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Nr. 279 Zweites

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieSiehener ,;ainiIIenbIStter" werden den,

.Anzeiger' vierniai wöchentlich beigelcgt, das llreirdlatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen seit- sragen" erscheinen monatlich zwennal.

Blatt Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhesjen

greitag, 27. November

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriltleitung.Geschäitsslclle ».Druckerei: Schul straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:s^^öl,Schrift- leitung: es^!12. Adresse ftir Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße».

Vorhaltungen einer Amerikaner; gegen Deutschland und ihre Widerlegung.

Mit ganz besonderem Eifer wird der Kamps um die Seele der Neutralen in den Bereinigten Staaten von Ame­rika geführt, wo einerseits das Deutsch-Ainerikanertunl für unsere Sache ivie für seine eigene sicht, >vo aber anderseits die durchgängigen Anschauungen und Vorstellungen von den Verhältnissen Europas so unklar und verworren sind, daß die Engländer es leicht hatten, den Leuten eine deutschfeindliche Brrlle ans die Nase zu setzen, ehe sic es recht merkten. Einen interessanten Einblick in die sonderbare amerikanische Vor- stellungswelt und den Kampf dagegen gewährt das nach­stehende Federduell, das zwischen zwei nanihastcn Persön­lichkeiten ausgefochtcn ivorden ist. Auf der einen Seite steht der greise Präsident-Eineritus der Harvard-Universität. Pro­fessor Charles W. Eliot, aus der andewr Dr. Bernhard Tern- vurg, unser ehemaliger Kolonial-StaatSsekretär. Hören wir, nach derKöln. Ztg", zunächst Eliot:

Eliot gegen Deutschland.

Es gibt manche wichtige Punkte, in denen die amerika­nische Sympathie entschieden auf der Seite Deutschlands ist.

1. Tic deutsche Einigkeit, die Bismarck und seine Mitarbeiter vollbracht haben, svrickü naturgemäß die Amerikaner an, deren eigenes Land ein sester Bund von mehr oder weniger verschiedenen Staaten ist, die mehr oder tveniger verschiedene Völker umfassen.

2. Die Amerikaner fühlen uneingeschränkte Bewunderung für den tvirtschastlichen und sinanziellcn Ausschivnng Deutschlands in den letzten 40 Jahren, da sie glanben, daß er in erster Linie die Frucht einer wohl disziplinierten Industrie und großen Unter­nehmungsgeistes ist.

3. Alle gebildeten Amerikaner sind der deutschen Nation dank­bar für ihre außerordentlichen Leistungen i» den Wissenschaften, in Kunü und Crziebung innerhalb der letzten 100 Jahre.

4. Alle Amerikaner, die etwas Erfahrung in Regierungs- oder Perwaltungsjragcn haben, erkennen die Tatsache tan, daß die deutsche Verwaltung beides in Frieden und Krieg die leistungsfähigste der Welt ist, und vor dieser Leistungsfähigkeit haben sic nur Achtung und Bewunderung, ausgenommen, tvenn die Leistungsfähigkeit eine unnötige Aufhebung oder Beschränkung der veriönlichen Freiheit mit sich bringt.

5. Die Amerikaner stehen mit ihrem einmütigen Empfinden aus der Seite eines Krieges, den ein Volk für nötig hält zu seiner Größe, so selbst zu seiner Existenz, ein Empfinden, welches für Familie und Besitz im Augenblick schwere Opfer heischt, die selbst d,e Zukunit nicht wieder einbringen tann, und sie glauben, daß das deutsche Volk heute von einem eben solchen überwältigenden Empfinden getragen ist.

Wie kommt eS denn aber, dost, ivo all diese ausgesproche­nen Empfindungen im Ainerika zugunsten Deutschlands in Knien oder schlechten Zeiten sprechen, dennoch das ganze Schwergewicht des amerikanischen Urteils in dem gegenwär- ligen Kriege auf der Seite des Dreiverbandes ist?

a) Die Amerikaner widerstreben der Auslieferung einer Nation zu schwerwiegenden Maßnahmen der äußeren Politik durch eine ständige Bollzugsgewalt Zar, Kaiser oder König die sich insgeheim beraten läßt durch Bernfsdivlomaten, welche sich als die persönlichen Vertreter ihrer verschiedenen Souveräne be- trachten.

