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Auch in anderen Städten hatte die deutsche Gcgenbewe- gung guten Erfolg So erhielten wir aus Detroit, der be- dcuteirdste» Stadt im Staate Michigan, von einem Leser un­seres Blattes aus einer großen Massenversammlung heraus folgenden Postkartengruß:

Weile Herren! Ein früherer Leser Ihrer Zeitung, die mir auch jetzt die besten Nachrichten von drüben bringt, dadurch daß man mir sie von zu Hause zuschickt, erlarrbt sich. Sie hierdurch aufmerksam zu machen, wir die Deutschen hier in der Stadt für chr Vaterland arbnüen. Die Massenversammlung war von 8 0 00 Leuten besucht, di« alle voller Begeisterung waren.

Hochachtend ßv Lead rch.

Es ist etwas Kocherfreuliches in diesen KriegsZeiten, MH daö Deutschtum in den Vereinigten Staaten sich einig rmd stark zltfainniengefuirden halt es bildet eine Macht, mit der schlietzich auch die Hetzpresse rechnen muß. Irr den Zeitungs­ausschnitten der New Parker Danie lesen ivir einen bezecch- iienden und belusttgenden Vorfall. Das TheaterWinter­garten" hatte einen RuMieszug unserer Feinde, eineShow", dargeboten, in der die Franzosen unter den Klängen der Mar­seillaise, die Kosacken mit ihrer Kaiserhymne, ferner die Bel­gier ausmarschierten, zuletzt auch einige Mädchen, die britische Kriegsschiffe darstellten. Der Kritiker derN. P.-Staatsztg." erklärte dazu:Unwillkürlich wandte sich das Auge nach oben, denn nun mußten wohl die Zeppeline erscheinen, aber weder Deutschland noch Oesterreich-Ungarn wurden berück­sichtigt. So hat die Leitung desWintergarten" den Alliier­ten ihren ersten großen Sieg bereitet, denn die deutsche Ar­me« war ja nicht zur Stelle." Di« nächste Folge dieses witzigen Berichtes war, daß derN. B.-StaatSzeitung" die Anzeigen desWintergartens" entzogen wurden. Aber das Theater machte die Erfahrung, daß das Deutschtum nicht un­gestraft sich wegwerfend behandeln ließ: etwas später ließen die Leiter deS Unternehmens in der Presse erklären, daß der gerügte Mangel beseitigt sei. Das anfängliche Fortlassen einer Vertretung deS deutschen Heeres sei nur darauf zurück- zuführen gewesen, daß die betr. Kostüme nicht rechtzeitig ge­liefert wurden. Ist die verspätete Anerkennung der deutschen Großmachtstellung nicht lustig und herzerfreuend?

Die Deutschendrüben" lassen sich auch ihren Hrmwr nicht rauben. Auf einem dem oben abgedrirckten Briefe bei­gegebenen deutscksen Zeitungsblatt ist auch eineShow' enthalten, indem nämlich hinter ergötzliclzen .Karikaturen Kitcheners und Poincares, von denen dieser die Trommel wirbelt, jener die Flöte bläst, nacheinander die Belgier, die Kosaken, dieJaps", die Gnrkas, die Sikhs, die Turkos und anderes Gesindel sich tunrmelt, um, wie es in heiteren Versen dazu heißt, dem deutschen Volke die Zivilisation zu bringen.

Were going witb some Gnrkas And likewise with some Sikhs,

Some black Algerien Tnrcos,

And other colored freaks.' * 1

Die Heldentat des deutschen UnterseebootesU. 9" teilte ein biederer säclffischer Dichter fernen Landsleuten in der N. P.-Staatszeitung" in ein Mar treffenden Strophen mit, von denen wir die beiden ersten wiedergeben wollen:

E englisch Kreizer-Trifolium Des gondelt in der Nordsee rum.

Da kommt wohl nid) von ohngefähr

E lleenes deitschesll" daher.

/ Die Kreizer seh'n und untertauchen

Und unter Wasser vorwättsfauchen,

Des war Sie eens und bums hat auch E Kreizer scho e Loch im Bauch."

