wegimgen, aufjerbem scheinen |ie mit ihrem Oberleutnant auch chic Geheimnisse zu teilen. Denn der eine flüstert ihm etwas ins Otzr. was ich nicht verstehe und auch nicht verstehen will. Ter Oberleutnant nickt, und der Mann strahlt. Sic rücken ab. Der eine blickt dabei ganz verstohlen nach den, Kreuz hinunter, als ob er sich noch einmal überzeugen müßte, daß die Sache auch stimmte.
26ir gehen denselben Weg zurück und loinmen wieder zur Brücke, gerade in dem Augenblick, als die „Barbara" herandampft. Der Admiral, HaupNnaun £>., springt von Bord und „die Artillerie" fragt salutierend und strahlende „Das haben wir gut gemacht? Wie?"
Also hatte die gute „Barbara" das Torf in Brand geschossen. Durch das Fernrohr hat man deutlich die aus den brennenden Häusern flüchtenden Russen erkennen können. Ter Kompagnieches einer zweiten Kompagnie kommt zur Brücke. Telephon mit dem Kominando. Resultat: Um 2 Uhr wird vorgegangen.
Bis dahitl kann uns der Oberleutnant noch die Batteriestellungen zeigen unb die Befestigungsanlagen. Wir gehen wieder, diesmal nackt anderer Richtung auf das Eis hinaus. „Fünf Meter Llbstand." läuft durch die ganze Reiche^ die sich allmählich zu dreifacher Länge auszietzt. Das Eis ist blasig und schlecht, att vielen Stellen noch rollt dünn. Wir meiden die freien Flächen und gehen in das dichte Röhricht. Es knattert und springt vor unseren Schritten, die Binsen brechen und klirren zur Seite. Eine dicke gefrorene Glasperle ist au dem Fuß jeder einzelnen Binsen. Es sieht aus, als ob sie alle in kostbaren Kristallvasen ständen. Als wir über eine größere Freifläche müssen, deutet der Oberleutnant schweigend nach dem gegenüberliegenden Waldrand, der vielleicht an dieser Stelle 600 Meter entfernt ist. Da sitzt, Gewehr über Knie, eine starke russische Patrouille. Als unser Zug sich aus dem Röhricht entlvickelt, stehen ein paar Russen auf. Da ist aber auch die Spitze schon »nieder hinter dem dichten Binsenschleier verschwunden. Die Russen scheinen keine Lust zum Schießen zu haben. Was wir ihnen nicht übelnehmen. Vielleicht sind es dieselben Russen, die wir nachher am Abend im Schloß als Gefangene toiedersahen. Zunächst ichlagen sie noch in Freiheit die Arme übereinander, um sich zu erwärmen.
Wir treffen bei beit Batteriestellungen und den Schützendeckungen alles in Arbeit. Es ist unendlich ntühevoll, was hier die Pioniere leisten. Nach zwei Spatenstichen kommt man schon auf Wasser und die Torferde ist nicht gerade gut für Befestigungszwecke. Aber man hat ausgezeichnete Stellungen trotzdem geschaffen. Es ist selbst- . verständlich über Einzelheiten nichts zu sagen, aber ich glaube nicht, daß die Russen durch die Seenkette kommenkönnten. Das Gelände ist so gestaltet, wie ich mich überall leicht überzeugen konnte, daß Massenentwicklung nirgends möglich ist. Es kommt auf die Geistesgegenwart und den schneid von jedem Einzelnen an. Der Dienst ist verdamtnt schwer und der Tod lauert nicht nur im Röhricht und stößt von oben aus dem Schrapnell herab, auch aus der Tiefe reißt er durch die dünne Eisdecke den Verteidiger nieder — aber auch den 2lngreiser. Solange die Russen Rußen bleiben und auf der anderen Seite deutsche Soldaten stehen, scheint mir hier keinerlei Grund zu irgendwelcher Beunruhigung vorzuliegen.