b) Sic ividerstreben dem Verfahren, in irgendeines Herrschers Jöaiib die Macht zu legen, eine Mobilniachnng anzuordncn oder Krieg zu ertlären vor einer eingehenden Beratung mit einer Volks­vertretung und ohne irgcndmelche Mithilfe derselben. Tie Tat­sache, daß die deutsche Mobilmachung angcordnet wurde, drei Tage bevor der Reichstag zusammentrat, verwirrt alle amerika­nischen Begriffe und Ansichten über die Rechte des Volks und die angemessenen Grenzen einer Vollzugsgewalt.

c) Die Heimlichkeit europäischer diplomatischer Verhandlun­gen und internationaler Abmachungen und Bünönisbedingungen ist trach der Auffassung schlichter Amerikaner nicht mir unpraktisch, sondern gefährlich und unberechtigt.

di Die Auffassung, daß man die wahre nationale Größe aus militärische Stärke bauen niüßle, scheint dem denkenden Amerikaner irrtümlich und am letzten Ende auch für eine christliche Nation nicht würdig zu sein.

e) Die Amerikaner widerstreben der Ausdehrrung des Staats­gebiets mit Gewalt und entgegen den Würrschen der betressendcn Bewohner. Dieses Widerstreben ist das notweitdige Ergebnis unse­rer demokratischen Einrichtungen, und das amerikanische Volk ist dieser denwkratiscken Auffassung treu geblieben unter Ver­hältnissen von beträchtlichen Schwierigkeiten, z. B. als es sich von Kuba zurückzog, der reichen Insel, die amerikanische Truvveil

Nünstlerbriefe aus dem Felde.

Bon zwei jungen Künstlern, die dem Rui des Vaterlandes gefolgt find, liegen uns zwei Fcldpostbricsc vor. die zeigen, >oie das gewaltige Erlebnis aus ihre empfänglichen Seelen wirkt und wie die Hoffnung derer berechtig! ist, die von der reinigenden Kraft des Krieges auch eine tiefgehende Wirkung aus unsere Künstler und unsere Kunst erwarten.

Die Seclcnschulc.

P., Mitte November.

... Das war ein Monat, der Oktober. Voll der tiefsten see- lisäieil Erlebnisse, Körper und Geist bis zum letzten in Anspruch nehmend. Sein 'Abschluß war ein Sturni auf Z., bei dem nur BeethovensFreudig wie ein Held zum Siegen" in dcir Ohren tönte. Noch ein paar schlimme Tage folgten, dann zog inan uns 30 Kilometer von der Schlachtiront weg in Rul>e: wohin uns weiter der Krieg führen wird, ioissen wir nicht. Man spricht von schönen Ausgaben... Was auch konimcti mag tapfer und treu, >eden Tag mein Leb«: neu als Geschenk enipfangend, als Pfand, das wuchern muß...

Ich bin froh, daß nlir jetzt beschieden ist, so viel schweres durchzukosten: es hat der Krieg eine reinigende Macht: er befreit mich voir inir selbst, und wenn Gedanken an ein schassendes Leben nach dein Kriege aussteigen, weist er Bahnen. Ich bin klarer und heiterer denn je. Meine Mannschaft sagt:Immer lacht er, selbst trenn die Granaten neben ihm einschlagcn." Ich habe solche Wun­der erlebt, an mir, daß ich fraglos lächelnd das hinnehme, was kommt, getreu meinen Aufgaben.. .

Es ist ein neues, von guten, vornehmen Leuten bewohntes Haus, in dem ich mit einem Kameraden wohne. Wir leben wie im Frieden, machen Musik, singen Schubertlieder, trinken Tee, plau­dern mit den Bewohnern. Am Abend sitzen wir zusammen mit den Kameraden und speisen, wie in einem Kasino. Die anderen Offiziere gehen aus die Jagd: ich selbst mache Reitversuche.

Wir können stolz erzählen, was wir iu dein Kriege geleistet baden, wir Bayern, unsere Kavallericdivision, unsere Jäger. Unsere .Kavallericosiiziere tragen ieden Führer aus den Händen ... Der Krieg verlangt harte, neben der ungeheuren körperlichen An­strengung vor allem Seelenarbeit: der Geist gibt dem Körper über- raupt meist noch die Kraft zu arbeiten, sonst könnte er nicht mehr: >oas von dem Führer, dem Ossizier gefordert wird, der denl Mann diesen Sioß geben muß, ist natürlich ganz besonders groß. Ich

während dos spanischen Krieges besetzt hatten, und als cs sich weigerte, mit Gewalt in Mexiko cinzugreiscn, um amerikanisches Kapital zu beschützen, als dieses Nachbarland vom Bürgerkrieg zerrüttet war. Dieser Ernwand wendet sich gegen lang ver­gangene .Handlungen der deutschen Regierung so gut wre gegen die Vorkommnisse des jetzigen .Krieges, z. B. gegen die Wegnahme von Schleswig-Holstein und Elsaß-Lothringen sowohl wie gegen die Besetzung von Belgien.

