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Zweites Blatt

Erscheint täglich nii, Ausnahme des Souulagz.

DieEießener Zamilienblätler" werde» de», .Anzeiger' viermal wochenilich bcigelcgt, das Krefsfalatl fiit den Krtis (Siegen zweimal wöchentlich. TieLc.ndwckijchasllich«,, seit- fregen** erscheinen nionaiiich ziveunat.

Jahrgang

General

izeiger für Gdechefjen

Donnerstag. November

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'schen UnwcrsiiälS - Luch- und Vteindruckcrei. R. Lange, Gieße».

Cchri'tleitinig.Geschältsslctte ».Druckerei: Schnl- strnue?. Geiwäilssiellc ».Verlag: s-^s5I,Tchi ick- leilung: sqlSllL. 'Adresse >iiv Traulnachrichten. Anzeiger Gieuen.

^aurrderhessischenAbgeordnetenmaudate.

Cs ist bekannt, bas; die hessische Regierung die Zweite Kammer für den Monat Dezember einzuberuscn gedenkt. Da wirft sich von se.bjt die Frage ans, oo denn die im regcl- näs.igen Durnus ansscheidendcn Abgeordneten für eie etzt hätte gewählt werden sollen, lvcnn der Krieg nicht ge­kommen wäre noch eine Legitimation für ihr Mandat laben. Diese Frage muß bejaht werden. Und zwar nicht nnr ius dem Wortlaut des betreffenden Artikels des Wahl­gesetzes, sondern auch ccuS der Geschichte dieses Artikels 64. Diese Geschichte soll hier dargcstellt werden.

Der angeführte Artikel lautet: Das Mandat derjenigen ^geordneten zur Zweiten Kammer, welche in Gemäßheit rer Bestimmungen im ersten, zweiten und fünften Msatze >es Artikels lU aus der Zlocitcn Klammer auszittretcn haben, st mit dem Tage als erloschen zu betrachten, an dem die Neuwahlen erfolgen. (Zum besseren Verständnis sei hier bc- nerkt, daß der Artitel til die Dauer der Lkbgeordneten- nandaie auf sechs Jahre fcstsetzt.)

Der Wortlaut des Artikels 64 wurde aus den früheren Wahlrechtsvorlagen anstandslos ülbernomnicn. Darum auch .st in den Motiven der letzten Gesetz gewordenen Vorlage von .909 zu dein Artikel im einzelnen nichts iveitcr gesagt. Wohl iber heißt es dort in der allgeineinen Begründung:Jnjo- veit der Entwurf mit der aus dem 32. Landtag eingeorach- cn Vorlage übereiustimint, Imin hieriiach auf die der letz- ercn beigegebenen Begründung, sowie aus die von dieser ingczogenen Begründung der dem 31. Landtag vorgelegten Regierungsvorlage Bezug genommen werden. Dre nach- olgende Begründung beschrankt sich darauf, insoweit Er- äuterungen zu geben, als die neue Vorlage von der vor- etzten ablvcicht oder als sonst die ständischcii Verhandlungen >es 32. Landtags lsierzu Anlaß boten." Es ivird also hier lusdrücklich aus die Vorlagen verwiesen, die den 32. und ! 1 . Landtag beschäftigten. Bereits in der Rotheschen Vorlage >on 190t auf dein 31. Landtag erschien ebenfalls der in Rede tchende Artikel und zwar unter Ziffer 57. Hierzu wurde olgende Begründung gegeben:

Dieser Artikel gibt den Inhalt des einzigen Artikels des Gesetzes vom 5. Mai 1875, die Wahlen zur Zweiten Kammer der Stände Om., wieder. Jedoch ist die Aendcrung vorgcnommen Wor­ten, daß das Mandat nicht bis zum Tag der Anordnung der Neuwahlen, sondern bis zum Tag der Neuwahlen selbst dauern oll, damit auch tunlichst in der Leit von der Anordnung bis zu >em Tag der Neuwahlen die Zwecke Kammer vollbesetzt ist. Das Aesetz vom 5. Mai 1875 war nur erlassen worden, um auszu- chlicßen, daß, nachdem Neuwahlen stattgesundcn hatten, ange- rommen werden könne, daß neben den neuen Mandaten die alten loch bis znm kalendermäßigen Ablauf der 3 bezw. 6 Fahre gültig eien."