Aus dem Rückweg treffen wir die lange Kette der Konrpag- nien, die das Eis überschreiten, um anzugreifen. Sie schliddern über die glatte Fläche und schieben das Gewehr, Kolben nach unten, vor sich her. „Nächstens werden wir auch noch Königlich Preußische Schlittschuhläufer", meint ein Musketier und sitzt auf dem dazu bestimmten Körperteil. t
Tie Batterien schweigen. Hinter den Gehöften auf der Insel verschwinden die Mannschaften. Der Offizier verabschiedet sich. Ich sehe, wie er zu dem Unterossizier der Wache am User heraw- trilt und ihm einen Bries gibt. „Die Lldoesse meiner Frau wissen Sie ja. Na und wenn. . . sorgen Sie dafür."
Der Unterofsizier versteht ohne viel Worte. „Sehr wohl, Herr Oberleutnant." ,
Wir sagen „Auf Wiedersehen!" weiter nichts. Wie aus einer Gesellschaftssorniel ein guter Wunsch werden kann, wie die Worte wieder ihren schönen reinen Sinn bekonönren haben, nachdeni ibrieg die Formen und die Formeln gründlich gereinigt hat.
Im Schloß ist richsige Tafel. Die Elobelins such zivar in Königsberg, aber der Kamin ist hier gebliebeit. Es ivird dännnrig draußen. Ein „schwerer Arsillerist" legt unermüdlich mächtige Scheite in die Glut. Die Funken sprühen auf, die Flammen tanzen. Das letzttmal saß ich vor einem englischen Kanlin. ... Es ist lebhafte Unterhaltung, sie schwirrt mir fern vorbei. In ein pdar Stunden muß Nachricht da sein von dem Stande der Erkundungsgefechte draußen an der Zickgclei. Ich gehe durch das Treppenhaus, einen Schritt ttt den Park zu machen. Das huschende Licht dm» Kerzen unb kleinen Lampen fällt über die Wände. Es ist, als ob die Komtesse lächelte, wie die Schatten über ihr Gesicht streifen. Am Treppengeländer steht ein junger Freiwilliger und sieht ans das Bild. Auch er lächelt. Er ist fertig zur Pairouille und wartet nur auf den Abmarschbefehl.
Ich gehe wieder in den setzt leeren Saal zurück. Im KamiH tanzen itnd singen die Flammen und sprühen knisternde Funken.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Ar»» Stadt rrntz CanA,
Gießen, 3. Dezember 1914.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Einj.-Frciw. Markus Plaut, 2. bahn. Jägerbataillo», aus Storndorf. — Ersatz-Res. Otto Hebermehl, im Bischweiler- Negiment, aus Wallcnrod. — Lehrer Hans Schönhals, Jakob Zin n , Ernst Zinn, Heinrich Friedrich und Wilh. Sci bert aus Reuters. — Assistent der Chemie am hyg. Institut zu Gießen Dr. phil. Herbert Stange, Unterosi. d. Res. — Res. Heinrich Lein, Jns.-Regt. 116, aus Holzmühl. — Untervss. Zenno Vogel, 5. Kav.-Div., aus Darmstadt. — Feldw.-Lt. Fritz
in dieser Saison noch keinen Erfolg erzielte, sogar um zwei Drittel. Dem Deutschen Opernhaus ist von dem Eigentümer, der Stadt Chartottenburg, die Miete überhaupt erlaßen worden. Tie Direk- torett haben mit ihren Mitgliedern vielfach nur ganz kurzfristige Verträge abgeschlossen. Gerade bei den bestsundinten Theatnn, bei denen es sich um sehr große Objekte handelt, können bei eüter langen Daun des Krieges Verluste enlsteben, während bei klei- nnen Unternehmungen, selbst wenn sie schlecht fundiert sind, die Beteiligten größere Rücksicht nehmen. Im Deutschen Theater, wo zunächst Shakespeare trotz aller zustimmenden Antworten aus eine Umfrage nicht mehr „zielten" wollte, hat der große Ersolg des „Wallcnstein" jeden Zweisel an deni gesicherten Fortbestehen dieser bedeutenden Bühne gehoben: auch die Kammerspiele arbesteu mit volleu Häusern. Alle Berliner Theater sind jetzt geöffnet, mit Ausnahme des Mevropoltheaters, das zu Weihnachten auch seine Spielzeit beginnen soll. In den ersten zwei Dritteln des Weihnachts- monats geht das Theatergeschäft stets schlecht: zudem aber müssen auch die vielen Bühnen einander das Publikuntzwegnehmen. Bisher waren die Einnahmen am Sonnabend und Sonntag säst überall ausgezeichnet: jetzt aber, da fast alle Theater ofsen haben, >oird es schlechter, und Epstein schlägt deshalb vor, einzelne Theater tollten der Reihe nach eine bestimmte Zeit geschlossen bleiben oder die Theater sollten nicht täglich spielen. In Wien machen die Theater ganz gute Geschäfte; auch in Dresden sind sie erträglich. Viel mehr leiden schon Hamburg und Leipzig unter starker Ungunst der Theaterverhältnissc. Im allgemeinen liegt es aber überall ähnlich wie in Berlin. Die stellungslosen Schauspieler und Singer werden überall teilweise durch bunte Abende und Bor- träge beschäftigt, die sich jetzt großer Beliebtheit erfreuen.