tst Tie Amerikaner nnderstreben entschieden der Verletzung von Verträgen zwischen Nationen unter denk Vorwände militärr- scher Notwendigkeit oder aus irgendeinem andern Grunde, sie wiegen sich in der Hofsiinng, daß. der Friede von Europa und die Reckte seiner Völker durch feierliche Abmachungen gesichert tverden könnten, und sie sehen daher in dem Verfahren der deut­schen Regierung, den belgischen Neutralitätsvertrag nur als ein Stück Papier zu behandeln, das man zerreißen kann im Falle militärischer Notwendigkeiten, den Beweis, daß Deutschland rv einer rückschrittlicheu Politik der allerbedenk.ichsten Art übergeht. Jene eine Handlung Deutschlands, die Verletzung der belgischen Neutralität, toürdc die amerikanische Auffassung zugunsten dos Dreiverbandes gewandt haben, auck wenn nichts anderes vor- gekommcn toüre, denn Amerikas Hoffnungen auf den Frieden und die Ordnung der Welt ruhen aut der Hciligleit von Verträgen.

g ) Indes ist die öffentliche Meinung Amerikas auck noch auf andere Weise sehr verletzt durch die deutsche Kriegführung. Ter einfache Mann in Amerika sieht keine Rechtfertigung für das Werfen von Bomben ohne bestimmten Zweck auf Städte und Törscr, die doch, in der Hauptsache von Nichtkäsmpfenden bewohnt werden, in dem Niederbrennen oder Sprengen von großen Teilen unbefestigter Orte und Städte, in der Zerstörimg kostbarer Denk­mäler und Kunstschätze, in dem Sirenen von treibenden Mrnen durch die Nordsee, in denk Eintreiben von Kontributionen aus Städte» und Orten init der Drohung der Zerstörung, in dem Festhalten unbewaffneter iBürger als Geiseln für das frredliche Verhalten der großen Masse, und in der !Bedcohung der »Er­schießung dieser Geiseln, falls »irgendwelche Unordnitngen Vor­kommen.

Fetzt, tvo der jähe Angriff aus Paris mißglückt ist und reichlich Zeit getvvnncn ist für die l-angsamer erscheinenden Kräfte von Rußland und England und wo diese beiden ener­gischen und hartnäckigen Völker beschlössen haben, all ihre geistigen uno materiellen Kräfte zu vereinen nnt Frankreich gegen Deutschland, jetzt können denkende Amerikaner nur einen möglichen Ziveck des Streites sehen, nrag er nun lang oder kurz sein, nämlich die Niederlage Deutschlands und Oesterreich-Ungarns in ihrem gegenwärtigen Vorhaben und das Ablassen beider Nationen von der Lehre, daß ihr .Heil beruht auf dem Militarismus und der Beibehaltung auto- kratischer Regierungsorgane, welche die Macht besitzen und die Mittel zu plötzlichen Kriegen. Sie glauben, daß kein menschliches Wesen je mit solcher Gewalt bekleidet werden sollte. Das Gegenmittel ist natürlich eine echte konstitutio­nelle Regierung, bei der die militärische Gewalt der zivilen unterstehst. Das amerikanische Volk ist bekümmert über die furchtbaren Opfer civ. Leben, Eigentum und natürlichcin menschlichen Wohlbefinden, welche das deutsche Volk erduldet für ein falsches und unmögliches Ideal nationaler Macht und Wohlfahrt. Die Opfer, die Deutschland seinen Gegnern auferlegt, sind fürchterlich, aber man sann hoffen, daß, sie nicht nutzlos sind, daß die Freiheit und der Friede Europas durch sie gewinnen werden.

Amerika ist dem deutschen Volk zugetan in seinen Leiden und Opfern, .aber nicht seinen Herrschern und nicht seiner Militärpartei und nicht denen unter seinen Professoren und Gelehrten, die seit mehr als einer Generation gelehrt haben, daß Macht vor Recht geht. Diese kurze Phrase enthält den Grundirrtum, der seit 50 Fahren idie Quellen deutschen Den­kens und deutscher Behandlung öffentlicher Angelegenheiten vergiftet hat.