Im damaligen Ausschußbericht wurde (zum Artikel 57) rusgefiihrt:

In diesem Arlikrl wird eine nicht unwesentliche Aendcrung des seitherigen Rechtszustandcs vorgeschlagen. Das Gesetz vom 5. Mai 1875 hatte den nach dieser Richtung unvollständigen Art. 48 des Wahlgesetzes vom 8. November 1872 dahin präzisiert, daß das Mandat derjenigen Abgeordneten, welche nach Ablaut der ersten 3 Jahre, bezw. nach Ablauf des sechsten Jahres auszutreten hatten, falls im Lause des dritten, bezw. sechsten Jahres ein neuer Landtag berusen werden sollte, mit deni Tage als erloschen zu gelten habe, an welchem die Anordnung zur Neuwahl erfolgt. Der Ent­wurf dagegen will, daß das Mandat erst mit den: Tage erloschen sein soll, an welchem die Neuwahlen st a t t f i n d e n. Es ist diese Blende­rung durchaus zu begrüßen, da sich Fälle denken lassen (z. B. die Notstandssällc des Jahres 1893), in weläwn es dringend wünschens­wert ist, eine vollbesetzte und beschlußfähige Kammer auch für die

Zeiten berusen zu können, in welchen die Wahlzeit der Hälfte tat­sächlich abgelauscn ist."

Der Artikel wurde von der Zweiten Kammer am 20. Juni 1902 ohne Erörterung angenommen. Jit der fol­genden Wahlrechtsvorlage von 1903 erschien der Artikel wieder als Artikel 58, aber auch ivieder mit einer wesent­lichen Aendcrung, in folgenden, Wortlaut:

Das Mandat derjenigen Abgeordneten zur Zweiten Kammer, welche in Gemäßheit der Bestimmungen im ersten, zweiten und fünften Absätze des vorigen Artikels aus der Zweiten Kammer auszutretcn haben, ist mit dem Tage als erloschen zu betrachten, an welchem die Neuwahlen erfolgen."

In der Begründung dieses Artikels heißt es:

In diesem Artikel sind nach dem Wortist" die Worte: wenn im Laufe des dritten bezw. sechsten Jahres der Wahlperiode ein neuer Landtag berusen werden soll" gestrichen worden. Hier­durch wird erreicht, daß jederzeit eine vollbesetzte Abgcordncten- kamnicr vorhanden ist und daß auch dann, wennausirgend welche» Gründen die Neuwahlen sich verzögern sollten, die allen Mandate nicht etiva vorher mit der» Ablauf des dritten bezw. sechsten Jahres der Mandatsdauer erlöschen, sondern über diese Termine hinaus bis zumTagc der Neuwahlen der Abgeordneten in Kraft blei- b e n."

Bei der Beratung der Borläge im Kammerplcnum wurde der Artikel so ohne Aussprache einstimmig angenom­men, auch die Erste Kammer stimmte ihm zu.

Ein Vergleich zeigt, daß der Wortlaut dieses Artikels vollkommen mit dem heutigen Artikel 64 übereinstimmt. Die Motive für jenen gelten auch für diesen, wie schon begründet, so das; also der Sinn des heutigen Artikels 64 zweifelsfrei feststeht, nämlich daß die jetzt eigentlich ablaufenden Man­date noch bis zu den Neuwahlen Gültigkeit besten.

