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Erster Blatt 164. Jahrgang Aeitag. 27. ttoocmbcr 19M

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rolationröruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindrnckerei 8. Lange. Schriftleitung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schulftr. 7.

Bezugs» rei s: monatl. 75 Pf., viertcl- jährl. Mk. 2.29: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Ps.; durch diePost Mk.2. Viertel­jahr!. ausschl. Beslellg. Zeilenpreie- lokal lbßj^ ausw. 20 Pi. Haupt­schristleiter: Aug. Goetz. Berantwortlich für den oolit. Teil: Aug. Goetz: für .Feuilleton", .Ver­mischtes" und,GerichtS- saal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land" i Otto Braun; sür de» Anzeigenteil: H. Beck.

sieg an der Nordsront in Russisch-Polen: 40000 Gefangene. 70 Geschütze. M Munitionswagen. s50 Maschinengewehre. Das englische Linienschiff vulwark in die Lust geflogen.

WTB? Gratzcs Hauptauartirr, 26. Rovrmb. «rm. (Amtlub.) Die Lage aus dem westlichen Kriegs­schauplatz ist unverändert.

In Kegend St. H ila i r c und So ua i n wurde ein mit schrken Kräften angefctzter, al'er schwächlich durchgesüstr- ter französischer Angriff unter großen Verlusten »urückgeschlagen.

Bei Apremont machten wir Fortschritte.

In Ostpreußen ist die Lage nicht verändert. In den Kämpfen der Truppen des «Generals v. Mackensen vei Lodz tmd Lowicz haben die russische erste und zweite und Teile der fünften Armee schwere Verluste erlitten. Außer vielen Toten und Verwundeten haben die Massen nicht we­niger als etwa 40,000 unvcrwundete Gefangene verloren. 70Grschütze.160 Munitio ns wagen, 150 Maschinengewehre sind von uns erbeu­tet worden. 30 Geschütze unbrauchbar gemacht worden.

Auch in diesen Kämpfen haben sich Teile unserer jun­gen Truppen, trotz großer Opfer, auf das glänzendste bewährt.

Wenn es ungeachtet solcher Erfolge noch nicht ge­lungen ist, die Entscheidung zu ertäntpien. so lieg! das an dem Eingreifen weiterer starker Kräfte des Fein­des von Osten und SMen her. Ihre Angriffe sind gestern überall abgewiesen worden, der endgültige Ansgang des Kampfes steht aber noch aus.

Oberste Heeresleitung,

WTB.! London. 26. Nov. (Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung des Unterhauses teilte Lord Ehurchill mit. daß das LinienschiffB u l w a r k" am 25. Nov. morgens in Sh er netz in die Luft geflogen ist. Zwischen 700 und 800 Mann sind umgekommen, nur 12 wurden gerettet. Tie anwesenden Admirale berichteten, sie seien überzeugt, daß die Ursache eine innere Erplosion des Magazins war und daß keine Erschütterung des Wassers erfolgte. Das Schiff sank in drei Minuten und war ver­schwunden, als sich die dichten Nliuchwolken venogcu hatten. Tie Erplosion war so stark, daß die Gebäude von Sherneß bis aus die Fundamente erzitterten, und wurde mehrere Meilen weit vernommen.

Das LinienschiffBulwark" stainmtc ans dem Jahre 1899, hatte 15 250 Tonnen Deplacement, 18 bis 19 See­meilen Geschwindigkeit, vier 30,5, zivöls 15 - Zentimeter- Geschütze und 750 Mann Besatzung.

