß - nahmen Bericht erstattet, worüber die „Nordd. Allg. Ztg." u. a. mittcilt, daß durch die Absperrungspolitik Deutschland im wcsent- lichen auf eigene Füße gestellt worden war und seinen Güteraustausch von Grund aus neu organisieren mußte. Es kam zu einer vollständigen Veränderung des Güteraustausches und damit auch der Verkehrswege. Vor allem galt cs, für die Bergung der Ernte und für die gleichmäßige Verteilung ihrer Erträgnisse über das Reich zu sorgen und außerdem die Rohstoffversorgung wichtiger Industrien zu erleichtern. Diesen ?lusgaben kam die Eisenbahnverwal- tung durch die Gewährung freier Eisenbahnfahtten für Ernte- arbeiter und Tarifcrmäßigungen für verschiedene Bodenerzeugnisse, Maschinen, Kohlen, Koks usw. nach. Es wird hervorgctwben, daß die Vorteile der Eisenbahnverstaatlichung in dieser Kriegs- zcit besonders hervvrgetreten sind, Und daß es als ein glänzender Beweis sür die Gesundheit und Widerstandskrast des deutschen Winickiostslebens auzusehcn ist, wenn die Einnahmen der preußischen Staatsbahnen aus dem Güterverkehr im Oktober 1914 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ttvtz der zahlreichen Tariscrmäßigungen nur um 20 Prozent zurückgeblieben sind.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 15. Dezember 1914.
Ein Gießener Soldatcnheim.
Wenn in diesen Tagen unsere Gedanken wie von magnetischer Kraft beherrscht' von Stunde zu Stunde sich immer wieder den Schlachtfeldern im Osten und Westen znlvenden, wo um die letzte Entscheidung des großen Krieges gerungen wird, so löst sich doch diese geradezu peinigende Spannung auch immer wieder in einem Gefühle sicherer Zuversicht und frohen Vertrauens auf die unerschütterliche Kraft unseres Bolksheeres, das den deutschen Boden gegen eine Welt von Feinden siegreich verteidigt und unsere Grenzmarken, mit Ausnahme weniger Striche, vor den Verheerungen des Krieges sicher bewahrt hat. Welch herzliches Dankgefühl alle Schichten unseres Volkes unseren Kriegern gegenüber erfüllt, das bezeugen die Hunderttausende von Liebessendungen, die in diesen Tagen und Wochen ins Feld hinauswandern, das bekundet sich aber auch in der warmen Teilnahme, die sich überall für die Verwundeten und Erholungsbedürftigen unseres Heeres regt.
Nach einer Richtung scheint allerdings die unseren Verwundeten zngewandte Fürsorge noch einer bedeutsamen Ergänzung zu bedürfen. Während in der warmen Jahreszeit die Verwundeten und Erholungsbedürftigen einen großen Teil des Tages im Freien verbringen könnten und dort die beste Erholung fanden, ist dies jetzt mit Einbruch des Winters anders geworden. Unseren Verwundeten fehlt jetzt bei den ihnen von den Lazarettverwaltungen erlaubten Ausgängen fast allerorten — abgesehen von den Gasthäusern — ein Aufenthaltsraum, der sie, zumal bei Regen, Schnee und Kälte, gastfreundlich anfnimmt, wo sie eine behagliche Ecke zum Schreiben von Briefen, zu gegenseitiger Aussprache und zu sonsttger guter Unterhaltung 'finden. Von einem kleinen Gießener Kreise ist die Anregung dazu ausgegangen, solche behaglichen Aufenthaltsränmc, am besten nennen wir sie Soldaten Heime, allerorten im Deutschen Reiche, wo sich Verwundete befinden, zu schaffen. Der verdienstvolle Rhein-Mainische Verband sür Volksbildung hat diese Anregung lebhaft begrüßt und es unternommen, in Verbindung mit den ihm anbeschlossenen VolkS- bildnngsvereinen und mit dem Roten Kreuze in möglichst vielen Garnison- und Lazarettstädten jenen Gedanken zu verwirklichen.
Für unsxr Gießener Soldatenheim haben sich in dem unteren Stockwerk des Cafe Ebel nach jeder Richtung passende Räumlichkeiten gefunden. In der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 8Hz llhr abends soll hier den Verwundeten und Erholungsnrlaubcrn, aber auch den Soldaten der Garnison (wir denken besonders an unsere braven Landsturmleute) eine behagliche Heimstätte bereitet sein, wo sie mit ihren Verwandten, Freunden und Kameraden sich zu- sammensindcn können. Zeitungen, Zeitschriften, Kriegskarten, eine kleine Bücherei sollen geistige Anregung. Spiele und eine Kegelbahn sonsttge Unterhaltung bieten. Da im Cafe Ebel sich seit Kriegsbeginn bereits die Volksküche eingerichtet hat, so wird es möglich sein, die Besucher des Soldatenheims aus Wunsch auch mit einfachen Ersrischnngen zum Selbstkostenpreis zu versehe». Hat die Nnrichtüng sich erst einmal eingclebt, so ist es ein leichtes, sie noch durch gelegentliche Veranstaltung von kleinen Borttägen, musi- talische Darbietungen u. dgt. weiter auszubanen. Schon jetzt hat eine Anzahl freiwilliger Helfer ihre Mitwirkung bereits zngesagt, denen sich sicherlich noch weitere werktätige Freunde unserer Krieger zngesellen werden.
Wie aus einem in den nächsten Tagen zur Vcr- össentlichung kommenden Aufrufe erhellt, sollen die nicht unerheblichen Kosten der Miete, Einrichtung und Unterhaltung des Soldatenheims durch freiwillige Beiträge gedeckt werden. Bei dem oft bewährten Gemeinsinne unserer Gießener Bürgerschaft ist sicher zu hoffen, daß dieser Aufruf allerort«» ein warmherziges Entgegcnkominen findet und daß das Gießener Soldatenheim recht rasch eine für alle anderen deutschen Garnison- und Lazarett-Städte vorbildliche Einrichtung werden wird. H. H.


