bringen, dag meine tapferen Armeen nach blutigem Kampfe die russische Armee vollständig geschlagen haben und sie siegreich verfolgen. Ich erblicke in diesem ersten Sieg meiner Armer ein gutes Vorzeichen für den endgültigen Erfolg unserer gemeiniamen Ziele und hege die feste Zuversicht, bifc mit Luise des Allmächtigen diesem Siege bald grögere Siege unserer verbündeten Heere auf drei Kontinenten wie auch auf allen Meeren folgen werden."
Tic Bedeutung des „heiligen Krieges".
K o n st a n t i n o p e l, 16. Nov. (WTB Nichtamtlich.) Der Scheich ü k Islam, Hairi Ben Auni, der dem Konstantinopcier Vertreter des „Bert. Tagebl." in Audienz empfing, erklärte auf Fragen nach der geistigen Organisation des Js?ams und der Bedeutung, welche der „Dschihad" (heilige Krieg i für die mohammedanische Welt habe:
Noch niemals hat das Kaliiat in der Form, in der sie heute bestkht, das Banner des Dschihad entfaltet. Selbst die heiligen Kriege, welche der Islam zur Zeit der Kreuzzüqe iührte, sind nicht mit der Größe dieser heiligen Aufgabe zu vergleichen. Seither lind Jahrhunderte vergangen. Aber das Wort und die Lehre, die der Dschihad gebiete, lebte in den Herzen der Mohammedaner weiter. Wenn heute die Fetwa-i-Scheris ergeht, weih jeder gläubige Mohammedaner und nötigenfalls jedes mohammedanische Weib, was i.bre Pflicht ist. Tie Feinde des Islams, die das staliat bedrohen, zwangen uns zu dem heiligen Kriege. Tie Anstrengungen, uns die Mittel des modernen Verkehrs zu unterbinden, werden ihnen wenig Helsen. Schon wissen die Hundertlausende von Pilgern, die von Mekka nach Medina ziehen, von dem Erlag des Fetwas. Wie Mikroben werden sie in den Körper der feindlichen Reiche, vor altem Englands und seiner Kolonien, dringen, unaufhörlich) werkend nnd an ihrem Marke zehrend. Ueberall, im Iran wie in den psrikonisckien Kolonien wird das Gebot des Dschihad den Lebensnerv unserer Feinde und aller, die sie unterstützen, zerrütten, Mich jener, die etwa noch künftig an ihre Seite treten sollten. Tie Kinder Mohammeds, deS Propheten, werden nicht untergehen. Wir find glücklich. Isen Krieg gemeiniam mit den Arnieen Oesterreich-Ungarns und Kaiser Wilhelms zu führen, dessen Wort: „Ich bin ein Freund der 300 Millionen Mohammedaner" alle Anhänger des Islam kennen.
K o u st a n t i n o p e l, 16. Nov. (WTB.) „Tcrtschuman- i-.Hakkikat" erfährt: Der Kadi von M e b i u e, die Mufti der miiselmatitscheii Kulte der Hanesitcn und Sdjäfuten sowie die Wächter des Grabes des Propheten telegraphierten hierher, daß die Bevölkerung an dem Heiligen Krieg teilnehmen werde.
rSic cs in Paris anöffcht.
Zürich, 16. Nov. Ein in der „Neuen Zürcher Ztg." veröffentlichter Pariser Brief entwirft solg'nde Schilderung. Was uns in den Straften zuerst etwas Verb äfft, ist die Ruhe des Verkehrs. Kein Automobil, kein Pferdeomnibus ist zu sehen, da sie im Felde Verwendung gesunden haben. Nur wenige Straßenbahnen sind im Betrieb. Eilig hat es gegenwärtig niemand. Die Geschälte stehen leer. Biele sind nur osfen, um zu zeigen, das', man hier' geblieben nnd nicht beim blähen des Feindes geflüchtet ist. Es lvar dies eine behördliche Vorschrist, die man der Regierung im geheimen ein wenig verargt. Tie meisten großen Modehäuser sind lvieder geösfnet, meistens jedoch nur einige Stunden des Tages. Aber die seltenen Kunden werden hier viel streitger nach 5iome und Ort aesragt, als von den Militärpvsten an der Landesgrenze. Man will nicht, daß unter neutraler oder erborgter Frcundesslagge Erzeugnisse der Pariser Mode in das Ausland gelangen lwonach auch gar kein Bedürfnis bestell). Es >virl> fast gar nicht gearbeitet. Die bessergestellten Arbeitskräfte sind entlassen und cs gibt säst nur noch Arbeiterinnen. Sämtliche Theater sind geschlossen. Um 8 Uhr nrstssen die Kaffehäuser und um VtlO Uhr die Restaurants schließen.