Unsere deutschen Brüder über dem Atlantischen Ozean sollen weiter kämpfen und frohen Mutes bleiben! Ihr Ver­trauen auf das starke deutsche Mutterland wird sie nicht täuschen. Einig, wachsam und entschlossen werden sie die eng­lische Lügenbrut in ihrer zweiten Heimat vollends zertreten.

dote von Karl dem- Fünften! O Mensch, Ebenbild Gottes, du bist also nicht mehr würdig, als rein malerisches Motiv zu gelten!"

Strindbergs Luther-Drama. Aus Berlin wird uns geschrieben: Unter den zahlreichen Verfassern von Luther- Dramen, unter denen eigentlich nur Zacharias Werner mit seiner Weihe der Kraft" rin Werk von Bedeutung geschaffen, hat wohl keiner eine größere Geistesverwandtschaft mit dem Reformator besessen als August Strindberg. Freilich hat mau Strind- berg nicht umsonst eine Faust-Natur genannt, und so wurde aus seinemLuther" ein Faust-Drama, aber immerhin fft dieses Werk seinem Stoff und seiner Gestaltung nach so bedeutsam, daß seine Aufführung auf einer deutschen Bühne eine Notwendigkeit war. DasDeutsche K ü n st l e r t h e a t e r Sozietät" hat sich daher mit der Urausführung des Dramas in Deutschland, die am Samstag stattfand, ein unbestreitbares Verdienst erworben, imd ihm gebührte der volle Erfolg, der ihm damit zMell wurde. Strind­berg hat sein DramaDie Wittenbergische Nachtigall" genannt, nach jener glücklichen Luther-Benennung durch Hans Sachs, die so recht den Frühling der Geister und das Glück Deutschlands über die Reformation verkündet. Es war daher ein Mißgriff, seinen Titel durch den viel farbloserenLuther" zu er­setzen, denn Strindberg erhebt sich gerade dmch den geschickten 'Ausschnitt der Ereignisse über das gewöhnliche Luther-Festspiel im Sinne Devrients, dem er in manchen Nebcnszencn und in leeren Gestalten eines Cranach, Sickingen, Rcnchlin usw. erliegt. Durch sein wundervolles geschichtliches Einfühlungsvermögen ist es dem schwedischen Dichter gelungen, ein Bild von seltener Farben­sülle und Wahrheit der Zeitstimmung zu entwerfen, in dem die ganze große und zukunftsreiche Zeit leuchtend auftebt. Bon dem Vorspiel in der engen Bauernstube der Eltern Luthers, in der Landsknecht und Handwerksbursch einkehren und die Gestalten Tctzcls und Fausts als Verkörperungen des alten und neuen Geistes sich bereits großartig gegenüberstehen, bis zu dem Bibel­werk des Junker Jörg ans der Wartburg, mit dem das Drama endet, entsalten sich vor uns jene unvergeßlichen und unvergäng- Iichcn Szenen geistiger Befteiung und sittlicher Wiedergeburt, die mit dem Leben und Charakter Luthers verknüpft sind. Die Riesen­gestalt des deutschen Reformators konnte Strindberg nicht nach­schassen, sein Allweltgesühl nicht ansdrücken. Ihm gelängen mir die Seiten in Luthers Charakter, denen er verwandt fühlte, das leidenschaftliche Ringen um Wahrheit und Glauben, die ungefiige Bauernkraft, sein trotziger, nicht zu beugender Stolz Züge der Zweiselsucht und des llebermenschentums mischen sich hinein, die Luther fremd waren, und die gütige Kindlichkeit, das liebende Ver­stehen seines Geistes, seine Lhrlk und sein Humor, das, was Luther zu einem der größten Menschen aller Zeiten macht, fehlt völlig, ivcik Strindberg es seinem Bilde nickst ans Eigenem verleiben konnte. Dagegen hat er seiitem Helden in der Gestalt seines Faust eine großartige Zeitftgur gegenübergestellt, die dunkle Mystik mit der klaren Ahnung einer neuen Morgenröte vereint und all den zum Licht ringenden Kulturkräften dieser wundersamen Epoche Ausdruck verleiht. Der paffive Beobachter drängt in Strindbergs Drama den großen Tatmenschen in den Hintergrund, und so wirken die Höhepunkte der Handlung, die Bekehrung, die Berufung, di« Dollbringung äußerlich Trotzdem wirkte dies starke Werk eines starken Geistes mit unmittelbarer Gewalt und hintertieß im Publi­kum einen großen Eindruck Kay hl er als Luther und Schild- k r »n t (da Faust boten Vorzügliches. Dr. P. L.