Schließlich, hoffen und erioarten die Amerikaner, daß es sich in dem gegentoärtigen Streit nicht um ein so ver­hängnisvolles Ding handeln wird wie die Vernichtung oder d^n Untergang der deutschen Nation. Sie glauben im Gegen­teil, daß Deutschland freier, glücklicher und größer sein wird als je, wenn es sich einmal losaemacht hat von der unge­heuerlichen Politik Bismarcks und der veralteten Auffassung des Kaisers von seinem Amt und zwanzig Jahre wahren Frieden genossen hat.

Dernburg gegen Eliot.

Professor Eliot erweist den Vertretern der deuffchcn Sache in dem gegenwärtigen Kampfe eine bohr Ehre, indem er ihnen aus-

weiß, warum ich in ganz besonders schwierigen Lagen vorangehe, warum wir unserer Mannschaft Kaffee, Tee, Wein geben, so ojt wir können. Man schläft einen Tag im schmutzigen Schützengraben, den andern im Feldbett, man ißt heute ein Diner, morgen kaut man an einer harten Brotrinde und ist gesünder wie im Frieden.

Notwendig ist nur stete Verbindung mft der Heimat. Ich schreibe, so oft ich kann, bin glücklich, über jede Naclrricht von Hause, die di« llnsern in ihrem großen Harren zeigt. Es scheint der Krieg überhaupt durch die Kraft, länger durchhaltcn zu können, entschieden zu werden.

Wir standen in der letzten Zeit dem englischen Heere gegen­über, den besten Trupven des Gegners, Berufssoldaten, die seit Jahren in Dienst stehen, meist in den Kolonien. die nickt für Weib und Kind zu sorgen haben, vorzüglich ausgebildet sind. Sic be­sitzen die englische Ruhe und Kälte, halten im fürchterlichsten Granatfeuer stand. Bei Z. ließen sie sich von unseren schrecklichen Maschinengewehren hinmähen, aber keiner wich. Manu an Mann lagen sic in den Schützengräben, jeder mit einem Kopfschuß. Der Engländer ist vorzüglich ausgerüstet, mit alle» Hilfsnsitteln ver­sehen. Er hat Flugmaschinen. die Maschinengewehre tragen und auf unsere Flieger Jagd machen, genau wie der Habicht auf die Taube. Es war ein seltsames Erlebnis, als ich das vor acht Tagen zum erstenmal sah.

Unsere Maschinengetvehrc vollbrachten kürzlich eine Heldentat, Der Angriff ging an diesem Tage von Z. aus durch «men großen Wald gegen f). vorwärts. ?tn einer Ecke hatte der Gegner große Trupvenmassen bereit und machte einen Borstoß. Auf uns ging die ganze Flut vorwärts. Wir wußten es erst, als der Gegner noch 130 Meter von uns war, mindestens dreimal so stark wie wir. Der Führer unserer Maschinengewehre, ein Held, bringt die sechs Gewehre auf einem Raum von 20 Meter in ein paar Augenblicken in Stellung. Sie bestreichen fticheriörmig den ganzen Raum, wo der Gegner in geschloffenen Massen erscheint. Ein Gewehr macht 2800 Schuß hintereinander, ein anderes 6000. In Massen stürzen sie, und immer neue kommen. Unentwegt seuern die Gttvehre weiter, ein Schütze hat bereits drei feindliche Kugeln im Leib, und noch immer läßt er nicht das Gewehr; füllt wieder Master in den Kühler und feuert weiter. Der Strom der Engländer kommt zum Halten, und der Tag ist gerettet. Wer auch wir zahlten teuer; der Führer der Maschinengewehre tot... mir tat das Herz tveh, als ich's hörte, er war der schneidigste, kindlichste, reinste Held, unerschrocken und gewandt.> zu Hause harrt fern junges Weib;

cinandcrfetzt, was er von der sogenannten Teutschseindschaft in den Bereinigten Staaten hält. Ich bin überzeugt, mau wird seine Ansichten auch in Deutschland mit großer Auiiyerksamleit lesen, obwohl man ihm freilich in fast allen wesentlichen Punkten wiver- tvrechen wird. Tic Anerkennung, die Professor Eliot dem deutschen Volk im ganzen zollt, tchäyen wir besonders doch, da sic von einem Gelehrten kommt, dessen große Autoritär ans beiden Seiten des Atlantischen Ozeans ini gleichen Ansehen steht.