Eine andere Frage ist, lvann diese Neu­wahlen stattfinden müssen. Der Artikel 68 des Wahlgesetzes schreibt ausdrücklich für 30 namentlich aufge­führte Wahlkreise Neuwahlen in 19 14 vor. Eine etwaige und höchstwahrscheinliche Verschiebung dieses Termins bedarf somit einer Gesetzesänderung.

Im weichsellande deiwloclawc.

Das Weichselland auf jener Strecke, wo der große Strom südöstlich von Thorn seine trüben Wasser langsam der deutschen Grenze eickgegenwälzt, ist der Sck>auplatz, wo es den deutschen Massen vergönnt war, den andringenden russischen Streiikraften so schwere neue Schläge zu versetzen. Zu beiden Seiten des Flusses, hüben im Gouvernement Warschau, drüben im Gouvernnnent Plozk sind die Russen zurückgeworsen worden. Es ist ein alter geschichtlicher Boden, aus dem hier gestritten worden ist; es ist das Land der einstigen Herzogtümer Masoioien und Kujawien, die ja beide später im polnisck-en Gesamtreiche ausgcgangen sind. Die wechselnde Geschichlc dieser Landschaften spiegelt sich auch in der Schlichtung der Bevölkerung, in der noch heute ver­schiedene Stämme erkennbar sind. Neben dem polnischen Bauern sitzt hier ivestlich der Weichsel die alte kujawische Bevölkerung, während östlich, im Gouvernement Plozk, die Masuren einen großen Teck der bäuerlichen Bevölkerung stellen: und schließlich kommen als weiteres, in dieser ganzen Gegend sehr bedeutendes Bevölkerungselenrent noch die Juden hinzu, deren Zahl besonders in Plozk selbst sehr erheblich ist. Von diesen verschiedenen Stäm- nren sind die Masuren besonders interessant. Sie pflegen das Haupthaar über der Stirn kurz zu scheren, sonst aber lang hcrab- sallen zu lassen und lang herabhängeude Schnurrbärte zu tragen. Gleich den Russen tragen sie das Hemd über den Beinkleidern, durch einen wollenen Gürtel zusanrmrngehalten, darüber eine Art Kaftan von weißer oder schwarzer Farbe, den Sukman, rmd aus dem Kopse eine niedrige Schaffellmütze, im Sommer Wohl auch einen niedrigen Strohhut. Der einstige Herzog von Maso- mien pflegte im festen Plozk zu residieren, aber die acke Haupt­stadt von Kujawien muß mau in der Einsamkeit und in der Ein­

öde sucheir. Das ist Brest, das durch den BeisatzKrjawsk" gekenn­zeichnet und von dein littauckaeii Brest, der ö.'tannte.i starten Festung lBrest-Litotvsk unter ckieden ist. Et:va 13 Werst wenlich von Wloclawec liegt diese einstige Residenz, H ut noch erkennbar an ihren alten Mauern und gral-enumrmg.en t llen. und tn c - essam durch eine bis ins 13. Jahrhundert z rückceiä:cnx Kirbe. Aber sonst ist die alte Herrlichkeit ocr rujawip, en Hauptiiadt dahin, die, vom Strome der Geschichte verlassen, heut nur noch ein elendes, vergesienes Landstädrchen ist.