Die französische Regierung braucht neue KricgSkredite,
Christiania, 15, Nov. Ein Telegramm aus Paris meldet: Die französische Regierung fordert vom Parlament 911 Millionen Franken Kriegs!redite. Davon sollen 800 Millionen für Deckung von Kriegsausgaben im November Verwendung finden. 7 Millionen sollen den Arbeitslosen zugute kommen.
Eine Aeußcrung de» Königs von Bayern.
München , 16. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Bei einer Besichtigung einer Abteilung der Wehrkraftschüler, welche der Reichstagsabgeordnete Major van Ealker dem Könige vorführte, hielt der König nach dem „Lokalanz," folgende Ansprache:
„Der Krieg wird noch lange dauern, aber wir werden nicht ruhen noch rasten, bis der Feind aus dem Felde geschlagen ist und wir den Frieden haben, der uns auf lange Zeit vor einem Ueber- falle sichert. Ihr bereitet Euch aus den Krieg vor. Vergeht aber darüber Eure bürgerlichen Pflichten nicht und Euere Studien. Tenn unsere Ersvlge waren nur dadurch möglich, daß wir in der Schule eine Bildung erreichten, wie sie in keinem Lande der Welt möglich war. Vertrauet «jus Gott, vertrauet aus unsere brave Armee, tut Euere Schuldigkeit, Gott besohlen,"
Tie Ueberrefte der belgischen Armee.
R 0 s e n d a a l, 16. Nov. In den letzten acht Tagen büßte die belgisckw Armee 18 (XD Mann ein. Die Verluste an Offizieren belaufen sich auf 600 Man». Etwa 2000 Mann flüchteten in Bürgerkleidung nach Holland. Die Zahl der von den Temscken gei'angenen Belgiern >m>d ans 4000 geschätzt. Diese Angabe lic- sctte ein vorgestern internierter Leutnant. Er teilte noch mit, daß die bei gesäten Heeresreste sich im Zustande völliger Auflösung befinden. 25 000 Mann sind noch vorhanden, doch läßt sich mit den Mannschaften nickws mehr unternehmen. ES üfteint, daß die französische Heeresleitung den demoralisierenden Einfluß der Belgier auf 'die Linientrupven befürchtet und eine strenge Sckteidung zwischen Frauzosen und Belgiern vorgenommen hat. Meutereien kamen in den letzten Tagen wiederholt vor. Die erfchöpsten Soldaten verliehen nachts die Schützengräben und boten sich dem Feind als ißesangene an. Ein Hanvimann, der seine Truppen zu einem Sturm antrieb, Nmrde durch einen Bajonettstich in den Nacken getötet. Dem König Albert ist es unmöglich, den Mannschaften Mut zuzusprechen. Seine Besuche in den Laufgräben werden von den Offizieren sehr peinlich einpfunden.
Deutsches Geld in Belgien,
Brü ss el, 16, Nov, (WTD. Nichtamtlich.) Eine Verordnung des Generalgouverneurs in Belgien bestimmt, die durch Verordnung vom 3, Oktober 1914 festgesetzte Verpflichtung, deutsches Geld in Zahlung zu nehrnen, wobei eine Mark bis auf weiteres mit mindestens 1,25 Franks zu berechnen ist, kann durch Parteivereinbarungen nicht beseitigt werden.
Ein Landesverräter.
Metz, 16. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Das Gouvcrne- ment hat heute auf Befehl des Gouverneurs eine Untersuchung gegen den Ehren-Domherrn Abbe Coll in aus Metz, zurzeit unbekannten Aufenthalts, wegen Landesverrats und Majestätsbeleidigung, begangen durch einen Artikel in der französischen Zeitung „La Croix", eröffnet.
Die Schweiz »itd ihre Neutralität.
Berlin, 16. Nov. (Priv.-Tel.) Das „Bert. Tagebl." meldet ans Rom: Nach einer Meldung des „Corr. d'Jtalia" schrie der französische Konsul in Bentimiglia eine Deutsch-Schweizerin, die ihren Paß visieren lassen wollte, laut an und erklärte, er werde ihr nicht gestatten, nach Frankreich zu gehen, da alle Deutsch-Schweizer Feinde Frankreichs seien. Die Szene wird diplomatische Folgen haben.
