Kr. 27»
Zweiter Matt
Erscheint täglich mit AnZnahnie des Sonntags.
Tie „Kietzener Zamillendlätter" werden dem
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigeleqt, das „Istestbiatt site den Krelr Siehen" zweimal wöchentlich. Ti- „landwiklschastlichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zweiinal.
Jahrgang
ifc. »«ff'
Anzeiger für Gberhesjen
Dienstag, J7. November
Rotationsdruck und Berlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schri!tleitung,Geschäitsstelle ».Druckerei: Schulstraße 7. Geschäitsstelle u.Verlag:s^öl,Schriit- leitung: s^112. Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße».
von der Hauptstadt öe§ sinai.
Man schreibt uns: Dic jetzt viel genannte „Tladt und Festung" El-Arisch, der nach dem Mittelländischen Meer gelegene Hauptort der Sinai-Halbinsel, ist sicherlich weniger bekannt als irgendeine andere Residenzstadt in solcher Europanähe. Dabei entbehrt das heute annähernd 10000 Einwohner zählende Städtchen durchaus nicht des Interesses. In gewisser Beziehung bietet El-Arisch sogar Lebensbedin- gnngen, die anderwärts als ein fernes Ideal gelten. Man zahlt keine Abgaben langer einer kleinen Baumsteuer, die aber nur wenige trifft) und es existiert keine Militärpflicht.
Die Stadt ist für orientalische Verhältnisse außcr- jwbentücf) sauber gehalten. Die Häuser sind aus luftgetrock-- nrten Lehmzregeln gebaut, ähnlich denen der alten Aegyptcr, die für jenes günstige Klima ein so vorzügliches Baumaterial bilden, daß sic bei Ausgrabungen noch heute unversehrt ans Tageslicht kamen. Bei dieser Bauart kostet ein Haus fast nur die Arbeit. Statt der Fenster sind nur Mauerösfnungcn »»rgesehen, die allenfalls mit Holzläöen verschlossen werden köuucn. Diese letzteren und die einfach gehaltenen Türen nebst den wenigen Beschlägen sind die einzigen kostspieligeren Materialien. Mir war auf Empfehlung des Gouverneurs eines der besten leerstehenden Häuser im Zentrum der Stadt zugeroiesen worden, für das ich den Mietspreis von einer Mart zu zahlen hatte. Es bot unserer Reisegesellschaft von zwölf Personen und ebensoviel Kamelen reichlichen Raum, so hast der Mietspreis noch nicht einen Groschen für Munn und Tier ausmachte. Für einen Monat sollte dies .Haus sogar nur etwa sechs Mark kosten, und käuflich sollte ich es für 800 Mark ertverben können. Dabei hatte das Haus sünf Zim- mex und eine offene Halle und bedeckte — mit Hofraum — eine Fläche von 900 Quadratmetern.
Auch die Lebensmittel sind außerordentlich billig. Trotzdem die Stadt nach der üblichen Auffassung inmitten der Düst« liegt, bietet das trockene Flußbett des Wagi El-Arisch vorzügliche Bedingungen für Gemüse- und Getreidebau, und zu beiden Seiten der Stadt ziehen sich ausgedehnte Datteln Palmen- und Feigenwälder an den Küstendüncn entlang. Tic einzige Schwierigkeit verursacht die Wasserversorgung in den Heißeren «vnrmernionaten. Es gibt zahlreiche Brunnen, die ans einfachen Erdlöchern bestehen und die bei der Nähe des Grundwassers im trockenen Flußbett meist nur drei Meter tief gegraben werden müssen. Aber in vielen Fällen wird das Wasser im Hochsommer ungesund, und dann geht der Regierungsrat mit einem Soldaten herum und llißt die schlechten Brunnen zudccken.
Daß die Bevölkerung die Wirken mit Begeisterung aus- geuwnui cn hat, ist durchaus glaubhaft, weil hier die Zugehörigkeit zur Türkei infolge der regen Grenzbeziehungen jederzeit stark empfunden wurde. Der damalige Gouverneur, selbst ein Türke, wie in ägyptischen Dienste!: deren viele zu finden sind, hatte im Gespräch über die türkisch- ägyptischen Grenzbeziehnngen mir wiederholt betont, daß keinerlei ernsthafte Gegensätze existierten.
