Ausgabe 
28.11.1914
 
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llr. 280

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3V »»Gietzemr JfmnWtnWättet" roecben bem ,8«j<U|er* Dirnnal roöcfarnUicfi bchgelegt, das J&tisWall fiir den Krrts Sietzew" zweimal wöchentlich. Die .Fan» wirtschaftlichen Sei«, trotz«»" «scheinen monatlich zweimal.

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Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejsen

Zamrlag. 28, November I9H

Rotationsdruck imb Verlag der Brühlljchcn UnioersUäts - Buch- nnd Eteindrnckerei,

R. Lange, Gießen.

Schristiciümq,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul straße?. Geschäftsstelle n-Berlag:^-^51,Schrift lectnng: Adresse für Drahtnachrichten:

Anzeiger Gießen.

Rriegzbriefe avr dem Westes.

B«r wahrem Srregsderichtrrstilltter. WX^errchÜgter Nachdruck. auch auSzngswrrfe. verboteri) «leine KriegSbildrr,

Urvtzes Hauptquartier, 22,November.

Ein Tag der Tränen,

Mrzkrch habe ich in einer von uns besetzten französischen 'Stacht einen Tag der Tränen erlebt, der lange im Gedächtnis der Frauen bleiben wird. Als ich morgens aufstand, hörte ich dar den Fenstern meines Quartiers lautes Schluchzen, Ich sah eine Anzahl älterer und jüngerer Frauen beieinander stehen, die sich übhaft über etwas besprachen. Was es war, konnte ich zunächst nicht vernehmen, aber von Tränen ge­rötete Angen hatten sie alle.

Ich dachte, daß vielleicht ein paar Nachbarinnen die Bkachricht vom Tode eines der Söhne dieser Stadt gemein­sam beweinten. Im übrigen machte ich mir nicht viel Kopf­zerbrechen, denn weinende Frauen gehören ja leider mit zum Bilde des Krieges, und man wird ihren Anblick gewohnt,, Aber diesmal mußte doch irgend etwas Besonderes geschehen sein. Denn auf meinem Wege durch die Stadt begegneten mir überall die Gruppen weinender Frauen; nrir schien es, daß hier kein wechliches Wesen mehr einherging, dessen Ge- fidjt nicht in Tränen gebadet war. Also war vielleicht die Kunde von der Niederlage eines französischen Regimentes «ngetroffen, welches sich aus dieser Gegend rekrutierte.

Endlich aber fiel mir ans, daß ich keinen Mann mehr in den gestern noch sehr belebten Straßen sah, und als ich dann an eine der weinenden Frauenqrnpven herantrat und mnh dem Grnud der Tränen forschte, erfuhr ich, was vor-

r ifallen war. An jenem Morgen waren zwischen 5 und llhr die sämtlichen männlichen Einwohner der Stadt und der Umgebung von unserer Besatzung verhaftet und abgeführt worden; alle, ohne Ausnahme, die in waffenfähigem Alter waren,Aber meinen Mann hätten sie unter keinen Umstän­den verhaften dürfen, er war rssorme (ausgemustert), er brauchte überhaupt nicht Soldat zu sein und war froh, daß er nicht in den Krieg mußte. Ich werde den Kaiser Wilhelm wegen Bruchs des Völkerrechtes verklagen", beteuert mit schönem, aber erfolglosem Eifer eine elegante, junge Dame, Und mein armer Marcel ist erst 17 Jahre alt. Er hat «jemals an den Krieg gedacht. Wenn er wenigstens einen tchrrmen Mantel ungezogen hätte, als er heute morgen in die Fabrik ging, aber er hat ja geglaubt, daß er züm Mittag- essen wveder zu Hanse sein würde. Und nun ist er weg, ganz ohne Abschied", klagte eine fröstelnd in ihr geflicktes Ilm- hSngetnch gewickelte Matrone ans dem Arberterstand,