Aus Italien.
Berlin, 16, Nov, (Priv.-Tel.) Das „Bert. Tagebl." meldet aus Rom: Der Hochschulprofessor Telollis lenkt von neuem in einem offenen Briefe die Aufmerksamkeir der Regierung auf das Treiben des Direktors des französischen Institutes in Florenz, Lichaire, hin, der andauernd junge italienische Republikaner für das französische .Heer anzuwerben suche. Das französische Institut in Florenz sei zu einem französischen Rekrutierungsbureau geworden.
Ein päpstlicher Hirtenbrief siir den Frieden.
Rom, 16. Nov. WB. Nichtamtlich.) Der P a v st richtete an die Bischöfe der katholische» Welt eine Enzyklika, in der cs heißt: Ter Papst war, als er aus den Stuhl von St. Peter stieg, schmerzlich betrofsen über die bedauernswerte Lage, in der sich gegenwärtig die bürgerliche Gesellschaft befindet, aber freudig berührt von dem ersrcnlichen Zustand, in dem ihm fern Vorgänger die Kirche übergab. Tie Enzyklika begründet ausführlich diese beiden Eindrücke und spielt hinsichtlich des ersten auf den schrecklichen Krieg der Geister an, sür den sie vier Hauptgründe findet: 1. Mangel an gegenseitiger ausrichtiger Liebe unter den Menschen: 2. Verachtung der Autorität: 3. Ungerechtigkeit in den Beziehungen zwischen den verschiedenen bürgerlichen Klassen nnd 4. die materiellen Güter, die das einzige Ziel der menschlichen Tätigkeit geworden seien. Nach einer Prüfung der günstigen Lage der Kirche und des weiten Gebietes, das ihrer Tätigkeit noch osien- steht, schließt der Papst mit dem heißen Friedens wünsch: Frieden sür die Nation il. die in ihm unschätzbare Gü er sin-cn p ü ;t Fi'der fü die Kirche die ft ihm di ihr >>o w ndig' Freiheit finden werde sowie die Beendigung des anormalen Zinkandes, in dem sich heute der Stellvertreter Christi befinde und gegen den der Papst in Erfüllung seine: heiligen Pflichten die Proteste seiner Vorgänger wicperholc. Zn diesein Zwecke empfehle er, zu Gott um Frieden zu beten unter Vermittlung der heiligsten Jungfrau.
Tie Lage in Indien.
Wien, 16. Nov. Bon einem Oesterreicher, der aus Indien nach Wien zurückgekchrt ist, werden der „Neuen Freien Presse" Mitteilungen über die dortige Lage seit dem Kriegsausbruch gemacht. Tie Stimmung der M 0 h a m - nredancr war von Anfang an deutschfreundlich, Tie Kenner der Verhältnisse zweifeln nicht, daß die Nachricht von dem Heiligen Kriege über Afghanistan trotz strenger Nachrichtensperre Eingang finden toird. Tie Hindus ver halten sich indifferent, scheinen aber auch nur au» einen günstigen Augenblick zuirl Aufstand zu lauern. Japanische Geheimagenten bereisen in großer Anzahl das Land, scheinen aber keineswegs den Bundesgenossen, sondern versteckten Sonderinteressen zu dienen, welche die Inder bereits mit großem Misstrauen erfüllen.
Kein deutsches Kriegsschiff in japanischen Händen.
Rotterdam, 16, Nov. Nach Londoner Meldungen aus Tokio ist kein deutsches Kriegsschiff in die Hände derIapc, ner gefallen. Vielmehr sind vor der Uebergabe Tsing aus alle dortigen Kriegsschi fe einschließlich des österreichischen Kreuzers „Kaiserin Elisabeth" durch Explosion vernichtet worden.
Aus Südafrika.
Kapstadt, 14, Nov. (WTB. Mchtamilich.) Amtlich wird gemeldet: Der Kommandant V i s s e r nahm siebzehn Rebellen zwischen Baryburg uich Marigoto gefangen. Der Konrmandant de B e e r nahm ein Kommando von 50 Mann und 70 Pferden gefangen in der Umgegend von Schweizer- reneke. Auf beiden Seiten gab es zlvei Leichtverwundete,
Aur dem Reiche.
