französischen Kriege Warden vom Boanrn des Krieges, im Juli 1870, bis zum 31. Mürz 1871 befördert durch die Norddeutsche Feldpost:
89 6.70 000 Briese und Postkarten,
2304310 Zeitungen,
43 023 460 Taler Dienstgelder,
16 842460 Taler Privatgelder,
125916 Dienstpakete,
1853686 Privatpakete; durch die Bayerische Post etwa:
3 240000 Briese,
72000 eingeschriebene Briefe und Geldbriefe,
90000 Pakete;
durch die Württemdergische Post bis zur Rückkehr der Truppen:
6898 000 Briefe, Karten und Zeitungen,
454 233 Paket- und Geldsendungen im Wert von 4 834 083 Gulden; durch die Badische Post:
1470 500 Postkarten, gewöhnliche und beschwerte Briefe, 114 400 Zeitungen,
1908 100 0-elder, 'Dienstgelder,
1023110 Gelder, Privatgelder,
63 007 Pakete.
Bemerkenswert ist besonders die Angabe eines Poststatistikers, das; zur Kriegszeit der gesamte Postverkehr in Deutschland inkl. Feldpost um U/s gestiegen war, also sich mehr als verdoppelt hatte, trotzdem Handel und Wandel doch einen argen Stoß erhalten hatten. Man muß dabei bc- denken, daß Hunderttansende im Felde stehender Leute, die mit ihren Lieben daheim einen regelmäßigen Postverkehr unterhalten, in Friedenszeiren vielleicht überhaupt nie oder doch sehr selten Gelegenheit hatten, Briefe zu schreiben oder zu bekommen. Und dieser gesteigerte Verkehr ist nur mit ver- minderten Kräften ausjührbar, beim die altgcschulten Kräfte stehen als Kämpfer im Felde, und die neuen Kräfte müssen sich erst einarbeiten.
vilder aus dem bombardierten Reims.
„Ouararrts-nsuviäms Jour du bombardement!* — „Neuuundvicrzigster Tag der Beschießung!" — das ist die neue Zeitrechnung der Bewohner von Reims. Jeden Morgen, noch ehe es dämmert, kriechen sic aus ihren durch Sandsäcke geschützten Kellern hervor und eilen, Männer, Frauen und Kinder, mit einigen Flaschen Wein. Brot und kaltem Fleisch für ein „Al fresco Mahl" unter dem Arm aus die umliegenden Höhen der Stadt, von wo sie dem Artillerieduell der französischen Batterien mit den ans den eroberten Forts Brv- mout, Nogcnt, l'Abbesse und Bcdru aufgestellten deutschen Geschützen zusehcn. Am Abend, wenn das Artilleriefeuec Nachläße, kehren sie dann wieder in die Stadt zurück und die beiden noch erscheinenden Lokalblätter teilen ihnen mit, weichen Schaden die Deutschen am 49. Tage der Beschießung angcrichtet haben. Ein Mitarbeiter des „Daily Graphic" erzählt, daß besonders die alteren Sladtleilc, die Häuser der Rue de Marc, Rue Colbert, Rue de Betheny und Rue Bouchers de Perlhes scinver gelitten haben. Was die Go- schosse der deutschen Artillerie nicht zerstören, vernichten ihre „mit brennendem Petroleum gefüllten Handgranaten (!!)". Nach Ansicht der Reimser haben es die Deutschen besonders aus die großen Sektkcltereien von Pommcry unweit des Marnekanals abgesehen, deren elektrische Station gleich zu Anbeginn der Beschießung zerstört wurde. Auch die übrigen Gebäude sind schrvcr beschädigt. De» Champngnervorrätcn selbst können freilich auch die schwersten deutschen Hand-' granalen nichts anhaben, denn sie ruhen in ungefähr zwanzig Kilometer langen Gängen, die zehn Meter unter der Erdoberfläche in die Kalksteine der Reimser Berge gehauen worden sind. Bon den 120 000 Bewohnern der Stadt sind höchstens 40 000 zurückgeblieben. Obgleich sic sich tagsüber versteckt halten oder aus die Berge