Tie deutschieindlichc Stimmung geht nach Professor Eliot aus von dem amerikanisck>eil Widerstreben dagegen, daß eine Nation durch eine ständige Vollziigsgcwalt schweren Fehlern preisgegebcn werden kann. Aber mit Ausnahme Frankreichs haben doch alle jetzt kriegführenden Nationen ständige Bollzugsgewalten und Berufs- diplomaten. Ihrer aller Politik wird geheim geftihrt, und alle ihre Herrscher, eingeschlosscn den Präsidenten von Frankreich, Imben die Macht, ihre Nationen in Krieg zu verwickeln. Der Deutsche Kaiser ist in dieser Hinsicht mehr eingeschränkt als die anderen Staatshäupter, und ich wüßte von keiner Kriegserklärung, die das englische Parlament ausdrücklich gutgeheißen hatte; sicherlich sind die Mobilmachung der englischen Flotta im Juli und die Mobil­machung der russischen Armee zur selben Zeit nicht einmal zur .Kenntnis der betresienden Partaniente gebracht worden. Wenn also in allen kriegführenden ctaalen dieselben Zustände herrschen, wie kann hier der Grund für die deutschfeindliche Stimmung liegen? Derselbe Einwanv gilt für die amerikanische Abneigung gegen die Macht von Herrschern, mobil zu machen oder Krieg zu erklären, bevor eine Volksvertretung gefragt worden ist. Wie gesagt, die englische Flotte ivurde mobil gemacht, ohne daß das englische Par­lament gefragt wurde, tvährciid in Deutschland der Bundesrat ord­nungsgemäß gefragt wurde. Ich füge hinzu, daß auch dieParteiführer des Reichstags, der selbst erst zwei Tage nach der Kriegserklärung zusanimenberuscn iverden konnte, beständig auf dem Laufende» ge-' halten und uni Rat gefragt worden sind.

Gegen den nächsten Punkft, wo sich Prof. Eliot über die Heim­lichkeit der europäischen Tivloniasie und ihre Abmachungen beklagte muß derselbe Einwand erhoben lvcrden. Der Zustand, ivie er hier Teutschland zugcschrieben ivird, besteht in allen europäischen Län­dern, und weder der Zwcibundvcrtrag, noch die Abmachungen des Dreiverbandes sind jemals dem französischen oder englischen Par­lament vorgelegt worden. Was dann die amcrikanisckre Haltung gegen militärische Vorbereitungen angeht, so sehe ich absichtlich da-> von ab, mich auf Amerika selbst zu berufen, obwohl ich daraus Hin­weisen könnte, daß ein großer Teil des amerikanischen Volkes süv einen entschiedenen Schutz der amerikanischen Küsten gegen jeden Eindringling und fiir eine starke panamerikanische Politik. loo nötig, mit Waffengewalt eintritt, nicht minder wie die Deut­schen darin einig sind, daß der Boden ihres Vaterlandes vor jedem Einbruch der Feinde und jeder Zerstörung mft der be- tvafsneten Stärke des Volkes freigchaltcu tverden muß. England hat cs immer gerade so gehalten, wenn nicht nnt seinem Heer, so! mit seiner Flotte, und ebenso denkeir und bandeln alle andern Völker^ Europas. Auch hier kann ber Grund für die dentschferud- liche cstimmung nicht gesunden werden.

Amerikaner widerstreben der Ausbreitung des Landesgebiet durch Gewalt." Derttschland hat nie derartiges getan, selbst wenn inan so weit zurückgeht, wie Prof. Eliot tut. Er ist zöllig .int Irrtum über die Geschichte der Eiirverleibnng von Schleswig- Holstein in Preußen. Schleswig-Holstein war ein Doppelberzog- tum und hatte niemals zu Dänemark gehört, sondern cs halte ernett Herzog und war unter der Regierung des Königs von Dänemark, solange er der altern Linie des Hauses Oldeirburg a rege hörte, Die ältere Linie erlosch, als König Christian VIII. ohne männliche Erben starb. Jetzt wollte sein Nachfolger die beiden deutschen Herzogtümer dein dänischen Königreich einverleiben. Ta erhob sich das Volk und verlangte, in der deutschen Bundesgemeinschast zu bleiben, der es immer angchört hatte, und dort befindet es sich jetzt n«k> seinem eigenen Willen. Was aber Elsatz-Lothringen an­gelst, so ist es doch bekannt, daß cs zu Deutschland gehörte, bis es gegen den Willen des Volkes von Frankreich urrter Ludwig XIV, erobert wurde, und es wurde zu TerNschland zurückgenonrmen von Rechts locgen, da mehr als drei Viertel seiner Bevölkerung deutscher Abstammung ivaren und Deutsch sprachen.