Denke Sie, wie es uns gegangen ijf", mischt sich irre behäbige Frau eines Kaufmanns in die Unterhaltung,Mein Wann geht heute morgen um ein halb sieben Uhr in den Hof, um d ie Kan inchen zu füttern. Das tut er i innrer selbst, es stk sein Eigensinn, obwohl er es doch gar nicht notig hat. Ich höre fremde Stimmen im Hose, deutsche, mir ahnt nichts Gutes, und wie ich nach unten komme, sehe ich, daß mein Mann durch einen von dieser deutsche»Landwehr" ver­haftet ist. Ich stlge zu dem Deutschen:Mein Mann ist nn- schuldig. Sie dürfen ihn mir nicht wegnchmen," Der antwor­tet mir französisch:Er müsse seine Pflicht run, und niein Maun sei Kriegsgefangener. Das war ein ganz frenndlicher Herr, der Deutsche; er hat sogar gestattet, daß sich nrcin Mann noch reisefertig anzog und daß ich ihm einen kleinen Koffer packte. Aber das mußte in drei Minuten geschehen, und nachher ist mir erst eingefallen, ivas ich alles vergessen habe einzupacken,"

Besonders groß war das Gedränge der Frauen vor der deutschen Kommandantur, Da ltzelt eine kleine schmutzige Frau von höchstens 18 Jahren, die ein Rind am' Schürze»

Stetzener Sta-ttheater.

Der Stwm,

Schcmfpül von Ätax Halbe,

Man wird es denk Stadtkheaür Dank wissen, das es genern abend zur Abwechslung zum erstemnäl in dieser rwülzeit einen , Mewernen zu Wort kommen ließ. Man gab Max Halbes drei- aktiges SchauspielDer Strom", Max Halbe in webr Lyriker als Dramatiker. Seine Menschen wachsen aus dem Boden, in . den er sie stellt, mit gesunder Farbe heraus, aber aus den Sckwß-- lingcn wird meist kein selbständig sich breitender Baum, sondern das Wachstum hält frühzeitig tune, und die Pflanze gedeiht weiter am Stab einer allzu spekulativen Dramatik^ und um den Vergleich weiter zu führen- am gleichen Stab wuchern Lprismen und eigenwillige, nur um ihrer selbst willen behandelte F kSSmäu, unter deren Ranken die Schößlinge inanchmal zu ersticken S drohen. Das Lokalkolorit gelingt dem Lyriker .Halbe durchweg k ausgezeichnet, die Schürzung des dramatischen Knotens aber » macht ihm, so sehr er danach ringt, Schwierigteiten,Der I Strom" ist für Halbes Schassen charakteristisch. Der lyrische M Stimmungsgehalt des Werkes svricht eine beredte Svrackte, ' aber man kann sich stellenweise des Eindrucks nicht erwehren, als ob die meisterlich als dunkles, persönliches Schicksal behandelte Weichsellandschast nur da sei, um den nicht gerade mchekannten Figuren des Stückes Gelegenheit zu einer Handlung zu geben, , deren Banalität man nur vergißt, wenn der Lyriker seine Perlen | hinein streut. Dem Deichhauptmann Doorti, der seines Vaters I Testament zum Nachteil seiner Brüder unterschlagen hat, wird i. der Strom zum Schicksal; er findet in ihnr bei einem Ringen mit » einem der Brüder, der ans Rache für deir eben erfahrenen Betrug dem k Eisgang den Weg durch den Deich bahneir will, den Tod, Der

I E Strom als solcher macht Halbe weniger Kopfzerbrechen, Er läßt r - ihn brausen und nnt Eisschollen donnern; in erster Linie ist er £ ihm Mittel zu den: Zwecke, allerhaud Vergleiche ztmsck>en dem f' sichtbaren -ström der Weichsel und dein unsichtbaren des Lebens anzustellen. So entstehen zwei uebcneinantHT bcrgehcnüe ^Hand- lungen, das Geschick, das der sichtbare den Personen des Stückes ' bereitet und die Schicksale, zu denen der Strom des Lebens sie unaufhaltsani trägt. Das gibt Risse, die dein (Kang der Handlung ebenso wie der Phantasie nicht gnt tun: sie reißen die Anteilnahme : des Zuschauers dauernd zlvischcn dem Materiellen imd Psychischen hin imb her. Es geht zudem nicht au, eitlen Fluß als rächende i Macht zu personifizieren, die es auf sich nimmt, einen Erbschleicher l mit dem Berlust seiner Kinder zu strafen. An diesen Aeußertich, lecken hört jede Tragik aus, ''Auch das Ende des Verbrechers Doorn W ist kein Ausfluß seiner persönlichen Tragik, sondern das schwach D motivierte Ergebnis erklügelter Sckuationen. Tic starke Wirkung L<Stückes liegt nicht so sehr Lu der aufwühlenden Art der' see » schien Borgauge, als vielmehr in eckier Reihe allerdings kraftvoll