flüchten, sind doch gegen 700 die Opfer des ArtillerielampfeS geworden und über 1000 mußten, schivcrcr oder leichter verwundet, fortgeschasst werden. Die meisten Verlegungen sind aus herabfallcndc Mauer- stücke oder cinstürzende Häuser zurückzusührcn. Erst recht zeigt sich aber am Abend, wie verlassen die alte Krönungsstad« der sranzösinhen Könige jetzt ist. Kein Licht darf gebrannt werden; weder ans der Straße noch aus den Fenstern dev Häuser darf ein heller Strahl leuchten. In den Gasthöscn ziehen die Angestellten dovpelte dunkle Vorhänge vor die Fenster, che sie Licht anzündcn. Auf der Straße herrscht ägyptische Finsternis. Da cs oft regnet und man dann die Hand vor den Augen nicht sieht, muß man sich förmlich weiter tasten und fühl.'». Von Zeit zu Zeit erklingt der Schritt einer Militärpatrouille, die nachprüft, ob auch kein Lichtschein aus irgendeinem Hause den deutschen Geschützen ein Ziel zu bieten vermag. In den drei oder vier Kaffees und Restaurants, die ihren Betrieb aufrecht erhalten haben, sieht man llnisormen. Schon einige Minuten vor 9 Uhr ertönt der Ruf: „0n ferne! On ferme!" Dian schließt mit größter Pünktlichkeit und die Gäste müssen in dunkler Nacht ihre Irrfahrt nach dem oft im .Keller gelegenen Heim oder den« Hotel antreten. „Die größte Furcht der Reimser, so meint der Mitarbeiter des „Daily Graphic" — ist die, die Deutschen könnten vor ihrem Rückzug, der nach ihrer im Norden bevorstehenden Niederlage nnvrrnteidlich ist, noch Rache an der Stadt nehmen und sie in Grund und Boden schießen!" Nun» die Ereignisse im Norden, also ans dem belgischen Kriegsschauplatz deuten auf alles andere, als auf einen Rückzug unserer Truppen; somit brauchen auch die Bewohner von Reims nicht die Rache unserer Artilleristen zu fürchten.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
S&3 unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter
(Unberechtigter NaÄrruck, auch auszugsweise, verboten.)
Dir Erstürmung von Pabbcln.
Armee-Oberlommando Ost, den 14. November.
Die neueste russische Vorwärtsbewegung, deren Charakter hier neulich Umrissen wurde, hat nach den verlustreichen KLmvfcn bei Szittkehmen zu heftigen Gefechten bei Evdtkuhnen geführt, die noch andaueru. Aus dem südlicheren Teil dieses Kamvfabschnittes hotten inzwischen unsere Kräfte, die das 20. russische Kvrvs gegen die Romintener Heide zurückgeworsen hatten, zurück,icnommeii ,verden njiüsscn, da< oorr Suwalki über Goldao das 5. Kaukasische Korps heranrückte, das unseren Kräften sonst in die Flanke gekommen wäre. Unsere KorvS gingen auf eine besonders günstige Linie zurück.
Auf den beiden Parallelstraßen, die von Klein-Kummctschen nach Gumbinnen abzweigen, gingen nun die Russen mit zivci Korps gegen Gumbinnen vor. Es wurde beabsichtigt, diesen Stoß auszuhalten, die Rüssen, sobald sie in geeigneter Lage marschierten, aus unserer Linie heraus aufzusuchen.
Diesen blutigen und siegreichen Käurpfen, die mit einem fluchtartigen Rückzug dieses Teils der russischen Kräste endeten, konnte id) ungefähr im Zentrum mitten in der Gesechtslinic beiwohnen. Stärtere Truppenteile von unserer Seste waren von Darkehmen her m Richtung Goldap angesetzt Die Russen wurden dabei zu solch
eiligem Rückzug gezwungen, daß ihre Bewegung fast in Flucht aus- artete, die erst hinter Goldavv zum Stillstand kam.