Die beiden Mittelpunkte dieses Weichsellandcs bilden die Städte Wloclawec und Plozk. Be des sind alte Grün ungen, alle Knoten- punkte des Fluß- und Landverkrhrs. Wloelaivee liegt aui denr linken Weichseluser und gehört also zum Gouvernement Warschau, niilitmb Ui' Gouverneurentsstadt Plozk sich aus dem jenjtttigcn Weichselnser erhebt Diese Lage bedingt die Verschiedenheit der beiden Stadtbilder: denn aui dem ganzen Laufe der Weiche! von Nonw-Georgieivsk ist das rechte Weichselnser das Hobe, welches weithin das westliche Flachland beherrscht. Bei Plock steigt das rechte Weichselnser bis zu 60 Mir. an, und so bietet die Lladt, mit Alt- und Neustadt, über und an dem Flusse sich an-sdehnend, ein hübsches Bild, das besonders von den hochgelegenen Domanlagen bedeutend wirkt. Der Dom von Plozk stammt noch aus dem 12. Jahrhundert, und es birgt dies altertümliche Bauwerk so man­ches alte polnische Königs- und .herzogsgrab, ioie denn überlwuvt der Reichtum der Stadt an Kirchen ein beredtes Zeugnis ihrer einstigen Herrlichkeit und ihrer wandlungsvolle» Geschichte bilbet. Hier gleiten ans dem breiten Strome die Schifte vorüber, die von Warsckm» die Weichsel stromabwärts sahren. Ost ist es eine schwie­rige Schiftatirt, denn die Weichsel ist ein unzuverlässiges Wasser, das bisher unregnliert geblieben ist, und wiederholt im Jahre tritt der Strom aus, um dann nach Westen hin das Land weithin zu überschwemmen. Besonders im Hochsommer ist die Schissahrt da­durch sehr empfindlich gehindert.

Hinter dem regen Pl zk wird der Stromlaus ivieder einsam und er blecht es aus eine lange Strecke, bis endlich Wioclawec als ge­meinsamer Kmotenpunkt des Eisenbahn- und Flußverkehrcs in Sicht kommt. Wloclawec hat an Regsamkeit und Einwobncr- zah! heut selbst die Gouvcrrementssladt W zk übertroffen. Zwar nicht so alten Datums wie Plozk i! dock) auch Wloclawec eine der ältesten Städte Polens, Deren Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückzuvcrsolgen ist. Mehr als einmal haben hier schon die Deutschen Kämpfe geliefert: im 14. wie im 15. Jahrhundert sind die Scharen der Deutschordensritter bis nach Wloclawec vorgc- drungen, das sic wic-crhott zerstört haben. Tie bedeutendsten Ge­bäude der Stadt sind die Kathedrale und das Bischoisschloß, jene ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes, stattliches, von zwei Türm'en gekröntes Baudenkmal der Gotik, dies eine ansehnliche Residenz aus dem 18. Jahrhundert. Neben dem Handel hat in Wloclawec auch die Industrie sich angesiedclt, und besonders für Deutschland sind die Zellulosefabriken von Interesse, die viel Zeitungspapier in das westliche Nachbarland liefern. Denn an Holz fehlt es in der Nachbarschaft nicht und besonders ist daS Gou­vernement Plozk reirf» an Wäldern, meist Tannen wid Fickzten. Dies Land östlich der Weichsel ist ini ganzen ein wenig einladendes, düsteres Gebiet, während aus der anderen Seite des Sttomcs nicht sowohl der dunllc Wald als ausgedehnte Ackerbreitcn vorherrschen. Es ist ein guter Weizenboden, den das Volk hier bearbeitet. Aber einförmig ist das Land auch in diesem Teile: und wer etwa mit dem' Zuge von Thorn nach Wloelmoec fährt, der blickt zu beiden Seiten nur aus die weile, ununterbrochene Ebene, ans der nur hier und da einmal ein dürfttges Dorf sich erhebt. Es ist ein Land, über dem der Hauch der Schwermut ruht, und schwermütig sind ja auch die Weisen, die das Volk am Weichselstrome singt und liebt. Viel hat es im Laufe der Jahrhunderte ersahren müssen, seit es von seinen eigenen Herzogen in Brest und Plozk regiert wurde, und wieder geht jetzt die Geschichte mit ihrem unbarmherzigen Schockte durch das Land um das rührige Wloclawec.

M 000 000 Briefe.

Man wird gegenüber den zahlreichen mehr oder mrndtzr berechtigten Klagen gegen die Feldpost milder gestimmt, wenn man vernimmt, wsas sie zu leisten hat. Im deutsch-

Ein neues Heimatmuseum.