zipsel hängen hatte, ein zweites auf de», Arme trug und ein drittes wohl bald erwartete, wilde Reden an die übrigen. Die Frauen hätte» ein Recht zu wisst», wohin man ihre Männer gebracht habe. So sollten sich alle vor den Eisenbahnzug stellen, der die Gefangenen nach Deutschland führen tverdc nnd sich eher überfahren lassen, als die Wegführung zugeben. Das würden sich die Deutschen dock, wohl überlegen, wenn sich 100 Frauen auf die Schienen legten. Immer wieder ver­suchten eitrige, nrit Gewalt oder mit flehentlichen Bitten iit die Kommandantur einzudringen, und die Geduld und Liebenswürdigkeit, intt der unsere Posten die Aufgeregten sanft abwehrten, war bewunderungswürdig.

Arme Leute! Man konnte ihren Schmerz und ihre Ver­zweiflung wohl begreifen, Biele hatten Bündel bei sich, Hab­seligkeiten, notwendige und ganz unnütze, die sie ihren Män­nern noch geben wollten. Und so hart diese Mcrsscnverhas- tung aller Minner einer ganzen Gegend den Betroffenen; erscheinen »rußte, sic war in Wirklichkeit eine sehr mensch­liche und notwendige Maßregel, .Hatte man doch festgestellt, daß französische Umtriebe stattgefunden hatten, die gegen die deutsche Besatzung gerichtet waren. In einem entlegenen Gebäude wurde des Nachts eine geheime Beratung belauscht und säintliche Teilnehmer sestgenommen, Dadei zeigte sich, daß unter den übrigen Bewohnern sehr viel unzuverlässige Leute waren. Da man gleichzeitig, ähnlich ivie seinerzeit in Belgien, in den, von uns besetzten Gebiete Ersatzmann- schäften z,r rekrutieren versucht hatte, so innßte dnrchge griffen werden, llno mit aller Ruhe und Umsicht sind dann in den beiden Morgenstunden dte säintlichen waffensähigen Männer der Stadt und' der Nachbarschaft aufgehoben wor­den, Als sich die Kunde hiervon allgemein verbreitete, waren sie schon weit weg, auf dem Wege nach der Heimat,

Das Janrinern der Frauen dauerte den ganzen Tag, Die tollsten (berüchte gingen um; so hieß es: daß sämtliche Gefangene erschossen würden. Andere erzählten: Die Deut­schen tvürdcn sie in feldgraue Uniformen stecken und zum Kampf gegen die Russen benutzen. Drei Tage später aber bekämen die Frauen schon Briefe von ihren Männern, in denen ihnen nritgeteilt wurde, daß sie in Deutschland gut untergebracht seien, und daß ihnen nichts fehle. Ein paar Männer, von deren Unschuld- und 'Zuverlässigkeit man sich überzeugt hatte, kamen sogar zurück rrnd berichteten, daß Man sie auf der ganzen Fahrt zuvorkommend verpflegt; habe, ganz wie deutsche Soldaten, daß sie, übrigens sich wohl befänden und daß die Deutschen zu Hause ebenso ioenig Barbaren seien, wie hier in Frankreich, Ae Frauen dursten ihren Männern durch Vermittlung der deutschen Kvinnurn dantrrr schreiben, sie dursten ihnen sogar, was vielen die größte Sorge war, Geld rrn-o kleb« Pakete schicken. Da sind daun die Träne» wieder versiegt.

In dem .ganzen französischen Gedrerc auce, dws imt besetzt halten, hock die so kräftig imd geschickt i*rrttigef «Irrte Maßregel tiefen Eindruck geinacht nnd die Lust, sich an Ver schwörungen zu beteilige«, ist den Betvvhnern eben,so ver­gangen, wie cs die französische Regierung aufgehoben hat, im Okkupationsgebiete Rekrutierungen zu unternehmen. Und wer weiß: Vielleicht wem, die Zeit deir Schmerz über den notwendigen Harfen Eingriff Hellen wird, werden zuletzt die Frauen den Tag der Tränen noch ellrmal segnen, der ihre Männer vor Unktugheiteu bewahrt imd ihre schöne Heimat vor dem Schicksal der in warnende Brandruinen vertwrndel- ten belgischen Franktirenrgebiete behütet hat.