— Wie Blücher Feldmarschall wurde. Ter große Krieg hat uns wieder eine populäre Heldengestalt geschenkt, und der neue (tzeneralseldmurschall von Hindenburg hat das beste Anrecht daraus, sich cbenialls den Ehrennamen des „Maiicktall Vorwärts" zu verdienen. Blücher ist dieser Ehrenname fast zu gleicher Zeit mit seiner Ernennung zum Feldmarschall auf dem Schlachtfeld der Völkerschlacht bei Leipzig zuteil geworden. Am Tage nach dem großen Sieg erschien der Bruder des Königs, Prinz Wilhelm von Preußen, mit einer eigenhändigen Kabmetts- ndrr Friedrich Wilhelnrs beim schlesischen H«r, um Blücher
Jäger, Jns.-Regt. 168, aus Akainzlar. — KricgSfreiw. Joh. Steiß, aus Friedberg. — Landwehrnr. Louis Georg, Jns.- Regt. 116, aus Burg b. Herborn. — Lanbloebrm. Reinhard St enger, Landw.-Regt. 41, aus Eibelshausen. — Bizeseldw. d. R. Könrad H e u s o h n , Jns.-Regt. 116, ans Hanau. — Land wehrt», ätmmermtifter Ludwig Toller, Jns^Regt. 83, aus Naunheim.
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** Von der Landesuniversität. Herr Professor Dr. Kahle, der neuernannte Vertreter der semitischenPhilo- logie, ist von einer Studienreise aus Aegypten zurückgetehrt. Auf der Heimreise war er in französische Kriegsgefangenschaft geraten, aus der er schließlich entlassen wurde aus Grund eines Passes, den ihm der englische Kommandant von Aegypten ausgestellt hatte. Professor Kahle beginnt jetzt seine Lehrtätigkeit an der Landesuniversität. Er hat unter anderem eine öfsentliche einständige Vorlesung über den Islam an gellt üdigt.
** Ritter des Eisernen Kreuzes: Vizewacht- meistcr d. R. Bergreferendar Jakob Cl o o s, Res.-Feldart- Regt. 21, aus Wetzlar. Sergt. Busse, Jns.-Regt. 13 (früher bei der Unteroffizierschule Wetzlar). Bizeseldtv. Otto Küpper aus Wetzlar, Res.-Regt. 8. Dizefeldw. Franz Neu aus Volpertshausen, Jnf.-Regt. 119. Leutn. Herm. Jäger aus Offenbach. Laudtvehrmann Gesr. Wilh. B o p s in Gießen (aus Pohlgöns), Landiw.-Regt. 116. Hauptmanu v. Thü- mann, Jnf.-Regt. 116 (früher an der Unteroffizier-Vorschule in Weilburg). Uffz. Arthur Schubert aus Linlburg, Rcs.-Jnf.-Regt. 87. Wehrm. Wilh. Loos aus Holzhcim. Uffz. d. R. Heinrich S ch i e b e l h u t h alis Lanterbach. Res. August Pnlverich aus Steinbach. Kriegs fr. Karl Otto Endemann ans Dillenburg, 56. Jnf.-Regt. Rechtsanwalt Dr. Lndw. Roth ans Wetzlar, Res.-Feldart.-Regit. 21. Lehrer Pfeiffer ans Beilstein, Uffz. beim Res.-Regt. 116. Leutn. d. R. Ernst Knorz ans Wetzlar. Lehrer Fritz Hein aus Obcrwetz, Uffz. im Res.-Fußart.-Regt. 3. Vizefeldw. d. R. und Ossiziersstellv. Erdniß von Herborn, Bat-Adj. im Jns.- Regt. 81. Landesbankgehilse Karl Ant. Diehl ans Limburg, Uffz. im Res.--Jnf.-Regt. 87. Leutn. d. R. Karl Rensch aus Diez, Res.-Jnf.-Regt. 81. Sergt. Karl Ka h aus Diez, Fust- Art.-Regt. 16. Unterarzt Paul B o r n e m a n n ans Obbornhofen, Drag.-Regt. „von Wedel" Nr. 11.