Berlin, 14. Nov. (WTB. Mchtamilich.) Die Kriegs» zentrale des Hansabundes hat dem Reichskanzler von der Begründung der Kriegskreditkasse für den deutschen Mittelstand e. G. m. b. H. Mitteilung gemacht. — Darauf hat der Reichskanzler dem Präsidenten des Hansabundes, Geh. Justizrat Professor Dr. Riesser, am 10. November aus dem Großen Hauptquartier geantwortet: „Euer Hochwohlgeboren bitte ich.für die freundliche Mitteilung über die Gründung der „Kriegskreditlasse für den deutschen Mittelstand" meinen verbindlichsten Dank ent- gegenzunelnnen. Der Geist der Organisation und Selbsthilfe, der auch aus Ihren wertvollen Bestrebungen spricht, ist ltnsere beste Waffe in diesem schweren Kampf. Gez. Beth- marm Holüvcg."
Berlin, 16. Nov. (WTB: Amtlich.) Der „Reichsanzeiger" veröffentlick,t eine Königliche Verordnung betr. die Bildung von Genossenschaften zur Bo den Verbesserung von moor- und heideähnlichen Ländereien vom 7. November 1914.
An» Stadt nnd tan-,
Gießen, 17. November 1914, Ter Gießcner Landsturm im Feindesland.
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Sonntag ist's in der Heimat. Rings gehen die Glocken und laden die in jetzt doppelt angestrengter Arbeit Schaffenden zur Besinnung auf Bedeutung mrd Ziel dieser bewegten, großen Zeit. Anders draußen in Feindesland! Der Soldat hat meist alles Verständnis für Zeit Nnd Ranm verloren. Ihm bringt der Tanz der Horen den ewig gleichen Dienst, sei es im Schützengraben, sei es auf Wache im Etappengebiet. Wie ein Märchen ans alten Zeiten mutet es ihn an, wenn bei der abendlichen Be- seblsmisgabe am Wochenschluh die Mitteilung erfolgt, daß der nächste Tag ausnahmsweise einmal ein sonntäglicheres Gesicht zeigen werde, als seine inS Meer der Ewigkeit versunkenen Brüder der letzten Wochen und Monate.
Auch der Gießener Landsturm nahm die kürzlrche Nachricht, ein deutscher Feldprcdigcr werde für die dienstlich abkömmliche Besatzung der Stadt SS. einen Feldgottesdienst halten, freudig entgegen. Tie vorgeschrittene Jahreszeit erlaubte sreilich nicht gut einen Gottesdienst im Freien, und so bemühte sich der inzwischen eingcttoffcne Geistliche um Erlangung einer der katholischen Kirchen der Stadl, fand aber ziemlich lebhaften Widerstand, angeblich aus Gewissensbedenken. Erst ein sanster milü arischer Nachdruck weckte die bessere Einsicht, und so wurde St. Nicolas für den gewünschten Zweck frei gegeben.
Tiefe Kirche ist die ehemalige Kapelle des Jesuitenkollegrums und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut. Nackchenr sie während der großen französischen Revolution in einen Tempel der Vernunft oerlvandelt worden war, wurde sie nach Abschluß des Konkordats von neuem dem katholischen Kultus gewecht. Trotz ihrer Stillosigkeit macht sie mit ihrer die Wände rings „mzichen- den dunklen Holztäfelung und den bequemen, das Schiß füllenden Baststühlen mit Betpult einen ganz anhetmekriden Eindruck.
Der Hochaltar mar diesmal, von dem ewigen Lämpchen abge- sehen, in Dunkel gehüllt, aber einer der Seitcnaltäre war der unbefleckten Empsängnis zu Ehren mit Dutzenden von brennend«, Lichtern, mit Rosen und Astern, den letzten Gaben des Herbstes, geschmückt. Welch eindrucksvoller Gegensatz jedoch zivischen da, ttarrzösischen Mauern und den drutsckzen Liedern, den sranzösisckxn Formen nnd dem deutschen Geist! Aus der Kanzel der deutsche Feldgeistliche in, feldgrauen Rock nach militärischen» Schnitt und iu braunen Stiefeln und Ledcrgamascheu, als getsrlick-cn Standes nur durch das aus der Brust hängende Kreuz und die Rote Zvreuz- Binde mit dem violetten Stteisen kenntlich. Unten im Schih die Gemrtirdc beider Konsessionen: der hessische Landsturm in den trog bestwilliger Bearbeitung mit Bürste nnd Seisc schon recht abgetragenen blauen Litewken, dazu Feldgrau und Eisenbahner.