Die irn bezahlbare Zigarre,

In einenf Weit vorgeschobenen Schützengraben im A r - gonnenwalde war seit 14 Tagen der Tabak knapp ge worden und schließlich ganz ausgegange«, Wer erneu Zi­garrenstummel fand, der dünkte sich ein Fürst, wenn er ihn nachts aus einsamer Wache aus der Tabakpfeife schmauchen konnte. Schließlich gab's auch keine Zigarrenstummel mehr

gesteigerter Zufallsnürkungen, die ihren vaekenden Eindruck stellen weise zu atemraubendcr Spannung erhöhen.

Unter Direktor Steingoetters Regie wickelte sich die Vor­stellung recht lobenswert ab. In erster Linie möchten wir das Ferdinand Stein Hofer zuschreiben, der den um stin^Gut und sein Glück betrogenen, lebenshungrigen Bauernburschen Jakob mit absoluter Wahrheit verkörperte und unter der Fülle vom Dichter als lragisch gedachter Personen dieser Absicht am vollkommensten nach­kam, Den Deichbauvtmann, der rem theatralisch betrachtet, Pewiß eine überaus ausdrucksvolle Figur ist, zeichnete Hermann Stein- goetter nnt ruhigen, siüwren corrichen, «kur schien uns die Rauh liernMur dieses kalten Verbrechers zuweilen einen Einschlag ins KonvcutioncU-Joviale zu zeigen» den der- brulale Herrenmensch nicht kamen dürfte, Anna Stettner bot als Renale, die Frau des Deichhauptmanns, ein Bild bis aufs Blut gequälter, edler weiblicher Pflichttreue, Bon durchschlagender Wirkung war Ludwig Grosser als der alte UlrickfS: eS war eine Freude, wie er die abwechslungs­reiche Rolle dieses schnaps!iebenden neuen Eckarts durchftibrte. Auch Carl Rotteck fand sich mit seiner Aufgabe al-s Strombaumeister Dooru geschmackvoll und geschickt i» der Wahl der Mütel ab, Auguste Frenze! als Großmutter Doorn und Liesl Ha in buch als Tierrstmagö ivaren durchaus am rechten Plaste, Dos zahlreiche Publikum hielt denn auch gegenüber den kräftigen Vorgängen auf der Bühne mit lauter Anerkennung nicht zurück, u-

Lin Dichter -er schleswigschen Heimat.

Z« Timm Krögers 70, Gebmtstag, 29, Novhr,

In diesen Zeilen will ich von einem Dichter schreiben, den die Literatur, aber das Volk noch nicht keni«. An der Osrgrcnze der Dithmarschen, dieserAthener des Nordens", in einer Land­schaft. die noch, möchte ich sagen, eine gewisse Keuschheit gegenüber unserer Kultur und jedenfalls unge'brochenes Volkswm bnvahrt hat, ist er geboren Timm Kröger," Mit diesen Worten hat Detlev von Liliencron vor 10Jahren den Dichter Timm Kröger beim derckschen Publikum eülgeführt, nnd der am 60, Gv- burtstag dieses Meisters dentsckwr Erzählnngskunst geäußerte Wunsch, sein Werk möge die Aufnahme finden, die es verdient, bat sich an seineni 70, Geburtstage erfüllt. Wir verehoen in diesem wundervollen Schilderer norddeutschen Lebens und norddeutscher Menschen einen echten großen Hcimatsdichter, und selbst m den so gmiz anders gearteten lyedankcn der Kriegszell dürfen wir diesem Manne unseren ltzlückwnnsch darbringen, der ivie kaum ein anderer der Lebenden deutsches Wesen und deutsche Art in sckflich- ten Bildern der Wirklichkeit mtfgefangeu lind tief hinein geschaut in die Wunder und 'Abgründe der dcullschen Seele. Wie sein engster Landsmann imd dichterisches Bvrblld Theodor Storni ist wicki Kröger seinem Beruf nack, Jurist geiiiesen, Sv kanr er bei riner ansgedehnten Landpraxis in nahe Berülirnng mit dem 'Volk, nnd da er selbst einem irralten Banerngeschlecht entstannnt, so blieb

zu finden, MS die Not der Tabakraucher bis za diesem Gipfel gestiegen war, erschien im Schützeugväbeu cni Stabsarzt» der aus de», Etappengebiet kmn und eine vollgefüllte Zi­garrentasche mitgenommen hatte. Aber die war natürlich längst geplündert, bis der Mediziirmann in den vordersten Schützengräben nntani Da hatte er nur noch cirreir ernzageir Glimmstengel übrig behalten, de» er sich selbst zugedallit hatte, hier aber doch den Bedürftigeren überlaffen wollte. Aber nun entstand eine Schwierigkeit: vier muntere Leut­nants hatten sich -gleichzeitig um bic unbezahlbare Kostbar­keit beworben. Da mußte Fortuna enffcherden, Ae Zigarre ivurde feierlich auf einen Teller mitte» auf dem Tisch als Kampfpreis ausgestellt und dann wurde ausgeskatet, wieviel Züge jeder der Anwärter daraus tun durfte.