Wieder durften Ivir die Fahnen hissen und Jubelgeläute erschallen lassen. 11 Tage nach, dem Siege von Wloclawek ist cs dem Generals. Mackensen gelungen, seine siegreiche Verfolgung des Feindes in einem weiteren folgenschweren Siege zu krönen. Die Russen sind jetzt an ihrer Nordfront etwa 100 Kilometer weit zurückgeworfen worden, trotzdem sie Zeit gehabt hätten, durch ihre erheblichen Reserven eine . solche Katastrophe anfzuhalten, und sic haben dabei insgesamt nahezu 70000 Mann cingebüßt, die in deutsche Gefangen­schaft gerieten. Dazu kommen, wie nach dem Wortlaut der neuen deutschen Meldung zu entnehmen ist, die außerordenlt-, lich schiueren Verluste an Toten und Verwundeten, sowie die ebenfalls katastrophal wirkende Einbuße einer großen Menge Kriegsmaterials. Rechnet man die Erfolge der Oesterreicher hinzu, so haben die Russen in den letzten Schlachten 92 000 Gefangene verloren!

Die Entscheidung ist noch nicht vollständig erfochten. Wenn in der gestrigen Meldung unserer Heeresleitung von Angriffen weiterer russischer Kräfte von Osten und Süden her die Rede ist, so waren diese Angriffe von unseren übrigen f lvciter südlich stehenden Truppen zu bestehen, also wohl östlich bau Czenstochan. Ter Feind ist überall abgeschlagen worden, aber der endgültige Ausgang der Kämpfe steht noch aus.

Es ist uns nicht mehr bange, daß auch die koinmenden Kämpfe mit unseren! Siege enden werden. Es erweist sich, immer wieder als ausschlaggebend, daß unsere Heeresleitung im Osten die sichersten Nachrichten über die feindlichen Bewe­gungen hat, womit die überraschende deutsche Taktik zu . rechnen vermag. Selbst wenn unsere Truppen bei Czenstochan tvieder etwas zurückgehen ivürden was würde dies be- I- .weisen? Hindenburg wird sich aus alle Weise Gelegenheit >verschaffen, zu neuen Schlägen auszuholen, ivcnn die russische I , zahlenmäßige lleberlegenheit immer noch als Hauptfaktor an- zusctzeil sein sollte.

Eine ganz besonders erfreuliche Meldung komnit heute aus London hinzu. Das engl. Linienschiff Bulwark ist am 25. November in Sherneß infolge einer noch rätselhaften Ursache in die Luft geflogen. Sherneß ist eine feste Seestadt südlich an der Mündrmg des Medwap in das Hafengebiet der Themse, liegt also nur etwa 30 Kilometer östlich von London. Vor Sherneß liegt immer ein großer Teil der britischen Flotte, und lver lveiß, ob die englische Admirali­tät hier nicht wieder etwas vertuscht, was ihr unangenehm ist. Eineinnere Explosion des Magazins" soll die Ur­sache gewesen sein,keine Erschütterung des Wassers" sei j jcstzustellen gewesen. Nach der Geheimhaltung des

Unterganges des Ueberdrsadnoughts Audäcious ist jedenfalls kein großes Vertrauen auf die Ehrlichkeit der englischen Meldungen in die Gemüter gezogen. Wir freuen uns, daß die Engländer wieder einen sehr fühlbaren Schifssvcrlust zu verzeichnen haben, und wenn cs sich auch beiBulwark" um ein älteres Kampfschiff handelt, so hebt der Borsall doch das Ansehen der britischen Seemacht aufs neue in eine bedenkliche Beleuchtung. Jedenfalls sind die Herren Engländer über die Ursachen der Schiffslata- sttophe der Welt weitere Aufklärungen schuldig, wenn sie nicht den Eindruck verstärken wollen, daß etwas faul sei im Staate Dänemark!

Die Ricfcnschlacht in Russisch Pole«.

Wien, 26. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich lvird ver- lautbarl: 26. sttovcmber mittags. Die Schlacht in Russisch-Polen hat an einem großen Teil der Front den Charakter eines stehenden Kampfes angenommen. In Westgali­zien lvehren unsere Truppen die über den unteren Dunajec vor- gedrungenen russischen Kräfte ab. Auch die Kämpfe in den Karpathen dauern fort.

Der Stellvertteter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.

Der Sieg des Generals v. Mackensen.