** Das Einqnartierungsgeld für die in der Zeit vom 16.—31. Oktober 1914 in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften des Landfturm-Ersatz-Bataillons wird im Laufe dieser Woche von der Stadkkasse in den Vormittagsstunden von 8—12 Uhr ausbezahlt. Tie Empfänger werden gebeten, die ihnen znstehenden Beträge bis zum Samstagmittag, den 5. Dezember, tn Empfang zu nehmen.
** Die „Bischiveiler". Ten Freunden und Eltern der „Bischweiler" teilen wir mit, daß die Weihnachtspakete am Montag abgegangen find, und daß wir die begründete Hoffnung haben, daß sie rechtzeitig an ihrem Bestimmungsort ankommen werden. Weitere Pakete für unsere „Bisch- Weiler" müssen, auch nachdem unsere Truppen — anders wohin überführt worden sind, an das Ersatzbataillon Jnf.- Regt. 87 in Mainz gesandt werden.
** M ehrTatt! Man schreibt uns: Im Interesse aller der Familien, die das Unglück erleben, teure ins Feld gerückte Angehörige zu vermissen, mochte ich durch diese Zeilen die Bekannten solcher hartge prüft er Familien aus die Qualen Hinweisen, die ein häufiges Frage n nach etwaigen Nachrichten von den Vermißten erregt. Sobald derartige Nachrichten eintreffen, werden es die Angehörigen sicher sofort ihren Bekannten rrrrtteilen: bis dahin sollte der mitfühlende Takt seine Teilnahme durch gütiges Schweigen beweisen, nicht aber die schwer Betroffenen inrmer wieder durch die Frage, ob eine Nachricht eingetroffen sei, zu der traurigen Antwort „Nein" zwingen.
" Oefsentliche Bücherhalle. Im November wurden 1616 Bände aus geliehen. Davon kommen ans: Erzählende Lileratur SIb, Zeitschriften 187, Jugendschristen 158, Literaturgeschichte 14, Länder- und Völkerkunde 38, Kulturgeschichte 15, Geschichte und Biographien 66, Kunstgeschichte 8, Natniwifsenschast und Technologie 72, Heer- und Seewesen 9, Haus- und Land- wirlschast 7, Gesundheilslehre 8, Religion und Philosophie 37, Slaatswissenschast 7, Sprachwissenschast 7, Fremdsprachliches 38 Bände. Nach auswärts kamen 59 Bände.
** Ver kaüfsnachntiittage des Fröbel-Seinr- nars. Wlan bittet uns um Ausnahme folgender Zeilen: Veranlaßt durch die jetzige Kriegstzeit wich das Gießen er Fr übel- Seminar statt seines alljährlichen Mkolanssestes zwei Ser- kaufsnach mittage abhalten, die in den Räumen des Ge- setlschastsvereins, Sonnenstraße, Samstag und Sonntag 5. und 6. Dezember von 3 Uhr ab stattsinden sollen. Die von den jungen Mädchen und den Kindern hergestellten Gegenstände sowie ein Teil der aus der Getverbe-Ausstellnng ausgestellt gewesenen Ar- beiten sollen zugunsten des Roten Kreuzes und der Kricgshüfe verkauft werden. Die Kinder wechen mit ihren Darbietungen von Spiel und Musik das hofsenllich zahlreich erscheinende Publikum sicher gut unterhalten. Neben den wirllich hübschen Verkaufssachen imd Sächelchen für Groß und Klein und den kleinen Darbietungen der Kinder wich fiir das leibliche Wohl mich gesorgt sein, indem Kaffee und Kuchen zu haben sind.