Aus jeden Fall tvaren durch diese Kämpse die Kräste des deutschen Zentruncs auf sich angewiesen und mußten einen heftigen Front-Sturmangriif des XX. und Teile des II. Kaukcijisctzeii Korps zurückdrangen. Eure Ausgabe, die mit rrirverglerchliäfer Bravour und erstaunlich schnellem Erfolge gelöst wurde.
*
Die Tage vorher war heftiger Sturm gewesen. Er hatte meinen Wagen, als ich nach Gumbinnen fuhr, wie ein Segel vor sich her getrieben, nt der regenfeuchten Nacht tvaren die Pferde kaum zu, halten gewesen. Vor ,eoem Schatten, der über die Landstraße huschte, schreckten sie zusammen. Einmal, als ein mächtiger Flüchtlingswagen hart in unsere Räder fuhr, war der Fuchs gar nicht zu beruhigen. Der Wind heulte in allen Tonarten. Tie armen Leute auf der Landstraße . . . Jetzt kam der Nordwind von der Seite, und es sing wieder an kalt zu werden.
Das Wort der Schlacht war lange vorher zu hören. Bei einer Mühle machten wer halt. Sie war Beobachtungsvunkt für schwere Artillerie. Ich stieg die schmale Holzlerter hinauf und sah durch das kleine Fenster nach vorn. Rechts seitwärts lag ein Dorf, das von russischen Schrapnells überschüttet wurde. Zweitausend Meter vor mir lag Pabbeln, das unsere schwere Artillerie in Brand schoß. Die Flammen leckten schon ü'-erall hoch. Mit dem bloßen Auge
konnte man unsere Schützengräben sehen, -die nur leichthin an
gelegt waren.
Eine Weile stand ich auf der kleinen Brücke, die von der Mühle zur Treppe führte. Ta brummte es. toic das Sausen von großen Kähnen. Rechts neben mir schlägt es in das Holzgeländer ein.
lieber dem Koos summt es. Es ist besser, in den Müblra • ru-
rückzutreten. Ein Stockwerk höher hat man glänzende Be bachtnng Fast jeder Schutz unserer schweren Artillerie sctzl an der nuin u eit Stelle.
Eine leichte Batterie fährt in der Nähe der Mühle auf, neben uns aut dem freien Feld graben sich eilig die Beobachter ein. Es ist erstannlich, daß die Russen die Mühle nicht beschießen. Ta sängt es auch schon an zu heulen. Eine Granate schlägt genau in der Batterie ein. Atemlose Spannung. „Keine Verluste," meldet nach einer Weile der Leutnant.
Neben einer mächtigen Tanne krepiert die zweite Granate, cs werden ein paar Zweige zerschlagen, weiter ist kein Erfolg.
lliiserc schwere Batterte feuert ununterbrochen.
Jetzt erscheinen die russisch. Schrapnellwölkck»eir, die lange Zeit mit säst komischer Rcgeluiäßiglerl crn paar hundert Meter hinter der Mühle geplatzt sind — immer an der gleichen Stelle, an der sich ein kleiner Obstgarten befand — plötzlich vor der Mühle. „Unser" Haupt,nann schließt für einen Augenblick den Schieber. Tie Beharrlichkeit der Russen ist diesmal nicht groß, sie haben jetzt auch mit unserer Jnsanterie zu tun. In langen Ketten geht die deutsche Infanterie nördlich von Pabbcln vorwärts. Aus der Höhe kommen sie in Granalseuer. Ich sehe durch das Glas ein paar Mann fallen. Es geht, zurück in eine kleine Mulde, in der gesammelt wird. Weiter südlich stehen hinter einer langgestreckten Scheune dichte Jnsarrtcrie- massen zum Ausschwärmen bereit. Ich sehe, wie d ieM a s chr ire n- gewehre langsam nach vorn getragen werden. Ein Mann fällt, ein anderer schleppt das Gewehr weiter. Ich sehe, wie der Gefallene lrampshasl die Füße hochhebt. Er stirbt dort, ich weiß cs, aber ich schaue, nur aus die dünne springende Reihe des Rastenburger Grcnadierregimcntes, das Pgen das brennende Pabbeln jetzt stürmt. Sie verschwinden hinter den Häusern. Ich suhle in allen Fiebern, wie wir vorrücken. Auch nördlich haben wir inzwischen die Höhe überschritten. Reserven schieben sich vorwärts in die Mulde.