Berlin, 27. Nov. ImBerl. Lok.-Anz." heißt es zu den gestrigen Kämpfen in Russisch-Polen:

In den Berichten über die großen Kämpfe, die wir nach der Kriegsbeute, die General von Mackensen machte, mtt vollstem Recht als einen großen Sieg betrachten, zeigt sich dessen Bescheidenheit und Offenheit. Denn nur ein Mann, der sich auch der noch ausstehenden HaupteMscheidung sicher fühlt, kann mit einer derattigen Ruhe darauf Hinweisen, daß er noch weitere Kampfe mit anrückendcn Verstärkungen zu bestehen haben wird, ehe der Sieg als endgülteg zu betrachten ist^ Im Norden Ostpreußens muß unsere Lage durch die Schläge bet Lodz und Lowicz beeinfMßt tverdcu. Tie dorttgc russisch« Offensive loar .nur denkbar, solange sich ihr linker Flügel durch eine von Warschau ausgehende Offensiv« gedeckt fühlte. Mtt deren Zu­sammenbruch war auch sie gescheitert.

Ans Przempsl.

Berlin, 27. Nov. Mittelst Fliegerpost beförderte Feld- Postkarten mte Przempsl. die gestern in Wien eintrascil, teilen mit: Nus geht es gut: habt nur keine Angst.

Vom serbischen Kriegsschauplatz.

Wien, 26. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Vom süd­lichen Kriegsschauplatz wird amtlich unter dem 26. Novem­ber gemeldet: In den Kämpfen an der Kolubara ist seit gestern ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Das Zentrum der feindlichen Front wurde in einer starken Stellung bei Lazarev ätsch von den durch ihren Elan rühmlichst bekannten Regimentern Skr. 1l, 73 und 102 er­stürmt. Hierbei wurden 8 Offiziere und 1200 Mann gefangen genomnren und drei Geschütze, vier MunitionSwagen und drei Mafchinengetvehrc erbeutet. Auch südlich des Ortes Ljig gelang es, die östlich des gleich­namigen Flusses gelegenen Höhen zu nehmen und 300 Ge­sang e n e zu machen. Die von Valjewo südwärts vorge­rückten Kolonnen stehen vor Kosjerici.

Ein Aufruhr der Drina-Division.

Berlitz, 26. Nov (Priv.-Tel.) DasBerl. Tagcbl." meldet aus Sofia: Nach einer Meldung aus Ni sch soll tti der Drina-Division ein Aufruhr ausgebrochen sein.

Die Beschießung von Zeebrngge.

Amsterdam, 26. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) .DeleAiaaj" meldet äus Sluis vom 25. November: lieber die Beschießung Zcebrugges sind übertriebene Gerüchte im Umlauf. Nur ein Gebäude im Hasenviertel geriet in Brand. Das eigentliche Zles- brügge ist nicht getroffen worden.

Englisches Lob der deutschen Kämpfer.

London, 26. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Boach The­mas schreibt in derDaily Mail" über die deutschen Truppen: Die Deutschen erweisen sich als sehr erfahrene Kämpfer. Tie erstaunliche individuelle Geschicklichkeit der Deutschen ist eine der Ueberraschungen der späte­ren Stadien des Krieges. Die Einzelleistmigen der deutschen Soldaten waren hervorragend. Wenn die Maschine zu versagen beginnt, kommt der einzelne Mann zur Geltung. Dieser Sieg des Einzelnen über die Schrecken der Maschine ist nicht gering anzuschlaaen. In demselben Artikel schreibt Thomas: Es gibt einen Punkt nördlich Dpern, wo die Lauf­gräben der Gegner nur 50 Dcrrds voneinander liegen. Dort ist die homerische Art, mit Worten zu fechten, eingerissen.. Unter den Franzosens st einer, der gut Deutsch kann, imstande, Beleidigungen hinüberzu­rufen, wie sie in Berlin gewürdigt werden. Umgekehrt ist in dem deutschen Laufgraben ein Deutscher, der gut Französisch kann. Jeden Morgen rufen sich beide Parteien an, und fragen, ob der Gegner noch am Platze sei.

Neue Uniform der französischen Truppen.