Tie BataillonSmusik erössnetc den seltenen Gottesdienst mit dem Niederländischen Tankgcbet. Dann wechselten Gebet und Liederstrophen bis zur Predigt, schlicht, herzhaft, kurz, wie es die Lage und den Bedürfnissen der Zuhörer entsprach, vom cinleitenbcn „Liebe Kameraden!" an bis zum kernigen Schluffe „Heil Schwarz- Weiß-Rot!" Ter Text Jeremias 30, i 1 ff. „Denn ich bin bei dir, daß ich dir helfe usw." gab dem Prediger Gelegenlscit, einen vollen Drritlang aus der Ewigkeit —• der treue Gott, die gerechte Lache, das herrliche Ziel — an zu sch lagen, so daß sich mancher der bärtigen Beter hörbar schneuzte, um das Taickwuruch unverfänglich in Augcnnähe bringen zu können. Nach Gebet, Vaterunser, Lege» und dem Liede der Deutschen, von der Blasmusik vorgctragen, leerte sich die Kirche, um draußen noch einmal ein militärisches Schauspiel zu sehen. Der .Kommandeur teilte dem aushorchcnden Bataillon den neuesten Erfolg unserer schneidigen Flotte im Kampf gegen ein englisches Kreuzergeschivader mit nnd fand mit bera ausgebrachten Hurra aus unsere blauen Jungen kräftigen Widerhall.
Solche Stunden im Leben des Landsturmmannes bilden allerdings seltene Ausnahmen. Die Regel ist der eintönige Wechsel zwischen Postenstehen — zehn Schrille hin, zehn Schritte I»er — und der sog. Bcreitschast bezw. dem Arbeitsdienst, wovon sich das gemeinsame Kartossclschälen großer Beliebtheit erfreut. Als das Bataillon s. Z. in seinen jetzigen Standort B. mit Ilingrndan Sviel und Kriegslieder singend, strammen Schrittes cinrückte, hofften wohl alle auf eine Reihe hübscher kleiner Erlebnisse, tose sic die alten Kriegsgeschichten so angenehm zu schildern wisse«. Aber Poesie und Wirklichkeit stimmen nur selten zu schöner Harmonie: erst wenn die Erinneruiig als Dominante hinzuintt, gibt cs die Musik, die ein ganzes Leben mit Zauberglanze füllt. Vielleicht wird einst auch mancher der heutigen Landstürmer lauschenden Enkelkindern lächelnden Mundes von jenen grauen Tagen erzählen, da er ivcit draußen im Lande der dunkelhaarigen Fremden mit geladenem Gewehr nnd aufgepslanztem Bajonett sür die rückwärtige Sicherlwit der dem Siege entgcgengesiürmten Kameraden die neblige Herbstnachl durcknvachte, und rannt der Sturmwind um die Höhen des Vogclsbergcs braust und hundertjährige Föhren krachend zersplittert, wird er sich des Donners deutscher Geschäft erinnern, die Anno 1914 Tod und Verderben in die Reibe der Feinde aus allen Weltteilen schleuderten. Heute haben diese Ding« ein noch zu junges Gesicht, um als Ganzes ersaßt und gewürdigt zn werden. Die verdrießlichen Einzelheiten beherrschen die Emp sindnng, lind es ist menschlich nur zu begreiflich. wenn etwa an- gestellte Vergleiche sich weniger mit der Lage der Flontsoldairn als mit der niisgegebcnen im Schoße der Faviilic belassen. Alles in der Welt hat ja nur verhältnismäßigen Wert.
Das Leben in Bürgeranarticren und der in mancherlei Bc- zichiing bildende Verkehr mit anders gearteten, anders denknidci« und redenden Menschen blieb also unsrrm Landsturmbataillon — abgesehen natürlich von den Offizieren — wie in E., so auch in V. bisher versagt. Die Kompagnien wurden vielmehr auö'inalidw- gezogcn und zur Bewachung verschiedener Bahnlinien verwandt. Nicht gleichartig sind also die Lose, die den verschiedenen größeren und kleineren Abteilungen des Ganzen ai::> der Urne des Schicksals, in diesem Falle also der Mapvc der Ordonnanz, entflattcr!«, Wohl aber dürsten sie trotz äußerlicher Unterschiede so -äemlich gleichwertig sein. Fliegen dem Kochkessel der eine» Feldwache Fasanen zu. indes sich im Keller des beherbergenden Hauses rin: köstliche Quelle roten Weines ausgctan hat, versieht rin anderer Zug den Wachdienst in der Stadt B. selbst, hat also verhällniömälig reichlich Gelegenheit, nnie und anregende Eindrücke z' »amtnetn, muß dafür aber in anderer Beziehung hinter den zu selbständiger Requisition — Soldatcnmund spricht von „Emvsang" - - Berechtigten zurückstehen. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt, und nur zu entschuldbar, wenn unter den verschiedenen Posten, unbeschadet der Kameradschastlichkeit, die Oleneigtheit besteht,^ die Schattenseiten der eigenen Stellung möglichst schwarz zu schildern, um ihre kleinen Vorteile um so ungestörter zu genießen, R. 8.