Unsere schtvrre Artillerie feuert ununterbrochen: „Der Eingang von^Pabbcln ist von uns besetzt," schreit der Ofsizier am Scherenfernrohr. Die Korrekturen werden jetzt z e h n- m e te tli-t i s e gegeben. Die Freude vom Beobachkungsstand wird laut, säst jauchzend.
„Ta! Mitten rein!" ruft der Major. „Schnellfeuer!" geht der Beiehl nach unten. „Die Russen fliehen in ganzen Scharen, wir haben sie gefaßt." „2200 Meter, 2300 Meter, 2500 Meter, Schncllseuer!"
Die Schlacht läuft vorwärts.
Wir verlassen die Mühle, wir müssen mit. Tos lehmige Feld bölt die Füße ordentlich fest. Unser Hauptmann ist nach vorn gegangen, sich zu orientieren. Da er lustig und lebendig ans der Höhe neben einem Heuschober steht, nehme ich an, daß es richtig ist, ibm zu folgen. Der Rauch von den Geschützen und den brennen den Dörfern lagert über dein Feld. Wir sind bald an den Reserven vorbei. Wir gehen alle schnell, unbewußt schnell vorwärts. Ich höre es nicht mehr,.daß die .Kugeln sausen und daß die Granaten heulen. Ich bin im G e f e ch t s n e b e l und gehe vorwärts. Jedes andere (JVch'ibl erstirbt vor diesem „Vorwärts!"
Russische Gefallene liegen haufenweise ans dem Feld. Ein Mann bat einen Granatsplitter in den Schädel bekommen, das Gehirn anillk weich heraus, trotzdem bewegt er ununterbrochen die Hand. Ein deutscher Geftciter ist beim Vorwärtsspringci, von der Kugel getroffen worden, sein Gesicht ist in die Erde gegraben. Durch den Körper geht eine leise zuckende Bewegung, als ich vorbeikommc. Dann liegt er still.
An einer Stelle liegen zwei Feldgrau« dicht nebeneinander, der eine scheint dabei gefalle« zu fern, wie er dem anderen Hilfe bringen wollte.
Mit unheimlicher Schnelligkeit entfernt sich das Jnfanterre- fcuer nach vorn. Dir Reserven schieben sich in dichten Schwärmen heran. Die russische Artillerie hat mit Feuern säst ausgehört. Sie scheint Stellung zu wechseln.
Unsere schweren Batterien feuern ununterbrochen.
Im Galopp geht eine Feldbatteri« hinter dem letzten Hanse des langgestreckten Dorfes Pabbeln in Stellung. Der Richtkreis ist bereits vorbereitet. Nach ein paar Minuten dröhnt schon der erste Schuß.
Ich durchschreite einen großen Wirtshausgarten. Hier ist das Bild der Flucht: Dutzende von sortgeworfenen Gewehren, Patronentaschen, Brotbeuteln, Wasserflascheit liegen durcheinander, ein paar Russen bluten in gekrümmter Stellung, einer lehnt beinahe aufrecht an eine Tanncnhecke, durch die er sich flüchten wollte, als ihn der Schuß tras.