Berlin, 26. Nov. (Priv.-Tel.) DasBerl. Tagebl." meldet aus Ehristtania: Nach einer Drahtmeldung aus Paris kann man jetzt eine neue Uniform der fran­zösischen Truppen sehen. Die roten Beinkleider sind abgeschafft, die ganze Uniform graublau und weiß. Sie soll fast unsichtbar sein.

London, 26. Nov. (WDB. Nichtamtlich. DieTimes" melden aus Cat als vom 22. November: Durch Calais mar­schierten französische Truvvrn, die mit einer neuen Feldumform ausgerüstet waren. Die neue Unfforni hat eine Helle blaugraue Farbe, die in der grauen Winterlandschast schwer sichtbar sein soll, sich jedoch so sehr von der deutschen Feldunfform unter­scheidet, daß. Verwechselungen ausgeschlossen seien. Kappe. Rock und Hose besitzen die gleiche Farbe. Um die sranzösischen Patrio­ten mit dem Verschwinde» der historischen roten Hosen ya ver­söhnen, find in dem Blau rote Fäden erngewebt. Einig« ältere Truppen, die neu ausgerüstet werden mußten, sind mtt dieser Uniform ausgestattet.

Höchstpreise und Entschädigungen in Luxemburg.

Luxemburg, 26. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Die Karmuer hat gestern ein Gesetz betr. die Festsetzimg von Höchstpreisen für Lebensmittel und Gebrauchsartikel angenommen.

Wie dasLuxemburger Wort" meldet, hat das Deutsche Reick bis jetzt dem Großherzvgtnm Luxemburg für Flurschäden usw. Entschädigungen in Höhe von 1 2 83 000 Franken gezahlt. Außerdem erhielt die großherzogliche Regierung für die Benutzung von Straßen und Wegen sowie sür die Benutzung von Staatsgcbäudcn für Einquartierung die Smnme von 311000 Fr.

Das Gefecht derEmden" mit dem englischen Kreuzer Sidney.

Berlin, 26. Nob. lWTB. Nichtamtlich.) Bon dem Kommandanten S. M. SchiffEmden", Fregattenkapitän v. Müller, ist nachstehender telegraphischer Be­richt über das Gefecht S. M. SchiffEmden" mit dem englischen KreuzerSidney" beiden Kokosinseln eingetroffen:

Der englische KreuzerSidnev" nähette sich den Kokosinseln nnt hoher Fahrt, als dort gerade eine von S. M. SchissEmden" ausgeschiffte Landungsabteiluug das Kabel zerstörte. Das Gefecht zwischen den beiden Kreuzern begann sofott. Unser Schießen war zuerst gut: aber binnen kurzem begann das Feuer der schweren englischen Geschütze, wodurch schwere Verluste in unseren Geschützt bediennngen emtraten. Die Munition ging zu Ende, und die Geschütze mußten das Feuer einstellen. Trotzdem die Ruder­anlage durch das feindliche Feuer beschädigt war, wurde der Ver­such gemacht, auf Torpedvschußweite an dieSid­ney" heranzukommen. Dieser Versuch mißglückte, da die Schornsteine zerstört waren und Mfolgedcssen die Geschwindigkeit derEmden" stark herabgesetzt war. Das Schiss wurde deshalb in voller Fahtt an der Nvrd-(Liw-)Seite der KokoSinseln auf ein Riff gesetzt.

Inzwischen war es der Landungsabteilung gelun­gen, auf einem Schoner von der Insel zu entkom­men. Der englische Kreuzer nahm die Verfolgung auf, kehrte aber am Nachmittag wieder zurück und feuerte auf das Wrack S. M. SchiffEmden". Ilm weiteres unnützes Blutvergießen zu vermeiden, kapimlierte ich mit den, Rest der Besatzung. Die Verluste S. M. SchiffEniden" betragen: 6 Offiziere, 1 Dcckoffi- ziere, 26 Unteroffiziere und 93 Mann gefallen: 1 Unteroffizier. 7 Mann schwer verwundet.