die Ernennung zu überbringen. „Durch wiederholte Siege mehren Sie Ihre Verdienste um den Staat schneller, als ich mit den Beweisen meiner Dankbarkeit Ihnen zu folgen vermag," sagt der König in seinem aus Leipzig vom 20. Oktober datierte»! Schreibe». „Empfangen Sie einen neuen Beweis derselben durch die Ernennung zum Generalseldmarschall, und bekleide» Sie diese Würde noch recht lange zur Freude des Vaterlandes, als Vorbild sür die Armee, die Sie so oft zu Ruhm und Sieg geführt haben." Auch sonst wurde Blücher hochgeehrt: der Kaiser von Oesterreich verlieh ihm das Großkreuz des Therrsienordens in entern gnädigen Handschreiben, und der Kaiser Alexander über reichte ihm, da er schon alle höcksiten ruffsichen Orden besaß, einen reich mit Juwelen besetzten goldenen Ehrcndegen. Tick Soldatm jubelten über diese Anerkennung der Taten ihres „Vater Blücher". Ter also Gefeierte selbst aber nahm' alles mit Ruhe hin, mir hielt er es sür notwendig, seine als höchst sparsanr bekannte Frau auf die neuen Repräscittationspslickiten hinzuweisen. „Aus. dm eiulagm wirst du daß mehrere etsiehen," so teilt er ilu mn 25. Oktober sein« neue Würde mit. „Als Frau Feld- marschallin mußt du nun cmstendig lebm und sey mir nicht geizig und laß dich was abgehen und kriege rmn doch ein ansehnlich Gehalt, aber wir habm leider in 2 Monate kein gehald gekrigt weil von Berlin nichts zu tms kommen konnte,.. Mit die ordms weiß ich noch nun kern Rain mehr 'ich bin wie «iw allt tnttsch Perd behängen, aber der gedanko lohnt mich über alles daß ich derjenige wahr der dm übermütigm tihrannm demütigte." Die altm russischen Soldatm, die ihm vorher dm ehrenvollen Schm»ch«lnamen des „klemm Suwarow" gegeben hatten, nannten nun zuerst dm nmm Feldmarschall in Erinnerung an den Sturm auf Leipzig, von dem ihnm sein unaufhörlicher, gewaltig rn- scuernüer Zuruf „Vorwärts!" noch in den Ohren klang, den „Marstlzall Vorwärts", und Ernst Moritz Arndt dichtete sein schönes Lied vom Feldmarschall t
„Bei Leipzig auf dem Plane, o Iterrliehe Schlacht!
Da brock) er dm Franzosen das Glück und die Macht,
Da lagm sie sicher nach blutigem Fall,
Ta loard der Herr Blücher ein Feldmarschall."
Landkreis Gießen. *■- • »
— Heuch « lheiui, 2. Dez. Eine S a m in lang in unserer Glemcinbe zur Linderung der Not in der durch den Krieg schwer heinigesuchlcn Provinz Ostprenßen, sowie der Reichsland Elsaß-Lothringen ergab den Betrag von 866 Mk. 3t) P!g.. davon von den Tlrbeitern der Firma Rinn & Cloos allein 120 Mk 20 Psg. dieser Summe soll Ostpreußen und !4 Elsaß-Lothringen zitgesührt iverden.
-I- Reiskirchen, 2. Dez. Auch unsere Soldaten erhielten nunmehr ihr Weihnachtspakel. Es mürben jedem warme Uittec- kleidtnig, Schokolade und Zigarren geiattdt. Unsere Gemeinde zählt bereits 9 Mann, die mii dem Felde der Ehre gesallen sind.