Die Häuser werden durchsucht. Aus einer Tür wird ein Russe geschoben, der sich noch mit Gewehr versteckt hatte. In einer Scheune sticht dir Säuberunqskomvagrrie mit dem Bajonett in das fußhohe Stroh. Russische Hilirrufe schreien auf. Das Stroh färbt sich dunlclrot. „Nachher schießen die Hunde aus dem Stroh", sagt die Wache. „Das machen sie gern." Diese da in der Scheune von Pabbeln werden nicht mehr schießen.
Große Trupps von Gefangenen werden die Straße hinunter- geführt. Sie sammeln sich bald zu langen Zügen, die stumpfsinnig nach rückwärts trotten.
In einem Pscrdeslall liegt auf einer Tragbahre ein russischer Offizier vom kaukasischen Regiment Luchum. Er hat einen Schrapncllschuß bekommen. Die kurze Preise läßt er keinen Augenblick aus k>em Mund. Er such! mit allen Kräften Haftung zu wahren. Ausfallend ist, wie wenig dir gerangenen Mannschaften, die dabei stehen, sich um den Offizier kümmern. Sie beantioorten auch oft voreilig die Fragen, die an den tVerwundcten gerichtet werden. i
Aus der Landstraße trabt ein Stab vorbei. Durch Staubwolken sieht man die Fahnen des Roten Kreuzes wehen, das herannaht Die Aerzte und Träger suchen die Felder ab, tüber denen eben wieder Schravnellwolkerr erscheinen.
Tic Russen scheinen sich noch einmal zum Widerstand auf- zurasscn. Der Kommandeur der Rastenburger Grenadiere macht einen Augenblick Halt. Ich werde ihm vorgestellt.
„Meine Grenadiere!" sagt der Oberstleutnant und sieht nach vorwärts, als ob er sie vorn ein paar ^hundert Meter weiter in der Schützenlinie sehen könne. „Sic haben sie stürmen sehen...."
Ich bejahe. Das Auge des Mannes ist einen Augenblick wie nach innen gekehrt. Er macht eine Wendung zu dem Adjutanten, der Befehl erwartet. Die Stimme ist jetzt kurz,und hart: „Sorgen Sie dafür, daß mein Ofsizier in einer Stunde,,ja, in einer Sttirrde, sagt der Stabsarzt, begraben wird! Feierlich. Vater unser. Nicht wahr?"
„Zu Befehl, Herr Oberstleutnant!" sagt der Adjutant.
ich den russischen Ossizier..." c
„Auch Einzelgrab. Aber getrennt natürlich. Bftte, aber rasch.''
„Zu Beseht." ,
Ein anderer Offizier bringt euren Befehl. ,
„Das Regiment rückt vor," sagt der Oberstleutnant, und falz er sich vcrabfchiedet, sind seine Augen wieder mit diesem unbestimmten Ausdruck in die Ferne gerichtet, als ob.sie aus den Hügeln von Koszcmeken und Efpergallen den Sieg winken sehen
ES gibt Sieg«, die so langsam wirken, daß in an sie kauw suhlt. Dieser hier nxrr wie ein funkelnder Trunks Er schlug nm mit Adlerflügeln ub r den Reg m.u.ern Ti: airrüclcird.m Truppen sangen. Man hatte die Not >ür Ostpreußen noch einmal wicoer aus Zeit zurück geschlagen. Wer iveiß, was man nach dze. ser Zeit ein setze n kann. . .
Gleichzeitig kommt die Meldung, daß eine Tiviswn vp» DartclMen d c Runen vor sich her treibt.
Ter Schützengraben ist jetzt nalse. Die Fliegen junrmcn, abci ick» geh: weüer. Eine große Papiermühle lodert vor uns in mächtigen Flammcrcgarben auf. Auf einem Stückckien Feld duckten wir uns plötzlich wie aui Kommando. Es ist fast komisch, mit welcher Gleichmäßigkeit wir die Furck»e atzisnutzten. Das sind keine verlorene» Gesckzosse, ,vir sind im russischen Feuer, und wir wenden uns doch lieber nach der Chaussee. Wft gehen im Graben weiter. Die Fenster der Fabrik sind zum Teil noch nicht gesprungen, die dunlelrolc Glut leuckstet unheimtich aus ihnen heraus und zeichnet es wie Blutilecken auf der gelben Gras, narbe.