Zwischen der Bevölkerung und dem Gouverneur bestehen sehr gute Beziehungen. Der Letztere hatte uns zu «Aast geladen, konnte aber selbst mit uns nicht zusammenbleiben und entschuldigte sich damit, daß er — er war kürzlich von der Wallfahrt nach Mekka zurückgekehrt — der Einladung eines jeden, auch des Aermsten, Folge leisten müsse, der ihn bäte, Mi seiner Mahlzeit teikzunehmeu und thm von den Herrlichkeiten der Wallfahrt zu erzählen. Dies ist ein islamitischer Gebrauch, der die Gleichheit der Gläubigen vor dem Gesetze dartut und gleichzeitig das beste Werbemittel für das Akekkapilgertum und, für die Einheit des ZslaMS bildet. D- D.
Verlustliste der Ins.-Negtr. Nr. Ul;.
Das Ersatzbataillon des Jnf.-Regts. 116 stellt uns folgende aus den Gefechten der letzten Oktober- und ersten Novcmbertage hcrrührende Verlustliste des 1. u. 2. Bataillons des aktiven Regiments zur Verfügung:
Gefechte vom 31. Oktober bis 2. November.
I. Bataillon.
Leib-Kümpagnie.
Kriegssreiw. Karl Hill, Gclsenkirchen, vm. — Kriegssreiw. Karl Ricgclmann, Gießen, vm. — Kriegssreiw. Paul Weber l., Braun» sels, Wetzlar, vm. — Kwiegssrcim. Ernst Weber II., Braunfcls, Wetzlar, vm. — Kriegssreiw. Theodor Denn, Braunsels. Wetzlar, lvw. — Kriegssreiw. Albert Hellmuth Meiningen, Sachscn-Mci- ningcu, vm. — Musk. Otto Bogendörser, Zweibrücken, vm. — Kriegssreiw. August Klein II., Wöllstein. Alzey, vm. — Kriegs- freiw. Werner Richter, Wädcn^wil, Zürich, vm. — Kriegssreiw. Ferdinand Kentzer, Ulrickstein, Schotten, vm. — Kriegssreiw. Hugo Lotz, Unter-Schmitten, Büdingen, vm. — Kriegssreiw. Alberl Leusel, Schwalheim, Friedberg, vm. — Kriegssreiw. Hugo Schnell, Allmenrod, Lauterbach, Mit. — Kriegssreiw. Karl Cloos, Leun, Koblenz, vm. — Kw.egSfieiw. Hans Hach I., Gießen, vm. — Kriegssreiw. Karl Hack) II., Gießen, vm. — Musk. Wilhelm Nies, 'Sckzotten, vnr. — Musk. Karl Credö, Ossenbach, vm. — Musk. Heinrich Faber, Großen-Lindcn, vni. — Musk. Paul Lin genau, Bismark. Gelsenkirck-en, vm. — Musk. Willy Lenz, Gießen, vm. -— Musk. Wilhelm Langsdorf, Pobl-GönS, Frteü- berg, vm. — Re>. Heinrich Heinrich, Reuters, Lautcrbach, vm. Gesr- d. R. Karl Vormstein, Wiedenest, Guminersbach, vm. — Oberst. Bethge, vm. — Lt. d. R. Tesch vm., von der leichten Mun.-Kol. Art.-Regt. Nr. 2ö zum Regt, versetzt. — Ussz. Philipp Tron, Raunheim, Groß-Gerau, gef. — Kriegssreiw. Ernst Brinkmann, Halberstadt, gcs. — Kriegssreiw. Wilhelm Klemmrath, Gießen, gef. — Musk. Karl Hantzel, Wirbelau. Oberlahn, gef. — Res. Wilhelm Ruhl, Grebenhain, Lauterbach, gef. — Musk. Heinrich Rühl, Burkhardsfelden, ges. — Musk. Eduard Wöll, Brauerschwend, Msseld, gef. — Res. Karl Biedenkopf, Weickartshain, ges. — Gest. d. R. Ludwig GlauM, Hochelheim, Wetzlar, ges. r— Musk. Karl Pelka, Gelsenlirchen, vlv. — Gefr. Otto Walther, Erbenhausen, Alsfeld, vw. — Res. Christian Belle, Abstadt, Heilbronn. vw. — Res. Heinrich Schneider IV., Hoch- Weisel, Friedberg, vw. — Res. Tbeodo- Möller, Hartmannshain, Schotten, vw. — Musk. Max Unkel, Gelsenstrchen, vw. — Krrcgs- sreiw. Ludwig Ulm, Allendors, viv. — zeriegssteiw.