Pflege des Hecknatsmns auch in Kriegszecken.

Aus Hannover wird uns geschrieben:

Auck ein erfreuliches Zeichen deutscher Kultur iscks, daß man allüberall in deutschen Landen in den letzten Fahrens so ersvlgreckh bestrebt war, den Heimatsinn zu pflegen. Das viel­gestaltige deutsche Kulturleben mit all seinen Erscheinungen zu wahren, Ucberliesertes in dem Kreise zu erhalten, in dem es heimalberechligt ist, und wo es am besten verstanden werden kann. So entstanden in allen deutschen Gauen jene Hermatnruscen, die mit ihren Sammlungen dem Forscher einen nnerschöpslichen Quell des Studiums darbieten. Besonders im niedersächs i s chen Land cnestanden vaterländische Museen (Celle, Hannover usw.) oder Museen und Saurmlungen von Hetmatverernen, Freiltcht- Mkuseen, ja, es wurden sogar DorsmUseen angelegt, die von ganz besonderer Eigenart sind '.Wilsede, Hcrinunnsburg in der Lüne­burger hxid« lusw.).

Tie Betätigung im Sinne der Heimatpstcge hat sogar wäh­rend dieses Krieges nicht nachgelasseri. Der .Hetmatsinn, einmal geweckt, erlalsnit so leicht nicht wieder, und es gibt Männer, die mich während der Kriegsstürnrc den Schuh der Heimat nicht aus den Augen lassen, die in dieser Zeit sogar neue Pläne fasten. So plant der Hümmlinger Hcimatbund die Errichtung eines Heimat-Museums bei Ostenwalde. Der Kreis Hümmling liegt unweit der holländischen Grenze im Regierungsbezirk Osna­brück, in nächster Nachbarschast des Emslandes. Der Hümmling oder Huimling ist eine ganz eigenarnge Landschaft. Inmitten von Mooren und Heiden erhebt sich dort in der Mähe der Ems ein sandiger Höl)enzug, der die Wasserscheide zivischen den lleinen Flußläusen Haase (an denr Osnabrück liegtl und Leda (an dem das ostsricsischc Leer gelegen ist) bildet und im Windbergc bei Würger die höchste Höhe init 94 Meter erreicht. Ter Hauptort und Sitz des Landrarsamts des (polckischen) Kreises Hümmling ist der kleine Ott Sögel. Tie Gegend ist ann und überaus schwach btt'ölkctt, der ganze Kreis zähl: etwa 16 000 Einwohner in 35 Landgemeinden.' Und doch hat er sich in den letzten Fahren nnrtsrboitlich gut entwickelt: deutscher Fleiß, hat auch diese Gegend erheblich vonvätts gebrackg. Trotz seiner Arnmt und Abgcscbie- denhnt besitzt der Hümmling eine alte, bodenständige Kultur, die mancherlei Wettvolles l)ervorgcbracht bat, z. B. an Lcinenge- ivcbttl. Der Hümmlinger Heimatbund will nun in dem g-planieu Heimatmusttim seine Kultur der Nachwelt erhalten, ähnlich wie das in der Lüneburger Heide in den oben genamtten Dorsmuscen gescheht. Ein Stück Land zur Erbaimug des Museums ist bereits erworben: in diesem sollen Hümmlinger Landcserzcugnisse, alt- hüimnlingtt Trocknen und Hausrat in guter Ordnung, alles an seinem Platze, ausgestellt werden. Auch, geschichtlich und vorgc- schchtlichi' Funde will man hier, im Lande des Hunnen königs Surwold, auibcivahven. Ein Vogelichutzbark soll das, stille, in bäuerlickwnr Stile zu erbauende Heimathaus unigeben. Nreder- sachscn toird daunt um ein eigenartiges Torfmuseum bercickwtt.