Dar italienische Defizit.

Zum KricMühreu gestört vor allem Geld. So lerntet ein sprichipörtlich gewordener Ausspruch. Mer in unserer Zeit bürdet der Krieq nicht nur den kriegfüMemden Ländern, sondern auch den neutralen Staaten schwere finanzielle Opfer auf. Die italienische Kaminer, die soeben erst der ebenso patriotischen wie verständigen Erklärung des Mi­nisterpräsidenten Salandra zujubelle, wird sich wvhl wäh­rend ihrer Tag-ung zunächst sehr eingehend mit den italieni­schen Finanzen befassen müssen.

Es sind gewaltige Summen, die Italien seit dem Aus­bruch des Weltkrieges für HeereSAwecke ausgsgebeu hat. Ihre Höhe beweist genügend di« feste Wsicht der Regierung in Rom, die Stellung des Königreichs als euroMische Groß­macht zu behaupten. Die vom 15. 'Arrgnst bis zum 15. No­vember flir Heer und Flotte bewilligten Kredite betragen nicht viel weniger als 2 Milliarden. Die Vermehrung der ordentlichen Ausgaben für das Heer belief sich aus 87,5 Mil­lionen, der außerordentlichen Ausgaben jedoch auf 659,2 Millionen Lire. Fiir die Flotte lauten die entsprechenden Zahlen 12,2 nrch 814,4 Millionen. Italien Mt sich also infolge des europäischen Krieges veranlaßt geseMn, i n eine n> Vierteljahr 10 7 4 Millionen mehr als gewöhnlich für sein Kriegsbndget aus zu ge­ben. Wenn man berücksichtigt, daß bereits vor dem Aus­bruch des Krieges im Bndget 459 Millionen für das Heer und 276 Millioiten für die Flotte vorgesehen waren, so er­hält man für das laufende Rechnungsjahr, d. h. also sür die Zeit vom 4. Juli 1914 bis 30. Juni 1915, ein Gesamt­ergebnis von 1809 Millionen. Dazu kommen noch weitere 120 Millionen des Budgets der Kolonien, die für den Unterhalt der Truppen in Libyen besttnrntt sind. Selbst tvenn man den unwahrscheinlichen Fall annimmt, daß keine wei­teren Kreditforderungen gestellt werden, verschlingen also Heer und Flotte 1929 Millionen, d. h. etwa 300 Prozent der im Vorjahre dafür ausgegebenen Summe, weit über 50 Prozent der Gesamtausgaben, und ungefähr 75 Prozent der vermutlichen Einnahmen!

Unter diesen Umstanden ist es kein Wunder, daß Italien die Aufgabe der Deckung eines großen Defizits be­vorsteht. Ließ sich doch für das lausende Rechnungsjahr auch schon ohne die außerordentlichen Mehrausgaben ein Fehl­betrag von 150 Millionen voraussehen. Ein Kenner der italienischen Finanzen, der früMre Minister Maggiorino Ferraris, schätzt das gesamte Defizit des Staatsschatzes aus über 2 Milliarden Lire. Ueber die Frage der Til­gung dieses gewaltigen Fehlbetrages ist man sich begreif­licherweise noch keineswegs einig. Der genannte Staats­mann verwirft entschieden die Hinausschiebung der Deckung auf künftige Zeiten und empfiehlt, den Fehlbetrag durch! Anleihen und neue Steuern aufznbringen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Eine Anleihe im Ausland erscheint unter den gegenwärtigen Verhältnissen so gut wie ausge­schlossen, und es handelt sich also darum, im eigenen Lande Geld zu finden. Das dürfte jedoch nicht geringe Schwierig­keiten verursachen, da infolge der außerordentlichen finan­ziellen Maßregeln Bargeld in Italien kaum in größeren Summen zu haben ist. Der Abgeordnete Ancona schlägt des­halb vor, das Beispiel Deutschbrnds nachzuahmen, und gegen Hinterlage von Staaitspapieren oder anderer Wertpapiere, ja sogar von Waren, Kassascheine auszugeben, welcM es dann dem Ilbüehmer ermöglichen würden, sich au Zeichnung einer inneren AnleiM zu beteiligen. Ws vor sechs Monaten der Anleihegedanke zuerst in Italien auftauchte, wurde er von vielen Politikern wegen des unvermeidlichen hoMn Zinsfußes verworfen, aber die Gegner werden sich jetzt wohl oder übel zu diesem Mittel bekehren müssen, da es keinen anderen Ausweg aus der argen Finanztlemme zu geben scheint, und geivichtige Gründe gegen die Erhöhung des Notenumlaufes sprechen.