-Gest. Herbert Jahn, Kars, Beutten, vw. — Kriegssreiw. August Rau, Alten- Buseck, VW. — Kriegssreiw. August Hell, Schierstein, Wiesbaden, vw. — Musk. Julian Lalevöe, t-aales, Molsheim', vw. — Feldwebel Valentin Wenzel, Hainstabt, Offcnbach, gef. — Vizewachtmeister Oskar Falke, Fulda, vw. — Gest. d. R. Hermann Eiienach, Eifa, Msseld, vw, — Musk. Karl Knüh, Raunheim, Groß-Gerau, vw. — Musk. Johann Schaden, CIdttcn, Cochem, vw.
2, Kompagnie.
Wehrm, Ludwig Klingekhöfer, Oppenrod, lvw. — Res. Wilh. Lingenberg, Wiblingwerde, Altena, lvw. — Res. Wilh. Brune, Altena, lvw. — Gefr. Ernst Bötticher, Lauterbach, gefallen. — Musk. Wilh. Busold, Witten, Hamm, lvw. — Wehrm. Friedrich Fuchs, Angersbach, Lauterbach, lvw, — Res. Christian Schreiner kl., Queckborn, lvw. — Res, Wllh. Venning, Jschdaggen, Hamburg, lvw. — Res. Wilhelm v. d. Brale. Altena, lvw. — Musk. Karl Trapp, Nonnenrod, ges. — Kriegssreiw. Friedrich Sauer, Gießen, lvw. — Kriegssteiw. Karl Schlapp, Mainzlar, gef. — Kriegssreiw. Hermann Schauß 1., Linkenbach, Neuwied, lvw. — Kriegssteiw. Friedrich Schauß II., Linkcnbach, Neuwied, lvw. — Unterofs. d. R. Fritz Steffan, Truchtersheim, Brunrath (Els.-Lothr.), gef. — Utssz. b. R. Gustav Rosar, Höchst i. O., gcs. — Gest. b. R. Wilhelm Köpke, Altenkirchen, Wetzlar, low. — Res. August Geiß, Rebges- hain, Schotten, lvw. — Musk. Phil. WM Hofmann, Heuchelheim, Gießen, gef. — Musk. Karl Lind Ik., Bermutshain, Lauterbach, lvw. — Res. Wilhelm Kunz, Ober-Schekd, Dillkreis, lvw. —- Gefr. b. R. Heinrich Hofmonn, Ober-Schmitten, Schotten, lvw. — Res. Karl Heinr. Görzcl, Herborn-scelbach, Dillkreis, lvw. — Res. Theodor Weber, Niederscheld, lvw. — Gesr. d. R. August Sieg, Münster, Gießen, lvw. — Gest. d. R. Felix Mitschke, Hayen, Dresden, lvw. —- Musk. Anton Endres, Mühlbach, Würzburg, lvw. Musk. Heinrich Jost I., Wixhausen, Darmstadt, lvw. — Musk. Ludwig Becker II., Treis a. d, Lda., lvw. — Ossz.-Stellv. Adoli Kammer, Bellersheim, lvw. — Bzf. Karl Pfeiffer, Rodheim, Biedenkopf, lvw. — llnteroff. d. R. Friedrich Rodemer, Angersbach,
Lauterbach, lvw. — Unterofs. d. R. Karl Lames, Watzenborn, ges. — Äcbrm. Heinrich Lust, Dirlammen, Lauterbach, lvw. — Musk. Paul Hoppe, Liemg, Lippe-Detmold, lvw. — Kriegssreiw. Wilhelm Müller, Grebenroth, Wiesbaden, ivw. — Res. Wilhelm Wagner, Wetzlar, lvw. — Res. Oswald Bender I., Herborn Scel- back', Dillkreis, ges. — Kriegssreiw. Llidwig Kröck l., Gießen, lvw.