Als das Spiel zu «Ende ging, lmirde einer der Mückkichen, der fünf Züge gewonnen hatte» durch einen plötzlichen Befehl auf den Gefchützbeoballitnngsftcmd berufen, Mt eineni weh wütigen Blick auf die Zigarre schied er, fest überzeugt, daß ihm die anderen nur die Asche übrig lassen würden. Aber als er einige Zeit üi grimmiger Stimmung gegen die llngerech tigkeit des Schicksals auf dem Peobachtüngsstande verweilt hatte» erfuhr er, wie edel seine Kameraden waren. Denn es erschien eine Ordonnanz mit der glimmenden Zigarre nnd der strammen Meldung:

L>err Leutnant lsaben von der Zigarre fünf Züge zu gut,"

lind da sind dann fiinfiblauc Ranchlpölkcheyr-in denmächt- iickfeu Argonnenwald hiuansgezogien, imchdenkliche, unerhört selige fünf Rauchwölkchen, Nur ein Raullfer kann ermessen. >oas sie wert gewesen sind. Dann wurde die glimmende Zi­garre zu treuen Hänoen der Ordonnanz» die sich hoffentlill: nicht daran vergriffen hat» den drei übrigen rechtmäßigen Benutzern wieder zngestellt,

Die Zigarre >var eines unserer schönsten Erlebnisse» die lvcrden wir alle vier nicht vergeffen," sagte mir der frische Leutnant vom Geschützbeobachtungsfrand»' der mir ein paar Tage später» als die Täbaknvt durch eure Feldpostfendangi zu Ende war, beim blauen Rauch einer Mten, langen Bremer diese kleine Geschichte erMflt hatWenn sich die Philosoplfe» die Köpfe darüber zerbrellfen, ob das Menschenherz von ltr- beginu gut oder schlecht sei, so habe ich ru dem Augnubli^» ,vo mir die Kauieraden die Zigarre auf den Geschützbeobach­tungsstand hinausschickten, die feste llÄerzeuMrig gewonnen, daß das Menfchenhxr-z in der Grundtanlqge' edetnaitig und selbstlos ist," ^ 1

W, S-ch euermann, Kriegsberrchterstakter

Die Hricgsfjilfc der deutschen Städte.

Von Erwftr S k«i n-Werün, G«iierllllekretär des Vereins ftü .Komnvnwlloirtsthaft und KnnnrunälpolEk,

Tie deutschen Städte laben bereif? in den verganMnen .Krugs- ounialen gezeigt, daß sie ernstlich beftvLbt sind, in großzüchger Weife KrjegÄhille zu leisten. Sie haben sich sogar nicht daamf beschränkt, für die eigene Stadt zjn foogen, Ae Städte haben z, SB. der notleidenden ostprenßischen BenMerung gedacht und auS städtischen Mitteln -Beiträge für düst zwr Verfügung qeftlllL. Man k<mn bereits baile übersehen, in welchen Hauptrichtimgeil sich die Kriegshilfe der 'Städte betäLgl^man kann ab« gkeichzeitla iesfftellen, daß die in den einzelnen Städten g ena u nün Beträge für die Kriegshilie mir als vortäustge anKrsehen sind, Moncher- orts scno Tmnnien bewilligt wvr^n, di« wäbrscheinlick» wocd nicht mrsreichen werden: in anderen 'Städten hat Wan für ein­zelne Ziverie io große Snnnnen bereitgestellt, daß diese teilw eise auch ftir ander-' KriegShüfewaßnahinen nock> nnt v e r w endet wer­den köniren. Unsere Ansfölnnngen sollen in großen Zügen ein Gesanitbild von de>- Kriegslnlie der' deutschen Stiülle geben, ohne im einzelnen Anspruch auf Vollständigkeit mallien zu «wlün,