Man sieht, daß! selbst ein Land, das aufrichtig gewillt iss, seine Neutralität und den Frieden zu wahren, in diesen Weltkriogszeiten gezwungen ist, kaum geringere finanzielle Opfer zu bringen, als die kriegführenden ARker. Italien will, nach den Worten seines leitenden Staatsmannes, stark gerüstet und fiir alle Mglichteiten bereit sein, und die größte Sorge seiner Regierung ist deshalb heute die voll­ständige Vorbereitung ferner Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Dieses Bestreben kann Deutschland nur recht sehr, denn aus der jüngsten Rede des Ministers des Aeußern Wolitti geht Mrvor, daß die italienische Regierung nach wie vor auf dem StandMnkt steht, daß der Drerbundverttwg seit Kriegsausbruch keineswegs erschüttert worden ist.

Kriegs&rtefe am dem Osten.

Bon unserem zum Ostheerr entsandten Kriegsbe h k e r stott er (Unbcrechffgter Nachdruck, auch auszugsweffe, verbot».) Etappenarbrit im Wmterfeldzug.

Armee-Oberkommando 8, den 4. Dez.

Wir sichren diuch das winterliche Land. Die Provinzstraßen waren von eisiger Glätte, unser Kraftwagen schleuderte cm ein vaar Stellen bedenklich trotz des sicheren Fahrers. Wir kamen durch die Gegend, die wir zuletzt gesehen hatten, als die Brand­wolken über den Stoppelfeldern standen. Nvrdeuburg, Gerdanen, Angerburg. Ueberall waren Notdächer aus Scheunen und Wohn­häusern erttchtet. Die Schützengräben und die Granattrichter be­deckte der Schnee, er lag ans den Brairdrninen und ließ keines der Soldatengräber erkennen.

In Nordenburg warm keine zehn Bewohner, als wir in einer stürmischen Regennacht damals cm kamen, jetzt liefen die Kinder ans den Teichen Schlittschuh uud sogar ein MvMbazar, der außer modes de Paris" auch Eisenwcrren und allerlei andere nützliche Tange verkaufte, war geöffnet. Ich hätte die Orte kaum wiedeo- erkamtt, wmu mich das Wegschild uud ein paar unverwischbare Kmnzeichm in der Landschatt nicht ansmerffam gemacht hätten. Die wundervolle Escheuatlee von Gerdaum nach Norden bürg lag tot zu beidm Seitm des Weges. An ein vaar Stellen begann man das gut« Holz zu schichten und abzusahrm.

In dem Etavvenhauptott, dm wir besuchten, um die ungeheuer wichtige Wiuterarbeit der Etappe zu studierm, merllm wir bald, daß,es um ivirkliches Studierm dabei gebt. Dir Arbett der Etappen inspcktion ist Gemralstabsarbeit. Ein höherer Generalstabsoffizier, im Range ein Oberstleutnant, ist dem General, der Befehlshaber ist, dmn auch zugeteilt Die einzelnm Abteilungen, in die sich die Etavvenckffpektwn gliedett, stehm Mieder unter besonderm selb­ständigen Offizieren, wie der Etappenkrastftlhrpcrrk, de» ein Hanpt- maun, Kommandmr der Kraftsahrtruppen der 8. Armee lecket.

Ich habe nicht die Msicht, aus Einzelheiten der Organisation, der die gesamte KAnnckionslieferiing, die BerMegirng, die Be­kleidung, die Bespannung der Armee obliegt, einzugehen- Die Grenze zwischen dem, was ohne Gefahr mckgetefft werdm kann, und dem, n>as den Gegnem Fingerzeige gcbm könnte, ist hier ost so schwer festNfftellen, daß es besser ist, chr unbewußtes Ueber- schreckm auf jeden Fall zu vermeidm.