— Kriegssreiw. Hclinuth Haupt, Gießen, lvw. — Kriegssreiw. Hans Barnab, Gießen, lvw. — Kriegssreiw. Rudolf Blei, Nd. Bessingen, lvw. — Musk. Eugen Hasse, Großcndors, Straßburg, vm. — Musk. Gustav Reetze, Hameln, Münden, vm. — Wehrm. Adam Schwarz, Lautcrbach, vm. — Musk. Johannes Wolf II., Lauten- wcschnitz, Heppenheim, vni.
3. Kompagnie.
Unterofs. d. Res. Wilhclin Stein, Stumpertenrod, Schotten, gefallen. — Kriegssreiw. Wilhelm Hertlein, Günzenhausen, Mittel- sranlen, gef. — Minsk. Franz Lalomv. Blotnick, Bomst (Posen), gcs. — Musk. Heinrich Bernhardt, Würger, Limburg, gcs. —> Lt. Heinz Brodrück, Berlin, schvw. — Vizefeldw. Heinrich Rumpf, Bromskirchen, Bicdcukops, schvw. — Vizefeldw. Ernst Göbcl, Gießen, schvw. — Vizefeldw. d. R. Mbrecht Bopp, Bellersheim, Gießen, lvw. — Unterofs. d. R. Gustav Otterbcin, Ruvpcrlenrod, Alsfeld, lvw. — Gefr. Georg Kohlmann, Weingart, Oberfranken, lvw. — Gesr. August Reuber, Zell, Msseld, lvw. — Res. Otto Bach, Ulfa, Schollen, lvw. — Musk. Johannes Maier, Louter- burg, Aalen (Württemberg! lvw. — Res. Karl Ruhl, Angersbach, Lautcrbach, lvw. — Musi. Wilhelm Müller, Mörfelden, Groß- Gerau, lvw. — Musk. Adolf Derivaux, Mcistratzhain, Erstein, lvw. — Ersatz-Rcs. Wilhelm Stein, Langwasfer, Schotten, lvw.
— Res. Wilhelm Hannstein, Mtena, low. — Musk. Philipp Bär, Langen, Ossenbach, schvw. — Ers.-Res. Wilhelm Düringer, Ober- Hörgern, Gießen, lvw. — Gest. Kurt Knothe, Weimar, lvw. — Kriegssreiw. Heinrich Keller, Dillenburg, lvw. — Kriegssreiw. Wilhelm Hosmann, Grebenstein, Hof-Gcißmar, schvw. — Kriegssr. Gustav Wenzel, Gießen, schvw. — Kriegssteiw. Karl Gering, Gießen, schvw. — Musk. Otto Gutsteund, Darmstadt, schvw. — Kriegssreiw. Karl Spier, Gießen, gef. — Kriegssreiw. Mb-rl Isenbcrg, Fraihausen, Marburg, schvw. — Kriegsfreilv. Karl Stoll, Sinn, Wiesbaden, sch»w. — Kriegssteiw. Ernst Becker, Darmstadt, schvw. — Kriegssteiw. Friedrich Lüll, Bieder, Biedenkopf, schvw. — Musk. Ludwig Linker, Breungeshain, Schotten, schvw. — Kriegssreiw. Ludwig Ruckrlshausen, Burg-Gcmünden, Alsfeld, verm. — Kriegssteiw. Walter Goldschmidt, Elberfeld, verm. — Kriegssreiw. Otto Dambmann, Michelbach, Schotten, verm. — Res. Konrad Theis, Groß-Eichen, Schotten, verm. — Kriegssreiw. .Heinrich Keller, Zeilbach, Msseld, verm. — Res. Johannes Strauch, Crainfeld, Lauterbach, verm. — Res. Johann Hövcler, Wetzlar, verm. — Res. Karl Lohmann, Bergebersbach, Dillenburg, verm. — Res. Heinrich Steinacker, Mainz, verni. —> Res. Johann Pigges, Iieuenrade, Altena, verm. — Vizefeldw. d. R. Georg Schäfer, Seesen, Gandersheim, verm.