H. W.

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Wie die Bilder der Londoner National­galerie gegen die Zeppeline geschützt werden. Die Engländer, die in diesen drangvollen Zecken noch den Wunsch hegen sollten, der Nationalgalerie in London einen Besuch abzu­statten, finden diese berühmte Stätte der Kunst seltsam verändett. Während sie durch den Anblick der Schönheit ihre Gedanken von den Sorgen des Tages ablenken wollen, werden ihre Blicke sogleich wieder aus dir Kricgsgesahr hingewresen, denn die Muscumsoer- waltung hat umsassende Vorkehrungen gttrosscn, um ihre kost­barsten Schätze gegen die Bomben der Zeppeline zu schützen. An den Wänden, von denen sonst strahlende Meisterwerke grüßten, herrscht gähnende Leere. Hie und da hängen als melancholische Ueberbleibsel der einstigen Pracht ein paar Bildchen von geringerem Wert, die sonst in die Winkel oder in die Nähe der Decke verbannt waren. In anderen Sälen, wo die Kostbarkeiten nicht so dicht beieinander waren, sieht es noch etwas voller aus; aber auch hier stolpert man sofort über einen großen eisernen .Wasserbehälter, der in der Mitte eines jeden Museumsraumes ausgestellt ist. Die vorsorgliche Verwaltung hat hier dir gerrügenden Wassermengen versammelt, damit die Löscharbeit im Falle einer durch Bomben hervorgerusenm Fcucrsbrunst sofort beginnen könne. Im ganzen sind mehr als 250 Bilder aus der englischen Nationalgalcrie entsernt und in bombensichere Gewölbe gebracht worden. Man fährt mit dieser Internierung" der Bilder weiter fort, und die Zahl der aus dem Museum cntsernten Werke wächst von Tag zu Tag. Unter den in Sicherheit gebrachten Gemälden besinden sich RafsaclsMadonna" undHeilige Katharina", Vclasauez'Venus und Cuvido", ein Bild, das vor einigen Monaten durch das Attentat einer Suffra­gette beschädigt wurde, dann Rubens' ..Urteil des Paris", Rem- brandts Selbstporträt. MurillosJohannes der Täufer und das Lamm", HolbeinsGesandte" und sein Porträt der ..Herzogin von Mailand". Der Wert all dieser Werke beläuft sich aus viele Millionen und läßt sich nicht genau abichötzen. Auch Privatleute, die dem Museum Vckder als Lechgabe überlassen hatten, sind ängst­lich geworden und haben ihre Schätze schleunigst zurückverlangt, um sie möglichst in Sicherheit zu bringen.

Die Ern enerung der Dresdener Hofkrrlhe. Das letzte Werk des römischen Barockstils, das seltsamerweise ans deutschen Boden steht, die von dem Italiener Gastrno Chiaven erbaute katholische Hofkirche in Dresden, hat in den letzten Mo­naten eine bemerkenswerte Erneuerung und Wicderh.wsielluug er­sahren. Chmvett hatte den Bau verkästen, bevor er vollendet war, und man darf wohl annehnren, daß er das Innere nicht in den Zustand grauer Nüchternheit geduldtt hätte, in dem es sich bisher biftunden. Wie die Kunstchronik mckteilt, ist min in geradezu mustergültiger Weste die Wirkung des Kirckzeninnern zu erncm künstlerisch reichen Bstde gestcigett worden. Man bmutzte die uok- loendigen Fnstandsetzungsarbeckcn, um nicht nur einen reicheren Sckzmuck anzubttngen, sondern durch farbige Belebung den Raum auf das prächckgste zu heben. Die beiden Seitenschisfe > nur den in bläulickz-grouen und weißen Farbtönen derart abgeslust, daß die architektonisck)e Gliederung der Wandstächcn krästtg hervorttttt.