-f Dors - GiIl, 2. Dez. Tie gestern veranstaltete Viehzählung ergab für den hiesigen Ort iotgenden Viehbestand; 37 Vierde, 370 Stück Rindvieh, 120 Schase, 335 Schweine nnd 47 Ziegen. — Während in allen 9lacl)bavorteit sich die Jugend fleißig an den llebittigen der I tt g e n d w e h r beteiligt, hat hier bts jetzt keiner der jungen Lenle so viel valerlättdische Begeisterung gezeigt, daß er dem Ruse zu dm Uebttugeu Folge geleistet hätte.
Kreis Alsscld.
X J ls do rs, 2. Dez. 2>»f de» großen Kor b w« i d e n- v l l a n z n n g e n der Freiherrlich Riedejel'schm Besitzung in unsercr ttzeinarkung, den Wadenbänser Erlen, fand die V e r ft c i g e r u u g der diesjährigen Korbweiden slalt. Zu der Versteigerung halte sich eine grobe Zahl Liebhaber eingeiunden und die Ernte von zirka 400 Zenlnern ging glatt ab. Erlöst wurden sur den Zenlner durchschnittlich über 3 Mark.
Kreis Friedberg.
r. Bad-Nauhe.im, 2. Dez. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung tvnrde folgendes beschlossen: Unter der 'Bedingung, daß sür rinhciinischc Kranke genügend Platz bleibt, gmehmigt die Versammlung, daß ein Teü des städsischen Krankmhauses zum Vereinslazarett eingerichtet wird. — Für Herrichtung des Bürgersteigs am Kaisercn- Etisabeth-Platz mit Asphalt iverden 2600 Mk. bewilligt. Tie Verbindungsstraße zivischm .Hombnrger- und Mtitelstraße erhält den Ramm Jorckstraße. — Mit Wirkung vom 1. dz. Mts. ab wird die den Familien der städtischen Arbeiter, die am Feldzug teilnehmen, ausgesetzte K r i e g s u n t e r st ü tz u u g von 25 auf 30 Prozent des normalm Arbeitsverdienstes erholst. — Das am Sonntag tzmn Bestm der Kriegsfürsorge in Bad-Nauheim abgehaltene Konzert des Vereins „Eoncordia" hatte sowohl künstlerisch, wie pekuniär «inen ausgezeichuetm Erfolg. Trotz niedriger Eintrittspreise konnten dem guten Zweck etwa 300 Mk.. zugesührt werden. — Bei 'der hmte statigesundcnm Wahl zur Handelskammer wurdm die bislierigen Vertreter Käui- mann Philipp Müller nnd das Vorstandsmitglied des Spar- nnd Vorschußvercins Hartmann St oll mit allen abgegebenen Stimmen wiedergewählt.
I). Nieder-.M örlen, 2. Dez. Der älteste Veteran des Kreises Friedberg, Philipp Zimmer, ist hier im Aller von 93 Jahren gestorben» Zimmer war Teilnehmer des Feldzuges von 1848.
Starkcnburg und Nheinhessc».
h. Groß-Auh eim, 2. Dez. In einem Anfall von Sckiwernmt erhängte sich im hiesigm Lazarett der Krieger H e n n i g. Er besand sich au) dem Wege der Genesung und hinterläßt eine .Witwe mit mehreren kleinen Kindern,
Hessen-Nassau.
h. Bad-H o»übürg v. d. H., 2. Dez. Nach vierwöchigem Anfmthalt hat der Chef des Generalstabs, Gmeralobcrst von Moltke, Homburg wieder verlassen und ist nach Berlin ab- gereist.
ä. Dillenburg, 2. Dez. Zur Erhebung von 185 v. H. Zuschlägen zur StaatScinkoiniiieiisteuer als Gemeindezulage in der Sladigemeinde Dillenburg für das Rechnungsjahr 1914 ist vom Oberpräsideiiten die Genehmigung erteilt worden.
LanSrvirtfÄsast.