4. Kompagnie.
Vizefeldw. Kaspar Heuu, Fußingrn, Limburg, tot. — Unterofs. b. R. Waldeniar Kähne, Sprochhövel, Schwelm, tot — Gefr, Joses Müller, Winzenheim, Kolmar i. Elf., tot — Res. Otto Kraus, Ruhlfivchcn, Msseld, tot. — Kriegssteiw. Wilhelm Sühs, Leun, Wetzlar, tot — Musk. Karl Trapp, Heddesheim, Weinheim, vm. — Minsk. Renatus Mathieu, Griesheim, Molzheim, vm.
— Res. Emil Beith, Haudstadt, Usingen, vm. — Kriegssteiw. Kurt Spalte, Augsburg, lvw. — Hornist Karl Lenz, Mendorf a. d. L., lvw. Res. Heinrich Hainz, Burkbards, Schotten, lvw. — Uff*. Georg Albold, Gießen, lvw. — Musk. Johannes Amend, Trers a. L., Ivw. — Ers.-Res. Albert Hosmann, Heuchelheim, Gießen, lvw. — Res. Michael Quchl, Ossenbach, lvw. — Res. Wilhelm Bender, Hungen, schvw. — Musk. Mbert Barsch, Abenheim, Worms, lvw. — Kriegssreiw. Paul Werl heim, Gelnhausen, lvw.
— Res. Ludwig Benner, Treis, schvw. — Musk. August Güth, Oberkainsbach. Erbach, lvw. — Ussz. d. R. Adolf Hermann, Hirzenhain, 'Tillkreis, lvw. — Res. .Heinrich Weiß, Niever-Breidcn- bach, Msseld, Ivw. — Kriegssteiw. Bernhard Lücke, Brilon, lvw.
II. Bataillon.
5. Kompagnie.
Musk. ttzeorg Sstesel, Offenbach, gef. — Wehrm. Johannes Dahmcr, Nieder-Moos, Lauterbach, ges. — Res. Johannes Günther, Dirlammen, Lauterbach, vw. — Gefr. d. R. Karl Volk, Leil>»estern, vw. — Ussz. d. R. Wilhelm Scheid, Annerod, vw.
— Wehrm. Johannes Hedrich, Tannerod. Alsield, vw. — Wehrm. Karl Zinn, Maar, Lauterbach, vw. — Ussz. d. R. Heinrich Barth- mann, Rauschcnberg, Kirchhain, vw. — Musk. Otto Ewald, Laubach, Schotten, vw. — Musk. Martin Medcrt, Lampertheim,
Nitzsche in russischer Beurteilung.
In der Frrrnkfitrter Zeitung Nr. 313 A. tvrrb berichtet, daß die russischen Zeitungen den Namen Nietzsches jetzt viel „Mißbrauchten" und ihn als „Verkörperung des Mllitaris- inus brandmarkten".
Wir können gerade in unserer großen und schweren Zeit ficher viel Wertvolles aus Nietzsches Werken schöpfen, aber trür wollen ihn deshalb nicht zum Götzen machen und einer unredlichen Apologetik verfallen, die jeden wirklichen oder vermeintlichen Vorwurf von ihrem Ideal glaubt abwehren zu prüften. Geben wir also rithig zu: es fehlt durchaus nicht an Gedankengängen bei Nietzsche, auf die fich die Russen bei ihren Vorwürfen berustn können. Nur ein Beispiel!