Aber ich möchte iimgekehrt Herrn Eliot siagen, wann hat je' England in seiner politischen Laufbahn den Willen des Volkes 1 Rate gezogen, wenn es ein Land an sich nahm? Geschah es. als England den Vertrag vou MasubmHill wie einen Fetzen Papier zerriß und den Burcnkrieg begann? Geschah es mit dem Volke von Zypern sin Jahre 1878? Ist etwas bekannt von irgendeiner Volksabstimmung in Indien? Hat England die Perser gefragt oder Frankreich die Bewohner von Marokko oder von Jndochrna? Ta Deutschland hier nicht anders gehandelt hat vor vierzig Jahren als takle andern Natiouen, warum führt Prof. Eliot die amerika­nische Stimmung auf solche alten Grüude zurück, während er den Nasionen, denen er zugetan ist, Dinge verzeiht, die sie in weit neuerer Zeit begangen haben?

Die Ainerikaner widerstreben der Verletzung von Verträgen."

unser Hauptmann tot... bei Mondenschein, lautlos begruben wir ihn... Es war ein schwerer Tag...

Leb' wohl, teurer Freund. Wir sind glücklich, für unseres Vaterlandes Licken und Kultur unser Leben einsetzeu zu können. Mögen Würdige die Früchte ernten!

M i t K l e i st i n s Feuer.

Aus dem nächsten Heft der Schaubühne wird uns der folgende Feldpostbrief eines Schauivielers zur Verfügung gestellt.

Ich habe, als Kriegsfteiwilligcr, auf dein Wcltthcater meine Rolle gut gespielt. Das Stichwort gab mir derPrinz vom Hom­burg", in dem ich so oft aus der Schaubühne spielte. Ueberhauvt Kleist! Im Schlachtendrange lernt man ihn kennen und noch mehr als vorher lieben! Am zweiundzwanzigsten Oktober, ffüh um Sechs die herrlichste Morgenstirnmung! Ich Nettere mit denk Oberstleutnant, tu dessen Bataillonsstab ich befördert war, aus dem finsteren Schützengraben, vergesse den hohen Vorgesetzten und ruie jauchzend, wie der alte Kottwitz:Ein schöner Tag, so wahr ich Leben atme! Ein Tag, gemacht zu süßerm Ding, als sich zu schlagen! Die Sonne schimmert rötlich durch die Wolken, Und die Gefühle flattern mit der Lerche Zum Heftern Duft des Himmels jubelnd aus!" Der Oberstleutnant:Was sind Sic zu beneiden, daß Ihr Beruf und Ihr Gedächtnis Ihnen die rechten Worte immer so in den Mund legt! Vergessen Sie die Dichter nie, wenn es mal draus anlommt!" Zwei Tage später kam es drauf an. Achtzig Mann lagen in letzter Reserve, sollten auf keinen Fall vor. Strenger Befehl des Generals, zu überwachen vom LeirtnmN. Der Abend kam, unsere Reihen sanken, die Reserven sollten und wollten aus Grund des Tagesbefehls nicht vor, trotz aller Hillerufe, Unsere Artftlerie wurde von Franzosen und Engländern gestürmt. Blutende Kanoniere stürzten zu uns und brüllten um Rettung. Da ein Moment in mir iich war einfacher Musketier): auf der einen Seite die Ordre, die starre Regel auf der andern blutende Kameraden, vier verlorene Geschütze! Ein Moment:Nun, Cäsar divus leuchte meinem Stern!" Es brüllt in mir ans:Ich nehms auf meine itappe folgt mir!" Seitengewehr ausge- Vftanzt, Sturnmiigrifi geblasen, hinein in tot Höllenrachen, andre schließen sich an. das Dorf wird gestürmt, unsre Artillerie gerettet! Mit schweren, schweren Opfern alter der Steg war unter' Im Zeichen unseres göttlichen Kleist! Am anderen Tag wurde ich Unteroffizier und erhielt das Eiserne Kreuz. Am dreißigsten Oktober traf mich ein Dumdum-Geschoß, und imu liege ick schwer verwundet im Lazarett,