Die Arbeiten sür den Winterseldzug sind natürlich besonders ausgedebnl gewesen. In ttesigm Kitten tagm die Wollfackien, di« als Reserve noch liier sind. Das königlich preußische Kommiß- wollhemd kostet 7,50 Mk. im Einkauf Es ganz ausgezeichnet, weich, >oarm und fest. Die beeilen Flanell-Bauchbinden lehnm dec Soldaten allgemein ab, sie bietm dem Ungeziefer zu gnteit

Unterschlupf. Gestrickte wollene Binden werden lrever genommen.

Pulswärmer müssen sich übrigens recht leicht sttickm lassen, nicht mir Gmeralseldmarschall Hckrdcnburg wird von ihrer Menge geradezu erdrückt.

Neben dem Depot für Wollsachen sind die Räume, in denm Bmiesachen, russische Mäntel usw. sür den Notfall wieder zurecht gemacht werden. Tie russischen Maschinmgewehre wurden neben­bei lvöhrend der ganzen Dauer unserer Besichtigungen ausgeprobt.

Crne besondere Sorgialt mußte mau dem .Hufbeschlag znwen- dm. Es galt, die gesaiittcn Pferde der Kavallette, der verschie­denen Wagenparks und der Artillerie mit scharsm Wintereisen zu verseilen. Eine Arbeit, die jetzt im Großen und Ganzen ngtürlich längst bemdet ist.

Bor den großm Reparaturwerkstätten des Autoparks standen hunderte von beschädigten und zerschossenen Kraftwagen, die wieder dienstbereit gemacht werden sollten. Tie 8. Amiee luck eine Zeitlang 1000 Automobile zur Verwendung gehabt. An manchem Tage wur­den 300 000 bis 400 000 Mark sür Neuanschaffungen sür die Auto- vost allein ausgegeben, die Schneeketten, die man überall ver­breitet und mit Erfolg verwendet hat, siird tatsächlich nur für irisch beschneite Wege zu benutzen. Sobald die Straße vereist, sind sie nickt mehr zu gebrauchen. Am besten hilft dann nockl gegen das Schlendern ein glatter Gummireisen ohne jeden Eiscnbeschlag. Na­türlich werden die Straßen bis zur Font möglichst bald in fahr­baren Zustand gebracht. Man muß sich daun auf eine besttmmte Zahl von ihnen beschränken und dabei selbstverständlich im Ein­klang mit etwa beabsichtigten Operationen verfahre». Schlit - te n sind für alle Fälle in großer Zahl angetanst und stehen be­reit. Für die russischen Wege dürsten sie unumgänglich nötig sein.

Neben den Schneepflllgen von der gewöhnlichen Breite Mt man bei den letzten Schneesällen auch mächttge Pflüge von fünf Meter Svannwelte mit Erfolg verwandt. Es wird dann mit lleinerem Pflug die Sttaße vorgepslügt. Bon dem glatten Verlaus dieser Reinigung und dieses Fahrbarmachens der Wege hängt, wie leicht zu verstehen ist, oft das Gelingen der Overationen cntgülttg ab.

Die Arbeit der Elappeninspektion fft schon, wie dies Stteffcn einiger ihrer Arbeiten zeigt, recht vielseitig und erstteckt sich von den großen Maßregeln bis hinab auf Einzelheiten. Aber wie uns! Oberstleutnant von Werder bat, M.versichern, nicht aus das Aiff- snchen einzelner Briefe und Pakete. Bei der Beräuderimg des Standortes der Truppen müssen ost ganze EisenbaMwagen mck Paketen irgendwohin geschoben werden und können dort mich einiger Zeit bearbeitet lverden. Die Etavveninspektton kann wirk­lich nicht jedem einzelnen Paket nachsorschen und die vielen, sehr vielen Ansragen, die doch nichts nützen können, steigern nur die genügend große Arbeit.