Bekannt ist ja Nietzsches Entgegensetzung von „Herren- und Sklavenmor al"; ebenso daß er jene elftere, die „vornehme" Moral, schätzt. Wie schildert er aber die ursprünglichen Träger dieser Moral? In der Schrift „Zur Genealogie der Moral" im Abschnitt 11 finden wir darauf die Antivort. MLmi muß thu ganz Nachlesen. Nur ein paar Stellen von besonders aktueller Bedeutung seien herauS- g eh oben:
„Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubtier, dic prachtvolle nach Beute und Sieg lüstern schweifende blonde Bestie nicht zu verkennen; es bedarf für dieskn verborgenen Grund von Zeit zu Zeit Entladung, das Tier muß wieder heraus, muß wieder in die Wildnis zurück . . . Tie vornehmen Rassen sind es, welche den Begriff „B a r b a r" aus all den Spuren hinterlassen haben, wo sie gegangen sind . . . Die Kühnheit vornehmer Rassen . . . ihre Gleichgültigkeit und Ber- achsting gegen Sicherheit, Leib, Leben, Behagen, ihre entsetzliche Heiterkeit nnv Tiefe der Lust ,n allem Zerstören, in allen Wollüsten des Siegs und der Grausamkeit — alles faßt sich kür die, welche daran litten, in das Bild der „Barküiren", der „bösen Feindest etwa der „Gothen", der „Vandalen" zusammen. Das tiefe eisige Mißtrauen, das der D e u t s ch e erregt, sobald er zur Macht kommt, auch jetzt wieder ■— ist immer noch ein Nachschlag jenes unauslöschlichen Entsetzens, mit dem Jahrhunderte lang Europa dem Wüten der germanischen Besttcn zugesehen hat."
Freilich fügt Nitzschc — sichtlich nicht ohite Bedauern — sofort hinzu: „Obwohl zwischen alten Germanen und uns Deutschen kannc eine Begriffs-, geschweige eine Blutsverwandtschaft besteht". Dein „offiziellen" Deutschland darf man Nietzsche jedenfalls nicht zur Last legen; für die „Uni- verjitätsphilosophie" hat er lange überhaupt nicht existiert.
und auch jetzt noch tut ntan ihn hier trat Vorliebe als „Dichter" ab. Aber auch außerhalb dieser Kreise haben die „Guten und Gerechten" keine Gemeinschaft mit ihm haben wollen. An d er s fr ei li ch uns e re Ju g en d! Die hat ihn zwar viel mißverstanden — zumal in den 90 er Jahren, wo inan meinte „Ucbermensch" zu sein, wenn man sich „auslebte" —, aber sie bekam doch mehr und mehr die richtige Witterung für ihre innere Verwandtschaft mit dem Mann, der sie beschwor: „Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg!" Und in dieser Jugend, die singend auf die feindlichen Vcrschanzungeu losgeht, lebt in der Tat etwas von dem „frohlockenden Ungeheuer", das sich „in der Wildnis schadlos hält für die Spannuirg, welche eine lauge Einschließung und Einfriedigung in den Frieden der Gemeinschaft gibt".
So wollen wir also doch die „blonde Bestie" unseres Jugend als Borbild hinstellen?
N e i n; bei aller Schätzung Nietzsches sind wir doch nicht auf seine Worte eingeschworen; auch unsere Jugend wollen wir nicht zu blinder Verehrung für ihn verleiten; er selbst wollte auch gar keine Anhänger, die „immer nur Schüler bleiben".
Uebrigens so unleugbar es ist, daß Nietzsche mit ästhetischer Bewunderung auf die „blonden Bestreu" vergangener Zeiten hinblickt: sein „Uebermenschen"-Jdeal deckt sich doch nicht mit diesem. Er findet nur gegenüber „der lleber- sälle der Mißratenen, Kräuklicheir, Müden, Verlebten, nach dem heute Europa zu stinken beginnt", in jenen kraftvollen Gestalten das gewaltige Wollen und jene Verachtung des Behagens und der Gefahr, die er auch seinen „Uebermen- schen" beilegt. In diesem Sinne sagt er in gewollter Paradoxie —: „Das Böse ist des Menschen beste Kraft. Das Böseste ist nötig zu des Uebermenschen Besten."
Nimmt man das wörtlich, so können sich allerdings auch Einbrecher auf „Zarathustra" berufen.