'Nach den Ntitreillmgen der Zentralstelle des Deutschen StiAte- lages tmiß die Frage der Stzersorgung mll LebenSmllteln und Brennstoft vorläimg ausgeschieden bkeiben, wir wissen aber be­reits, daß die Städte auf diesem Gebiete erhebliche Aüfwendungen

I chln nichts verborgen in den Herzeil dieser Menschen, die sich sonst I so sckyvcr dem Blick erschließen.In diesem Sinn ist er ein Bauer geblieben," sagt Liliencron von ilnn,Seine Heimat liegt in meinem Sckileswig-Holstei», mllten ini Ntvor, in Heide und Wald, Er taucht heute noch oft in diesen Jungbrunnen hinab. Dort ist noch alles ursprimqlicki: da sitzen nocki der Tischler, Schäfer, Pferdehändler, derPutter" (Töpfers, nird loas sonstvoni Lande" ist, zusammen in den Weg- und Waldkneipep, llnd sagen lange nichts, bis endlick, ein trockener Witz das schweigen löst. Und dann lachen sie, Timm Kröger kennt alle und ist von allen gekanM, Gehört dochder Herr Justizrat" zu ihnen. Und seine fülle Land schalt llmnt ec inll allen ihren Reizen: zu ihr hat er ein lämergd- schaftliches Verhältnis. Die wolkenschtvere Melanllwlie Schleswig Holsteins, die mit so üefem .Hiunor vereinigt sein kann, lügt über seinen Dichtungen, llnd eine feine, nicht aufdringliche Philosophie und Weltamchauung glimmt wie Feuer imter der Mche," Mit 47 Jabren lyir der Kieler Rechtsanwalt 1891 sein erstes BuchEin,' fülle Welt" veröffentlicht, lose Bilder nnd Gescknchten, oft mehr Gedichte in Prosa, als wirlliche Erzählungen, Der Landvogt von Kelünghuscn, Liiünrron, ermunterte den oielbeschästigten Juristen, die in ihm wohnende Blicke der Poefü, die der Menstaub zu vertrocknen drohü, zu hegen und zu pflegen. Es folgten einige andere Erzählungen, die die große Begabung Krögers, seine Kimst der Gestaltung der Eliarakteristik, nt ein reineres Licht hoben. Aber zur vollen Meisterschaft entwickelü sich fein Erzählertalenl «st. nachdeul er im Jahre 1903 drückendsten Amtsgeschäfte von fiel» geworfen hatte »nd sich ganz semem Schaffen widnieii konnte, Bon da an effcknenen Schlag auf Schlag eine Reihe von Meisterstücken, die ihm unter den deutschen Erzähtenr einen allerersten Rang er oberten nnd deren Krönung toohl die großarüge NovelleUm den Wegzoll" ist, Ihre starke Sümnrung und ihren vollen warmw, Dust zühen alle seine (beschichten ans d« hinüschen Erde, ,Jch kann den Gegenstmrd meines Schaffens mcht frei wählen," hat er einmal gesagt,immer nnd imm« ntüd« zieht es mich aufs Land, nach dem Dorf, in den, ich geboren und groß geworden bin. Ja, lln Grunde sind alle mein e Do rf« da- eine, hin und wieder ««kappte Torf,,. Ich, bin Heiimttsdäckt«, weil nrir die Sehnsullii nack> Jugend nnd Hei>»at die stärkste» Jmpuksr gibt. Wenn die sebninchi bl mrr i'NixcckN, dann frbe ich crnnKr unstren so berrtüd in d« ''st-ruw, der Wiesen nnd Moore vorqeschobencti Hot. alün -Bamne sein' ick,, namenl llch vükhniiü-rüäliüae lllme nnd c-benso alte Linde, die damtlls (jetzt Itobei, sie fallen miisßm> vor den Süilomfenfüro am Wege standen, ich sehe ihre Wipfel wie mit großen 'Augen nack dem versa»üoen Jimgen anslugen," Aber mcbi noch als du yandichast locken ihn die Menschen und ihr rätselvolles Tun und Treiben Ein Seelenürschrr ist er von drmnaüsch« (üclvalt, der iarmer tiefte schürft i,r den Labyrintlwn des MenscknoiherzeitS, wo das allgemein Menjch'lichr. um die ewigen .Konflikte des Dasein- anixuspuren:Jnn«c Vorgänge und sine Tarfüllnng scheinen mi.