Im Hauptschiff wurden die Dreiviertelsäulen oberhalb der Pfeiler im EinNang nckt den marmornen Säulen des Hauptaltars stirmpi- grün bemalt und die Mgehörrgen Kapellen vergoldet: ferner er­hielten der Hauptsims ipvhlabgestimmte Farbcntönc uird die Stich- kappen der oberen Fensterreihe neue Ornamente. Ani Ge­wölbe aber beseitigte man die ganz zwecklosen bemalten Mppen, die gar keine architektonische Bedeutung haben, so daß das özewölbe zu einer großattigen Raumwirkung gestcigett wurde. Ueberhaupt hat das Ganze an festlicher Pracht ungemein gewonnen und kommt ettt jetzt zu polier Geltung. Die Erneuerung der vier Kapellen wurde aus sviedliche Zecken vettchvbcn: dagegen schrecket die Wie­derherstellung des Aeußeren der Mrche immer Wecker fort. Bor allem wurde bei dem großattigen Figurcnschmuck der Oekanstrick, beseitigt, weil unter ihm die Verwitterung des Sandsterns nur fortüöreitet, ohne daß man sie bemerkt. Der Bildhauer Mattielli, der diese reichbewegtcn Skulpturen geschaffen, hat leider bei der Befestigung der verschiedenen Stücke, ans denen manche Figuren zusammengesetzt sind, effcrne Klammern bnmtzt, die rosteten und so zur i^rwüstung des Sandsteins beittugcn. Tie Figur des Johannes des Täufers war so schlimm verwittert, daß sie durch eine neue ersetzt tocrdcn mußte, während die Reste der ursprüng­lichen Plastik ins Kunstgcwerbemusemn gebracht wurden.

Funde von Hünengräbern ans der Insel Awagcr. Die Keine dänische Insel Amager, deutsch Amak, die, durch das schmale Fahttoasser Kallcbodsttand von Seeland gettcnnt, im Sunde liegt, wurde zu Anfang des 16. Jahrhunderts von .Hol­ländern bevölkett, dmen Nachkommen noch heute ihre alte Kleidcr- tracht und Sitten beibebalten haben. Auf die Urgeschichte dieser Insel, die bisher völlig im Dunkel lag, fällt nun ein interessante? Licht durch einen bedeutsamen Fund, der hier gemacht wurde. Wie das Astenbladtt meldtt, stieß man auf der Insel auf einen Grabhügel von 3'/, Mtt. Höhe und 30 Mtr. Durchmesser, und der Archäologe Kjaer vom Nattonalmuseum in Kopenhagen, der die sogleich svstc- mattsch unternommenen Ausgrabungen leitete, entdeckte drei Hünen­gräber, in denen loichttge Funde aus der Bronzezeit gemacht wur­den. Das älteste Grab stammt aus der Frühvettodc des Broinc- zeitaltcrs und wird von Kjacr in die Zeit um 12001000 v. llhr. gesetzt. Es enthielt einen Sarg aus Baumrinde. >oie äbnlickic fach an der jütländischen Küste gefunden wi'rden Das zweite Grab bestand aus einer Steinkiste, die unter den verbrannten Gebeinen Riemen- utid Güttelschmuck Bronze aufwies Es gehörte einer späteren Zeck an und war über dem ersten erttchtct. Einige Meter davon befand sich ein drittes Grab, in dem nn Eichcnkastcn aiif einem Steinunterbau von Manneslänge gesunden wurde. : ein» lag ein Miniaturschwett von Bronze mit großem Dovvelniovi, scr- ncr ein Schettncsser und eine stark beschädigte Radel, ^es Grab stammt aus dem süngeien Bronzeztttalter, ttwa 800600 v. Ehr. Durch diese Funde ist erwiesen, das, sich aus der ^nscl Amager be­reits lange vor der bolländischen Besiedelung in scrncn Vorzeiteii eine mcht unbedeutende jlUltur entnnckclt hat.