Tos russische Feuer wird wieder stärker. Schrapnells erscheinen. 'Die Dämmerung beginnt. Wir begeben uns ans den Rückweg, diesmal die Straße entlang. Tie Russen versuch:», den Rückzug mit Artillerie zu decken rlnd beschießen mit ocr- blüifender Präzision die Arnnarschstraßen, um den Munition;, uacknchub zu verändern. Hinter uns schlagen di« tbranaten iml unheim!ick»er Regelmäßigkeit ein. Sie ver olgcn uns ichier. Ir- desmal, wenn wir fünfzig Meter weiter find, saust die Granite rechts odkr links in den Straßengraben. Es ist kein schönes Vle- sühl, die Granate rm Rücken zu fühlen. Man kann ahnen, wie niederschmetternd und muwerrrichtend der Rückzug sein muß. Mn kommt zum Bewußtsein, was der russische Gegner eigentlich leistet, daß er trotz einer unausgesetzten Reihe von Niederlagen immer noch die nwralische Kraft zum Angrift aufbringt.
Ich blicke nach der Stelle, wo vorhin der russische Berwun- detc mit dem Kopfschuß lag. Er befindet sich in der gleichen Lage, seine reckst« Hand bewegt sich noch immer.
Im Graben am Eingang von Pabbeln liegen sich ein Deit- l'cher und ein Russe gegenüber, die im Bajonett kamps gestanden lraben. Ter blutjunge Deutsche hält das Getvehr mit dem auigepslanzren Seitengewehr noch wie zur Abwehr vorwärts. Sehr Kopi ist zur Seite gesunken. Sein Gesicht hat einen stillen und zufriedenen Ausdruck Es ist möglich, daß das eigene Gefühl die Beobackrtung täuscht, aber die Taten einer kiegrcrckren Schlacht, die so schnell vorwärts geh:, daß der Gesrl'ene nah an dm Sieg, um den er fällt, glaubt, lrakren oft diesen stiften, merkwürdigen Ausdruck, den nron nie wieder ver-fitzt, tvenu man ihn einmal gesehen hat. Als ob sanfte Hände über das Antlitz ge. fahren wären, als ob aus dem trüben Novemberhimmel rin schmales warmes Licht darüberhuschte Ich wünstkte, mau könnte irur solche Soldatengesichter von Gefallenen sehen, und nicht die andern. . . ».
Meine Pferde greifen aus. Bald werde ick» in der toten St.'.dt sein, die hrrtc morgen im Frükstch mmcr siegende Soldawn dmch- zogcn. Ein Offizin: fragt mich nach dem Standpunkt seines Stabs. Ich gebe ihm den an, den ich von beute mittag kamrte. „Ten wusste ich selbst, aber sie sind schon weiter, viel tveiter." Ich lstttte sine Flasche Rotwein für den illbend nach der langen kalten Fahrt ausgehoben. „Wollen Sic das bitte auf uweren Sieg trinken!" Ich bin heiß genug iür beute. Ick» durste inmitten der vorgchcndrn Trupvc einen Hellen Sieg erleben.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatt«.
Zusammenstoß einer Lazarettzuges mit einem Materialzug.