Aber wenn man von jenem Wort noch ein paar Zellen weiter liest, so findet man Sätze, die man als Motto vor den „Zarathustra" und vor Nietzsches Werke überhaupt setzen sollte: „Solches ist aber nicht für „lange" Ohren gesagt. Jedwedes Wort gehört mich nicht in jedes Maul. Das sind feine ferne Tinge: nach denen sollen nicht Schafs- Klauen greifen!"
Das mögen sich auch die russischen Nietzfchie-Leser merken. . A. M.
— Das Röntgenversahrcn im Kriege. Schon gleich nach Bekonntwcrden der Röntgcnstrahlen bat man die Segnungen dieser neuen Form der Diagnostik auch für den Krieg nutzbar gemacht. Wie Stabsarzt Dr. Sttauß, der Vorsteher des Röntgen- Laboratoriums der Kaiser-Wilhclm-Mademie, in einem Aufsatz der „Umschau" hervorhebt, waren die ersten, die das Röntgen- Verfahren im Felde auwandten, die Italiener 1896 im abessini- schen Feldzuge. Ein Jahr darauf errichteten im türkisch-griechischen Feldzug Küttner im Arldiz-Hospital zu Konstantinopel und aus griechischer Seite Zlbbott in Phalerus Röntgen-Laboratorien, und seitdem istchas Verfahren in ailcn folgenden Kriegen sehr vervollkommnet worden. Im Balkankricg traten schon die modernsten Typen von fahrbaren Röntgeneinrichtungen in Tätigkeit, und solche Fesdröntgenwagen finden auch bei den jetzt im Kriege stehenden Heeren Verwendung. Da ein Feldröntgenavparat eine sehr komplizierte Einrichtting ist, so ist zu seiner Beförderung ein sehr großer Wagen nötig. Tie Haupstchwierigkeit sür den Betrieb bildet die Stromguellc, und da man mit dem Vorhanden- sein einer solchen im Felde nicht rechnen kann, muß man den notwendigen Strom selbst durch eine Dynamomaschine erzeugen, die mit einem Benzinmotor betrieben wird. Die Franzosen haben, da nun einmal ein Mdotvr doch nötig ist, den ganzen Feldröntgcu- apparat als Ästttomobll MlSgsarbeitet und so die Mittel zur Strvmerzenguirg und zur leichten Betveglichkest bereinigt. Bei uns aber hat man, da dic Verwendung des Automobils im Winter mrmöglich gemacht werden kann, das Feldröntgensahrzeug, das äußerlich einem Santtätswagen ahnest, mü Pferden bespannt. Die zahlreichen Erfahrungen in früheren Kriegen haben gelehrt, daß das Röntgenvcrsahren nur da angewendet werden darf, wo man definittve ärzttiche Maßnahme,: treffen kann. Es wäre ein striding, dic Feldröntgenwagen auf den Truppenverbandplatz oder in dic Feldlazarette mifiunehmen. Die Ruhe und die sicheren Verhältnisse, die zur Anwendung der Röntgentechnik unbedingt notwendig sind, fehlen in solcher Nähe des Schlachtfeldes völlig. Ein Arbeiten unter freiem Himmel ohne Verdnnkelungseinrich- tungen und andere Vorkehrungen verbietet sich von selbst. Deshalb sind die Röntgencinrichtungen den eigentlichen Kriegslazaretteir zugeteilt. Dic 'diagnostische Bedeutung der radwlogischen Untersuchung erstreckt suh in erster Linie auf die Feststellung steckenv gebliebener Gcschoßtcllc, auf das Erkennen schwerer entzündlicher Vorgänge am Skelett und aus die Beurteilung von Schädel Verletzungen Daneben ist noch die Röntgendiagnostik der inneren Medizin und die Heilwirkung der Röntgenstrahlen von Bedenttmg. und daß die Segmmgen dieses Berfahreirs unsere,: Kriegern m reichem lvkaßc zugute konrmen, dafür sorgt die verhältniSniäßig große Zahl der ins Feld mttgesührten Wntgeneinrrchttmgen.