-Llbgabe von ausrangiertenMilitärpserden. Samstag, den 5. Dezember, vormittags 10 Uhr, werden aut dem Pserdemarkiplatz in D a r m st a d t etwa 40 ans- rangierte Pserde, daitmler 12 Ardenner Fohlen durch die Land' wirlschallskamnter versteigert. Zur Dersleigermig werden nur Landwirte zugelasseu, die sich veipflichten, die Pierde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie ivährend der Kriegszei! nicht zu verkaufen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung.
vermischte».
*■ Der Kriegsbart. Der Krieg wird zweifellos die Bartlracht dauernd beeinflussen, und die Bartlosiglcit und die kurzgeschorenen Schnurrbärtchen werden nicht nur wegen der englischen Herkunft verpönt sein. Tie meisten aus dem Felde Hcnn- gekehrten haben Votlbärte, auch wenn sie vorher, rn Lazaretten und anderswo Gelegenheit hatten, sich diese abnehmcm zu lassen. Schon die Llbsicht, ivieder in die Front zu gehen, wo das Bart- scheien nicht immer angängig ist, — beim Donner der 6)eschütze zttiert Mick) die sicherste Hand nnd macht Schnitte, — hält viele davon ab, sich ben einmal erworbenen Bart wieder abnehmen zu lassen. Dabei mag daran erinnert iverden, daß der Deittsch-Frmi- zösische Krieg von 1870/7.1 ebenfalls insofern bestimmend für die Bartttacht war, als er mit den Bariverboten aufräumte, die da und dort noch bis dahin in Deutschland, — man sollte es kaum fiir möglich, halten! — bestanden hatten. Natürlich beschränkten sich diese Bartverbote nur auf bcsttmütte Kreise. So bestand z. B. in H e s s e n - T' a r m st a d t ein Bart-Regulativ vonr Jahre 1851, das wörtlich) lautete: „Ten Civilbeantteu ist nicht gestattet, andere Bärte als Backenbärte zu ttagen, mit Ausnahnte der Forstbeantten, Postbkantten und Erseitbahnbeamten, welchen mtßerdent gestattet ist, auch Schnurrbärte zu ttagen. Knebelbärte, sowie nur das Kinn gehende Bärte sind verboten." Erst nachdem dann im Kriege diese Bart-Ordnung vielfach notgedrungen überschritten wurde und viele der heimgekehrten Beamten mit vor- schriftswidttgen Bärten den Dienst wieder aufnahmcn, erschien im Juli 1871 die Kabinettsvrder: „Ick) sinde mich veranlaßt, die in Meiner Cabinettsordre vom 28, November 1851 enthaltenen Vorschriften über das Tragen der Bärte der Civilbeamten nunmehr wieder aufzuheben." Heutzutage bestehen wohl Bartverbote nur noch bei den niederen Hofb«amte>t, denen zumeist das Tragen der Schnurrbärte verboten ist, und zwar besteht dieses Verbot bei den meisten fürstlichen Hofhalten. Am Kaiserlichen .Hose war es während der kurzen Regieniitgszeit Kaiser Friedrichs außer Krasc gesetzt, aber wohl auch nicht offiziell aufgehobem_
Amtlicher Wetterbericht.
Dessentlicher Wetterdienst, Gießen. Weiteraussichten in Hessen am Freitag, den 4. Tez. 1911: Trüb und regnerisch, iüwcslliche Winde, mild.
Letzte Nachrichten.
Zusammenkunft des Kaisers mit der österreichischen Heeresleitung.
(WTB.) Großes Haupta»urtier. Z.Dez. <Amt- lich.) Der Kaiser hatte gestern in Breslau eine B r - s p r e ch n n g mit dem Lbcrkom man Vieren den des Ocstrrreichisch-nngarischcn Heeres, Sr. K. ». K. Hoheit dem E rzherzog Friedrich, der von Sr. K. u. K. Hoheit dem E r z v e r z o g - T h r o n f o l g e r K a r l F r a n z I o c f und dent Ehef des Orsterrrichtsch-ungarischen Gencralftabes General der Jnfanlerie Frciherrn Konrad von Hortzrn- Dorff begleitet war.
Später besuchte der Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt.