In die einigermaßen feststehende Trockenheit vielleicht nicht, aber doch Gleichmäßigkeit dieser Arbeit gab eine niedliche Be­obachtung über die russischen Gefangenen ein humoristisches Licht. Man konnte seftstellcn, daß die russischen Ofliziere zunächst in» Zigaretten und Briefpapier baten, die Mannschaften um Brot- die jüdischen Gesangenen sragtsn aber als erste Frage:Wie hock steht hier eigentlich der Rubel in Kurs, Herr Leutnant?" Sie sraglen es regelmäßig, es ist durchaus kein winterlicher Etav- penscherz.

Rolf Brandt, Kttegsberichterstatter.

vermischte«.

* Ein Examen im Gefangenenlager. Man schreikü uns aus Kassel: Wie erinnerlich, hat der deutsche Kaiser vor kurzem eine Berstigung erlassen, aus Grund deren gefangenge­nommene katholische Priester, die bekanntlich in Frankreich mck in der Front kämpsen, als Offiziere zu behandeln sind. Auch zwischen den im Kasseler Borott Niederzwehren untergebrachten Tausenden von Gefangenen befanden sich mehrere französische Priester, die dieser Tage dem Offiziersgesangenenlager in Hannoversch-Münden, überwiestn worden sind. Bevor sie aber in den Genuß der An­nehmlichkeiten für Offiziersgefangene traten, hatten sie den Nach­weis zu erbringen, daß sie in der Tat Angehörige des gefftlichen Standes seien, und so wurde das Niederzwehrener Gefangenen­lager der Sckiauvlatz eines regelrechten theologischen Examens, das die betrefsenden Franzosen vor Kasseler Geistlichen durch Ber- nrittlung eines Dolmetschers oblegen mußten. Erst als sie diese Prüfung bestanden hatten, wurde ihnen der Offiziersrong äuerfnjott.

* Zwei deutsche Helden. Ausländische Blätter eizadieu von einer Heldentat zweier deutscher Soldaten, die in. dem Kamvs zwischen Laventie und Bethune die rückhaltlose Bewun­derung ihrer Feinde errangen. In diesem Gebiet, dessen Boden und Berteilung der Häuser die Austösung der Schlacht in einzelne Gefechte sehr begünstigt, wurde um jeden Zoll breit Erde gekämpft, und es entspannen sich die hitzigsten Einzelkämpse. So wurden an einer Stelle deutsche Schützengräben von überlegenen eng­lischen Kräften, von indischen Truppen und zwei schotttschen Regi­mentern, angegriffen. Die Deutschen mußten sich zurückziehen, denn das Stück des Schlachtstldes, auf dem sie stritten, war oölllg abgeschlossen, und keine Hilfe konnte ihnen von ihren Truppen kommen. Alle halten ihre Stellung verlassen: nur zwei deutsche Soldaten schossen noch immer. Als die feindlichen Massen sich ans sie stürzten, stellten sie sich Schulter au Schulter auf und brauchten ihre Bajonette mck einer so todesmutigen Enffchlosscnheck, daß sie 15 der Feinde außer Gefecht setzten. Keine Zurnse, daß sie sich ergeben soltten, fanden bei ihnen Gehör; sie schienen fest ent­schlossen, an Ort und Stelle zu sterben. Immer näher rückten die Feinde; schon waren ihnen die Helme vom Kopf geschlagen, und zahlreiche Bajonette richtelen sich gegen ihre Brust. Da sprang im letzten Moment ein englischer Offizier, dem diese über­menschliche Tapferkeit Bewunderung eiuftößte, dazwischen und rettete ihr Leben.

Kleine Tageschronik.

Eine große Feuerkugel wurde vorgestern abend über Hamburg wahrgenominen. Das Meteor erschien am südöstlichen Himmel, erhellte die ganze Gegend sür einen Augenblick blitzartig mit grünlichem Licht und verschwand unter einer Explosion mit bedeutendem Fimkensprühen. Die Feuerkugel durfte über Verden jn geringer Höbe explodiert sein.

Uirchtiche Nachrichten

Evangelische Gemeinde.

Heute abend 8 Uhr: Kriegsbetstunde in der Johanneskirche.

Plärrer Bechtolshebmer.

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Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe».

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Höchste Temperatur am 7. bis 8. Dez. 1811 ^ -f-13,8" C. Niedrigste .7. .8. . I8H = + 10,4" .

Niederschlag: 0,9 mm.

Verantwortlich sürFeuilleton",Genchtssaal" u.Vermischtes":

I. V.: August Goetz.

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