München, 18. Nov. (P.-T.) Die „Münch. N. N." melden: Der bayerische Lazarettzug der Freiwilligen Kraw- kenyflege, gestiftet von Oberstleutnant ä la suite Grasen v. M o y , ist bei einem Eisenbahn zusammen st oß in Lille schioer beschädigt worden. Der Lnzarettzug war am letzten Dienstag für 2 Uhr im Porbahnhos von Lille angekommen. Nachdem er etwa 20 Minuten gestanden hatte, erfolgte ein fürchterlicher Sloß, begleitet von einem gewalkt» gen Krachen. Der Lazarettzug wurde auseinandergerissc» und die Lokomotive mit mehreren Wagen eine Strecke loci! sort- geschoben. Die Insassen wurden aus den Betten geschleudert. Ein Matcrialzug mi! 60 Wagen tvar von rückwärts auf den Lazarettzug ausgcsahren. An dem aus 31 Wagen bestehenden Lazarettzug waren drei Güterivagen angehängt. Zwei von ihnen waren mit Liebesgaben belaocn. Im dritten befanden sich Pferde unter Aufsicht von zioei Offiziersdienern. Die Lokvmolive des Matcrialzuges bohrte sich derart in den letzten Güterivagen, daß dieser auf die Lokomotive gehoben wurde; über diesem lag der vorletzte mit ausivärtsragenden Rädern. Ein Wagen stellte sich senkrecht auf. Insassen und neun Pfleger mußten ihn durch die zertrümmerten Fenster verlassen. Ein Pfleger erlitt eine Gehirnerschütterung. Die letzten sechs Wagen des Lazarektzuges, die glücklicherweise keine Bertvundcten mit sich führten, waren auseinander geschoben und vollständig zertrümmert worden. Auch der Materialzug ist schwer beschädigt. Die beiden Ossiziers- diener sind lol, desgleichen ein Manir vom Maleriak- zug. Vierzehn Mann vom Malerialzug sind schwer verletzt. Die Verwundeten wurden ins Lazarett gebracht.
üerlufilffe.
Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 116.
Gestorben infolge Krankheit Utftz. Otto Metzger im Kriegs- lazarett Vouzners 28. 10. 14.
'Berichtigung früherer Angaben.
Gcsr. Wfth. Ackermann. Ober-Ramstadl, bish. vermißt, vw.
— Gcsr. Franz Adlon, Ostenbach, bish vermrist. verw. — Res. Karl Wilh. Andennonn, Klein-Linden, bish. verm., verw. — Res. Jakob Agel, Dteurftrnh, bish. verm., verw. — Wehnn. Will,. Alt, Malbach. bish. verm., veriv. — Welrrm. Rri«rd Best, Darmstadt, bisher verm., verw. — Res. Ludwrg Brand, Osfenbach, bish. verm., verw. — Wehrin. Johann Braun I., Außerfvl, bish verm., verw. — Get'r. Franz Becker l., Wolfsheim, bish. verm., verw. — Wehrm. Heinrich Binz. Mendorf, bish. vernr., verw. — Res Theodor Bingel, Schwalheim, bish« verm., im Laz. — Res. Otto Bühlig, Tazewerbe, bish. verm.» v«w. — Res Friedrich Blnhm. Käsemarkt, bish. rwrm.. verw.
— Res. Jakob Breidert, Langen, bish. verm., rm Laz — Re>. Herrn. Baumann, Denimin, bish. verm., verw. — Res Frans Brauburger. Rvsenheim, bish. verm., verw. — Res. Gustav Blum- hoss, Ricsenburg, bish. verm., verw. — Rei. Karl Friedrich Böttcher, Zörbig, bish. verm., verw. — Res. Ludwig Fall, Steiniurth, bish. verm., gest. rm Res.-Feldlaz. 67 Lomme 2a. 10. 14. — Gcsr. Richard Aug SülMann, Weigelsdorf, bish« verwundet, gest. im Rcs -Laz. Marburg 5. 10. 14.
LanßMehr-Jnfgntcrie Regt. Nr. 116. Darmstndt. Gestorben infolge Krankheit Wehrm. Ludwig Hartmamr im Krrcgslaz. Bouzims. Ecole de aareons 28 t0 14.
Berrckstigung früherer 'Angaben.
Wehrm. Ludwig Fink, Staufenberg, bish. verm., gest. iw Res.-Laz. Engers 1. 10. 14.