** Die Kartoffel not. Die L«ndtvirtschaslsk>immcr für das Großherzwgtum Hessen ersucht die Zeiliiusieit um Verbreitung der nachstehenden — dritten — Mahnung an die landwirtschaftliche Bevölkerung ihres Bezirks:
„In den Städten lvird die Klage über ungenügende Anfuhr von Speisekartosfelit immer wieder, und in einzelnen Stadtbezirken sogar in verstärktem Biaße er« ltoben. Die städtische Bevölkerung unterschiebt de,, Landwirten eine absichtliche Zurückhaltung der Kartoffeln aus Spckulationszwecken. Wenn wir auch diesen Vorwurf nicht für berechtigt halten, da vielfach wirtschaftlich« Gründe die Landwirte zwingen, nicht mit selxr großen Mengen auf den Markt zu kommen, andererseits die Nachfrage außergewöhnlich groß ist. so fordern wir doch unsere Landwirte nochmals aus, möglichst alle für Berka»fszwecke verstigbaren Kartoffeln sofort zilin Markte zu bringen bezw. jetzt abzitgebcn. Tie Landwirtschaft will und muß zeigen, daß sic mit der Stadtbevölkeruttg einig bleiben w i IL"
Ein grelles Streiflicht auf die Mißsiände, unter denen wir namentlich auch hier in Gießen zu leiden habm, wirst der folgende verbürgte Dorfafl: Gestern kam ein HandloerkS- meister in das Einqmirtierunae-bü 1 reau der Bürgermcffterei nnd bat, man möge ihin doch seine zwei Landstürmer abnehmen, er könne für Geld und Mte Worte keine Kartoffeln auftreiben und wisse nicht, womit er die Leute, die einen gesunden Hunger haben, satt machen solle. Der Mann erklärte, er habe einen Kartoffelhändler, der ganze Keller voll dieses Nahrungsmittels liegen habe, um Lieferung gebeten und 9 Mk. für das Malter geboten. Ter Händler aber habe bestimmt erklärt, er verkaufe jetzt keine Kartoffeln. Man quartierte die beiden Leute loegen der Kartoffelnot des Qnartierwirts einfach um.
** Ritter des Eisernen Kreuzes: Komandeur des Res.-Fäger-Bats. Oberstleutnant Frhr. Schenk zu Schweins b erg und seine Söhne Bernhard, Lt. d. R in der 2. Garde-Maschinengewehrabt., nild Karl, Lt. im Letb-Inf.-Regt. 115. Grenadier Ludwig Briel (Gardc- Oircn.-Regt. 5) aus ReR>ehausen bei Marburg. Oberst, und Kampa gnicführer im Rcs.-Jnf.-Rcgt. 76 F. W. Bich mann aus T-arnlstadt. Fritz Merck, Lt d. R. im Drag,-Regt. 14. Postassistent Siebenwurst, Lt. d. R Bmtrai R. Neuling von der Bauabt des Grvßh. FinMtzministerimnS beim Feldart-Regt. 6l aus Darmsdadt. WÄH. Brückmann aus Dortelweil. Kriegsfreiw. Redakteur Georg Dümas in Frankfurt a. M Bizefeldwebek mtb Kompagnicführer Heinrich Schmidt und Musketier Friedrich Gondolf aus Oppershofen. Assistenzarzt Dr. Heinr. Wolkclvitz im Ins.-Regt. 88, aus Taucrnheim. V^eseldw. Rudols M alk- mus vom Landw.-Jns.-Regt. 116 in Alsfeld. Posiafsistent Mzeseldwebel d. R Born auS Bad Nauheim. Telegraftheu- afftstent Einj.-Freiw.-Ufsz. Darmstädter aus Bad-vdtu-


